Die Entschuldigung

„Ah! Severus mein Junge, was führt dich zu so später Stunde noch zu mir?"

„Albus, ich muss mit dir reden!"

„Das habe ich stark vermutet, nachdem du kein Mann bist, der nur zu einem Kaffee-Tratsch mal vorbei schaut. Also worum geht es? Setz dich!" lud Dumbledore seinen Kollegen ein.

Professor Snape nahm Platz und sah Dumbledore ernst in die Augen. „Es geht um Harry Potter!"

„Oh ja, unser junger Mr. Potter. Scheint ein sehr neugieriger, aufgeweckter kleiner Junge zu sein. Seine anfänglichen Schwierigkeiten hatte er schnell überwunden. Die meisten aus dem Kollegium sind begeistert, wie offen, ehrlich und freundlich er ist" erzählte Dumbledore zufrieden.

„Ja, nur hat diese helle Fassade ein dunkles Geheimnis!" grummelte Snape. Er fand es beinahe unausstehlich, wie fröhlich der Direktor da saß und seelenruhig an einem Zitronenbonbon lutschte.

Nun blickte Dumbledore über seinen Halbmondbrillenrand, „Wovon sprichst du?"

„Davon, dass Harry von seinen Verwandten wahrscheinlich misshandelt wird!" knallte Snape ohne große Umschweife die Tatsachen auf den Tisch.

„Misshandelt? Das ist ein ziemlich grober Vorwurf."

„Das mag sein, aber ich bin mir sicher, dass ich Recht habe!"

Endlich wurde Dumbledore ernst. Er ließ die Schüssel mit dem Bonbons, die er gerade Severus anbieten wollte, wieder sinken und sah den Zaubertrankprofessor prüfend an. Dieser wirkte doch ziemlich aufgebracht und aus eigener Erfahrung wusste der Schuldirektor, dass Severus, wenn er einen Verdacht hatte, eigentlich immer richtig lag.

„Was hast du bis jetzt Handfestes herausgefunden?" wollte der Direktor wissen.

Severus seufzte „Ich habe Harry versprochen, mit niemanden darüber zu reden. Aber ich dachte ich sollte dich informieren. Was weißt du über die Muggeln, bei denen er wohnt?"

„Nicht viel. Ich dachte, die Tatsache, dass Petunia Dursley, die Schwester von Lily ist, sei ausreichend, um den Jungen ein sicheres Heim zu bieten. Durch Lilys selbstlose Liebe wurde uralte Magie freigesetzt und solange Petunia dem Jungen ein Zuhause gibt, wird dieser Schutz den Jungen und auch die Familie schützen. Severus, wenn du Recht haben solltest, dann habe wir wirklich ein Problem. Wir können den Jungen dort nicht einfach herausholen. Hat Harry denn von sich aus irgendetwas erwähnt?"

Professor Snape sah nun etwas gequält drein „Er hat Angst mit mir darüber zu reden. Du hättest sehen müssen, wie ich ihn gefragt hatte, ob er geschlagen wurde. Er hatte sich ganz klein vor mir gemacht und um Verzeihung gebeten, wie ein Hauself, der etwas Schlechtes über seinen Herrn gesagt hat!"

Dumbledore sah Severus nachdenklich an und seufzte „Ohne Beweise kann ich gar nichts tun!"

„Ich weiß!" schnaubte Snape frustriert.

„Selbst mit Beweisen, wird es nicht so leicht sein, den Jungen dort einfach rauszureißen. Das würde für bedeuten, jeglichen Schutz, den Harry dort findet, zu zerstören. Und jeder der sich des Jungen annehmen würde, würde ein enormes Risiko eingehen."

„Wenn Harry wirklich geschlagen wird, und davon gehe ich aus, auf Grund seines Verhaltens, dann ist es jedes Risiko Wert, diesen Zauber zu brechen!" sagte Severus entschlossen.

