Erebor 3022: Kinseekers – Tochter des einsamen Berges
Von summerald – übersetzt aus dem Englischen von jessie152
Disclaimer: ''Der Hobbit'' und ''Der Herr der Ringe'' als auch sämtliche Figuren darin sind Eigentum von Tolkien Estate und Wingnut Films. Diese Geschichten dienen ausschließlich der Unterhaltung und weder der Autor noch der Übersetzer profitieren in irgendeiner Weise davon oder erheben irgendwelche Ansprüche auf ''Der Hobbit'' oder ''Der Herr der Ringe''.
Kapitel 4
Kíli wusste — mal abgesehen von allem anderen — am ehesten von der Art und Weise, in der Fjalar in den letzten Wochen mit seiner Mutter wegen praktisch jeder Kleinigkeit aneinander geraten war und ihr widersprochen hatte, dass der Junge mehr als bereit war, das Nest zu verlassen.
Es gab den Punkt, an dem junge, halbstarke Zwerge von älteren und weiseren männlichen Lehrmeistern in die Schranken gewiesen und herausgefordert werden mussten.
Kíli hatte durchaus Mitgefühl mit seiner Schwägerin, doch es kam ihm nicht zu, ihr Trost zu spenden oder etwas zu sagen. In dieser Situation war er nur der Anführer der Wache und wollte den Augenblick des Abschiedes im Interesse aller so schnell wie möglich hinter sich bringen. Frau An jedoch war in einer Mischung aus Trennungsschmerz und Sorge, ihren Erstgeborenen aus ihrer schützenden Obhut zu entlassen, völlig aufgelöst und das half unter diesen Umständen nicht sonderlich, die Verabschiedung kurz zu halten.
''Sag deiner Mutter auf Wiedersehen.'' Er richtete einen strengen Blick auf den Jungen.
Für einen Moment machte sich Trotz in Fjalars Gesichtsausdruck breit und es sah so aus, als ob er sich nach den zurückliegenden Streitereien weigern würde. Doch nachdem er seinen Onkel ein zweites Mal angesehen hatte, verkniff er sich jede Bemerkung.
Er stellte seine Tragetasche ab und ging zu seiner Mutter. Frau An konnte nicht anders und drückte ihren Sohn in einer heftigen Umarmung an sich. Sie schluchzte leise und versuchte vergeblich, ihre Tränen zu unterdrücken.
''Ich gehe doch nur in den Schlafsaal der Kadetten,'' murmelte Fjalar. ''Ich werde nicht mal sehr weit weg sein.''
Sie nickte und lächelte trotz ihrer Tränen. ''Arbeite hart,'' sagte sie,'' und vergiss nicht, dass wir dich lieben.''
Fjalar nickte und schließlich berührte er die Stirn seiner Mutter sanft mit seiner.
Kíli erkannte, dass es keinen besseren Zeitpunkt geben würde, die Situation im Guten zu beenden und zu gehen.
''Komm schon,'' sagte er. ''Kadetten lassen ihre Anführer nicht warten.'' Er hielt die Tür auf und ignorierte Frau Ans Tränen, während Fjalar seine Tasche aufhob und ihm folgte.
Draußen in der Halle blieb Kíli stehen. Fjalar machte zwei Schritte vorwärts, bemerkte dann, dass Kíli stehen geblieben war, trat einen Schritt zurück und sah seinen Onkel verwirrt an.
''Wenn wir durch diese Tür gehen, höre ich auf, dein Onkel zu sein. Von jetzt an bin ich dein kommandierender Offizier.'' Er legte seinem Neffen den Arm um die Schultern. ''Zumindest so lange, bis wir außer Dienst sind. Was für dich,'' lächelte er, ''in den nächsten sechs Wochen nicht der Fall sein wird. Kein Bitten um Nachsicht, verstanden? Ich muss von dir erwarten, dass du alles tust, was die anderen Kadetten in der Ausbildung auch tun.''
''Ich weiß, Vater hat mir das auch gesagt.''
''Gut.'' Kíli ließ den Jungen los und zauste ihm gutmütig das Haar, vermutlich zum letzten Mal in seinem Leben. ''Du bekommst ein Zugeständnis: wenn es etwas wirklich Ernstes gibt, was du mir mitteilen musst, dann komm zu meinem Bereitschaftsraum und bitte beim Haushofmeister um ein Treffen. Er hat die Anweisung, dich vorzulassen. Ich kann allerdings nicht garantieren, dass du nicht warten musst.'' Kíli zuckte mit den Schultern und Fjalar nickte.
