Die wachen Stunden zogen sich, wie Kaugummi in die Länge, sie wusste nicht wie viele Tage vergingen, immer wenn sie aufwachte, stand ein Glas Wasser auf dem Nachttisch. Unermüdlich nagte der Hunger an ihr und ließ sich auch nicht mit einem Glas Wasser beruhigen. Nach und nach verlor sie immer mehr die Orientierung, die Zeit verging wie ein einziger grauer Brei, sie zitterte am ganzen Körper und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.

Mischa wusste nicht, wie lange sie schon in diesem Zimmer eingesperrt war, als das Wasser in ihrem Glas salzig schmeckte, bevor sie es merkte, hatte sie schon das halbe Glas geleert. Krämpfe schüttelten sie unerbittlich, über der Waschschüssel musste sie sich übergeben. Als ihr Magen leer war, gaben ihre Beine unter ihr nach und sie wurde ohnmächtig, das Salzwasser hatte ihr den Rest gegeben, ihre Reserven waren aufgebraucht.

Aus weiter Ferne drang Lärm an ihr Ohr, es klang wie Schreie und Schüsse, vor der Tür war ein Poltern zu hören. An der Tür wurde gerüttelt, dann ein Knall und der Rahmen splitterte, erst war nur eine Silhouette zu erkennen.

Der Mann vom Flachbildschirm kniete neben ihr nieder, wie war nochmal sein Name? Dr. Lecter, er sollte ihr Onkel sein, das kam ihr sehr komisch vor. Eine Hand lag an ihrer Kehle, wollte er sie umbringen? Die Hand lag ganz leicht an ihrem Hals, seine Finger waren angenehm warm, es fühlte sich nicht wie ein Mordversuch an. Wieder schüttelten sie die Kämpfe unkontrolliert, in ihrem Magen war nichts mehr, eine Hand legte sich nun auf ihre Stirn, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Er hob sie, wie eine Puppe, in seine Arme. Schwach wie sie war, konnte und wollte sie nicht protestieren, als er sie durch das Haus trug. Sie dämmerte immer wieder weg, auf seinem Weg durch das Haus sprach er kein Wort. Vor dem Haus stand ein schwarzer Jaguar, kommentarlos setzte er sie auf dem Beifahrersitz ab und schnallte sie an, ihr Kopf sank nach vorne und sie versank wieder in ihren wirren Gedanken. Als der Motor gestartet wurde, kam sie wieder zu sich, eine Decke war um sie gelegt worden, sie verließen des Anwesen, als die Reifen auf dem Asphalt summten, schlief sie ein.