Harry erwachte früh am nächsten Morgen. Doch er blieb noch einige Zeit lang in den zerwühlten Bett liegen und beobachtete Ginny, die auf der Seite liegend ihm zugewannt schlief. Es war eine bewegende Nacht gewesen. Ginny war endlich angekommen. Lange waren sie noch wach gewesen. Trotzdem fühlte sich Harry erfrischt und wohl. Sein ganzer Körper war in unendliche Wärme getaucht. ...Sie ist wunderschön... . Dieser Gedanke kam ihm ganz plötzlich. Nur davon, wie er ihr Gesicht betrachtete. Harry wusste in diesem Moment genau, dass er dies ab jetzt jeden Morgen denken würde und musste über sein eigenes Glück lächeln.

„Was lachst du so?" fragte Ginny zärtlich und liebevoll, als sie ihre Augen aufschlug und nun auch sein Gesicht sah.

„Ach nichts" sagte er ebenso schnippisch bevor er sie in einen langen Kuss zog. Er versuchte so viel Liebe und Glück in diesen Kuss zu legen, wie er selbst verspürte. Ginny erwiderte den Kuss leidenschaftlich bevor sie sich langsam von ihm löste und nun ebenfalls lächelte.

Frisch geduscht und nun angezogen saßen beide eine halbe Stunde später am Frühstückstisch. „Ich muss gleich los" meinte Harry noch immer ein wenig gedankenverloren und einfach glücklich in die tiefen Haselnussbraunen Augen seiner Verlobten blickend.

„Ich auch... Morgentraining" erwiderte Ginny noch immer verhalten grinsend. „Wann wirst du zurück sein?"

„ich hoffe gegen sechs Ginny".

„Ok. Ich denke ich werde bis dahin auch wieder hier sein" Harry sah, dass sich ein Schelmischer Blick auf ihre Lippen gestohlen hatte und wollte sie grade Fragen was los war, als Ginny aufblickte und die Uhr hinter Harrys Rücken betrachtete. „Oh Harry, wir kommen zu spät. Es ist zehn vor sieben".

Harry und Ginny sprangen gleichzeitig auf. Beide noch eine halb aufgegessene Scheibe Toast in der Hand haltend, er eine Aktentasche unter den Arm geklemmt und sie eine große Sporttasche tragend rannten sie zur Tür. Einen letzten Blick auf seine Verlobte werfend, disapparierte Harry, während sich auch Ginny zu drehen begann. Heute würde er endlich Auror werden.

Zehn Minuten nachdem Harry Potter am Grimauldplatz disappariert war, saß er in dem kleinen, im Stiel der fünfziger Jahre eingerichteten Wartezimmer. Die gelblich braunen Holzstühle waren abgenutzt und unbequem doch momentan achtete Harry nicht darauf. Er dachte noch immer an Ginny. Er war so tief in Gedanken versunken, dass er nicht bemerkte wie ein weiterer Mann in das Zimmer trat. bis dieser aufgeregt rief „Harry H-Hi".

Harry schreckte auf und blickte in das rundliche Gesicht von Neville Longbottom. „Hi Neville, na? alles klar bei dir. Wie geht es Hannah?"

„Wi-wirklich Gut Harry. Hannah hat angefangen im Tropfenden Kessel zu arbeiten" Antwortete dieser noch immer leicht nervös aber mit einem fröhlichen Grinsen. „Ich soll heute mein Abschlussgespräch mit Auror Robards haben".

„Oh" Antwortete Harry überrascht. Er hatte durch seine Erlebnisse mit Ginny nicht mehr daran gedacht, dass heute noch ein weiterer Auror seine Ausbildung beenden würden. „ich auch".

„Bald geht es los. Endlich nicht mehr lernen" sagte Neville immer noch nervös.

Harry lachte. „Ja endlich dürfen wir ins Feld".

