ÜN: Die Übersetzung dieses Kapitels widme ich SistaS und Lucy the Ripper! Danke für's adden, ihr wart die ersten!


Kapitel Vier: You Know You're Going to Fall


Gut gemacht, Big D!", gratulierte Dennis am nächsten Nachmittag.

„Jah, gut gelaufen", grinste Piers.

„Was?", fragte Dudley langsam, während er zu ihnen lief. Er blieb schließlich stehen, als er die Mitte des Spielplatzes erreicht hatte.

„Was meinst du mit was?", rief Dennis aus. Er warf den Kopf zurück und gab einen hohen nachgemachten Orgasmusschrei von sich: „Oh! Oh! Ohhh!"

Dudley grinste, „Halt den Mund, woher wusstet ihr's?" Er schubste Dennis spielerisch.

Der Junge streckte den Arm aus um sein Gleichgewicht zu halten. „Woher wir es wussten? Wir haben es von da hinten gehört, Alter. Gut gemacht!", sagte er erneut. „Also, erzähl, war sie gut?"

„Sie war in Ordnung", sagte Dudley gelassen mit einem lockeren Achselzucken.

„Ohh, keine Details?", schalt Dennis und Piers lachte laut. „Komm schon, zum Beispiel, ob sie sich rasier-"

„Du kleiner Trottel", rief Dudley aus, aber er lächelte. „Jah, sie war gut, na und?" Er hatte das Bedürfnis, das Thema zu wechseln und tat es: „Also, was gibt's neues?"

„Tja, Gordan hat riesen Ärger gekriegt. Sein Dad hat seine Kippen gefunden-"

„Im Ernst?", fragte Dudley, dessen Augen sich ein kleines Bisschen weiteten. Es war ein Stoß der Realität, wenn einer seiner Freunde erwischt wurde. Er sagte sich immer wieder, dass es nun jeden Tag ihm passieren würde.

„Jah, total, und deshalb ist er im, wie sein Dad es genannt hat, Notfallurlaub", zuckte Dennis die Schultern.

Dudley verzog das Gesicht. „Ein was!"

„Ich weiß, ne? Er is' so ein Wichser. Seit Gordans Mom gestorben ist, war er einfach nur 'ne Art Scheißkerl."

„Jah, irgendwie anhänglich", setzte Piers hinzu.

„Versucht vielleicht Gordans Mum nachzumachen", sagte Dudley gehässig und spuckte auf den Boden.

„Heh, jah, der Dussel", sagte Piers. „Nicht mal meine Mum regt sich so über jede Kleinigkeit auf, wie sein Dad. Meiner Mum wär's egal, wenn sie's wüsste."

„Als ob sie's je 'rausfinden würde, Kumpel, sie is' nie zu Hause", zuckte Dennis die Achseln, „was hat sie, irgendeinen Geliebten in London oder sowas?" Er summte eine kleine Melodie und tat so, als ob er eine eingebildete Person wiegte.

Dudley lachte, aber Piers verstummte. „Sie ist auf Geschäftsreise", sagte der kleine Junge, „und beschäftigt, das is' alles."

„Heh, jah, zu beschäftigt, um sich zu kümmern", fuhr Dennis fort. „Bisschen wie Scott." Scott war Dennis' älterer Bruder, den keiner der Gang sehr oft sah. Er war auch groß und breit, aber ernst und er schalt Dennis oft dafür, was er falsch machte. Scott war Dennis' hauptsächlicher Vormund, seit ihr Dad sie verlassen hatte. „Siehst du, Big D, du bist cool, mit deinem Dad und deiner perfekten Mum-"

Sprich nicht darüber, dass meine Mum perfekt wär", sagte Dudley sofort.

Dennis winkte mit der Hand herum. „Nee, ich mein's doch nicht so, Dud. Ich mein' nur, dass sie und dein Dad sich tatsächlich eine Menge Sorgen um dich machen."

Dudley nickte, wollte jedoch nichts dazu sagen. Wenn er irgendeine Lüge darüber erzählen würde, dass sein Vater und seine Mutter ihn schlecht behandelten, dann würde seine Gang ihn bemitleiden und er würde riskieren, in Ungnade zu fallen. Aber als der Perfekte angesehen zu werden, machte es besonders schwer, in Situationen wie dieser wie ein Gangster rüberzukommen. Letzten Endes liebte Dudley seine Eltern. Er mochte sie nur nicht besonders. Und er verstand sie zweifellos nicht im Geringsten. Ein Teil von ihm wünschte sich, immer noch im Kindergarten zu sein, früher als Piers' Mum verheiratet gewesen war und all ihre Leben ziemlich malerisch gescheint hatten, so schön wie ihre kleinen Vorstadthäuser, deren Kamine im Schnee rauchten.

