Der Sonntag wurde wie erwartet ein reiner Hausaufgabentag. Natürlich aber nur für Ron und mich, da Hermine ja wie immer ihre Hausaufgaben schon erledigt hatte und sie uns Gott sei Dank zur Orientierung gegeben hatte.
Beim Frühstück hatte ich gütigerweise endlich mal wieder einen Brief von Sirius bekommen. Jedoch war er nicht wirklich lang, da er nur schrieb:
Heute abend, Gemeinschaftsraum der Gryffindors
Tatze
»Er will sich mit dir treffen?«, zischte Hermine erschrocken, als ich ihr und Ron den Brief im Gemeinschaftsraum gezeigt hatte, während wir bereits unsere Hausaufgaben in Zauberkunst erledigten.
»Ich weiß auch, dass es gefährlich ist, aber ich kann ihm jetzt keine Eule schreiben«, sagte ich. »Die würde aller frühestens morgen früh in London sein. Und außerdem filzt Umbridge die Briefe, die rausgehen. Ich kann es nicht verhindern.«
»Aber wie sollte er hier reinkommen? Das Schloss wird wie ein Sicherheitstrakt bewacht, die Schutzzauber kann er nicht so einfach umgehen. Das ist Selbstmord. Nicht auszumalen, was Umbridge macht, wenn sie jemanden wie ihn in die Finger bekommt.«
»Keine Ahnung, wie er es schaffen will, er schafft es eben. Da bin ich mir sicher.« Irgendwie freute ich mich auf das Zusammentreffen mit Sirius. Ihn vielleicht in die Arme schließen zu können, wäre eine sehr gute Ablenkung für das Chaos, das sie mein Leben nannte. Vielleicht könnte er mir sagen, dass alles wieder gut werde, dass wir irgendwann, wenn das alles vorbei war, eine richtige Familie werden konnten. Ich setzte so viel Hoffnung in dieses Treffen, dass ich die ganze Zeit nervös in meinem Sessel herumrutschte und gar nicht abwarten konnte, bis am Abend wirklich alle Schüler aus dem Gemeinschaftsraum verschwunden waren.
Doch noch geschah überhaupt nichts. Eine Stunde verging, in der ich irgendetwas auf ein Stück Pergament kritzelte und mich leise fragte, ob Umbridge oder die Schutzzauber ihn vielleicht aufgehalten hatten.
»Pssst!« Verwirrt sah ich mich um, jedoch hatten Ron und Hermine sich nicht bewegt und auch nicht gesprochen: Hermine brütete immer noch über Geschichte Hogwarts' und Ron malträtierte immer noch seinen Schokofrosch. Ich hatte mich bestimmt nur verhört, also kritzelte ich weiter auf mein Pergament.
»Pssst! Hailey!« Also jetzt war es nicht mehr zu überhören. Nach wenigen Sekunden, hatte ich dann endlich entdeckt, wer woher gesprochen hatte.
In der Glut, die im Kamin noch leicht glimmte, sah ich plötzlich den Kopf meines Paten stecken. Verwirrt rieb ich mir die Augen und zweifelte jetzt schon langsam an meinem Geisteszustand, als der Kopf im Kamin den Mund öffnete und wisperte: »Pssst! Ich bin's!« Erst jetzt hoben auch Ron und Hermine den Kopf und sahen sich im Raum um, genauso wie ich vorher.
»Sirius?«, fragte ich nun in den Raum, stand auf und lief hinüber zum Kamin, um mich vor diesen zu knien. Ron und Hermine folgten mir.
»Hallo, meine Kleine«, sagte der Kopf lächelnd und erst jetzt fiel mir wieder ein, dass Sirius immer so mit mir kommuniziert hatte. Schon letztes Jahr beim Trimagischen Turnier. Noch nie war er wirklich hier gewesen. Ich hatte ganz vergessen, dass er eigentlich nur so hierherkommen konnte. Hätte ich echt besser wissen müssen!
