AN: Ich bin öfter gefragt worden, warum Hermione so snapelike geworden ist. Ich selbst habe das gar nicht so empfunden, aber andererseits, dies ist eine erwachsene Hermione, die bereits in sehr jungen Jahren Krieg, Gewalt und Verlust kennen gelernt hat und das letzte, was ihr passieren soll, ist, dass irgendwer auf ihren Gefühlen herumtrampelt. Vielleicht hat sie auch ein Stückchen von mir abbekommen, zumindest die Schreiberlinge kennen meine kleine Sado-Ader:D

Dieses Kapitel ist gewidmet – attack umständlich hüstelt und auf die Gewinnerliste schielt – ja! WatchersGoddess!

LMA23: hab Geduld, Hope! (das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen, mein kleiner Illing, wenn du mir die Worte schon so mundgerecht vorlegst!)… Sevs/Seths Verhältnis zu den Eltern kommt heute mal kurz zur Sprache und du wirst sehen, auch die sind nicht dumm… aber für den Altar reicht´s natürlich noch nicht.

Nightskystar: attack Nightsky anspringt und zu Boden knuddelt! Welcome back! Ich hoffe, du hast dir nicht wehgetan, beim Wegschmeißen vor Lachen… große Kanne Butterbier rüberschieb…

Mrs. Skinner: Eve, du weißt sicherlich, dass ich auch nicht überzeugt von dieser Sev/Lily/Geschichte bin, aber diesmal wollte ich mich an den Canon halten, und Lady Ro wollte es eben so (sag nicht, die Geschichte sei nicht Canon, nirgendwo steht, dass Sev wirklich gestorben ist…) und wie es in der Story ja auch schon angeschnitten wurde: Sev fürchtet sich sowohl davor, dass sie lügen könnte, als auch davor, dass sie die Wahrheit sagt… ich stelle mir das wahnsinnig schwierig vor, nach zehn Jahren wieder irgendwohin zurückzukehren, mit der Vorgeschichte…

bengisu: attack auch freudig dich wieder in den Reihen begrüßt. Ich update jeden 2. Tag (will ein bisschen mehr von euch haben, weil die Story nicht so lang ist wie die 1. :D)…dieses Mal ist die Story übrigens fix und fertig, und ich brauche nur noch einstellen…

gisi11: um dann auch mal Dumbledore zu zitieren: Welcome, welcome to another adventure of attack… okay, ganz so war's wohl nicht, aber ich freue mich jedenfalls, dass es dir gefällt und ich hoffe, ich kann dich weiterhin fesseln – originale Hauselfenmuffins gisi reich… Judas Kiss kenne ich noch nicht, aber es wandert auf meine ständig wachsende To-Do-Liste!

Tatze81: ich hoffe, dir geht's wieder ein bisschen besser? Ja, und die Todesser werden noch ein nettes, kleines (oder eher größeres) Problem für Mione und Sev, aber leider nicht das einzige…

Nestedis: uh, wieder jemand, der es schafft, mit ein paar Worten einen Riesenflush in mein Gesicht zu zaubern… Grinsekatzenlächeln in attacks Gesicht… und weißt du, Sev braucht zu mir gar nichts sagen mit seiner Wahnsinnsstimme, dem bin auch so verfallen… schmacht…

WatchersGoddess: watch, echt, du sitzt vor 7.00 Uhr früh am Rechner… Respekt! (:D)… und kein Wohltäter für Bellas Tochter, sorry… leider sind nicht alle Todesser hohl, und warum 10 Jahre später erst, wird sich noch zeigen…the lost years, muaha! Hat eigentlich keiner von euch die Parallele zu Holmes erkannt?! Und ich kann dich beruhigen, bald, sehr bald merkt Sev das schon, na ja ein Logiker halt… :D ebenfalls eine Kanne Butterbier für watch!

McAbe: puh, noch mal Glück gehabt, soll keiner sagen, du seiest nicht bestechlich :D… Mann, ich fürchte bald, ich mache euch allen die Milch abspenstig…

ACHTUNG, ACHTUNG: Milch ist gesund! Bitte weiter trinken, ihr seht ja, Sev hat's auch nicht geschadet!

So Abe, zurück zu dir: Telefonbuch vorlesen und andere Dinge? Und das ganz spontan? Tja, ich schätze, das geht den meisten hier so… seufz… ich soll dir von Hagrid ein paar Steinkekse schenken…:D

Sepssi: (bist du Sepsis?)… hm, ja, jetzt habe ich mich hier schon als Nichtmuggel geoutet, da kann ich ja gleich noch hinzufügen, dass ich mir die Geschichte auch nicht ausdenke, sondern nur aufschreibe. Ist alles in echt passiert, und ich bin nur derjenige, der dokumentiert…

dracxi: oh, attack schon wieder einmal rot wird und mit den Füßen auf dem Boden scharrt. Die ff wird super… jetzt schmeißt sich attack auf den Rücken, streckt alle Glieder von sich und schnurrt… du darfst weiterhin meinen Bauch kraulen, das höre ich gern:D…dracxi bekommt einen großen Schokoladenkuchen von den Hauselfen!

the-slave-of-snape: wow, was für ein Name… Auf jeden Fall, Riesendank für dein Lob! Ja, es ist schwer, etwas zu schreiben, was nicht so oder ähnlich schon tausend Mal vorgekommen ist, aber ich versuche es, wirklich. Und ich dachte, Physik- oder Chemielehrer könnte Sev gar nicht machen, dazu braucht´s doch eine spezielle Ausbildung, die er gar nicht haben kann, schnüffeln andererseits… da ist er doch prädestiniert, oder:D Schokomuffins gefällig?

