Kapitel 2: Alltag II: Draco

Draco sass auf dem Sofa vor dem Kamin und starrte in die Flammen. In der Hand hielt er sein Weinglas und trank den letzten Schluck. Die Standuhr schlug elf Mal. Elf Uhr. Noch eine Stunde und dann würde ein neuer Tag anfangen. Nur noch eine Stunde und dann wäre der 25. November vorbei. Noch eine Stunde und dann wäre der Tag vorbei, der Draco soviel bedeutete und den Harry anscheinend vergessen hatte.

Das Essen auf dem Tisch, das er liebevoll angerichtet hatte, war schon lange kalt geworden. Draco seufzte leise, stand auf, stellte das Weinglas auf den Tisch und ging zum Fenster. Harry hatte es also tatsächlich vergessen. Harry hatte tatsächlich ihren Tag vergessen. Eine eiserne Hand schien sich in Dracos Innerem zu verkrallen und ihm langsam aber stetig die Luft abzudrücken. Draussen regnete es. Einen kurzen Moment zögerte Draco, doch dann öffnete er das Fenster. Sofort trieb der Wind den Regen ins Zimmer und bauschte die Vorhänge. Draco lehnte sich ein wenig aus dem Fenster und spürte sofort, wie ihm der Regen kalt ins Gesicht schlug. Genauso kalt, wie er sich fühlte. Kalt und gleichgültig, wie ihn Harry behandelte.

Wann hatte Harry ihn eigentlich das letzte Mal liebevoll in den Arm genommen? Wann hatte er das letzte Mal wirklich mit Harry geredet und sich dabei nicht auf das Nötigste beschränkt?

Draco schloss das Fenster wieder und ging langsam zum Tisch zurück, wo er sich noch ein wenig Wein eingoss und mit dem Glas in der Hand wieder zum Sofa vor dem Kamin zurückging. Er konnte sich noch so gut daran erinnern, wie sie zusammen das Haus ausgesucht hatten und schliesslich eingezogen waren. Er erinnerte sich an ihre Streitigkeiten im ersten halben Jahr, an die langen Diskussionen und wie er selber hatte lernen müssen, auf Harry zuzugehen, Kompromisse zu finden.

Nur kurz nach seinem Abschluss in Hogwarts hatte Draco angefangen bei seinem Vater mitzuarbeiten. Ungefähr zur gleichen Zeit hatte auch Harry seine Ausbildung zum Auror angefangen. Der Anfang war sehr anstrengend gewesen. Sein Vater hatte viel von ihm gefordert und auf das, was er nun zu leisten hatte, war Draco in Hogwarts nicht wirklich vorbereitet worden.

Sein Vater führte Draco ganz offiziell in die Gesellschaft ein, brachte ihm bei, wie man mit den Kobolden in Gringotts verhandelt und mehr als einmal hätte Draco am liebsten alles hingeschmissen, wenn er wieder das Gefühl hatte, den hohen Ansprüchen seines Vaters nie genügen zu können.

Und dann war da nach ungefähr einem Jahr der Empfang im Herrenhaus seiner Eltern gewesen, der in einem vollständigen Desaster geendet hatte. Draco konnte sich zwar nicht mehr daran erinnern, was genau der Auslöser gewesen war, aber zum allerersten Mal in seinem Leben hatte er es gewagt, seinem Vater zu widersprechen. Ein Wort hatte das andere gegeben und schon bald hatte sich daraus ein handfester Streit entwickelt. Schliesslich hatte Harry eingegriffen und ihn mit einer kleinen Entschuldigung nach Hause gebracht.

Dort hatte er Draco toben lassen bis er sich beruhigt hatte. Danach hatten sie lange über das Vorgefallene gesprochen und nur Harry war es damals zu verdanken gewesen, dass sich Draco nicht mit seinem Vater entzweit hatte. Am nächsten Morgen, einem Sonntag, hatte er Kreacher damit beauftragt, ihnen das Frühstück ans Bett zu bringen. Sie hatten ganz gemütlich gegessen und Harry hatte nicht ein Wort über das verloren, was vorgefallen war. Erst nachdem sie fertig gegessen hatten und Kreacher das Tablett wieder in die Küche gebracht hatte, hatte Harry Draco in seine Arme gezogen und ihn gefragt, was eigentlich vorgefallen war.

