A Moment in Time

übersetzt von TiaAgano

DISCLAIMER: siehe Kapitel 1

A/N: Okay, ist wieder viel zu lange her, sorry. Darüber hinaus hab ich auch noch vergessen, wem ich bereits auf sein Review geantwortet hatte und wem nicht, daher sorry noch mal an alle, die vergeblich auf Antwort gewartet haben. Aber vielen Dank für die Reviews Leute, ich hab mich wirklich sehr gefreut. Und jetzt ohne viel weiteres Geschwafel ab zum nächsten Kapitel!


Kapitel 4 - Loyalität

Beinahe vollständig erholt von den Strapazen der letzten zwei Tage konnte Draco den Tagesanbruch kaum erwarten und verlies das Bett bereits im Morgengrauen. Nach einer raschen Dusche zog er sich die bereits bereitgelegten schwarzen Jeans, sowie den grauen Kaschmirpullover an, ergriff die zwei schon vor Tagen gepackten Taschen, holte einen kleinen Stein aus seiner Hosentasche und rief „Loyalität". Innerhalb von Sekunden war alles, was von dem blonden, jungen Mann in der Wohnung zurück blieb ein leichter Hauch seines teuren Eau de Cologne.


In dem kleinen Studioappartement angekommen, das er bereits eine Weile im Voraus gemietet hatte, nahm sich Draco einen Moment lang Zeit um sich umzusehen. Das Appartement bestand eigentlich aus nur einem einzigen Raum, der als Schlafzimmer, Ess- und Wohnzimmer und als kleine Küche diente. Die Tür in der Wand neben dem Bett führte wohl ins Badezimmer. Nach genauerer Erkundung stellte er fest, dass auch die Küche vollständig aufgefüllt wahr, genau wie abgesprochen. Im großen und ganzen war die Wohnung nichts besonderes, aber sie würde ihren Zweck mehr als erfüllen.

Nach einem weiteren schnellen Blick durch den Raum blieb Dracos Blick an der zusammengerollten Person auf dem großen Doppelbett hängen. Erleichterung darüber, dass Harry tatsächlich bei ihm war - in Sicherheit -, durchflutete ihn. Leise schritt Draco näher an das Bett heran um Harrys Erscheinungsbild genauer in Augenschein zu nehmen. „Nun, zumindest hat er sich die Zeit genommen zu duschen und sich gründlich die Haare zu waschen", murmelte er, als er Harrys langes und verstrubbbeltes, aber sauberes Haar erblickte. Draco war sich bewusst, dass der Schwarzhaarige unbedingt Erholung brauchte, also begab er sich um ihn nicht zu stören in die Küche, wo er erst einmal Tee kochte.

Sobald der Tee fertig war, goss Draco sich gemächlich eine Tasse ein und ließ sich in der kleinen Essnische nieder. Ein Blick aus der großen Fensterfront erinnerte ihn schnell daran, warum er ausgerechnet dieses Appartement gemietet hatte. Die Aussicht war einfach unglaublich. Das Appartement befand sich in der obersten Etage eines der größten Hochhäusern in Manhattan, New York City, und die Fensterfront ermöglichte einen direkten Blick auf den Hudson. Die Stadt war schlicht und ergreifend atemberaubend.

In Gedanken verloren bemerkte Draco nicht einmal, wie ein Paar smaragdgrüne Augen sich langsam öffneten und an ihm hängen blieben. „Dray, bist du das?", rief eine leise Stimme, rau von der langen Zeit des Nicht-genutzt-werdens, von der anderen Seite des Appartements und erschreckte Draco, bis er sich wieder daran erinnerte, wo er sich befand und warum. Sanfte graue Augen trafen auf fragende grüne. Um die Verwirrung und das Misstrauen, die sie enthielten, zu lindern, erhob sich Draco vom Tisch durchquerte den Raum. Er kniete sich neben das Bett und fuhr zärtlich mit seiner Hand die Konturen von Harrys Gesicht nach. „Ja, Harry, ich bin es. Dray."

