5.04 – The Reason
The Reason
I've
found a reason for me I'm sorry that I hurt
you I've
found a reason for me I'm not a perfect
person I've found a
reason for me I've found a reason to show
I'm
not a perfect person
There's many things I wish I didn't do
But
I continue learning
I never meant to do those things to you
And
so I have to say before I go
That I just want you to know
To change who I used to be
A reason to
start over new
and the reason is you
It's something I must live with everyday
And all the pain I
put you through
I wish that I could take it all away
And be the
one who catches all your tears
That's why I need you to hear
To change who I used to be
A reason to
start over new
and the reason is you (x4)
I never meant to do those things to you
And so I have to
say before I go
That I just want you to know
To change who I used to be
A reason to start over
new
and the reason is you
A
side of me you didn't know
A reason for all that I do
And the
reason is you
Jeder nimmt sich hin und wieder vor, etwas in seinem Leben zu ändern. Hochkonjunktur haben solche Gedanken meist an Silvester, doch weil man in der Regel zu heftig ins neue Jahr hinein feiert, sind all diese guten Vorsätze am nächsten Morgen wieder vergessen. Stattdessen lebt man sein Leben wie bisher weiter und endet am Ende allein irgendwo in einer Bar (Alex trinkt in seinem kleinen Zimmer aus einem Becher Kaffee und betrachtet sich dabei seinen Ehering). Denn in dem Moment, in dem man den Entschluss fasst, etwas zu ändern, weiß man auch wie viel Arbeit es kosten wird, es wirklich zu ändern (Derek sieht Cristina um die Ecke kommen und versteckt sich umständlich hinter einer Schwester). Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein privates Anliegen ist oder etwas berufliches (Mark zieht einen Umschlag aus seinem Spind). Allerdings sind es dann die nichtvorhersehbaren Ereignisse, die die meisten Veränderungen bringen (Izzie liegt in ihrem Bett und schläft
Merediths Haus
Der
Alarmton des Weckers riss Izzie aus ihren Träumen. Leise
stöhnend streckte sie ihre Hand aus und betätigte den „Off"
Schalter. Seit ein paar Tagen fühlte sie sich selbst nach 10
Stunden Schlaf immer noch müde. Es kam immer häufiger vor,
dass sie vor dem Fernseher einschlief und dann von Meredith geweckt
werden musste. Ein weiteres Symptom der Schwangerschaft. Die
Schwindelattacken hatten nachgelassen, aber dieses flaue Gefühl
im Magen hatte sich von Morgenübelkeit auf „Ganztags-Übelkeit"
ausgedehnt. Und vor zwei Tagen hatte sie dann zu ihrem größten
Erstaunen festgestellt, dass sie ihre Hosen nicht mehr zu bekam. Sie
hatte sich versucht, daran zu erinnern, wie es bei Hannah gewesen
war. Ganz sicher hatte sie im 3. Monat noch keine Hosen mit Gummizug
tragen müssen. Aber Dr. Evans hatte ihr versichert, dass es beim
zweiten Kind völlig normal war, dass sich alles schneller
entwickelte.
Alex hatte das, was Izzie ihm auf die Rückseite
des Ultraschallbildes geschrieben hatte, wörtlich genommen. Seit
zwei Wochen lebte er im Hinterzimmer von Joe's Bar ein
Einsiedlerdasein. Er hatte sich von allem völlig zurückgezogen
- seiner Familie und seinem alten Leben. Und es war nicht abzusehen,
wann er aus seinem Schneckenhaus herauskommen würde.
Izzie
setzte sich langsam auf und versuchte das flaue Gefühl zu
ignorieren, dass immer dann einsetzte, wenn sie eine aufrechte
Position einnahm. Sie konnte sich heute keine Schwäche erlauben,
denn Hannah hatte an diesem Tag ihren ersten Schultag in der neuen
Schule. Und Izzie hatte versprochen, sie zu begleiten. Langsam stand
sie auf und atmete ein paar Mal tief ein und aus, bevor sie sich auf
den Weg in Hannah's Zimmer machte.
„Hannah, Schatz, du musst
aufstehen!" Sie beugte sich über ihre Tochter und küsste
sie sanft auf die Stirn, als sie erschrocken zurückzuckte.
Hannah's Stirn fühlte sich schweißig an, und ihre Haut
war kochendheiß. Izzie prüfte ihre Temperatur noch einmal,
indem sie ihre Hand auf Hannah's Stirn und Wangen legte. Kein
Zweifel, die 13-Jährige hatte Fieber.
„Hannah!" Izzie bekam es mit der Angst zu tun. Sie rüttelte sie leicht. „Wach auf, Schatz!"
Hannah murmelte etwas im Schlaf, doch sie wurde nicht richtig wach. Ein Gefühl von Panik stieg in Izzie hoch. Sie rannte aus dem Zimmer zu Merediths Schlafzimmer hinüber. „Meredith!" rief sie laut und klopfte gegen die Tür. „Meredith, bitte wach auf! Hannah ist krank!"
Meredith hörte jemand rufen, doch sie war sich nicht sicher, ob das Derek war, der ihren Namen rief oder sonst jemand. Grummelnd streckte sie die Hand aus und tastete neben sich. Sie griff nach Dereks Kopfkissen und stülpte es sich über den Kopf. Dabei hoffte sie, dass der wohltuende Duft, der von seinem Kissen ausging, sie wieder in den Traum versetzte, in dem er ihren Namen rief. Eigentlich mehr stöhnte, aber sie wollte da jetzt nicht kleinlich sein. Sie konnte schon wieder seine Hände auf ihrem Körper spüren, doch das Klopfen gegen die Tür ruinierte ihre Hoffnung, den Traum erneut aufnehmen zu können. Vom Schlaf noch etwas benommen, sah sie auf ihren Wecker. Stöhnend ließ sie ihren Kopf auf ihr weiches Kissen fallen, doch abermals hörte sie ihren Namen. Mit letzter Kraft raffte sie sich auf und schlurfte zur Tür.
„Izzie, ich hoffe, dass du einen verdammt guten Grund hast, mich aus meinem Traum zu reißen. Derek war gerade dabei etwas mit seinen Händen zu machen, was ich sehr, sehr gerne hab." Erst jetzt hatte sie die Augen so weit geöffnet, dass sie Izzie's Gesichtsausdruck deutlich vor sich sehen konnte. „Was ist denn passiert? Ist etwas mit deinem Baby?" Besorgt fiel ihr Blick auf den Bauch ihrer Mitbewohnerin.
„Nein." Izzie kämpfte mit den Tränen. „Hannah ist krank! Sie fühlt sich ganz heiß an, und ich bekomme sie auch nicht richtig wach."
„Oh." Meredith kratzte fuhr sich durch ihre vom Schlaf zerzausten Haare und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. „Gestern ging es ihr doch noch ganz gut." Sie legte eine Hand auf Izzies Schulter. „Ich werde sie mir mal ansehen. Vielleicht könntest du das Thermometer in der Zwischenzeit holen gehen." Zwar war sich Meredith nicht sicher, ob sie so schnell herausfinden konnte, was Hannah fehlt. Doch ihr ging es mehr darum, Izzie zu beschäftigen, damit sie sich wieder etwas beruhigte.
Izzie ging ins Badezimmer und kam mit dem Thermometer wieder zurück. „Hier bitte. Aber sollten wir sie nicht vorher aufwecken?"
„Und jetzt gehst du dreimal um den Block, während ich mir deine Tochter ansehe." Meredith schnappte sich das Thermometer und ging zu Hannah's Zimmer.
Izzie sah Meredith verstört an. „Was? Wieso soll ich um den Block gehen?" fragte sie verwirrt.
