Chapter Three: Confronting The Dark Lord

Es war nicht wirklich schwer, Voldemorts Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Immerhin war seine Verbindung zu Ihm durch seine Reise in die Vergangenheit wiederhergestellt worden. Das Dunkle Mal brannte nun sogar stärker als jemals zuvor.
Oder bildete er sich das etwa nur ein? Kam es ihm nur so vor, weil er es so lange schon nicht mehr gespürt hatte? In jedem Fall hätte er die Tätowierung am liebsten auf der Stelle für immer von seinem Arm entfernt, wenn er dazu in der Lage gewesen wäre. Er hasste sie und sich selbst dafür, dass er sie einst freiwillig empfangen hatte. Dies wurde ihm erst in diesem Moment wieder bewusst. Das Dunkle Mal war nicht nur seine Eintrittskarte in die Reihen der Todesser, sondern auch die bleibende Erinnerung daran, dass er in seiner Jugend einen falschen Weg eingeschlagen hatte. Einen Weg, der vor allem der Frau, die er geliebt hatte, das Leben gekostet hatte. Wenn er nicht so blind gewesen und Voldemort die Prophezeiung verraten hätte, hätte Lily wahrscheinlich überlebt.
Oder auch nicht, warf eine kleine Stimme in seinem Kopf ein, mit einer Mischung aus Trotz, Selbstschutz und einer gehörigen Portion von Dumbledores Schicksalsglauben. Selbst wenn er nicht davon überzeugt war, dass alles genauso hätte kommen müssen, wie es sich in seiner Vergangenheit abgespielt hatte, konnte er eines nicht leugnen: Selbstmitleid half ihm im Moment überhaupt nicht weiter.

Snape sah prüfend über die belebte Straße zu dem eher unauffälligen Stadthaus im Herzen Londons hinüber. Nun, unauffällig war etwas untertrieben. Immerhin waren Muggel und auch die meisten Zauberer nicht in der Lage, es entdecken. Der Orden des Phönix war schließlich nicht die einzige Gruppe, die ein ganzes Gebäude vor den Blicken nicht Eingeweihter schützen konnte.
In diesem Moment spürte er einen leichten Druck auf seiner Schläfe, der schnell stärker wurde. In seinem Kopf begann es zu summen, als hätte sich plötzlich ein ganzer Bienenstock in seinem Gehirn eingenistet. Er unterdrückte den drängenden Impuls, sich dagegen zur Wehr zu setzen, weil er ahnte, was dies zu bedeuten hatte.
Daraufhin verdichtete sich das Summen zu einer Stimme, die mit spürbarer Bösartigkeit seinen Namen zischte. Ssseverusss Sssnape isst sssurück.
Unauffällig suchte er aus den Augenwinkeln heraus seine Umgebung ab, konnte Nachasha, die Schlange des Dunklen Lords, jedoch nirgendwo ausmachen. Wahrscheinlich befand sie sich innerhalb des Hauses und hatte ihn bereits gerochen. Und Voldemort wollte ihm mitteilen, dass er gerade von der Anwesenheit seines Untergebenen erfahren hatte.
Somit hatte sich sein Versuch, die erneute Begegnung mit seinem alten Herrn noch etwas hinauszuzögern, wohl erledigt.

Ohne auf den Verkehr zu achten, überquerte er unbeschadet die Straße und stieg den Aufgang zur Eingangstür hinauf, ohne von den Passanten um ihn herum überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden. Bevor er eintrat, blieb er ein paar Sekunden lang stehen und ließ seinen Blick über die Hausfront schweifen.
Er war schon ewig nicht mehr hier gewesen. Soweit er sich erinnern konnte, war diese Immobilie der Geschwister Carrow beim Kampf gegen die verbleibenden treuen Todesser zerstört worden. Was unter anderem auch daran gelegen hatte, dass er den Orden in das Geheimnis vom Standort dieses Gebäudes eingeweiht hatte.
Mit einem entschlossenen Ruck stieß er schließlich die Tür auf, bevor einer der Anwesenden noch einen nervigen Hauselfen bemühte, ihm zu öffnen. Schließlich benötigte er keinen Schlüssel. Jeder der Geheimniswahrer brauchte nur mit der Hand den Messingknauf in Form eines Werwolfkopfes zu berühren und wurde augenblicklich eingelassen. Andere hingegen, denen der Zutritt verweigert war, wurden von einem Fluch getroffen und meterweit durch die Luft geschleudert.
Wie gut, dass er immer noch über die Befugnis verfügte, das Haus betreten zu dürfen. Bisher schien Voldemort keinen Verdacht geschöpft zu haben.

