Wechselkurs
Als die Fee Belladonna wieder auf der Bühne erschien, um sich hämisch (in schrecklichen Reimen) über die unvermeidliche Dummheit von Teenagern und den Erfolg der Racheaktion mit dem Spinnrad zu freuen, zuckte Hermione wieder zusammen. Snape zuckte mit keinem Muskel, aber sie dachte, sie habe ein kleines, trauriges Seufzen aus seiner Richtung vernommen. Dies war erfreulich. Welchen besseren Weg sollte es geben, Snape zu beeindrucken, als sich gnädig und nachsichtig zu benehmen?
Um sicherzustellen, dass er keine Milde erwartete, steckte Hermione seine Schokolade ein und verbrachte die Pause entweder auf der Toilette oder mit einer verblüfften Miss Anning im ausführlichen Gespräch über die Wirkung des feuchten Wetters auf ihre arthritischen Gelenke. Bei der Tombola gewann sie nichts, und sie teilte den Rest der Schokolade während des zweiten Akts gezielt mit ihrem Vater.
Zum offensichtlichen Vergnügen vieler männlicher Zuschauer schaffte Prinz Charming (eine langbeinige Grundschullehrerin namens Sarah) es, das Schloss zu finden, Prinzessin Rose zu küssen und beim Singen die Töne zu treffen. Sobald die Prinzessin erwacht war, versprach die Fee Belladonna reuig, sich zu bessern und eine Therapie zur Aggressionsbewältigung zu machen. Das Publikum fiel in die Lieder zum Mitsingen ein (mit Ausnahme von Snape, dessen Augenbrauen himmelwärts schossen, als er Hermione und Stephen dabei beobachtete, wie sie einander zu übertönen versuchten), und die Kinder bekamen gerade genügend Süßigkeiten zu essen, damit es schwierig wurde, sie zu Bett zu bringen. Schließlich bekam Angela Granger eine ohrenbetäubende Runde Applaus und wurde zur geschlossenen After-Show-Party im Pub mitgeschleppt. Das Dorftheaterstück war für ein weiteres Jahr vorbei.
Als Stephen, Hermione und Snape den Gemeindesaal verließen, begann es zu regnen. Stephen grummelte etwas, dass er das Auto holen müsse, um seine angeheiterte Frau in den frühen Morgenstunden heimzufahren, und marschierte für einen wohlverdienten Becher Tee nach Hause. Snape wartete, bis er und Hermione allein waren, beschwor eine Netzspinne aus der Hecke auf der anderen Straßenseite herbei und verwandelte sie feinsäuberlich in einen Golfschirm, der genügend groß war, um sie beide zu schützen. In der Nacht nach Hause zu schlendern, egal, bei welchem Wetter, schien eine seiner Spezialitäten zu sein.
„Bin ich in Ungnade gefallen?" fragte er schüchtern.
„Mehrfach, stelle ich mir vor. Sie müssen inzwischen daran gewöhnt sein."
„Touché."
„Keine Sorge. Sogar meine ältesten Freunde schaffen es regelmäßig, mich zu verärgern, wissen Sie. Harry ist sogar an dem Zwischenfall mit Bellatrix schuld. Das Tabu war ihm entfallen, als er wütend wurde."
„Oh, um Himmels Willen, ich bin kein solcher Idiot!"
„Historische Beweise sagen anderes, fürchte ich. Es braucht jedoch nicht viel, um sich bei mir lieb Kind zu machen."
„Definieren Sie, ‚nicht viel'."
„Oh, ich glaube, das ist etwas, was Sie selbst herausfinden müssen."
Snape wirbelte den Regenschirm erst in die eine, dann in die andere Richtung. Wassertropfen flogen in alle Richtungen.
„Würden Würstchen mit Kartoffelbrei und eine Flasche Rotwein bei mir zuhause etwas bringen?"
„Mit Zwiebelsauce?"
„Natürlich."
„Und Erbsen und Ketchup?"
„Ketchup und Sauce?"
„Absolut."
„Sie verhandeln hart und kulinarisch fragwürdig."
„Das ist mein letztes Angebot. Nehmen Sie es an, oder lassen Sie es bleiben."
„Ich habe große Bedenken, aber ich nehme an, ich verdiene sie. Ich bin einfach überrascht, dass keine glühenden Kohlen und nackte Füße dazugehören."
