Erstaunt hielt Dora kurze Zeit später ein offenbar sündhaft teures Modellkleid in den Händen, dabei lag farblich passende Seidenunterwäsche, die sie in dieser Qualität noch nie aus der Nähe gesehen hatte, und ein Paar Schuhe, die ebenfalls offensichtlich sehr teuer gewesen sein mussten. Als sie schließlich ein kleines Etui öffnete, schnappe sie nach Luft, als sie darin eine filigrane Kette mit kleinen tropfenförmigen Anhängern aus Diamanten und passende Ohrringe fand. Den Abschluss bildete ein dunkelblaues Schultertuch aus einem samtweichen Material, welches wahrscheinlich auch nicht von der Stange war.

Dora saß bereits zum zweiten Mal an diesem Abend sprach- und kraftlos auf ihrem Küchenstuhl und fragte sich, was dies alles zu bedeuten haben könne.

Als sie schließlich die Einladung aufklappte, aus der sie Zeit und Ort des Treffens mit dem unbekannten Mann entnehmen sollte, stellte sie überrascht fest, daß es sich um die Eröffnung einer Kunstgalerie handelte. Ihr Erpresser war offensichtlich der Meinung sie könne sich auf diesem Parkett bewegen, wenn sie auch nicht verstand, wie er auf diese Idee kommen könne.

Dora stand am Abend der Eröffnung, wie gefordert, vor der Tür der Galerie und wartete auf den Mann, der sich hier mit ihr treffen sollte. Als bereits fast alle Gäste im Inneren des Hauses verschwunden waren, trat ein kleiner älterer Herr auf sie zu und fragte fast schüchtern: „Verzeihung, sind Sie Miss Backyard?" Als Dora bejahte, lächelte er sie an, stellte sich vor und machte ihr einige Komplimente über ihr Aussehen, bevor er sie vorsichtig am Arm nahm und fragte „Können wir hinein gehen?"

Dora war verwirrt, sie wußte nicht, was sie erwartet hatte, aber nicht diesen höflichen älteren Herrn, der ihr immer wieder versicherte, wie sehr er sich freue, daß sie sich bereit erklärt habe ihn zu begleiten. Er schien sich wirklich für die ausgestellten Kunstwerke zu interessieren und bald vergaß Dora ihren Groll und unterhielt sich mit ihm angeregt über Gott und die Welt.

Er erzählte ihr er sei seit einigen Jahren Witwer und hasse es alleine solche Anlässe zu besuchen. Unter traurigem Lächeln vertraute er ihr an, wie oft die Gastgeber, wenn er alleine käme, versuchen würden ihn zu „verkuppeln", er dies aber nicht wolle, da er seine Frau, obwohl sie bereits seit einigen Jahren tot war, vermisse und immer noch liebe.

Als sie schließlich die Galerie verließen, dankte er ihr für den netten Abend und rief ihr fürsorglich ein Taxi, damit sie gesund nach Hause käme.

Während sie sich verabschiedeten, fragte Dora ihn: „Wer hat mich Ihnen empfohlen?"

Sie wollte endlich einen Anhaltspunkt, wer sie erpresste. Der ältere Herr sah sie nur an und meinte: „Ich habe einen Freund, der mir eine Agentur nannte. Dort habe ich mich gemeldet. Es war etwas seltsam, weil man dort selber vorsprechen muss, aber es hat sich gelohnt. Sie waren eine bezaubernde Begleitung. Vielen Dank."

Dann schob er sie auf den Rücksitz des mittlerweile wartenden Taxis und ging.

Zuhause angekommen erwartete Dora bereits eine neue Nachricht.

Gratuliere. Du hast Dich hervorragend bewährt. Es scheint doch ein Diamant in Dir zu stecken."

Dora sah die wenigen Worte irritiert an. Was sollte das bedeuten? Sie war wie sie war, wieso sollte jemand etwas anderes in ihr sehen wollen? Wozu sollte diese ganze Aktion gut gewesen sein? Sie fühlte sich leer und ausgelaugt und verstand nicht, wohin diese Art der Erpressung gehen sollte. Also beschloss sie erst einmal ins Bett zu gehen und am nächsten Tag doch Hermine zu kontaktieren, deren analytischer Verstand bestimmt etwas Licht in dieses, für sie undurchsichtige, Szenario bringen konnte.

Am nächsten Tag erwachte Dora spät und beschloss sofort eine Eule mit einer Nachricht zu Hermine zu schicken. Sie schnappte sich einen Zettel und schrieb fahrig

Hermine,

ich brauche Deine Hilfe. Ich werde erpresst und weiß nicht, wie ich mich wehren soll. Ich will Dich nicht in Verlegenheit bringen, aber ich weiß einfach nicht mehr weiter. Können wir uns treffen?

Liebe Grüße

Dora"

Die Antwort kam prompt in Form eines schnellen kleinen Kauzes, der fast in seiner Eile durch die Glasscheibe ihres Wohnzimmerfensters gebrettert wäre. Dora musste lachen, als der kleine eilige, selbstbewusste Vogel nicht ohne Antwort zurück wollte.

Hermine hatte kurz auf die Rückseite ihrer Nachricht notiert:

Heute Abend, 19 Uhr – Severus´ Büro"

Dora kritzelte nur „o.k." darunter und schickte den kleinen Kauz wieder los.