Dennoch spürte er, dass der Dunkle Lord schon ungeduldig auf ihn wartete. Das Ziehen in seinem Arm wurde heftiger und der Druck auf seine Schläfe stärker. Daher beeilte er sich, durch den schmalen Eingangsflur in das riesige Wohnzimmer hinter der ersten Tür auf der rechten Seite zu kommen, in dem normalerweise die Todessertreffen stattfanden.
Der hintere Teil des etwa fünfzig Quadratmeter großen Raumes war bereits vollkommen überfüllt. Wie immer scharrten sich die Anhänger Voldemorts wie lästige Fliegen um ihren Herrn. Neidisch beäugten sie sich gegenseitig und wagten kaum, sich nur wenige Meter zu entfernen, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie wären weniger treu als andere. Besonders zu diesem Zeitpunkt, an dem die größte Machtentfaltung des Dunklen Lords unmittelbar bevorstand. Alles nur Arschkriecher, die nur darauf auswaren, die größte Belohnung für sich einzuheimsen und ihre Konkurrenten auszustechen.
Natürlich hatten sich gewisse Personen sofort die Plätze weit vorne ganz in der Nähe ihres Herrn gesichert, der an einem der drei hohen, lichtdurchfluteten Fenster stand und hinaus auf die Straße blickte. Er konnte Lucius Malfoy, die Carrows, Antonin Dolohow, Bellatrix Lestrange und Igor Karkaroff erkennen. Allein Bellatrix wirkte nicht wie jemand, der sich nur einschmeicheln wollte, sondern eher wie ein verliebtes dummes Mädchen, das ihrem Schwarm überallhin folgen würde.

Plötzlich drehte sich Voldemort zu ihm um und gebot seinen Anhängern mit einer unwirschen Handbewegung, zur Seite zu treten. Wahrscheinlich um einen besseren Blick auf Snape zu erhaschen. Sofort spürte dieser, wie der Dunkle Lord sich in seine Gedanken schlich und ihm stumm mit unwiderstehlicher Macht befahl, näher zu kommen.
Er folgte dem Befehl ohne zu zögern, schritt durch die sich öffnenden Reihen der Todesser nach vorn und kniete vor Voldemort nieder.
Dieser musterte ihn mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit für seine Person und emotionsloser Neugier. „Was gibt es für Neuigkeiten aus Hogwarts?"
Jetzt war der Augenblick gekommen, die Falle auszulegen. „In der Schule ist eine Lehrstelle freigeworden. Horace Slughorn hat sich in den Ruhestand zurückgezogen."
Der Dunkle Lord reagierte mit leicht abfälligem Desinteresse. „Ich verstehe. Zaubertränke wird bald jemand anderer unterrichten. Die Frage ist nur, weswegen diese Information für mich von Interesse sein sollte."
Severus' innere Anspannung wuchs, während er es vermied, seinem Gegenüber direkt in die Augen zu sehen. Er wusste zwar, dass sein Plan funktionieren würde. Immerhin hatte er ihn schon einmal erfolgreich durchgeführt. Aber er konnte sich auch irren. Ein kleiner Fehler und er war so gut wie tot. „Ich dachte, es könnte Euch interessieren, wer der neue Lehrer für dieses Fach sein wird."
Er spürte förmlich, wie Voldemorts Neugier stieg. „Wer?"
Diesmal wagte er es, direkt in die rotglühenden Augen zu schauen. „Ich."