Und dann hatten sie geredet. Stundenlang geredet und miteinander gekuschelt und schliesslich hatte Harry Draco überzeugt und er hatte seinem Vater eine Eule geschickt. Der Brief war kurz gewesen, genauso wie die Antwort seines Vaters, aber beide wussten sie, dass alles wieder in Ordnung war.

Das Sonntagsfrühstück im Bett allerdings war zur Tradition geworden. Von dem Wochenende an brunchten sie jeden Sonntag im Bett.

Nach zwei Jahren hartem Training hatte Harry endlich seine Ausbildung zum Auror beendet. Draco hatte sich schon lange vorher überlegt, was er seinem Geliebten zur abgeschlossenen Ausbildung schenken könnte, hatte Bücher gewälzt und Leute gefragt. Schliesslich hatte er sich für eine Reise zu zweit nach Venedig entschieden.

Die Tage dort gehörten zu den schönsten seines Lebens. Er erinnerte sich nur noch allzu gut daran, wie sie gemeinsam Gondel gefahren waren oder sich auf dem Markusplatz geküsst hatten. Es war so klischeehaft und kitschig gewesen und gleichzeitig so wunderschön.

Doch nur kurz darauf begannen die Dinge sich zu verändern. Harry wurde nach der Ausbildung vom Ministerium übernommen und kam in den aktiven Dienst. Auch wenn Draco Harry die Herausforderungen, die dort auf ihn warteten, gönnte, so machte er sich doch unablässig Sorgen um ihn. Vor allem, wenn er wieder bis spät in die Nacht hinein Dienst tun musste.

Als Harry zum ersten Mal auch an einem Sonntag arbeiten musste, verlangte es Draco doch einiges ab, dies ruhig zu akzeptieren. Die langen Gespräche, die er vor allem mit seiner Mutter dazu führte, halfen ihm dabei. Genauso wie die Tatsache, dass sein Vater mit sich reden liess, wenn es darum ging, dass er den Montag zu Hause mit Harry verbringen wollte, wenn dieser am Sonntag hatte arbeiten müssen.

Wenn Draco jemand damals gefragt hätte, ob er glücklich war, dann hätte er ohne zu zögern mit Ja geantwortet.

Die Uhr im Wohnzimmer schlug halb zwölf. Noch eine halbe Stunde, dann wäre der Tag vorbei. Aber eigentlich war es sowieso schon zu spät. Draco erhob sich und stellte das leere Weinglas auf den Tisch zurück. Seit Harry in den Innendienst versetzt worden war, hatten die Dinge angefangen sich kontinuierlich zu verändern.

Draco spürte, wie ihm Harry drohte zu entgleiten, aber er wusste auch nicht, was er dagegen tun sollte. Da war zum Beispiel die Sache mit Pansys Geburtstagsparty gewesen. Er hatte Harry schon die ganze Woche gesagt, dass er zu der Party gehen würde, hatte ihm sogar einen Zettel hinterlassen, als Harry noch nicht von der Arbeit zurück war, als er los musste, aber Harry hatte den Zettel nicht einmal gelesen, geschweige denn, dass er auch nur noch irgendetwas von der Party gewusst hätte.

Stattdessen hatte er Draco mit Vorwürfen überschüttet und hatte anschliessend auf der Couch geschlafen. Danach hatte sich ihr Verhältnis immer weiter verschlechtert. Die Sticheleien und Streitigkeiten fingen an verletzend zu werden und Draco ertappte sich immer öfter dabei, wie er anfing Harry aus dem Weg zu gehen. Er verabredet sich jetzt häufig mit seinen Freunden und wusste ganz genau, dass er an diesen Abenden deutlich mehr trank, als für ihn gut gewesen wäre.

Er begleitete seinen Vater auch immer öfter zu Geschäftsessen, obwohl ihm gerade diese früher ein Gräuel gewesen waren. Es war nicht so, dass er an seiner Beziehung zu Harry zweifelte. Er wusste einfach nicht, wie er die Distanz, die immer weiter zwischen ihnen entstand, überbrücken sollte und so konnte er nur tatenlos zu sehen und hoffen, dass sie wieder irgendwie einen Weg zueinander finden würden.