SSHGSSHGSSHGSSHG

Tag 4, Mittwochmorgen

Als Severus am frühen Morgen seine Wohnung verlassen wollte, war er müde und ausgelaugt. Er hatte schlecht geschlafen, oder besser gesagt, überhaupt nicht. Kurz nach Mitternacht hatte er an einer Razzia in einer privaten Spielhölle teilgenommen, und als er gegen drei Uhr morgens ins Bett gefallen war, hatten ihn Träume von Hogwarts, von Albus und Lily gequält.

Dass immer wieder auch Hermione Granger in seinem Unterbewusstsein aufgetaucht war – und durchaus nicht als Zeugin – hatte auch nicht dazu beigetragen, dass er sich in irgendeiner Form erholt fühlte.

Er überlegte, welche der Frauen, die er kannte, er anrufen konnte.

Severus führte bewusst keine feste Beziehung. Als Chiefinspector bekam er eine Unmenge teilweise höchst unmoralischer Angebote – nicht, dass ihn das störte - doch nur wenige Frauen interessierten ihn soweit, dass er sich mit ihnen einließ. Bis jetzt hatte es noch keine Frau geschafft, ihn sowohl geistig als auch sexuell zu fesseln.

Das hieß jedoch nicht, dass er ein Leben als Mönch führte. Der einzige Vorteil, den das Muggelleben bot, sinnierte er, als er in seine weichen, kurzen Stiefel schlüpfte, war die Tatsache, dass es einfach so viele Muggel gab, und dass die Auswahl an Frauen, die nicht abgeneigt oder zu bezahlen waren, außerordentlich groß war.

Es mochte an seiner Müdigkeit liegen, dass er nicht so aufmerksam war wie sonst, als er die Tür hinter sich schloss, doch er spürte die Gefahr erst, als es zu spät war.

„BUH!", sagte jemand direkt in sein Ohr, und er schrak zusammen, wirbelte im selben Augenblick herum und presste seinem Angreifer den linken Unterarm in die Kehle, während seine Rechte bereits die Smith & Wesson in der Hand hielt und sie an eine Schläfe drückte.

„Ho, ruhig, Brauner", ächzte Hermione Granger, deren Kopf fürchterlich dröhnte, weil sie ihn sich hart an der Wand angeschlagen hatte.

„Sie verdammte, kleine…", zischte Severus erschüttert. Er hätte sie ernsthaft verletzen können, und das nur, weil sie ihm einen kindischen Streich gespielt hatte. „Haben Sie Todessehnsucht, oder was?"

Er bemerkte, dass sie blass wurde, und steckte die Automatik weg. Dann öffnete er die Tür wieder und zerrte sie in seine Wohnung. Er schleifte sie zu einem Sessel und ließ sie hinein sinken.

Severus beugte sich über sie und untersuchte ihren Kopf. Noch immer diese Masse an Haaren, dachte er abwesend, jedoch viel gebändigter als zu Schulzeiten. Sie blutete aus einer Platzwunde und zog scharf die Luft ein, als er darüber strich, stieg jedoch in seiner Hochachtung, weil sie weder jammerte noch heulte, wie es die meisten Frauen und auch eine Menge der Männer, die er kannte, getan hätten.

„Bleiben Sie ruhig sitzen!", sagte er scharf und verschwand im Bad. Als er zurückkehrte, war sie vornüber gesunken und hielt ihren Kopf zwischen ihren Händen. Er hockte sich vor sie hin und, nahm ihre Hände weg und hob ihr Kinn an. „Ist Ihnen schlecht?"

„Ja", seufzte sie. Ihre Augen, in denen sonst Wärme und Humor funkelten, waren glasig. Sie hatte schöne Augen, stellte er fest, ein wenig wie eine Katze, groß und hellbraun, mit ein wenig Grün.

Verdammt, seit wann bemerkte er Grangers Augen?

„Wahrscheinlich eine leichte Gehirnerschütterung", murmelte er so sanft es ging. Er drückte ihr eine Phiole in die Hand. „Trinken Sie das, dann geht es Ihnen gleich besser."

Hermione nahm ihm mit zitternden Händen das Fläschchen aus der Hand, entkorkte es und roch daran. „Keine Angst, Sie haben es zwar verdient, aber ich habe nicht die Absicht, Sie zu vergiften!" Er war erleichtert. Wenn sie noch versuchen konnte, etwas zu analysieren, dann war es wahrscheinlich halb so schlimm.

„Ich weiß", antwortete sie leise. „Es ist nur ein Beruhigungstrank mit etwas Baldrian und ein paar Morgensternblüten zur Schmerzlinderung." Seine Augenbraue wölbte sich, verblüfft und auch ein wenig erheitert.

„Sieh an, die kleine Know-it-all. Tränkekunde studiert?"

„Unter anderem." Hermione stürzte den Inhalt hinunter und seufzte erleichtert, als die schlimmsten Schmerzen nachließen. „Und ich hatte in der Schule einen guten Lehrmeister." Sie lächelte ihn schwach an.

„Tatsächlich? Ist mir da etwas entgangen?"

„Ihnen ist nur selten etwas entgangen, Sev… Seth!"

Für seine Begriffe erholte sie sich viel zu schnell wieder. „Wie haben Sie meine Wohnung gefunden?"

Ihr Lächeln verbreiterte sich. „Ich habe im Telefonbuch nachgesehen?"

Severus schnaubte. „Ha ha, sehr amüsant. Wie?"

„Also gut. Ich habe Galen McCollum gefragt!"

„Falsche Antwort. Meine Leute würden nie meine Adresse an jemanden weitergeben, der nicht zu einem ausgewählten Personenkreis gehört. Und wie es der Zufall will, weiß dieser ausgewählte Personenkreis bereits, wo ich wohne."

