20.Kapitel

Die nächsten Wochen vergingen wie im Flug. Claire hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten die Mutterrolle perfekt angenommen. Sie hatte gelernt den anderen zu vertrauen. Allgemein hatte sich Claire geändert. Aus der einst harten und ernsten Frau war eine offene, glückliche und zufriedene Mutter geworden.

Niemand hätte damit gerechnet aber es war so. Claire war glücklich, zwar nicht rundum, aber dennoch glücklich.

Auch Alex hatte sich geändert. Aus dem einstigen Frauenheld war ein fürsorglicher Patenonkel geworden.

Es war herrlich mit anzusehen wie er sich um Claire und Charlotte kümmerte. Er war es auch, der dem Baby ihren Spitznamen verpasst hatte. Claire konnte sich einfach nicht für einen passenden Namen entscheiden und so hatte er die Kleine einfach mal BoM genannte. Er was es Leid, sie immer nur Kleines zu nennen. Claire hatte ihn damals erstaunt angesehen und Schulterzuckend meinte er nur „Baby of McLeod".

Claire hatte einfach gelacht und bis sie den richtig Namen fand, sagten alle BoM!

Als Charlotte drei Monate alt war wurde sie Getauft.

Alex stand Stolz am Taufbecken als der Pfarrer, seiner kleinen Prinzessin, das Taufwasser über das Köpfchen leerte und feierlich verkündete „ Hiermit Taufe ich dich auf den Namen Charlotte Marion McLeod."

BoM hatte kein Ton von sich gegeben als das kalte Wasser ihren Kopf runter ran.

Claire und Alex sahen sich stolz an und lächelten dabei überglücklich.

Später trafen sich alle im Garten auf Drovers und feierten ausgelassen.

Niemand achtete auf das Fahrzeug das sich näherte. Ein Mann im Anzug stieg aus und kam zu ihnen.

Jodi bemerkte ihn zuerst und machte die anderen auf ihn aufmerksam.

„Ich suche Claire Louise McLeod" sagte der Fremde.

„Das bin ich. Was kann ich für sie tun" sagte die Claire.

„Ich hab was für sie." Er überreichte ihr einen Umschlag und ging wieder weg.

Claire öffnete den Umschlag und begann zu lesen. Während dem Lesen, weiteten sich ihre Augen.

„Claire was ist los" frage Alex beunruhig. Wortlos überreichte sie ihm den Brief und setzte sich schockiert hin. Tess eilte zu ihr und sah Alex erwartungsvoll an.

„Ich bring ihn um. Ich schwörs, diesmal bring ich ihn um, hörte sie ihn sagen.

Nick nahm den Brief aus Alex Händen und konnte nicht fassen, was er da las.

„Peter Johnson fordert das gemeinsame Sorgerecht für das Kind von Claire Louise McLeod" las er laut vor.

Eine Totenstille verbreitet sich.

„Woher weiß er davon" fragte Tess entsetzt, ohne eine wirklich Antwort zu erwarten.

„Harry... Harry muss es ihm gesagt haben" folgerte Claire. „O Gott, was mach ich den nun" fragte sie verzweifelt.

„Claire, ich muss dir was gestehen." Alex kniete sich vor sie hin. Er hielt sie an den Händen. Zerknirscht sah er sie an "Hör mir zu. Auf Charlottes Geburtsurkunde steht nicht Peters Name" gestand er.

„Wessen dann und was hat es damit zu tun?" fragte sie verwirrt.

„Meiner! Ich konnte doch nicht das Feld "Vater" leer lassen und wir hatten es ja so vereinbart. Verstehst du den nicht, vor dem Gesetzt bin ich Charlottes Vater. Peter muss einen Bluttest verlangen um das Gegenteil zu beweisen.

„Und was wenn er das macht" fragte Tess besorgt.

„Auf den bloßen Verdacht hin entscheidet kein Richter einfach so einen Test durchführen zulassen" fuhr er fort.

„Woher weiß du das alles" mischte sich nun Nick ein.

„Von meinem Richtigen Vater, er ist ein Top Anwalt. Als ich weg war, hab ich ihn gesucht und nach ein paar Bieren hab ich ihm die Story erzählt. Er gab mir den Tipp mit der Geburtsurkunde. Er ist völlig legal, etwas verwerflich, aber 100 legal" gab er kleinlaut zu.

