Ich danke euch allen für die Reviews!!! Es get mal wieder weiter!


4. Kapitel

Gregor, der Kriechende

Liebe Lily,

ich habe deinen Brief bekommen. Ich werde jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich möchte mich für die ganze Verwirrung entschuldigen, die meine vorherigen Briefe heute verursacht haben. Ich nehme an, wenn ich das früher erkannt hätte, hätte ich mich ein wenig verraten, aber das ist jetzt egal.

Du hast gefragt, ob ich mich dir offenbare. Das ist eine schwere Forderung an meinen Charakter, aber ich werde sie dir nicht abschlagen. Ich werde ganz blass, wenn ich daran denke, aber ich sollte schließlich zum ersten Mal meinen Mut zeigen.

Ich kritzle diese Wort gerade schnell, während ich durch die Gänge gehe, und ich weiß – und in irgendeiner Weise habe ich es immer gewusst – dass diese Fassade nicht mehr lange aufrecht stehen kann. Du hast mich nach meinem wahren Ich gefragt und ich werde es dir zeigen. Ich werde dir zeigen, wer ich bin, mein wahres Inneres. Aber um das zu tun, muss ich dich bitten, deinen Vertrauensschülerpflichten für eine Nacht zu vergessen.

Ich werde dich morgen Abend treffen. Geh zum Ostflügel, morgen Abend eine halbe Stunde nach der Sperrstunde. Dort suchst du die Statue von Gregor dem Kriechenden. Dahinter ist ein Geheimgang. Folge ihm, und er wird dich aus der Schule herausbringen, zum Rand des Verbotenen Waldes. Dort wirst du ein Zeichen sehen und es wird dich zu mir führen. Ich kann dir nicht verraten, was es ist, aber ich versichere dir, du wirst es nicht verfehlen. Ich bitte dich, dies zu tun und hier werde ich mich dir offenbaren.

Und ich habe etwas, dass ich dir zeigen will.

Dein, solange du mich haben wirst,

Mr. Prongs

James Potter hatte das geschrieben? fragte sich selbst ungläubig. James Potter.

Und plötzlich begann Lily laut loszulachen. Sie brach vor Kichern auf dem Bett zusammen. Sie lachte, weil sie wusste, dass alles nur ein Scherz war. Sie lachte, weil sie sich sicher war, dass alle Beweise Schritt für Schritt inszeniert worden waren. Sie lachte, weil alles so clever war. Sie lachte, weil sie vollkommen darauf hineingefallen war. Und sie lachte, weil sie wusste, dass genau in diesem Moment, James Potter und Sirius Black in ihrem Schlafsaal lachten und zwar genauso doll wie sie.

James Potter und seine Freunde würden liebend gern die streberhafte Vertrauensschülerin Lily Evans sehen, wenn sie nachsitzen musste.

Dort wirst du ein Zeichen sehen und es wird dich zu mir führen. Ich kann dir nicht verraten, was es ist, aber ich versichere dir, du wirst es nicht verfehlen.

„Sicher werde ich es sehen", sagte Lily laut. „Filch, der auf mich wartet um mich direkt in Professor McGonagalls Büro zu begleiten."

Sie würden aus ihr keinen Narren machen.

Am nächsten Tag erwachte Lily mit einem Entschluss: Sie würde James Potter behandeln, wie sie es immer getan hatte, und sie würde sicherlich nicht zum Verbotenen Wald heute Abend gehen.

Dieser Entschluss wurde den ganzen Tag lang ein wenig auf die Probe gestellt. Sie konnte sich nicht helfen, aber sie bemerkte, dass James sich sehr merkwürdig benahm. Er war außergewöhnlich still den ganzen Tag und manchmal beobachtete sie ihn zufällig in den Unterrichtsstunden und sah, dass er schnell seinen Blick abwandte, wenn sich ihre Blicke trafen.

Er macht das nur aus Show, sagte sich zu sich selbst.

Dann, als sie gerade den Zauberkunstunterricht verließ, hörte sie James und Sirius wieder diskutieren. Oder vielmehr Sirius, der James mit Gründen bombardierte, warum er es heute Abend nicht tun sollte.

„Du kannst da nicht hingehen, James", flüsterte er. „Weißt du überhaupt, was passiert, wenn sie herausfindet, dass du es bist? Sie wird es der ganzen Schule erzählen und dann wird es jeder wissen…"

Ehrlich, der Typ hatte ja eine tolle Meinung von ihr!

Später, nach dem Abendessen im Gemeinschafstraum, ging Sirius immer noch gegen einen eher gelangweilten James an.

„Freunde gehen vor, James. Ich kann nicht glauben, dass du all das wegwerfen willst, nur wegen eines Mädchens…."

Sie waren wirklich spektakuläre Schauspieler.

Aber Lily hielt stand und versuchte ihr Bestes um die beiden zu ignorieren als sie mit ihren Hausaufgaben fertig war…. Solange bis sie in ihren Schlafsaal zurückkehrte und ein merkwürdiges Päckchen sah, dass auf ihrem Bett lag. Eine hastig gekritzelte Notiz lag darauf.

Um dir auf deinem Weg heute Nacht zu helfen...

Behutsam öffnete Lily das Päckchen. Was sie darin fand, hätte sie nicht mehr überraschen können: Ein silberner Umhang, der sich wie Flüssigkeit in ihrer Hand anfühlte. War es das, was sie dachte…?

Sie schwang ihn um ihre Schultern. Dann schaute sie an ihren Körper hinunter, oder besser, dort wo ihr Körper hätte sein sollen. Ein unsichtbar machender Tarnumhang.

