Das dritte Kapitel (den Prolog nicht mitgezählt) meines Babys :) Ich hoffe, dass ich mal ein paar Ruckmeldungen (Ob gut oder schlecht) bekomme.
Have fun
3. Kapitel - Unverkennbar Anders
Die Hitze erschlug mich augenblicklich. Meine sehr überstürzte und nicht durchdachte Abreise war vielleicht doch keine so gute Idee gewesen. So darfst du kurz vor einem Neuanfang erst garnicht denken, Bella, scholt ich mich selbst. Wenigstens konnte ich jetzt ein College besuchen und ein ganz normales Leben führen. Meinen Highschoolabschluss hatte ich bereits in der Tasche, die letzten Tage hatten wir nur noch zur Schule gemusst, um die Abschiedsfeier, die Morgen stattfinden sollte, zu planen. Hatte ich meine Zeugnisse und Unterlagen überhaupt eingepackt? Ich wusste es nicht mehr. Falls dem nicht so war, würde ich in nächster Zeit doch noch Charlie einen Besuch abstatten müssen. Meine größte Sorge war nur, dass er mich dann nicht mehr gehen lassen würde. Er kam bestimmt jetzt schon fast um vor Sorge. Ich konnte nur hoffen, dass er mir nicht die Polizei an die Fersen heftete. Wenn bei meiner ohnehin schon zu späten Bewerbung bei dem College in Los Angeles auch noch Polizisten hereinplatzen würden, um mich wieder zurück zu meinem Dad nach Forks zerren zu wollen, würde das eine Aufnahme noch weiter in Ferne rücken.
Kommen wir zurück zur Hitze. Natürlich kam ich ursprünglich aus Phoenix, wo ebenfalls schönes Wetter herschte, doch das Jahr, welches ich in Forks verbracht hatte, hatte mich buchstäblich abgekühlt. Ich war einfach keine fünfundzwanzig grad Celsius - und das mitten in der Nacht - mehr gewöhnt. Ich stellte die Koffer auf den Boden und strich mir mit einer Hand mein schweißnasses Haar aus dem Gesicht. Die vielen Anzeigetafeln des LAX Airport waren verwirrend. Zwischen all diesen Leuten die um diese Uhrzeit angekommen waren, auf einen Anschlussflug warteten oder gerade erst abreisen wollten, suchte ich verzweifelt nach dem Ausgang. Das einzige was ich erspähen konnte, waren die Toiletten und zwei Polizisten, die vor ihnen standen und sich unterhielten.
Ich atmete tief durch, hob die Koffer mit meinen mitlerweile lahmen Armen hoch und stackste zu ihnen. "Entschuldigung..", begann ich, doch die beiden schienen mich nicht zu hören. Ich zwengte mich durch eine Gruppe von Urlaubswütigen Teenagern, bis ich direkt vor den Polizisten stand. Beide hörten augenblicklich auf zu reden, und musterten mich eindringlich. "Entschuldigung.", stieß ich atemlos hervor. "Ich bin neu hier -" Und schon wurde ich von dem älteren Polizisten, der einen etwas rundlichen Vorbau hatte und seinem nicht ganz klaren Blick nach zu urteilen schon das eine oder andere Bier während der Arbeit getrunken hatte, unterbrochen.
"Das sind sie unverkennlich, Miss." Ich begann stoßweise zu atmen. Der andere Polizist, deutlich jünger, blond und nüchtern, musterte mich mit seinen Glubschaugen besorgt. "Ich alles okay?", wollte er wissen. "Nein.", knurrte ich und biss die Zähne aufeinander. Konnten sie nicht mal endlich aufhören über meinen Zustand zu reden, anstatt mir zu helfen? "Können wir ihnen helfen?", fragte der Jüngere weiter. Wow, ich bin begeistert. Ein echter Blitzmerker. "Wenn die Herren so freundlich wären und mir zeigen würden, wo der Ausgang ist? Ich habe einen anstrengenden Flug hinter mir und würde gerne in mein Hotel gelangen um mich auszuschlafen. Wäre das möglich?" Der Flug war in der Tat alles andere als wohltuend gewesen. Erstens: Wann sind Kurzstreckenflüge zweiter Klasse schon wohltuend? Und zweitens: Ich hatte einen Albtraum, der mir mehr Angst gemacht hatte, als der Nachmittag, an dem es zum Grund dieses Traumes gekommen war. Okay, das war jetzt vielleicht etwas übertrieben - denn was so einen Traum auslösen kann, musste unweigerlich auch schlimmer als der Traum selbst sein. Aber vielleicht wurde ich auch einfach nur wahnsinnig.
"Entschuldigen sie die Frage, Miss, aber sind sie keine Amerikanerin?" Mir klappte der Mund offen. Ich wusste nicht woher diese plötzliche Wut kam, aber ich hätte ihm auf der Stelle den Kopf abreißen können. Vielleicht kam es daher, da ich in den letzten Wochen zu wenig - mal abgesehen von dem nicht enden wollenden Schmerz - empfunden habe, um überhaupt erst wütend werden zu können. "Ich komme aus Washington. Also dürfen sie annehmen, dass ich eine Amerikanerin bin. Was soll die Frage überhaupt?" Ich versuchte meine unsinnige Wut zu unterdrücken, zu verdrängen. Ich machte es Charlie nicht gerade schwer, mich zu finden. Blamierte mich gleich am Anfang des Anfangs und lief zwei Polizisten in die Arme. "Naja..", erklärte der jüngere. "Alle fünf Meter hängt ein 'EXIT' Schild, welches Menschen, die der Sprache Englisch mächtig sind, den Weg zum Ausgang weißt."