Harry vergrub sich in letzter Zeit immer mehr hinter seinen Akten und sogar sein Vorgesetzter hatte ihn schon dazu aufgefordert, weniger Überstunden zu machen. Vergeblich.

Draco seufzte leise. Sie hatten einen neuen Tiefpunkt erreicht. Er wusste, dass Harry mit seiner Versetzung und Julian Thompson als Vorgesetztem nicht glücklich war, genauso, wie er wusste, dass Harry ganz sicher keine Affäre hatte, obwohl es gerade in diese Richtung unzählige Gerüchte gab. Harry würde ihn nicht betrügen. Niemals. Dazu war er viel zu sehr Gryffindor.

Ganz plötzlich hatte Draco das Gefühl, dass das Haus zu eng für ihn wurde, er keine Luft mehr bekam. Er hielt das nicht mehr aus. Er musste hier raus und schon gar nicht wollte er noch Harry begegnen, wenn dieser sich endlich dazu durchringen konnte, die Akten Akten sein zu lassen und nach Hause zu kommen. Draco konnte einfach nicht mehr hier bleiben. Er wollte gar nicht sehen, wie Harry völlig ahnungslos nach Hause kam, den gedeckten Tisch sehen würde und sich dann ganz langsam so etwas wie Erkenntnis auf seinem Gesicht ausbreiten würde. Die Erkenntnis, dass er irgendetwas Wichtiges verpasst hatte.

Diese Demütigung würde er sich nicht antun. Draco stürmte nach oben in ihr Zimmer und packte das Nötigste in eine kleine Tasche, bevor er wieder ins Wohnzimmer zurückkehrte. Nach kurzem Zögern nahm er sich noch ein kleines Stück Pergament und seine Feder, überlegte kurz, was er schreiben wollte und setzte dann die Feder an. Als er den Brief zusammenfaltete und in den Umschlag schob, brannten Dracos Augen von nicht geweinten Tränen. Er würde nicht weinen. Auf gar keinen Fall.

Kurz bevor Draco das Flohpulver in die Flammen warf, sah er sich noch einmal um. Das Wohnzimmer war dunkel, der Tisch immer noch gedeckt, auch wenn die Kerzen heruntergebrannt waren und das Essen kalt in der Küche stand. Es war bereits kurz vor Mitternacht. Draco warf das Pulver in die Flammen, die sofort grün aufloderten.

Kurze Zeit später stieg er, zumindest äusserlich ruhig, aus dem grossen, alten Kamin, der im Salon seiner Eltern stand. Sein Vater sass, wie jeden Abend in dem alten Lehnstuhl gegenüber dem Kamin und hatte ein Buch in der Hand. Und so wie jeden Abend stand ein Glas mit Cognac auf dem kleinen Beistelltisch.

Als Draco aus dem Kamin stieg, schaute er überrascht auf, wartete aber, bis sein Sohn sich die Asche von der Robe geklopft und die Tasche zu Boden gestellt hatte. Erst dann fragte er ruhig: „Ich dachte du isst mit Harry zu Abend? Was machst du dann hier?"

Draco versuchte das Zittern zu unterdrücken, das plötzlich durch seinen Körper lief. Er war geflohen. Er war zu seinen Eltern geflohen. Was für eine Demütigung. Lucius musterte seinen Sohn aufmerksam. Draco war seltsam bleich und obwohl er versuchte es zu verstecken, so sah Lucius doch, dass er zitterte. Irgendetwas musste sehr schief gelaufen sein.

