Edit: Eine kleine aber wichtige Passage zwischen Mallory und Nosedive geändert.
Zusatz: Bilder der gestylten Jungs und Mädels findet ihr unter MelloryUchiha. DeviantArt. com (Leerzeichen weg lassen).
"Wie spät ist es?"
"Zehn Minuten vor Neun."
"Na, pünktlich sind wir wenigstens."
Ein ungewöhnliches Bild bot sich an diesem Abend in Anaheim. Vor dem dunklen Eingang eines schnörkellosen, schlichten Ziegelsteingebäudes, dessen einzig auffallender Aspekt der blaue Neonschriftzug "Hat-Trick Night Club" war, standen vier männliche, außerirdische Enten, die aus einem Modemagazin, oder doch zumindest aus einem Disney-Cartoon zu entspringen schienen.
Die Gruppe unterhielt sich gedämpft und wartete offensichtlich auf etwas oder jemanden.
"Ob die beiden auch zu Fuß kommen?" fragte der in eine enge graue Hose, und ein leichtes beigefarbenes Longsleeve - welches seinen gut definierten Oberkörper und die breiten Schultern betonte - gekleidete Anführer der Gruppe in die Runde.
Der lässig an die Ziegelmauer Lehnende, der durch sein eng anliegendes, dunkelviolettes, nicht ganz zugeknöpftes Hemd und die Augenklappe irgendwie geheimnissvoll wirkte, antwortete in souveränem Ton: "Bei den hohen Absätzen, die Frauen gewöhnlich an solchen Abenden tragen, wäre das zwar wenig praktisch.. aber einen entsprechenden Auftritt zu haben, ist ihnen meist wichtiger."
"Wie gut, dass dir sowas wie ein entsprechender Auftritt ja völlig schnuppe ist", lachte der Jüngste der Runde und deutete mit dem Kopf auf die äußerst vorteilhafte enge, schwarzen Hose und lässige Haltung des mysteriös Wirkenden.
Der Angesprochene schaute prüfend zum Sprecher und lies seinen Blick einmal an ihm hinauf und herunter gleiten. Modische Jeans im 'used-look', ein dunkles Hemd, die Ärmel bis zur Mitte der Unterarme hochgekrempelt, offen, was den Blick auf seinen athletisch gebauten Oberkörper unter einem anliegendem weißen Shirt frei gab. Der Graue lachte leise.
"Ja, ich seh schon, dass ich der Einzige bin, der sich an die Anweisung unserer Militärbraut gehalten hat. Schließlich bin ich hier nicht in einem Unterhemd aufgekreuzt."
"Leute deines Jahrganges wissen das wahrscheinlich nicht, aber das nennt sich 'Tanktop' oder 'Muscle Shirt'. Aber wie der Name schon sagt, sieht das nur an Leuten gut aus, die einen entsprechenden Körperbau vorweisen können", setzte er süffisant hinzu.
"..."
Beide Sprecher drehten sich zum Letzten der Gruppe um. Groß und ruhig wie ein Berg stand er neben ihnen, seine ganze Präsenz und die gewaltigen Muskeln hervorgehoben durch ein schwarzes Oberteil gleicher Art, wie das des Jüngsten.
Der Blonde seufzte geschlagen und die anderen lachten heiter.
"Hey Jungs, habt ihr etwa ohne uns Spaß?"
Alle drehten sich in Richtung der Stimme... und ließen ihre Kiefer fallen.
Einige Meter entfernt kamen zwei junge Frauen der gleichen gefiederten Gattung auf die Erpel zu. Die Sprecherin schlenderte langsam auf sie zu, wobei sie sich spielerisch eine Strähne ihres leuchtend roten, völlig glatten Haares aus dem Gesicht strich. Ihr enges, äußerst kurzes, schwarzes Kleid schmiegte sich wie eine zweite Haut an ihren schlanken Körper. Der durchsichtige, schwarze Chiffonstoff, der ab der Taille über den goldfarbenen, trägerlosen Brustabschnitt führte und sich in ihrem Nacken lose verband, verstärkte noch mehr die Wirkung ihrer zierlichen, äußerst weiblichen Figur. Die hohen, schwarzen Riemchenschuhe unterstrichen ihre langen schlanken Beine.