„Das wird sich noch zeigen Potter" Diese Stimme gehörte Gawain Robards, seines Zeichens Leiter des Aurorenbüros, der just in diesem Moment seine Bürotür öffnete. „Sie warten noch Longbottom. Ich rufe sie, sobald ich mit Potter fertig bin."

„J-Jah Sir!" Antwortete Neville steif.

Harry konnte sich gut vorstellen, was Neville nervös machte. Robards war zwar bei weitem nicht so gebieterisch wie Severus Snape, vor dem Neville lange Zeit mehr Angst gehabt hatte, als vor jedem anderen Menschen. Jedoch hatte er eine Art die keinen Zweifel daran aufkommen ließ, im Archive der Aurorenzentrale zu verrotten, falls Anweisungen nicht befolgt oder falsche Entscheidungen getroffen werden.

„Setzen sie sich Potter"

„Danke Sir" antwortete Harry mit vorsichtiger aber klarer Stimme und setzte sich auf einen Stuhl baugleich denen im Wartezimmer.

„So so. Sie glauben also das Zeug dazu zu haben ein Auror zu werden?"

„Ja Sir, das glaube ich, sagte Harry leicht abgelenkt von der Flotten Schreibefeder, die das Protokoll führte und alles mitschrieb was er sagte"

„Nun, wir werden sehen. Wo ist es denn ah hier" sagte Robards leise mehr zu sich selbst als zu Harry bevor er einen Braunen versiegelten Umschlag unter einem Stapel Akten hervorzog. „Ich habe hier ihr Zeugnis" sagte er in einem nasalen Ton bevor er das Siegel mit der Spitze seines Zauberstabes öffnete und zwei identische Kopien herauszog. Eine davon reichte er Harry.


Harry James Potter wird seitens der Abteilung für magische Strafverfolgung der Titel / Die Berufsbezeichnung Auror sowie Sicherheitsfreigabe Thestral zuerkannt.

Auror Potter hat während seines Studiums in der Aurorenakademie folgende Leistungen erbracht:

Kurs: - Abgeschlossen mit Bewertung:

Angriffstaktiken und Zugriffsszenarien - Erwartungen übertroffen

Beschwörungen und Auflösungen - Ohnegleichen

Fluch- und Zauberbanne für Vorgeschrittene - Ohnegleichen

Gifte und Gegengifte für Vorgeschrittene - Erwartungen übertroffen

Magisches Recht - Annehmbar

Taktische offensive Magie I - Ohnegleichen

Taktische offensive Magie II - Ohnegleichen

Tarnung und Maskierung - Erwartungen übertroffen

Unkonventionelle praktische Magie - Ohnegleichen

Verheimlichen und Aufspüren - Ohnegleichen

Unbedenklichkeit durch Verhör unter Verabreichung von Veritaserum bestätigt

Gez. Kingsley Shacklebolt

(Zaubereiminister)

Gez. Griselda Marchbanks

(Vorsitzende des Zaubergamots)


Harry, der mit wachsender Genugtuung sein Zeugnis einige Sekunden lang überflogen hatte blickte nun gelassen auf und wartete bis Robards dies ebenfalls tat.

„Nun... ihr Zeugnis ist durchaus Annehmbar" sagte dieser leicht gelangweilt hinüber zur Feder blickend, die noch immer vor sich hin kritzelte. „Ihre Kenntnisse in magischen Recht sind jedoch ausbaufähig Potter".

Harry, der sich vor den Kopf gestoßen fühlte sagte nichts. Robards der anscheinend keine Antwort erwartet hatte fuhr fort „Ich werde sie bis auf weiteres einem erfahrenen Auror unterstellen bis sie ihre offensichtlichen Schwächen in den Griff bekommen haben".

Harry wollte grade protestieren doch Gesichtsausdruck des Aurors machte klar, dass jeglicher Protest ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen würde. Daher schloss er seinen Mund und wünschte Robards lieber im Stillen die Drachenpocken auf den Hals. Robards hatte unterdessen ein weiteres Formblatt unter seinen Aktenbergen hervorgezogen. Er kritzelte nun mit einer arg zerrupften Adlerfeder ein paar Namen auf das Blatt, unterschrieb es krakelig und reichte es Harry. „Ich werde sie Auror Rood unterstellen bis ich das Gefühl habe, dass sie sich bessern".