„Hat irgendjemand Ihnen jemals einen Vertrauensbonus gewährt?"
Snape schürzte die Lippen, während er nachdachte.
„Nun, Dumbledore, zumindest teilweise. Ich bezweifle jedoch, dass er so milde gewesen wäre, hätte er nicht eine kleine Schwäche für zornige junge Männer gehabt."
„Sie veräppeln mich!"
„Gar nicht. Die alte Queen hatte zwei Vorlieben, die beide ein Y-Chromosom hatten."
Sie brauchte eine halbe Minute.
„Verweiblicht, oder ein bisschen Dunkel?"
„Kluges Mädchen. Er beschloss außerdem, dass, wenn seine Lehrer für die Verteidigung gegen die Dunklen Künste nur für ein Jahr blieben, könne er jedes Mal genauso gut etwas Nettes für's Auge haben."
„Ich kann Quirrell, Lockhart, Remus und Sie verstehen, aber Mad-Eye Moody ist sicher weit hergeholt …?"
Snape grinste garstig.
„Im Gegenteil. Moody war der Einzige von uns, mit dem Dumbledore jemals eine Beziehung hatte. Ich wette, Barty Crouch Junior hatte den Schock seines Lebens, als er in Hogwarts ankam."
Sie kicherten, sahen einander von der Seite an und kicherten wieder. Inzwischen hatten sie das Ende der Gasse erreicht, die zu Snapes Haus abbog. Er gab Hermione eine Wegbeschreibung, und sie verabredeten sich für den folgenden Samstag zum Abendessen. Ehe Snape in der Dunkelheit verschwand, überreichte er ihr galant den Regenschirm.
Am Montag fand Hermione heraus, dass die Bibliothek des Ministeriums keine Bücher über das Zaubererfinanzwesen enthielt.
Am Dienstag fand sie heraus, dass die Bibliothek von Hogwarts keine Bücher über das Zaubererfinanzwesen enthielt.
Am Mittwoch gönnte Hermione sich einen Haarschnitt, ging mit Ginny Kleider einkaufen und schickte eine Eule an Bill Weasley. Er antwortete nicht.
Am Donnerstag um die Mittagszeit hatte Bill immer noch nicht geantwortet. Kingsley Shacklebolt war einigermaßen überrascht, einen außerplanmäßigen Flohanruf zu erhalten, aber er nahm ihn an und lauschte Hermiones Anfrage mit allem Anschein höflicher Aufmerksamkeit.
„Aber die Kobolde kümmern sich um all den Geldkram, Hermione", sagte er. „Sie scheinen einen guten Job zu machen, und ich möchte sie lieber nicht verärgern, indem ich mich einzumischen versuche."
„Also gibt es im Ministerium keine Information über Finanzpolitik?"
„Nein. Wir haben das seit dem Ende der Koboldkriege nicht gebraucht, und offen gesagt, müssen wir so viel wie möglich Platz in den Archiven schaffen. Wenn du darauf bestehst, für diesen blöden Bericht Informationen zusammenzustellen, schlage ich vor, du versuchst es bei Gringotts."
Am Freitag ging Hermione zur Bank und fragte den Direktionsassistenten, wo sie Informationen über magische Wirtschaft, Finanzgesetzgebung und Steuerpolitik bekäme. Der Direktionsassistent lächelte sie an und zeigte ihr all seine spitzen Zähne, während er seine gegabelte Zunge liebevoll über seine Augen schnellen ließ.
„Wir haben eine umfangreiche Bibliothek. Alle Informationen, die Sie benötigen, sollten dort verfügbar sein."
„Kann ich sie sehen?"
„Natürlich, Madam."
„Exzellent. Könnten Sie mir zeigen, wo sie ist?"
„Sie müssen ein Antragsformular ausfüllen, dreifach, und es mit eingeschriebener Eule an den Direktor senden. Er wird einen Termin für Sie arrangieren. Für den Termin werden Sie Ihre Tasche, Ihren Mantel und Ihren Zauberstab bei der Sicherheitsabteilung überprüfen lassen müssen. Ich nehme an, Sie sprechen fließend Gobbledygook?"
„Ah. Nein. Leider nicht."
„Ich glaube, acht Bücher in der Bibliothek sind illustriert. Die Fotografien der Gringotts Zweigstelle in Albanien sind besonders interessant."
