Vielen, vielen Dank für das Feedback, so kurz nachdem ich die Story hochgeladen habe. Ich hab mich wirklich sehr gefreut )

Elbendrache: Danke, danke, 3 Reviews! Zu jedem Chap eins, klasse freu Und ich habe mit den Rückblenden wirklich ihr „ganzes Leben" bis zum jetzigen Zeitpunkt beschrieben.

Leyla: Vielen Dank auch dir und du wirst jetzt sehen wie es mit Demor weitergeht ;)

4.Kapitel

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Ihr erster Kuss! Féwen erinnerte sich noch zu gut daran. Wäre sie etwas erfahrener gewesen, hätte sie sich über sein schnelles Verschwinden gewundert. Aber sie war wie verzaubert sitzen geblieben und hatte an nichts gedacht. Nichts, außer dem süßen Kuss. Für diese Unachtsamkeit war sie später bestraft worden.

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Die folgenden Wochen kamen Féwen vor wie ein Traum. Sie traf sich täglich mit Demor und war eine wissbegierige Schülerin. Sowohl was das Reiten, als auch was den Austausch von Küssen und anderen Zärtlichkeiten anging.

Sie glaubte, Fenara würde es nicht merken, doch sie täuschte sich.

Die Mutter sah den rosigen Schimmer auf den Wangen des Mädchens, bemerkte das unkonzentrierte Gehabe und hörte auch von Golar, dass er Veränderungen an dem Mädchen bemerkt hatte.

Fenara ließ es geschehen, wusste sie doch nicht, wer der Auserwählte ihrer Tochter war. Sie hoffte auf einen Jungen aus dem Dorf, der ihre Féwen heiraten könnte.

Es gehörte zwar zum modernen Denken, dass eine Frau sehr wohl unverheiratet sein konnte, trotzdem wünschte sich die Mutter einen Mann für ihre Tochter.

Golar hingegen behagte der Gedanke an Féwens Verliebtheit nicht. In seinen Augen war sie noch zu jung dafür, und endlich würde sie womöglich noch ihr ganzes Talent wegwerfen, um einen Mann zu bekochen.

Einzig Maelafin wusste nichts davon, und das war gut so. Der eifersüchtige Vater würde keinen Mann an seine Tochter lassen, den er nicht von klein auf kannte.

Féwen glitt von Gandos Rücken. Sie drehte sich um und sah, dass Demor auch schon abgesessen hatte. Er nahm ihr die Zügel aus der Hand und band ihn am Baum fest, neben dem Pferd, dass er sich von einem Freund geliehen hatte, damit sie auf Gando reiten konnte.

„Du wirst immer besser", lächelte er. „Heute hat der kleine Sprung schon richtig gut geklappt. Wenn wir mit Sattel reiten, können wir auch höher springen."

„Ich hoffe sehr, dass mein kluger Lehrer es mir beibringt", antwortete Féwen, trat näher zu ihm und legte ihre Arme um seinen Hals.

Er hob ihr Kinn an und küsste sie sanft auf den Mund.

Féwen liebte es, seine Nähe so zu spüren. Ihre Finger streichelten sein Haar, es fühlte sich wunderbar weich an.

Bald lagen sie auf dem Boden, er fuhr mit seiner Hand immer wieder zum Verschluss ihres Mieders. Sie zog die Hand weg, küsste kurz ihre Innenfläche und sagte dann leise: „Ich möchte es nicht. Ich liebe dich, Demor, aber damit möchte ich noch warten."

Sie sah ihn verunsichert an. Verstand er sie? War er jetzt böse?

Demor küsste ihre Nasenspitze und flüsterte: „Natürlich kann ich warten. Auf dich würde ich ewig warten. Ich liebe dich, du bedeutest mir so viel."

Erleichterung zeichnete sich auf Féwens Gesicht ab. Er liebte sie, vielleicht würde er sie eines Tages heiraten, und dann würde sie sich ihm nicht verweigern. Fenara sagte ihr einst: „Hüte den Schatz deiner Jungfräulichkeit, bis du heiratest. Denn nur dein Mann ist der Richtige, um dir etwas zu nehmen, das du nie wiederbekommen wirst."

Als Demors Stute unruhig zu wiehern begann, beschlossen sie, zurück zu reiten. Die Pferde dicht nebeneinander treibend, hielten ihre Hände einander fest.

Erst kurz bevor sie das Dorf erreichten, ließen sie los.

Demor und Féwen hatten ihre Pferde gerade in ihren Stall auf der Burg gebracht, als ihnen ein kleiner Junge entgegen gelaufen kam. Er sprach Demor an: „Herr, ihr seid doch aus Rohan?" „Ja, das bin ich." „Es ist ein Bote mit Briefen gekommen, er ist in der großen Halle."

Féwen warf Demor einen raschen Blick zu, bevor sie sich auf den Weg in die Halle machten.

Ihr fiel zum ersten Mal ein, dass er nicht in Thanglhein wohnte. Irgendwann würde er nach Hause müssen. Aber vielleicht blieb er ja! Er hatte ihr gesagt, dass er ewig auf sie warten würde. Konnte er sich nicht hier niederlassen und sie heiraten? Das wäre eine gute Lösung. Gleich heute Abend würde sie es ihm vorschlagen.

Dann könnte sie auch ihren Eltern davon erzählen. Fenara würde überglücklich sein.

Und sie selbst erst.

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Sie hatte geträumt. So hatte sie es sich vorgestellt. Jung und unschuldig, alles eitel Freud und Sonnenschein. Demor wäre nie auf die Idee gekommen, sie zu heiraten.

