Bree, Butterblüms Part
Inzwischen weiß ich wirklich nicht mehr wie ich mich verhalten soll. Nicht nur das ich diese merkwürdigen Gäste habe, jetzt hat sich eine Gruppe Elben aus dem Düsterwald angekündigt, durch Boten, aber kann ich diesen Ansprüchen gerecht werden? Woher soll ich überhaupt den Platz nehmen? Ich kann mich nicht erinnern jemals so hohen Besuch gehabt zu haben. Und es kommt wirklich sehr, sehr selten vor das Elben sich hierher verirren. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es überhaupt schon mal vorgekommen ist. Vielleicht kann ich einige der vielen Stammgäste, die nur kommen um zu saufen und für eine Nacht Zimmer zu belegen um am Morgen noch mehr zu saufen, dazu bringen über Nacht woanders hin zu verschwinden.
Diese Elben kommen in wenigen Tagen.
Der Bote hat mir nicht sagen wollen, was der Grund für diesen Besuch ist. Aber sie werden kaum grundlos den Weg hierher nehmen, der Düsterwald ist verdammt weit entfernt von hier. Was wollen sie also ausgerechnet in Bree? Ich kann mir das nicht erklären. Aber wahrscheinlich gibt es einen ganz plausiblen Grund. Vielleicht sollte ich mich einfach nicht dafür interessieren.
Vielleicht wollen sie zu diesem Fremden, der vor etwa drei Tagen hier aufgetaucht ist. Mir kommt das alles sehr eigenartig vor. Da muss es doch einen Zusammenhang geben. Erst taucht dieser Fremde hier auf. Dann verschwindet er zusammen mit dem Waldläufer von der Bildfläche. Und jetzt auch noch diese Elben aus dem Düsterwald. Aber am verwunderlichsten ist für mich das Auftreten von diesen beiden, wenn man sie doch mal hier unten sieht.
Es ist diese Haltung, dieser Gesichtsausdruck, ausdruckslos und abweisend, so als würde man sich die ganze Zeit über verfolgt fühlen. Falls sie unauffällig sein wollen, gelingt es ihnen nicht. Man könnte falsche Schlüsse aus ihrem Verhalten ziehen.
Aragorns Part
Wir müssen Bree verlassen. Jetzt sind sie uns auf der Spur, und sie werden uns hier finden, wenn wir nicht gehen.
Der Wirt erzählte es mir gestern. In wenigen Tagen werden sie da sein. Dann dürfen wir uns nicht mehr hier aufhalten.
So machen Menschen Liebe zum Verbrechen. Wenn sie nur etwas anders ist, als sie es kennen. Das können sie nicht akzeptieren.
Legolas Part
Ich weiß das wir gehen sollten, wir hätten nie so lange bleiben dürfen. Sie waren immer hinter uns. Und bald werden sie uns einholen. Wann werden sie aufhören nach mir zu suchen? Vielleicht werden sie uns auch ewig folgen. Wir können ihnen nicht entkommen, egal wie lange vor ihnen davonlaufen.
Nun werden sie bald ihr Ziel erreichen, wenn wir nicht augenblicklich Bree verlassen. Heute noch. Der Wirt hat es uns gestern erzählt, sagte dass der König des Düsterwaldes sein Kommen angekündigt hat. Sie können morgen Abend schon hier sein.
Einerseits will ich nicht vor ihm fliehen, vor meinem eigenen Vater auf der Flucht sein, aber habe ich eine Wahl? Ich könnte in den Düsterwald zurückkehren, weiterhin lügen, und nichts würde sich ändern. Ich bitte nicht darum mein altes Leben wieder aufnehmen zu können, wenn ich so mit dir zusammen sein kann, für die kurze Zeit, die uns gegeben ist.
„Lass uns heute noch gehen", sagte Legolas auffordernd, während sie die wenigen Dinge die sie mitgenommen hatten in den nächstbesten Taschen unterbrachten. „Wir sind hier nicht mehr sicher, wenn wir es je waren. Wir halten uns schon viel zu lange hier auf." „Wann denkst du ist der beste Zeitpunkt um zu gehen?" „So bald wie möglich", sagte Legolas. „Lass uns noch etwas warten. Gehen wir nachts. Es ist besser wenn uns niemand zusammen sieht", sagte Aragorn. Legolas nickte stumm, ohne Aragorn anzusehen.
Einige Sekunden lang herrschte Stille. Dann wurde diese durch Schläge gegen die Tür durchbrochen. Instinktiv schauten beide zur Tür, verharrten bewegungslos. „Sie sind es nicht", sagte Legolas endlich. „Das ist nicht möglich." Sie warfen sich einen kurzen Blick zu ehe sie beide zur Tür gingen und sie öffneten. Es war Butterblüm. „Es tut mir Leid, dass ich euch belästige", begann er, „aber ich muss wissen wann ihr vorhabt Bree zu verlassen, da die Elben früher kommen werden, vielleicht heute Nacht oder noch früher, und ich wissen muss welche Zimmer frei sind." Er schaute sie fragend an. „Wir werden mit Einbruch der Nacht weg sein", sagte Legolas. Butterblüm nickte, machte aber keine Anstalten zu gehen. Er schaute sie mit durchdringendem Blick an und beide fühlten sich dadurch gefesselt.