''Ich erwarte weiterhin von dir, dass du das Privileg nicht ausnutzt. Du bist ein Prinz und der Erbe des Königs, Fjalar, aber solange du dich in der Ausbildung befindest, bedeutet der Rang nichts. Die Jungs, die du heute triffst, können für viele Jahre deine Waffenbrüder sein. Du musst dich mit ihnen anfreunden. Mit allen. Du kannst es dir nicht leisten, jemanden vorzuziehen oder zum Prügelknaben für alles zu machen. Auch dein bester Freund wird sich gegen dich wenden, wenn du auf den Schwächeren herumhackst.''
Fjalar runzelte die Stirn und zog die Augenbrauen zusammen. Es schien, dass er das noch nicht bedacht hatte.
''Wahre Krieger opfern sich füreinander. Derjenige, den du heute für schwach hältst, fängt vielleicht morgen den Pfeil ab, der für dich bestimmt war. Behandele sie alle mit großem Respekt, wenn du willst, dass sie dir folgen, wenn du eines Tages König bist. Wenn ich sehe, dass du das nicht tust, rechne damit, dass ich dir ordentlich in den Hintern trete. Und das werde ich dann genau vor den Augen deiner Kameraden tun.''
Fjalar starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er nickte heftig.
Kíli hob eine Augenbraue.
''Ja, mein Herr,'' sagte Fjalar.
''Guter Junge. Jetzt lass' uns gehen.''
Kíli öffnete die Tür, aber er hielt sie nicht für Fjalar auf, wie er es vielleicht vorher getan hätte. Diesmal schritt er hindurch, ganz der Prinz und Anführer, der er war, und ließ den Kadettenanwärter hinterdrein hasten, damit er mit ihm Schritt halten konnte. Er lief in seinem gewohnten Tempo, doch es war schneller, als er vielleicht mit einem Kind gegangen wäre. Fjalar war nun ganz offiziell kein Kind mehr.
Als sie die Große Zentrale Halle erreicht hatten, nahmen sie die Treppen, die sie mehrere Stockwerke nach unten führten, überquerten eine der weiten, freitragenden Brücken und stiegen dann wieder auf, um den Übungskomplex für die Kadetten zu erreichen. Kíli nahm die zweihundertfünfzig Stufen im Laufschritt und zählte sie ab, ohne eine Pause zu machen oder auch nur langsamer zu werden.
Oben angekommen, war Fjalar einmal gestolpert und völlig außer Atem.
Kíli lächelte ihm aufmunternd zu. ''In sechs Wochen kannst du das ohne Probleme zehn mal hintereinander machen.'' Er brachte Fjalar durch einen Seiteneingang in den Übungskomplex. Es brachte nichts, mitten unter die anderen Anwärter und ihre Eltern zu platzen — Kíli glaubte nicht, dass er an diesem Morgen noch mehr in Tränen aufgelöste Mütter vertragen konnte.
''Skirfir?'' rief er und sein fester Schritt drückte völliges Selbstvertrauen aus.
Skirfir hatte ihn bereits erwartet. ''Ja, mein Herr!''
''Kadettenanwärter Fjalar ist zum Dienst bereit,'' sagte er. ''Kadett Fjalar? Leutnant Skirfir. Du wirst seine Befehle ganz genau befolgen. Ich sehe euch beide heute Nachmittag bei der Übung.''
Damit drehte er sich um und ging.
Doch kaum, dass er in seinen Bereitschaftsraum war, blieb er stehen und seufzte. Er wusste, dass sein Bruder diesem Morgen ganz bewusst aus dem Wege gegangen war, weil ihn der Verlust seines kleinen Kindes aufrichtig verunsicherte. Um ehrlich zu sein — Kíli fühlte ebenfalls etwas von diesem Verlust. Er blickte zurück in Richtung der Kadettenhalle und diesmal seufzte er noch tiefer.
Er hatte jeden Lehrer, Offizier und jeden der Jungs in Fjalars Klasse handverlesen. Ein Teil von ihm fragte sich, ob Fjalar vielleicht verängstigt und einsam war, jetzt wo er von seiner Familie getrennt war, ganz speziell von seinem Vater.