„Dennoch sind uns die Arme gebunden, solange keine Beweise vorliegen!"

„Und die werde ich kriegen. Ich lasse den Jungen nicht mehr dahin zurück!"

Nun zog Dumbledore eine Augenbraue überrascht hoch. Dumbledore hatte mit viel gerecht, aber nicht damit, dass Severus Snape sich um Harry Potter Sorgen machen würde.

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Doch Professor Snapes Zuversicht schwand in den nächsten Wochen, in denen Harry ihm geschickt aus dem Weg ging. Zu gerne hätte er mit den Jungen noch mal gesprochen. Aber es ergab sich keine Möglichkeit. Nicht einmal in Form einer Strafarbeit. Bis zu Halloween.

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„Ein Troll! Ein Troll. Im Kerker. Ich dachte Ihr solltet es wissen!" mit diesen Worten brach Professor Quirrel in der großen Halle zusammen.

Während alle zu schreien und kreischen anfingen, saß Harry da und fragte sich, was wohl los sei. „Was ist ein Troll?" fragte er seinen Freund.

„Glaube mir, das willst du nicht wissen!" sagte Ron etwas blass um die Nase.

Nachdem Dumbledore zur Ruhe gebotet hatte, reihten sich die Schüler Häuserweise geordnet auf, um die große Halle zu verlassen. Harry und Ron waren schon am halben Weg zum Gryffindorturm, als Harry seinen Freund am Ärmel zupfte.

„Hermine!" wisperte Harry aufgeregt.

„Was ist mit ihr?" fragte Ron etwas verärgert. Er und das Mädchen hatten einen kleinen Streit gehabt.

„Sie weiß nichts von dem Troll! Und sie ist ganz alleine!"

„Du willst doch jetzt nicht umdrehen?" fragte Ron geschockt. Doch Harry antwortete nicht, sonder sprintete Richtung Mädchenklo davon.

Ooo

„Ist er... tot?" fragte Hermine mit zittriger Stimme.

„Nein, er ist nur KO gegangen!"

„Iiiiiii Trollrotz!" sagte Ron angeekelt, als Harry seinen Zauberstab aus der Nase des Trolls zog und dabei schleimige Fäden zog.

Harry sah nicht weniger angeekelt drein. Er wischte den gröbsten Dreck am Hemd des Trolls ab.

Plötzlich hörten sie Schritte und ein entsetzten Aufschrei. „Du meine Güte!"

Professor Mc Gonagall kam herein gestürmt und hielt sich nun die Hand über ihre Brust. Dicht hinter ihr tauchten Professor Quirrell und Professor Snape auf.

Während Hermine eine erlogene Antwort stammelte, die Ron und Harry besser da stehen ließ, als wahr war, fiel Harrys Blick auf Professor Snapes blutige Bein. Erschrocken sah er auf und suchte den Blick des Professors. Der jedoch sah Harry finster an und ließ den Umhang schützend über sein Bein zurück gleiten.

Noch bevor einer der beiden etwas sagen konnte, wandte sich Professor Snape ruckartig von Harry ab und hörte mit Unglauben zu, wie Professor Mc Gonagall den Jungs für ihr unverschämtes Glück auch noch Punkte gab.

Auch Harry sah die Professorin überrascht an. Damit hatte er nicht gerechnet.

Schließlich wurden die Kinder aus der Toilette gescheucht und in ihren Gemeinschaftraum geschickt. Professor Snape jedoch ließ eine Hand auf Harrys Schultern gleiten und meinte, „Auf ein Wort, Mr. Potter!"

„Severus. Die Kinder gehören ins Bett!" mahnte Mc Gonagall.

„Keine Sorge, Minerva. Ich werde mich persönlich darum kümmern, dass Mr. Potter heil in seinen Gemeinschaftsraum zurück kommt!"