Harry war verwirrt. Biggi Rood hatte, auch wenn Harry noch nie mit ihr gesprochen hatte, einen ausgezeichneten Ruf. Und soweit er sagen konnte, waren ihre Aufgabenfelder ziemlich weitreichend. Robards, der Harrys Gesicht richtig gedeutet hatte sagte. „Nun gut, dass war es wohl". „Ach und Potter" fügte er dennoch und mit einem gezielten Blick auf die noch immer kritzelnde flotte Schreibefeder hinzu. „Von unseren Auroren wird erwartet, dass sie die politischen Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Worte abwägen. Behalten Sie das stets im Gedächtnis bei ihrer Arbeit"

Harry, bei dem der Groschen endlich gefallen war, konnte ein Grinsen nicht verhindern. „Ja Sir. Vielen Dank für diesen Tipp, Sir". Bevor er die ausgestreckte Hand von Robards ergriff und sich anschließend zum gehen wandte. Robards folgte ihm hinaus in den kleinen Warteraum und sagte mit seiner üblichen gelangweilten Stimme zu, dem immer noch sehr nervös aussehendem, Neville „Longbottom, jetzt. Na los, ich habe nicht viel Zeit".

Harry versuchte Neville durch ein aufmunterndes Lächeln zu beruhigen welches dieser jedoch augenscheinlich nicht wahrnahm.

Einige Zeit später, er hatte nur kurz eine Ministeriumseule mit den guten Nachrichten an Ginny geschickt, klopfte Harry an der Bürotür mit der Nummer sieben.

„Herein" rief eine relativ tiefe aber klare weibliche Stimme und Harry öffnete die Tür.

„Guten Tag Auror Rood" sagte Harry förmlich. „Auror Robards hat mich ihrer Abteilung unterstellt"

„Ah Potter, Ja. ich hab das Memo bekommen." sagte Biggi Rood leicht schnippisch. Sie war, so überlegte Harry eine dieser Personen dessen Alter man unmöglich erraten konnte. Dünn und sportlich gebaut, Faltenfreih jedoch mit kurzen grauen Haaren und einem Gesichtsausdruck der zeigte, dass sie einiges mitgemacht hatte. „Schnapp dir nen Stuhl und komm her"

„Gerne Madam".

„Das Madam lass mal stecken Potter. Ich bin Biggi. Wir werden nichts fertig kriegen, wenn wir nur Förmlichkeiten austauschen".

Harry grinste „Ok, find ich gut Biggi. Ich bin Harry".

„Was du bist entscheide ich und nicht du" sagte Biggi nun geschäftsmäßig, grinsend zwar, aber es war klar, dass ihre Worte einen wahren Kern hatten. Das würde eine interessante Zeit werden, entschied Harry.

Zwei Stunden später hatte Harry alle Formulare ausgefüllt, sich mit Biggis´ Team bekannt gemacht und seine wenigen Habseligkeiten in seinen Schreibtisch eingeräumt. In die Ecke stellte er ein Bild von Ginny, die versuchte eine Himbeere mit dem Mund aufzufangen, dabei fast von ihrem Stuhl viel und fröhlich giggelte. Es war Harrys Lieblingsbild und er hoffte inständig, dass die porträtierte selbst es niemals bei ihm finden würde.