Doch der andere Teil von ihm kannte seinen Neffen gut genug, um zu wissen, dass er aufblühen würde. Kíli nahm den Stapel frisch eingetroffener Briefe und Berichte von seinem Schreibtisch und lächelte still vor sich hin. Er war entschlossen, diese Zeit zu genießen, zu beobachten, wie der Bursche ein junger Krieger werden würde. Und er fragte sich, was wohl sein eigener Onkel damals an diesem Tag vor all den Jahren gedacht haben mochte, als er seine zwei jungen Neffen aus dem Zuhause ihrer Mutter in die Kadettenquartiere gebracht hatte. Kíli war mehrere Jahre jünger gewesen, als Fjalar es jetzt war. Und er war wie gelähmt gewesen, als sich sein geliebter Onkel in einen furchteinflößenden Anführer verwandelt hatte.
Kíli hoffte von ganzem Herzen, dass er nicht ganz so schreckenerregend war, wie ein Thorin Eichenschild im Exil.
Natürlich kannte Fjalar Skirfir schon. Aber er ging bedächtig vor. Er folgte seinem Freund (der jetzt sein Leutnant war) in den Schlafsaal der Kadetten. Er wollte seine Sache gut machen. Er wollte schließlich die Gelegenheit haben, jedem zu beweisen, dass er kein Kind mehr war. Doch zunächst mal war alles völlig neu für ihn und die Worte seines Onkels kreisten in seinem Kopf.
''Das ist dein Lager.'' Skirfir blieb an einem doppelstöckigen Bett stehen. ''Mein Quartier ist da drüben.'' Er zeigte auf einen kleinen, abgeteilten Raum, keine zehn Fuß entfernt, dessen Tür offen stand. ''Du hast etwa zehn Minuten, um dein Bett auszuwählen und dein Zeug zu verstauen. Ich werde 'Kadetten bereit' rufen und dann wirst du dich mit den anderen da drüben aufstellen.'' Er zeigte auf eine freie Fläche am anderen Ende des Schlafsaales.
Er zwinkerte und klopfte Fjalar auf den Arm. ''Willkommen auf dem Übungsgelände, Kadett.''
''Danke, mein Herr.'' Fjalar fühlte sich verlegen, doch er lächelte seinen Leutnant an. Sie hatten sich auf einem Schlachtfeld getroffen, einem, dass er niemals hätte zu Gesicht bekommen dürfen, als der junge Bogenschütze sich zwischen ihn und einen Goblin geworfen hatte, der ihn sonst getötet hätte. Fjalar war entsetzt gewesen, als Skirfir direkt vor seinen Augen zur Seite geschlagen und zehn Fuß durch die Luft geschleudert worden war.
Und Fjalar würde niemals vergessen, wie er geholfen hatte, Skirfir über eine Stunde durch den tiefen Schnee zurück zum Westlichen Außenposten zu tragen.
Sein Onkel hatte recht: Ein wahrer Krieger opferte sich für seinen Waffenbruder. Er öffnete den Spind neben dem Bett, warf seine Tasche hinein und sah dann seinem Freund hinterher. Der war dabei, zwei weitere Anwärter zu ihren zugeteilten Betten zu führen.
Fjalar wusste jetzt bereits, dass er für seinen Leutnant alles tun würde.
''Oben oder unten?'' fragte eine Stimme hinter ihm.
Fjalar drehte sich um und sah vor sich einen deutlich kleineren, mehr als kräftig gebauten, rothaarigen Burschen, der ihn angrinste.
Er lächelte zurück. Für einen Moment wurde das Gesicht des anderen Zwergs ausdruckslos. Dann richtete er sich gerade auf.
''Mieth, zu Euren Diensten,'' er verbeugte sich.
Fjalar erwiderte die Verbeugung. ''Fjalar, zu Euren und denen Eurer Familie. Und ich nehme das obere Bett,'' antwortete er. Er war sich nicht sicher, ob Mieth da überhaupt hinauf kommen würde.
''Sehr gut. Ich kann Klettern nicht leiden.'' Mieth zuckte mit den Schultern. ''Axt oder Schwert?'' fragte er mit einem Schimmern in den Augen.
Fjalar trat zurück, damit Mieth den zweiten Spind benutzen konnte. ''Schwert, ganz klar.''
Mieth grinste erneut.'' Dann werde ich meinen Spaß daran haben, dir mit meiner Axt die Beine unter dem Hintern wegzuhauen.''
Fíli sah von dem Dekret auf, dessen letzten Absatz er gerade im Begriff war fertig zu schreiben, als der Vorsteher seiner Schreibstube Nÿr, die Zukünftige seines Bruders, hereinführte.
Er überlegte, dass seine Arbeit an diesem Morgen so schnell nicht erledigt sein würde, wenn die lange Reihe von Leuten, die einen Moment seiner Zeit in Anspruch nehmen wollten, nicht abreißen würde. Insbesondere, da ein Moment meistens zu einer halben Stunde wurde, wenn er Glück hatte, oder zu zwei Stunden, wenn er kein Glück hatte.
''Nÿr,'' rief er. ''Was für eine angenehme Überraschung!'' Für seine zukünftige Schwägerin musste er sich zumindest nicht zum Lächeln zwingen. Er mochte die junge Heilerin ehrlich gern.
''Entschuldige, dass ich einfach so bei dir reinplatze.''
''Dann nehme ich an, dein Besuch ist offiziell?''
Sie sah aus, als ob ihr die Situation irgendwie unangenehm war.
''Nun, zumindest…,'' sie rang nach Worten, ''nun ja. Da ich hier bleibe, solange du weg bist, und ein Teil meiner Aufgabe ist, deinen Bruder im Auge zu behalten…''
Fíli nickte. ''Ja?''
''Eine Sache muss ich ganz genau wissen, und ich denke, ich muss die Erklärung von dir hören.''
''Was genau willst du wissen?''
''Ich habe jetzt schon mehrmals gehört, wie du erklärt hast, dass Kíli die Ländereien von Erebor nicht verlassen kann.''
Fíli beendete den Satz, den er gerade zu schreiben im Begriff gewesen war, und legte die Feder weg. Hör auf, dauernd drei Dinge gleichzeitig zu tun, schalt er sich selbst.
''Das ist richtig,'' sagte er langsam. ''Das kann er nicht. Er ist nur dann vor dem Fluch, der in seinem Blut lauert, beschützt, wenn er hier bleibt.'' Fíli sah bedrückt auf seine Hände. ''Schau, ich weiß, er hasst das.'' Fíli sah auf und blickte Nÿr geradewegs in die Augen. ''Für die meisten von uns ist Erebor ein prächtiger Palast. Doch für Kíli…,'' er wandte sich ab, ''… ist es einfach nur ein großes Gefängnis.''
Er richtete seinen Blick wieder auf Nÿr. Das Mädchen trat unruhig von einem Fuß auf den anderen und wirkte bedrückt.
''Was ich wissen möchte, beziehungsweise was ich wissen muss…'' sagte sie, während ihre Nervosität offensichtlich war, ''… wo genau liegt die Grenze.?'' Sie hob den Kopf und sah Fíli geradeheraus an. ''Ich weiß, er kann nach Thal gehen. Und er war draußen auf der westlichen Flanke des Berges. Wenn er sich entschließt hinaus zu reiten, um irgendjemanden zu retten. Wie weit kann er wirklich gehen? Wo ist der Punkt, von dem aus es kein Zurück mehr gibt?''
Fíli holte tief Luft. Aha, darum ging es.
''Du hast recht,'' räumte er ein. ''Das musst du wirklich wissen. Gut, dass du fragst.'' Er erhob sich und ging an den Regalen mit Gesetzbüchern entlang und führte sie zu einer Reihe von Kartenschränken.
''Schubfach Nummer siebenundzwanzig…'' Er suchte es, zog es auf und holte eine riesengroße, sehr detaillierte Karte hervor, auf der auch Erebor eingezeichnet war.
Fíli legte sie vorsichtig hinüber auf den großen Ratstisch und beschwerte die ihm zugewandten Ecken der Karte mit ein paar Gegenständen. Nÿr tat dasselbe auf ihrer Seite.
''Das ist eine Karte des Berges, auf dem die Steinhauer dargestellt haben, woraus sich der Untergrund zusammensetzt. Dies hier ist die Legende. Was Kíli beschützt, ist das große Massiv des Erebor, dessen Gestein von einem Zauber durchdrungen ist. ''Er zeigte auf das Herz des Berges. ''Wir können dies direkt am Gipfel des Berges und oben auf den Kämmen der Ausläufer des Erebor, die sich in die Umgebung erstrecken, sehen. Dazu gehört auch das Gestein, auf dem Thal errichtet ist.'' Er wies auf die grau markierten Bereiche auf der Karte. ''Doch tatsächlich erstreckt sich diese Gesteinsart unter der Erde über einen ausgedehnten Bereich rings um den Berg.'' Er zeigte nun auf heller markierte Landstriche. ''Sie erstreckt sich im Süden bis unter den Langen See, doch nicht bis nach Esgaroth. Dieses Gestein ist im Westen unter der gesamten Bergflanke bis in den Grünwald hinein zu finden und im Osten bis etwa zu einem Drittel der Entfernung zu den Eisenbergen. Nach Norden allerdings reicht es nicht sehr weit. Dort findet man es nur unter den direkten Vorgebirgen… hier,'' er tippte auf die Karte.
