Die Geschichten von Tolliks, dem Uralten
Kapitel 4 Der Kabalkrieg Teil 1

Noridan, eine staubige Welt. Sie war weder von Vex, noch von der Schar befallen.
Damals wusste ich noch nicht, dass es die Schar überhaupt gab. Aber was ich wusste war, dass zwei Mann hohe Kreaturen dort ihre Basen errichteten. Kaliks hörte ihren Funk ab. Sie kommunizierten von Einheit zu Einheit, waren wie eine Armee aufgebaut.
Im Auftrag meiner Könige hatte ich schon öfters Kabalposten ausspioniert. Immer öfter verschlüsselten sie ihre Informationen so stark, dass ich Befehl gab die Basen anzugreifen, um die unverschlüsselten Daten zu stehlen.
Mittlerweile war das kein Problem mehr, denn ich reiste längst nicht mehr mit nur einer Ketsch. Sondern vier Ketschen, 15 Skiffs. Das war eine kleine Flotte.
Ich verfügte über drei Kells und vier Unterkells und selbst wurde ich als Meister-Kell-Kommandant bezeichnet. Alles adlige Ränge, bevor Kells sich zu eigenen Königen erhoben.
Der Krieg, den meine Spionagen und die Angriffe auf die Basen der Kabale in anderen Systemen hervorriefen, sollte den ersten Schritt unserer Teilung einleiten:

Wir beobachteten schon länger, dass die Kabale aus der Richtung des Galaxienkerns in unseren Sektor eindrangen. Vielleicht taten sie es, ohne von unserer Existenz zu wissen oder gerade wir waren ihr Ziel. Aber wovor die Könige am meisten Angst hatten, waren die Psionen. Diese hyperintelligente Spezies reist immer mit den größeren Kabaleinheiten.
Einige abgefangene Nachrichten deuteten darauf hin, dass die Psionen an Vextechnologie gelangen wollten. Dabei wurden immer wieder Koordinaten eines Sterns zwischen den Einheiten gesendet, die zufällig auf eine von uns besetzte Vex-Welt schließen ließen.
Noridan befand sich in eben genau diesem System.
Mir war klar, dass die Kabale bereits von uns wussten. Öfter geschah es, dass wir nach Überfällen Überlebende zurückließen. Diese berichteten von uns. Nun hatten sie ihre Truppenstärke verdoppelt und wollten bald auf Netka übersetzen, wo ich erst vor einigen Raumflügen Keeshah in die Freiheit entließ.
Die Könige wollten nicht zulassen, dass eine unserer neuesten Schockkern-Quellen von einer anderen Art gestohlen würde. Ich holte also genug Informationen ein. Oder besser gesagt tat dies mein Servitor Kaliks, der damals innerhalb von kurzer Zeit, an Intelligenz zugelegt hatte.

Das bevorstehende Vorrücken der Kabaleinheiten löste eine Kriegserklärung der Könige als Antwort aus.
Meine Flotte bekam Unterstützung von Túck, der selbst Kell-Kommandant geworden war.
Zudem hatten sich drei Königsflotten im Hintergrund eingefunden, die das Hauptkommando der Kabale angreifen wollten.
Wir begannen – als Begrüßung – mit einer orbitalen Bombadierung auf ein Einheitenlager.
Kaum, dass die Arkusgranaten die Basis in Schutt und Asche gelegt hatten, starteten die Kabale ihre Transporter und Waffenschiffe. Auch das Hauptkommando setzte sich in Bewegung.
Ich und meine Kells hatten es perfekt geplant. Die Königsflotte sollte die Unterstützung der Aliens, von drei Seiten aus attackieren, sobald sie sich Noridan annährten.
Allerdings schien sich keine Flotte – aus der geglaubten Richtung – auf dem Planeten zuzubewegen. Stattdessen fielen sie uns in den Rücken.
Wir hatten mit Jägern zu kämpfen, die sich zwischen unsere Reihen mischten, als das Kommando direkt auf uns einschoss. Eine Ketsch wurde neben der meinen gedrängt. Die Explosion, die darauf folgte, zerfetzte das Schiff und beinahe auch mein eigenes.
Kaliks versuchte uns wieder in eine stabile Bahn zu bringen, doch die Ketsch war stark beschädigt und Noridans Anziehungskraft zog uns hinunter.
Flammen umschlossen uns und es wurde schrecklich heiß. Die Hülle war eigentlich für einen Eintritt in die Atmosphäre gebaut, doch wenn empfindliche Stellen beschädigt waren, fing eine Ketsch auch Feuer und konnte sogar verglühen.
Ich hatte nur die Hoffnung, dass wir heil runterkamen und Kaliks und meine Leute überlebten. Leider hatte ich keine Sicht mehr hinaus und hielt mich nur in meinen Sitz fest.
Auch Kaliks machte die schwarz verußte Sichtscheibe Probleme. Mein Servitor konnte die Ketsch nicht mehr manövrieren. Schließlich kamen wir hart auf.
Das Schiff hinterließ sogar eine deutliche Spur im Sand. Glas umschloss die Ketsch und ich verlor das Bewusstsein.
Ich weiß nur noch, dass ich nach vorne geschleudert wurde.

Kaliks versorgte mich mit Äther, als ich wieder zu mir kam. Dieser Servitor war hart im nehmen. Seine Hülle war beschädigt, aber er konnte noch, ohne Probleme aus Energie und Materie genug Äther für die gesamte Crew herstellen.
Aber leider war nicht mehr viel von ihnen übrig. Einige wenige fanden sich auf der Brücke ein, scharrten sich um Kaliks und bewachten uns mit Schrapnellwerfern und Schockpistolen, für den Fall, dass Kabale in das Schiffswrack kämen.
Ich setzte mich auf und bemerkte, dass mir ein Auge fehlte. Nun hatte ich nur noch drei Augen. Das war grauenvoll. Denn jeder Eliksni weiß, dass wir alle vier brauchen, genauso wie alle vier Arme. Und leider fehlte mir genauso mein unterer linker Arm. Er wurde mir von einem Trümmerteil abgetrennt. Ich leidete Höllenqualen. Nicht einmal das heilende Äther konnte meine Schmerzen betäuben.
Trotz meines Leides, wollte ich von Kaliks wissen, wie es um meine Flotte stand.
Kaliks hatte nämlich immer eine Verbindung zu den anderen Servitoren gehabt.
Also berichtete er mir: „Hauptketsch: Abgestürzt! Nebenketschen: Zwei zerstört, einer Einsatzbereit und auf der Flucht! Skiffe: Dreizehn zerstört, zwei auf der Flucht!
Flotte von Kell-Kommandant Túck ist zerstört! Von Kommandant-Servitor des Hauptketsch: Kein Signal mehr! Unterstützung durch Königsflotte fehlgeschlagen! Ergebnis: Niederlage!"
Ich warf meinen Kopf zurück und brüllte. Ich rief so laut die schlimmsten Flüche, die es gab, sodass meine Leute vor Angst zusammenzuckten.
Mit meiner letzten Kraft stand ich auf. Einer meiner Kells, der überlebt hatte, stützte mich.
Ich wollte wissen wie viele es waren, wie es um unsere Waffen stand und warum wir noch lebten.

Dies war der Anfang, der Anfang eines Kriegs, gegen einen taktisch überlegenen Feind.