Hermione nahm ein Antragsformular und ging direkt zu Flourish und Blotts, um sich ‚Gobbledygook autodidaktisch'-Bücher anzusehen. Sie fand heraus, dass das Koboldalphabet vierundvierzig Buchstaben hatte und apparierte wirklich sehr schlecht gelaunt nach Hause.
Völlig unsicher, in welche Kategorie gesellschaftlichen Umgangs Würstchen mit Kartoffelbrei bei Snape zuhause fiel, sagte sich Hermione streng, dass sie nicht zu aufgeregt werden sollte, und dass Snape nur versuchte, sich dafür zu entschuldigen, ein unsensibler Arsch zu sein.
Wie sehr sie sich schönmachen sollte, war deshalb eine subtile und vielschichtige Frage. Wenn sie peelte, wachste, zupfte, cremte, ihre Nägel lackierte und ihre beste Unterwäsche anzog, wäre sie für alle Fälle vorbereitet. Aber sie würde vielleicht völlig grundlos viel Aufwand betreiben. Aber vielleicht würde sie ihre Chancen reduzieren – gemachte Erfahrungen sagten ihr, dass eine ordentliche Bikinilinie und glatte Beine ihre Anziehungskraft signifikant zu mindern schienen, während Monatshöschen und haarige Beine sie unwiderstehlich machten.
Nach eineinhalb Stunden im Bad und eine halben Stunde Starrens in ihren Kleiderschrank kam es zu einem Kompromiss. Glatte Beine und Achseln, aber wilde Schamhaare. Saubere Haare und ordentliche Augenbrauen, aber kein Nagellack. Eyeliner und Mascara, aber kein Lidschatten. Zahnpasta und Mundwasser, aber keine Zahnseide. Zueinander passende Unterwäsche, aber weder Seide noch Spitze. Ein kurzer Rock mit dicken Strumpfhosen und flache Stiefel. Ein enger Pullover, halb verdeckt von einer Jeansjacke.
Der kleine Spiegel über dem Schminktisch kicherte und sagte Hermione, sie trüge genau die gleiche Art Kleidung, die sie für eine Verabredung in Hogsmeade mit Viktor Krum getragen hatte, außer, dass sie jetzt drei Nummern größer war. Nach kurzem Stöbern in ihrer Kleidung zog sie schwarze, geschneiderte Hosen, einen enganliegenden schwarzen Pullover und hochhackige Stiefel an. Sie hoffte, nicht zu sehr wie Severus Snapes kleine Schwester auszusehen. Eine Vision von zueinanderpassenden Kleidern, ein enormer, kerzenbeleuchteter Tisch, laut kratzendes Besteck und eine wahre Armee von Hauselfen drohten sie zu überwältigen.
Als er die Eingangstür öffnete, trug Snape tatsächlich ein Paar zerbeulte Cordhosen und einen braunen Kapuzenpullover. Über der Schulter hatte er ein Küchenhandtuch, einen Grillhandschuh in der einen und eine Flasche Wein in der anderen Hand. Er betrachtete Hermione für einen Moment, drückte ihr die Flasche in die Hand, bat sie, die Schuhe auszuziehen und den Wein zu öffnen, und verschwand dann eilends einen Korridor hinunter, der vermutlich in die Küche führte.
Nicht zu formell also.
Auf einer Seite der Diele stand eine Tür leicht angelehnt, also kämpfte sie sich aus ihren Stiefeln, nahm den Wein wieder in die Hand und ging auf Erkundungstour. Die Tür führte in ein großes Wohnzimmer, komplett mit Bücherregalen, Art-Deco-Lampen, einem offenen Kamin, einem enormen Sofa und einem nützlich aussehenden Kaminvorleger. An einer Wand hing eine ziemlich gute Meereslandschaft. Ab und an brachen Sonnenstrahlen durch die Wolken und glitzerten auf dem Wasser.
„Haben Sie den Wein schon aufgemacht?"
Snape betrat den Raum mit zwei von seinen Fingern baumelnden, leise klingenden Gläsern.
„Nein, noch nicht. Sorry."
„Nun, beeilen Sie sich. Ich lechze danach."
Der verzauberte Korken erzeugte ein zufriedenstellendes Ploppgeräusch. Snape goss ein, reichte Hermione ein Glas und stieß seines dagegen, bevor er trank.