Harry schüttelte seine Schulter, in der Hoffnung sich von Snapes Arm zu befreien, jedoch mit dem Erfolg, dass der Professor Harry nun am Arm packte und mit sich zog.

Professor Snape wusste, dass Hermines Geschichte nicht stimmen konnte und er war entschlossen die Wahrheit heraus zu finden.

„Setz dich!" befahl Snape und wies Harry auf einen Sessel, kaum dass Sie Snapes Büro erreicht hatten.

Harry setzte sich und sah zu wie der Professor um seinen Schreibtisch herum humpelte.

„Was ist mit Ihrem Bein?" fragte Harry neugierig.

„Nichts was dich etwas angehen würde."

Harry nickte etwas enttäuscht. Nach einer Pause jedoch fragte Harry „Warum bin ich hier?"

„Weil ich die wahre Geschichte hören möchte und nicht die meine tapferen zwei Helden Version!"

Harry runzelte die Stirn, „Na ja, Hermine war nicht beim Abendessen und als wir von dem Troll erfuhren, wollten wir zu ihr, um sie vor dem Troll zu warnen und da haben wir gesehen, wie der Troll in das Mädchenklo ging!"

„Woher wusstet ihr, in welchem Klo eure Freundin war?"

„Wir haben es beim Abendessen erfahren."

„Und warum sollte Miss Granger so lange auf der Toilette sein, dass sie ihr Abendessen verpasst?"

„Sie war traurig, Sir. Es gab einen Streit!" gab Harry Auskunft und ließ den Kopf hängen.

„Einen Streit?" wiederholte Professor Snape.

„Ja. Ron hat etwas nicht sehr Nettes gesagt und sie ist abgerauscht und hatte sich im Klo verschanzt."

„Und dann wolltet ihr es wieder gut machen und sie vor dem Troll warnen!"

„Wir konnten sie doch nicht Stich lassen!"

„Wieso habt ihr es nicht eurem Vertrauensschüler oder einem Lehrer gesagt?"

„Wir dachten, der Troll sei im Keller und wollten nur schnell Hermine holen!"

„Und als ihr gesehen habt, dass der Troll nicht im Keller war, wieso seid ihr dann nicht zu einem Lehrer gegangen?"

„Hermine hatte geschrieen. Wir durften keine Zeit mehr verlieren. Wir hatten Angst, der Troll würde sie töten!"

„Und so dachtet ihr, besser wir sterben zu dritt?"

Harry klappte den Mund zum Protest auf, doch Snape ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Du hast keine Ahnung, was euch hätte passieren können. Ihr ward leichtsinnig und es hätte euch dreien das Leben kosten können."

Harry ließ den Kopf hängen. Das stolze Glücksgefühl, das er gefühlt hatte, nachdem er und Ron den Troll überwältigt hatten, war mit einem Schlag verschwunden.

„Sieh mich an!" zischte Snape.

Ein Fünkchen Rebellion und Trotz flackerte nun in den grünen Augen auf „Es tut mir Leid, Sir. Aber wir lassen keinen Klassenkameraden im Stich."

„Ach nein? Und wieso lässt ihr sie auf der Toilette heulen, während ihr genüsslich zu Abend esst?"

Harry schluckte. Da war was dran. Aber sie hatte doch erst beim Abendessen erfahren, dass sich Hermine zurückgezogen hatte.

„Wie kommt es dann überhaupt soweit, dass eure Klassenkameraden heulend auf der Toilette sitzen?" fragte Snape weiter.

Geschlagen ließ Harry wieder den Blick sinken. Es war unfair, dass der Professor ihn beschuldigte, wo es doch Ron war, der Hermine beleidigt hatte.

„Was..." fing Harry an, doch sein Hals war seltsam trocken, „Was haben Sie jetzt mit mir vor?"

Etwas überrascht über die Frage ließ Snape eine Augenbraue in die Höhe wandern. „Was soll ich vorhaben? Ich unterhalte mich mit dir!"

