Was wird Bella tun? Hier werdet ihr es erfahren. Viel Spaß.;)
„Ich weiß nicht ob ich immer körperlich bei dir sein werde. Aber so lange du an mich denkst, werde ich dich auch nie verlassen." flüsterte er mit traurigen Augen.
Er verschwieg mir etwas. Deshalb war er so traurig und besorgt. Er wollte mich wirklich verlassen. Wie sollte ich ohne ihn leben? Er war alles für mich, ich liebte ihn... Ich durfte mir nicht anmerken lassen wie sehr der Gedanke an seine Abwesenheit mir zu schaffen machte.
„Bist du dir sicher?" fragte ich fast unhörbar.
„Ganz sicher." Und ich glaubte ihm. Was sollte ich auch anderes tun?
„Komm Bella," ,sagte er nach einer kurzen Pause „zieh dir ordentliche Sachen an und geh dann ins Bett. Unsere Eltern werden erst sehr spät wiederkommen."
Langsam und elegant ging er Richtung Tür. Kurz bevor er ganz draußen war, drehte er sich noch mal um und schaute mir in die Augen. Sofort fühlte ich die altbekannten Schmetterlinge in meinem Bauch und hielt die Luft an. „Ich gehe auch gleich. Schlaf gut, darlin´." Und damit war er weg. Schnell zog ich mir mein Nachthemd an und machte mich bettfertig. Seufzend ließ ich mich nach hinten auf mein Bett fallen.
Ich musste eine Entscheidung treffen. So wie es jetzt war konnte es nicht weitergehen. Wenn ich meine Gefühle für Jasper weiter so in mir aufstaute, würde ich langsam verrückt werden. Erst vorhins hatte ich ihn beinahe geküsst, nur weil ich für einen Moment die Beherrschung verloren hatte!
Was für Möglichkeiten hatte ich? Natürlich stand Jaspers Wohl an erster Stelle. Ich wollte, dass er glücklich war, mit oder ohne mir. Er sollte sich verlieben, heiraten, Kinder kriegen... Natürlich würde es jedes Mal weh tun, ihn mit seiner Geliebten zu sehen, aber ich würde es aushalten. Für ihn...
...Deshalb war es unmöglich ihm zu sagen was ich für ihn empfand. Er liebte mich. Zwar nicht auf die gleiche Weise wie ich ihn, aber trotzdem würden meine Gefühle seine Entscheidung hinsichtlich Liebe und Heirat beeinflussen, und das durfte ich nicht zulassen.
Ich könnte weglaufen. Aber das würde Jasper und meine Eltern verletzten, und das wollte ich auf jeden Fall vermeiden.
Ich hatte noch eine Idee. Es war die effektivste, aber auch die schmerzvollste Methode... Jasper vergessen. Meine Gefühle für ihn ganz tief in mir wegschließen und nie mehr hervorholen... Das würde Schmerz bedeuten, denn trotzdem wären sie ja noch da und würden nur darauf warten, wieder hervorzukommen und mich wieder zu beherrschen.
Ich würde mich verändern, jeder würde es merken. Auch Jasper. Ich würde ihn meiden müssen. Ich könnte ihn nicht mehr so viel umarmen, mit ihm lachen und Sachen unternehmen. Das alles würde nur die Gefahr steigern, wieder in mein altes Schema zurückzufallen. Es würde so aussehen, als würde Jasper mir egal sein, und das würde ihn verletzten. Sehr. Aber der Schmerz würde verschwinden, mit der Zeit. Spätestens wenn er sich verlieben würde, würde er vergessen wie eng zusammen wir einmal waren. Und das war gut für ihn. Für mich war allein dieser Gedanke zerstörend. Ich könnte ihn niemals richtig vergessen... Ich konnte es versuchen, aber es würde nicht klappen, das wusste ich.
Trotzdem hatte ich meine Entscheidung schon getroffen. Ich würde morgen anfangen.
Aber davor musste ich noch eine Sache erledigen... Etwas was ich schon die ganze Zeit tun wollte in der ich in Jasper verliebt war. Schnell und leise sprang ich auf und fiel beinahe wieder hin. Warum musste ich auch so tollpatschig sein? Flink huschte ich aus meinem Zimmer und schlich den stockdunklen Flur entlang. Jaspers Zimmer war ganz am Ende des Ganges. Ich eilte auf seine Zimmertür zu und hielt mein Ohr an seine geschlossene Tür. Ich konnte seine regelmäßigen Atemzüge hören, das musste heißen dass er schon schlief.