Er drückte ihr Kinn ein wenig höher und beugte sich nach vorn. Ganz sanft flüsterte er in ihr Ohr: „Letzter Versuch, Hermione, falls Sie wissen, was gut für Sie ist…"

Tief atmete sie den schwachen Duft seines Aftershaves ein. Ihr Herz stoppte für eine Sekunde, dann stürmte es vorwärts, als versuche es, den verlorenen Rhythmus wieder einzuholen. Von einem Moment zum nächsten war aus einer erst erschreckenden, dann ganz leicht amüsanten Situation etwas vollkommen anderes geworden… etwas, das sie aus dem Gleichgewicht brachte.

Ihre Kehle war wie zugeschnürt, als er den Kopf wandte und sie ansah. Früher hatte er das Eindringen in eine Intimsphäre benutzt, um zu drohen und zu erschrecken. Dieses Mal schien es, als sei er selbst erstaunt über die seltsame Atmosphäre, die sich zwischen ihnen ausbreitete. Eine ganz leichte Röte stieg in seine glatt rasierten Wangen. Fasziniert konnte sie nichts anderes tun, als ihn anzustarren.

Severus wusste nicht, was gerade passierte. Eben noch hatte er sie ein ganz klein wenig einschüchtern wollen. Doch dann hatte sie tief ein- und wieder ausgeatmet, und ihr warmer Atem auf seiner Wange hatte ihn mehr als nur irritiert, und er hatte sie angesehen – und plötzlich war da überfallartig das Bedürfnis, mehr zu tun, als nur ihr Kinn festzuhalten.

Er wollte mit seinen Fingern und Händen ihr Gesicht erkunden, erforschen, ob da noch mehr war, als das, was er sehen konnte, er wollte ihre Haare packen und über seine Hände fließen lassen, seine Nase in ihre Halsbeuge vergraben und…

Verdammt, was dachte er da eigentlich? Geschockt ließ er sie los und sprang auf. „Ich werde Ihnen Jod auf Ihre Wunde tun!", knurrte er. „Beißen Sie die Zähne zusammen, es brennt." Trotzdem konnte er nicht widerstehen, leicht mit den Fingern durch ihr Haar zu streichen, als er das Blut wegwischte und etwas Jod auf ihre Wunde träufelte.

Lediglich ein kaum merkliches Zusammenzucken und ein fast unhörbarer Seufzer kündigten von ihren Schmerzen, dann entspannte sie sich, als er ein Pflaster hinauf klebte und einen Teil ihrer Locken wieder darüber fallen ließ.

Er ließ sich ihr gegenüber in den Sessel fallen und zog ihn so nahe heran, dass sich fast ihre Knie berührten. „Also… wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, Sie wollten mir gerade mitteilen, woher Sie meine Adresse haben, Gryffindor!"

„Das muss ich Ihnen zeigen", murmelte sie und stand auf. Sie packte seine Hand und zog ihn zum Fenster. Severus wollte seine Hand wegziehen, doch sie taumelte ein wenig, und er griff schnell wieder zu und ließ ihr ihren Willen – offensichtlich hatte die Kopfverletzung doch stärkere Auswirkungen, da sie ihn freiwillig wieder anfasste.

Sie sah ihn fragend an, und als er zustimmend nickte, öffnete sie die Tür und trat auf den Balkon. „Ich war so frei, gestern einen Blick hinaus zu werfen", gab sie zu, als er ihr folgte. „Sehen Sie die Kirche da drüben, da, wo der Fluss seine Biegung macht, auf der anderen Seite?"

„Ich bin vielleicht alt, aber nicht blind", knurrte er sie an.

Hermione schenkte ihm nur ein argloses Lächeln. Seine Einschüchterungsmethoden mussten einmal gründlich überprüft werden, sie schienen überhaupt keine Wirkung mehr zu zeigen.

„Sie sind nicht alt, Sev… Seth. Für einen von uns sind Sie sogar noch ziemlich jung. Aber lassen wir das", fuhr sie hastig fort, als sie das bedrohliche Glimmen in seinen Augen bemerkte. „Neben dieser Kirche jedenfalls steht ein rotes Backsteingebäude, welches Sie von hier aus nicht sehen können. Zufällig ist besagtes Gebäude eine Schule, und ganz zufällig war es meine Grundschule…

Ich meine, Sie wissen ja, dass mein Elternhaus abgebrannt ist, oder? Da liegt doch die Vermutung nahe, dass das hier meine Geburtsstadt ist und ich hier zur Schule gegangen bin… na ja, Pech für Sie jedenfalls, dass ich mich hier ziemlich gut auskenne.

Ich brauchte nur noch die imaginäre Linie von der Kirche und der Flussbiegung aus weiterziehen und konnte ziemlich genau ausrechnen, welches Ihres Haus war. Der Rest war ein bisschen Lauferei und Klingelputzen und voilá – hier bin ich!"

Er lehnte sich an die Balkonbrüstung und starrte nach unten.

„Ich habe keine Auroren mitgebracht, falls Sie danach suchen!", versicherte ihm die junge Frau an seiner Seite. Sie hielt noch immer seine Hand umklammert. Er fragte sich, warum es ihn nicht störte. Warum er sie nicht hochkant hinauswarf. Oder noch besser, sie von seinem Balkon aus in den Fluss stürzte.

Sie bedeutete Ärger. Er wusste nicht genau, welche Sorte von Ärger, aber er würde definitiv nicht unbeschadet aus dieser Geschichte hervor gehen.

Er stieß einen abgrundtiefen Seufzer aus. „Na schön. Jetzt, wo Sie also schon einmal da sind, können wir uns auch gleich austauschen." Er drehte sich zu ihr herum und löste seine Hand aus ihrem Griff. „Aber falls Sie noch einmal so eine verrückte Aktion starten, werde ich…"

Hermione unterbrach ihn fröhlich. „…mindestens 1000 Punkte von Gryffindor abziehen, ich weiß!"

Er drängte sie wieder hinein und schubste sie leicht in den Sessel. Dann ging er zu seiner Bar und schenkte sich einen ziemlich steifen Whisky ein. „Möchten Sie auch einen?"