Harry zuckte bei dem Gefühl der Berührung durch eine andere Person zusammen. Niemand hatte ihn berührt, seit langer Zeit. „Und du bist dir ganz sicher, dass ich wirklich hier bin und das nicht alles nur ein Traum ist?" „Nein, es ist kein Traum. Wir sind wirklich hier - alle beide." Draco bemühte sich seine Stimme unbekümmert klingen zu lassen um den Schwarzhaarigen zu beruhigen, aber insgeheim stieg die quälende Frage in ihm auf, wie viel Realitätsbezug Harry noch geblieben war. Er betete, dass es keinen dauerhaften Schaden gab.

Harry schmiegte sich näher an Dracos Hand und tat nach einem letzten schluchzenden Atemzug etwas, das seit dem Sommer nach dem Trimagischen Turnier nicht mehr getan hatte: Er weinte. Tiefe Schluchzer entrangen sich Harrys Kehle und Draco konnte nichts anderes tun als ihn festzuhalten, während der abgemagerte Mann sich die Augen ausheulte.

Zuerst war Draco zutiefst überrascht, dass Harry begann zu weinen, aber schnell überwog seine Besorgung, als das Weinen und Schluchzen heftiger und heftiger wurde. Er hatte keine Ahnung, was er sonst tun sollte, als den Schwarzhaarigen festzuhalten und ihm beruhigende Worte ins Ohr zu flüstern.

Schließlich jedoch hatte Harry auch seine letzten Kraftreserven verbraucht und das Schluchzen erstarb. Als Draco klar wurde, dass Harry eingeschlafen war, versuchte er ihn sanft von sich auf das Bett gleiten zu lassen. Doch selbst im Tiefschlaf protestierte Harry gegen die Trennung und lies Draco somit nichts anderes übrig, als sich mit dem Schwarzhaarigen in den Armen noch einmal für ein kleines Schläfchen hinzulegen.


Die Sonne schien; das war der erste klare Gedanke den Harrys Hirn nach dem Aufwachen produzieren konnte. Merlin, wie sehr er die Sonne vermisst hatte! Er wollte niemals wieder an einem Ort sein, an dem er die Sonne nicht sehen konnte. Harry erkannte die Wahrheit an dem Sprichwort „Man weiß nie zu schätzen, was man hat, bis man es verliert." und schwor sich niemals wieder die einfachen Freuden des Lebens als selbstverständlich anzusehen.

Harry errötete als er sich plötzlich den starken Armen bewusst wurde, die um seine Hüften geschlungen waren, und nicht zu vergessen dem zugehörigen warmen, harten Körper, der sich von hinten an ihn presste. Ein kleiner Blick über die Schulter verriet Harry, dass Draco noch immer schlief, wofür er momentan unendlich dankbar war, da sich ihm so die Möglichkeit bot seine Gedanken noch für einen kleinen Moment zu sammeln.

Die drei dementorfreien Tage hatten wahre Wunder bewirkt, aber zeitweise fiel es ihm immer noch schwer einen klaren Gedanken zu fassen. Harry wusste, dass Draco irgendwie für seine Flucht aus Azkaban verantwortlich war, aber er war sich nicht ganz sicher wie und vor allem warum Draco ihm geholfen hatte. Er hatte ursprünglich angenommen, dass der Blonde ihm wie alle anderen für schuldig an zwei Morden hielt. Harry konnte nur hoffen, dass all diese Fragen beantwortet werden würden, sobald Draco erwachte.

Harry hatte keine Ahnung welcher Tag es war oder auch nur wie lange er schon in dem Appartement war. Seine Erinnerungen an die letzten Tage waren bestenfalls vage. Er wusste noch, dass er durch einen Portschlüssel mitten in der Wohnung gelandet war, wo er auch sofort zusammengebrochen war. Etwas später, nachdem er das Bewusstsein wiedererlangt hatte, hatte er begonnen sich genauer umzusehen und hatte unter anderem Küche und Bad entdeckt.