»Meine Güte, Sirius!«, wisperte Hermine erschrocken und hockte sich neben mich, sodass sie besser in den Kamin schauen konnte. »Wenn dich jemand sieht, dann -«
»Mich wird schon keiner sehen. Die Methode ist absolut sicher, keiner Sorge.«
»Warum bist du hier?«, fragte ich. »Du hättest doch auch einen Brief schreiben können, dann -«
»Das, was ich dir sagen muss, konnte ich nicht in einen Brief schreiben. Hat Mad-Eye zumindest gesagt, weil die Post bei euch gefilzt werden könnte. Ich muss dir etwas von Dumbledore sagen.«
»Weißt du, wo er steckt? Ist er bei dir?«, fragte ich aufgeregt.
»Er war vor ein paar Tagen hier, aber er ist gestern wieder gegangen. Er hat keinem gesagt, was er tun wird oder was er vor hat, er hat mir nur gesagt, dass ich dir etwas übermitteln soll.«
»Und was?«
»Ich soll dich erst einmal fragen, ob du immer noch diese Albträume hast. Von einem Korridor hat er gesagt, oder so.«
»Ähm … ja, habe ich, aber woher weiß er das?«
»Du kennst doch Dumbledore, der weiß einfach alles«, tat Sirius ab. »Also, er sagte, wenn du die immer noch haben solltest, dann sollst du unverzüglich zu Snape gehen. Der wird dir anscheinend helfen können und könnte dir auch alles erklären, was es mit diesen Träumen auf sich hat.«
»Zu Snape?!«, zischte ich empört. »Es gibt so viele Lehrer an dieser Schule und dann muss ich ausgerechnet zu Snape gehen?«
»Ich weiß auch nicht, warum gerade er, aber Dumbledore sagte nur, dass er der Beste für dein Problem wäre. Ich finde es auch nicht so toll, dass es ausgerechnet Snape sein muss, aber wenn es keine andere Alternative gibt …« Er sah mich kurz an und kam dann zu einem anderen Thema.
»Hat deine Narbe in letzter Zeit wieder geschmerzt?«, fragte er und durchbohrte mich beinah mit seinem prüfenden Blick. Ich setzte mich nun in einen Schneidersitz und sah dann auf meine Hände in meinem Schoß.
»Na ja, ein paar Mal, aber das waren immer nur Ausnahmesituationen«, sagte ich bedrückt, da ich ihm jetzt wohl gestehen musste, was ich Umbridge für ein Angebot gemacht hatte. Denn wenn ich es nicht tat, dann würde es entweder Ron oder Hermine tun.
»Was meinst du mit Ausnahmesituationen?«, fragte Sirius verwirrt und sah dann, genau wie ich befürchtet hatte zu Ron und Hermine rechts und links von mir.
»Ja, also ich hatte es öfters … beim Nachsitzen. Wenn Umbridge mich manchmal unbewusst berührt hat oder so.«
»Du hattest Nachsitzen?«, sagte er und sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Was hast du mal wieder ausgefressen?« Ich zog den Kopf etwas ein, als anstatt mir Hermine antwortete und zwar genau das, was ich nicht wollte, dass Sirius es wusste.
»Hailey hat Umbridge das wahnwitzige Angebot gemacht, dass nur noch sie Umbridge's abscheuliches Nachsitzen übernimmt, sodass die anderen Schüler keines mehr bekommen.« Ich wusste genau, dass Sirius wusste, wie das Nachsitzen in Hogwarts aussah, ich hatte es ihm anfangs des Jahres in einem Brief berichtet. Und somit brauchte Hermine nicht mehr zu sagen, um einen Wutanfall seinerseits auszulösen.