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„Ich werde sofort nach Hause reiten müssen!"

Féwen saß neben Demor auf der Bank und riss die Augen vor Schreck weit auf. „Was…? Aber warum denn?"

„Ich muss nach Hause, Kleines, es war doch von Anfang an klar, dass ich nicht für immer bleiben würde." Er strich ihr über die Wange, aber sie schlug seine Hand weg.

„Ich dachte, du liebst mich! Wie kannst du dann einfach verschwinden?" Voller Zorn blinzelte sie ihn an, doch dann wurden ihre Gesichtszüge weich und verletzlich.

„Ich dachte, wir würden heiraten. Wir würden hier wohnen und immer zusammen bleiben, bis dass der Tod uns scheidet." Ihre Augen glänzten als sie zu ihm aufschaute.

Er lachte. Er lachte! Er fing einfach an, zu lachen! Was für eine Unverschämtheit!

„Ich habe nie gesagt, dass ich dich heiraten werde. Ich wollte eigentlich gar nicht heiraten. Ich bin nicht für die Ehe geschaffen."

Féwen unterdrückte nur mit Mühe ihre Wut. Ihre Stimme zitterte leicht als sie sagte: „Du wolltest nie heiraten? Wieso „wolltest"? Willst du mich jetzt doch zur Frau nehmen? Dann lass dir gesagt sein…."

„Dich?", unterbrach er sie mit hohnvoller Stimme. „Doch nicht dich. Ich habe einen Brief von meiner Mutter bekommen, worin steht, dass ich sofort nach Hause kommen soll. Ein Mädchen dort ist von mir schwanger. Und jetzt besteht meine Mutter darauf, dass ich sie heirate. Ich tue es nicht gerne, aber wie würde ich denn sonst dastehen!"

„Was, glaubst du, werden die Leute hier von dir denken! Dich mit einem Mädchen einzulassen, obwohl du praktisch schon verlobt bist!"

Plötzlich fand sie, dass seine grauen Augen, die sie einst so bewundert hatte, aussahen wie Abwaschwasser. Sie konnte sich nicht helfen. Wieso hatte sie ihn je für gut aussehend gehalten?

„Ich wusste nichts von dem Kind!", rief er, „Ich…"

„Es reicht. Ich will keine Ausreden mehr hören. Du hast kein Ehrgefühl und je schneller du verschwindest, desto besser."
Féwen hatte genug. Sie war verletzt, enttäuscht, wütend und konnte die Tränen kaum noch zurückhalten.

Sie stand auf und ging, mit möglichst ruhigen Schritten, ins Haus.

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Die ganze Nacht hatte sie sich bei Fenara ausgeweint. Diese hatte sie getröstet. Sie hatte auch vorausgesagt, dass sie diesen Liebeskummer überleben würde, so unglaublich das damals auch geklungen hatte. Aber sie hatte es überstanden. Es war nicht einfach gewesen, aber es gab Schmerzen, die größer waren.

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Nach Demors Abreise stürzte sich Féwen auf ihre Arbeit. Zum ersten Mal erzählte Golar ihr, dass er wollte, dass sie sich in den Rat wählen ließ. Féwen war verblüfft, auf diese Idee war sie nie gekommen, aber wieso nicht?

Sie beschäftigte sich mit den Zukunftsplänen, besuchte alle Ratsmitglieder mehrmals und baute ihre Beziehungen im Rat und mit längst vergessenen Freunden auf.

Féwen war 18 Jahre alt, als Fenara ihr mitteilte, dass sie wieder schwanger war. Die ganze Familie freute sich auf das Kind, aber diese Schwangerschaft war von Anfang an schwieriger als die Letzte.

Mit Maev hatte Fenara bis zum Tag der Niederkunft arbeiten können, jetzt musste sie einen Monat vorher schon auf die Burg und stand dort unter ständiger Beobachtung.

Maev wurde bei Freunden untergebracht und Maelafin und Féwen zogen vorübergehend in die Burg.

„Féwen, komm steh auf! Es geht los." Maelafin schüttelte seine Tochter sanft.

Sie schlüpfte rasch in ihr Kleid und lief mit ihrem Vater zu dem Zimmer, in dem Fenara lag.

Dort angekommen bekamen sie einen riesigen Schrecken. Mindestens vierzehn Ärzte und Pfleger liefen um das Bett herum. Warum so viele?

Die Hebamme erklärte ihnen, dass es Komplikationen gab. Fenara erwartete zwei Kinder! Und Eines lag verkehrt herum.

Maelafin wurde aus dem Raum geschickt, Féwen bekam langsam Panik, die Hebamme hatte gesagt, dass sie bei der Geburt helfen sollte.

Also lief sie immer hin und her, holte Handtücher, warmes Wasser und hielt zwischendurch die Hand ihrer Mutter.

Fenaras Gesicht war verzerrt, die Wehen waren stark, und ihr Körper war schwach.

Es dauerte eine halbe Stunde, bis das erste Kind kam. Alle hielten die Luft an, aber das kleine Wesen begann nicht zu schreien.

Féwen merkte, dass Fenara wusste, dass ihr Kind tot war.

Tränen liefen der Tochter übers Gesicht, als sie kaum Fenaras Händedruck spürte.

Das zweite Kind kam schnell, war aber ebenfalls tot.

Fenara verlor das Bewusstsein, die Ärzte taten alles in ihrer Macht stehende, um ihr zu helfen.