Ich hob den Kopf und sah mich um. Tatsächlich. Alle paar Meter hang ein eigentlich unübersehbares, grünes Schild, mit der Aufschrift 'EXIT'. Vielleicht sollte ich gleich Morgen früh einem Optiker einen Besuch abstatten.
"Oh..", seufzte ich und wurde knallrot. "Ich brauche wohl wirklich eine Mütze schlaf." Die beiden Polizisten nickten mir freundlich zu und wandten sich wieder ihrem Gespräch zu. Ich hob ächzend meine beiden Koffer wieder hoch und stapfte zum Ausgang, immer den grünen Schildern nach. Etwa fünf Minuten später stand ich vor dem Flughafeneingang. Ein Taxi nach dem anderen stand aufgereit vor mir. Ich dachte New York wäre die Stadt, die niemals schlief, aber anscheinend war auch Los Angeles so eine Stadt.
Das Taxi zwei Meter vor mir wackelte und ein Mopsgesichtiger Mann stieg aus und kam auf mich zu. "Darf ich sie fahren, Mylady?"
Und da erzählen die Leute, Menschen, die nachts arbeiten, seien unfreundlich. Das Gegenteil davon hätte ich dann ja schon einmal bewiesen. "Kennen sie ein günstiges, aber nicht zu heruntergekommenes Hotel in der Nähe?" Ich stellte die Koffer ab und stieg in den Wagen, während er die Koffer in den Kofferraum trug und sich neben mich in den Wagen setzte. "Das Browns-Hotel ist relativ günstig. Wenn sie nur eine Nacht dort bleiben möchten, senkt es die Preise für das Frühstück. So weit ich mich erinnere verlangen sie nur dreißig Dollar.", erzählte er mit einem unverkennbar Südstaaten-akzent.
Ich nickte. "Es wäre nett von ihnen, wenn sie mich dorthin fahren würden." Er grinste mich an. Ihm fehlten drei Zähne und ich schätzte ihn auf etwa fünfzig Jahre. Er hob einen Arm und schaltete die Anzeige aus. Ich sah ihn verwirrt an. "Für so eine liebe junge Dame fahre ich natürlich umsonst." Meine Augen weiteten sich und mein Mund klappte auf. Also entweder versprach er sich etwas von dieser Gestik oder er war wirklich herzensgut. Ich hoffte auf das letztere.
Die Fahrt dauerte nicht lange. Mein Fahrer, der mir mitlerweile viel von sich erzählt hatte, zum Beispiel, dass er Jim Doorway hieß und drei Kinder allein aufzog - seine Frau war bei der Geburt des jüngsten gestorben - und sich mit dem umherkutschieren von an- und abreisenden gerade so über Wasser hielt.
Das Browns-Hotel machte einen guten ersten Eindruck auf mich. Es war keine heruntergekommene Bruchbude und die Empfangsdame, die mir für dreißig Dollar - Jim hatte nicht gelogen - ein Zimmer und ein Frühstück quittierte, war ebenfalls sehr freundlich. Sie gab mir meinen Zimmerschlüssel und wünschte mir einen angenehmen Aufenthalt. Ich drehte den Zimmerschlüssel in der Hand und betrachtete die Zahl darauf. 113. Ich spürte, wie mir Farbe aus dem Gesicht wich. Erst der Pilot, der ausgerechnet Edward Cuhlen heißen musste, und jetzt auch noch mein Zimmerschlüssel. Wenn ich abergläubisch wäre, würde ich jetzt in Panik geraten.
Mein Zimmer war zwar klein, aber schön. Das Bett war bequehm, auch wenn ich nicht wagte, auf eine traumlose Nacht zu hoffen. Das Badezimmer war modern eingerichtet und sauber. Ich holte mein Duschzeug aus meinem Koffer und ein Shirt, mit dem ich immer schlief, und stolperte in das Bad. Die heiße Dusche half mir etwas den anstrengenden Tag ausklingen zu lassen und zum ersten Mal seid Wochen lag ich nicht versteinert auf meinem Bett, sondern so entspannt wie es mir nur möglich war.
Ich schaltete das Licht aus, und ließ den Tag noch einmal Revue passieren.
Da war der Abschied von Charlie, die verliebten Paare im Flugzeug, der Pilot, mit dem schrecklichen Namen, der Traum, die Stewardess, die sich nach meinem Erwachen von jenem Traum besorgt betrachtete, die beiden Polizisten am Flughafen, die grünen Schilder, die mir den Weg zum Ausgang wiesen, der Taxifahrer, der so freundlich zu mir gewesen war und die Empfangsdame, die mir das Zimmer mit der unglücklichen Zahl 113 gegeben hatte.
Es wird schon alles gut werden, redete ich mir ein. Und mit diesem Gedanken schlief ich ein..