"Na siehst du, Liebes, die Jungs sind sprachlos!" meinte sie lächend zur anderen, bei der sie sich eingehakt hatte.
Diese nickte leise kichernd. Auch sie war eine Augenweide. Ihr Kleid war etwas länger als das ihrer Freundin und verlief mit leicht schrägem Saum bis zu ihren Knien, während es Schultern und Dekoltee unbedeckt lies. Ihr blondes Haar, sonst unbändig gen Himmel stehend, fiel an diesem Abend in weichen Wellen herab. Der leichte, matt silberfarbene Stoff umspielte ihre sehenswerten, weiblichen Kurven. Auch sie trug hohe, aber geschlossene Highheels und nur ein äußerst erfahrener und genauer Beobachter hätte bemerken können, dass sie sich nicht ganz so sicher auf ihnen bewegte, wie ihre rothaarige Freundin.
Duke war der erste, der sich aus seiner Paralyse befreien konnte. "Wow wow wow! Mallory, Baby! Tanya, Schnuckelchen! Wie konntet ihr nur all die Jahre euer Licht verstecken?"
"Ihr beiden seht heute Abend wirklich ausgesprochen schön aus", meinte Grin, wesentlich gefasster als Duke. Mallorys und Tanyas Wangen nahmen ein zartes Rosa an.
"Danke, Grin. Das ist wirklich sehr charmant von dir", sagte Mallory lächelnd. Dann betrachtete sie einen nach dem anderen. "Wie ich sehe geizt ihr heute Abend auch nicht mit euren Reizen." Ihr Blick wanderte anerkennend über die gutaussehenden Erpel. Nosedive durchzuckte es und Wildwing schluckte schwer. "Na, und wer von euch schicken Jungs begleitet uns Ladies nun hinein?"
Sie zwinkerte Tanya zu, lies ihren Arm los und ging mit kokettem Hüftschwung zu den immer noch Verdatterten. Sie lächelte Grin an, der das Lächeln erwiderte, umkreiste Duke, der sich, unfähig seinen Blick abzuwenden, mitdrehte. Dann ging sie zu Nosedive und blieb vor ihm stehen. Sie schaute ihm tief in die Augen, beugte sich vor und kam so nah mit ihrem Schnabel an sein Ohr, dass er ihren Atem spürte. Ihn überlief eine Gänsehaut, als sie leise raunte: "Du siehst heute besonders gut aus, Dive!" Seinen Namen betonte sie intensiv gefühlvoll. Er zuckte erneut.
Nun wandt Sie sich Wildwing zu und bedachte ihn mit einem Augenaufschlag. Endlich schaffte auch er sich wieder zu rühren und hielt ihr mit einer leichten Verbeugung seinen Arm hin. "Darf ich die Lady begleiten?" Sie quittierte seine Geste mit ihrem schönsten Lächeln und hakte sich bei ihm ein.
Duke ging augenblicklich zu Tanya, nahm ihre Hand, küsste sie sanft und sagte mit dunkler, verführerischer Stimme: "Lasst mich heute Abend in eurer Schönheit schwelgen und euch als treuer Verehrer begleiten!"
Tanyas Röte wurde augenblicklich eine Spur dunkler und sie wusste, dass sie kein Wort herausbekommen würde. Mit solche Avancen hatte sie bisher noch nie umgehen müssen. Sie warf ihrer Freundin einem kurzen Blick zu, die aufmunternd nickte. Nach kurzem Zögern nahm auch die Blonde den ihr gebotenen Arm, und beide Paare betraten den Club.
Nosedive und Grin standen noch draußen und der Jüngere hatte das Gefühl, seine Beine bestünden aus Gummi. Dann spürte er eine beruhigende Hand auf seiner Schulter und drehte sich um.
"Lass uns auch reingehen", sagte Grin.
…
Da der Abend noch jung war, war der Club erst sporadisch gefüllt. Die meisten Leute standen an den diversen Theken und Stehtischen, tranken und lachten, und vereinzelt tanzte auch schon der ein oder andere in der Mitte des riesigen Raumes, der die Tanzfläche darstellte zu den wummernden Bässen von aktuell beliebten Liedern.
Wildwing führte Mallory an einen leeren Stehtisch und fragte sie, was sie trinken wolle. "Überrasch mich!" forderte sie ihn auf und Wildwing ging lächelnd zu einer der Theken.