„Ich dachte, wir essen in der Küche, aber dort ist es im Moment ein bisschen chaotisch. Ich hoffe, Sie sind hungrig."
„Am Verhungern. Ich hatte eine Scheißwoche, und ich hoffe, die Zwiebelsauce wird mich aufheitern."
„Was ist los?"
„Oh, nur Arbeit. Ich nehme nicht an, Sie können Gobbledygook, oder?"
„Das hängt davon ab, was genau Sie wissen wollen. Wir können beim Essen darüber reden, wenn Sie möchten."
„Ja, bitte. Ich mag übrigens Ihr Gemälde. Von wem ist es?"
„Es ist ein früher Edmund Diggory. Achtzehnhundertfünfundsiebzig, wenn ich mich recht erinnere."
Hermione tappte sofort für einen genaueren Blick hinüber.
„Hölle und Teufel, der Wert muss …"
„… Wenn Sie viel Glück haben, werde ich Ihnen eines Tages vielleicht erzählen, wie viel es genau wert ist. Aber jetzt muss ich mich um die Erbsen kümmern und schauen, ob sich der Abwasch wieder beruhigt hat. Ich bin gleich wieder da."
Hermione nickte einfach und starrte weiter das Gemälde an. Sie beschloss, dass es sie sehr interessierte, womit Snape seinen Lebensunterhalt verdiente. Sie fragte sich auch, warum ein Mann, der ein Millionen-Galleonen-Gemälde besaß, keinen Hauselfen hatte.
Der fragliche Mann informierte sie in säuerlichem Ton, dass der Gedanke, ständig jemanden um sich zu haben, der gezwungen war, seinen Befehlen zu folgen, in ihm Brechreiz auslöste. Und dass freie Hauselfen derzeit so in Mode waren, dass verfügbare so rar wie Hühnerzähne waren.
Sie kamen erst dazu, über die Arbeit zu sprechen, als Hermione ein Stückchen ihres letzten Würstchens in die wilde Mischung tunkte, die sie aus Ketchup und Sauce produziert hatte. Snapes Blick schwenkte mehrere Male zwischen seinem Teller und der Tomatensauce, ehe er der Versuchung nachgab und nach der Flasche griff, während er sagte, „Also wozu wollten Sie etwas über Gobbledygook wissen?" in einer Art Versuch, sie von dem, was er gerade tat, abzulenken.
„Sie wissen, dass ich für den Muggelpremierminister arbeite?"
„Mhm."
„Nun, ihm reichte das übliche Geschwätz des Zaubereiministers über Hexen und Zauberer nicht. Er verlangte Details.
„Ah."
„Es ist zu riskant, den Premierminister mit einem Vergessenszauber zu belegen. Ich meine, schauen Sie, was mit dem amerikanischen Präsidenten passiert ist! Kingsley dachte, es sei eine gute Idee, mich unglaublich langatmige Berichte zu den Themen auf der Liste schreiben zu lassen, über die Bob Bescheid wissen will, und letztendlich würde es ihn langweilen, oder er würde abgewählt, und damit wäre die Sache abgehakt."
„Bob?"
„Ja, Bob. Er ist wirklich ein netter Kerl. Jedoch ein bisschen ein Verwaltungshengst und sehr an Geld interessiert."
„War er nicht Schatzkanzler, bis Chris sich seine kleine Episode erlaubte?"
„Das stimmt … Sagten Sie Chris?"
„Wir waren zusammen in der Grundschule. Er war damals schon ein hinterhältiger kleiner Bastard."
„Meine Güte. Ihre Schule muss interessant gewesen sein, mit Ihnen und Lily ..."
„Wechseln Sie nicht das Thema."
„Richtig. Entschuldigung. Wo war ich?"
„Sehr an Geld interessiert."
„Genau. Bob will alles darüber wissen, wie die Britische Zaubererwelt sich finanziert. Aufgrund von ein paar Kommentaren, die er über Polizei und Straßenbeleuchtung gemacht hat, habe ich den Eindruck, er denkt an einen Versuch, die nicht-Muggel dazu zu bringen, eine Art Kommunalsteuer zu zahlen."
Snape verschluckte sich an dem Wein, an dem er gerade nippte. Es war gut, dass er braun trug. Er wischte seine Nase und seine Augen mit seiner Serviette ab, richtete warme Luft aus seinem Zauberstab auf seine Brust und starrte Hermione zornig an.