„Weil Angehörige nur dämliche Fragen stellen und somit uns Ärzte bei der Arbeit stören." Meredith blickte kurz über ihre Schulter. „Du hast doch nicht ernsthaft gedacht, dass ich ihr das Thermometer irgendwo rein gesteckt hätte, ohne sie zu wecken." Kopfschüttelnd betrat sie das Zimmer und setzte sich an den Bettrand. „Hannah." Ihre Stimme hatte an Volumen gewonnen, da sie inzwischen in ihren Doktormodus gefallen war. „Hannah, wach auf." Auch wenn sie es nicht gerne machte, setzte sie einen Schmerzreiz, um die Bewusstseinslage zu überprüfen. Erleichtert konnte sie erkennen, dass Hannah ihre Augen kurz öffnete.
Izzie ignoriere Merediths Aufforderung zu gehen und setzte sich neben Meredith aufs Bett. „Hanna, kannst du uns hören?" sagte sie mit leiser, zitternder Stimme.
Hannah's Augen flatterten. „Izzie?" stammelte sie. „Mir ist so .. heiß."
Meredith reichte Izzie wieder das Thermometer. „Du solltest ihre Temperatur messen. Ich springe in der Zwischenzeit unter die Dusche." Sie stand vom Bett auf und sah auf Hannah hinunter. Neugierig beugte sie sich vor. „Iz, sag mal sind das da kleine Bläschen?" Sie deutete mit ihrem Zeigefinger auf Hannah's Hals.
Izzie ging etwas näher an Hannah's Hals heran und nickte. „Ja, sieht wie Bläschen aus." Sie zog Hannah's Decke ein wenig zur Seite und schob ihr Nachthemd nach oben. Bei dem Anblick von ihrem rot-fleckigen Oberkörper stockte ihr kurz der Atem. „Oh mein Gott!" stieß sie dann hervor.
Meredith betrachtete sich ebenfalls den Oberkörper und seufzte dann. „Das könnten Windpocken sein." Seufzend strich sie sich eine Strähne aus ihrem Gesicht. Ihr Blick fiel auf Izzie's Bauch. „Oh mein Gott, Izzie." Sie zog ihre Freundin am Arm hoch. „Hattest du schon mal Windpocken? Du weißt wie ansteckend die sein können. Raus aus dem Zimmer."
„Ich habe keine Ahnung, ob ich ..." Sie brach ab, als ihr bewusst wurde, wieso Meredith ihr die Frage stellte. Reflexartig legte sie ihre Hände auf den Bauch. „Mein Baby ..." stammelte sie.
Meredith drängte Izzie zur Tür. „Ich weiß, dass du jetzt gerne bei ihr wärst, aber das geht nicht. Am besten bringen wir sie ins Krankenhaus. Sie glüht regelrecht, weswegen ich mir sicher bin, dass ihr Immunsystem mit dem, was immer es auch ist nicht klar kommt." Sie sah Izzie mitfühlend an, versperrte ihr aber auf der anderen Seite bedingungslos den Weg zu Hannahs Bett.
Izzie nickte beklommen. „Packst du ein paar Sachen für sie zusammen?" Die nervliche Anspannung war zuviel für sie. Tränen rollten mit einem Mal über ihre Wangen. „Oh Gott, ich wünschte Alex wäre hier", schluchzte sie, während sie ihre Hände auf dem Bauch ruhen ließ.
Meredith ging einen Schritt auf Izzie zu, um sie umarmen zu können. „Das wird schon wieder, Iz." Zwar hatte sie keine Ahnung, ob sie damit Recht behielt, aber sie musste Izzie irgendwelche tröstenden Worte spenden. „Ich werde Hannah jetzt erst einmal umziehen und ihre Sachen packen. Danach springe ich schnell unter die Dusche und im Krankenhaus werde ich Alex in den Hintern treten."
„Nein, er ... er ist schon durcheinander genug wegen dem Baby und überhaupt ..." Sie brach ab und presste eine Hand vor den Mund. „Entschuldige mich ..." Sie rannte so schnell sie konnte ins Bad und übergab sich ins Klo.
Meredith lehnte sich gegen den Türrahmen. Seufzend schloss sie die Augen und wünschte sich in den Traum zurück, in dem Derek mit seinen Händen diese tollen Sachen machte, die sie so gerne hatte. Als sie hörte wie Izzie sich erneut übergab, stellte sie abermals fest, dass Träume sehr schnell zerplatzen konnten.
Izzie erhob sich mit zitternden Knien und ging zum Waschbecken hinüber und wusch sich das Gesicht. Mechanisch zog sie sich an und ging dann hinaus auf den Flur und schielte durch Hannah's Tür. „Meredith!" rief sie. „Du kannst jetzt ins Bad. Ich fahre das Auto schon mal vor die Tür, damit ihr nicht so weit laufen müsst." Sie nahm die Autoschlüssel und verließ das Haus.
Meredith sah noch einmal zu Hannah, die wieder eingeschlafen war. Dann holte sie aus dem Schrank eine kleine Tasche, in die sie ein paar Sachen legte, falls Hannah wirklich über Nacht im Krankenhaus bleiben musste. Sie stellte die Tasche an das Fußende des Bettes und ging dann ins Badezimmer. Zwar wäre ihr eine lange heiße Dusche lieber gewesen, aber an diesem Morgen hatte sie keine Zeit dafür. Sie beeilte sich, fertig zu werden, damit sie Hannah so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringen konnten.
Im Krankenhaus
Mark ging auf dem Flur vor Chief Webbers Büro auf und ab. Zwar hatte er sich alles genau überlegt und bis ins letzte Detail durchgearbeitet, aber er wusste auch, dass es nicht einfach werden würde, Chief Webber zu überzeugen. Er sah auf die Uhr und wusste, dass Webber gleich kommen würde. Es war noch früh am Morgen, doch Mark war sich sicher, dass er bessere Chancen hatte, wenn er ihn um diese Uhrzeit ansprach als später am Tag, wenn der Chief mehrere Anträge auf dem Tisch liegen hatte. Als er Schritte hinter sich hörte, drehte er sich um.
„Dr. Sloan? Haben wir einen Termin?" Chief Webber war noch in seiner Straßenkleidung und sah Mark fragend an, als er seinen Hut abnahm. Aus seiner Aktentasche kramte er einen Schlüssel heraus, mit dem er sein Büro aufschloss.
„Nein, aber ich dachte, dass sie um diese Uhrzeit vielleicht ein paar Minuten für mich Zeit haben könnten." Mark setzte sein breitestes Lächeln auf.
„Eigentlich wäre es mir lieber, wenn sie sich einen Termin geben lassen." Webber betrat sein Büro, Mark dicht auf seinen Fersen.
„Es würde auch nicht lange dauern." Mark räusperte sich, so dass Webber sich zu ihm umdrehte.
Seufzend schüttelte Webber den Kopf, deutete aber mit seiner Hand auf einen der Stühle vor seinem Schreibtisch. „Dann schießen sie mal los." Er stellte seine Tasche ab und zog sich den Mantel aus, den er etwas arglos über seinen Stuhl hing.
„Es betrifft meine Abteilung." Begann Mark und faltete die Hände zusammen, während er ein ernstes Gesicht aufsetzte, was aber schnell als Maske auffiel.
Webber hob amüsiert die Augenbraue. „Das hätte ich mir auch so denken können. Also was wollen sie. Reden sie nicht um den heißen Brei herum."
Mark räusperte sich bevor er tief durchatmete. „Ich dachte mir, dass man den Bereich erweitern sollte, der sich mit Verbrennungsopfern befasst. Wir sind zwar schon ganz gut ausgestattet. Aber man könnte daraus einen Schwerpunkt machen."
„Einen Schwerpunkt? Ich dachte, dass sie sich auf die Rekonstruktion konzentrieren würden." Webber lehnte sich zurück. Betrachtete sich seinen Gegenüber aber genau.
„Das eine schließt das andere nicht aus. Sie wissen, dass Verbrennungsopfer ebenfalls zum Teil in die Rekonstruktion fallen." Mark zuckte leicht mit der Schulter. Da Webber aber stumm blieb, rutschte er etwas nervös auf dem Stuhl hin und her. „Ich will ja keine grundlegende Veränderung, aber man könnte die Abteilung einfach neu konstruieren, so dass man Verbrennungen noch besser auf die Patienten eingehen kann."