Sie verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf. „Danke, nein. Ich hatte mal einen Kater nach einer Studentenparty mit viel Ogdens Feuerwhisky. Seitdem bin ich abstinent."

„Kluges Mädchen", murmelte er. „Also, was können Sie mir über Durmstrang erzählen?"

„Kriege ich heute kein Frühstück?"

„Granger!" Severus knirschte mit den Zähnen.

„Wir hatten uns doch auf Hermione und Seth geeinigt!"

Sie hatten sich vielleicht geeinigt, ich hatte ja kein Mitspracherecht!"

Sie grinste, für seinen Geschmack viel zu zufrieden. „Also, Durmstrang… ich nehme mal an, den historischen Abriss kann ich mir sparen, oder? Wichtig zu wissen ist in dieser Hinsicht nur, dass in Durmstrang schon immer schwarze Magie gelehrt wurde. Es heißt, Rasputin selbst hat dort seine Kunst gelernt.

Ich habe mich zuerst mit den Jahrgängen ´79 bis ´82 beschäftigt, weil Bellatrix´ Akte in der Hinsicht recht unpräzise war, offensichtlich hatten die Auroren das genaue Jahr der angeblichen oder tatsächlich stattgefundenen Fehlgeburt nicht genau ermitteln können. Tatsächlich hat es in dieser Zeit sogar sechs ausländische Kinder gegeben, die auf Durmstrang aufgenommen wurden.

Vier davon waren Mädchen, die Jungs habe ich außen vor gelassen, weil wir von der Simulation her wissen, dass unser dritter unbekannter Todesser eine Frau ist."

Hermione", unterbrach sie Severus. „Was auch immer Sie von mir halten mögen, ich bin kein Trottel. Erklären Sie nicht jeden einzelnen Schritt, hören Sie auf zu plappern und sagen Sie mir, was Sie herausgefunden haben. Ich versichere Ihnen, ich bin mit Ihren geistigen Kapazitäten so vertraut, dass ich Ihren Schlüssen unbesehen glauben werde."

„Huh!", machte Hermione. „War das gerade ein Kompliment?"

Severus knurrte und nippte an seinem Whisky. Er neigte im Allgemeinen nicht dazu, bereits am Morgen zu trinken, er neigte eigentlich nicht einmal dazu, überhaupt zu trinken, aber dieses Mädchen, nein, diese Frau stresste ihn über alle vernünftigen Maße.

„Okay, okay, verstehe. Ich habe schließlich zwei der Mädchen ausgewählt, aber ich kann mich nicht zwischen ihnen entscheiden. Sie sind Jahrgang 80 und 81, beide aus England oder Schottland, dunkelhaarig, mit dunklen Augen und unruhigen Bewegungen. Ich dachte, Sie könnten ja mal einen Blick drauf werfen, Chief."

„Worauf denn?", fragte er misstrauisch.

Sie lächelte schon wieder, und er begann, sich daran zu gewöhnen. Ihr Lächeln wirkte weder künstlich noch überfreundlich oder gar aufgesetzt, vielmehr so, als wäre seine Gesellschaft tatsächlich so angenehm, dass sie Spaß hatte und lächeln konnte.

Sie holte eine Phiole aus ihrer Tasche. „Da Sie so eine Abneigung gegen „albernes Zauberstabgefuchtel" haben, werde ich einfach Ihren kleinen Trick kopieren und wir vergleichen einfach mal die Körperform oder die Art ihrer Bewegungen mit unserer Todesserin."

Er schob ihr eine Schale hinüber, in der normalerweise Obst lagerte. Sie machte tatsächlich alles so, wie sie es gestern bei ihm gesehen hatte, und aus dem Rauch stiegen zwei Gestalten, die sich auf den ersten Blick recht ähnlich sahen. Es waren zwei Mädchen, etwa elf oder zwölf Jahre alt.

Eine der beiden lächelte schüchtern, die andere schaute ziemlich grimmig und mit zusammengefurchten Augenbrauen. Hermione ließ sie sich im Kreis drehen, dann vorwärts und rückwärts laufen. In der Zwischenzeit hatte Severus die Simulation der Todesser wieder auferstehen lassen, und obwohl ihr Abbild langsam ziemlich schwach wurde, hatten sie durchaus noch Vergleichsmöglichkeiten.

Eine Weile sahen sie schweigend zu und versuchten, irgendeine Ähnlichkeit zu erkennen. Hermione rollte sich in dem Sessel zusammen und stützte ihren Kopf auf ihre Faust. Schließlich sagte sie: „Ich weiß nicht. Das sind noch Kinder, und die Todesser sind erwachsen. Ich kann einfach keine Ähnlichkeit erkennen. Vielleicht sind wir auch auf dem Holzweg und verrennen uns."

Severus stellte seinen Whisky fort und deutete auf das schüchterne kleine Mädchen. „Sie ist es."

Hermione runzelte die Stirn. „Wieso? Wenn überhaupt, hätte ich gedacht, die Kleine dort, die so böse aussieht…"

Er rieb sich das Kinn. „Todessertreffen fanden durchaus nicht immer in dubiosen, dunklen Ecken und in voller Todessermontur statt. Manchmal trafen wir uns auch in „zivil". Da lernt man die anderen ziemlich gut kennen. Wissen Sie, wie Rudolphus Lestrange genannt wurde? Der Lächler. Er hatte genau dieses schüchterne Lächeln drauf. Frauen flogen geradezu auf ihn, und er brachte uns die meisten weiblichen Anhänger.

Allgemein wurde immer angenommen, es sei Bellatrix, die in dieser Ehe den Ton angab, und Tatsache ist, dass sie immer ins Auge fiel und im Vordergrund stand. Zumal sie auch extrem – ähm, wie soll ich sagen – männerorientiert war."

„Was meinen Sie mit männerorientiert?", unterbrach ihn Hermione.