Am Abend apparierte sie nach Hogwarts und ging ins Schloss zu Snapes Räumen, da sie Hermine bereits dort vermutete. Sie hatte gerade die Hand gehoben um zu klopfen, als die Tür bereits aufsprang und Snape und Hermine, die nebeneinander vor dem Schreibtisch standen, fast zeitgleich vorwurfsvoll riefen „Wieso hast Du nicht früher mit uns gesprochen?"

Dora trat ein, begrüßte beide und fläzte sich dann in einen Sessel, bevor sie antwortete: „Hier, ich habe die Erpresserbriefe mitgebracht." Sie warf die Zettel und auch die Kleidung, die sie in einen Müllsack gepackt hatte, auf Snapes Schreibtisch.

„Ich wollte niemanden in die Sache hineinziehen, aber ich weiß keinen Ausweg."

Sie atmete tief durch und fuhr fort:"Hermine, Du musst für meine Entlassung sorgen. Ich kann für mich selber sorgen, aber ich kann mich nicht wehren, wenn ich befürchten muss, daß Du namentlich in einem solchen Kontext erwähnt wirst. Es würde Deine Karriere ruinieren, eventuell sogar Deine Beziehung zu Severus veröffentlichen, was ihr beide augenscheinlich noch nicht wollt. Es gibt keine Alternative. Ich will nur Euren Verstand für mich arbeiten lassen, damit ihr mir sagt, was ihr daraus lest und ob ihr einen Ansatzpunkt entdecken könnt, wo ich nach dem Drecksack suchen kann, der dieses widerliche Spiel mit mir versucht zu spielen."

Nun stand sie auf und ging zu den beiden hinüber, die bisher geschwiegen hatten. Sie sah sie böse an und fauchte: „Ich will den Scheißkerl, ich will ihn töten, ihm das Leben zur Hölle machen, daß er sich wünscht nach seinem Auftauchen habe sein Vater ihn weggegeben und danach den Storch erschossen!"

In diesem Moment wurde an die Tür geklopft und sowohl Hermine als auch Snape sahen sich fragend an. Dora blickte düster Richtung Tür und hoffte, der unerwünschte Besucher würde sich schnellstens wieder vom Acker machen.

Leider kam gerade wieder einmal Hermines freundliche Ader durch, weshalb sie zu Snape flüsterte: „Geh, öffne und sage, wir seien gerade in einer Besprechung."

Soweit kam es nicht, denn die Tür wurde ohne Einladung geöffnet und eine arrogante, etwas genervte Stimme äußerte „Ich höre bis oben Geschrei, also ist jemand daheim."

Dora stand bleich und wie erstarrt, als sie die Stimme hörte, und als hinter der aufschwingenden Türe Malfoy erschien, gab sie einen erstickten Laut von sich und wich bis zum Kamin hinter der Türe zurück, wo sie in offensichtliche Angriffsstellung ging.

Dieser betrat den Raum mit seiner üblichen Arroganz, grinste, als er Hermine erblickte, und meinte zu Severus „Oh, entschuldige, ich störe eine persönliche Auseinandersetzung?"

„Ja und nein", knurrte Severus zurück, während Lucius nun auch Dora entdeckt hatte. „Ein Eifersuchtsdrama? Wie amüsant", kommentierte er die Situation, während Snape und Hermine alarmiert Richtung Dora blickten.

Diese sprang auf die Provokation auch prompt an und fauchte:"Nicht immer bedeuten drei Leute in einem Raum ein Beziehungsdrama. Aber das erschließt sich einem emotionalen Neandertaler wie Dir wahrscheinlich nicht, für den Rudelbumsen unter die Kategorie Freizeitbeschäftigung fällt."

Lucius funkelte die wütende kleine Frau an und erwiderte sarkastisch: „Dich bissigen Köter hat also noch niemand an die Leine gelegt? Kein Wunder, sowas wie Dich will man nicht an der nächsten Laterne betrunken erwischen."

„RUHE!" donnerte Snape durch den Raum, während Hermine schnell zu Dora ging und sie versuchte in den Sessel zu drücken und auch dort zu halten.

Snape ging zu Lucius und schob ihn mit der Bemerkung, daß man gerade ein Schulproblem bespräche und er sich später bei ihm melden würde, aus dem Raum. Hermine versuchte unterdessen Dora, die vor Zorn bebte, mit beiden Händen auf den Schultern im Sessel zu halten und fragte „Was soll denn das? Er kam doch nur hier rein?"

„Er kam hier nicht einfach so rein", fauchte Dora. „Er kam rein und griff mich an, dieser widerliche arrogante, selbstgefällige Bastard!

Hermine und Snape warfen sich einen Blick zu, der beinhaltete „Weißt Du was, was ich nicht weiß?" bevor beide sich vor Dora aufbauten und fast inquisitorisch fragten: „Um was geht es da? Glaubst Du ER erpresst Dich?"

Dora sah beide ehrlich verwirrt an, als sie antwortete: „Ihr glaubt, er steckt dahinter? Das kann ich mir nicht vorstellen. Das Ganze ist zu plump für ihn, dieser selbsternannte Zuchthengst würde mich lieber persönlich quälen. Seht Euch das Beweismaterial an, besprecht Euch und meldet Euch bitte morgen bei mir. Ich muss ins Bett, ich kann nicht mehr."

Nach diesen Worten stand sie auf, drückte Hermine kurz an sich, reichte Severus die Hand und verließ das Büro.