»Hast du sie noch alle?«, rief er schockiert. »Hast du völlig den Verstand verloren? Wie kannst du nur so etwas machen? Zeig mir sofort seine Hände! Ich will auf der Stelle deine Hände sehen.« Ziemlich kleinlaut und mit eingezogenem Kopf schob ich den linken Ärmel meines Pullovers hoch und präsentierte ihm widerwillig meinen Arm, auf dem die Wörter sich bis zur Armbeuge bereits ausgebreitet hatten und sich leuchtend rot von meiner hellen Haut abhoben.
Sirius' Gesichtsfarbe nahm einen tiefroten Farbton an und ich machte mich schon auf weitere Schimpftiraden gefasst, jedoch atmete er erst einmal ein paar Mal tief durch und sprach dann mit versucht leiser Stimme weiter, die jedoch noch ein wenig bebte.
»Ich verlange, dass du sofort diesen Schwachsinn beendest, zu Umbridge gehst und ihr sagst, dass du dein Angebot zurückziehst! Hast du mich verstanden?!«
»Vergiss es, das werde ich nicht tun«, sagte ich nun leicht wütend, da ich schon seit mehreren Tagen die gleiche Leier von Hermine und Ron gehört hatte. Und die beiden hatte ich schließlich auch klein gekriegt. »Wenn ich das tue, dann bekommen die anderen wieder den ganzen Käse an den Hals und das kann ich nicht verantworten. Ich werde doch nicht zusehen, wie meine Freunde diese Schmerzen ertragen, an denen ich Schuld bin!«
»Und ich werde nicht zusehen, wie du diese Schmerzen erträgst«, erwiderte Sirius bestimmt. »Hast du eine Ahnung, was du da gerade tust? Das grenzt schon fast an Selbstverstümmelung! Sag mir jetzt sofort, dass du das beenden wirst!«
»Es ist mir egal, was es ist. Ich habe es entschieden und dabei wird es auch bleiben. Ich werde mein Angebot nicht mehr zurückziehen! Ich kann das nicht, weil ich es den Schülern von Hogwarts schuldig bin. Ich habe sie da reingeritten, also muss ich auch die Konsequenzen tragen. Außerdem wird Umbridge mich sowieso nicht mehr freilassen, dazu mag sie es viel zu sehr, mich zu quälen. Das hat sie mir schon mehrere Male mehr als deutlich ins Gesicht gesagt.«
»Es ist aber nicht wirklich hilfreich für den Orden!«
»Ja, nur schade, dass ich nicht im Orden bin!«
»Jetzt spiel hier nicht die Beleidigte«, sagte er streng. »Und außerdem solltest du diesen Blödsinn auch aus dem Grund beenden, weil es kein gutes Zeichen ist, wenn deine Narbe bei Umbridge's Berührungen schmerzt. Sie ist zwar keine Todesserin, das weiß ich mit tausend-prozentiger Sicherheit, aber es ist trotzdem nicht gut für dich.«
»Wir haben auch schon versucht, sie umzustimmen, aber sie ist verdammt stur und gibt nicht nach«, schaltete sich Hermine mit ein.
»Habt ihr ihr auch schon mal gesagt, dass ihre Eltern es auch nicht gewollt hätten, dass sie sich aufopfert?«, fragte Sirius und obwohl er wahrscheinlich Ron und Hermine fragte, sah er mich dabei mit einem fast schon mörderischen Blick an. Doch noch bevor ich darauf etwas erwidern konnte, sagte er noch: »Wartet mal kurz!« Dann drehte er den Kopf, sodass sein linkes Ohr wieder in den Grimmauldplace zeigte, und plötzlich von einer Sekunde auf die andere, war sein Kopf verschwunden und das keine Sekunde zu spät, da sofort danach eine bullige, ringbesetzte, wulstige Hand aus der Asche herausschoss. Sie fuchtelte durch die Gegend, als ob sie nach etwas suchen würde und wäre sie nur eine Millisekunde früher aufgetaucht, hätte sie bereits Sirius' Kopf an seinen Haaren zu sich in den Kamin ziehen können, aus dem sie kam.