Sofort hatte er den Kühlschrank geöffnet und das erstbeste verschlungen, dass er finden konnte - ein wenig kaltes Hühnchen und ein Stück Käse. Dazu Milch direkt aus der Flasche, er wollte keine Zeit mit der Suche nach einem Glas verschwenden. Zeit im Gefängnis zu verbringen sorgte dafür, dass man weniger wählerisch wurde, was man und wie man es aß.

Sobald seine primitivsten Bedürfnisse erst einmal gestillt waren, entschloss sich Harry, dass eine Dusche dringend nötig war. An der Innenseite der Badezimmertür hing ein Ganzkörperspiegel, der Harry den ersten Blick auf sich selbst verschaffte seit über anderthalb Jahren. Der Schwarzhaarige war mehr als entsetzt. Sein Haar war zu lang, schmierig und matt; sein gesamter Körper übersäht von Blut, blauen Flecken und Schmutz. Er hatte einen schmutzigen und absolut ungepflegten Bart und war so dünn, dass all seine Rippen mehr als deutlich zu sehen waren. Doch das Schlimmste war sein Gesicht, besonders seine Augen. Sie sahen verloren aus, vollkommen verängstigt und in diesem einen Moment hasste Harry sich und alle, die er kannte, dafür, dass sie das mit ihm hatten geschehen lassen.

Seine Haut war schon absolut verschrumpelt, als er endlich die Dusche abstellte, doch zumindest fühlte er sich jetzt zum ersten Mal seit langem wieder halbwegs wie ein Mensch. Die lange Dusche hatte ihn jedoch erschöpft und so begab er sich langsam auf den Weg zurück ins Schlafzimmer. Er fand eine Kommode mit frischen Klamotten in seiner Größe, zog ein Paar seidene Boxershorts und ein Unterhemd an und kletterte glücklich zurück ins Bett, wo er auf der Stelle in einen tiefen Schlaf sank.

Als er das nächste Mal erwacht war, hatte er sofort die Präsenz einer weiteren Person gespürt. Zu wissen, dass er nicht länger allein war, beunruhigte ihn. Mit möglichst wenigen Bewegungen sah er sich um, um die Ursache seiner Beunruhigung festzustellen. Er blinzelte und zwickte sich einmal kurz um sicherzugehen, dass er nicht träumte, als er den blonden Haarschopf in der Küche erblickte. Er hatte Draco wirklich vermisst. Von all seinen Freunden hatte er ihm am meisten gefehlt. Manchmal, während seiner Zeit im Gefängnis, wäre Harry beinahe wahnsinnig geworden bei dem Gedanken an das, was hätte sein können.

Langsam wand Harry sich wieder aus seinen Erinnerungen heraus und lies nach einem tiefen Atemzug seine Blicke über den Mann schweifen, der ihn solange in seinen Träumen und Gedanken verfolgt hatte. Die letzten 18 Monate hatten ihm offensichtlich gut getan, zumindest soweit Harry das beurteilen konnte. Dracos Gesicht hatte die letzten kindlichen Züge verloren, sein Haar war etwas länger geworden und nicht länger zurück gegeelt. Von seiner momentanen aus konnte Harry den Rest von Dracos Körper nicht sehen, aber fühlen konnte er ihn umso deutlicher. Und er fühlte sich definitiv gut an, wie Harry errötend feststellen musste.

Harry versuchte sich in eine etwas bequemere Liegeposition zu begeben, aber erreichte nur, dass Draco ihn noch enger in die Arme schloss. Seufzend beschloss Harry es einfach zu akzeptieren. Kurz darauf allerdings musste er ohnehin dringend ins Badezimmer und so versuchte er erneut sich aus Dracos Umarmung zu befreien, was ihm diesmal auch gelang. Endlich „frei" jedoch holte er sich zuerst einmal eine graue Jogginghose, sowie ein dunkelblaues Sweatshirt aus dem Kleiderschrank, bevor er Richtung Dusche verschwand.