Claire sah ihn hoffnungsvoll an „Wie sicher ist das?" wollte sie genau wissen.

„Wie gesagt, die Richter sind sehr vorsichtig geworden und nur eine Mutter kann das Einverständnis dazugeben. Solange du dies nicht machst, Bombensicher! Natürlich hat Peter die Möglichkeit es Anzufechten, aber nur wenn er dir nachweisen kann, dass du ihn vorsätzlich hintergehen wolltest und das kann er nicht" schloss Alex ab.

Claire war etwas beruhigt, doch allen war die Lust am Feiern vergangen.

Zwei Wochen später war der Anhörungstermin in Fisher. Es war das erste Mal, das Claire Peter wieder sah.

Er hatte sich sehr verändert. Was vor einem Jahr nur ansatzweise zu sehen war, war nun jedem sichtbar. Peter war böse geworden. Seine ganze Ausstrahlung widerspiegelte den Irrsinn, den jeder in seinen Augen sehen konnte.

Alexs leiblicher Vater Bryce, stand Claire als Anwalt zu Seite.

Dieser hatte von Claires Not erfahren und war sofort zu ihnen gereist um zu Helfen.

Alex, Tess und Nick wurden von ihm gut auf das Verfahren vorbereitet. So war Alex in der Lage gekonnt, allen persönlichen und indiskreten Fragen zu der Beziehung die ihn und Claire betrafen ausweichen, ohne diese direkt zu beantworten.

Tess und Nickt wiederum versicherten dem Gericht, das nur Alex als Vater von Charlotte in Frage käme. Immerhin sei er von Anfang an für sie da gewesen und sie vergötterte ihn. Zu der Persönlichen Beziehung nahmen sie keine Stellung und gaben an nicht mit ihnen darüber gesprochen zu haben.

Doch die Gegenseite fuhr harte Geschütze auf. Allen voran Harry. Er erzähle haarklein, was an jenem Tag auf Killarney geschehen war und was Claire gestanden hatte.

Der Richter rief Tess und Nick zurück in den Zeugenstand und befragte sie zu jenem Tag.

Beide konnten diesen Fragen gut ausweichen, da sie ja nicht alles gehört hatten. Sie konnten ohne zu lügen sagen, dass Claire geflüstert hatte und sie zu weit weg standen. Der Anwalt hatte sie ja schließlich nicht gefragt, ob sie schon vorher davon gewusst hatten.

Zufrieden verließen die Beiden nacheinander den Zeugenstand. Sie waren sicher dass es nun vorbei war.

Doch der Gegnerische Anwalt hatte noch ein As im Ärmel.

Er ließ Elisabeth Ryan aufrufen. Liz, Alexs und Nicks Mutter!

Das war er, der Beweiß den Peter brauchte. Durch Liz Aussage konnte er nachweisen, dass Claire ihn vorsätzlich hintergehen wollte.

Claire wusste, dass sie nun verloren hatte. Mit Liz hatte niemand gerechnet. Sie konnte sich nicht rausreden, wie Tess und Nick. Sie hatte alles gehört und musste die Wahrheit sagen.

Claire sah zu Alex hinüber und auch er hatte begriffen dass es nun vorbei war. Leise begann Claire zu weinen.

Liz Zeugenaussage ließ tatsächlich das Lügenmärchen von Claire zusammen fallen. Obwohl sie im Zeugenstand weinte und die Aussage verweigern wollte, musste Liz zum Schluss alles zugeben.

Wie versteinert hörte Claire den Richter sagen, das erhebliche Zweifeln an der Vaterschaft von Alex Ryan bestand. Um die Vaterschaft zu klären ordnete er einen Bluttest an. Sollte dieser zu Peter Johnsons Gunsten ausfallen, so hätte er das Recht auf eine Sorgerechtsklage.

Sie alle mussten zum Bluttest, sogar Claire wurde dazu aufgefordert sich diesem zu Unterziehen.

Der Test wurde gleich nach der Anhörung durchgeführt. Der Richter wollte sicher gehen dass es zu keiner möglichen Manipulation kommen würde.

Deprimiert fuhren sie alle nach Hause. Charlotte war unleidig und hatte Schmerzen.