Hermine gab einen erschrockenen Schrei von sich, doch ich hielt ihr schnell den Mund zu, sodass kein Mucks aus dem Kamin kommen konnte, wo Umbridge nun ihre Hand hineinsteckte, um in unserem Kamin nach etwas zu suchen.
Nach einigen Sekunden, in denen wir stecksteif und mit angehaltenem Atem auf dem Boden vor dem Kamin saßen und Umbridge's Hand dort drin weiter etwas suchte, verschwand sie jedoch wieder. Ich stieß ein erleichtertes Seufzen aus und gleich danach nahm ich die Hand von Hermine's Mund weg. Auch sie und Ron entspannten sich langsam wieder, während wir noch auf den Kamin starrten.
»Was zum Teufel war das denn?«, sagte Ron und hievte sich langsam auf das Sofa in unseren Rücken.
»Umbridge muss meine Post gefilzt haben, dadurch hat sie es bestimmt herausgefunden, dass er mich besuchen wollte«, sagte ich und lehnte mich am Boden erleichtert gegen das Sofa. »Denkt ihr, sie hat etwas mitgekriegt?«
»Ich denke nicht«, meinte Hermine, die sich genau wie ich an das Sofa lehnte. »Und ich denke auch nicht, dass sie weiß, wer derjenige im Kamin war. Er hat ja auch im Brief mit Tatze unterschrieben. Und außerdem haben wir in den letzten paar Sekunden seinen Namen nicht gesagt.«
»Und was, wenn sie die ganze Zeit zugehört hat?«, stellte Ron in den Raum, doch darauf wusste keiner von uns eine Antwort. Ich hatte seinen Vornamen schon bereits genannt, als ich ihn im Kamin gesehen hatte und Hermine auch. Auch würde sie nun wissen, dass wir indirekt mit Dumbledore in Kontakt stehen. Und das war für jemand wie Umbridge das größte Vergehen des Jahrhunderts.
Doch ich wandte mich gleich einem anderen Thema zu.
»Was haltet ihr davon, dass ich zu Snape gehen soll?«, fragte ich und sah abwechselnd zwischen den beiden hin und her. Es war Hermine, die nach einigen Sekunden des Schweigens antwortete.
»Snape ist vielleicht der einzige von Orden, der dir helfen könnte.«
»Da könnte mir ebenso gut McGonagall helfen«, erwiderte ich stirnrunzelnd.
»Vielleicht hat er bessere Referenzen, als sie.«
»Hermine, hörst du dir eigentlich mal selbst zu?«, sagte Ron. »Snape soll Hailey Potter helfen? Er kann sie nicht mal im Unterricht leiden. Er hat sein komplettes Haus auf sie gehetzt. Mal davon abgesehen, dass McGonagall unsere Hauslehrerin ist und wir mit Problemen eigentlich zu ihr kommen sollten und nicht zum Hauslehrer des feindlichen Hauses. Außerdem wissen wir alle, dass er ein ehemaliger Todesser ist. Und so, wie ich Dumbledore kenne, muss Hailey's Problem mit Du-weißt-schon-wem zusammenhängen. Und da sagst du noch, dass Snape bessere Referenzen hat, als McGonagall?« Beeindruckt über Ron's plötzliche Redekunst, nickte ich kräftig zur Zustimmung.
»Vielleicht hat Dumbledore Snape ja zur Vernunft gebracht«, vermutete Hermine weiter, doch sofort ließ sie den Vorschlag fallen, als Ron und ich sie ungläubig und mit hochgezogenen Augenbrauen ansahen. »Okay, okay, is ja schon gut, aber ich an seine Stelle würde morgen sofort zu Snape gehen. Er kann dir vielleicht wirklich helfen.« Ich sagte nichts dazu und dachte einfach darüber nach.