Grade lehnte er sich, das Bild betrachtend, etwas zurück um zu überlegen, ob er fragen sollte, wie er sich am besten einbringen könne, als der glatzköpfige Auror Antonio Matti ein wenig schnaufend über den Raumteiler sah, der die einzelnen Schreibtische voneinander trennte. „Il Signor Potti, ihr erster Einsatz wird gleich beginnen". sagte er mit stark italienischem Akzent. Harry wusste, dass Matti von der Aurorenzentrale in Mailand nach dem Krieg abgestellt worden war, um die noch immer stark dezimierten Kräfte der britischen Behörden zu verstärken. „Kommen sie bitte mit mir in den Konferenzraum B". Harry war sofort hellwach griff den auf dem Tisch liegenden Zauberstab, zog seinen Tarnumhang aus dem Rucksack zu seinen Füßen und folgte Signor Matti den Umhang hastig unter seinen Klamotten versteckend.

„Ok Leute" sagte Biggi als Harry die Tür des Konferenzraumes hinter sich schloss. Das ganze Team war anwesend. Harry rief sich die Namen der anwesenden ins Gedächtnis. Rechts neben Biggi Rood saß Theodor `Theo` Tackledoom. breitschultrig, bärtig mit einem Gesicht wie man es von Muggel-Motorradfahrern auf chromglänzenden Maschinen erwarten würde. Gedankenverloren drehte dieser seinen ungewöhnlich dicken, grauen Zauberstab in den Händen. Harry hatte vor zwei Stunden gedacht, dass mit diesem Mann wohl nicht gut Kirschen essen sein würde. Doch ein kurzes Gespräch bei Tee und Gebäck aus Theos privater Schublade hatte ihn eines Besseren belehrt. Hinter ihm, lässig an die Wand gelehnt stand, Silberhaarig und verhutzelt, die schmächtige Mrs. Crowfire eine Zigarette im Mundwinkel haltend. Dies Glühte zwar, schien jedoch keinen sichtbaren Rauch oder Geruch zu produzieren. „O´l Fudghi hatte mich schon abgeschoben, hat mir mit seinem hässlichen Bowler die Tür gewiesen und gesagt, ich seih im Ruhestand. Pah! Nach dem Krieg kam der Junge Shackle auf Händen zu mir angekrochen um mich wieder einzusetzen. So ändern sich die Zeiten, was Harry" hatte sie ihm mit ihrer krächzenden Stimme erklärt und dabei süffisant gegrinst bevor sie Harry erklärte, dass sie in den Kriegen (wohl in allen Kriegen seit Grindelwald, wie er sich etwas belustigt dachte) Muggelfamilien von Zauberern beschützt hatte.

Harry wandte seine Aufmerksamkeit nun wieder Biggi zu, die grade einen Stapel Fallakten mit einem schlenker ihres Zauberstabes verteilte. „Die Patrouille hat diesen Fall an uns abgegeben weil, wie ihr auf Seite vier sehen könnt, der Verdacht besteht, dass Selwyn darin verwickelt ist."

„Verfluchte Todesser" sagte Mrs. Crowfire und spuckte verächtlich auf den Grauen Teppichboden des kleinen Büros.

„Genau", sagte Biggi die den Fleck mit einem Schwenk ihres Zauberstabes kommentarlos entfernte. „Also, so wie das hier dargestellt ist" Sie deutete auf einen Auszug auf Seite zwei des Reports „will das Pack doch tatsächlich in Gringotts einbrechen". Ihr Blick ruhte nun aus offensichtlichen Gründen auf Harry.

„Wissen wir, welches Verließ das Ziel ist?" fragte dieser nach kurzem Schweigen.

„Nicht sicher. Aber Gold hat Todesser eigentlich nie wirklich interessiert. Die hatten immer genug davon in ihren Familien" meinte Theo die Akten studierend.

Nach einer kurzen Zeit der Stille in der alle den Bericht studierten und niemand so recht zu wissen schien, was zu sagen war, erwiderte Mrs. Crowfire „Ihre Konten sind gesperrt. Die Kobolde arbeiten inzwischen mit uns zusammen".

„Si. Das sagen die Kobolde. Ich glaube ihnen nicht" warf Signor Matti mit seinem starken Akzent und wild gestikulierend ein und löste damit eine kurze Diskussion über die Glaubwürdigkeit von Kobolden aus.