Unsicher sah Harry wieder auf. „Aber wegen Hermines Lüge!"

„Miss Granger ist nicht meine Sorge. Wenn Professor Mc Gonagall von ihr Punkte abzieht und euch welche gibt, dann ist das auch nicht mein Problem. Aber du, junger Mann, bist mein Problem!"

„Wieso?" fragte Harry etwas ängstlich und neugierig zugleich „Ich bin auch ein Gryffindor!"

„Ja, für wahr! Aber ich kannte deine Mutter!"

„Ehrlich?" fragte Harry nun mit großen Augen.

„Ehrlich! Und sie wäre sicher maßlos enttäuscht, wenn sie wüsste, wie leichtfertig du mit dem Leben umgehst, für dass sie sich geopfert hat!"

Dieser Satz tat mehr weh, als alles, was Harry je an Beschimpfungen von den Dursleys über sich hatte ergehen lassen müssen. Harry schloss die Augen und ließ sich von Schuldgefühlen und Scham überrollen. Tränen drängten nach außen und fanden bald ihren Weg über die Wangen des Jungen.

Dennoch fand er den Vorwurf ungerechtfertigt. Er wollte doch nur Leben retten, wieso war das so falsch? Ohne Ron und ihm wäre Hermine jetzt vielleicht tot.

Stoisch kratzte Harry seinen letzten Stolz und Mut zusammen und suchte wieder Snapes Blick, „Sie wissen gar nicht, Sir!" flüsterte er und stand auf. Er war im Begriff zu gehen, da legte sich Snapes Hand erneut auf Harrys Schulter. Harry wich auf die Seite aus und schüttelte die Hand ab.

„Was weiß ich nicht?" wollte Snape wissen. Sein strenger Ton war jedoch nicht gerade die beste Wahl.

Harry warf ihm nur einen gekränkten Blick zu, dann fragte er mit ungeduldiger Stimme „Darf ich gehen, Sir?"

Der Professor studierte den Jungen vor sich und langsam wurde ihm bewusst, welchen Fehler er getan hatte. Er hätte Lily nicht in das Gespräch einbringen dürfen. Es stand ihm bei Merlin nicht zu, im Namen von Lily zu sprechen.

Er schallte sich innerlich. Wieso hatte er das überhaupt gesagt? Wollte er damit Harry in irgendeiner Weise beeindrucken? Gerade als er zu einer Entschuldigung ansetzt wollte, bemerkte er, dass Harry schon gegangen war.

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Der Junge hatte die lange Schweigepause als „Ja" interpretiert und eilte nun zum Gemeinschaftsraum hoch. Als er Abstand zwischen sich und dem Professor gewonnen hatte, traf ihm die Wucht der Worte erneut. Das letzte was er wollte, war, dass seine Mutter von ihm enttäuschen sein würde.

Als er im Gemeinschaftsraum ankam, warteten Hermine und Ron schon nervös.

„Harry!" rief das Mädchen entsetzt, als sie die Tränspuren sah.

„Was hat dieser Bastard gemacht?" fragte Ron sofort und legte Harry einen beschützenden Arm um die Schulter.

Doch Harry war noch nicht fähig darüber zu sprechen. Er ließ sich auf dem Sofa vor dem Kamin nieder und schlag seine Arme um die hochgezogenen Knie.

„Harry?" fragte Hermine nun etwas sanfter und ging vor den aufgelösten Jungen in die Hocke.

Harry sah dem Mädchen in die Augen und ihm wurde klar, dass er, egal was Snape dachte, was seine Mutter von ihm halten würde, richtig gehandelt hatte. Das waren seine Freunde. Seine ersten Freunde. Was gab es Wichtigeres, als sie zu beschützen?

„Snape ist ein Bastard!" sagte Harry schließlich und wischte sich mit dem Ärmel über die Wangen und die Tränenspuren zu trocknen.