Lucius kannte seinen Sohn und das, was er hier zu sehen bekam, war ganz sicher kein alltäglicher Anblick. Ganz im Gegenteil. Was war geschehen, das seinen Sohn derart aus der Fassung gebracht hatte? Draco stand immer noch vor dem Kamin, die Tasche stand schon lange am Boden, seine Arme hingen einfach so an seinen Seiten hinab, den Kopf hielt er gesenkt, so dass sein Haar das Gesicht verdeckte. Er wirkte so hilflos und verwundbar, wie ihn Lucius schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Als sich Draco immer noch nicht vom seinem Platz vor dem Kamin rührte, klappte Lucius das Buch zu, das er gelesen hatte, stand auf und nahm Draco in den Arm. Wie lange war es schon her, dass Draco es zugelassen hatte, von ihm in den Arm genommen zu werden. Das musste noch irgendwann in seiner Kindheit gewesen sein.

Als er Draco in seine Arme zog und ihn einfach festhielt, versteifte sich dieser zunächst und liess sich dann doch in die Umarmung fallen. Nur wenig später spürte Lucius, wie Dracos Schultern zu beben begannen und hielt ihn einfach fest, ohne ein Wort zu sagen.

Irgendwann spürte Lucius wie das Beben nachliess und sich Draco wieder beruhigte. Schliesslich nahm er die kleine Tasche, hob sie vom Boden auf und meinte: „Komm, leg dich hin. Du siehst müde aus." Draco nickte leicht. „Ich erkläre dir und Mutter morgen, was passiert ist."

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Als Draco am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich steif und wie gerädert, so als ob er in der Nacht kaum geschlafen hätte. Das Bett fühlte sich seltsam an, kleiner als er es gewohnt war und noch im Halbschlaf hatte er registriert, dass er alleine war. Nicht, dass das in der letzten Zeit etwas Ungewöhnliches gewesen wäre. Harry kam spät abends nach Hause, wenn er schon längstens schlief und stand morgens genauso früh auf. Das letzte Mal, dass sie gemeinsam aufgestanden waren oder ins Bett gegangen waren, musste schon ein paar Monate zurückliegen.

Draco seufzte und stand langsam auf. Sein Kopf schmerzte und ihm war etwas übel. Das letzte Glas Wein am Abend zuvor war vielleicht doch eins zu viel gewesen. Nachdenklich starrte er aus dem Fenster. Es regnete und schwere, graue Wolken bedeckten den ganzen Himmel. Die Bäume im Park vor dem Fenster schienen wie unter einer Glocke zu liegen.

Er wandte sich vom Fenster ab und öffnete den Wandschrank, froh, dass er zumindest ein paar wenige Kleider, die er eigentlich nicht mehr anzog, bei seinem Auszug im Herrenhaus gelassen hat und ging damit ins Bad.

Eine halbe Stunde später betrat Draco den Wintergarten, in dem seine Eltern immer zu frühstücken pflegte. Wie jeden Morgen, seit er sich erinnern konnte, sassen seine Eltern am gedeckten Tisch. Sein Vater las im Tagespropheten, während seine Mutter ihren Tee trank und den Tagesablauf plante. Das Bild war so vertraut und doch so schmerzhaft, erinnerte es Draco doch daran, warum er eigentlich hier war.

Seine Mutter hob den Kopf, als er den Raum betrat und lächelte ihn an, während sein Vater die Zeitung zusammenfaltete und neben seinen Teller legte. Draco schluckte und setzte sich auf seinen Platz, nahm die Serviette, legte sie neben den Teller und nahm sich ein Brötchen und etwas Butter, während ihm seine Mutter den Tee eingoss und ein Stück Zucker in die Tasse fallen liess.

Draco machte Ansätze sein Brötchen aufzuschneiden und mit Butter zu streichen, als er zögerte und Messer und Brötchen zurück auf den Teller legte. Er hatte keinen Appetit und spürte nur zu genau, wie ihn seine Eltern genau betrachteten.

Seine Mutter stand schliesslich auf, ging um den Tisch herum und legte ihre Hände auf seine Schultern, so, wie sie es immer getan hatte, als er noch klein gewesen war. „Es ist wegen Harry, nicht wahr?" fragte sie sanft. Draco konnte nur nicken. Es war immer wegen Harry. Es war wegen Harry, wenn er so glücklich war, dass er die ganze Welt umarmen könnte und es doch nur seinen Eltern zeigte und es war wegen Harry, wenn er sich am liebsten unter seiner Bettdecke verkrochen und nie wieder zum Vorschein gekommen wäre. Es war alles wegen Harry.