„Das wird absolut nicht passieren."
„Wäre das so sehr schlimm? Ich könnte dabei helfen, einen reduzierten Steuersatz zu vereinbaren. Das Geld könnte direkt aus den Verliesen der Leute genommen und bei Gringotts gewechselt werden."
„Nein!"
„Ich dachte, Sie seien über Ihre Probleme mit Muggeln hinweg!"
„Das hat damit nichts zu tun!"
„Das können Sie jemand anderem weismachen, Snape."
„Hören Sie mir zu, Hermione. Ist es Ihnen jemals in den Sinn gekommen, dass es einen sehr guten Grund dafür geben könnte, warum die Kobolde für die Galleonen verantwortlich sind? Warum alles Wissen in Gobbledygook ist? Warum all die Leute, mit denen Sie gesprochen haben, nicht interessiert zu sein scheinen?"
„Goblins sind gut im Bergbau. Und sie lieben Gold mehr als alles andere."
„Stimmt. Aber fällt Ihnen noch ein anderer Grund ein?"
„Nein."
Snape stand auf, steckte seine Hand in seine Hosentasche und zog eine Handvoll loses Kleingeld heraus. Er setzte sich wieder und ließ das Geld auf den Küchentisch fallen, ehe er eine Galleone in die Hand nahm.
„Strecken Sie Ihre Hand aus."
Er ließ die schwere Goldmünze in Hermiones Handfläche fallen. „Was ist das?"
„Es ist eine Galleone."
„Woraus ist sie gemacht?"
„Gold."
„Was glauben Sie, wie viel sie wiegt?"
„Ich weiß es nicht."
„Jede Münze wiegt etwas mehr als eine halbe Unze. Es ist ein wenig anderes Material darin, damit sie nicht zu weich ist, aber es ist exakt eine halbe Unze reines Gold in dieser Galleone."
Ein Licht begann ihr aufzugehen. Hermiones Augen weiteten sich, während Snape seinen letzten Mundvoll Kartoffelbrei aß.
„Was ist der aktuelle Kurs von Muggelgold im Vereinigten Königreich?" fragte er.
„Ich weiß nicht. Ich habe nie darüber nachgedacht."
„Genau. Und Sie sollen eigentlich auch verdammt nicht darüber nachdenken. Zu Ihrer Information, eine Unze Gold ist aktuell dreihundertdreiundsiebzig Pfund und achtundvierzig Pence wert. "
„Na sowas!"
„Wenn Ihnen ein Zauber gelingt, um eine Galleone wie einen American Eagle aussehen zu lassen, könnten sie sie unglaublich leicht für vierhundertzehn Dollar verkaufen. Das ist es, warum die Kobolde sich um das Geld kümmern, und die braven kleinen Hexen und Zauberer sind darauf getrimmt, dem nicht so viel Aufmerksamkeit zu schenken. Die Dinge waren früher einfacher, weil die Muggel meistens mit Silber handelten, auch wenn Sickles überall auftauchten. Dann eroberten die Spanier die Azteken, Muggel vertrauten mehr auf Gold und die Geheimhaltungsstatuten der Zaubererwelt traten in Kraft.
„Falls Bob, der verflixte Premierminister, fordert, dass wir überhaupt irgendwelche Muggelsteuern zahlen, glauben Sie nicht, dass die Leute anfangen würden, dem Muggelgeld wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken? Glauben Sie nicht, dass sie den Wert des Goldes hinterfragen würden?"
„Ich weiß nicht. Mr Weasley scheint nie viel Ahnung zu haben, und er ist Muggel-verrückt."
„Arthur ist ein haarsträubender Amateur. Aber selbst sein Interesse würde geweckt, wenn ein Teil seines Einkommens plötzlich in die Richtung der Devoner Kreisverwaltung zu verschwinden begänne. Wenn die Wahrheit herauskäme, würde sie sich in Windeseile verbreiten. Selbst das kleinste Zauberergehalt ist in Muggelgeld ein Vermögen wert. Wir würden ein absolutes Chaos an den Muggel-Finanzmärkten verursachen; Gringotts würde innerhalb einer Woche seiner Ressourcen beraubt und die Zaubererwirtschaft käme wegen Mangels an Bargeld zum Stillstand. Koboldgold ist eine endliche Ressource, die kontinuierlich umgewälzt werden muss, sonst sind wir erledigt. Die üblichen Regeln von Angebot und Nachfrage, die Zinssatz und Inflation regeln, gelten immer noch, aber eine Währung weltweit und eine für die Herstellung verantwortliche Bank – und die Freigabe oder Zurückhaltung – von zusätzlichem Münzgeld macht die Kontrolle der Dinge sehr viel leichter."