„Das sag ich doch schon seit der ersten Stunde!" bestätigte Ron die Aussage seines Freundes.

„Ja, ich weiß. Ich dachte nur...!" Harry beendete den Satz nicht.

Nach seiner ersten Strafarbeit hatte er wirklich geglaubt, Professor Snape wäre anders, als die anderen Erwachsenen. Aber jetzt war er sich da nicht mehr so sicher. Und im Nachhinein war er froh, dass er Snape nichts über Onkel Vernon erzählt hatte. Denn wenn Snape, so wie alle anderen Erwachsenen war, dann würde er ihm nicht helfen, sondern alles nur schlimmer machen.

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Harry hatte eine unruhige Nacht. Ron wachte von dem Gemurmel seines Freundes auf. „Professor Snape, Sir, bitte! – Nein, bitte nicht – Ich war das nicht – Bitte – Mum, es tut mir Leid – Nein, nicht – geh nicht – es tut mir Leid"

Ron sprang aus seinem Bett und schüttelte Harry bis dieser erschrocken aufwachte. „He, schschsch, Ich bin es, Ron!" flüsterte Ron.

Harry atmete erleichtert durch. Dann sah er Ron entschuldigend an, „Es tut mir Leid, dass ich dich geweckt habe!"

„Schon gut" versicherten Ron, „Magst du darüber reden?"

Harry schüttelte den Kopf.

Ron sah seinen Freund besorgt an, „Du, du hast Snapes Name erwähnt. Was hat er gestern mit dir gemacht?"

Müde schüttelte Harry den Kopf, „Gar nichts. Er hat nur geschimpft und mir erklärt, wie dumm es war, den Troll selber zu erledigen, ohne einen Erwachsenen Bescheid zu geben!"

„Aber du hast geweint!"

„Er hat ein paar nicht nette Sachen gesagt!"

„Er hat dich nicht geschlagen, oder so was?"

Nun lächelte Harry schwach. „Nein, Ron. Er hat mich nicht geschlagen. Er hat nur Worte gewählt, die weh getan haben!"

„Verrätst du sie mir?" fragte Ron vorsichtig.

Harry seufzte, dann richtete er sich im Bett auf. „Er sagte, er kannte meine Mutter und er sagte meine Mutter wäre enttäuscht von mir!" Als Harry das sagte, verkrampfe sich sein Herz erneut.

Ron hatte einen grimmigen Blick aufgesetzt „Dieser Bastard. Was weiß der schon über deine Mutter? Genauso gut kann ich behaupten, sie wäre mächtig stolz auf dich, dass du im ersten Schuljahr einen Troll besiegt hast!"

„Es war trotzdem leichtfertig. Wir hätten drauf gehen können!" gab Harry zu.

„Und Hermine? Wir konnten sie doch nicht im Stich lassen, oder? Sie wäre alleine, mit Sicherheit draufgegangen. Zu Dritt hatten wir eine gute Chance, wie wir ja gesehen haben. Wir waren ein gutes Team! Es war richtig Hermine zu helfen. Wir haben doch auch Punkte von Mc Gonagall bekommen. Also kann dieser Bastard sagen was er will! Er ist nur ein schleimiger verlogener Slytherin. Er versteht nichts von Gryffindors Ehre, Mut und Stolz!"

Nun musste Harry schmunzeln. Rons positive Energie war irgendwie ansteckend. „Danke!" hauchte er mit glasigen Augen.

„Hey es ist fast sieben, wollen wir nicht aufstehen und frühstücken? Dann haben wir noch ein bisschen Zeit vor der ersten Stunde."

„Ja, okay!"

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„Mr. Potter!" ertönte eine Stimme kurz nachdem Harry und Ron nach dem Frühstück aus der großen Halle stürmten.

Harry blieb erschrocken stehen und drehte sich um. Professor Snape kam gerade auf sie zu. Sein Gesicht in einer undefinierbaren Maske.

„Sir?" fragte Harry.