„Ok. Schluss jetzt" schaltete sich nach einiger Zeit Biggi ein. „Bevor wir keine Indizien haben die das Gegenteil andeuten gehen wir davon aus, dass alle Zauberer Tapfer und alle Hexen Keuch sind. Sonst kommen wir nie zu einem Ergebnis".

„Aber es sind eh keine Hexen und auch keine Zauberer. Es sind Coboldo!" hielt der italienische Auror dagegen.

Harry war auf Biggis Seite. Das war vernünftig. Obwohl er nach seiner Begegnung mit Griphook an der Keuschheit der Kobolde auch so seine Zweifel hatte, konnte er sich nicht vorstellen das diese noch mit den Todessern zusammen arbeiten würden.

„Es ist erstmal egal. Wir können den Kobolden nichts unterstellen ohne das brüchige und langsam aufgebaute Vertrauen der letzten zwei Jahre zu zerstören." erwiderte Biggi nun mit erhobener Stimme und fügte dann leiser, mit einem weiteren Blick auf Harry, hinzu „Nebenbei gibt es mehr in Gringotts als schnöden Mammon". Das hatte die Sache auf den Punkt gebracht.

Nach einer weiteren kurzen Kunstpause sagte sie „Unser Ansatzpunkt" mit dem Zauberstab auf eine leere Wand deutend auf der sogleich eine Straßenkarte des Stadtteils Stockwell erschien, „ist dieses Haus". Ein roter Punkt erschien bei ihren Worten auf der Karte. Eine Mrs. Barren lebt dort. Hexe, verwittert. Eine Klage wegen unverhältnismäßiger Zauberei vor zweiundzwanzig Jahren. Sie hat laut Auskunft der Behörde zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe eine Hauselfe. Es ist jedoch unbekannt, ob diese noch lebt. Wenn, dann ist sie ebenfalls sehr alt.

„Was wollen die Todesser mit so einer alten Schachtel?" warf Theo ein.

„Was hat das alter mit Todessern zu tun?" erwiderte Mrs. Crowfire leicht erbost. „Im ersten Zaubererkrieg in Britannien haben wir drei Wochen lang eine alte blinde Witwe observiert, weil wir dachten, sie könnte ein Ziel sein."

„Echt?" meinte Theo Tackledoom seine Kollegin verwundert ansehend. „Und hat es was gebracht?".

„Nee... aber darum geht es auch nicht" gab die alte Dame wiederwillig zu. Als der Rocker sie darauf hin weiter anstarrte schüttelte sie leicht resignierend mit dem Kopf bevor sie sagte. „Die alte war schon seit Monaten ein Inferi". was allen Anwesenden eine leichte Gänsehaut verpasste.

„Ob Mrs. Barren ein Inferi ist oder nicht werden wir herausfinden müssen. Ein Vergismich-Team hat die Muggel in der Dachgeschosswohnung gegenüber umgesiedelt und wir werden sie als Observierungspunkt verwenden." Mit einem weiteren Flick ihres Zauberstabes wurde die Karte vergrößert und ein Grüner Punkt erschien neben dem Roten.

„Unser Apparationspunkt" Ein weiterer Schwenk und ein kleines blaues Viereck erschien zwei Straßen weiter. „Höchste Sicherheitsvorkehrung beim Eintritt in das Gebäude. Wir gehen verdeckt mit Vielsafttrank rein und raus... Hab ich mich klar ausgedrückt?" fügte Biggi mit einem schiefen Blick auf Mrs. Crowfire hinzu.

„Muss das sein? Biggi Schätzchen In meinem Alter vertrage ich den nicht mehr so gut wie ihr jungen Hüpfer. Davon bekomm ich immer furchtbare Magenkrämpfe" antwortete diese theatralisch.