Draco erwachte, als er hörte wie die Dusche eingeschaltet wurde. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es schon fast Zeit war fürs Abendessen. Er hatte nicht vorgehabt so lange zu schlafen, doch anscheinend hatte sein Körper es für nötig befunden. Nun allerdings war er wach - und hungrig, also machte er sich auf in die Küche um die Vorräte zu prüfen. Jedoch hatte er eigentlich überhaupt keine Lust zu kochen und so entschloss er sich kurzerhand einfach etwas vom Chinesen liefern zu lassen.

Nachdem er genug Essen bestellt hatte um mindestens vier Erwachsene satt zu machen, setze er sich auf das Sofa und wartete auf Harry. Das Geräusch der sich schließenden Tür und der Klang von leisen Schritten bereitete Draco auf seine Ankunft vor, doch nichts hätte ihn auf den Anblick eines sauberen, erfrischten und rasierten Harry Potters vorbereiten können. Sicher, er war noch immer viel zu dünn, aber dem konnte mit ausreichend Nahrung abgeholfen werden; er war noch immer von blauen Flecken überseht, doch diese würde Draco später heilen; sein Haar war zu lang und musste dringend geschnitten werden, doch dafür war später in dieser Woche noch immer genug Zeit; jedoch war nicht zu bestreiten, dass dies tatsächlich SEIN Harry war. Und die Gefühle, die schon vor langer Zeit für den Schwarzhaarigen erwacht waren, drohten in Draco Überhand zu nehmen.

Lächelnd machte der Blonde etwas Platz auf dem Sofa und bedeutete Harry sich neben ihn zu setzen. Zögerlich tat dieser seiner Bitte Folge, achtete jedoch darauf so viel Platz zwischen ihnen zu lassen wie möglich. „Hör mal, ich weiß, dass du vermutlich einen ganzen Haufen Fragen hast, die du mir stellen möchtest, aber ich habe gerade Essen für uns bestellt, also... Was hältst du davon, wenn wir erst essen und danach dann besprechen, was auch immer du möchtest?" Da Harry nicht wusste, was er darauf sagen sollte, beschloss er, dass ein Nicken wohl die sicherste Antwort sein würde. Dann lehnte er sich zurück um zu warten.

Das Schweigen begann beiden von Sekunde zu Sekunde unerträglicher zu werden. „Wo steckt nur der verfluchte Lieferjunge?", schoss es Draco durch den Kopf, als die Stimmung schließlich so ungemütlich geworden war, dass er es beim besten Willen nicht länger ertragen konnte. Um den Bann zu brechen, entschied er sich eine hoffentlich harmlose Plauderei ohne Folgen zu beginnen. „Nun, Harry, ich habe gesehen, dass du begonnen hast dich hier einzuleben. Was hältst du von der Wohnung?" „Ein Palast im Kontrast zu meiner letzten Bleibe." Nun, vielleicht war Schweigen doch die bessere Alternative...zumindest bis einiges geklärt war.

„Um ehrlich zu sein habe ich bisher nur kurz die Küche und das Schlafzimmer gesehen. Den Rest der Zeit war ich entweder bewusstlos oder habe geschlafen.", murmelte Harry schließlich. „Ich weiß, dass das hier nichts besonderes ist, aber ich wollte keine Aufmerksamkeit auf uns lenken.", räumte Draco ein, bemüht die Konversation aufrecht zu erhalten. „Nicht doch, es ist mehr als ich mir je zu träumen gewagt hätte. ...Ich weiß, dass du irgendwie für meine Rettung verantwortlich ist und dafür möchte ich dir danken." Als Draco abwehrend die Hände hob, verstand Harry, dass dieser Teil der Unterhaltung wohl oder übel bis später warten musste und er bemühte sich das Gespräch locker weiter zu führen.

