Kapitel 6

James Ellison hatte einige Telefongespräche geführt. Es war ihm schwer gefallen zu versichern, dass es nicht Sarah Connor gewesen war, die das Haus mit einer miniatur Wasserstoffbombe zerstört hatte, zumal alle Beweise für die Aktivität einer Terroristenorganisation offenbar zusammen mit dem Haus vernichtet worden waren.

Fast genau so schwierig war es gewesen, diese Cameron ohne viele Fragen an der Polizei vorbei zu bringen.

„Ich hoffe, sie haben die Geschichte mit der Terrororganisation jetzt endlich akzeptiert", sagte er vor sich hin.

„Das müssen sie. Es gibt Nichts, das auf etwas anderes hinweisen könnte".

Der FBI Agent wandte sich der Stimme zu. Das Mädchen stand seit einer halben Stunde vor dem Fenster und starrte in die Nacht hinaus.

„Ich weiß nicht", entgegnete er. „Die Schießerei in der Schule, Der Mann mit dem Roboterbein... . Und ich habe hier einen Bericht über ein Mädchen, dass aus der Schule verschwunden ist", sagte er und hielt einige Blätter hoch.

Sie drehte den Kopf und sah ihn an. „Wir müssen John finden", sagte sie.

James Ellison blickte das Mädchen zweifelnd an. 'Immer der selbe Spruch' dachte er irritiert. 'Wie eine kaputte Schallplatte'.

„Du möchtest wirklich kein eigenes Zimmer?" Fragte er zum x-ten Mal.

Erneut blickte sie ihn an. „Das ist nicht notwendig, ich schlafe nicht".

'Und wieder eine stereotype Antwort. Jedesmal antwortet Sie mit der gleichen Phrase', dachte er erneut verwundert.

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Sarah sah auf John hinab. Sie sah, wie er sich hin und her wälzte. Manchmal lächelte er auch.

'Ob er wohl von Ihr träumt?' Fragte sie sich.

Sarah hatte noch mehr als eine Stunde auf John einreden müssen, bevor er aufgehört hatte eine Rückkehr nach New Mexico zu fordern.

Sarah wandte sich wieder dem Fenster zu. Sie konnte nicht schlafen. Jedes Mal wenn sie die Augen schloss sah sie, wie die Maschine auf John schoss.

Und wenn sie wach war dachte sie immer wieder daran, wie diese Cameron ihren Sohn in ihren Armen gehalten hatte. Sie dachte an den ängstlichen Ausdruck im Gesicht von Etwas, was keinen ängstlichen Ausdruck haben dürfte.

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James Ellison erwachte, als sich die Tür öffnete. „Was...?" Fragte er und hob den Kopf.

Das Mädchen hatte mit einigen Tüten das Zimmer betreten, stellte diese nun auf dem zweiten Bett ab, dann ging sie ins Bad.

James riss die Augen auf, als er durch die Tür, die sie einfach offen gelassen hatte sah, wie sich das Mädchen auszog.

In dem Moment als sie begann ihr Shirt über den Kopf zu ziehen drehte er sein Gesicht von dem Anblick weg.

'Das ist verrückt...', sagte er sich immer wieder.

So verpasste er er eine entscheidende Einsicht.


Kapitel 7

Als John wach wurde zuckte ein heftiger Schmerz durch seinen Kopf. „Mom!" Rief er und Presste das Kopfkissen auf seinen Kopf. „Ich hab Kopfschmerzen.

„Morgen Sonnenschein!" Rief Sarah zurück und stellte eine Papiertüte auf den Tisch.

Dann ging Sarah zu John, während sie in ihre Jackentasche griff.

„Hier, Tylenol", sagte sie während sie zwei Tabletten aus einem Glas schüttelte.

John blickte auf Sarahs Hand, dann richtete er sich auf einen Arm auf.

Er nahm die Pillen aus ihrer Hand, schmiss sie sich in den Mund und spülte sie dann mit der Flasche Wasser runter, die Sarah ihm reichte.

Sarah ruffelte seine Haare, während er sich auf das Kissen zurücksinken lies.

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James war kurz in dem kleinen Burger gegenüber gewesen und hatte etwas zu essen geholt. Vorsichtig steckte er den Kopf durch die Tür.

„Sind sie angezogen?" Fragte er in den Raum hinein, ohne hin zu sehen.

„Ich bin vollständig bekleidet", hörte er eine Stimme.

„Oh gut", sagte er und betrat den Raum.

Und wieder stand das Mädchen am Fenster.

„Ich habe...Diverses zu Essen mitgebracht", sagte Er, während er die Tüte auf den Tisch stellte und anfing alles Mögliche auszupacken.

„Ich Esse nicht", sagte das Mädchen, ohne zu ihm hinüber zu sehen.

James Ellison schüttelte den Kopf. 'Das ist neu', dachte er belustigt.

Er sah sekundenlang auf die Auswahl an Essen. Dann griff er sich einen durchsichtigen Becher und den dazugehörigen Löffel.

James ging zu dem Mädchen. 'Seltsam, so dünn sieht sie gar nicht aus', dachte er sich.