Er bestellte und während er auf die Getränke wartete, betrachtete er Mallory, die sich umsah und sich leicht zum Takt der Musik bewegte. Sie ist wirklich atemberaubend schön heute Abend, dachte er und fühlte seinen Puls erneut ansteigen.
Er war so erstarrt gewesen bei ihrem Anblick, dass er einige Sekunden den Atem angehalten hatte. Er würde sich keinesfalls zurückhalten können sie einfach an sich zu ziehen, wenn er seine Nerven nicht schnell wieder unter Kontrolle bekam. Er atmete tief durch.
"Heute Abend ist deine Chance, nutze sie!" sagte er sich selbst und nahm die Getränke entgegen, die der Barkeeper ihm reichte. Er bezahlte und mit einem weiteren tiefen Atemzug ging er zurück an ihren Tisch.
"Hier für dich."
Sie betrachtete das Longdrinkglas, dessen Inhalt vom Boden zum Rand von blau über gelb zu rot wechselte. Interessiert probierte sie einen Schluck. Er war süß und hatte ein exotisches Aroma.
"Der ist köstlich. Was ist das?"
"Ein Rainbow. Freut mich, dass er dir schmeckt." Er hob sein Glas. "Auf diesen Abend mit der schönsten Frau in Kalifornien!"
Mallory schaute ihn an und spürte wieder das Blut in ihre Wangen schießen. Sie lächelte und erhob ihr eigenes Glas. Sie tranken und Wildwing verzog das Gesicht. Sie fragte belustigt: "Schmeckt er nicht?"
Er schaute skeptisch sein Getränk an, zog eine Augenbraue hoch und antwortete zögernd: "Schmeckt... speziell. Ich kannte den Cocktail nicht und hab ihn eigentlich nur wegen des Namens bestellt."
Sie betrachtete die dicke, gelbe Flüssigkeit in dem mit Zuckerrand dekorierten Martiniglas. "Wie heißt er denn?"
"...Fluffy Duck!"
Sie sahen sich an - und beide fingen an zu lachen.
...
Tanya war unschlüssig was sie denken sollte. Einerseits gefiel ihr eine 'andere Tanya' zu sein und genoss es als Frau und nicht als Teamkollegin wahrgenommen zu werden. Aber andererseits wusste sie einfach nicht mit Flirtversuchen umzugehen. Mitunter fühlte sie sich, als würden alle sie anstarren, obwohl ihr klar war, dass sie sich das nur einbildete. Zugegeben, natürlich starrten einige Besucher, aber nur, weil das bekannte Profi-Eishockeyteam in einem Club ein seltener Anblick war.
Duke hatte sich bisher von seiner charmantesten Seite gezeigt, sie komplimentiert, ihr Getränke gebracht und sich alle Mühe gegeben sie zu unterhalten. Und obwohl sie glaubte, dass sie sich pickiert hätte fühlen müssen, ob seinem veränderten Verhalten nur auf Grund ihrer optischen Metamorphose... sie war und blieb geschmeichelt.
Gerade verglich er ihr Haar mit dem weichen Glanz eines Sonnenstrahls, was ihr, so überschwänglich Duke auch klingen mochte, ein heiteres Lachen entlockte. Duke lächelte ebenfalls und nippte an seinem Whisky Sour.
"Also, meine Süße, ich muss schon sagen, da habt ihr uns wirklich wie liebeskranke Tölpel dastehen lassen. Ach, was seid ihr beiden doch für grausame Schönheiten." Schelmisch zwinkerte er ihr zu. "Sogar der gute Grin hat Bauklötze gestaunt. Ich befürchte seine innere Ruhe war da eher ein innerer Aufruhr." Beide lachten.
"Jaja, Mallory hat euch ganz schön den Kopf verdreht."
Sofort streckte Duke seine Hand über den Tisch aus und legte sie sacht auf Tanyas. Er sah ihr tief in die Augen. "Aber doch nicht nur Mallory..."
Schnell drehte sie den Kopf weg. Ihr Herzschlag hatte doch tatsächlich einen Moment ausgesetzt. Sie schaute durch den Raum, um nicht mehr in Dukes warme, dunkle Augen zu blicken. Ihr Herz brauchte einen Moment Erholung.