„Granger…", knurrte er. Sie hob nur die Augenbrauen. „Bei Merlin, sie machte halt jedes männliche Wesen zwischen zwölf und einhundertachtundachtzig an!"

„Sie auch?"

Eine ganz leichte Röte stieg in seine Wangen. „Mich auch", gab er zu.

Sie stützte ihren Kopf in eine Hand und betrachtete ihn neugierig. „Und wie war sie so? Im Bett, meine ich?"

„Verdammt noch mal!", knirschte er wütend. „Ich war nicht interessiert! Sie war pervers, abstoßend und außerdem verheiratet!"

„Oh, das ist gut", murmelte Hermione.

Severus starrte sie an. Was meinte sie mit „das ist gut"? Er schüttelte den Kopf. Wer wusste schon, was in ihrem Kopf vorging? „Kann ich weitermachen, oder möchten wir uns über die sexuellen Vorlieben der Todesser unterhalten?"

„Gern", sagte Hermione wissbegierig und richtete sich auf. „Oh – ein anderes Mal, vielleicht…", schob sie schnell hinterher, als sich ein Gewitter in seinem Gesicht ankündigte.

„Zurück zu Rudolphus. Er war ziemlich schlau und durchtrieben und genauso verrückt wie seine Frau. Na ja, die ewige Inzucht der Reinblüter…" Severus zuckte die Achseln. „Aber er konnte mit Menschen umgehen, sie umgarnen und ihnen weismachen, dass der Himmel nicht blau sondern gelb war, egal, was sie gerade sahen. Und sein Lächeln, Hermione, sein Lächeln machte Frauen süchtig…"

Sie dachte, dass sie auch süchtig danach werden konnte, wie er „Hermione" aussprach. Wahrscheinlich sollte es spöttisch klingen, aber um Merlins Willen, ein Name, mit flüssigem Samt ausgesprochen, konnte sich nicht spöttisch anhören.

„Also war Rudolphus Lestrange der Chefanwerber der Todesser", stellte sie fest. „Er hatte ein schüchternes Lächeln drauf und war ein Frauenversteher. Hm. Und Sie glauben, dass eine Tochter existiert, die seine Fähigkeiten geerbt und sich jetzt mit ein paar Unverbesserlichen aufgemacht hat, das berühmte Goldene Trio zu töten oder zumindest schwer zu schädigen?"

„So in der Art." Severus nickte.

„Wieso gerade jetzt?"

„Ich war noch nie hellseherisch begabt, Gryffindor. Wir finden es raus."

In Hermione stieg Freude auf, bemerkbar als Wärme, die sich über ihren Körper ausbreitete. Er hatte Wir gesagt, und sie glaubte nicht, dass er damit seine Polizisten meinte. Anscheinend hatte er sich damit abgefunden, dass sie mit von der Partie war.

Severus beseitigte die verblassenden Rauchgestalten und verkorkte die Phiolen wieder. Vielleicht waren sie noch einmal nützlich. „Wie geht es jetzt Ihrem Kopf?", fragte er.

„Gut, Seth", antwortete sie, und er kam nicht dazu, sie wegen des Gebrauchs seines Vornamens zurechtzuweisen, weil sein Handy klingelte.

„Aspen!", bellte er.

„Chief, Brenner hat doch auf Ihre Anordnung hin sämtliche Hotels und Absteigen nach drei jungen Frauen und Männern abgeklappert", sagte Galen aufgeregt.

„Er glaubt, er hat etwas gefunden. In Andys Pub in der Hillside Street haben sich Sonntagmorgen ein paar junge Leute eingetragen, auf die Ihre Beschreibung passt. Angeblich Studenten. Er hat Verstärkung angefordert und fragt, ob er reingehen soll!"

„Bewacht alle Ein- und Ausgänge, unternehmt aber nichts, bevor ich da bin, es sei denn, die drei wollen ausfliegen!"

„Okidoki, Boss, dann treffen wir uns da?"

„Ja!" Severus klappte das Handy zu und ließ es in der Hosentasche verschwinden.

Er betrachtete Hermione einen Moment lang sinnend, dann warf er sich seine Jacke wieder über und bedeutete ihr mit einem Wink, dass sie gehen müssten. „Nein!", sagte er scharf, als sie den Mund öffnete, „Sie können nicht mitkommen!"

„Ich wollte eigentlich fragen, ob ich irgendetwas tun kann?"

„Seien Sie eine brave, kleine Gryffindor, und erschrecken Sie mich nicht wieder, das erhöht Ihre Lebenserwartungen beträchtlich!"

Hermione verschränkte die Arme vor der Brust und schwieg die ganze Zeit, die der Lift nach unten brauchte. „Und wie kann ich Sie erreichen, falls ein Brief von Victor eintrifft?", fragte sie dann schließlich.

Severus konnte nicht widerstehen. Er beugte sich zu ihr hinunter und streifte mit seinen Lippen über ihre Wange, bis er ihr Ohr erreichte. „Schon vergessen?", flüsterte er und registrierte befriedigt, dass sie eine Gänsehaut bekam. „Ich bin hier der Polizeichef. Ich finde Sie!"

Als sie seinen Wagen bereits nicht mehr sehen konnte, stand Hermione noch immer an derselben Stelle. Ihr Puls hatte sich merklich beschleunigt, ihre Hände zitterten, bis sie sie zu Fäusten ballte. Verdammt noch mal, es hatte sich so… argh!

Seine Lippen auf ihrer Haut hatten sich so gut angefühlt!

Er hatte sie nur wieder einmal ärgern oder einschüchtern wollen, aber sie hatte das Gefühl, dass es ihr nichts ausmachen würde, wenn er das öfter tat.

Severus, der mit seinem Rover durch die Stadt jagte, dachte genau dasselbe.