--

Der gute Teil vom Samstag wurde mit Boxtraining verbracht. Dad hatte Dudley empfohlen, seine Fertigkeiten aufzufrischen und war überrascht, als Dudley seinem Plan zustimmte, das Haus jedoch ohne seine Boxhandschuhe verließ. Dudley brauchte die Handschuhe nicht, um seinen Haken an den Nachbarskindern zu trainieren. Es erinnerte ziemlich an die guten alten Zeiten, als Piers Harris Holke unten hielt, damit Dudley ihm wiederholt ins Gesicht boxen konnte. Harris war ziemlich kräftig gebaut für einen Neunjährigen, also steckte er die Schläge gut ein.

„Das ist beeindruckend", sagte Sarah aus, die links neben der Schaukel erschien, sobald Harris weinend, mit großen beginnenden Prellungen auf den Wangen nach Hause gerannt war.

„Oooh, es ist Sarah", sagte Dennis sobald er sie sah. Die Jungs kicherten.

„Oh, hey", sagte Dudley und knackte auf eine aufschneiderische Weise mit den Fingerknöcheln, seine Brust klopfte, als er sie sah. Er versuchte sich etwas auszudenken, was er sagen könnte. Wenn er sie ansah, war alles, woran er wirklich denken konnte die Nacht neulich und davon allein bekam er schon fast einen Ständer. „Hab dich gestern nicht gesehn", bemerkte er beiläufig, während er, so langsam er möglicherweise konnte, auf sie zu lief.

„Jah, ich musste vorgeben, mich für anderes Zeug zu interessieren", grinste sie, „damit Mum nicht misstrauisch wird."

„Richtig."

„Ich hab immer wieder nachgedacht, über...", ließ Sarah offen.

„...Jah."

„Ich hoffe nur, du hast nicht gedacht, dass ich aufdringlich war oder so!", sagte sie piepsig.

Dudley war ein bisschen geschockt. 'Aufdringlich?' „Nein, warst du nicht. Ich... ich mein', es war gut." 'Als ob ich Sex ausschlagen würde.'

Sie lächelte und zog an ihrem Rock. „Okay. Ich will nicht, dass du denkst, ich wäre leicht zu haben oder so, ich mag dich einfach wirklich. Und es war gut, das hat es offiziell gemacht."

„Okay", er zuckte die Achseln, nicht sicher, was er als nächstes sagen sollte. Er fragte sich, ob sie es ihn wieder tun lassen würde, obwohl sie volles Tageslicht hatten.

Sarah zuckte ebenso die Achseln. „Tja, es ist schrecklich, aber ich muss gehen. Ich hab meiner Freundin gesagt, dass ich sie treffe."

'Kein solches Glück.'

Sie kam vorwärts und schlang ihre dünnen Arme um seine Schultern. „Ich bin wirklich froh, dass wir dieses Gespräch hatten."

Er wollte fragen, welches Gespräch sie meinte, aber er hatte ein Gefühl, dass das vielleicht zu seinem Nachteil sein könnte. Stattdessen küsste er sie und sie küsste ihn zurück, ihre Hand wanderte wieder nach unten. Zu schnell zog sie sie weg.

„Wann kann ich dich sehen?", fragte er laut, errötend, aber immer noch mit dem Wunsch, sie könnte es beenden.

„Damien sagte was über eine Party nächsten Dienstag Abend. Willst du mit mir hingehn?"

Damien." Dudley runzelte die Stirn. „War er nicht derjenige, dessen Schwanz du gelutscht hast? Ich werd's mir nicht gefallen lassen, wenn er versucht dich anzumachen und wenn er sich traut dich anzuschaun--", er hob bedrohlich seine Faust.

Sarah lächelte und kicherte. „Keine Sorge, er sagte, er würde es sich nicht mit dir versauen, sagte, es liegt sowieso in der Vergangenheit, was auch so ist. Es hat nichts bedeutet. Ich hab nur ein paar Zigaretten gebraucht. Er ist jetzt sowieso mit Veronica zusammen, also sagt er, dass wir quitt sind.

„Kaum", spottete Dudley, grinste aber unheilbringend. „Schätze, dann hat sie's dir erzählt."

„Jah, ich selbst hab gedacht, das wär sexy. Sie kann so eine kleine Kuh sein, sie hätte dir glauben sollen, wäre nützlich gewesen."

Dudley war eine Minute lang still und dann: „Jah, ich werd' mit dir hingehn." Er sah sich um und schaute dann zu ihr zurück. „Solang du versprichst, dass wir... es wieder tun können, okay?", setzte er eindringlich hinzu und beäugte sie.

„Sicher", stimmte sie zu, ihre großen braunen Augen waren von blauem Lidschatten umrahmt. „Gut, dann, bye", sagte sie frech und bewegte ihre hohen Schuhe über den Spielplatz.

Dudley ignorierte seine Kumpel, die hinter ihm schlaue Bemerkungen machten. „Ich schätze, ich werd' auch heim gehen", sagte er inmitten von vorlauten Vermutungen darüber, warum er so schnell verschwand.

Er bog in den Magnolienring ab, nach der schmalen Gasse zwischen der Hütte und den Toiletten und lief Richtung Privet Drive, beim Laufen ein wenig summend. Sobald er das Haus erreicht hatte, hielt er plötzlich an. Der Sommer hatte offiziell begonnen und er spürte sofort, was er nach sich zog.

Du", sagte er mit einer sehr gefährlichen Stimme.

Der dünne Teenager in Dudleys Vorgarten mit dem unordentlichen, schwarzen Haar und dem zu großen Hemd drehte sich plötzlich mit angespannten Schultern um.

Harry Potter lächelte Dudley triumphierend an, starrte durch diese gemeinen, smaragdgrünen Augen. Und so sehr anders als Dudleys Art zu sprechen, war seine Stimme trocken und kühl:

„Ja. Ich. Was, bist du dümmer geworden, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe? Bist du jetzt außerstande in ganzen Sätzen zu sprechen?"

Dudley sah seinen Cousin verwundert an. Wie immer konnte er sich nicht sehr schnell etwas zu sagen überlegen, denn ganz ehrlich, Harry machte ihn konfus. Er redete viel und schnell auch und manchmal war Dudley noch immer in den fiesen Blicken gefangen, die Harry ihm zuwarf, ohne wirklich zu wissen, was der Junge gerade gesagt hatte. „Hä?", war alles, was er zusammenbringen konnte.

Harry verdrehte die Augen, schaute aber hochmütig. „Scheint so. Schätze, dieses Würgzungen-Toffee hat nicht bewirkt, dass dein Gehirn sich erweitert, oder?"

Dudley war sich immer noch weitgehend unsicher, wovon Harry überhaupt sprach. Er schritt vorwärts, stellte sicher, dass er seine Arme vor seiner Brust auf bedrohliche Weise straffte und funkelte auf den dunkelhaarigen Jungen hinunter, wobei er die Bemerkung ignorierte. „Hast du Spaß auf deiner kleinen Schule?", fragte er herablassend.

Harry schnaubte. „Was kümmert'sdich? Du kannst einfache Gedanken oder Vorstellungen nicht verstehen, also warum verziehst du dich nicht einfach? Ich fühle mich nicht wirklich danach, von dir erforscht zu werden, Dudley."

Dudleys Meinung nach, klang Harry sogar verrückter als gewöhnlich, fast verbitterter, falls das überhaupt möglich war. Der Blick in Harrys Gesicht wies darauf hin, dass er vielleicht aus Wut in die Luft gehen könnte, was Dudley mehr als alles amüsierte, obwohl er niemals wieder einen Schweineschwanz haben wollte. „Was auch immer, Potter", war seine Erwiderung.

Harry starrte Dudley eine scheinbar sehr lange Zeit an und letztendlich hielt Dudley seine Hände fragend hoch. „Was zum Teufel schaust du an?"

„Teufel ist kein nettes Wort", bemerkte Harry und kicherte dann. „Ich dachte nur gerade, dass du auf irgend einer Art Diät sein solltest, Diddydums."

Nenn' mich nicht, so", zischte Dudley, „und ja, zu deiner Information, ich war das ganze Jahr auf Diät." Er fragte sich, worauf Harry mit diesem Thema hinaus wollte.

„Tja, du bist jetzt fünf mal so groß, Gratulation. Weißt du, um bei einer Diät abzunehmen, muss man die empfohlenen Lebensmittel essen, nicht sein eigenes Programm aufstellen."

Dudley schickte seinem Cousin ein grimmiges Lächeln. „Ich hab abgenommen, du Wichser. Es is' nur, ich hab jeden einzelnen Tag Gewichte gestämmt und hab es in die Boxmannschaft in meiner Schule geschafft. Dann bin ich zur Spitze meiner Gewichtsklasse vorgerückt. Und dann-" seine Stimme wurde lauter und lauter, als er fortfuhr- „hab ich zwei Trophäen beim jährlichen Wettbewerb gewonnen und jetzt bin ich zum Schwergewichtssieger im Südosten ernannt worden."

Sein Cousin war einen Moment lang still. Dudley konnte sehen, dass Harry seinen neuerdings geformten Bizeps beäugte. „Nun", sagte Harry hämisch, hielt aber inne und versuchte sich etwas zu überlegen, was er sagen konnte, „Ich bin sicher, Tante Petunia weiß deinen netten, harmlosen Sport zu schätzen. Einfach der perfekte, kleine Engel, der du bist, nicht?"

„Jah, sie ist sogar stolz."

„Sicher", spottete Harry, aber er klang grollend anstatt sarkastisch. „Ich bin mir sicher, dass sie das ist." Er lief an Dudley vorbei und in Richtung Straße davon.

„Das ist sie", bekräftigte Dudley und schlenderte in einem gemächlichen Tempo hinter ihm her. Er hasste Harry, ja, aber es gab etwas sehr süchtig machendes in der Chemie zwischen ihnen, das Dudley nirgendwo sonst finden konnte. „Hat Dad dich grade heimgebracht?"

Harry warf ihm einen Blick zu, der ausdrückte Warum bist du immer noch hier, aber dann drehte er sich zurück und lief weiter. „Jah", sagte der schwarzhaarige Junge finster, „hat sich den ganzen Weg hier her über alles mögliche beschwert, das der Menschheit bekannt ist, aber zumindest bin ich jetzt mit all dem Nachbarschaftsklatsch auf dem Laufenden, richtig? Bewässerungsverbot, schechte Bedienung in irgendeinem Restaurant, rasende Liberale..." Harry verlor sich. „Ihr habt einfach das schwerste Leben, oder?"

Dudley grummelte zur Antwort. 'Was ist sein verdammtes Problem? Als ob er irgendwas MACHEN würde, außer mit 'nem verdammten Stock 'rumwedeln!'

Harry schaute wieder über die Schulter zurück zu Dudley und brach dann in Gelächter aus. „Versuchst du irgendeine Art Stellung zu beziehen?", fragte er.

„Was in der Scheiße soll das heißen?"

„Du meine Güte, Dudley", sagte Harry spöttisch, „schätze, ich hab dich seit Ewigkeiten nicht gesehen, es ist so seltsam, dich ungezogene Wörter benutzen zu hören!"

„Fick dich."

„Jah, nun, fick dich auch", sagte Harry liebenswürdig, ungerührt. „Wovon ich gesprochen habe, sind deine Kleider. Jedenfalls, was versuchst du zu sein? Eine Art Gangster?"

Dudley verzog das Gesicht zu etwas zwischen einem selbstgefälligen Grinsen und einem finsteren Blick und zog an seinem übergroßen, hellblauen Hemd, die Kette um seinen Hals verrutschte. „Sei nicht neidisch auf mich", sagte er.

„Ist das dein Ernst? Was machst du, dich auf gegnerische Gangs setzen und sie zerquetschen?"

„Das würd'st du gern denken, oder?", blaffte Dudley.

Harry schien zu denken, dass das lustig war. „Du bist der schlechteste Gangster aller Zeiten. Als ob du jemals Ärger kriegen würdest, Dudley, ehrlich, du bist kein bisschen hart. Du bist ein privilegiertes, verwöhntes Balg--"

SAG DAS nochmal!", brüllte Dudley.

Harry brach erneut in Gelächter aus, sah aber dann verärgert aus. „Richtig, nun, du hast deine Begrüßung ausgenutzt. Deine Dummheit ist nur bis hier hin lustig. Lass mich jetzt in Ruhe oder ich mach etwas."

„Würdest du nicht", sagte Dudley fest, aber er verspannte sich auf der Stelle.

„Teste mich nicht aus, Dudley. Deine Boxtrophäen bedeuten nichts für mich!"

„Jah, na, du würdest das nicht immer noch sagen, wenn du von mir verprügelt werden würdest!"

Harrys Augen verengten sich. „Tu es, Dudley", sagte er dunkel. „Schlag mich, trau' dich doch."

Seinem Willen zum Trotz spürte Dudley ein Stechen von Angst. Er wollte Harry definitiv verprügeln, wie früher, aber sein Cousin hatte einst Tante Magda aufgeblasen und Dudley wollte nicht wirklich das Opfer schwarzer Magie sein.

„Du bist zu dürr", sagte Dudley mit ruppiger Stimme. „Es wäre zu leicht."

„Jah, sag dir das immer wieder."

Werd' ich."

Harry kicherte. „Bye, Dudley."

Dudley knackte mit der Faust und beobachtete wie Harry die Straße hinunter verschwand.

--

„Das war, als Dudders das arme Weichei vollends verprügelt hat – hat ihn auf dem Trockenen sitzen lassen, das hat unser Sohn!", rief Vernon fröhlich aus und fuchtelte mit der Gabel herum.

Sie waren beim Abendessen und während der letzten zehn Minuten hatte er Harry eine Beschreibung sämtlicher Spielzüge von Dudleys Siegeswettkampf gegeben. Harry sah jedoch aus, Gefahr zu laufen, schlafend in seinen Erbsenbrei zu fallen; er kniff sich immer wieder selbst. Obwohl Dudley froh war, dass Vernon mit ihm angab, war es ein bisschen nervig, besonders da er wusste, dass Harry sich später über ihn lustig machen würde.

Dann klingelte plötzlich das Telefon. Vernon ließ die Gabel sinken. „Wer zum Henker könnte das jetzt sein? Beim Abendessen rumtelefonieren, muss einer von DEINEM Haufen sein, Junge", blaffte er Harry an.

Alle sahen sich an, in einem Starrwettbewerb, um zu sehen, wer als erster aufstehen würde, um ans Telefon zu gehen.

Schließlich wischte Petunia sich anmutig den Mund ab und stand auf, wandelte zur Theke und hob den Hörer ab. „Hallo?"

Die drei Männer am Tisch unterbrachen das Essen, denn da schien die Stimme einer sehr verärgerten Frau am anderen Ende der Leitung zu sein.

„Ja", sagte Petunia, „Ja, das ist der Anschluss der Dursleys. Ja, ich bin seine Mutter-" sie machte ein seltsames Gesicht.

Harry wandte sich zu Dudley. „Was hast du gemacht?", fragte er lautlos.

Petunia sah verärgert aus. „Könnten Sie bitte Ihre Stimme senken? Nun, wer sind Sie? Missus Holke? Was wollen Sie? Was ist mit Dudley? Bitte senken Sie Ihre Stimme!"

'Harris Holke's Mum?', dachte Dudley wild, als er sich an den Neunjährigen erinnerte, den er heute im Privet Park verprügelt hatte.

„Nein", sagte Petunia, „mein Sohn würde das nicht im Traum tun!"

„Worum geht es, Petunia?", bellte Vernon.

Harry lachte auf eine sehr hämische Weise.

Dudley blieb für den Augenblick still.

Seine Mutter wurde langsam rasend. Ihre Stimme erhöhte sich zu einem Jaulen: „HÖREN SIE JETZT HER! DUDDERS WÜRDE KEINER FLIEGE ETWAS ZULEIDE TUN UND SIE SOLLTEN IHREN SOHN FRAGEN, WARUM ER DEN GUTEN RUF MEINES SOHNES BESCHMUTZT!" Sie hielt inne. „UND WENN ER SCHON VERLETZT IST? JUNGS SIND JUNGS, ER HAT WAHRSCHEINLICH- ja, ich verstehe Sie, ich verstehe, dass er sagt, dass Dudders es getan hat, aber lassen Sie mich Ihnen etwas sagen, Kinder lügen. Sogar die süßesten, bescheidensten Kinder lügen und es ist alles eine Spiegelung der Eltern, Sie sollten-"

Die Frau am anderen Ende kreischte jetzt. Harry versuchte seine Belustigung zu verstecken, weil Vernon violett aussah.

Dann ließ Petunia das Telefon von ihrem Ohr sinken. Sie sah verzweifelt aus. „ICH WERDE ES BEWEISEN", fauchte sie sie unsichtbare Frau an und drehte sich zu Dudley. „Süßer, es ist ziemlich lächerlich, aber da ist eine Person am Telefon, die versucht zu sagen, dass du vielleicht heute ihren Sohn zusammengeschlagen haben könntest. Könntest du mir bitte erzählen, Liebling, was passiert ist?"

Harry und Vernon sahen interessiert aus, aber Petunia schaute glasig drein.

'Ich könnte es zugeben, genau jetzt und dann würden sie's wissen', dachte Dudley finster, 'frag' mich, was sie sagen würde.'

Aber stattdessen zuckte er mit seinen großen Schultern und benutzte die Miene, von der er wusste, dass sie das Herz seiner Mutter schmelzen lassen würde, blaue Augen ausdrucksvoll, Lippen schmollend: „Mum, ich weiß nicht, von was sie redet. Ich würde das nicht tun", erklärte er laut. „Wenn das irgendjemand sagt, muss der lügen!"

„Ha!", rief Petunia aus. „Haben Sie gehört, was – UNTERSTELLEN SIE NICHT, DASS MEIN SOHN EIN LÜGNER IST! WIE KÖNNEN SIE ES WAGEN-"

„ICH BIN KEIN LÜGNER!", schrie Dudley, plötzlich sofort stinksauer, weil seine Mutter und sein Vater nicht auf Missus Holke hören würden, weil sie nicht sehen konnten, dass er eindeutig log, weil Harry hier war, weil weil weil. „ICH BIN KEIN LÜGNER, MUM, BIN ICH NICHT!"

„Sehen Sie, was Sie getan haben? BEHALTEN SIE IHREN SOHN BESSER IM AUGE, AUF WIEDERHÖREN!", blaffte Petunia und knallte den Hörer auf die Station, eilte zu Dudley herüber und umarmte ihn um die Schultern. „Mein Baby, mein armer Junge, es tut mir so leid-"

„Verrückte Frau", Vernon zuckte die Achseln. „Muss eine von diesen dummen Feministinnen sein."

„Kann ich bitte aufstehen?", schnappte Harry ungeduldig. „Ich denke, mir könnte vielleicht schlecht werden."

Dudley sah auf und sie schlossen Blickkontakt und Dudley wusste, wie immer, dass Harry ihn genau durchschaute.

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„Er ist jetzt schon zurück?", fragte Malcom in einem besorgten Tonfall.

Dudley nickte. Sie hingen an der Ecke zwischen dem Magnolienring und der Yew Row herum, rauchten Zigaretten und reichten eine Halbliterflasche Whiskey herum, die Dennis gestohlen hatte. „Jah, der Freak ist zurück und schlimmer denn je. Scheint zu denken, er hätte ein hartes Leben."

„Wer?", fragte Sarah, aber sie ignorierten sie.

„Ein hartes Leben?", blaffte Malcom. „Was ist so hart daran?"

„Wer weiß?", knurrte Dudley, „aber er denkt scheinbar, er wär' härter als ich."

„Wer?", sagte Sarah erneut und zog an Dudleys Hemd.

Dennis brach in Gelächter aus. „Er hat uns wirklich seit 'ner Weile nicht gesehn, oder? Wir sollten ihm mal Hallo sagen."

Dies ließ Dudley innehalten. „Nö, ist es nicht wert", sagte er gelassen. Er wollte nicht, dass Harry diesen Zauberstab herausholte.

Wer?", verlangte Sarah schrill zu wissen und Dudley riss sich von ihr los, indem er ihre Hand wegschob.

Gott", blaffte er, „MEIN COUSIN! Er is' nur mein Cousin!"

Sarah starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Ich – ich hab nurgefragt, ich wollte nur wissen-"

„Jah, na du brauchst nicht so scheiß nervig zu sein! Er ist mein Cousin, der Freak, und er ist wieder hier. Da. Jetzt weißt du's."

Die Jungs kicherten.

„Ich wollte nur wissen, über was ihr geredet habt", sagte sie sanft und biss sich auf die Lippe. „Warum bist du grade so einArsch?"

Dudley runzelte die Stirn; seine Kumpel sahen mit Interesse zu. Er konnte sich nicht entschuldigen – das stand außer Frage. „Warum bist du grade so 'ne Hure?", antwortete er knapp.

Sarah blickte von Dudley zu Malcom, zu Piers, zu Dennis und atmete dann zitternd ein. Sie wirbelte herum und klapperte davon. „Ich gehe heim", verkündete sie steif über die Schulter.

„Schön", antwortete Dudley mit heiserer Stimme, verdrehte an seine Kumpel gewandt die Augen und packte die Whiskeyflasche, um einen Schluck zu nehmen. „Ehrlich, was ist ihr Problem?"

„Was, wenn du sie richtig verärgert hast, Dud?", fragte sich Malcom.

Dudley grinste anzüglich. Malcom wusste schließlich nichts über Mädchen. „Die kommt zurück", sagte er.

Dennis nickte. „Die kommen immer zurück."

Malcom sah verzweifelt aus. „Schaut mal", begann er, „sogar Piers hat geknutscht!" Er schubste Piers ein bisschen und der Junge fiel fast um. „Ihr Arschlöcher müsst mir 'ne Tussi beschaffen, ich schwöre bei Gott, wenn ich das fünfte Jahr als Jungfrau anfange, werd' ich sterben."

„Du verdammter Fall für die Klappse", Dudley grinste, aber Piers nickte zustimmend.

„Jah, na, ihr könnt das leicht sagen", stellte er fest. „Ihr habt beide gebumst."

„Jetzt kommt schon. Wie ist es?", fragte Malcom.

Dennis und Dudley schlossen Blickkontakt. „Tja, es ist mit jedem Mädchen anders, oder nicht? Wie sollen wir dann sagen, wie's ist?", fragte Dennis.

Dudley nickte, wusste nicht wirklich, was er sagen sollte.

„Gut dann, nun, wen habt ihr denn gepoppt?", spornte Malcom sie mit Interesse an.

„Komm schon, du weißt darüber bescheid", sagte Dennis, nahm einen Schluck vom Whiskey und bekam einen schmerzerfüllten Ausdruck. „Fuck, Big D, wie kannst du dir dieses Zeug runter kippen?"

„Ich bin dir überlegen, Kumpel, das is' alles", kicherte Dudley, zündete sich noch eine Kippe an und stieß tief den Rauch aus.

„Komm schon, raus damit!", bettelte Malcom verzweifelt.

Dennis zog eine Braue hoch. „In Ordnung, wenn du's wirklich wissen willst... 'kay, das Mädchen, dass ich zu deiner Party mitgebracht hab, Piers, mit den riesigen Titten?"

„Emily?", fragte Malcom.

„Ich weiß nich'", zuckte Dennis die Achseln. „Tja, ich hab's ihr hinterher besorgt."

„Nie im Leben", rief Piers aus. „War sie gut?"

„Denk' schon. Ich war aber besoffen."

„Okay, wer noch?"

„Na, natürlich Susan", sagte Dennis achselzuckend. „Zwei Mal. Einmal im vierten Jahr, dann vor ein paar Nächten. Sie is' allerdings irgendwie romantisch. Das is' ein bisschen widerlich."

„Sind die nicht Freundinnen, oder sowas?", fragte Malcom.

„Oh jah", Dennis zuckte erneut die Schultern. „Und Melanie auch, aber die wird jeden pimpern-" er machte Blickkontakt mit Piers- „ach genau, schon gut."

„Okay, was ist mit dir, Big D?", fragte Malcom.

„Halt den Mund", rief Dudley aus und saugte Nikotin ein. Er hatte nicht so viele Mädchen gebumst, wie Dennis und er wollte es nicht laut sagen. Schließlich war er der Anführer.

„Nein, komm schon, ich musste", sagte Dennis.

Schön." Dudley seufzte und atmete hustend wieder aus. „Natürlich Mary-Anne."

Oh jah", nickte Malcom, der sie sich scheinbar in Erinnerung rief. „Wie ist sie nackt?"

Dudley lief rot an. „Weiß ich nich' wirklich, schätze, ich hab nicht aufgepasst. Sie war sowieso nicht total nackt."

„Stimmt. Tja, was ist mit Sarah?", fragte Piers.

„Hab ich euch schon erzählt davon."

„Nee", rief Malcom aus, „du hast's nicht mir gesagt! Du hast Sarah gefickt? Schon?"

„Na, was soll das denn heißen?"

„Du hast sie nur gerade erst kennengelert. Ich mein', ich lob' dich und alles", hielt Malcom inne und beäugte Dudley ängstlich. „Es is' nur..."

„Nur was, Alter?", sagte Dudley laut. „Sie is' geil."

„Is' sie 'n Freak, wie Gordan gehört hat?"

Dudley grinste. „Weiß nich'."

„Schätze, du wirst's rausfinden, wenn sie nich' auf dich sauer is'", lachte Malcom. „Wow, also wie ist es?"

„Oh Gott, wenn du nicht deinen Mund hältst, werd' ich dich fertig machen!", verkündete Dudley und sie alle brachen in schallendes Gelächter aus. Dudley blies auf den Rest seiner Zigarette und machte sie aus. „Fuck, gib mir den Whiskey 'rüber", befahl er und nahm einen großen Schluck. „Ich will mich verdammt nochmal besaufen", sagte er laut.