„Nun gut, wie wäre es denn, wenn du mir mal verraten würdest wo genau wir eigentlich sind?" „Oh, tja... Harry Potter, willkommen in den Vereinigten Staaten von Amerika... New York City um genau zu sein." „Keine halben Sachen, was? Direkt aus der Gefängniszelle eine Reise um die ganze Erdkugel, nicht schlecht." Ein lautes Klopfen an der Tür bereitete der Unterhaltung ein abruptes Ende.

Als er Harrys panischen Gesichtsausdruck erblickte, wuchs Dracos Besorgnis erneut ins Unermessliche. „Keine Panik, Harry. Es ist nur der Lieferjunge mit unserem Essen.", meinte er beruhigend und beeilte sich an die Tür zu kommen.

Schnell füllte sich das Appartement mit dem herrlichen Geruch von chinesischen Essen. Wan Tan Suppe, Frühlingsrollen, Chicken Chow Mein, scharfes Huhn mit Knoblauch, gebratener Reis mit Meeresfrüchten... Draco hatte aus so ziemlich jeder Abteilung der Speisekarte zumindest ein bisschen bestellt. Harry, der noch nie zuvor Chinesisch gegessen hatte, bemühte sich alles zumindest einmal zu probieren. Unglücklicherweise jedoch begann sein Magen nach noch nicht einmal der Hälfte zu streiken.

Draco, dem das Problem sofort klar war, da er ja wusste, dass Harry seit über einem Jahr nicht mehr so viel Essen auf einmal bekommen hatte, hörte ebenfalls mit dem Essen auf und schlug stattdessen eine kleine Verschnaufpause vor. Sie stellten die gefüllten Schalen, Tüten und Schachteln in den Ofen um sie warm zu halten und gingen dann zurück ins Wohnzimmer.

„Wo soll ich anfangen?", fragte Draco und setzte sich in einen der komfortablen Sessel. Harry lies sich auf dem Sofa gegenüber nieder und machte es sich für das Gespräch, das für sie beide ziemlich ungemütlich werden würde, so gemütlich wie nur irgend möglich. „Erzähl mir am besten einfach erst einmal alles, das passiert ist, seit sie mich verhaftet haben."

Draco nickte und begann nach wenigen Momenten zu sprechen. Er erzählte Harry wie schlecht die Schule die Morde und seine Verhaftung verkraftet hatte und Harry musste kichern, als Draco sich die Bemerkung nicht verkneifen konnte, dass das Gryffindor Quidditch Team mit ihrem Ersatz für ihn jedes Spiel verloren hatte. Ganz anders jedoch reagierte er auf die Nachricht, dass man Ron zum Schulsprecher UND Quidditchkapitän ernannt hatte. „Nun, ich schätze, dass sich sein größter Herzenswunsch nun endlich erfüllt hat...", murmelte Harry ärgerlich vor sich hin, da er sich nur zu gut an die Geschichte mit dem Spiegel Nerhegeb im ersten Schuljahr erinnerte. Dracos fragenden Blick jedoch winkte er ab. Er war nicht in der Stimmung für Erklärungen.

Die Stunden verflogen förmlich während Draco Harry über alle Ereignisse in der Zaubererwelt Bericht erstattete. Jedoch stockte Draco als er die Tränen in Harrys Augen erblickte, als er ihm erzählte, dass er nach Hogwarts keine andere Wahl hatte als in die Reihen der Todesser einzutreten. „Draco, bitte... sag, dass das nicht wahr ist." Langsam krempelte der Blonde seinen linken Ärmel nach oben und das hässliche, schwarze Tattoo stach förmlich aus der porzellanweißen Haut heraus.

„Merlin... es tut mir so, so Leid..." Draco stand abrupt aus dem Sessel auf und rollte den Ärmel wieder nach unten. „Was zur Hölle tut DIR denn Leid? Dass ich das dunkle Mal bekommen habe, hatte absolut nichts mit dir zu tun, Harry!" Verwirrt durch den scharfen Tonfall in Harrys Stimme, fuhr Harry sich mit der Hand durch die Haare und bemühte sich wieder zur Ruhe zu kommen.