Die Stille, die auf seine Antwort hin im Raum eintrat, war fast mit Händen zu greifen. Auf einmal waren alle Blicke nur auf ihn gerichtet. Bellatrix Lestrange musterte ihn misstrauisch, Lucius Malfoy dagegen mit unverhohlenem Neid.
Die Reaktionen der Übrigen konnte er dagegen nicht erkennen, da der Dunkle Lord auf ihn zutrat und seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte. „Komm, Severus, steh auf. Wir werden uns besser über alles Weitere unter vier Augen unterhalten." Voldemort gebot den anderen zurückzubleiben und führte den Schwarzhaarigen aus dem Zimmer hinaus in den Flur. „Wir sollten in den Garten hinterm Haus gehen. Dort können wir uns ungestört unterhalten."
Mit einem unguten Gefühl im Magen folgte er dem Dunklen Lord nach draußen. Die völlig von Unkraut und Sträuchern überwucherte Gartenanlage nahm er kaum wahr.
Warum wollte Voldemort ihn diesmal allein sprechen? Um ihm irgendeinen speziellen Auftrag zu geben, von dem die anderen Todesser nichts erfahren durften?
Für einen kurzen Moment erinnerte er sich an Draco Malfoy. Dessen Auftrag, Dumbledore zu töten, war auch im Geheimen erteilt worden. Und obwohl er Albus' Marionettenspielertricks manchmal hasste, wollte er ihn dennoch nicht umbringen müssen. Nicht schon wieder.
„Das war ein raffinierter Schachzug, diese Chance zu nutzen.", riss ihn der Ältere mit Anerkennung in der Stimme aus seinen Gedanken. Aber als er sich zu Snape umdrehte, funkelte leichter Argwohn in den roten Augen auf. „Wie hast du es geschafft, dass er dich eingestellt hat? Der alte Mann ist kein Narr. Hat er denn keinen Verdacht geschöpft?"

Eine eisige Kälte schloss sich augenblicklich um Severus' Herz. Dies war der Moment der Entscheidung. Wenn er jetzt nicht überzeugend genug war, würde der Dunkle Lord misstrauisch werden und ihn beseitigen lassen, bevor er Lily nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommen, geschweige denn gerettet hatte.
„Ich habe ihm weisgemacht, ich könne Eure Ziele nicht mehr länger unterstützen, Herr. Dass ich niemals geahnt hätte, welche Auswirkungen Eure Taten haben würden. Und dass ich meine Entscheidung, mich Euch anzuschließen, inzwischen bereuen würde."
Die rotglühenden Augen verengten sich zu Schlitzen. „Tust du das denn?"
Snape spürte, wie Voldemort ihn durchleuchtete und in seine Gedanken eindrang, um eine eventuelle Lüge sofort zu erkennen. Das hieß, er musste ausweichend antworten und Dinge ansprechen, die seiner Meinung nach den Tatsachen entsprachen. „Dumbledore ist zwar kein Narr, wie Ihr sagtet, aber er glaubt an etwas, dass er das ‚Gute im Menschen' nennt. Er ist weichherzig genug, jedem eine zweite Chance zu geben, der nur glaubhaft genug darum bettelt und ihn um Hilfe anfleht. Man muss ihm nur das Gefühl geben, dass man wieder der kleine, dumme Schüler ist, den er einst unterrichtet hat."

Der Dunkle Lord musterte ihn auf diese Worte hin lange mit abschätzendem Blick.
Der Schwarzhaarige fürchtete schon, er wäre zu weit gegangen, hätte zu sehr übertrieben.
Aber plötzlich glitt ein teuflisches Lächeln über das Gesicht seines Gegenübers. „Ja, du hast Recht. Du hast seine größte Schwäche sehr gut erkannt. Vergebung! Was für eine Verschwendung! Weshalb sollte man einem Feind Gnade gewähren, wenn man ihm damit die Möglichkeit bietet, zurückzuschlagen und erneut anzugreifen? Oder sich, wie in deinem Fall, in die gegnerischen Reihen einzuschleichen und Informationen zu stehlen? Man sollte dieses Risiko niemals eingehen, wenn man die Chance erhält, seinen Feind zu vernichten."
Severus zog kurz eine gequälte Grimasse. Diese Belehrung hörte sich wie eine ernstzunehmende Warnung an. An ihn im Speziellen wohlgemerkt. „Zu unserem Glück scheint Dumbledore diese Ansicht nicht zu teilen."
„Und dennoch ist er immer noch am Leben.", zischte Voldemort und sein unterdrückter Zorn entlud sich in einer Woge aus schwarzer Magie, die Snape für einen Moment die Brust zuschnürte und ihm den Atem raubte.
Doch der Dunkle Lord hatte sich schnell wieder unter Kontrolle. „Aber wenn Potter erst einmal beseitigt ist, wird auch der alte Mann bald erledigt sein. Und wenn du deine Rolle gut spielst, werden wir dieses Kind hoffentlich demnächst ausfindig machen."
Und mit ihm dessen Mutter.

Eilig versuchte der Schwarzhaarige, die aufkeimenden Gefühle der Verzweiflung und der Wut zu unterdrücken, bevor sein vermeintlicher Herr diese riechen konnte. Sonst würde dieses Treffen noch unangenehm für ihn enden. „Ich werde alles tun, um herauszufinden, was Dumbledore in dieser Hinsicht für den Jungen geplant hat."
Voldemort nickte nur kalt. „Ich weiß, dass ich darauf vertrauen kann. Du solltest am besten sofort nach Hogwarts zurückkehren, um sein Vertrauen nicht überzustrapazieren." Er wandte sich ab und schritt auf den Hinterausgang zu, durch den sie in den Garten gelangt waren.
Severus wollte gerade erleichtert aufatmen, als der Dunkle Lord auf einmal etwas murmelte. „Du hast dich ja gar nicht nach ihr erkundigt."
Snape erstarrte. „Ich vertraue darauf, dass Ihr in dieser Hinsicht die richtige Entscheidung trefft.", versicherte er hastig. Es war nicht dieselbe Antwort auf die ähnlich lautende Frage vor fünfundzwanzig Jahren. Er hatte improvisiert, nicht darüber nachgedacht, was er sagen sollte. Dennoch war die Reaktion Voldemorts dieselbe: Er wirbelte herum und zog seinen Zauberstab. Der Schwarzhaarige hörte das Crucio erst, als der Fluch ihn bereits getroffen und zu Boden geschleudert hatte. Die grauenvolle Schmerzwelle, die seinen Körper durchzuckte, wurde jedoch nicht bis an die Grenze des Möglichen gesteigert. Er hatte das Glück, nur ein Anhänger des Dunklen Lords und nicht dessen Feind zu sein. Jedenfalls nicht offiziell.
„Das solltest du auch. Vergiss das nicht!", befahl ihm Voldemort, bevor er ihn mit seinen Schmerzen allein zurückließ.

Als er Hogsmeade durch Apparieren erreichte und sich auf den Weg nach Hogwarts machte, war das Zittern seines Körpers bereits vollständig abgeklungen. Die Migräne, die ihn dank des Cruciatus-Fluchs und des Eindringens des Dunklen Lords in seine Gedanken befallen hatte, hatte sich inzwischen in ein erträgliches, dumpfes Pochen verwandelt. Eigentlich hätte er sich in diesem Moment am liebsten ausgeruht und mehrere Stunden lang nur geschlafen, doch er hatte noch etwas zu erledigen. Etwas, das seiner Meinung nach nicht warten konnte.
Er betrat das Schloss durch den Haupteingang, ohne dabei von jemandem gesehen zu werden. Unauffällig stahl er sich durch die Gänge und steuerte das Büro des Schulleiters an. Er musste sichergehen, dass der Schulleiter von dem Spion innerhalb des Ordens erfahren musste, selbst wenn er ihm noch keinen Namen nennen konnte. Immerhin durfte er nicht zuviel verraten, um Albus nicht misstrauisch zu machen.
Eigentlich hatte er Pettigrew ganz allein stellen oder wenigstens mit der Enthüllung warten wollen. Doch das Gespräch mit Voldemort hatte seine Angst davor geschürt, vielleicht zu spät einzugreifen und aufgrund von persönlichen Rachegelüsten Lilys Leben zu gefährden.
Womöglich hatte der Dunkle Lord diese Furcht bei seinem Opfer sogar bewusst oder unbewusst bezweckt, um ihn noch mehr einzuschüchtern.
Hoffentlich bedeutete dies nicht, dass er ihn durchschaut hatte.