Und Lily fühlte, dass all ihre Entschlossenheit und Entscheidungen verblassten.

Warum sollte er ihr etwas geben, das ihr half, wenn er wollte, dass sie geschnappt würde? Das machte keinen Sinn… Vielleicht war James Potter ja wirklich…

Sie konnte es einfach nicht glauben.

Aber gut, sie würde gehen. Und wenn James Potter ein abgekartetes Spiel mit ihr trieb, umso besser für Lily: Er würde seinen Tarnumhang einfach nicht wieder bekommen, wenn das der Fall war.

Und mit diesem beruhigenden Gedanken warf sie sich den Umhang noch einmal über.

Lily bewegte sich eilig durch die Korridore, machte Halt an jeder Ecke halt, um sich zu vergewissern, dass dort kein Lehrer oder Schulsprecher wartete, um ihr aufzulauern. Es war ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass niemand sie sehen konnte, aber es machte sie nicht nervös. Wenn sie entdeckt würde… Potter würde sich wünschen, dass er nie geboren wurde, dachte sie bei sich.

In diesem Augenblick hörte Lily ein wütendes Zischen. Erschrocken machten sie einen Satz rückwärts und prallte gegen die kalte Steinmauer. Sie fluchte zwischen zwei Atemzügen, als sie realisierte, dass sie beinahe Mrs. Norris, Filchs schreckliche Katze, getreten hatte.

Lily hielt den Atem an, als die lampenartigen Augen der Katze durch sie hindurchschauten. Schließlich schnellte sie Katze in eine andere Richtung davon.

Lily war kaum erleichtert, denn sie wusste, dass Filch sich in diesem Augenblick, keuchend und der bösen Katze folgend, auf den Weg zu ihr machen würde.

Und so atmete Lily tief durch und sprintete so schnell sie konnte davon.

Schließlich fand sie sich vor der Statue von Gregor dem Kriechenden wieder. Lily schaute auf ihre Armbanduhr. Rein technisch war sie zu früh, aber sie wusste ja nicht, wie lang dieser ‚Geheimgang' war.

Lily spähte hinter die Statue, sah aber keinen Gang. War da etwas, dass er ihr nicht erzählt hatte? Sie begann sich wieder als Opfer eines Komplotts zu fühlen. Den Tarnumhang fest an ihre Brust gedrückt, als könnte James Potter jetzt hervorspringen und ihn ihr entreißen, begann Lily sich wieder umzudrehen.

Aber dann erregte etwas ihre Aufmerksamkeit. Ein kleines Loch in der Mauer hinter der Statue, auf der gleichen Höhe wie Gregors Daumen. Aber wie um alles in der Welt konnte das ein geheimer Durchgang sein? Das Loch war noch nicht einmal groß genug um ihre Faust hindurch zu stecken.

Vielleicht ist ein Griff oder Hebel dahinter, dachte Lily hoffnungsvoll. Es war unwahrscheinlich, aber es musste irgendwie sein… Sie griff nach dem Loch, vorbereitet darauf, es zu versuchen und ihre Hand hindurch zu drücken, aber dann dachte sie an etwas anderes.

Du hast einen Zauberstab, oder? Lily hätte sich selbst auslachen können, weil sie so verängstigt gewesen war, dass sie erwischt würde. Sie zog ihren Zauberstab heraus und tippte damit in das Loch, gespannt ob sie nun etwas sagen und zaubern sollte.

Also wirklich, dachte sie gereizt, er hätte mir wenigstens sagen können, was zu tun ist…

Aber gerade, als ihr Zauberstab das Loch berührte, weitete es sich aus. Bald war es groß genug für sie, um hindurch zu kriechen und das tat sie auch, allerdings mit einigen Bedenken. Das Loch schloss sich wieder hinter ihr.

Noch einmal tief durchatmend, begutachtete Lily ihre Umgebung, fand allerdings schnell heraus, dass es unmöglich war, denn es war absolut dunkel.

Lumos", murmelte sie und ein schauerliches Licht erfüllte den Geheimgang. Sie war in einem schmalen Korridor. Die Decke war tief genug um sie zu berühren. Die Wände, die Decke und der Boden waren aus kaltem Stein errichtet, alt und abgenutzt – wie von den Füßen von über tausendjährigen Unruhestiftern – so, dass er glatt war und ihre Füße rutschten und abglitten als sie ihn entlang ging.

Der Gang war in der Tat sehr lang, an manchen Stellen fiel er ein wenig ab und Lily zwang sich, sich aufrecht zu halten. Und dann, nach einiger Zeit, tauchten Stufen vor ihr auf – steile, schräge Stufen ohne jede Möglichkeit zum Festhalten. Zuerst war sie etwas verwirrt über die Gegenwart dieser Stufen, bis sie sich erinnerte, dass sie eigentlich aus dem fünften Stock kam.

Je weiter sie ging, desto kälter wurde die Luft, und sie wickelte den Tarnumhang fester um sich selbst, um sich zu wärmen.

Und dann erreichte sie sie eine Sackgasse.

Stirnrunzelnd hob sie ihren Zauberstab empor, um einen erneuten Geheimgang zu erleuchten, doch dort war nichts. Aber dann erblickte sie etwas und sie begann die Wand zu prüfen. Ja, da war etwas: Ein Loch, kleiner als ihre Faust. Das Loch weitete sich aus wie das letzte, als sie es antippte, und sie kroch hindurch, wobei sie fröstelte, als sie den rauen Nachtwind spürte.

Und als sie das Zeichen vor ihr sah, keuchte sie laut auf.