Ganz langsam drückte ich die Türklinke hinab und hoffte, dass seine Tür nicht quietschte. Nachdem ich sie einen Spalt breit geöffnet hatte, spähte ich hinein. Jasper lag auf seinem Bett, die Bettdecke verrutscht. Sein Gesichtsausdruck war friedlich, seine Augen geschlossen. Seine Haare leuchteten silbern im Schein des Mondlichts, dass durch das Fenster schien und sein gesamtes Bett erhellte. Sein muskulöser, nackter Oberkörper hob und senkte sich gleichmäßig.
Mir stockte der Atem. Er sah absolut wunderschön aus, wie ein Gott. Leise tapste ich in sein Zimmer und näherte mich seinem Bett. Ich versuchte mir jedes Detail seines Gesichts und seines Körpers einzuprägen. Das würde das letzte Mal sein, das ich ihn so bewundern könnte.
Nachdem ich mich versichert hatte, dass er noch schlief, beugte ich mich zu seinem Gesicht herab und strich mit meiner Hand sanft über seine dunkelgoldenen Locken. Obwohl sie so störrisch und wild aussahen, fühlten sie sich weicher an als die feinsten Stoffe die es gibt. Ganz vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, spreizte ich meine Finger und fuhr durch seine seidigen Haare, löste kleine Knoten und versuchte, sie etwas zu ordnen. Auf einmal bewegte sich Jasper leicht und ich fuhr erschrocken auf, behielt aber meine Hand wo sie war. Dann merkte ich warum er sich bewegt hatte:
Er hatte seinen Kopf meiner Hand entgegengestreckt, ganz so als würde es ihm gefallen und ich sollte weitermachen. Ein leichtes Lächeln breitete sich in meinem Gesicht aus. Oh Gott, wie sehr ich ihn liebte. Keine Worte konnten beschreiben, wie ich mich in diesem Moment fühlte. Langsam und vorsichtig fuhr ich fort, seine Haare zu kämmen und begann dazu, zärtlich seine Kopfhaut ein bisschen zu massieren. Anscheinend gefiel ihm das, denn er legte seinen Kopf in meine Hand und ein leichtes Seufzen entfuhr ihm. Mein Blick war voller Liebe und Sehnsucht, als ich sein makelloses Gesicht studierte: Seine Goldlocken hingen ihm in die Stirn, seine Nase war so gerade und perfekt und seine Augen, obwohl sie geschlossen waren, schienen nichts außer Freude und Zufriedenheit auszustrahlen. Ein leichtes und atemberaubendes Lächeln zierte seine vollen und leicht pinken Lippen, und seine Haut war glatt und ohne jeden Makel.
In diesem friedlichen Moment verliebte ich mich noch so viel mehr in ihn, und fragte mich, ob man einen Menschen überhaupt so stark lieben konnte. Natürlich war ich müde, doch ich konnte mich einfach nicht von meinem Jasper losreißen. Das war das letzte Mal, dass ich ihm so nah sein konnte und das musste ich ausnutzen.
Meine Hand zog sanfte Kreise über seinen Kopf und Jasper seufzte ab und zu. Es klang so niedlich wenn er das tat, ich konnte es gar nicht oft genug hören. Nach ungefähr einer Stunde wurde ich etwas mutiger, und begann, ganz sanft und mit bebenden Fingern sein Gesicht zu streicheln. Es schien ihm zu gefallen, also machte ich weiter. Ich fuhr seine perfekten Augenbrauen nach, und ließ meine Finger von seiner Schläfe zu seinem Kinn gleiten. Seine Haut war so weich für einen Jungen... Ganz leicht fuhr ich mit meinem Zeigefinger seine vollen Lippen nach. Wie oft hatte ich mir versucht vorzustellen, wie sie sich anfühlen würden... Sie waren einfach nur perfekt. Leicht geschwungen und nach ober gebogen, sodass er immer aussah, als würde er ein wenig lächeln. Ein so leicht pinker Farbton, dass man geradezu dazu verlockt wurde sie zu küssen, und so voll waren sie... Leise setzte ich meine Erkundungstour in seinem Gesicht fort. Fuhr seine leicht lilanen Augenlider nach und seine markante Kinnlinie... Immer wieder entdeckte ich neue Sachen die nur bestätigten,was ich schon immer wusste: Er war einfach perfekt. Es gab keinen Mann der hübscher sein konnte als mein Jasper. Das war einfach nicht möglich.