„Wieso wissen Sie das alles?"
„Sie sehen den Sicherheitschef von Gringotts International vor sich. Es ist mein Job, das zu wissen. Wenn Sie dies jemals irgendjemandem erzählen oder irgendetwas anderes von dem, was ich Ihnen mitgeteilt habe, fürchte ich, ich muss sie verfolgen und Sie mit einem so starken Vergessenszauber belegen, dass Sie Lockhart wie ein Genie aussehen lassen."
Snape war mehr als überzeugend. Hermione ließ die Galleone fallen und hob ihm kapitulierend die Handflächen entgegen.
„Fein! Ich verstehe. Meine Lippen sind versiegelt. Kein Wunder, dass Bill mir nicht geantwortet hat."
„Bill Weasley hat Ihnen nicht geantwortet, weil ich es ihm verboten habe."
„Oh Gott! Wussten Sie die ganze Zeit schon davon?"
„Ich wusste, dass Sie extrem indiskrete Fragen stellten. Angesichts unserer … Freundschaft dachte ich, ich würde warten und sehen, ob Sie freiwillig darüber reden. Haben Sie irgendetwas davon bei Ihren Freunden erwähnt?"
„Nein, sie glauben immer noch, ich archiviere für die Magische Strafverfolgung und schreibe Nachträge für Die Geschichte Hogwarts'. Kingsley sagte mir, ich solle nicht über den Job reden für den Fall, dass irgendwelche Reinblüter sich darüber aufregten."
„Nun, das ist gut. Möchten Sie noch etwas Wein?"
Ein schrecklicher Gedanke kam Hermione in den Sinn. Da er da war, war es unmöglich, ihn wieder loszuwerden.
„Haben Sie mich zum Abendessen eingeladen, um herauszufinden, was ich vorhabe?"
Snape setzte die Weinflasche ab und sah sie an, ohne zu blinzeln.
„Nein, das habe ich nicht. Wenn Sie sich erinnern: ich habe Sie zum Abendessen gebeten, bevor Sie anfingen, heikle Fragen zu stellen."
„Aber sobald ich Ihnen erzählt habe, dass ich auf beiden Seiten des Zauns arbeite, müssen die Alarmglocken zu läuten begonnen haben. Wie kann ich sicher sein, dass Sie sich wirklich freundschaftlich verhalten? Wie kann ich sicher sein, dass Sie nicht meine Erinnerung modifizieren, ehe ich nach Hause gehe? Es ist ein ziemlich großes Risiko, mich mit all der Information, die Sie mir gegeben haben, gehen zu lassen."
„Ich hatte eigentlich vor, Ihnen zu vertrauen."
„Warum? Was unterscheidet mich von anderen Leuten? Sie kennen mich nicht sehr gut, und ich habe keinen Eid geschworen oder sonst was."
Snape stand wieder abrupt auf. Er wandte sich vom Tisch ab und legte seine Hände auf die Kante der Spüle. Der Abwasch gluckerte ihm beruhigend zu, als ob die Teller nervös befürchteten, zerbrochen zu werden. Als er sprach, war es das eisige Flüstern, das im Klassenzimmer immer so effektvoll gewesen war.
„Sie müssen dem Premierminister etwas hinreichend Überzeugendes zeigen, das seine Neugier befriedigt und ihn davon abbringt, auf Geld zu drängen. Wenn das nicht funktioniert, werde ich seine Erinnerung löschen müssen. Wir werden uns bei Gringotts um das Dokument kümmern und lassen Sie es in Ihre übliche Form übertragen. Es ist zu riskant, die Eulenpost zu verwenden, daher werde ich es persönlich am Freitagnachmittag abliefern."
„Severus?"
„Hermione. Es scheint, der Vertrauensbonus reicht nur bis hierher. Ich nehme an, Sie finden den Weg alleine hinaus?"
