Alle bekannten Figuren gehören Kiera Cass.
Als ich aufwachte, schwankte alles um mich herum. Meine Finger fassten hartes, raues Holz. Ich hob den Kopf, nur um ihn vor Schmerz ächzend wieder abzulegen.
"Älä liiku. Te ha vakavan päävamman." sagte eine sanfte Stimme in fremder Sprache. Ich versuchte, Silvias Unterrichtsstunden zu rekapitulieren. War das Finnisch, die Sprache, die in Swendway gesprochen wurde? "Minä olen tie, Aulis Jaakoppi" sagte er und deutete auf sich. Aulis hieß er also. Jetzt erst konnte ich sein Gesicht klar sehen. Es war engelsgleich. Blondes Haar umrahmte sein Gesicht und brachte seine Augen zum Strahlen.
Blau waren sie, gerade richtig zum Versinken. Und genau das tat ich. Bis mich schließlich seine seidenweiche Stimme wieder aus meinen Tagträumen hervorholte: "Kuinka voit?". Es klang wie eine Frage. Und ich hatte kein Wort verstanden. Ich ermahnte mich selbst, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Welch ein Pech ausgerechnet von einem swendischen Mann aufgegabelt zu werden! Und doch sah er so gut aus...
Doch mit etwas Glück würde mein Charme mich retten. Ich fing einfach auf gut Glück an zu reden, obwohl ich mich kaum auf das, was ich sagte konzentrieren konnte, da mein Kopf so schmerzte: "Eigentlich spreche ich ja kein Finnisch, aber ich glaube ich habe richtig verstanden, dass du Aulis heißt. Naja, ich bin auf jeden Fall Celeste. Celeste Newsome, genauer gesagt.
Eine Zwei. " Ich hielt zwei blutverschmierte Finger in die Höhe.
"Ich bin jedenfalls froh, dich getroffen zu haben. " Wo war ich überhaupt? Ich versuchte unter Schmerzen, mich aufzurichten. Ich lag auf der Ladefläche eines dieser großen Wagen, die die Händler für Warentransporte nutzen, neben mir Kartoffeln, Kräuter und Illéa-Äpfel, eine regionale Spezialität.
Eine Hand drückte mich sanft wieder nach unten. "Let kertaa. Olet loukkaantunut. Vien sinut kotiini. Se ei ole kaukana" sagte er. Ich verstand kein Wort, fügte mich aber der Geste.
Er versuchte es noch einmal, diesmal in meiner Sprache, gebrochen und mit starkem Akzent: " Ich Aulis. Ich Koch. Ich kaufen Essen für Kochen. Und jetzt Hause gehen. Du mit. Verletzt. Ich dich helfen, ich -"
Weiter kam er nicht. Doch ich hatte verstanden. Er war Koch, und hatte im fruchtbaren Illèa eingekauft. Soweit ich mich an Silvias Unterricht erinnern konnte, wurde Swendway oft von harten Wintern heimgesucht und diese Kälte prägte die dortige Landschaft. Aber er würde mir helfen. Er würde mich außer Landes bringen, etwas, dass mir zugute kam.
Jetzt erst bemerkte ich, dass mein Kopf behelfsmäßig verbunden war. Dankbarkeit durchflutete mich. Ich wollte sie gerade zum Ausdruck bringen, da bemerkte ich, dass er schon wieder in die Fahrerkabine gestiegen war. Doch für den Fall, dass er mich nicht hören konnte, erzählte ich kopflos alles, was mir in den Kopf kam, damit ich zumindest so wirkte, als sei ich auf Konversation bedacht.
"Jedenfalls kannst du froh sein, denn es ist wahrscheinlich die Ehre deines Leben mich für ein paar Tage in deinem Haus aufzunehmen und mir zu helfen. Ich habe nämlich irgendwas am Kopf, aber das hast du ja schon gesehen.", sagte ich und zeigte auf meinen Kopf. Dann kam mir ein neuer Gedanke. "Hey, weist du, ich stelle mir gerade vor, wie du in ein paar Jahren deinen Freunden erzählen kannst, du hättest mich, die große Celeste Newsome in deinem Haus aufgenommen. Niemand wird es dir glauben! Ich werde dir, bevor ich gehe, dann ein Autogramm hinterlassen, ja? Damit deine Freunde dir dann auch glauben...".
