Dank an J.K.Rowling für das Ausleihen von Personen und Plot.

Der Schwarze Mann

4

Jemand hatte geschrieen! Conny schlug die Augen auf und brauchte eine Weile, bis sie wusste, wo sie sich befand. Vorsichtig drehte sie sich um. Ihr Rücken protestierte. Da, wieder ein Schrei, heiser, gequält. Er kam eindeutig aus der Wohnung. Vorsichtig überredete sie Ihre Wirbelsäule zu einer sitzenden Position. Neue Geräusche, diesmal war es mehr ein Stöhnen. Connys Augen hatten sich inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt, sie stand auf und tappte zur Tür ohne Licht zu machen. Sie öffnete sie und horchte in den Flur. Wieder dieses Stöhnen, es kam aus dem Nachbarzimmer. Das musste Severus' Schlafzimmer sein. War er krank? Hatte er doch noch irgendein Gift genommen? Leise ging sie zur Tür. Sie war nur angelehnt und Conny schob sie vorsichtig auf. Das kleine Zimmer war fast leer, im Halbdunkel sah sie die Umrisse einer Truhe und eine Matratze, und von dieser Matratze kam jetzt ein leises Wimmern. Sie ging hinüber und blickte auf die Ursache des Wimmerns. Severus lag zusammengekrümmt auf einer Ecke der Matratze. Seine Hände machten abwechselnd fahrige Bewegungen in der Luft und umklammerten seine Beine. Die Decke war auf den Boden gefallen, das Nachthemd, das er trug, hoch gerutscht. Schnell befahl sie ihren Blick zurück zu seinem Gesicht und rief leise seinen Namen. Keine Reaktion. Offenbar schlief er. Ein Alptraum? Was machte man da? Aufwecken?

Während sie da stand und ratlos auf das zusammengekauerte, stöhnende Bündel Mensch sah, wurde ihr das Ausmaß dessen, worauf sie sich eingelassen hatte, bewusst: Da lag ein Mann, bei dem sie immer noch nicht so richtig wusste, was sie von ihm halten sollte, der ihr eine haarsträubende Geschichte von einem völlig verpfuschten Leben erzählt hatte, von Folter und Gewalt; und niemand hatte es je für nötig befunden ihm zu helfen, diese Erlebnisse zu überwinden, im Gegenteil, man hatte ihn eingesperrt und schließlich einfach abgeschoben. In der Dunkelheit des Schlafzimmers und im Angesicht des gequälten Träumers erschien ihr seine Geschichte nicht mehr so unwahrscheinlich.

Und jetzt war er hier in der fremden Stadt und sie war wohl der einzige Mensch, mit dem er näheren Kontakt hatte. Was hatte sie sich da nur eingebrockt? War das nicht ein paar Nummern zu groß für sie? Sie wusste, wie man Menschen dazu brachte sich zu sportlich zu betätigen, aber davon, wie man mit Traumata irgendwelcher Art umging, hatte sie nun wirklich keine Ahnung!

Ein lautes, verzweifeltes „No!" ließ sie zusammenzucken. Er hielt jetzt die Arme schützend um seinen Kopf geschlungen und lag zu einem Ball zusammengerollt. Langsam kniete sie sich auf die Matratze. Er zitterte und stöhnte.

Conny stöhnte auch. Irgendetwas musste sie tun. Vielleicht würde das, was ihm schon einmal geholfen hatte, wieder wirken. Sie legte ihm sachte die Hände auf die Schultern, der Stoff des Nachthemds war nass von Schweiß. Er reagierte nicht, wimmerte nur leise. Sie zog ihm das Nachthemd – solche Nachthemden hatte sie zuletzt gesehen, als sie den Schrank ihres Urgroßvaters ausgeräumt hatten - über die Beine und angelte nach der Decke. Dann legte sie sich hinter ihn, ihren Körper eng an seinen geschmiegt und zog die Decke darüber. Ihr Herz klopfte, sie wartete auf eine Reaktion von ihm. Aber er wachte nicht auf. Mit der Zeit wurde er ruhiger, sein Körper entspannte sich und irgendwann schlief Conny ein.

Als sie die Augen wieder öffnete, war es hell und sie blickte direkt in die von Severus. Er hatte sich auf einen Ellenbogen gestützt und sein Gesicht war ein einziges entrüstetes Fragezeichen.

„Was machst du hier?"

Conny kämpfte den Schlaf aus ihrem Bewusstsein. Ja, gute Frage, was machte sie hier? Dann erinnerte sie sich.

„Du hast im Schlaf geschrieen, du hattest einen Alptraum, ich habe versucht, dir zu helfen und bin dann wohl eingeschlafen."

Du hast das getan, du hast ihn unterbrochen." Er sagte es langsam, staunend, fast ehrfürchtig.

Conny verstand nicht.

„Was habe ich unterbrochen?"

Er zögerte, wich ihrem fragenden Blick aus. „Es ist ...Ich habe ..." Er holte tief Luft. „Oft träume ich von Voldemorts Kerker und dass er weiter an mir herumschneidet, Zehen, Finger, Augen, Zunge..."

„Nein", flüsterte Conny entsetzt.

„Diesmal hat der Traum aufgehört, ich weiß nicht wie, aber ich war frei."

„Hast du diese Träume jede Nacht?"

Er zuckte mit den Schultern und nickte. „Diese und andere, vor allem seit ich wieder im Gefängnis war."

„Severus..." Conny suchte nach Worten, „so – so kannst du doch nicht leben!"

Er hob spöttisch eine Augenbraue: "Nein? Gestern warst du noch anderer Meinung."

Mist, das hatte sie nicht gemeint.

„Du sollst dich nicht umbringen, verdammt noch mal, du brauchst Hilfe."

„Wer sollte mir helfen?"

„Es gibt Psychologen, die..."

„Und denen erzähle ich dann meine Geschichte und sie glauben mir?" Ein bitteres Lächeln erschien auf seinem Gesicht: "Nicht einmal du glaubst mir wirklich, oder?"

Er schnaubte und drehte sich heftig um. Conny fragte sich wieder einmal, ob er Gedanken lesen konnte. Tief im Innern war sie immer noch nicht so ganz von der ganzen Zauberergeschichte überzeugt. Jetzt, bei Tageslicht, erschien wieder alles so unwirklich...

Dann dachte sie an das Gift auf dem Tisch und an sein Stöhnen in der Nacht, an seine wunderliche Kleidung und an die Heilung ihres Fußes. Mit, wie sie hoffte, überzeugter Stimme sagte sie:

„Ich glaube dir, und weil ich jetzt eine Verantwortung für dein Leben habe, werde ich dir helfen."

Er hatte sich wieder umgedreht und sah sie an. Zweifelnd schüttelte er den Kopf. Sie fasste sich ein Herz und strich ihm sanft die Haare aus dem Gesicht.

„Wir schaffen das."

Sie berührte leicht seine Wange.

„Und wir fangen an mit Frühstück. Du siehst aus, als hättest du seit Tagen nichts mehr gegessen. Hast du was im Haus? Nein? Dachte ich mir."

So, hier endet das Kapitel. Die Sätze, die ursprünglich hier noch standen, gehören schon zum nächsten. Sorry und danke, dass ihr mich darauf aufmerksam gemacht habt.

Leliha