„Es ist nicht gut ständig nur zu hungern", sagte er sanft. Dann hielt er den Becher hin. „Hier, das ist Eis, wenigstens einen Löffel", bat er.

Cameron sah ihm in die Augen, dann wanderte ihr Blick hinunter auf den durchsichtigen Behälter. Zögerlich griff sie zu dem Plastikbecher.

James Ellison lächelte, als er das sah. Er reichte ihr den Löffel, den sie nach kurzem Zögern nahm.

Zögerlich steckte Cameron den Löffel in die braune cremige Masse. Sie schabte mit dem Löffel eine kleine Menge ab, besah sich das Ganze genau und führte den Löffel dann zum Mund.

James Ellison beobachtete das Ganze lächelnd. Er sah wie Sie, nachdem sie das Eis in ihrem Mund vom Löffel abgestreift hatte den Kopf schräg legte.

Dann sah sie wieder hinunter auf den Eisbecher. „Das ist... angenehm", sagte sie zögerlich.

Mit Verwunderung sah James Ellison, wie das Mädchen nun den Löffel tief in das Eis rammte und dann eine riesige Portion zum Mund führte.

James öffnete den Mund, um etwas zu sagen, blieb aber dann stumm, als Sie die gesamte Portion auf ein Mal in ihren Mund schob.

James Ellison ging zurück zum Tisch und nahm sich einen Cheeseburger, in den er herzhaft hineinbiss.

Kopfschüttelnd beobachtete er wie Sie einen vollen Löffel nach dem Anderen in den Mund schob, bis der Becher leer war.

Mismutig kratzte sie zum Schluss in dem Becher herum.

Dann machte sie einen Schritt auf James zu. „Was ist das?" Fragte sie verwundert.

James sah sie verblüfft an. „Schokoladeneis", sagte er und starrte in ihr eisverschmiertes Gesicht.

Sie machte einen zweiten Schritt. „Mehr", sagte sie fordernd.

Sprachlos sah James sie sekundenlang an. Dann schüttelte er die Starre ab. Er nahm eine Papierschachtel und hielt sie ihr hin.

„Das sind Donuts", sagte er. „Gemischt. Einer mit Schokguss, einer mit Zimt und einer mit Bunten Schokosträuseln".

Sie sah kurz auf die Packung dann zuckte die Hand mit dem Eisbecher vor. „Eis", sagte sie erneut fordernd.

James Ellison schüttelte langsam den Kopf. „Vielleicht später, probier erstmal die Donuts, die sind auch lecker".

Zögerlich griff sie zu der Schachtel und wandte sich ab.

Ellison warf den Eisbehälter, den er der sich Wegdrehenden aus der Hand genommen hatte in den Mülleimer.

Als er sich ihr wieder zuwandte war sie gerade dabei mit ihrer kleinen rosa Zunge über den Donut zu lecken, dann in einer geschmeidigen bewegung stopfte sie sich den ganzen Donut auf Einmal in den Mund, nachdem sich ihre Augen geweitet hatten.

Kopfschüttelnd ergriff er einen der mitgebrachten Becher und ging zu ihr. „Das ist Etwas trocken. Das hier ist ein Erdbeermilchschake".

Cameron sah verwundert auf den Becher mit dem Strohhalm, dann fragend zu Ellison.

James brauchte einige Sekunden, bis er die unausgesprochene Frage begriff.

„Einfach den Trinkhalm in den Mund nehmen und saugen", sagte er und sah kopfschüttelnd zu, wie sie genau das tat. Sie riss die Augen auf und grapschte dann den Becher aus seiner Hand.

'Es ist, als ob sie nie zuvor etwas gegessen hätte', dachte er. Die richtige Lösung eröffnete sich ihm aber nicht.

'Magersüchtige Kinder', dachte er und schüttelte erneut den Kopf.

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„Zwei Straßen weiter ist ein Burger, die eine Bedienung für die Frühschicht suchen. Ich denke ich werde den Job annehmen. Der Filialleiter hat auch noch ein Haus, dass er uns vermietet.", sagte Sarah, während sie eine Tüte mit Kleidung ausschüttete und ihm einen Teil davon zuwarf.

„Na toll", sagte er als eine Jeans sein Gesicht traf.

„Und eine Schule gibt's hier auch", sagte Sarah auf dem Weg ins Bad.

John stieß ein lautes Stöhnen aus, drückte sich das Kissen ins Gesicht und lies sich zurück aufs Bett fallen.


Kapitel 8

Sie stand erneut am Fenster. Agent Ellison nahm gerade den letzten Schluck von seinem Kaffee.

Er erhob sich und ging kopfschüttelnd zu dem Bett, das Cameron nicht benutzt zu haben schien. Er schüttelte noch heftiger den Kopf, als er die Donutschachtel und den Milchshakebecher nahm und zum Mülleimer brachte.

Schulterzuckend rieb er seine Hände aneinander und sah zu Cameron. Dann ging er zu ihr.

„Kommst Du mal mit ins Bad?" Fragte er sie lächelnd.

„Warum?" Fragte sie und sah ihn verwundert an.