„Schokoladenpudding.", begrüßte er den Wasserspeier vor dem Eingang zum Schulleiterbüro barsch und wartete ungeduldig, bis dieser sich zur Seite geschoben hatte. Sofort stellte er sich auf die oberste Stufe der Wendeltreppe und ließ sich von ihr nach oben tragen.
Als auf sein Klopfen hin niemand antwortete, befürchtete er schon, er müsste den alten Mann suchen gehen oder lange darauf warten, bis dieser zurückkäme.
Doch plötzlich glitt die Tür von selbst auf und Snape blickte direkt in Dumbledores leuchtend blaue Augen, die ihn durchdringend musterten. „Du bist früh zurück, Severus. Was ist passiert?", erkundigte sich dieser mit einer Mischung aus Besorgnis und Argwohn.
Der Schwarzhaarige trat ein, den Blick immer noch auf den Schulleiter gerichtet, und wartete, bis dieser die Tür hinter ihm geschlossen hatte, bevor er antwortete. „Voldemort war der Meinung, ich solle sofort zurückkehren, um Sie nicht misstrauisch zu machen."
Albus nickte nachdenklich. „Er scheint dir deine Geschichte zu glauben." Er wandte sich ab und ging zu seinem Schreibtisch hinüber. „Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb du so schnell hierher gekommen bist, oder?"
Diese Frage klang wie eine beiläufige Bemerkung, doch Snape wusste, dass sie ganz und gar nicht beiläufig gemeint war. Und dass der alte Mann in Gedanken jedes seiner Worte analysieren würde. Er musste also sehr genau darauf achten, was er sagte.

„Haben Sie bisher schon etwas zum Schutz der Potters unternommen?"
Sofort drehte sich Dumbledore zu ihm um und runzelte misstrauisch die Stirn. „Warum?"
Severus hielt seinem Blick entschlossen stand. „Weil ich vermute, dass es einen Verräter innerhalb Ihrer Reihen gibt."
Hogwarts' Schulleiter trat augenblicklich wieder näher an ihn heran. „Wie kommst du dazu?" Der Argwohn stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben und der Schwarzhaarige erkannte, dass er nun nicht mehr vollkommen beherrscht argumentieren durfte. Albus sollte sehen, wie ernst es ihm war und welche Befürchtungen mit dieser Vermutung verbunden waren.
Er senkte leicht den Kopf, während er endlich zuließ, dass die Angst um Lilys Leben ihn überrollte. Um sie zu kompensieren, begann er instinktiv damit, unruhig vor Dumbledore auf- und abzumarschieren. „Schon seit längerer Zeit gibt es Gerede über eine Informationsquelle, die für den Dunklen Lord von großer Bedeutung ist. Keiner der Todesser kennt ihre wahre Identität, aber sie soll Voldemort immer wieder entscheidende Hinweise geliefert haben. Zuerst hielt ich es für ein Gerücht, das gestreut worden war, um potentielle Überläufer abzuschrecken. Aber mein heutiges Treffen mit dem Lord hat mich misstrauisch gemacht. Er befahl mir, alles herausfinden, was Sie über den genauen Aufenthaltsort der Potters wüssten. Ich wies Ihn darauf hin, dass Sie dies wohl eher innerhalb des Ordens als in dieser Schule regeln würden. Um Ihn nicht misstrauisch zu machen, bot ich Ihm an, innerhalb der nächsten Monate zu versuchen, in den Orden aufgenommen zu werden. Er wehrte ab. Ich bräuchte mich nicht um den Orden zu kümmern. Er hätte in dieser Hinsicht bereits ausgesorgt."