Dann bemerkte ich wie aufdringlich und gemein ich wirken musste und stoppte meinen nervösen Redefluss. Er hatte mich zum Glück nicht gehört, dennoch schämte mich sofort für die herablassenden Kommentare. Es passierte mir häufig, dass ich, wenn ich nervös war, kopflos verletzende Dinge behauptete, die meist nicht stimmten. Ich versuchte mir das abzugewöhnen, aber schlechte Angewohnheiten bleiben ja gewöhnlich lange bestehen. Früher, als ich noch nicht so selbstbewusst war, hatte ich das Image, dass durch diese Sprüche entstand, gebraucht, doch heutzutage hatte ich genug Selbstbewusstsein, um mich auch so zu behaupten.
Ich ließ meine Gedanken schweifen, träumte ein wenig von den gutaussehenden Wachen im Palast, die ich vermissen würde, und verglich sie automatisch mit meinem neuen Reisegefährten Aulis. Es war unbestreitbar, dass er unvergleichlich gut aussah, doch es ließ mich erstaunlicherweise relativ kalt.
Er war arm und unbedeutend und dass zerstörte alle Chancen auf ein gemeinsames Leben. Es mochte vielleicht anmaßend erscheinen, doch ich brauchte den Ruhm. Ich hatte nicht gelogen, als ich America dies erzählte, aber ich hatte nicht das Gefühl,dass sie mich tatsächlich verstanden hatte. Es war nicht so, dass ich das Rampenlicht gebraucht hätte, doch diese allumfassende Bewunderung, die einem wie eine Wand entgegenschlug, die brauchte ich. Sie gab mir das Gefühl, tatsächlich das unschlagbare Model zu sein, das ich vorgab zu sein. Sie machte mich selbstbewusst und gab mir das Gefühl, geliebt zu werden. Manchmal beneidete ich die niederen Kasten um ihre unbrüchlichen Familienbündnisse, um diese bedingungslose Liebe, die dort vorherrschte. Niemand hatte mich je so geliebt. Doch dafür waren in mir andere, wichtigere Werte vermittelt worden, nicht die Liebe, sondern die Hinterlist und Strategie ließen einen im Leben vorankommen. Kein Wunder also, dass die niederen Kasten eben nur niedere Kasten blieben, denn wer sich so kopflos für andere Menschen opferte, verschwendete eben sein Leben. Solche Dummheit hatte mir zum Glück nie begegnen müssen, denn meine Eltern hatten meine Lehrer strengstens geprüft und überwacht, um mir beste Bildung überhaupt zu ermöglichen. Natürlich war es trotzdem eine Schmach gewesen, von niederen Wesen Bildung empfangen zu müssen, doch es ließ sich eben nicht ändern.
Über diese weitschweifigen Gedanken verfiel ich schließlich in einen leichten Schlummer, jedoch meinte ich, mich noch an ein Schild, dass eine Selection in New Asia ankündigte, zu erinnern. Danach schwanden meine Gedanken und ich fiel in einen tiefen Schlaf.
Meine Träume waren wirr und durcheinander. Später konnte ich mich nicht mehr an alles erinnern, aber im Schlaf kamen sie mir logisch und klar vor. Ich meinte mich, mich vage an den Rebellenangriff zu erinnern, doch meine Erinnerung könnte genauso gut meiner Fantasie entsprungen sein. Blut spritze durch meine Träume und färbte sie rot, sodass ein unheimlicher Schein über allem schwebte. Ich sah rote Tücher, die sich in rote Kugeln verwandelten und mich durchsiebten. America tanzte an mir vorbei, dicht gefolgt von Maxon, der mich auslachte. Anstatt mir zu Hilfe zu eilen, als ich zu Boden fiel, schleppten mich Wachen des Palastes zu einem Leichenhaufen, nur um mich später in ein Massengrab zu werfen. Die gesichtslosen Leichen verwandelten sich in die Mitglieder der Selection, die langsam verwesten, bis mich nur noch ihre Schädel angrinsten. Und über allem standen der König und die Königin, die uns segneten und uns Gottes Segen für unsere Zukunft in der Hölle wünschten. Dann tauchte Maxon wieder auf und an der Hand hielt er eine gemein lächelnde America...
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30.12.2229
Newsticker
++++ König Maxon gekrönt ++++ Heiratsantrag für America Singer ++++ Nachfolgerin Königin A.'s gefunden? ++++ Leiche des Elite-Mitglieds Celeste nicht gefunden ++++ König Maxon schwerer verletzt als vermutet ++++ Erneute Aufstände im Osten ++++ Geschocktes Schlosspersonal nach Angriff ++++ Angriffe auf Elite-Mitglieder-Kasten beendet ++++ Internationale Selection in New Asia ausgerufen
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