Nÿr betrachtete sie. ''Also muss man sich um ihn nicht sorgen, solange er sich in den Bereichen mit diesem Untergrundgestein aufhält?''
''Genau so ist es. Er war viele Male draußen an diesen Grenzen,'' erläuterte Fíli. ''Wir haben allerdings nur einmal ausprobiert, sie zu überschreiten.''
''Was ist passiert?''
''Ein Dwimmerlaik. Ein Dämon… eine Geistererscheinung… beinahe im selben Augenblick.''
''Wie hat er überlebt?''
''Ich war da. Ich habe Brandfackeln benutzt, um sie abzuwehren, bis wir es zurück auf sicheren Boden mit Ereborgestein darunter schafften. Zum Glück für uns waren wir nicht weit gegangen. Ich weiß nicht, wie lange die Brandfackel den Dämonen noch hätte abwehren können. Und die ganze Zeit war ich beinahe wie gelähmt vor Angst, dass noch mehr von ihnen auftauchen würden.''
Fíli starrte einige Zeit schweigend auf die Karte. ''Mahal, wir hatten danach beide wochenlang Alpträume,'' sagte er leise.
Nÿr schluckte hart. ''Wie halte ich ihn davon ab, die Grenze zu überschreiten? Du weißt ja, wie eigensinnig er werden kann…''
Fíli zog die Augenbrauen hoch. ''Zum Glück hat er eine sehr gesunde, tief sitzende Furcht vor diesen Geistern. Glaub' mir, ich weiß, wovon ich spreche. Und wenn du ihn wirklich aufrütteln und seine Aufmerksamkeit erlangen willst, erwähne einfach das Schicksal von Thrain.''
''Was ist mit Thrain passiert?''
Fíli seufzte. ''Gandalf der Graue suchte uns etwa zehn Jahre, nachdem wir den Erebor erreicht hatten auf. Hast Du Gandalf jemals getroffen?''
Nÿr schüttelte den Kopf. ''Ich habe nur die Geschichten gehört…''
Fíli nickte. ''Nun, er war in diesem Jahr für den größten Teil des Winters hier. Balin und ich haben uns sehr lange mit ihm über Kílis Fluch, über Thrain und über den Berg unterhalten. Gandalf hat uns Dinge erzählt, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört hatte, nämlich dass Thrain ganz allein losgezogen ist und einen der Sieben Ringe der Zwergenherrscher trug. Sauron wurde von dem Ring angezogen. Er hat Thrain gefangen, er nahm ihm den Ring, er vergiftete ihn mit einer Morgulklinge… und irgendwann fiel er den Geistern in die Hände und er wurde einer von ihnen.''
''Wegen des Rings?''
''Gandalf glaubte, dass es erst nur der Ring war, der verhinderte, dass Thrain entkam. Doch als sich Sauron des Ringes erst einmal bemächtigt hatte, war es wirklich nur das Morgulgift, das Thrain gefangen hielt.'' Fíli zuckte mit den Schultern. ''Er hätte vielleicht entkommen können, wenn er nicht davon besessen gewesen wäre, seinen Ring zurück zu bekommen.'' Er runzelte die Stirn. ''Das sind wirklich alles nur Vermutungen. Thorin hatte immer gewollt, dass das alles einen Sinn ergab, dass er für alles einen bestimmten Grund hat, irgend etwas Handfestes, was er in einer Schlacht angreifen und in Stücke reißen konnte. Aber so einfach ist es oft nicht''
Fíli holte tief Luft und seufzte. ''Ich bin nicht so sehr wie Thorin, ich komme mehr nach meiner Mutter.'' Er sah Nÿr an. ''Ich bin sehr viel mehr daran interessiert, dass meine Familie und mein Volk in Sicherheit leben.''
''Und Kíli ist in Sicherheit, solange er zu Hause bleibt?''
''Die Geister können die Grenze von Erebors Gestein nicht passieren und hier eindringen. Es ist wie der Kreis von Ahyrunu.''
''Der … Kreis?''
''Du hast ihn noch nicht gesehen?'' Fíli richtete sich auf und starrte sie an. Wie konnte er vergessen, dass sie vielleicht die Fähigkeit besaß, den Kreis zu beschwören? ''Oh, Tochter aus Durins Geschlecht. Das musst du sehen. Lass uns gehen und einen Blick darauf werfen.''
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AN.: Wir hoffen, es hat gefallen, Feedback wie immer sehr willkommen. Bis nächste Woche, Summer & Jessie
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