Claire konnte es nicht fassen. In Zukunft würde Peter Johnson, ein Teil ihres Lebens werden.

In Drovers angekommen gingen alle in die Küche während Claire die Kleine nach oben brachte.

„So ein verdammter Mist" fluchte Alex.

„Bryce, wie können wir das verhindern" fragte Nick.

„Nun das wird schwer. Zwar besteht da immer noch diese Unterlassungsverfügung, aber wenn er Charlotte sehen will, kann er diese umgehen. Er kann Claire wieder nachstellen und dann immer noch behaupten, er wollte das Baby sehen. Egal ob es sein Besuchstag ist oder nicht" antwortete er ehrlich

Claire, die gerade die Küche betreten hatte, hörte seine letzten Worte. Ihr wurde schwindlig und sie setze sich hin.

Alex sah sie besorg an.

„Claire, das größte Problem sehe ich darin, dass ihr ihm schutzlos ausgeliefert seid. Hier leben nur Frauen und wenn Peter auftaucht, steht ihr ihm hilflos gegenüber. Claire wollte dies vehement bestreiten, doch Bryce winkte ab. "Claire, glauben sie mir, ich spreche aus Erfahrung. Wenn Kinder im Spiel sind nehmen Frauen jede Bürde auf sich, um diese zu schützen" stoppte er sie.

Die Frauen am Tisch sahen sich an. Er hatte Recht jede von ihnen würde alles tun, um BoM zu beschützen.

„Dann werde ich hier einziehen" sagte Alex zu aller erstaunen.

„Seht mich nicht so an. Ich bin eh die meiste Zeit hier. Peter wird sich hüten hier aufzutauchen, wenn ich hier Lebe. Stimmt doch Bryce?"

Dieser nickte. „ Das wäre die beste Lösung. Es muss ja nicht für immer sein. Peter macht bestimmt bald einen Fehler und dann kriegen wir ihn dran. Ich kenne solche Typen. Wenn sie einmal gewonnen haben wollen sie mehr und machen Fehler" bestätigte er.

Alle sahen nun gespannt Claire an. „Du kannst das Gästezimmer nehmen. Es hat eine eigene Toilette, aber das Bad musst du mit uns teilen" teilte sie mit. Man sah ihr deutlich an das sie keine Kraft mehr hatte. Sie hatte bereits aufgegeben und nun war ihr alles egal. Sie erhob sich und ging, ohne eine weiteres Wort zu sagen, nach oben.

Besorgt sahen ihr alle hinterher. Bryce ergriff als erster das Wort. "Macht euch keine Sorgen, ich kenne das. Jede Mutter reagiert so am Anfang bis dann deren Kampfgeist erwacht. Glaubt mir, lasst sie etwas in Ruhe und vermeidet das Thema so gut es geht. Claire braucht Ablenkung und nicht das man ihr weiter Angst macht. In zwei Wochen ist der nächste Gerichtstermin. Was dann wird werden wir sehen." endete er sachlich. Die andere nickten zustimmend und beschlossen seinen Rat zu befolgen.

Die Männer fuhren nach Wilgul um Alexs Sachen zu holen. Als er wieder da war hörte er wie Claire BoM etwas vorsang. Er ging in sein Zimmer und richtete sich ein.

Tess war leise in Claire Zimmer geschlichen. Sie wusste dass es gegen die Abmachung war aber sie macht sich nun mal Sorgen.

"Alex ist unten eingezogen. Willst du darüber reden?" bot sie ihr an.

„Ich weiß nicht Tess. Es lief so gut in letzter Zeit. Alex und ich haben uns noch nie so gut verstanden wie jetzt. Ich habe Angst dass diese Sache mir über den Kopf wächst" sprudelte es aus ihr heraus.

„Vor was hast du Angst Claire, vor was genau" bohrte Tess weiter.

„Vor meinen Gefühlen!" sagte Claire leise und sah Tess an.

Diese glaubte nicht was sie soeben gehört hatte. Ihre Schwester hatte soeben zugegeben Gefühle für Alex zu haben. Tröstend nahm sie sie in den Arm." Schhhhhh, Claire, alles wird gut. Ich weiss es" sagt sie besänftigend. „Mit etwas Nachhilfe von Nick und mir, ganz bestimmt" dachte sie, aber hütete sich dies laut auszusprechen.

TBC