Sollte ich wirklich zu meinem verhassten Zaubertränkelehrer gehen, mit der Beschwerde, dass ich immer wieder von einem langen dunklen Korridor träumte, an dessen Ende sich eine Tür befand? Er nahm mich so oder so schon nicht ernst, aber was würde er sagen, wenn ich ihn mit so einer Lappalie belästigte? Er würde mich wohl neunkantig aus seinem Büro schmeißen, außerdem würde er mir wohl dutzende Hauspunkte abziehen, weil ich ihn anscheinend gerade gestört hatte.
Sollte ich also wirklich zu ihm?
Es war kalt. Verdammt kalt. Vielleicht so kalt, wie in der Nähe eines Dementors oder gleich mehreren. Ich fühlte mich daran erinnert, wie ich in meinem dritten Schuljahr hunderten Dementoren gegenübergestanden hatte. Der See, an dem Sirius und ich gewesen waren, war bereits nach wenigen Sekunden zugefroren gewesen. Eine Gänsehaut hatte sich auf meiner Haut gebildet. Sämtliche Härchen stellten sich in meinem Nacken auf. Beklommenheit nahm von mir Besitz, als ich den langen, dunklen Korridor entlangging.
Hier war es. Genau hier! Nur durch diese Tür durch … am Ende des Korridors … nur da durch und dann hatte ich sie …
Ich lief auf die Tür zu. Stück für Stück. Jeder Schritt, den ich machte, steigerte das Verlangen nach ihr um ein Vielfaches. Ich musste sie einfach haben!
Schritt.
Schritt.
Wenn ich sie besaß, dann würde mir nichts mehr im Weg stehen. Nur noch ein kleines Stückchen.
Schritt.
Schritt.
Wie besessen starrte ich auf die Tür, während ich den letzten Schritt tat und jetzt nur noch einen halben Meter von ihr entfernt war.
Langsam streckte ich die Hand aus, ich berührte die Klinke, doch …
Erschrocken aufkeuchend fuhr ich aus meinem Schlaf auf. Ich war im Schlafsaal der Gryffindormädchen. Nicht dort in dem Korridor. Ich war so kurz davor gewesen! Was verbarg sich wohl hinter dieser Tür?
Frustriert über mich selbst, dass ich den Traum nicht hatte herauszögern können, ließ ich mich wieder in die Kissen meines Bettes sinken.
Hinter dieser Tür verbarg sich etwas. Nur was? Die Besessenheit von dieser Sache glühte noch immer in mir, obwohl der Traum schon vorbei war, mein Herz raste noch wie verrückt. Wieso um alles in der Welt wollte ich dieses Ding so sehr, dass ich fast jede Nacht von dem Korridor träumte? War dort vielleicht etwas, was mir nützlich sein könnte? Etwas, von dem mein Unterbewusstsein bereits wusste, dass es dort war, ich jedoch eigentlich noch nie dort gewesen war? Oder war ich das? Hatte ich diesen Korridor nicht schon einmal gesehen, abseits meiner Träume?
Dunkel …
Kalt …
Schon fast Dementoren-Kälte …
Schwarze Fließen an den Wänden …
Spärliche Beleuchtung … Nur ein paar Fackeln, die an der Wand hingen … Und blaues Feuer brannten … Blaues Feuer?
Ich wusste, dass es bei mir schon irgendwo klingelte, jedoch kam ich einfach nicht drauf, wo dieser verdammte Gang sein konnte.
Am Ende eine Tür …
Links ging ein weiterer Gang bis zu einer Treppe … Die nach unten führte …
Noch weiter runter in den Untergrund, ohne dass ich mein vorheriges Fortbewegungsmittel verwenden konnte … Ich hätte also zu Fuß nach unten gehen müssen …
Genauso wie im Keller des Ministeriums, der zu den Gerichtsräumen ging … GENAU!
