Kapitel 3

Sol war noch am selben Tag nach Iluria zum Schloss aufgebrochen. Er kochte innerlich vor Wut. Sin schien das alles nur sehr belustigend zu finden. Er gluckste nur vor sich hin und freute sich seines Lebens.

Es würde ihn nicht wundern, wenn dies genau das Spektakel war, was er sich gewünscht hatte.

Ohne die Wachen oder Bediensteten auch nur eines Blickes zu würdigen, stapfte er durch den langen Flur und direkt auf Kys Zimmer zu.

Diesmal hielt er sich nicht zurück und riss die Tür regelrecht aus ihrem Rahmen. Mit einem lauten Krachen fiel sie zu Boden und schreckte sogar Ky hoch, der sonst auch nicht aus der Ruhe zu bringen war, jedenfalls in der letzten Zeit.

Ky war so ruckartig aufgestanden, dass sein Stuhl hinter ihm kippte und zu Boden fiel.

„Sol! Kannst du mir mal erklären, was das soll?"

Sol schnaubte nur, setzte Sin auf die Tischkante und hielt Ky die Unterlagen unter die Nase.

„Kannst DU mir erklären, was DAS soll?"

Kys Augen weiteten sich, als ihn die Erkenntnis traf. Er stellte langsam seinen Stuhl wieder hin und setzte sich.

„Ich schätze mal, du willst die ganze Geschichte?"

„Was denkst du denn?"

Ky atmete tief durch und lehnte sich zurück: „Es war vor ein paar Monaten, als ich durch Zufall von einem unterirdischen Laborkomplex erfahren habe, den die P.W.A.B. für sich genutzt hatte.

Ich hatte in den Unterlagen nichts über einen solchen Ort in Erfahrung bringen können, weshalb es mir umso wichtiger war, dass ich es mir mal genau anschaue. Wie du dir sicherlich denken konntest, fand ich dort Sin. Er war in einer der Glaskapseln eingeschlossen. Er war Mutterseelen allein und ich konnte es einfach nicht über mich bringen, ihn dort sterben zu lassen. Mir war bewusst, dass er anders war, aber gleichzeitig war er auch nur ein Kind. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nichts über seine Herkunft. Erst ein paar Tage später bin ich auf die Unterlagen gestoßen. Ich war genauso erschrocken wie du, dass Kannst du mir glauben, aber es war am Ende auch der Grund, warum ich Sin als meinen eigenen Sohn adoptiert habe. Naja, dass ich die Dokumente nicht zerstört hatte, liegt wohl daran, dass ich insgeheim gehofft hatte, dass du sie findest. Es tut mir leid, dass ich dir nicht davon erzählt hatte, aber mit mir und Dizzy wussten es schon zu viele Leute. Wäre das rausgekommen, wär der Kleine nirgendwo mehr sicher."

Und deshalb ist der Knirps stets und ständig bei mir gewesen?"

„Das stimmt. Und Sin muss insgeheim auch immer geahnt haben, zu wem er gehört."

„Das ist richtig," meldete sich Sin, der das Gespräch wissend mitverfolgte.

„Der Kleine ist echt ne Nummer für sich..." stöhnte Sol und schüttelte nur mit dem Kopf.

„Das hat der dann wohl von dir," lachte Ky nur.

Sol konnte es jedoch nicht so einfach hinnehmen. Irgendwie fiel es ihm schwer, daran zu glauben, dass er jetzt Vater war und dazu auch noch mit Ky.

Hätte man ihm das vor einem Jahr erzählt, er hätte der Person laut ins Gesicht gelacht und sie für verrückt erklärt.

Aber jetzt, wo dies der Fall war, fühlte er sich mit einem Mal vollkommen überfordert. Er wusste nichts über Kindererziehung.

„Sol? Ist alles in Ordnung?" fragte Ky besorgt.

Scheinbar konnte man seine Gedanken anhand seiner Gesichtszüge lesen.

„Du musst dir wegen dieser ganzen Geschichte nicht so viele Gedanken machen, wenn du willst, handhaben wir es einfach so, wie bisher."

Das war sicherlich das beste. Bei seinem Job konnte er keine Kleinkinder gebrauchen.