Severus schoss von seinem Stuhl hoch, sobald die Tür hinter Harry ins Schloss gefallen war und versiegelte die Tür.

Verwirrt und aufgebracht lief er in seinem Büro auf und ab. Seit wann fantasierte er von James? Er hasste diesen Mann, der ihm all die Gräueltaten während deren gemeinsamer Schulzeit angetan hatte. Er blieb mitten im Raum stehen und fuhr sich nervös durch die Haare.

Er atmete tief durch und versuchte sich zu beruhigen. Seufzend ging er in seine Gemächer, zog sich aus und stieg unter die Dusche. Er machte das Wasser an und flüchtete fluchend vor dem eiskalten Nass. Schnell drehte er das warme Wasser weiter auf und wartete ungeduldig darauf, dass es eine angenehme Temperatur angenommen hatte.

Das Wasser prasselte auf seinen Rücken, als er sich mit den Händen an der Wand abgestützt unter den Strahl stellte.

Er schäumte sich die Haare und den Körper ein und wusch sich den Schaum mit groben Bewegungen ab. Immer wieder kehrten seine Gedanken zu dem schwarzen Haar zurück, auf das er in seiner Fantasie geguckt hatte. Er ließ sich an der Wand runter rutschen, zog die Beine an, legte die Arme verschränkt auf seine Knie und ließ seine Stirn auf seine Arme sinken.

Das Wasser lief ihm über den Nacken und an seinem Gesicht entlang. Das Wasser stieg in der kleinen Wanne gemächlich an, da er den Abfluss verschloss.

Er dachte an seine Schulzeit zurück, an die Liebe, die er für Lily empfand und an den Hass, den er in ihren Augen sah, als er sie aus Hilflosigkeit und Wut ein Schlammblut nannte. Seine Gedanken wanderten zu den Rumtreibern, die ihm unendlich viele Streiche gespielt und ihn die ganzen Jahre gequält und gedemütigt hatten. Und auch wenn Lupin sich nie direkt an ihm vergriffen hatte, so hatte er seine Freunde auch nie ehrlich davon abhalten wollen, ihn als ein Spielzeug zu betrachten.

Er fühlte noch heute das beängstigende Gefühl, als Potter ihn über Kopf in der Luft schweben ließ und die Demütigung, als Sirius ihm die Hosen runter zog. Er hörte deutlich Pettigrews grässliches Lachen und sah seine vor Freude verzogene Fratze vor sich.

Wütend wischte er sich die Tränen aus den Augen, die sich mit dem Wasser der Dusche zu vermischen drohten. Er drehte den Hahn zu und stieg aus der Dusche. Er saß so lange unter dem Wasserstrahl, dass das helle Badezimmer komplett geflutet wurde. Fluchend nahm er seinen Zauberstab von der Kommode und ließ das Wasser, dass mittlerweile bis in sein Wohnzimmer gelaufen war, verschwinden.

Severus starrte in die erloschene Glut im Kamin. Er saß in einem dunkelgrünen Ohrensessel und hatte die neueste Ausgabe von Höchst potente Zaubertränke aufgeschlagen auf seinem Schoß liegen. Erfolglos hatte er versucht, sich von seinen depressiven Gedanken abzulenken, indem er, wie jeden Abend, Zaubertrankbücher durcharbeitete und die Rezepturen und Herstellungsverfahren verbesserte, so wie er es mit Zaubertränke für Fortgeschrittene getan hatte.

Nachdem er beim ersten Trank die Zutatenliste mehrfach durchgegangen war und nicht immer noch nicht verstanden hatte, was in den Trank sollte, legte er das Buch weg und gab seine Bemühungen auf.

Stattdessen versuchte er seinen Geist hinter einer Mauer einzusperren und seine Fantasien zu verdrängen.

Er stand auf, ging zu einem kleinen, schwarzen Schränkchen mit Schlangenschnitzereien an den Kanten und goss sich ein Glas Feuerwhisky ein. Er lehnte sich an die Wand neben das Möbel, nahm einen großen Schluck und verzog das Gesicht, als die rötliche Flüssigkeit brennend seine Kehle hinunter lief.

Augenblicklich fühlte er, wie das Getränk seine Wirkung tat. Die Lustlosigkeit und die Verzweiflung wichen einem Gefühl neuen Mutes und so beschloß er, seine Fantasie einfach zu vergessen.

Es war nur ein Produkt des anstrengenden und nervenaufreibenden Tages gewesen.