SSHGSSHGSSHGSSHG

Er traf im gleichen Moment ein wie McCollum. Sie hatten beide eine Straße weiter geparkt und schlenderten aus verschiedenen Richtungen auf Andys Pub zu, der außer dem immer etwas dunklen Schankbereich auch drei oder vier kleine Gästezimmer aufzuweisen hatte.

Severus ließ jeweils einen Mann am Vorder- und Hintereingang stehen, und nahm nur Brenner und McCollum mit.

Sie betraten den Pub und gingen zur Rezeption. „Morgen, Andy!", sagte Galen zu dem kleinen, glatzköpfigen Mann, der dahinter saß und in einer Zeitung las.

Der Mann hob seine blassen Augen und blinzelte. Normalerweise war um die Zeit nie viel los, da das Pubgeschäft erst am Nachmittag anfing und seine Gästezimmer nie ausgebucht waren.

„Mein Name ist Baldymore, Jeremias Baldymore", sagte er. „Was kann ich für Sie tun, Gentlemen?"

Severus klappte seinen Dienstausweis auf. „Wir interessieren uns für die drei jungen Leute, die letztes Wochenende hier eingecheckt haben. Sind die noch hier?"

„Drei Stück? Zwei Mädels, ein Junge?" Baldymore wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.

„Genau die!", bestätigte Severus.

„Haben eine Woche im Voraus bezahlt. Weiß aber nicht, ob die gerade da sind, weil sie meistens vergessen, den Schlüssel abzugeben, wenn sie unterwegs sind!"

„Sind wohl oft unterwegs?"

„Na, und ob!"

„Zimmernummer?"

„Gleich das erste, Nummer 10!"

„Wir werden ihnen einen kleinen Besuch abstatten, Sir. Mein Kollege", er deutete auf Brenner, „wird Ihnen solange ein wenig Gesellschaft leisten. Seien Sie so freundlich, und lassen Sie Ihre Finger vom Telefon."

Baldymores Augen glitten über die drei Polizisten. „Okay", sagte er langsam und blätterte seine Zeitung bis zum Sportteil weiter.

Severus nickte Brenner zu und stieg mit McCollum die Treppen hinauf. Sie stellten sich rechts und links von der Tür auf und McCollum klopfte. „Zimmerservice!", rief er aufgeräumt. Nichts rührte sich.

Der Sergeant kniete sich nieder und spähte durchs Schlüsselloch. Er sah zu seinem Chief und schüttelte den Kopf. Severus öffnete die Tür mit seiner Kreditkarte. Vorsichtig machten sie die Tür auf und gingen hinein. Sie hätten ihre Waffen nicht herausholen brauchen. Das Zimmer war leer.

Es war nicht nur leer, sondern auch völlig aufgeräumt und frisch bezogen. Severus runzelte die Stirn. Es sah nicht so aus, als ob irgendwer hier in den letzten Tagen gewohnt hätte, am allerwenigsten gleich drei Personen unterschiedlichen Geschlechts.

Dann hörte er ein leises Geräusch aus dem Nebenzimmer, als hätte jemand einen Finger in einen Flaschenhals hineingesteckt und abrupt wieder hinaus gezogen. Severus startete durch und rannte auf den Flur hinaus. „Kommen Sie, Galen!", brüllte er, hielt sich nicht weiter auf und trat die Tür zum Nebenzimmer ein. Noch zweimal ertönte dieses Geräusch.

Natürlich war auch dieses Zimmer leer – aber man sah deutliche Spuren eines hastigen Aufbruchs. Getränkedosen, Fastfoodschachteln, ein vergessenes T-Shirt. Severus ging zu einem der Betten und hob einen Gegenstand auf.

McCollum erschien an seiner Seite. „Das ist ja ein komischer Spiegel", stellte er fest. „Ich kann gar nichts darin sehen, weder Sie noch mich. Einfach gar nichts! Und wie um alles in der Welt, sind die hier raus gekommen? Wir hatten doch überall Leute! "

„Glücklicher Mann", murmelte sein Chief. Er konnte mehrere Gestalten sehen, weit entfernt und zu verschwommen, wie im Nebel. Er kannte diesen Gegenstand. Wenn McCollum nichts darin sehen konnte, hieß das lediglich, dass es niemanden gab, der ihm etwas Böses wollte.

Ein Mann wie Severus Snape jedoch hatte wohl auch eine nicht geringe Menge derer, die ihn hassten und das Feindglas in seiner Hand zeigte ihm, dass sie im Moment weit entfernt und nicht identifizierbar waren.

„Rufen Sie die Spurensicherung!", wies er Galen an. Als der Sergeant sich umdrehte, steckte er das Feindglas ein. Unterschlagen von Beweismitteln, dachte er spöttisch. Doch obwohl er sich von der magischen Welt abgewandt hatte, hatte die Geheimhaltung derselben noch immer seine oberste Priorität.

Dann eilte er die Treppe hinunter, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Er packte Baldymore am Kragen und riss ihn zu sich hoch. „Wie viel haben die Ihnen gegeben, damit Sie falsche Angaben machen, falls jemand nach ihnen fragt?", zischte er.

Der Glatzkopf bekam große Augen. „Ich weiß nicht, was Sie meinen!", stammelte er. Severus drang in seinen Geist ein, bahnte sich seinen Weg durch chaotische, weil verängstigte Gedanken und fand schließlich, was er suchte.

Jemand mit einer großen Kapuze beugte sich zu Baldymore und flüsterte: „Hier sind 100 Pfund, mein Freund, nur für Sie. Die kriegen Sie von mir, weil ich finde, dass Sie ein netter Kerl sind. Das einzige, was Sie dafür tun müssen, ist, all denjenigen, die eventuell nach uns fragen, eine falsche Zimmernummer zu nennen. Wenn Sie das machen, sind noch einmal 100 Pfund für Sie fällig!"

Severus stieß den kleinen Mann angeekelt von sich. „Falschaussage, Behinderung eines Polizeieinsatzes!", herrschte er ihn an. „Bestechung! Dafür gehen Sie in den Bau, für mindestens fünf Jahre, das schwöre ich Ihnen."