„Wir müssen reden! Ich würde mein Büro vorschlagen."

Ron der bisher neben Harry stand, ging nun instinktiv einen Schritt vor und schob sich etwas vor seinen Freund. „Worum geht es?" ergriff er das Wort noch bevor Harry reagieren konnte.

Snape ließ eine Augenbraue hoch wandern. Unter anderen Umständen, hätte er die provokativ gestellte Frage mit einen ‚das geht Sie nichts an' beantwortet, aber Snape war nicht dumm und er hatte ein gutes Gedächtnis und er erinnerte sich noch gut daran, als Harry sich einmal zur Strafarbeit verspätet hatte. Als Harry erwähnte, er wäre von einem Freund aufgehalten worden, hatte die Augen des Jungen geleuchtet, als wenn er noch nie einen Freund gehab hätte.

„Na schön, Mr. Weasley. Sie können mitkommen!"

Harry und Ron tauschten verwunderte Blicke. Beide hatten damit gerechnet, dass Snape Ron für die Bemerkung anfahren würde.

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Nachdem die beiden Jungs Platz genommen hatten, setzte sich Snape ebenfalls und sah zwischen den beiden hin und her. Doch schließlich blieb sein Blick an Harry hängen und er holte kaum hörbar Luft für das, was er nun sagen musste.

„Harry, es tut mir Leid, falls ich dich gestern verletzt haben sollte. Es stand mir nicht zu, zu behaupten, was deine Mutter von dir denken würde. Ich war nur erschrocken darüber, dass ihr drei alleine mit einem Troll in einem Raum wart. Merlin weiß, wie ihr es geschafft habt zu überleben."

Während Harry schwach lächelte. Traten bei Ron die Augen aus dem Kopf. Der konnte nicht fassen, was Snape da eben sagte. Weder die Worte noch die Tonwahl mit der er zu Harry sprach.

„Dennoch!" setzte Snape noch eins nach, „Erwarte ich von euch beiden. Dass ihr euch an einen Vertrauensschüler, oder einen Lehrer wendet, bevor ihr euch erneut in ein Abenteuer werft. Auch wenn Ms Granger in Gefahr war, gibt euch das nicht das Recht, sich gegen Regeln zu stellen und euer eigenes Leben in Gefahr zu bringen. Nachdem ich nicht euer Hauslehrer bin belasse ich es diesmal bei einer Verwarnung. Sollte ich euch noch einmal dabei erwischen, dass ihr euch in Gefahr begebt, anstatt einen Lehrer zu informieren, dann werde ich gezwungen sein, dafür zu Sorgen, dass das nicht mehr vorkommt. Sich drehende Treppen werden nicht mehr als Ausrede akzeptiert! Verstehen wir uns?"

„Ja, Sir!" kam es im Chor.

„Ihr dürft gehen!" sagte Snape schließlich und war stolz, dass er zu der peinlichen Entschuldigung, noch eine autoritäre Mahnung einbauen konnte. Womit sein Ruf nicht ganz beschädigt war.

Dennoch, als Ron und Harry aus Snapes Büro eilten, sah Ron seinen Freund überrascht ab. „War das wirklich Snape?"

Harry nickte und grinste.

„Der Snape?"

Wieder nickte Harry.

„Ich glaub's nicht. Hast du gehört, was er gesagt hat? Er hat sich entschuldigt?"

„Ja, ich habe es gehört. Ich war dabei!" erinnerte Harry.

„Wow. Das glaubt mir keiner! Und du bist dir sicher, dass es der echte Snape war? Ich meine, du hast schon mehr Zeit mit ihm verbracht, als ich. Also kannst du das sicher besser beurteilen!"

Harry rollte mit den Augen. „Ist gut Ron. Es war wirklich Professor Snape."

„Aber-"

Harry musste nun zu lachen anfangen. Rons verdutze Gesicht war einfach zu komisch.