Biggi, die es vorzog so zu tun als ob sie die Beschwerden der Dienstältesten nicht gehört hätte händigte mit einem weiteren Schwung ihres Zauberstabes Dienstpläne aus. „Überwachung in zweiergruppen. Ich will wissen, wer, wann, wie das Haus betritt und wer es Verlässt. Potter, da du der neue bist, ist deine erste Schicht morgen Abend mit mir. In der Zwischenzeit will ich mehr über den Inhalt der Verließe von Gringotts wissen. Du warst im Verließ der Lestranges oder? bis morgen schreibst du eine Inventurliste davon. Alles was du gesehen hast. Wenn du nicht weißt, was du gesehen hast beschreibst du es."

Harry nickte zum Zeichen das er verstanden hatte. „Ich habe nur ein Verließ von innen gesehen, was, wenn es in einem der anderen Verließe ist."

Biggi nickte zustimmend „Irgendwo müssen wir anfangen. An die anderen Verließe kommen wir ohne einen Beschluss des Koboldrates jedenfalls nicht heran. Und den werden wir trotz aller Freundschaft nicht so schnell kriegen. Ich werde Margot von den Sicherheitskräften auf Askaban fragen, ob sie die Todesser dort ein wenig für uns ausquetschen kann."

Biggi packte ihre Sachen zusammen und die Besprechung schien beendet zu sein. Harry wollte sich grade erheben da rief Mrs. Crowfire, die mit Theo die erste Schicht übernehmen würde mit kratziger Stimme, die Faust zum Kampfe erhoben „Spezialteam! - looos! ausrücken!".

„Wieso nennt sie uns Spezialteam?" fragte Harry beim Verlassen des Raumes verwundert und mit hochgezogenen Augenbrauen seinen neuen italienischen Kollegen.

„Ah... nun" sagte dieser sah sich kurz um, sichergehend, dass niemand sie belauschte. „Sie eh isse eine verrückte alte Schachtel. Sie sagte es klinge wie eine Witz. Ein Italiener," er deutete auf sich selbst, „Eine Oma, ein Rocker und der Junge der äh lebt".

Harry wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Und auch nicht wo Biggi Rood in diesem Witz platziert war. Nicht, dass ihm Mrs. Crowfire unsympathisch gewesen wäre, aber sie schien einen besonderen Blick auf die Welt zu haben.

„Ah, aber ich will mich nicht beschweren. Sie eh ist verrückt, aber sie ist auch äh eccellente. Schau ihr nur gut zu Bambini. Du wirst sehen, Signora Crowfire wird dir viel beibringen".

Harry, der auf einmal eine alte und vergreiste Luna Lovegood vor seinem geistigem Auge sah, nahm sich fest vor, Signor Mattis Rat zu beherzigen. Den Rest des Tages verbrachte er weitgehend alleine vor seinem Schreibtisch und schrieb auf, was er damals im Verließ der Lestranges gesehen hatte. Viel war es nicht. Sie hatten andere Sachen im Kopf gehabt. Schließlich nutzte er sogar das Denkarium, dass in einem kleinen Abstellraum stand, um seine eigenen Erinnerungen genauer zu erforschen. Das war, auch in retrospektive, keine angehnehme Erfahrung für ihn. Dennoch beschloss er Ron und Hermine zu bitten ihm ihre Erinnerungen ebenfalls zur Verfügung zu stellen. Ein letztes mal las er die Liste durch die er bis jetzt geschrieben hatte und blickte dann auf die Uhr die ihm von den Weasleys zu seinem siebzehnten Geburtstag geschenkt worden war. Es war zehn vor sechs. Daher kritzelte er noch schnell eine Notiz, dass er am nächsten Tag um zwei Uhr in Hogwarts sein würde und schickte diese mit einer Ministeriumseule zu Professor Apolept. Anschließend sprang Harry auf, stopfte die Notizen, die er den ganzen Tag angefertigt hatte grob in seine Tasche und rannte zum Aufzug. Glücklich über seinen ersten erfolgreichen Tag als Auror, Glücklich, das stickige Büro verlassen zu können und überglücklich, bald bei Ginny zu sein.