„Aber, aber…"

„Vielleicht, nur vielleicht, wenn Sie mit uns kooperieren, könnte ich mich dazu durchringen, ein gutes Wort beim Haftrichter für Sie einzulegen… aber dann will ich präzise Angaben. Wann sind die drei hier eingetroffen, wie sahen sie aus, was hatten sie dabei? Sie werden an Phantombildern mitarbeiten, und dann vergesse ich eventuell die Ihnen angebotenen 200 Pfund!"

„Aber, aber… woher wissen Sie das?" Baldymore war jetzt völlig verängstigt.

Severus beugte sich über die Rezeption. „Wissen Sie, wer ich bin?", flüsterte er bedrohlich. „Ich bin Chiefinspector Seth Aspen, der Hexer!"

Tag 4, Mittwochabend

Es war bereits früher Abend, als er vor dem Continental vorfuhr. Direkt am Eingang traf er auf Hank und Jane Granger. „Seth!", rief Hank und schüttelte ihm die Hand. „Wollen Sie zu uns?"

Severus nickte. „Ich dachte, ich teile Ihnen die bisherigen Untersuchungsergebnisse persönlich mit."

„Oh, dann kommen Sie, Chief, kommen Sie. Wir wollen uns gerade zum Dinner mit unserer Tochter treffen, Mia, Sie erinnern sich? Betrachten Sie sich als unseren Gast!" Jane Granger hängte sich an seinem Arm ein und führte ihn energisch in Richtung Hotelrestaurant.

„Nein, nein, machen Sie sich keine Umstände", wehrte Severus ab. „Ich wollte Ihnen nur sagen, dass unsere Ermittlungen eindeutig bewiesen haben, dass Brandstiftung vorliegt und kein Verschulden Ihrerseits. Ich habe einen schriftlichen Beleg dabei, den Sie Ihrer Versicherung vorlegen können."

„Das ist gut", sagte Hank, schob ihn jedoch auch noch durch die Tür. „Jetzt zieren Sie sich doch nicht so, Mann, wir laden Sie ein." Er zwinkerte ihm zu. „Schließlich haben wir einen Haufen Geld an Ihnen verdient!"

Severus seufzte lautlos. Schuld war er selbst. Eigentlich gab es keinen Grund, persönlich bei den Grangers vorbei zu kommen. Er hätte schnurstracks nach Hause fahren und den Tag in Ruhe ausklingen lassen sollen. Stattdessen hatte ihn irgendetwas zum Continental getrieben. Vielleicht, hatte eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf geflüstert, könnte ich ja noch einmal Hermione ärgern.

Verdammt, wieso dachte er jetzt an Hermione und nicht an die unerträgliche Know-it-all oder Gryffindor?

Weil sie permanent aufdringlich war, selbst in seinen Gedanken.

Sie hatte die Geschichte mit den Vornamen beschlossen, und sie war es, die dauernd in seinem Geist herumtanzte. Absolut unerträglich eben! Aber sie roch verdammt gut, und ihre Haut war weich und warm, und während er seine eintönigen Schreibtischtätigkeiten verrichtete, hatte er die ganze Zeit überlegt, wie es wäre, wenn er sie richtig küsste.

Idiot!, beschimpfte er sich selbst. Sie war nichts weiter als eine ehemalige Schülerin, eine, die er nicht einmal leiden konnte. Und jetzt war sie eben erwachsen und beschäftigte seine Phantasie.

Das war nicht gut. Sie war keine von den Frauen, die sich geschmeichelt fühlen würden, wenn der charismatische Chief Aspen Interesse zeigte. Erstens war sie fast zwanzig Jahre jünger als er – und was spielte das bei unserer Art für eine Rolle?, flüsterte wieder diese lästige Stimme – und zweitens mochte sie ihn genauso wenig wie er sie.

Genau! Genau deshalb, weil er sie nicht mochte, war er extra noch einmal zum Continental gefahren. Merlin, wie er es hasste, sich selbst gegenüber zynisch zu sein!

Er öffnete den Mund, um noch einmal die Einladung auszuschlagen, als er Hermione erblickte, die gerade die Treppe hinunter kam. Sie trug ein bauchfreies, weißes Top und eine enge, schwarze Hose. Severus wurde die Kehle trocken, die geplanten ablehnenden Worte verschwanden genauso schnell aus seinem Kopf wie jeder andere vernünftige Gedanke.

Er starrte auf ihren Bauchnabel, der mit einem Piercing in Form eines Schlangenkopfes verziert war. Der Teil ihrer Haut, welchen er sehen konnte, war fest und leicht gebräunt, und er zweifelte nicht daran, dass der Rest ihres Körpers hielt, was dieses sündhafte Stück Fleisch versprach. Verdammt! Er konnte einpacken. Jetzt wurde er schon auf eine ehemalige Schülerin scharf!

Und sie hatte weder ihre Eltern noch ihn bemerkt, weil sie ihre Nase – Überraschung! – wieder einmal in einem Buch hatte. Severus pries ihre Angewohnheit innerlich voller Überschwang; so hatte sie wenigstens nicht bemerkt, dass er sie mit den Augen bereits ausgezogen hatte.

„Mia!", rief Hank schließlich, als Hermione automatisch, ohne auf den Weg oder umstehende Personen zu achten, nach rechts in Richtung Restaurant abbog. Sie sah hoch, ihr Gesicht hellte sich beim Klang der bekannten Stimme auf, doch als ihr Blick auf Severus fiel, wurde ihr Ausdruck düster.