„Er ahnt es", sagte Legolas. „Er kann nichts von dem wissen", erwiderte Aragorn. „Er merkt, dass hier etwas Merkwürdiges vor sich geht", fuhr Legolas fort. „Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er versucht etwas darüber zu erfahren." Legolas ging eilig einige Schritte auf Aragorn zu. „Die Lage hat sich zugespitzt", sagte er. „Sie werden kommen."
Legolas' Part
Die Zeit die uns bleibt um zu gehen wird eng. Wir sollten längst nicht mehr hier sein. Und das der Wirt und ständig belauert macht das Sache nicht leichter. Er wird misstrauisch, merkt dass ein Zusammenhang zwischen dem plötzlichen Auftauchen des Königs des Düsterwaldes und uns existiert. Warum kann er uns nicht ignorieren? Ich werde froh sein ihn nicht mehr sehen zu müssen.
Jetzt wo mein Vater bald hier sein wird, haben wir kaum mehr eine Chance unbemerkt zu verschwinden. Aber wenn sie hier eintreffen, müssen wir weg sein. Wir würden auffliegen, ohne jeden Zweifel. Sie würden uns finden oder jemand würde uns verraten.
Wir haben keine Zeit mehr. Zeig mir noch einmal, dass du mich liebst.
Legolas legte Aragorn die Hände auf die Schultern und sie küssten sich. Als ihre Lippen sich berührten, glaubten ineinander zu verschmelzen. Sie stolperten in paar Schritte rückwärts, ohne sich loszulassen und ließen sich aufs Bett fallen. Dieser Moment des verbotenen Glücks ließ sie beide wieder vergessen dass sie fort mussten. Schnell. Doch nun zählte nur der jeweils andere, ihm nahe zu sein, die Erwiderung der Liebe zu spüren.
„Du bist so schön Legolas..."
Ein Lächeln umspielte die Lippen des Elben. Er legte Aragorn die Hände auf den Rücken, mit leichtem Druck zog er ihn näher. Beide versanken völlig in diesem Augenblick, alles erschien gleichgültig und nebensächlich.
Erst als sie Schritte auf der Treppe hörten, erwachten sie aus dem Zauber. Sie hielten den Atem an und lauschten. Die Schritte wurden lauter. „Aragorn…" Legolas schaute ihm nach, als er aufstand und etwas unschlüssig im Raum stehen blieb. Die Schritte verstummten. Dann wurde die Tür aufgerissen.
Es war schwer zu sagen wer erstaunter darüber war. Aragorn fasste sich als Erster wieder. Mit zwei Schritten war er an der Tür und zerrte Butterblüm hart nach hinten. Die Tür flog zu. „Was ist diesmal der Grund?", fragte Aragorn mit gefährlich leiser Stimme. Butterblüm schien nach Worten zu suchen. „Sprecht schon!" „Jemand ist unten…", brachte der Wirt endlich heraus. „Er fragt nach Euch." Er machte eine Kopfbewegung zu Legolas. „Ich sagte ich bin mir nicht sicher ob Ihr es seid, weil ich Euren Namen nicht kenne, aber…"„Wer ist das?", unterbrach Legolas ihn. Er ging einen Schritt auf den Wirt zu. Butterblüm zuckte hilflos die Schultern und sah sich flüchtig noch einmal im Zimmer um, ehe er antwortete: „Der König der Waldelben. Soll ich ihnen sagen das Ihr hier seid?" Legolas schaute zu Aragorn. In seinen Augen sah man Angst.
„Hören Sie zu..." Aragorn trat dem Wirt gegenüber und sah ihm direkt in die Augen, was Butterblüm anscheinend ziemlich nervös machte. „Gehen Sie. Sagen Sie, dass Sie sich sicher sind das niemand hier ist, der vom König gesucht werden könnte. Sagen sie das. Und nichts anderes, verstanden?" Jetzt schien Butterblüm erst recht nervös. Er stammelte etwas unverständliches. „Ich bin mir sicher, ihr verheimlicht etwas…" „Und ich bin mir sicher dass Sie da jetzt runtergehen und genau das erzählen was ich Ihnen sagte, sonst können Sie davon ausgehen das Sie lange Zeit gar nichts mehr erzählen können", sagte Aragorn gefährlich langsam zu Butterblüm. Dieser schluckte, stolperte aus dem Zimmer und knallte die Tür zu. Aragorn drehte den Schlüssel wieder um, wie sie es vorher nicht getan hatten.
„Sie sind hier", flüsterte Legolas kaum hörbar. „Wir haben keine Chance mehr."