Ich hatte diesen Gang schon einmal gesehen, als ich in den Sommerferien mit Mr Weasley zu meiner Anhörung im Ministerium gegangen bin. Ich hatte eigentlich durch genau diese Tür aus meinen Träumen gehen wollen, bevor Mr Weasley mich nach links geschoben hatte, um die Treppen nach unten zu gehen. Die Mysteriumsabteilung, so hieß dieser Teil des Ministeriums, so hatte Mr Weasley sie zumindest genannt. Dort arbeiteten die Unsäglichen drin, von denen keiner wirklich wusste, was sie eigentlich dort unten arbeiteten. Sie machten immer ein großes Geheimnis aus ihrer Arbeit und erzählten niemandem auch nur ein winzig-kleines Wort, was in ihrer Abteilung vor sich ginge. Nur einige Auroren oder der Zaubereiminister selbst wissen, was dort drin wirklich ist.
Das würde mir bei der Frage, was ich also so dringend aus dieser Abteilung brauchte, nicht wirklich weiterhelfen. Vielleicht weiß Ron ja etwas, was mir Mr Weasley verschwiegen hatte und das er irgendwann mal seiner Familie erzählt hatte. Vielleicht wussten auch Mad-Eye, Kingsley oder Tonks etwas. Die beiden sind zurzeit die besten Auroren, die es weit und breit gibt. Sie müssten auch öfters in die Mysteriumsabteilung kommen.
Aber sollte ich da wirklich ein paar Erwachsene mit einbeziehen, die mir jetzt nicht mal einen Brief schreiben konnten, was der Orden geplant hat? Oder die mich überhaupt nicht voll wahrnahmen und dachten, dass meine Einfälle sowieso nur für den Müll waren? Definitiv nicht!
Verzweifelt seufzend schob ich die Vorhänge meines Bettes zurück, da ich sowieso nicht mehr einschlafen wollte und konnte, und warf erst einmal einen Blick auf meinen Wecker: 5.06 Uhr. Eigentlich noch viel zu früh zum Aufstehen, was meine Zimmergenossinnen Hermine, Parvati Patil, Lavender Brown und Miranda Terrell mit leisem Schnarchen bestätigten.
Ohne viel Krach zu machen, zog ich meine Uniform und meinen Umhang an und machte mich mit meiner Tasche auf den Weg in den Gemeinschaftsraum. Vielleicht konnte ich vor dem Frühstück ja noch ein paar Hausaufgaben erledigen, die ich gestern nicht mehr geschafft hatte. So wie Zaubertränke und Verwandlung und Verteidigung gegen die Dunklen Künste und Kräuterkunde … Na super, da fängt der Tag ja schon gut an.
Doch mein Vorhaben wurde nur etwas zunichte gemacht, als ich in den Gemeinschaftsraum trat, da Fred, George und Lee dort eine ganze Schar Erstklässler um sich herum versammelt hatten und ihnen lilafarbene und gelbe Drops oder auch verschieden farbige Lakritzstangen zu Essen gaben.
Als die Jungs bemerkten, dass ich von den Mädchenschlafsälen heruntergekommen war, blickten sie mich im ersten Moment alle erschrocken an, jedoch entspannte sich die Lage gleich wieder, als Fred und George zu grinsen begannen.
»Keine Sorge«, sagte George.
»Ihr können wir vertrauen«, fügte Fred hinzu. »Sie sponsert alles, was wir tun.« Die Erstklässler wandten sich wieder ihren Süßigkeiten zu, manche erbrachen sich als sie solche orangenen Bonbons aßen, anderen wuchsen schlagartig Furunkeln am ganzen Körper, wieder andere begannen wie verrückt aus der Nase zu bluten. Ich gesellte mich kurz zu den Zwillingen und Lee.
»Was macht ihr so früh hier unten?«, fragte ich und sprang kurz einen Schritt zurück, da es ein kleiner Junge gerade noch so geschafft hatte, in einen Kessel, anstatt auf meine Schuhe zu reihern.
»Wir versuchen, Hermine aus dem Weg zu gehen«, antwortete Lee.
