4. Fegefeuer und Hölle


Universum: Dieser One-Shot spielt in meinem Kompass-Verse, wie auch schon der letzte. Da es sich diesmal um John Constantine dreht, müsst ihr aber nicht viel mehr als das Konzept (siehe meinen Blog oder das vorherige Kapitel) darüber wissen.

Spoiler: Dieser One-Shot ist ein Tag zu Episode 4.12. The Eggplant, the Witch and the Wardrobe"

Pairings: John/Des, Conastangreen, Avalance, Ava-Fangirl-Gary, diverse weitere implizierte Pairings

Warnings: Spoiler für die 4. Staffel und mein Kompass-Arrowverse, Angst, Gedächtnislöschung

Inhalt: John bekommt das, was er verdient hat.


John war nicht wirklich erstaunt darüber, dass Des ging, es war zu erwarten gewesen, er war aber trotzdem verletzt. Nicht, dass er es nicht nachvollziehen konnte – Des war von seinem Liebhaber zur Hölle geschickt worden, und als wäre das nicht schon schlimm genug auch noch von seinem Kompass-Gefährten. Wer hätte das so einfach verwinden können? Was für ein schlechter Mensch musste man sein um so etwas seinem Kompass-Gefährten anzutun?

Kein Wunder, dass John die Wahrheit über das, was er Des angetan hatte, Zari gegenüber erst so zögerlich eingestanden hatte – jemand, der so etwas tat, war das Letzte, war schlimmer als ein Kompass-Mörder, so jemand musste einfach ein Soziopath sein, der keine Liebe verdient hatte, nicht wahr?

Nun für John vergingen mehr Tage, an denen er sich für einen Soziopath hielt, als Tage, an denen er sich für normal hielt. Die Wahrheit war, dass er zwischenmenschliche Beziehungen noch nie wirklich verstanden hatte. Vielleicht trug der Mangel an einer Mutterfigur daran die Schuld, vielleicht sein psychotischer Vater, vielleicht war er aber auch einfach nur falsch gepolt.

Was er wusste war, dass Kompass-Beziehungen wichtig waren, vielleicht sogar heilig. Sie waren nicht nur reine Biologie, sie waren magisch – das konnte er deutlich spüren.

Doch zwei seiner Namen waren in der Hölle gelandet – Astra, die er nicht hatte retten können, und Des, den er selbst dorthin geschickt hatte – und der dritte – Gary – war von ihm mehr als nur schäbig behandelt worden um ihn auf Abstand zu halten, er hatte ihm ja sogar einiges ihrer gemeinsamen Zeit aus dem Gedächtnis gelöscht um ihn dazu zu bringen ihn in Ruhe zu lassen! Ja, nicht einmal seine Kompass-Beziehungen konnte er ehren. Und alle anderen….

Als Sara sich zu Ava ins Fegefeuer hatte schicken lassen, war er mehr als nur skeptisch gewesen was ihre Erfolgschancen anging ihre Freundin zu retten. Immerhin stand Ava nicht auf ihrem Arm - Ava stand auf niemandes Arm, weil sie ein Klon war - also verband die beiden nichts außer ihre Liebe zueinander, und Liebe – das wusste John aus Erfahrung – war launenhaft.

Und dann wollte auch noch Gary, ebenfalls ohne Kompass-Verbindung zu Ava, für sie und Sara sorgen, während ihre Seelen im Fegefeuer waren, und da John wusste, was Ava ihm bedeutete, selbst wenn Gary nicht mehr wusste, dass John wusste, was sie ihm bedeutete, gestattete er Gary seinen magischen Zirkel zu betreten, und weil Gary Teil von John war, störte seine Anwesenheit den Zauber nicht. Niemand schien sich darüber besonders zu wundern, aber andererseits gab es genug andere Dinge, um die sie sich alle sorgen mussten.

Sara schaffte es tatsächlich Ava zu retten, und so erhielten diese beiden ihr Happy-End – Kompass-Bande oder nicht – während Des, den John seit er erfahren hatte, dass er wieder auf der Erde war, mit allen Mitteln aus Nerons Klauen zu befreien gesucht hatte, John verließ, kaum, dass es diesem gelungen war ihn zu retten.