Sie entdeckte Mallory und Wildwing und beobachtete sie eine Weile. Dann hörte sie Duke sagen: "Die beiden sehen gut zusammen aus, nicht wahr?"
Tanya sah ihn aus den Augenwinkeln an. "Ja, sie sind ein hübsches Paar." Sie legte Überzeugung in ihre Stimme. Als sie Dukes leises Lachen hörte, sah sie ihn überrascht an. Er schmunzelte.
"Ich weiß, dass sie uns nur auf den Arm nehmen wollen. Oder vielleicht besser 'wollten'." Er drehte den Kopf wieder in die Richtung der beiden. "Es sieht nämlich ganz offensichtlich so aus, als könnte sich dieser Scherz in die Wahrheit verwandeln."
Tanya schaute ebenfalls wieder zu dem Paar. Wildwings Augen sprachen Bände und Mallory fühlte sich sichtlich wohl.
"Du hast recht", bestätigte sie ihn mit einem warmen Lächeln.
Doch nach ein paar Momenten des Schweigens, sagte Duke: "Aber ich mache mir Sorgen."
Fragend schaute Tanya ihn an.
"Um ihn." Und mit einer knappen Kopfbewegung deutete er zu einem Tisch ganz in ihrer Nähe.
...
Nosedive stand allein an einem Stehtisch und beobachtete seinen Bruder und die schöne Rothaarige. Sein ursprüngliches Vorhaben, zu Tanzen und zu Flirten, waren in weite Ferne gerückt. Stattdessen blieb er am Rand und hatte bereits zwei Cocktails ausgetrunken. Sein dritter stand vor ihm.
Er hatte nur Augen für Mallory, wie sie da stand, wie sie an ihrem Getränk nippte, wie sie lachte. Erneut meinte er ihren warmen Atem an seinem Ohr zu spüren, ihre raunende Stimme zu hören. "...Dive!"
Er zuckte zusammen wie schon zuvor. Mallory hatte ihn noch nie bei seinem Spitznamen genannt, immer nur Nosedive. Das war ihm in dem Moment klar geworden, als er es zum ersten Mal aus ihrem Schnabel gehört hatte. Er sah wieder ihre Augen vor sich, wie diese strahlend diopsid-grünen Augen in seine geblickt hatten... Er schüttelte sich. Das ging nicht! Es war unmöglich. Sie war mit seinem Bruder zusammen. Und selbst wenn dies gegen alle Wahrscheinlichkeit nicht der Fall war, konnte er doch sehen, wie Wildwing sie ansah. Und er konnte auch sehen, wie sie ihn anlächelte.
Und ohne es selbst recht zu merken, stieg langsam, sehr langsam glühende Eifersucht in ihm auf.
Aww, wie ich es auch drehe und wende, ich bin manchmal ein echtes "Mädchen". (Hä? Was auch sonst? XD) Ich konnte mir einfach nicht verkneifen ein Viertel des Kapitels auf Kleidungsbeschreibungen zu verwenden (Adjektiv-Inferno!). XD
Seht mir das bitte nach, falls es nervig zu lesen war, aber ich habe mich so reingesteigert mir "Ausgeh-Outfits" zu überlegen, dass ich nicht anders konnte. x3
Wer sich übrigens (wie ich zuerst) gefragt hat: "Wie sollen die Entenfüße der Mädels bitte in 'normale' Highheels passen?" - Dem hilft Folge 14 "Der Trophäenjäger" ab Minute 9 weiter. :o) Danke 'Guest', für den Hinweis!
Oje, selbst im Kommentar rede ich nur über Klamotten. :P
Arme Tanya! Ich hab Duke ganz schön auf sie losgelassen. Das war eigentlich gar nicht geplant. Der alte Casanova hat sich da irgendwie selbstständig gemacht, haha. *herzklopfen*
Erneut 100 Mal Danke an Cindy und 'Guest', für die netten Kommentare. :-*
Ich hatte unglaublich viel Spaß dieses Kapitel zu schreiben! Was haltet ihr davon? :D (Viele Smilies heute *lacht*)
Vielen Dank fürs Lesen!
Beta-Reader: Tojatic (Und nein, Duke flirtet nicht schamlos mit Nosedive, mein Lieber! XD)