„Aber es ist mein Fehler, Draco, alles. Verstehst du denn nicht? Wenn ich nach dem Abschluss für dich da gewesen wäre, dann hätten wir unsere Pläne durchführen können und du hättest nie zu diesem Monster gehen müssen." „Genau das ist das Problem mit dir, Harry. Alles dreht sich um dich und du blickst immer zurück auf Dinge, die du unmöglich ändern kannst. Bin ich glücklich darüber wie unser siebtes Jahr geendet hat? Verdammt, nein! Aber jetzt deswegen rumzuheulen bringt auch nichts. Es ist Zeit nach vorne zu sehen."

Harry fühlte sich als hätte man ihm mit einer eisernen Faust in den Magen gerammt. „Verdammt einfach für dich das zu sagen, Malfoy. Versuch du doch mal achtzehn Monate ohne menschlichen Kontakt zu verbringen, niemand mit dem du reden kannst und nur deine dunkelsten Gedanken als Gesellschaft. Jede einzelne Erinnerung, die es wert ist behalten zu werden, wird dir genommen und völlig misshandelt wiedergegeben, Tag für Tag, von einer der übelsten Kreaturen auf dem gesamten Planeten."

Draco stockte der Atem. Während Harrys Tirade glaubte er einen kleinen Funken Emotion in den toten grünen Augen erblickt zu haben. Nur ganz wenig, aber immerhin etwas. Jedoch fühlte er sich schuldig, weil sein Ausbruch den Gryffindor so aufgebracht hatte. „Harry, es tut mir Leid, ich habs nicht so gemeint. Aber das ist ein sehr heikles Thema für mich. Einige der Dinge, die ich tun muss um meine Fassade aufrecht zu erhalten... sie sind unerträglich." „Ich weiß. Ich habe es gesehen."

„Was soll das heißen, du hast es gesehen?" Zu sagen, dass Draco von dieser Aussage überrascht war, wäre stark untertrieben. „Du kannst unmöglich gesehen haben, was ich sehen musste. Du warst die ganze Zeit über in Azkaban." „Dachtest du denn wirklich, dass nur weil ich im Gefängnis war, meine Verbindung zu Voldemort einfach unterbrochen wurde? Du hast schon einmal miterlebt, wie ich Visionen bekommen habe und ich glaube kaum, dass du den Sommer, den wir mit Snape verbracht haben, vergessen hast."

Der Slytherin erblasste. Natürlich erinnerte er sich an die Terrorattacken, die Harry beinahe jede Nacht durchleiden musste, an seine Schreie und seine Narbe, die ihn teilweise so sehr schmerzen musste, dass sie sogar anfing zu bluten. „Ich dachte die Sicherheitsvorkehrungen, die Flüche... ich dachte, dass das die Visionen aufhalten würde." Traurig schüttelte Harry den Kopf. „Nein, und es scheint als ob Voldemort in letzter Zeit besonders beschäftigt gewesen wäre."

Nach dieser Bemerkung nahm Draco das Erzählen wieder auf. Er beschrieb seine Rolle als Ordensspion und wie schwierig sich der Widerstand gestaltete. Während der ganzen Zeit, in der Draco sprach, war Harry mucksmäuschenstill und lauschte gespannt. Als Draco jedoch begann von Menschen zu erzählen, die Harry einst als Freunde und Familie betrachtet hatte, erhob sich der Schwarzhaarige und ging wieder in die Küche. Der blonde verstand den stummen Wink mit dem Zaunpfahl und folgte ihm.

Die zweite Portion chinesisches Essen half die strapazierten Nerven zu beruhigen. Dracos Angebot von einem Glas Wein hatte Harry abgelehnt und so stand er ihm nun gegenüber, lediglich ein Glas Wasser in der Hand, und sah ihm tief in die Augen. „Also, warum hast du es getan?" Die Frage kam so leise, dass Draco sich zuerst überhaupt nicht sicher war, ob man sie überhaupt gestellt hatte. „Warum habe ich was getan?", konterte er um sich etwas Zeit zu verschaffen. „Du weißt genau, wovon ich rede, aber wenn es sein muss, dann buchstabier ich es dir auch. Das Appartement, das Essen, die Kleidung, der Portschlüssel, du hattest all das schon lange geplant. Warum hast du mir geholfen? Warum hast du mich gerettet?"