Nachdem er zur Sicherheit noch eine kleine Phiole Trunk des Friedens geleert hatte, legte er sich in sein Bett und hoffte auf eine traumlose Nacht.

Stöhnend schlug Severus die Augen auf. Im Zimmer war es dunkel. Er lag mit dem Gesicht zur Wand und war in seine Deckel gewickelt. Mühsam versuchte er, sich aus seinem Gefängnis aus Stoff zu befreien und wälzte sich dazu auf die andere Seite.

Endlich bekam er eine Hand frei und ließ sie von sich gestreckt auf das Bett fallen.

Er zuckte zusammen, als seine Hand nicht, wie erwartet, das Laken berührte, sondern auf dem Körper eines tief schlafenden Menschen landete. Panisch stand er auf und stellte sich Schutz suchend an die Wand.

Ein leises Stöhnen ging von der Person in seinem Bett aus, dann regte sie sich ein hatten sich seine Augen an die Dunkelheit im Raum gewöhnt, so dass er erkennen konnte, wie sich der Fremde langsam zu ihm umdrehte und suchend auf seiner Seite des Bettes tastete.

„Severus?" Er bekam Gänsehaut am ganzen Körper bei dem Klang, wie sein Name ausgesprochen wurde. „Severus, wo bist du?" Lily letzte sich auf und schaute sich im Zimmer um. Ihre roten Haare fielen verwuschelt in ihr müdes Gesicht. Ihre Augen richteten sich auf ihn und ein Lächeln trat auf ihr Gesicht. „Severus, Schatz, warum stehst du denn an der Wand? Hattest du schon wieder einen Alptraum?"

Noch bevor Severus reagieren konnte, kroch sie aus dem Bett, ging mit ausgestreckten Armen auf ihn zu und umfasste sanft seine Hände. Sie legte seine Arme um ihre Hüften und kuschelte sich an ihn. Er vergrub seine Nase in ihre Haare und genoss die Wärme und den Geruch, der von ihr kam.

Es kam ihm wie eine Unendlichkeit vor, bis Lily sich von ihm löste und ihn zurück ins Bett holte.

Sie legte sich mit dem Rücken zu ihm gewandt ins Bett und kuschelte sich eng an ihn. Zögerlich legte er einen Arm um ihre Hüfte und zog sie noch ein wenig näher an sich.

Er hörte, wie Lily kicherte. „Was ist so lustig?"

„Du bist wirklich unersättlich.", bekam er als Antwort. Verwirrt beobachtete er, wie Lily sich ihm erneut zuwandte und ihm zärtlich eine lange, schwarze Strähne aus der Stirn schob. Sie kniete sich hin, gab ihm einen Kuss und zog die Decke von ihm.

Sie rutschte ein Stück runter und ließ einen Finger am Rand seiner Boxershorts entlang wandern, ehe sie den Saum packte und sie ihm auszog.

Sie kletterte elegant zwischen seine Beine, beugte sich über seinen Körper und gab ihm einen weiteren, leidenschaftlicheren Kuss. Ungläubig schloss Severus die Augen und versuchte, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob das hier Realität war oder nicht.

Schon bald hatte sein Kopf sich ausgeschaltet und alle Zweifel waren vergessen, als Lily mit ihrem Mund seinen Körper erkundete. Sie bahnte sich küssend einen Weg seinen Hals entlang und blieb einige Augenblicke bei seinen Brustwarzen.

Ein wohliger Schauer überlief ihn, als sie sanft daran saugte und ihren Weg zu seinen Hüften und weiter seine Beine entlang bis zu seinen Knien suchte.

Dort verharrte sie für einen kurzen Moment und begab sich dann an der Innenseite seiner Beine wieder aufwärts.

Severus stöhnte leise, als ihr Mund seine Mitte fand.

Er öffnete seine Augen und legte seine Hände um ihren Kopf, um ihr den richtigen Rhythmus zu zeigen. Er hob seinen Kopf und richtete seinen Blick auf den Kopf zwischen seinen Beinen. Ein schwarzer Haarschopf bewegte sich in gleichmäßigem Takt auf und ab.

Severus wurde von seinem eigenen Schrei geweckt. So viel zum traumlosen Schlafen.

Er stand auf und machte sich einen Tee. Mit der dampfenden Tasse in der Hand setzte er sich wieder vor den Kamin und entzündete ein prasselndes Feuer. Die Hitze der Flammen schlug ihm ins Gesicht, doch das war ihm egal.

Er trank vorsichtig einen Schluck seines Tees und stellte die Tasse neben sich auf den Abstelltisch. Auf dem kalten Steinboden wurden seine nackten Füße schnell kalt.