»Sie versucht, uns das Testen von unseren Nasch-und-Schwänzleckereien zu verbieten«, fügte George hinzu.
»Also müssen wir's heimlich machen«, sagte Fred und ließ das Erbrochene des Jungen mit einem Schwenk seines Zauberstabs verschwinden, nachdem dieser ein lila Bonbon gegessen und aufgehört hatte, sich geräuschvoll zu übergeben. »Du wirst uns doch nicht verraten, oder?« Er grinste mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Meine Knie begannen unkontrolliert zu zittern, mein Magen kribbelte und mir schoss es die Röte ins Gesicht. Ruhig, Hailey, es ist nur ein Grinsen, nichts weiter, kein Grund auszurasten! Aber, wenn das Grinsen dann auch noch so umwerfend aussieht? Hailey an Großhirn: arbeiten und antworten!
»Ich will euch doch nicht den Spaß verderben«, sagte ich mit einer ungewohnt lässigen Stimme. Wo kam die denn auf einmal her?
»Ich hätte es mir auch nicht anders vorstellen können«, sagte Fred und gab mit George und Lee eine weitere Runde von diesen orange-lila Süßigkeiten aus.
Ich setzte mich so weit es ging von den sich übergebenden und blutenden Kindern weg, um meine Ruhe zu haben, und machte mich an meinen Aufsatz über die zwölf Anwendungen von Drachenblut für Snape. Ich musste bei diesem Aufsatz besonders aufpassen, denn sonst würde er mir schon wieder ein "Troll" verpassen. Und darauf hatte ich eindeutig keine Lust.
Nach circa zwei Stunden war ich mit Zaubertränke fertig und sah mich im Gemeinschaftsraum um. Die Erstklässler-Tester waren verschwunden, Fred, George und Lee hatten sich in die Sessel, die um den Kamin herumstanden, gesetzt und wisperten jetzt angeregt miteinander und einige Schüler kamen jetzt schon die Treppen hinunter, um zum Frühstück zu gehen.
Ohne auf Ron und Hermine zu warten, machte ich mich ebenfalls auf in die Große Halle. Ich kam mir irgendwie verlassen vor, als ich da so ganz allein am Tisch saß, um mich herum plaudernde Schüler, die mit ihren Freunden vielleicht besprachen, was sie nach dem Unterricht noch machen wollten. Die einzige, wirkliche Beachtung, die ich von den Leuten am Gryffindortisch bekam, waren fiese Blicke, die Seamus Finnigan mir zuwarf. Wir hatten uns am Anfang des Jahres wirklich heftig im Gemeinschaftsraum in die Haare bekommen. Er glaubte dem Tagespropheten und hatte mich als dreiste Lügnerin abgestempelt, ich hatte seine Mutter beleidigt und alles hatte sich irgendwie hochgeschaukelt. Früher waren wir ja wirklich gute Freunde gewesen, aber jetzt sahen wir uns eigentlich nicht mal mehr mit dem Hintern an.
Ich versuchte, seine Blicke zu ignorieren, doch irgendwann wurden sie so bohrend, dass ich es nicht mehr aushielt und über die zwei oder drei Plätze, die neben mir frei waren, ihm zufauchte: »Mann, Finnigan, mach 'n Foto oder guck endlich woanders hin!«
Erschrocken, dass ich seine Blicke wohl bemerkt hatte, drehte er sich schnell wieder Dean Thomas zu, der mich entschuldigend ansah und dann versuchte Seamus abzulenken. Dean hatte damals schon versucht, zwischen uns zu vermitteln, doch es hatte nichts gebracht. Seamus und ich waren stur und Dean hatte seine Streitschlichtungsversuche aufgegeben.