Webber nickte jetzt leicht. „Ich verstehe was sie mir sagen wollen und sie wissen auch, wie teuer es ist. Ich weiß wie teuer es ist." Er seufzte leise und rieb sich über sein Gesicht. „Wenn sie mir eine Kalkulation vorlegen können, die das Krankenhaus nicht in den Ruin stürzt, dann werde ich mir die Idee durch den Kopf gehen lassen."
Marks Gesicht hellte auf und er überreichte Webber einen Umschlag. „Ich wusste, dass sie einer solch brillanten Idee aufgeschlossen sein werden."
„Ob sie brillant ist, das beurteile ich nachdem ich mir das hier durchgelesen habe." Webber deutete mit seinem Blick zur Tür.
„Sie werden begeistert sein." Da Mark die Geste von seinem Boss verstanden hatte, stand er von seinem Stuhl auf. „Danke, dass sie sich Zeit genommen haben." Er reichte Webber seine Hand und ging dann zur Tür. „Sie können ja das Geschenk für Shepherd und Meredith kleiner halten, damit mehr Geld für die Abteilung da ist."
„Warum soll ich den beiden was schenken?" Webber sah neugierig zu Mark auf, dessen Grinsen kurzzeitig aus seinem Gesicht verschwunden war.
„Oh. Ähm… Es ist früh am Morgen. Da hab ich wohl was verwechselt." Bevor Webber noch etwas fragen konnte, war er aus dem Büro verschwunden. Zurück blieb ein verdutzter Chief, der aber nach wenigen Sekunden mit den Schultern zuckte und sich an seine Post machte, die ungeduldig auf seinem Schreibtisch wartete.
Im Krankenhaus
Izzie saß auf der Liege in Dr. Evans' Behandlungsraum und starrte apathisch gegen die Wand. Hannah's Zustand war kritisch, nachdem Meredith und sie die Kleine ins Krankenhaus gebracht hatten und dort festgestellt worden war, dass sie unter Windpocken litt. Normalerweise eine eher harmlose Kinderkrankheit. Allerdings nicht für Menschen mit einem vorgeschädigten Immunsystem, wie es bei Hannah der Fall war. Aber Izzie sorgte sich nicht nur um Hannah. Auch ihr ungeborenes Baby war in Gefahr, sollte sich herausstellen, dass sie die Windpocken noch nicht gehabt hatte. Dr. Bailey hatte sie unverzüglich zu Dr. Evans auf die Gynäkologie geschickt. Mit einem simplen Bluttest sollte nun überprüft werden, ob Izzie Immunität gegen die Krankheit hatte.
„Dr. Karev?" Dr. Evans hatte unbemerkt den Raum betreten und ging nun mit sorgenvollem Gesicht auf ihre Patientin zu. „Ich nehme ihnen jetzt etwas Blut ab und schicke es ins Labor", erklärte sie, während sie Izzie's Arm abband, um die Vene zu suchen.
Izzie schloss die Augen, als Dr. Evans die Nadel in die Vene einführte und das Blut abzog. „Wie ... wie lange wird es dauern, bis das Ergebnis da ist?" fragte sie mit tonloser Stimme.
„Ein höchstens zwei Tage", erklärte Dr. Evans geduldig. „Je nachdem, wie schnell das Labor arbeitet."
Izzie spürte, wie Tränen durch ihre Wimpern sickerten. Ein bis zwei Tage Ungewissheit, ob sich ihr Baby angesteckt hatte oder nicht.
„Sie müssen sich in der Zeit von ihrer Tochter fernhalten", sagte Dr. Evans mitfühlend. „Wir brauchen erst das Ergebnis."
„Und was ist, wenn ...?" Izzie brach ab, und ein Zittern durchlief ihren Körper.
„Wir sollten erst das Ergebnis abwarten", sagte Dr. Evans ruhig. „Es bringt nichts, sich jetzt schon verrückt zu machen."
„Bitte ..." Izzie hob ihr tränenfeuchtes Gesicht zu Dr. Evans. „Ich möchte es wissen. Ich möchte ... vorbereitet sein."
Dr. Evans räusperte sich. „Falls sich bestätigen sollte, dass sie nicht immun sind spritzen wir ihnen ein Windpocken-Immunglobulin. Das mildert den Verlauf der Krankheit ab."
„Und mein Baby?" Izzie hatte Mühe, die Worte zu formen. „Wird es ... sterben, wenn es erkrankt?"
Dr. Evans seufzte leise. „Im Falle einer Erkrankung kann es zu Missbildungen kommen, Schädigungen des zentralen Nervensystems und der Gliedmaßen", begann sie aufzuzählen. „In zwei Prozent der Fälle haben diese Kinder Fehlbildungen der Augen. Ein Viertel der Babys überlebt das 1. Lebensjahr nicht. Oft hilft sich die Natur selber, indem diese Kinder schon tot geboren werden ..." Sie brach ab, als sie sah, wie Izzie die Hände vors Gesicht schlug und ihr Körper zu zucken begann. „Diese Form der Erkrankung ist extrem selten!" lenkte sie ein. Sie legte Izzie eine Hand auf die Schulter. „Sie sollten positiv denken ... für ihr Baby!"
Tränen der Verzweifelung und des Schmerzes rannen über Izzie's Wangen. Sie schlang ihre Arme um den zitternden Körper, als könnte sie ihr Baby so beschützen. War das die Strafe für all ihre Sünden, die sie jemals begangen hatte?
„Ich bringe die Blutprobe zum Labor", sagte Dr. Evans ruhig. „Wenn sie möchten können sie jetzt nach Hause gehen."
Izzie nickte mechanisch, während sie weiterhin ihren Körper umschlungen hielt.
Dr. Evans warf Izzie noch einen mitfühlenden Blick zu und verließ dann den Behandlungsraum.
Izzie hörte, wie die Tür zufiel und ließ sich langsam auf die Liege sinken. Sie würde hier bleiben, in Hannah's Nähe. Wenn sie schon ihr Baby verlieren musste, wollte sie wenigstens für ihre Tochter da sein. Sie schloss erschöpft die Augen, und es dauerte nicht lange, bis sie eingeschlafen war.
Im Krankenhaus
Meredith hatte Hannah nur ungern in die Obhut der Schwestern übergeben, aber sie musste sich umziehen und es blieb ihr deswegen keine andere Wahl. Müde streckte sie sich. Doch sie konnte ihre Erschöpfung nicht abschütteln. Zuviel wanderte ihr durch den Kopf. Cristina hatte schon seit 2 Wochen nicht mit ihr gesprochen, weswegen sich Derek auch noch schuldig fühlte. Dann die Hochzeit, die noch nicht einmal ansatzweise in der Planung war, aber irgendwann stattfinden würde. Jetzt auch noch Hannah, die alles hätte machen können außer krank zu werden. Immerhin kämpfte sie noch mit den Nachwirkungen der Chemotherapie. Aber alles zu seiner Zeit. Seufzend erreichte sie die Umkleidekabine. Doch als sie die Tür schwungvoll öffnen wollte, stieß sie gegen einen Widerstand. Erschrocken trat sie einen Schritt zurück.
Alex zog sich im Umkleideraum um, während seine Gedanken immer wieder abschweiften. Schon seit einigen Nächten schlief er schlecht. Meist handelten seine wirren Träume von Izzie, dem Baby und Hannah. Mehr als einmal war er schon schweißgebadet aus so einem Alptraum erwacht mit einem diffusen Unruhegefühl im Magen. Er versuchte sich selber einzureden, dass alles In Ordnung war. Auch wenn Izzie ihm aus dem Weg ging, Meredith würde ihm sagen, wenn etwas nicht in Ordnung wäre. Seufzend schob er die Spindtür zu und ging dann Richtung Ausgang.