Lange Zeit sagte Draco gar nichts, denn er wusste, dass seine Antwort die Richtung, in die ihre Beziehung gehen würde, entscheidend beeinträchtigen könnte. „Weil ich wusste, dass du unschuldig bist." Harry hob skeptisch die Augenbrauen. „Und woher weißt du das? Hast du heimlich Wahrsagen belegt? Hat Trewlawney dir Tipps gegeben?"

Draco konnte sich ein kleines Lächeln über Harrys Versuch einen Scherz zu machen nicht verkneifen. Es war ein gutes Zeichen, wenn auch zeitlich ziemlich unpassend. „Nein, Harry, aber ich kenne dich. Besser als irgendjemand sonst, wie es aussieht. Du könntest niemals jemandem so wehtun, dazu bist du zu sehr Gryffindor; auch wenn du begonnen hattest deine Slytherinseite ab und zu rauszulassen. Es ist vollkommen absurd, dass jemand auch nur auf die Idee gekommen ist, dass du zu kaltblütigem Mord fähig bist. Besonders an jemandem, den du als Freund betrachtest."

Da Harry keinerlei Anzeichen dafür gab selbst etwas sagen zu wollen, fuhr Draco fort. „Außerdem ging man davon aus, dass dein Motiv daraus bestand, dass du Ginny und Colin in einer eher...ähm... romantischen Situation überrascht hast und aus Eifersucht gehandelt hast. Schien mir nicht gerade realistisch, vor allem da ich davon überzeugt war, dass du zu diesem Zeitpunkt an jemandem ganz anderen interessiert warst."

Draco wandte sich ab und füllte sein Weinglas erneut, um Harry die Chance zu geben all das zu überdenken. „Was denkst du, ...warum hat sonst niemand an mich geglaubt?" Der Blonde wandte sich seinem Gegenüber wieder zu und lehnte sich gegen die Küchentheke, während er ihm tief in die Augen sah. „Um ehrlich zu sein, Harry, habe ich nicht die leiseste Ahnung. Aber falls dir das irgendwie weiterhilft, Severus hat nie geglaubt, dass du es warst und auch wenn Sirius nie etwas diesbezüglich zu mir gesagt hat, so glaube ich, dass auch er den Anschuldigungen des Ministeriums nie wirklich glauben konnte. Ist ja schließlich nicht so, als hätten sie ihn nie verarscht. Er ist übrigens immer noch auf der Flucht."

Harry begann gefährlich zu schwanken und Draco musste ihn stützen, dass er nicht fiel. „Vielleicht sollten wir für heute besser Schluss machen, Harry. Du bist vollkommen erschöpft und brauchst dringend Ruhe." Es gab noch immer viel, dass sie unbedingt klären mussten, aber der Schwarzhaarige wusste, dass Draco Recht hatte. Er war in seiner momentanen Verfassung ohnehin nicht mehr in der Lage an solch bedeutenden Diskussionen teilzunehmen, also gestattete er dem Blonden ihn ins Bett zurück zu bringen. Draco half Harry aus dem Sweatshirt und beobachtete wie dieser sich nur noch mit der Jogginghose begleitet unter die Decken kuschelte, das Gesicht von ihm abgewandt. Dann schnappte sich Draco einen seiner Koffer, entnahm ein frisches Paar Pyjamahosen und ging ins Badezimmer, um vor dem Schlafen noch schnell zu duschen.

TBC


Okay, Leute, das wars mal wieder. Ich hoffe, dass das nächste Kapitel schneller kommt, aber da ich mich kenne, verspreche ich lieber nichts. Reviewt bitte, ja? Versuche auch dieses Mal dran zu denken, wem ich noch antworten muss.

Gruß und Kuss,

Tia