Erleichtert stellte ich nun fest, dass Ron und Hermine endlich auch die Güte hatten, aufzustehen und sich zum Frühstück zu bewegen. Ron setzte sich neben mich, Hermine auf die andere Seite des Tisches. Lustlos stocherte ich, wie vorher, in meinem Rührei herum, das ich mir eigentlich nur auf den Teller getan hatte, dass es den Anschein machte, ich wollte etwas essen.
»Ich werde zu Snape gehen«, sagte ich ohne von meinem Teller aufzusehen, während die beiden sich auch etwas zu frühstücken nahmen. »Wenn Dumbledore sagt, ich soll zu ihm gehen, dann mach ich 's halt.«
»Weißt du, Snape ist vielleicht ein schrecklicher Lehrer, aber trotzdem ist er sehr klug«, sagte Hermine. »Ich bin mir sicher, dass er weiß, was dir helfen wird.« Verdattert sah ich sie an.
»Guck mich nicht so an, Hailey, du kannst es aber auch nicht bestreiten, dass Snape ein guter Lehrer wäre, wenn er nicht so viele Vorurteile hätte.«
»Snape … und ein guter Lehrer?«, fragte Ron ungläubig und stellte die Teekanne wieder hin, aus der er gerade Schwarztee in seine Tasse gegossen hatte.
»Ja, Ron, er kann wirklich guten Unterricht machen«, sagte Hermine und ich spürte schon wieder, wie sich eine krisselige Spannung zwischen den beiden aufbaute.
»Reden wir hier noch über den gleichen Snape?«, fragte Ron verwirrt. »Meinst du auch den Snape, der dich eine Besserwisserin und neunmalklug genannt hat und Hailey im Unterricht wegen ihrer Eltern runtergemacht hat?«
»Ich habe von kompetent und nicht von freundlich gesprochen, Ron«, bemerkte sie und verstummte kurz, als die Posteule des Tagespropheten kam, um ihr die tägliche Zeitung zu bringen, und es plötzlich Päckchen und Briefe auf die Schüler regnete.
Als Hermine hinter dem Propheten verschwunden war, wandte ich mich an Ron, der begonnen hatte, eine Ladung Speck für eine ganze Armee zu verschlingen.
»Hey, hat dein Vater eigentlich irgendwann mal irgendwas über die Mysteriumsabteilung im Ministerium gesagt?«, fragte ich frei weg heraus, was ihn etwas stutzig machen ließ, jedoch hatte er Gott sei Dank noch genug Manieren, um zu schlucken, bevor er antwortete.
»Ähm … also nicht dass ich wüsste. Wenn dann müsste er es dem Orden gegenüber gesagt haben, aber nicht uns. Er hat nur immer gesagt, dass die Unsäglichen, die da drin arbeiten, nicht viel über ihre Arbeit preisgeben und dass schon viele Vermutungen von neugierigen Ministeriumsmitarbeitern aufgestellt wurden. Aber warum willst du das wissen?«
»Also«, sagte ich und begann zu erzählen, was ich heute Morgen durch reines Überlegen herausgefunden hatte. Was ich in meinen Träumen immer sah und was ich vermutete, was darin so Wichtiges sein könnte.
»Aber wenn du noch nie drin warst, warum solltest du dann wissen können, was da drin ist?«, fragte Hermine, nachdem ich geendet hatte und sie wieder hinter dem Tagespropheten hervorgekommen war.
»Anders kann ich es mir nicht erklären«, sagte ich schulternzuckend. »Manche Muggel behaupten ja, dass das Unterbewusstsein oft solche Sachen macht. Ich glaube zwar nicht dran, aber eine andere Erklärung habe ich nicht.« Kurz sah ich auf meine Uhr, dann seufzte ich. »Wir sollten zum Unterricht gehen.« Die beiden nickten und langsam machten wir uns auf zum Geschichtsraum.
Hey Leute,
ich würde mich um ein wenig Feedback freuen. Also Reviews und Favos und dem ganzen anderen Mist. ;)
Würde mir zumindest weiterhelfen. ;)
lg Clarysse