Alex sah die Tür zu spät auf sich zukommen und taumelte leicht zurück, als er von ihr am Kopf getroffen wurde. Stöhnend hielt er sich die Stirn.
Meredith kniff die Augen zusammen, bevor sie tief Luft holte. Vorsichtig drückte sie gegen die Tür, die sich dieses Mal auch öffnen ließ. Als sie sah wen sie getroffen hatte, rollte sie mit den Augen. „In diesem Fall kann ich mir ja die Entschuldigung sparen, da ich den richtigen getroffen habe."
Alex sah sie mit einem empörten Blick an. „Hast du zu wenig Patienten, dass du einen Mitbewohner k.o. schlagen musst?" fragte er trocken.
„Ich würde dich derzeit nicht wirklich als Mitbewohner bezeichnen." Meredith stemmte ihre Hand in die Seite. „Idiot, Schwachkopf trifft es eher. Oder noch besser wäre Arsch. Was ist eigentlich mit euch los? Die eine redet nicht und du verhältst dich wie ein Trottel."
Geschockt von Merediths Offenheit trat er einen Schritt zurück. „Sag mal, hat man dir heute morgen irgendwelche Drogen in den Kaffee geschüttet?" Er stemmte die Hände in die Hüften. „Die Frage ist hier nicht, was mit mir los ist", stieß er hervor. „Was ist mit dir los? Was habe ich dir getan?"
„Was man mir in den Kaffee getan hat?" Meredith holte tief Luft. Sie war kurz davor, Alex zu erwürgen. Aber irgendetwas sagte ihr, dass es Izzie nicht helfen würde, sie zur Witwe zu machen. „Ich hatte noch gar keinen Kaffee. Den sollte ich erst.." Sie sah auf ihre Uhr. „.. in 1 Stunde haben. Aber du darfst mich jetzt fragen, warum ich keinen Kaffee hatte."
Alex runzelte die Stirn. Er begann sich ernsthaft Sorgen um Meredith zu machen. Alles was sie sagte war irgendwie konfus, ohne Sinn. „Ist alles in Ordnung mit dir?" erkundigte er sich besorgt.
„Nein, bei mir ist gar nichts in Ordnung. Cristina redet nicht mehr mit mir. Derek fühlt sich schuldig und entschuldigt sich 100 Mal am Tag dafür." Meredith ging einen Schritt auf Alex zu, während sie mit dem Zeigefinger auf ihn deutete. „Und du hast vor 2 Wochen beschlossen, den Teil aus deinem Eheversprechen auszulassen in dem es heißt, auch in schlechten Zeiten da zu sein." Sie seufzte laut auf und schüttelte dabei mit dem Kopf. „Nein Alex, bei mir ist gar nichts in Ordnung."
Da war es wieder dieses Gefühl, mit dem er seit mehreren Tagen aus seinen Alpträumen erwacht war. Er fühlte, dass etwas nicht stimmte. Meredith hatte sich noch nie so komisch ihm gegenüber verhalten. Und was sollte die Bemerkung, dass er vor zwei Wochen beschlossen hatte, den Teil aus dem Eheversprechen auszulassen, in dem es um den Zusammenhalt in schlechten Zeiten ging?
„Und dann versteckst du dich auch noch 2 Wochen wo auch immer!" Meredith schloss kurz die Augen. „Entschuldige Alex. Das war nicht so gemeint." Sie legte eine Hand auf seinen Arm. „Hannah ist krank. Wir vermuten, dass es Windpocken sein können und Izzie weiß nicht, ob sie die schon mal hatte. Du weißt ja, was das für ihr Baby bedeuten könnte, wenn sie sich angesteckt haben sollte." Sie sah Alex in die Augen. „Ich weiß, dass du noch nicht bereit für ein Baby bist, aber Izzie braucht dich jetzt wirklich."
Alex hatte mit einem Mal das Gefühl, als ob eine eiskalte Hand nach seinem Herzen greifen würde. Er wusste, welche Auswirkungen eine Infektion in der Frühschwangerschaft auf das Ungeborene haben konnte. Der Alptraum war Wirklichkeit geworden. „Wo ... wo ist sie?" presste er mit tonloser Stimme hervor.
„Sie wollte Dr. Evans sehen." Meredith drückte den Arm von Alex. „Sie ist nur da, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Ihr geht es körperlich gesehen gut." Mitfühlend sah sie ihn an. „Hannah geht es da deutlich schlechter. Du solltest auch zu ihr gehen. Sie hat dich vermisst."
Alex kämpfte mit seiner Fassung. Izzie würde das Baby verlieren - ihr Baby, wenn es wirklich erkrankt sein sollte. Und Hannah schwebte ebenfalls in Lebensgefahr. Wie hatte es nur so weit kommen können? Wie hatte er zulassen können, dass es soweit kommen konnte? Ein Gefühl tiefer Schuld überkam ihn. Er hob den Kopf und sah Meredith mit gequältem Blick an. „Es ist meine Schuld", sagte er leise. „Ich war nicht da ..." Seine Stimme brach.
Meredith legte ihre Arme um Alex. Sie zog ihn zu sich heran und strich ihm beruhigend über den Rücken. „Wenn du da gewesen wärst, dann wäre Hannah jetzt krank. Izzie würde bei Dr. Evans sein und sich untersuchen lassen." Sie seufzte leise. „Der einzige Unterschied wäre gewesen, dass Izzie das alles nicht alleine durchmachen müsste. Aber das kannst du jetzt ändern, indem du deinen Hintern an ihre Seite bewegst, wo er auch hingehört."
Alex nickte. Er befreite sich vorsichtig aus Meredith Armen und sah sie an. „Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass ich mir vorgenommen hatte, heute mit Izzie über unsere Situation zu reden?" Er wischte sich eine Träne aus dem Auge. „Ich wollte ihr sagen, dass ich nun bereit bin. Das ich bereit bin zurückzukommen. Und das ich bereit bin, der Ehemann und Vater zu sein, den sie sich von Anfang an gewünscht hat." Er stöhnte gequält auf. „Komme ich zu spät?"
Auf Merediths Gesicht formte sich ein Lächeln. Sie sah Alex an und schüttelte leicht den Kopf. Dann nahm sie tief Luft. „Selbst wenn du hier noch länger rum stehst und deine Tochter oder dein Sohn irgendwann ein College besuchen, würde ich diese Frage mit nein beantworten. Du kämst zwar nicht mehr so einfach davon, aber ich bin mir sicher, dass sie dich zurücknehmen würde. Aber bitte tu mir den Gefallen und warte nicht bis deine Kinder aufs College gehen."
Alex erwiderte ihr Lächeln. „Nein, ganz bestimmt nicht", versprach er. „Danke Meredith!" Er drückte sie kurz an sich, bevor er die Tür aufschob und mit eiligen Schritten zu den Aufzügen hinüber ging.
Meredith sah ihm lächelnd hinterher. Zumindest schien ein Problem gelöst zu sein. Sie war sich sicher, dass Izzie ihm verzeihen würde, weil er so lange gebracht hatte, um zu Vernunft zu kommen.
Im Krankenhaus
Derek stellte seinen Kaffeebecher vor sich auf den Tresen der Schwesternstation ab. Ihm wurde wortlos die Akte gereicht, die er Minuten zuvor erst bei den Schwestern abgegeben hatte. Wenn es nach ihm gehen würde, dann könnte man Bereitschaftsdienste und Notoperationen abschaffen. Ebenso den Papierkram und das Überbringen schlechter Nachrichten an Angehörige. Vor allem könnte man die Kombination von allem abschaffen, denn das war für ihn das erschöpfende an seinem Beruf, weniger die Stunden, die er im OP Saal stand oder das frühe Aufstehen, um zur Arbeit zu kommen. Er fuhr sich durch das Haar als ein Kopf auf seine Schulter gelegt wurde. Instinktiv legte er seinen Arm um die Frau neben ihm, während er zu lächeln begann.
