Kapitel 4: Kämpfe

Prinz Jonathan klopfte an die Tür. „Alan, ich muss mit dir sprechen!" Hinter der Tür blieb alles still. „Alan? Alan, bist du da?" Doch niemand antwortete. Wahrscheinlich ist er auf den Trainingshöfen. Naja, ich könnte auch mal wieder ein paar Übungsstunden gebrauchen.

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Alanna hieb mit ihrem Schwert auf die Strohpuppe ein, als jemand ihren Namen rief. „Hey Alan, sachte, sachte…die Puppe hat auch Gefühle. Was ist denn los mit dir?"

„Hallo Raoul, ach ich muss mal ein bisschen Dampf ablassen. Na, wie wär´s? Lust auf einen kleinen Schwertkampf?" „Gegen dich?!?...Nee, lass mal, da verlier ich ja eh nur. Ich bin eigentlich nur auf dem Weg zu einem Rendezvous mit Lady Sofia." Er zwinkerte ihr verschwörerisch zu.

„Oh, und ich glaube da kommt genau der Richtige für deinen Kampf… Auf ihn bist du doch sauer, oder?" Und er deutete hinter Alanna auf den näher kommenden Jonathan. „Gib´s ihm ordentlich, so wie er auf dem Ball mit dir umgegangen ist, hat er es verdient!" Damit ging Raoul davon.

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„Alan, es tut mir Leid, was gestern passiert ist!", sagte Jon als er nah genug war. Alanna hob ihr Schwert und griff an. Jon blieb nichts anderes übrig als zu parieren.

„Ich glaube dir kein Wort! Du benimmst dich schon seit Wochen wie ein Idiot, ich hab keinen Bock mehr mich von dir herumkommandieren zu lassen." Und sie führte eine komplizierte Kombination gegen ihn aus. „Ich hab deine ewigen Launen satt."

„Ich hab doch gesagt es tut mir Leid, es wird nicht wieder vorkommen!" „Pah, das glaubst du doch selbst nicht. Ich verstehe dich nicht. Du gehst jede Woche mit einer anderen Dame aus, aber wenn ich einmal mit einer tanze…"

„Willst du damit etwa sagen, ich benutze die Damen nur?" Langsam wurde Jon sauer und er hieb wütend mit seinem Schwert auf Alanna ein. Diese konnte nicht parieren und wich überrascht zurück, stolperte dabei aber über einen Stein und fiel rücklings zu Boden. Jons Schwert verfehlte sie nur knapp. „Alan!", Jon schrie entsetzt auf.

„Geht es dir gut? Ist alles in Ordnung?" er beugte sich über sie, strich ihr über die Stirn und schaute ihr in die Augen. Alanna merkte plötzlich wie nah er ihr war und ein Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit.

„Alan, bist du ok?" Jon stützte sie beim Aufstehen. Alanna schüttelte seine Hand von ihrer Schulter. „Ja, es ist alles in Ordnung.", sagte sie mürrisch. „Und du musst dir übrigens keine Sorgen machen, ich bin an deinen Damen nicht im Geringsten interessiert!" Und sie rannte den Berg hinauf zurück zum Schloss.

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Jon blieb verlassen auf dem Trainingshof zurück.

Was war da gerade passiert? Er wollte Alan doch nie verletzen! Er konnte jetzt noch spüren wie Alan gezittert hatte als er ihm aufgeholfen hatte. Sein Knappe war ihm noch nie so verletzlich vorgekommen wie in diesem Moment. Am liebsten hätte er ihn in den Arm genommen und getröstet, aber Alan hatte seine Hand weggeschüttelt. Wie traurig seine Augen ausgesehen hatten!

In diesem Augenblick zerbrach etwas in Jon, er schämte sich für sein Verhalten Alan gegenüber und gleichzeitig war da ein warmes Gefühl in seiner Brust. Er wollte, dass Alan ihm verzieh. Er wollte ihn umarmen, seine weiche Haut streicheln, in diese unendlich tiefen violetten Augen schauen und seine warmen Lippen küssen. Er liebte Alan, liebte ihn mehr als irgendetwas anderes auf der Welt, das wurde ihm jetzt klar.

Doch im nächsten Moment schalt er sich einen dummen Narren. Alan ist ein Junge und mein Knappe dazu, ich kann ihn nicht lieben! Bei diesem Gedanken schlug er hart mit der Faust gegen die Wand und sank kraftlos auf den Boden.

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Alanna warf sich weinend auf ihr Bett. Ich hasse ihn, ich hasse ihn, er bedeutet mir nichts.

Immertreu sprang zu ihr aufs Bett. „Hört, hört, große Worte für so ein kleines Persönchen wie dich!" „Lass mich in Ruhe, du blödes Vieh." „Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen? Streit mit deinem Prinzen?" Alanna schnaubte. „Der kann mir gestohlen bleiben. Ich brauche ihn nicht, ihn und seine ewigen Stimmungsschwankungen. Soll er doch zu seinen Damen gehen!" Immertreu gab ein Miauen von sich, als wolle er lachen. „Das klingt mir eher als sei da jemand eifersüchtig!" Alanna warf ein Kissen nach ihm. „Worauf sollte ich denn eifersüchtig sein? Ist mir doch egal, was er macht!" „Na, wenn du meinst.", sagte Immertreu und sprang vom Bett.

Alanna setzte sich an ihren Schreibtisch um ihre Hausaufgaben fertig zu machen. Sie versuchte nicht mehr daran zu denken, was eben auf dem Trainingshof passiert war, aber dieses Gefühl, dass sie durchschossen hatte, als Jon sie berührt hatte, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Alles Hirngespinste, da war überhaupt nichts! Und jetzt hör endlich auf dir darüber den Kopf zu zerbrechen, es wartet noch eine Menge Arbeit. Stöhnend griff sie sich das erste Blatt vom Stapel ihrer Aufgaben.