Albus betrachtete ihn lange. Er schien zu überlegen, was er auf diese Nachricht erwidern sollte. Dann seufzte er. „Es könnte sein, dass er dich nur zu täuschen versucht."
Snape unterdrückte seine aufkeimende Wut, weil sein Verstand zugeben musste, dass dies ein berechtigter Einwand war. Jedenfalls aus der Sicht des alten Mannes. Dennoch ließ seine Geduld allmählich immer stärker nach und er spürte, dass er immer mehr die Kontrolle über das Gespräch verlor. „Und was ist, wenn es kein Täuschungsversuch ist? Wollen Sie das Risiko wirklich eingehen und das Leben einer ganzen Familie aufs Spiel setzen? Was ist, wenn es einen Spion gibt? Was ist, wenn dieser Spion einer der Menschen ist, denen die Potters vertrauen? Was ist, wenn sie sich dazu entschließen, einen Fidelius-Zauber durchzuführen und ausgerechnet von ihrem Geheimniswahrer verraten werden? Meiner Meinung nach sollten Sie sie heimlich hierher nach Hogwarts bringen und keinem Mitglied des Ordens davon erzählen, dem Sie nicht hundertprozentig vertrauen."
Der Ausdruck auf Dumbledores Gesicht war nur schwer zu deuten. Der Ältere wirkte nachdenklich, etwas skeptisch, aber zugleich ernst und emotionslos. Mit einem leichten Nicken senkte er den Kopf. „Ein solcher Plan wäre wirklich riskant. Dies hier ist eine Schule, in der Jugendliche ein- und ausgehen. Es könnte eine Gefahr für sie bedeuten, die Potters hierher zu bringen. Dennoch wäre es eine Möglichkeit."

Severus wollte gerade erleichtert aufatmen, als Albus den Kopf hob und ihm direkt in die Augen blickte. „Aber wer sagt, dass es etwas nützen würde? Dass es ihren Tod verhindern würde und sie nicht durch die Hand des Dunklen Lords sterben würden?"
Snape sah ihn fassungslos an. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und seine Fingernägel gruben sich aufgrund seiner Anspannung tief in die Handinnenflächen. Er ahnte, worauf dies hinauslaufen würde, doch er wollte es nicht hören. Nicht schon wieder.
Der Schulleiter schien seine stummen Bitten entweder nicht erahnen zu können oder sie einfach übergehen zu wollen. „Was ist, wenn es ihr Schicksal ist? Wenn sich die Prophezeiung nur dann erfüllen kann, sobald Voldemort Harry gezeichnet hat, was auch immer das bedeuten mag? Was ist, wenn wir sie nicht retten können, ohne zu riskieren, dass der Dunkle Lord dadurch an Macht gewinnt? Was ist, wenn gerade der Mord an den Potters ihm zum Verhängnis werden wird?"
Inzwischen dachte der Schwarzhaarige nicht mehr darüber nach, was er tat. Seit dem Wort Schicksal hatte sich sein Verstand komplett ausgeschalten und sein Zorn die Kontrolle übernommen. Kaum hatte sein Gegenüber seine Ansprache beendet, zog er seinen Zauberstab, stürmte auf Dumbledore zu, packte ihn am Kragen und hielt ihm seinen Zauberstab an die Kehle. „Sie – sterben – zu – lassen – ist – keine – Option! Sie – wird – nicht – sterben. Haben Sie das verstanden?"

Er erkannte, dass er zu weit gegangen war, als die Miene des alten Mannes weich wurde. Er sah das Mitgefühl und die Anteilnahme in Albus' Augen und begriff, dass ihn der Ältere in diesem Moment am liebsten wie ein kleines Kind in die Arme genommen hätte.
Er hatte sich verraten. Seit er hier war, hatte er versucht, die verzweifelte Hoffnung tief in sich zu begraben, diesmal alles richtig zu machen und Lily vor dem Tod bewahren zu können. Er hatte alles daran gesetzt, möglichst rational und gefasst an die Sache heranzugehen, um nicht erneut einen schweren Fehler zu begehen.
Und in diesem Augenblick war er gescheitert. Dumbledore hatte seinen wunden Punkt erwischt und er hatte auf die übliche Weise reagiert: Mit Wut. Und jetzt bekam er genau das, was er sein ganzes Leben über niemals hatte bekommen wollen: Mitleid. Er hasste es.
Sofort senkte er seinen Zauberstab, ließ den Schulleiter los und flüchtete aus dem Büro.
Nur weg von diesen gütigen Augen, die ihm das zuteil werden lassen wollten, was er nicht verdiente. Das was Voldemort niemals jemandem gewähren würde, weil es Seiner Meinung nach einem Zeichen von Schwäche gleichkam.
Vergebung.