„Versteh mich jetzt nicht falsch, denn ich mag es, dass du hier bist. Aber was machst du hier?" Er lehnte seinen Kopf gegen ihren und drückte sie fester an sich. Schmunzelnd beobachtete er wie sie sich seinen Kaffee stibitze. „Ah, ich sehe schon."
Meredith gönnte sich einen großen Schluck, auch wenn sie enttäuscht feststellte, dass das koffeinhaltige Getränk keine Sofortwirkung besaß. „Hattest du schon mal Windpocken?" Fragte sie ihn schließlich, nachdem sie ihm den Becher wieder hingestellt hatte.
„Lästige juckende Bläschen. Ich erinnere mich ungern daran. Wer ist denn betroffen?" Derek schauderte es bei dem Gedanken an die Krankheit und sah zu Meredith hinunter.
„Hannah. Und Izzie weiß nicht, ob sie sie schon mal hatte." Meredith legte ihren Arm um seinen Körper und schloss die Augen. Vielleicht würde es nicht auffallen, wenn sie den ganzen Tag in seinen Armen schlafen würde. Zwar wusste sie noch nicht wie er so operieren sollte, aber da würde ihm schon noch was einfallen.
Derek strich während er über die neuen Informationen nachdachte Merediths Oberarm. „Wie geht es Hannah?"
„Nicht so gut. Sie hat hohes Fieber und wir mussten sie hierher bringen. Ich wollte gleich noch einmal nach ihr sehen." Sie hatte noch immer die Augen geschlossen und versuchte wieder in den Traum zurück zu kommen, den sie hatte kurz bevor Izzie sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Aber das Klingeln eines Telefons und die lauter werdenden Stimmen der umhergehenden Schwestern und Pfleger ließ ihr keine Chance. Murrend richtete sie sich auf. „Zumindest ist Alex zu Verstand gekommen und jetzt bei Izzie. Bleibt nur noch mein Problem mit Cristina."
Derek seufzte leise. „Ich werde noch mal mit ihr reden. Immerhin ist es meine Schuld, dass sie nicht mit dir redet."
„Nein, Derek. Es ist nicht deine Schuld und würdest du bitte aufhören, dich zu entschuldigen." Sie rollte mit den Augen und löste sich aus der Umarmung.
„Entschuldigung." Derek zuckte etwas zusammen, als er schuldbewusst zu ihr blickte.
„Wenn du dich noch einmal dafür entschuldigst, kannst du gerne auf der Couch schlafen. Es ist nicht deine Schuld, dass sie nicht mehr mit mir redet." An den Tresen lehnend sah sie zu Derek hoch, der betreten zu Boden blickte. Sie stupste ihn sachte gegen die Schulter. „Ernsthaft, Derek. Hör auf damit. Wir sind noch nicht einmal verheiratet und du bist schon zu einem Pantoffelhelden mutiert." Da Derek leicht zusammenzuckte, stellte sich Meredith alarmiert von seinem Verhalten aufrecht hin. „Derek?"
Derek räusperte sich hörbar und setzte ein nervöses Lächeln auf. „Das mit der Hochzeit." Er trat einen Schritt auf Meredith zu, die ihn skeptisch ansah. „Meine Mutter hat mich gefragt, wann wir heiraten und sie will dich endlich kennen lernen." Er murmelte den letzten Teil so leise, dass er kaum noch hörbar war.
„Was?" Meredith hatte nur etwas mit Mutter, Termin und Kennen lernen verstanden und war sich deswegen sicher, dass Derek nur einen Witz erzählt hatte, den sich nicht verstand. „Kannst du das bitte wiederholen."
„Meine Mutter würde dich gerne kennen lernen und will ein Datum wissen." Derek trat jetzt doch lieber einen Schritt von Meredith zurück, da er inzwischen nur zu gut wusste, dass ihre Fäuste vielleicht klein sind, aber alles andere als ineffektiv.
„Deine Mutter?" Meredith spürte wie die Luft aus ihrem Körper gepresst wurde. Zwar war ihr bewusst gewesen, dass sie früher oder später seine Familie treffen würde, aber ihr wäre später lieber gewesen. „Und wie kommt deine Mutter auf so etwas, nachdem du mir gesagt hast, ihr es noch nicht zu sagen?"
„Weil ich gestern Abend mit ihr gesprochen habe." Er atmete tief durch und bereitete sich darauf vor, dass sie gleich ausflippen würde. „Und da ist es mir dann rausgerutscht, nachdem sie gefragt hat, warum ich anrufe."
„Du wolltest bestimmt nur einfach mal so mit ihr reden." Meredith wartete sein zustimmendes Nicken ab und schüttelte anschließend den Kopf. „Als ob du sie einfach mal so anrufen würdest. Natürlich fragt sie da nach."
„Entschuldigung?" Derek grinste sie frech an, ging aber gleichzeitig wieder einen Schritt zu ihr und legte seine Hände auf ihre Hüften.
„Dir ist schon klar was passiert ist, nachdem sich Mütter in die Hochzeitsvorbereitungen von Cristina eingemischt haben?" Sie sah ihm tief in die Augen.
„Das wird sie nicht." Da Meredith noch immer nicht überzeugt aussah, lächelte er sie aufmunternd an. „Meine genauen Worte waren, dass ich dich notfalls irgendwohin entführe, so dass sich keiner einmischen kann. Aber sie wird sich nicht einmischen. Sie will dich einfach nur kennen lernen."
„In Ordnung." Sie atmete hörbar aus. „Aber jetzt will ich noch mal kurz bei Hannah vorbeischauen, bevor ich mich an die Arbeit mache."
„Technisch gesehen hat dein Dienst noch nicht begonnen." Er zog sie noch ein Stück näher zu sich. Meredith spürte wie seine Hände langsam die Sicherheitszone, die ihre Kleidung darstellte, verließen und unter ihr OP Oberteil glitten. Seine warme Hände auf ihrer Haut fühlend, seufzte sie zufrieden auf. Denn die Realität ist so viel besser als ein Traum und technisch gesehen hatte sie tatsächlich noch keinen Dienstbeginn gehabt.
Im Krankenhaus - Behandlungsraum
Je näher Alex der Gynäkologie-Abteilung kam, desto schneller beschleunigte er seine Schritte. Über zwei Wochen hatte er sich vor Izzie ferngehalten, und nun konnte er es gar nicht erwarten, sie wieder in seine Arme zu schließen. Angst schnürt ihm die Kehle zu, als er gleich mehrere Stufen im Treppenhaus auf einmal nahm. Er stieß die Tür auf und rannte den Flur hinunter. „Izzie Karev?" rief er einer Schwester schweratmend entgegen, die seinen Weg kreuzte.
„Behandlungsraum 4.", gab diese knapp zur Antwort, und schüttelte verständnislos den Kopf, als Alex achtlos an ihre vorbeirannte.
Er stieß die Tür zum Behandlungsraum auf und blieb wie angewurzelt stehen, als er seine schlafende Frau auf der Liege sah. Sein Magen krampfte sich zusammen, während er langsam auf sie zuging. Sie sah so zerbrechlich aus, wie sie so da lag, die Arme schützend um den Körper geschlungen. Tränen würgten ihn. Er beugte sie über sie und strich ihr zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor er ihre Stirn sanft küsste. „Iz ..." flüsterte er während er fortfuhr, ihre Wange zu streicheln.
Izzie erwachte durch die leichte Berührung und öffnete ihre Augen. „Alex?" fragte sie ungläubig, als sich ihr Blick mit seinem traf.
Alex wurde mit einem Mal von seinen Gefühlen überwältigt. Er setzte sich neben sie und zog sie in seine Arme. „Es tut mir so leid!" flüsterte er, während er spürte, wie Tränen über sein Gesicht liefen. „Kannst du mir jemals verzeihen?"
Izzie's Finger krallten sich in sein OP Hemd, während sie ihren Kopf an seine Brust drückte und ihren Tränen freien Lauf ließ.