Er streckte ihr die Hand entgegen. „Komm mit, dann zeig ichs Dir".

Cameron starrte auf seine Hand, bevor sie ihre langsam und zögerlich hob und in seine gleiten lies.

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„Mom?" Fragte John und nahm das Kissen vom Gesicht, nachdem er erneut ein Nickerchen gemacht hatte.

„Ja John?", sagte Sarah und kam aus dem Bad.

John riss erneut die Augen auf als er seine Mom in der Uniform eines Diners erblickte. „Was...?"

Sarah blickte auf, während sie ihre Schürze band. „Ich hab Dir doch von dem Diner erzählt. Sie brauchen heute in der Mittagsschicht noch Hilfe und damit ich den Job auch kriege habe ich zugestimmt.

„Und was mach ich", Fragte John, während er sie von Oben bis Unten musterte.

„Hierbleiben, Fernsehen, Schlafen. Du hast Dir immerhin heftig den Kopf gestoßen. Aber Hände weg von den Pay-TV-Kanälen. Unsere finanziellen Mittel sind zur Zeit begrenzt.

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James hatte Cameron ins Badezimmer gebracht und schob sie vor den Spiegel. Cameron erblickte ihr Spiegelbild und erstarrte. Sie legte den Kopf schräg und betrachtete ihr Schokoladenverschmiertes Gesicht.

James Ellison beobachtete interessiert, wie die Mundwinkel des Mädchens anfingen zu zucken, bis sich ein wirklich bezauberndes kleines Grinsen zeigte.

Dann nahm sie einen Waschlappen, befeuchtete diesen und wusch sich das Gesicht.

James hatte den Kopf geschüttelt und verlies das Badezimmer. Kurz darauf verlies Cameron, nun gereinigt den Raum und blieb mitten im Zimmer stehen.

„Wir sollten nach los Angeles aufbrechen", sagte Cameron in die Stille hinein.

„Wir?" Fragte Ellison verwundert.

„Du hast mir versprochen, dass wir John suchen", sagte Cameron aggressiv.

„Und deine Familie?" Fragte er.

Cameron zögerte. „John ist meine Familie", sagte sie dann mit Nachdruck.

'Versuchen wir es anders', dachte er. „Wo wohnst Du?"

Erneut zögerte Cameron. „Hier", antwortete sie dann.

'So kommen wir nicht weiter. Was mache ich denn jetzt. Das Mädchen ist nicht ganz bei sich. Vielleicht immer noch der Schock. Allerdings ist sie auch die einzige Verbindung zu Sarah Connor, die ich habe', grübelte er.'...'.

Cameron beobachtete mit schräggelegtem Kopf den Mann, wie er im Raum nachdenklich Auf und Ab ging.

James Ellison blieb stehen und sah auf das Mädchen, die ihn anstarrte ohne zu Blinzeln. „Na gut, wir fliegen nach Los Angeles, ich Rufe..."

„Keine Flugzeuge", unterbrach sie ihn schnell.

James Ellison sah in ihr Gesicht, dass irgendwie einen ängstlichen Ausdruck hatte. 'Flugangst hat die Kleine auch noch'.

Schließlich nickte er. „Na gut, dann nehmen wir uns einen Leihwagen, wenn das okay ist?"

Cameron nickte, dann ging sie zurück zum Fenster und starrte hinaus.

James Ellison schüttelte augenverdrehend den Kopf und griff zum Telefon.

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Zwei Stunden später waren sie auf dem Highway. In Red Valley gab es keinen Autovermieter, deshalb hatte James Ellison einen Wagen gekauft. Nachdem er von der Servicehotline des Flughafens mitgeteilt bekommen hatte, dass sie gar keinen Autoverleih hatten, hatte man ihm einen Autohändler (der einzige in der Stadt) empfohlen.

Sie waren mit dem Wagen des Hilfssheriffs zum Autohändler gefahren. James Ellison hatte sofort eine schwarze Limousine ins Auge gefasst.

Cameron ging an den etwa 20 Fahrzeugen entlang. Bei dem Einen oder Anderen blieb sie kurz stehen und legte den Kopf schräg.

Während Ellison immer noch über den Preis verhandelte erreichte Cameron das Letzte der Fahrzeuge. Sie trat näher, ging um den Wagen herum, sah hinein und trat dann wieder zwischen den Wagen hervor.

„Den hier!" Rief sie Ellison und dem Verkäufer, einem Älteren Indianer in Stammestracht zu.

James war herumgefahren. „Bitte?" Rief er zurück.

„Den hier!" Rief Cameron erneut, Ihr Arm unbeweglich in Richtung des Wagens erhoben, der Finger ausgestreckt.

„Augenblick mal bitte", sagte James zu dem Verkäufer, der ihn nickend anlächelte.

Ellison ging an den Fahrzeugen entlang. „Was ist denn jetzt schon wieder?" Fragte er mit einer Spur von Unmut in der Stimme.

„Den hier", sagte Cameron erneut. Wie eine Statue stand sie da.

„Na dann schaun wir mal", sagte er zu ihr, erblickte den Wagen und blieb abrupt stehen, Augen aufgerissen, ein entsetzter Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit.