ALTER SCHMERZ

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Zukos Gesicht war halb von Schatten verborgen. Da war kein gigantischer, roter Fleck, keine rillige, vernarbte Haut, keine Reue in seinem Gesicht. Da war einfach nur Schatten. Ansonsten sah er genauso aus, wie er auf den Fahndungsplakaten aussah, die Mai in Omashu entdeckt hatte. Älter als ihr Zuko, aber immer noch dieselbe Person. Dieselbe unglaubliche, aufrichtige, starke Person.

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Wie er so da stand, fing er an, zu lachen. Laut und aufgedreht und mit einer Stimme, die Mai nicht ganz fremd war. Er griff ihre Hand und rannte mit ihr um irgendeine Ecke, und die ganze Zeit über lachte er. Und zu ihrer Überraschung fing auch sie an zu lachen. Laut und aufgedreht und so was von gar nicht typisch für sie selbst, dass der Gedanke daran sie nur noch mehr zum Lachen brachte. Zuko strahlte, noch immer seltsam beleuchtet, halb im Schatten, aber glücklich. Sie war auch so glücklich! Es war als ob alles Schlechte hinter ihnen lag, Azulas Streiche, der Tod von Zukos Cousin, das Verschwinden seiner Mutter, Zukos Verbannung, Omashu, - all der Schmerz und alle Demütigung! Es war, als ob nichts davon je passiert...-

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Und DANN wachte Mai auf. WARUM musste sie aufwachen?

Das war einfach nur unfair.

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Sie atmete ein paar Mal tief ein- und aus, und wurde sich wieder bewusst, wo sie war. In einem stickigen, fremden Raum in einer langweiligen eroberten Stadt. Sie war immer noch in Omashu. Nichts hatte sich geändert. Zuko war nicht hier. Zuko würde auch nicht herkommen. Zuko war vermutlich irgendwo auf einem langweiligen, blöden Schiff oder selbst in irgendeinem langweiligen Zipfel des riesigen Erdkönigreichs. Verkleidet, als einer von denen. Und in seinem Gesicht war vermutlich genau die Art riesige, schmerzhafte Narbe, die Mai in ihrem Traum nicht hatte sehen wollen. Und mit Sicherheit lachte Zuko auch nicht. Der ganze Schmerz, und die Demütigung lag nämlich nicht hinter ihnen. Vielleicht weinte er sogar jetzt gerade. Mai jedenfalls weinte.

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Wenn jetzt ein Diener hier rein käme und mich sehen würde, müsste ich ihn vermutlich entlassen..", dachte Mai, und für einen Augenblick fand sie den Gedanken ein bisschen lustig. Nicht, dass es nicht stimmte. Niemand sollte sie so zu Gesicht bekommen. Sie weinte nicht oft, und wenn doch, dann niemals in Gesellschaft.

Irgendwie armseelig, immernoch von Zuko zu träumen. Oder um ihn zu weinen."

Aber andererseits, wenn sie ihm nicht nachtrauerte, wer dann?

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