Für eine Weile saßen sie nur so da, sich gegenseitig festhaltend und tröstend, bevor Izzie den Kopf hob und Alex ansah. „Hannah ist ... krank", schluchzte sie.
„Ich weiß." Alex wischte sich seine Tränen von der Wange. „Meredith hat es mir erzählt." Er legte zögernd seine Hand auf Izzie's Bauch. „Es tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe", sagte er leise. „Wenn unserem Baby etwas passiert, dann ist das meine Schuld. Ich war nicht da. Ich habe euch alleine gelassen, als ihr mich am meisten gebraucht habt." Er brach ab, weil ihm die Stimme erneut versagte.
„Nein ..." Izzie ergriff seine Hand und drückte sie fest. „Es ist nicht deine Schuld. Niemand hat Schuld. Wenn ... dann ... dann ist es Schicksal", presste sie hervor.
Alex' Augen füllten sich wieder mit Tränen. „Wenn ich die letzten beiden Wochen ungeschehen machen könnte, dann würde ich es tun", stieß er verzweifelt hervor. „Ich war vielleicht damals nicht bereit für unser Baby, aber jetzt bin ich es."
Izzie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, während sie wieder mit den Tränen kämpfte. „Ich bekomme das Ergebnis des Bluttests in ein oder zwei Tagen."
Alex schloss für einen Moment gequält die Augen. Wieso musste das ausgerechnet jetzt passieren, wo er bereit war, sich seiner Verantwortung als Vater zu stellen? Das Leben war nicht fair. „Iz ..." Er griff unter ihr Kinn und sah sie mit eindringlichem Blick an. „Was immer auch passiert. Ich bin für euch da!"
Izzie nickte, während sie sich die Augen wischte. „Gehst du zu Hannah?" Sie sah ihn bittend an. „Ich darf nicht zu ihr. Und ich möchte wissen, wie es ihr geht."
Alex nickte während er Izzie half, von der Liege aufzustehen. „Kommst du alleine zurecht?"
„Ja." Izzie ging zur Tür und öffnete sie. „Ich werde zu Dr. Bailey gehen und fragen, ob ich arbeiten darf."
„Bist du wirklich imstande dazu?" fragte Alex besorgt.
„Arbeit lenkt mich ab", erwiderte Izzie leise.
Alex nickte. Bevor er den Behandlungsraum verließ, zog er Izzie noch einmal in seine Arme und gab ihr einen sanften Kuss auf den Mund. „Ich habe es dir vielleicht in den letzten Wochen nicht gezeigt, aber ... ich liebe dich!"
„Ich liebe dich auch!" Izzie strich ihm noch einmal zärtlich über die Wange, bevor sie ihn freigab und ihm hinterher sah, wie er zu den Aufzügen hinüber ging.
Im Krankenhaus
Cristina fühlte sich schon seit Tagen nicht richtig wohl. Sie hatte erwartet, dass Mark keine große Hilfe sein würde, da er es nicht verstehen konnte, was Meredith ihr bedeutete. Es ging ihr auch nicht darum, Meredith die Freude an der Verlobung zu nehmen. Sie fühlte sich einfach übergangen. Nicht nur, dass sie den Ring sehen musste, ohne zu wissen, was er wirklich bedeutete. Es schmerzte sie, dass Mark ihre Vermutung bestätigt hatte. Und das bedeutete, dass er die Nachricht vor ihr mitgeteilt bekommen hat. Etwas grimmig ging sie den Flur entlang und zu ihrem Glück, sah sie Derek auf sie zukommen. Zwar hätte sie noch schnell in eine Abstellkammer flüchten können, aber sie hatte seinen entschlossenen Gesichtsausdruck gesehen.
„Dr. Shepherd." Sie hoffte, dass sie ihn schnell mit einer ablehnenden Haltung verscheuchen konnte.
„Können wir kurz reden, Cristina." Derek hatte sich vor ihr aufgebaut.
„Ich dachte, dass wir professionell miteinander umgehen sollten. Von daher wäre mir Dr. Yang lieber." Cristina verschränkte die Arme vor der Brust.
Derek seufzte frustriert auf, hielt aber ihrem kalten Blick stand. „Dr. Yang, hätten sie Zeit für Gespräch?"
„Finden sie das komisch? Sehen sie mich hier lachen?" Sie hob etwas die Stimme, doch da sie nur unnötig Aufmerksamkeit erregte, schüttelte sie den Kopf. „Was? Ich bezweifle, dass es um einen medizinischen Fall geht."
„Cristina, können wir nicht in Ruhe über das ganze reden?" Derek atmete tief durch während er sie fragend ansah.
„Dr. Yang." Erinnerte Cristina, die Hände inzwischen in die Seite gestemmt.
„Cristina."
„Dr. Yang, wenn ich bitten darf." Sie schaute kurz zur Seite, bevor sie ihm wieder in die Augen sah. „Bei mir wirkt dieser Welpen Blick kombiniert mit ich lehne mich an alles Trick nicht." Da Derek ihrem noch immer kalten Blick weiterhin standhielt, atmete sie aus. „Was könnten sie mir überhaupt zu sagen haben?"
„Vielleicht geht es mir mehr darum, was Meredith zu sagen hat." Entgegnete Derek und lehnte sich an die Wand. Kaum hatte er die Wand berührt, richtete er sich räuspernd wieder auf. „Du könntest ihr wenigstens zuhören."
„Was ich zu tun oder zu lassen habe, dass ist immer noch meine Sache." Sie hatte ihre Stimme erneut gehoben, weswegen wieder ein paar umhergehende Krankenschwestern sie neugierig ansahen.
„Aber du darfst bestimmen, was Meredith dir wann zu sagen hat. Das dürfte dann auch ihre Sache sein." Derek war inzwischen leicht verärgert über Cristinas Verhalten und kümmerte sich nicht darum, dass man jetzt auch ihn beobachtete.
„Nein, Meredith macht nur noch das, was du ihr sagst. Das ist ja das Problem." Sie deutete mit dem Zeigefinger auf seine Brust, weswegen Derek verärgert aufschnaubte. „Was ist es denn nicht so?"
„Keineswegs. Denn das ist der große Unterschied zwischen uns beiden." Jetzt zeigte Derek zwischen sich und Cristina mit seinem Zeigefinger hin und her. „Du willst weiterhin im Mittelpunkt stehen und machst alles dafür. Ich will einfach nur ein Teil von ihrem Leben sein."
„Genau deswegen hast du dich doch von ihr getrennt, weil du sie für dich allein haben wolltest und sie es nicht zugelassen hat." Sie hatte ihre Augen zu Schlitzen verengt, während sie ihn anzischte.
„Vielleicht habe ich aus meinen Fehlern gelernt, was man von dir ja dann nicht behaupten kann." Konterte Derek, doch schüttelte danach gleich den Kopf und fuhr sich frustriert durch die Haare. „Cristina, ich will mich nicht mit dir streiten. Wir nehmen zwei völlig unterschiedliche Plätze in Merediths Leben ein." Sein Gesichtsausdruck entspannte sich allmählich wieder. „Sie vermisst ihre beste Freundin. Mehr wollte ich dir eigentlich auch nicht sagen." Er wartete darauf, dass Cristina ihm darauf Antwort gab, aber sie sah ihn nur mit einem ausdruckslosen Blick an. „Also schön, dann gehe ich wieder." Bevor er sich herumdrehte, gab er ihr erneut die Möglichkeit, sich zu äußern, doch nachdem sie es vorzog zu schweigen, ging er den Flur wieder hinunter.
Cristina sah ihm hinterher, bis er aus ihrem Blickfeld verschwunden war. Kaum war er nicht mehr zu sehen, lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Wand und atmete tief durch. Ihr ging es wie Meredith und sie vermisste ihre beste Freundin. Seufzend drückte sie sich wieder von der Wand ab und machte sich wieder an ihre Arbeit.