In einem Film hätte ihm die heldenhafte Rettung zumindest einen Abschiedskuss wenn nicht sogar Verzeihen eingebracht, doch das hier war das echte Leben. Und das echte Leben war grausam in seiner Konsequenz.

Wenn John das Wechselspiel zwischen Ray, Mick, Nate, Amaya, und Zari beobachtete, dann konnte er sich nur wundern und ein wenig eifersüchtig sein. So sollte es für Kompass-Gefährten und Kompass-Verbundene sein. Nur für ihn würde es niemals so sein, wie es schien. Gary sah ihn an, als wäre er ein Fremder und liebte Ava mehr als ihn. Des hasste ihn jetzt. Und Astra hatte er für immer verloren.

Selbst Sara, deren Namen entweder tot oder weit entfernt waren, hatte es geschafft bedeutende Verbindungen mit Menschen, die nicht auf ihrem Arm standen, zu schmieden. Johns alte Freunde waren für ihn verloren, und mit den Legends lag er sich ständig in den Haaren.

Selbst Nora Darhk, die den Großteil ihres Lebens als Wirt für einen Dämon gedient hatte, war mehr mit sich selbst im Reinen als er, trotz leerem Kompass. Selbst Charlie, die überhaupt keinen Kompass besaß, konnte ihn nicht verstehen, weil sie das Gefühl der Verbundenheit nicht kannte, nicht wusste, was ihr fehlte. Und Avas Kompass würde immer leer bleiben, trotzdem wurde sie geliebt. John hingegen…

„Ich bin sicher, er wird dir eines Tages verzeihen", meinte Zari, als sie neben ihm in der Küche Platz nahm. Vor ihm stand ein unberührter Drink. Er konnte nicht sagen wie lange schon.

Ja, offenbar stand er unter Schock und trauerte. Normalerweise ließ er sich keine Chance entgehen um sich zu besaufen.

„Nein", erklärte John langsam, „Das wird er nicht."

„Es mag dir im Moment unwahrscheinlich erscheinen, aber-", begann Zari, doch sie kam nicht sehr weit.

„Nein", wiederholte John, „Selbst wenn, wird es nie mehr so sein wie früher. Wenn Amaya wirklich wütend auf dich ist, dann schmerzt dein Kompass, nicht wahr? Nun, meiner tut nicht mehr weh, er ist taub."

Zari blickte ihn verwirrt an. „Ich verstehe nicht…."

„Als Des gegangen ist, hat unsere Kompass-Verbindung durchtrennt. Vielleicht mit Hilfe von magischer Restenergie durch Nerons Besessenheit, ich weiß es nicht, aber ich kann ihn nicht mehr spüren. Nie mehr. Sein Name wird für immer auf meinem Arm stehen bleiben, doch wenn er stirbt, wird er nicht durchgestrichen werden, und umgekehrt, falls es mich zuerst erwischen sollte, genauso. Unsere Verbindung ist auf jede Art, die zählt, tot. Er hat nicht einfach Schluss gemacht, Zari, er hat unsere Beziehung aus unser beider Körper gelöscht", erklärte John.

Er konnte den Horror Zaris Miene verzerren sehen. Und dann das Mitleid, das diesen ersetzte, in ihrem Gesicht aufblitzen sehen. Mitleid, das er nicht verdiente. Denn so sehr es auch weh tat, er empfand weder Horror noch Selbstmitleid, denn tief in seinem Inneren konnte er nicht anders als zu denken, dass er nur das bekommen hatte, was er verdient hatte.


Fin.


A/N: Ich wollte schon länger ein Kompass-Verse-Stück für John schreiben, und diese Episode hat mir den perfekten Anlass dazu geliefert. Armer John. Falls es Unklarheiten gibt: Ich bin nicht der Meinung, dass John bekommen hat, was er verdient hat, er selbst ist dieser Meinung!

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