Er sah aus wie ein Engel, wie das weiße Mondlicht auf seinen Oberkörper fiel... Als mein Blick auf seine starken Schultern und seine muskulöse Brust fiel, wusste ich was ich als nächstes tun würde. Leise rutsche ich von seinem Gesicht weg und näherte mich seiner Brust. Jasper schien es nicht zu gefallen dass ich weg war, denn er verzog sein Gesicht ein wenig. Ich kicherte sehr leise und ließ meinen Blick über seine gemeißelte Figur schweifen. Sein Körper war durch die harte Arbeit sehr durchtrainiert und muskulös. Er war schon immer ziemlich groß, hatte aber immer genügend Muskeln um nicht schlaksig zu erscheinen. Seine Schultern waren breit und männlich und seine Arme waren ebenfalls sehr muskulös. Alles in Allem hatte er einen Körper, den sich jeder Mann nur wünschen konnte. Ich war so glücklich dass ich ihn hatte, wenn auch nur als Bruder... Zögerlich fing ich an, die harten Muskeln auf seiner Brust nachzufahren. Jasper gab ein komisches Geräusch von sich, es klang schon beinahe wie das Schnurren einer Katze. Ich nahm an es gefiel ihm, also machte ich weiter. Zeichnete unsichtbare Muster und zog seine definierten Bauchmuskeln nach.
Bald schon hörte ich Mutter und Vater nach Hause kommen, doch da ihr Zimmer im Erdgeschoss war, machte ich mir keine Sorgen. Die ganze Nacht verbrachte ich damit, seinen Oberkörper, sein Gesicht und seine Haare sanft zu streicheln, und genoss seinen Geruch, seine Nähe und seine Geräusche der Zustimmung. Es war eine perfekte Nacht, die beste Nacht meines Lebens, doch leider dämmerte es irgendwann. Ich wollte noch eine Sache tun, bevor ich mich endgültig verabschiedete. Ich kniete mich vor sein Gesicht und lehnte mich zu seinem Ohr.
„Jasper, ich weiß du kannst mich nicht hören, aber ich muss es dir trotzdem sagen. Ich finde du bist der wunderschönste, klügste, netteste, charismatischste und liebevollste Mensch auf dieser Erde. Ich liebe dich, Jasper, mehr als man seinen Bruder lieben sollte. Und deshalb muss ich mich von dir fernhalten. Ich hoffe du verzeihst mir die Sachen die ich in der Zukunft machen werde, und selbst wenn es dann manchmal nicht so aussehen wird Jasper, ich werde dich immer lieben und verehren, für immer und ewig." eine einsame Träne rollte meine Wange hinab und tropfte auf Jaspers Kissen.
Langsam beugte ich mich vor und atmete noch einmal seinen wundervollen Duft ein, bevor ich meine Lippen auf seine presste. Es war besser als ich es mir je erträumt hatte. Seine Lippen waren weicher als alles was man sich vorstellen konnte, und sein Duft verstärkte sich um das 100-fache. Das war mein erster "Kuss", wenn man es so bezeichnen konnte, und ich konnte mir keinen besseren vorstellen.
Ich wollte mich grade wieder aufrichten, als etwas passierte: Jasper bewegte seine Lippen ganz leicht auf meinen, hob seine Hand und legte sie auf meinen Hinterkopf. Das bisher leichte Brennen meiner Lippen verstärkte sich, bis es sich fast anfühlte als würde Strom durch meinen Körper fließen. Ich öffnete meine Augen, fast sicher dass Jasper aufgewacht sein musste, nur um in sein friedliches Gesicht zu blicken. Er schlief immer noch, anscheinend träumte er. Nach einigen Sekunden ließ er seine Hand sinken und sank zurück in die Kissen.
Er blinzelte einige Male mit verschlossenen Augen, und ich wusste, dass er bald aufwachen würde. Ich lehnte mich ein letztes Mal zu ihm, küsste seine Stirn und strich durch seine Haare. Dann drehte ich mich schweren Herzens um und ging Richtung Tür. Bevor ich ganz draußen war, drehte ich mich, genau wie Jasper es vor einigen Stunden getan hatte, flüstere: „Tschüss Jasper, ich werde dich nie vergessen." und schloss die Tür. Und als ich hörte, wie Jasper auf der anderen Seite der Tür gähnte und die Bettdecke zurückschlug, wusste ich plötzlich warum er zurückgeküsst hatte: Es war sein besonderer Abschied für mich. Mit diesem Gedanken im Kopf und einem Lächeln auf dem Gesicht schlief ich ein.
Endlich fertig. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu schreiben...Falls jemand jetzt verwirrt sein sollte: Bella hat beschlossen sich von Jasper fernzuhalten, und ihre Gefühle für ihn zu unterdrücken. Die Nacht war sozusagen ihr "Abschied".