Joe's Bar
Derek saß in Joe's Bar am Tresen. In Gedanken versunken starrte er in sein Glas, in dem noch ein Teil seines Scotchs verblieben war. Er kreiste den Finger um den Glasrand, während ihm das Gespräch mit Cristina durch den Kopf ging, was er wenige Stunden zuvor geführt hatte. Es war ein Versuch gewesen, sich zu entschuldigen und sie darum zu bitten, wieder mit Meredith zu reden. Unglücklicherweise lief das Gespräch nicht ganz so wie erwartet. Neben ihm setzte sich jemand auf den Stuhl. Derek wusste sofort wer es war, ohne aufzusehen.
„Was bringt dich hierher?" Derek trank den letzten Schluck aus seinem Glas und atmete anschließend tief durch.
„Ich würde sagen die Aussicht auf einen guten Scotch und ein nettes Gespräch mit meinem Lieblingsfreund." Mark klopfte Derek auf die Schulter. Grinsend gab er Joe ein Zeichen, der ihm auch gleich ein Glas hinstellte und das gewünschte Getränk einschenkte. „Danke, Joe." Dieser nickte ihm zu, widmete sich aber gleich den nächsten Gästen, die seine Bar betreten hatten.
„Lieblingsfreund?" Derek runzelte die Stirn und sah dann zu Mark hinüber. „Was willst du?"
„Nichts." Mark schüttelte grinsend den Kopf. „Darf ich dich so denn nicht bezeichnen?" Er riskierte einen Seitenblick und räusperte sich dann als er Dereks skeptisches Gesicht sah. „Schön, diese alte und längst vergangene Sache ist wohl noch immer nicht vom Tisch. Du bist ganz schön nachtragend."
„Scheint so." Derek deutete Joe an, dass er einen weiteren Scotch wollte. „Ich bin aber nicht der einzige. Hast du zufällig mit Cristina gesprochen?"
„So etwas dickköpfiges habe ich lange nicht getroffen. Sie lässt nicht mit sich reden, Derek." Mark sah ihn mit einem entschuldigenden Blick an. „Aber vielleicht sollten die beiden das ohnehin unter sich ausmachen." Da Derek neben ihm zusammenzuckte und dann schuldbewusst zu ihm hinüberblickte, lachte er auf. „Du hast dich eingemischt."
„Und das obwohl Meredith es mir mehr oder weniger verboten hatte." Derek fuhr sich durch die Haare. Dankenswerter Weise hatte Joe ihm sein Glas wieder gefüllt, denn er konnte etwas gebrauchen, was ihn von seiner misslichen Lage ablenkt.
„Meredith hat dich ja ganz schön im Griff. Und ihr seid noch nicht einmal verheiratet. Gehst du dann bei Fuß?" Mark konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, wurde dann aber ernst. „Wo wir schon beim Heiraten sind. Ich habe Zeit und würde die Rolle des Trauzeugen liebend gerne annehmen."
„Wir haben noch nicht einmal ein Datum." Warf Derek ein.
„Dabei könnte ich dir auch helfen. Das machen Trauzeugen." Er hatte sich zu Derek gedreht und sah ihn erwartungsvoll an.
„Nein." Derek schüttelte lachend den Kopf.
„Du wirst mich doch zum Trauzeugen ernennen?" Auf Marks Gesicht zeigte sich der Anflug von Enttäuschung ab.
„Nein." Derek nahm einen weiteren Schluck seines Scotchs, sah aber nicht mehr zu Mark, der sich halber über den Tresen lehnte, um einen Augenkontakt herzustellen.
„Ich würde mich um alles kümmern. Die Ringe, die Papiere, einfach alles." Versuchte es Mark schon fast verzweifelt.
„Nein." Antwortete Derek trocken, auch wenn Mark ihm ein klein wenig Leid tat.
„Hast du auch noch eine andere Antwort parat?" Versuchte es Mark nach einer kleinen Pause wieder.
„Nein." Derek schüttelte erneut seinen Kopf.
Mark drehte sich wieder zum Tresen um. Schmollend trommelte er auf den Tresen bis sich ein Grinsen auf seinem Gesicht bildete. „Liebst du Meredith?"
„Ja." Antwortete Derek wie aus der Pistole geschossen.
„Du bist also in sie verliebt." Mark hatte sich wieder zu Derek umgedreht.
„Ja." Nickte Derek ihm zu, inzwischen mit einem Lächeln im Gesicht, da er an Meredith dachte.
„Darf ich dein Trauzeuge sein?" Mark hatte den sehnsüchtigen Blich in Dereks Augen gesehen und nutze seine Chance, ihn zu überlisten.
„Nein." Derek lachte auf, da Mark frustriert mit den Augen rollte. „Mark, das letzte Mal als ich dich zum Trauzeugen gemacht habe, da hast du mit meiner Frau geschlafen."
„Ich sagte ja, dass du nachtragend bist und ein Pantoffelheld, der noch nicht einmal verheiratet ist. Ernsthaft Derek, du hast deinen Zug verloren." Mark schüttelte enttäuscht den Kopf und widmete sich wieder seinem Drink.
„Ich nichts verloren, sondern was gewonnen." Entgegnete Derek mit einem Lächeln. „Um nichts in der Welt würde ich daran was ändern."
Zwischen den beiden fiel eine angenehme Stille. Mark riskierte wieder einen Blick zu Derek, der aber sofort den Kopf schüttelte. Grinsend trank Mark aus seinem Glas, drehte sich aber wieder zu Derek um, der ihn fragend ansah. „Was machst du eigentlich hier? Du hattest doch Bereitschaftsdienst und müsstest längst zu Hause sein."
„Meredith hat Izzie ihr Auto zur Verfügung gestellt und jetzt warte ich hier auf sie." Derek nahm sich die Schüssel mit den Erdnüssen und steckte sich eine in den Mund.
Mark nickte ihm erneut zu und sah dann auf die Uhr. „Dann müsste sie eigentlich auch bald hier sein." Er nahm Derek die Schüssel mit den Erdnüssen aus der Hand, um sich ebenfalls daran zu bedienen. „Und du bist dir sicher? Also Meredith zu heiraten und mich nicht als Trauzeugen dabei haben zu wollen?".
Derek atmete hörbar aus. „Ich werde darüber nachdenken." Bevor er noch etwas hinzufügen konnte, spürte er einen weichen Frauenkörper, der sich gegen seinen Rücken presste, während zwei Arme um seinen Körper geschlungen wurden. Lächelnd schloss er die Augen.
„Worüber denkst du nach?" Meredith küsste ihn zur Begrüßung auf die Wange.
„Mark zu meinem Trauzeugen zu machen." Antwortete Derek noch immer lächelnd.
„Kannst du das auch zuhause machen? Wir haben nämlich vorerst kein Kind mehr im Haus und da dachte ich, dass wir das ausnutzen sollten." Sie hob verführerisch die Augenbraue und löste die Umarmung wieder. Nachdem sie ein paar Schritte von ihm weg war, hielt sie ihm die Hand hin.
Derek sah grinsend zu Mark hinüber, während er ein paar Scheine auf den Tresen legte. „Mark, ich bin gerne ein Pantoffelheld." Grinsend stand er auf und griff nach Merediths Hand. Mark sah den beiden nach, bis sie aus der Tür verschwunden waren.
Merediths Haus
Izzie stand in Hannah's Zimmer, nur bekleidet mit ihrem kurzen Nachthemd, und starrte auf das unberührte Bett vor sich, während lautlos Tränen an ihren Wagen hinunterliefen. Sie wäre gerne bei ihrer Tochter im Krankenhaus geblieben, denn laut der Ärzte auf der Isolierstation hatte sich ihr Zustand nicht erheblich gebessert. Sie hatte immer noch Fieber und litt unter dem juckenden Hautausschlag, der mittlerweile ihren ganzen Körper befallen hatte. Izzie fühlte sich hilflos. Dr. Evans hatte ihr den direkten Kontakt mit Hannah untersagt. Aber zumindest hatte Alex ihr dabei geholfen, dass sie ihre Tochter wenigstens durch die Scheibe sehen konnte. Nur widerwillig hatte sie zugestimmt, zuhause zu warten. Alex war im Krankenhaus geblieben. Er wollte sie sofort anrufen, wenn sich etwas an Hannah's Zustand ändern sollte. Doch mehrere Stunden waren seitdem vergangen, ohne dass sie eine Nachricht von ihm bekommen hatte. Izzie hörte plötzlich, wie sich die Haustür unten öffnete und rannte so schnell sie konnte nach unten. Das konnte nur Alex sein, denn Meredith und Derek schliefen bereits.