Er bemerkte auf einmal, dass sie beobachtet worden waren. Harry stand nur in Dudleys Sicht und starrte ihn mit einem geschockt aussehenden Gesicht an. Obwohl Dudleys Herz ein wenig schneller schlug (würde Harry es wagen, es Mum zu erzählen?), musterte er den dunkelhaarigen Jungen cool, trank noch einmal und spie auf den Gehweg.

--

„Überraschung, Überraschung", sagte Harry uninteressiert von der Küche aus, als Dudley ungefähr um Zehn nach Hause stolperte.

„Geh ins Bett", war Dudleys gegrunzte Erwiderung. Er zog sich die Cappie vom Kopf und zerraufte seinen Pony. „Ich brauch nicht mit dir reden."

„Abgemacht. Aber du bist kein großer Schwätzer, Duddydums, das interessiert mich ziemlich. Seit wann bist du zum bösen Gangster geworden? Ich meine, nicht, dass es zu überraschend kommt, du bist schon immer ein Riesentyrann gewesen, aber rauchen und trinken? Tss! Dachte, du wärst Mamis und Daddys kleiner Schatz."

„Jah, vielleicht bist du nicht so schlau", schaffte Dudley heraus zu bringen und lief an Harry, wo dieser an der Küchentheke stand, vorbei.

„Oh, daran wird es liegen." Harry verdrehte die Augen. „Ich schaudere beim Gedanken daran, was Tante Petunia denken würde, wenn siegenau jetzt die Treppe herunter käme."

„Trau' dich doch", sagte Dudley.

Harry schien zu akzeptieren, dass dies keine zu große Drohung für den Blonden war. „Schön. Es kann unser Geheimnis sein, Duds, jetzt solltest du dein perfektes Selbst hoch in die Heia bringen, einfach damit du sehen kannst wiesehr du ein Doppelleben führst."

Dudley warf ihm einen komischen Blick zu, ging aber weiter auf die Treppe zu.

„Und Dudley", sagte Harry ernst und hielt an. „Du hast wirklich nichts, weswegen du trinken müsstest, also denke nicht weiter, eine Art Missbrauchsfall zu sein. Ich weiß, wer du bist."

„Nicht wirklich", sagte Dudley fest, so fest, dass er sich sicher war, dass Harry sich ein bisschen zurückzog. „Und wenn du das nochmal sagst, werd' ichwirklich wütend sein."

„O-kay, dann." Harry gluckste. „Gute Nacht, Dudders."

Dudley funkelte Harry an und machte eine unanständige Geste in seine Richtung und knarrte die Treppe hinauf. Als er sein Zimmer betrat und das Licht anschaltete, bemerkte er, dass da ein Päckchen auf seinem Bett lag. Es war hübsch verpackt vom Einkaufszentrum. Verwirrt packte er es aus und zerriss dabei das hellgelbe Papier, um eine einfache Schachtel zu offenbaren. Als er den Deckel des Päckchens abhob, sah er, dass es drei neue Kleidungsstücke enthielt: Ein Kapuzensweatshirt, das er bewundert hatte, ein neues Oberhemd und eine beige Hose, alle von dem neuen Laden, von dem er seit kurzem bessesen war. Mitten unter den Kleidern war eine Notiz:

'Lieber Dudley,

Es tut mir so Leid, dass Mrs. Holke und ihr Sohn dich so sehr verärgert haben. Was sie sagte, verärgert mich auch. Dass irgendjemand solche furchtbaren Dinge über dich sagen könnte, hat mich sehr traurig gemacht. Ich weiß, wer du bist und du würdest das niemals tun. Selbstverständlich glaube ich dir und selbstverständlich liebe ich dich. Dein Vater und ich sind so stolz. Lass dich nicht von diesen Lügen beeinflussen. DU BIST WUNDERBAR!

WIR LIEBEN DICH!

XOXO

-Mum (und Dad!)'

Dudley ließ die Notiz aus seiner großen Hand fallen und überlegte, etwas zu zerschlagen, aber stattdessen versuchte er schlafen zu gehen, ohne viel darüber nachzudenken. Es war sehr anstrengend und er schlief nicht ein, bis es vier Uhr am Morgen war. Er hasste, wie schlecht es sich anfühlte, aber er konnte nicht ausdrücken, was das für ein Gefühl war oder warum es nicht weg ging.


ÜN: Im nächsten Kapitel treffen Harry und Sarah aufeinander. Die Ereignisse von Go Ask Alice When She's Ten Feet Tall aus Dudleys Sicht... (Falls ihr's schon gelesen habt, keine Sorge, Dialoge werden nicht wortwörtlich widerholt.)