„Chief Aspen", murmelte sie und konnte nicht verhindern, dass ihr Röte ins Gesicht stieg. Dieser verdammte Bastard! Was machte er hier? Schlimm genug, dass sie den halben Tag abgelenkt war, weil sie an seine Lippen auf ihrer Wange gedacht hatte – und sie hatte bestimmt nicht daran gedacht, dass es ihr Ex-Lehrer war, bei dem sich das so … ähm, nun ja, gib es zu, Hermione!... absolut nach mehr anfühlte…

Jetzt tauchte er auch noch hier auf, wo sie es gerade geschafft hatte, sich abzulenken und auf das Abendessen mit ihren Eltern zu freuen!

Severus, gewohnt scharf zu beobachten, war ihre Verlegenheit nicht entgangen. Um ihr Unbehagen zu steigern, deutete er vor ihr eine knappe Verbeugung an und zog ihre Hand an seine Lippen. Fast hätte sie es geschafft, sie ihm zu entziehen, doch er verstärkte nur noch seinen Griff und murmelte: „Miss Granger!"

Befriedigt erkannte er, dass sich ihre feinen Härchen aufstellten, als sein Atem über ihre Haut strich. Weniger befriedigte ihn die Tatsache, dass er selbst am liebsten ihre Hand festgehalten und sich den Weg zu ihren bloßen Schultern hinauf geküsst hätte. Bei Merlins Barthaaren, er musste ganz schnell dafür sorgen, dass er sich wieder entspannte.

Sein Blick fiel auf den schmalen Band, den sie in ihrer anderen Hand hielt. „Friedrich Schiller?", fragte er erstaunt und dann, mit hochgezogener Augenbraue: „In altdeutscher Schrift?"

„Ich hatte das Bedürfnis nach leichter Lektüre, Chief, nicht, dass es Sie etwas angehen würde!", fauchte Hermione entnervt.

„Mia!", entrüstete sich ihre Mutter. „Wir haben Seth zum Essen eingeladen und möchten dich doch bitten, ihn anständig zu behandeln. Er ist unser Freund und gehört seit über fünf Jahren fast zur Familie!"

Hermione unterdrückte einen Hustenreiz. „Ach ja? Ich entschuldige mich vielmals, Chief, ich wusste ja nicht, dass ich schon so lange einen väterlichen Freund habe!"

Das Glitzern in seinen Augen versprach ihr, dass er ihr den „väterlichen Freund" heimzahlen würde, doch im Moment beschränkte er sich auf eine neuerliche Verbeugung.

Ein Kellner wies ihnen einen Tisch am hinteren Ende des Restaurants zu, in einer gemütlichen Nische. Offensichtlich war er der Meinung, bei drei Personen, die im Stadtrat saßen, war es angebracht, etwas Privatsphäre zu schaffen.

Hermione fand sich plötzlich neben Severus wieder, weil ihre Eltern auf die mit weichem, rotem Samt bezogene Bank gegenüber gerutscht waren. Das ist nicht gut, dachte sie nervös.

„Was möchten Sie trinken, Seth?", fragte Hank.

„Ein großes Wasser, bitte", antwortete Severus.

„Trockener Alkoholiker, hm?", murmelte Hermione, jedoch laut genug, um gehört zu werden.

Ihre Mutter trat ihr auf den Fuß und sah sie strafend an. Sie grinste, jedoch nur so lange, bis sich Severus zu ihr hinunter beugte und in derselben Lautstärke in ihr Ohr hauchte: „Wir könnten uns eine Karaffe Wein teilen, Hermione!"

Hank sah von der Karte hoch. „In der Tat, Mia. Möchtet ihr einen halben Liter Roten?"

„Nein!", sagte sie viel zu schnell.

„Seth?", fragte ihr Vater.

Severus schüttelte den Kopf. „Ich richte mich nach der Lady und bleibe nüchtern…" Ein spöttisches Grinsen spielte um seine Lippen, und als ihre Eltern sich wieder der Karte widmeten, flüsterte er ihr zu: „Angst, Gryffindor?"

Leider hatte sie sich im gleichen Augenblick zu ihm gebeugt und gewispert: „Ich muss mit Ihnen reden!", und sie stießen mit ihren Köpfen zusammen.

Bei ihrem Schmerzenslaut sahen Hank und Jane wieder hoch. „Ist etwas passiert?", fragte Mrs. Granger.

Severus strich sich über seine schmerzende Stirn. „Wie es scheint, sucht Ihre Tochter permanent meine Nähe, Jane. Deshalb sind unsere Köpfe recht unangenehm kollidiert."

„Wie bitte?", empörte sich Hermione. „Wenn Sie sich nicht in meine Richtung…"

„Mia!", sagte Hank. „Was ist denn heute mit dir los? Du bist doch sonst nicht so aufgeregt!"

„Nun ja", murmelte Severus. „Dann muss es wohl an mir liegen." Er nahm Hermiones Hand und hauchte einen Kuss hinauf. „Ich bitte vielmals um Verzeihung, Miss Granger!"

Sie funkelte ihn wütend an und riss ihre Hand fort, als hätte sie sich verbrannt. Der Mistkerl amüsierte sich auf ihre Kosten! Das würde er bereuen!

Das Essen war sehr gut, wurde jedoch nur von Hank und Jane Granger angemessen gewürdigt. Hermione ließ zweimal ihre Gabel fallen und rührte auch die sonst von ihr heiß geliebte Nachspeise kaum an. Severus mühte sich zwar redlich, mit ihren Eltern Konversation zu betreiben, fand es jedoch schwierig, sich auf die Gesprächsthemen zu konzentrieren, solange er neben sich die Wärme ihres Körpers verspürte.

Später an diesem Abend, als sich Hank fürs Bett fertig machte, drehte er sich zu seiner Frau herum, die sich gerade abschminkte und sah sie fragend an. „Fandest du auch, dass Mia und Seth sich so benommen haben, als würden sie… hm, wie soll ich es sagen… sich gegenseitig anziehend finden?"

„Oh!", seufzte Jane und blickte ihn im Spiegel an. „Du hast es also auch bemerkt!"