„Und?" fragte sie völlig außer Atem, kaum das Alex das Haus betreten hatte.
Er ging lächelnd auf sie zu. „Gute Neuigkeiten!" sagte er. "Das Fieber sinkt. Und sie hat mich auch erkannt. Sie macht schon wieder Witze."
„Oh, Gott sei dank ..." Izzie brach erneut vor Alex in Tränen aus.
Seufzend ging er auf sie zu und nahm ihr Gesicht zwischen seine beiden Hände. „Hannah wird wieder gesund!" wiederholte er noch einmal. „Du musst nicht mehr weinen. Alles wird gut." Er wischte ihr vorsichtig mit dem Daumen über die tränenfeuchte Wange.
Izzie nickte unter Tränen. „Ich weine, weil ich ... glücklich bin", schluchzte sie.
Alex legte lächelnd seine Hände um ihre Taille und gab ihr einen sanften Begrüßungskuss. Er stutzte für einen Moment. Izzie's Körper fühlte sich anders an, weicher, runder. Seitdem er von der Schwangerschaft wusste, hatte er keine Gelegenheit gehabt, die körperlichen Veränderungen an ihr wahrzunehmen. Denn wenn sie sich in der Klinik getroffen hatten, hatte sie meistens ihr OP Hemd an und darüber ihren Kittel. Er schob sie ein Stück von sich weg und musterte sie mit unverhohlenem Interesse.
Izzie spürte, wie sich ihr Pulsschlag beschleunigte. Es erregte sie, wie er sie ansah. Schon als er seine Hände um ihre Taille gelegte hatte, hatte sie gespürt, wie sich ihre Brustwarzen aufgestellt hatten. Über zwei Wochen war es her, seit sie das letzte Mal miteinander geschlafen hatten. Und alles in ihr verlangte nach ihm. Sie verringerte den Abstand zu ihm und schlang ihre Arme um seinen Nacken. „Schlaf mit mir!" stieß sie hervor und ließ ihre Lippen an seinem Hals entlang wandern, während sie ihn hinüber zum Sofa drängte und dort ihren Mund wieder auf seinen presste.
Alex war so überrascht von dem Überfall, dass er nicht anders konnte, als den Kuss zu erwidern. Doch plötzlich kamen Zweifel auf. Er unterbrach den Kuss für einen Moment und sah sie besorgt an. „Bist du sicher? ... Ich meine ... das Baby ..." stotterte er. Die Situation war neu für ihn. Und auch, wenn er als Arzt wusste, dass Sex in der Schwangerschaft in der Regel unbedenklich war, war er verunsichert.
Izzie nickte und verschloss seinen Mund schnell mit ihren Lippen, bevor er noch mehr Zweifel äußern konnte. Sie drückte ihn aufs Sofa und setzte sich dann breitbeinig auf seinen Schoß. Während sie mit flinken Fingern seine Hose öffnete und ihm das Shirt über den Kopf zog, bedeckte sie sein Gesicht mit Küssen. Nach einer Weile rutschte sie wieder von seinem Schoss hinunter und zog ihn mit sich auf den Fußboden. Für einen Moment lagen sie schweratmend nebeneinander, ihre Blicke miteinander verschmolzen, bevor Alex langsam begann, Izzie's Nachthemd nach oben zu schieben und mit seinen Lippen ihren nackten Körper zu erforschen. Schnell schlang sie ihre Beine um seine Hüften und presste ihre Lippen gierig auf seinen Mund und begann zu stöhnen, als er in sie eindrang.
Wenig später
„Denkst du nicht, dass wir besser hoch gehen sollten?" fragte Alex und sah zu Izzie hinüber, die mit dem Kopf abgewandt zu ihm lag.
Sie nickte, während Tränen über ihre Wangen flossen.
Alex setzte sich auf und beugte sich über sie. „Hey, was ist denn?" fragte er besorgt, als er sah, dass sie weinte.
„Ich habe Angst, Alex!" stieß sie hervor.
Er setzte sich auf, nahm die Sofadecke und breitete sie über sich und Izzie aus. „Du denkst an das Baby?" fragte er leise, während er seinen Arm um sie legte.
Izzie nickte. „Was ist, wenn das Ergebnis ergibt, dass ich keine Antikörper gegen die Krankheit habe?" Sie wandte sich nun ihm zu und sah ihn mit tränenfeuchten Augen an, während sich ihre Hand automatisch auf ihren Bauch legte. „Ich liebe es doch jetzt schon. Ich kann es nicht mehr hergeben", stieß sie verzweifelt hervor. „Nicht schon wieder ..." Der letzte Rest des Satzes ging in Schluchzen unter.
Alex zog sie näher zu sich heran und lehnte seinen Kopf gegen Izzie's Schulter. Er wusste nicht, was er ihr antworten sollte. Er wusste nur, dass der Gedanke, dieses Baby zu verlieren, einen unbeschreiblichen Schmerz in ihm verursachte. Noch vor wenigen Tagen hatte er sich gewünscht, dass sie niemals schwanger geworden wäre. Und nun wollte er nichts mehr, als dieses Baby.
„Lass uns nach oben gehen." Izzie befreite sich vorsichtig aus seinen Armen und setzte sich auf. „In zwei Stunden kommen Derek und Meredith nach unten, um zu frühstücken." Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Ich glaube, es ist besser, wenn sie uns hier unten dann nicht mehr finden."
Alex nickte und erhob sich. Er legte Izzie die Decke über die Schulter und hob seine und ihre Sachen vom Fußboden auf. „Ich bin fertig. Wir können gehen", sagte er dann.
Izzie hielt ihm die Decke auf. „Ich habe hier drunter noch viel Platz", sagte sie schmunzelnd. „Außerdem stell dir den Skandal vor, wenn Meredith dich nackend sieht." Izzie rollte mit den Augen.
Alex zog amüsiert die Augenbraue nach oben. „Du hast Recht. Das geht natürlich nicht." Er schlüpfte zu ihr unter die Decke, schlang seinen Arm um ihre Taille, und gemeinsam gingen sie die Treppe hinauf.
Sich einen guten Vorsatz zu fassen ist leicht. Ihn umzusetzen dagegen schwieriger. Zum Beispiel, wenn man sich vornimmt keine betrunkenen Männer aus einer Kneipe mehr mit nach Hause zu bringen (Meredith und Derek schaffen es gerade so in ihr Schlafzimmer, ohne sich schon vorher die Kleider vom Leib zu reißen). Gut… manche Vorsätze muss man auch einfach nur neu formulieren. Aber normalerweise hat man Schwierigkeiten, wenn man sich genau daran halten will. Denn viel zu oft siegt die Bequemlichkeit oder auch einfach die Sturheit, sich zu verändern (Cristina steht an ihrem Spind gelehnt und sieht zu der Seite, auf der Meredith normalerweise immer steht). Dabei ignorieren wir auch gerne, dass eine Veränderung durchaus etwas gutes mit sich bringen kann (Webber liest sich die ersten Seiten von Marks Skript durch, legt es dann aber wieder weg). Erst wenn man einen Weckruf bekommen hat. Wenn etwas schlimmes passiert ist. Erst dann sind wir bereit etwas an uns zu verändern (Alex hält Izzie, die ihre Hand über dem Bauch hat, fest in seinen Armen