Harry war das Zentrum, um ihn drehte sich alles und er konnte sich ein Leben ohne Harry nicht mehr vorstellen. Seine Eltern wussten, welche Bedeutung der Tag gestern gehabt hatte. Draco spürte die kühlen Hände seiner Mutter, die immer noch auf seinen Schultern lagen, ihn beruhigten, ihm vermittelten, dass sie da war, dass sie immer da sein würde, egal was geschah.

„Er ist nicht heimgekommen", flüsterte er schliesslich. „Er hat sich wieder hinter seinen Akten verkrochen." Lucius erhob sich und nickte seiner Frau zu. Er würde sich später mit ihr unterhalten, später erfahren, warum sein Sohn mitten in der Nacht zu ihnen gekommen war, was vorgefallen war um ihn soweit zu bringen. Draco war niemand, der einfach so zu seinen Eltern floh, er war niemand, der sich in den Arm nehmen liess oder gar weinte. Draco war immer darauf bedacht gewesen, niemandem zu zeigen, wie er sich wirklich fühlte, auch wenn Harry dazu beigetragen hatte, dass er ein wenig offener geworden war.

„Er ist nicht heimgekommen?" vergewisserte sich Narcissa noch einmal mit sanfter Stimme. Draco nickte leicht. „Du weisst, was gestern für ein Tag war. Alles, was ich wollte, war mit ihm gemütlich zu Hause zu Abend essen. Ich habe alles vorbereitet, aber er ist nicht gekommen. Er hat es einfach vergessen." Dracos Stimme hatte zum Ende hin immer bitterer geklungen. „Weiss er, wo du bist?" Narcissa liess sich nicht anmerken, wie sehr es sie traf, was vorgefallen war. Sie wusste zwar, dass es in der Beziehung der Beiden im Moment zu kriseln schien, aber dass es bereits so schlimm war, dass Harry einen ihrer wichtigsten Tage einfach vergass, dass hätte sie nicht gedacht.

Zugegeben, am Anfang hatte es sie etwas Überwindung gekostet, aber mit der Zeit hatte sie angefangen Harry zu mögen. Harry, nicht Harry Potter, wohlgemerkt. Sie hatte gesehen, dass er Draco gut tat und als die Beiden zusammenziehen wollten, hatte sie ohne zu Zögern ihre Einwilligung gegeben. Inzwischen war sie sich nicht mehr sicher, ob das eine gute Idee gewesen war.

Seit Harry in den Innendienst versetzt worden war, zog er sich mehr und mehr zurück und verfiel wieder in sein altes, grüblerisches Selbst, liess niemanden mehr wirklich an sich heran, nicht einmal mehr Draco.

„Ich habe ihm einen Brief hinterlassen", flüsterte ihr Sohn in dem Moment und seine Stimme klang so rau, dass es ihr fast das Herz zerriss. Sie wusste, dass Draco die gleiche Angewohnheit hatte wie Lucius, eine Beziehungskrise aussitzen zu wollen, warten zu wollen, dass alles wieder von alleine besser wurde und sie wusste, dass das eine Taktik war, die meistens nicht sonderlich erfolgreich war.

Unter ihren Händen fühlte sie die Schultern leicht beben und wusste, dass Draco um seine Beherrschung rang. Sie wollte ihm helfen, wollte ihn beschützen, so wie sie es immer getan hatte, als er noch ein Kind gewesen war und wusste doch nicht, was sie tun konnte, ausser für ihn da zu sein. Narcissa wusste nur zu genau, dass Draco und Harry selber einen Weg finden mussten mit ihren Problemen zu Recht zu kommen und sie zu lösen.

Das Zittern hörte auf, Draco hatte seine Beherrschung wiedergewonnen. „Ich werde heute Abend nach Hause zurückgehen. Danke für alles, Mutter" murmelte ihr Sohn und erhob sich. Er drückte ihr einen leichten Kuss auf die Stirn bevor er den Wintergarten verliess und sich auf den Weg ins Büro seines Vaters machte. Das Brötchen hatte er nicht angerührt, genauso wenig wie seinen Tee, der immer noch in der Tasse dampfte.