Er entschloss sich eine schnelle Dusche zu nehmen und dann den Unterricht des heutigen Tages vorzubereiten.

Mit Erleichterung stellte er fest, dass heute Freitag war. Am Wochenende würde er wider seiner Gewohnheiten in sein Manor gehen und die Erinnerungen des gestrigen Tages vergessen.

Die Stunden zogen sich endlos hin, bis endlich die letzte Doppelstunde Zaubertränke auf dem Plan stand. Zu seinem Leidwesen hatte Severus dieses Potterbalg zu unterrichten.

Statt wie immer mit wehendem Umhang in die Klasse zu kommen, saß er bereits hinter seinem Schreibtisch, als die ersten Schüler den Raum betraten. Heute würde er keine Lust dazu haben, sich von Potter und seinem Gefolge die Nerven rauben zu lassen.

Nachdem alle Schüler saßen, schwenkte er seinen Zauberstab und ließ auf der Tafel hinter ihm das Rezept für einen Stärkungstrank erscheinen.

„Fangen Sie an.", kam als einzige Anweisung von ihm.

Erstaunt über sein Auftreten, gingen die Schüler tuschelnd zu den Vorräten und nahmen sich, was sie brauchten.

„Die Fledermaus hatte wohl einen schlechten Tag.", nuschelte Ron, als er und Harry wieder vor ihren Kesseln standen. Severus horchte auf und wartete auf die richtige Gelegenheit.

„Er hat bestimmt von seiner geliebten Fledermausfrau einen Korb bekommen.", kicherte Harry und linste verstohlen zu seinem Professor.

Der war bereits aufgestanden und auf dem Weg zu ihrem Tisch. „Wollen Sie das nicht noch mal laut wiederholen, damit die ganze Klasse was zu lachen hat?", fragte er mit übertriebener Freundlichkeit.

Rons Gesichtsfarbe wechselte innerhalb von Sekundenbruchteilen in ein leuchtendes Rot, während Harry Severus stur in die Augen blickte.

„Wir haben uns nur über das Liebesleben der Fledermaus unterhalten, Professor."

„Ich hoffe, dass Ihnen bewusst ist, dass Fledermäuse erstaunlich gute Ohren haben. Sie bekommen beide zehn Punkte abgezogen."

Er drehte sich um und schlenderte durch die Reihen, kommentierte hier und da die Arbeiten der anderen Schüler, behielt dabei den Tisch von Potter und Weasley immer im Auge.

Das Ende der Stunde näherte sich, ohne dass es weitere Vorfälle gab. Severus saß mittlerweile wieder an seinem Schreibtisch und arbeitete Höchst potente Zaubertränke weiter durch.

Er zeichnete gerade ein, wie man eine Zutat besser zerkleinern konnte, als ein lauter Knall die Schüler aufschreien ließ.

Er hob eilig den Kopf und ließ seinen Blick durch die Klasse wandern, um die Quelle des Lärms ausfindig zu machen. Als erstes suchten seine Augen Neville Longbottom, aber als er sah, dass er nicht der Verursacher war, sah er zu Seamus Finnigan, doch von ihm kam es nicht. Überrascht wanderte sein Blick über die Slytherins bis zum Tisch von Harry und Ron.

Aus Harrys Kessel quoll violetter Rauch, der auf den Boden sank und sich in der ganzen Klasse verteilte.

Severus stand in einer einzigen fließenden Bewegung auf und eilte zu dem Kessel. Er blickte kurz hinein und wusste, dass Potter mal wieder nicht in der Lage gewesen war, die Zutaten exakt abzuwiegen.

„Potter!", zischte er gefährlich.

Harry ließ den Kopf nach oben schnellen und ließ sich seine Unsicherheit nicht anmerken. Er hatte dunkle Ränder unter den Augen und vermied es, seinem Professor zu lange in die Augen zu gucken.

„Würden Sie nachts öfter ihr Bett hüten, statt im Schloss auf Wanderschaft zu gehen, wären Sie vielleicht besser in der Lage, die Zutaten vernünftig abzuwiegen.

Sie bekommen noch mal zehn Punkte abgezogen. Außerdem dürfen Sie am Montag um 18 Uhr bei mir Nacharbeiten. Dann lernen Sie vielleicht endlich, wie man verantwortungsvoll mit den Ingredienzien umgeht. Machen Sie diese Sauerei weg. Der Rest kann gehen."

Severus setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch und ging erst, als Harry mit der Säuberung des Klassenzimmers fertig war.