Sie kam gerade mit Don, der sie nach Hause bringen wollte, aus dem FBI-Gebäude. Dann ging alles ganz schnell. Don blickte auf, sah den Schützen, während Amita noch auf ihn einredete. Er wollte unbedingt das einer seiner Leute bei ihr blieb solange die Ermittlungen liefen, ihm waren diese Leute nicht geheuer. Doch sie war strikt dagegen. „Don ich kann schon auf mich selbst aufpassen. Es ist nicht nötig, dass du einen deiner Leute abstellst um mi... ." Don riss sie hinter sich und im gleichen Augenblick halte ein Schuss durch die Luft. Schreie waren zu hören, Menschen rannten in Panik davon. FBI-Agenten kamen aus dem Gebäude gestürzt, riegelten die Umgebung ab und jagten dem Schützen nach. Doch Amita nahm nur Don wahr der zu wanken begann und gegen sie taumelte. Reflexartig schlang sie die Arme um seinen Oberkörper und ließ ihn vorsichtig zu Boden gleiten. Dann fühlte sie eine klebrige Flüssigkeit an ihren Händen, eine rote Flüssigkeit. Entsetzt blickte sie auf Don hinunter, auf dessen Brust sich schon ein großer dunkelroter Fleck gebildete hatte. Instinktiv drückte sie ihre Hände auf die Wunde und rief um Hilfe.

Keine 20 Sekunde später kamen auch schon zwei Sanitäter aus dem Gebäude gestürzt und schoben sich an ihr vorbei. In eingespielter Routine nahm einer der Beiden Amitas Platz ein, während der Andere über Funk einen Notarzt und Krankenwagen rief und im Krankenhaus schon eine Not-OP angekündigte. Nach weiteren zwei Minuten kam mit dem Notarzt und dem Krankenwagen auch Megan aus dem Gebäude gerannt. Sie hatte das Ganze vom Fenster aus mitbekommen und ging zu Amita, die immer noch unter Schock und mit blutverschmierten Händen auf den Eingangsstufen neben den Sanitätern saß. Verwirrt sah Amita auf, als sich eine Hand sanft auf ihre Schulter legte. Megan griff nach ihrem Arm, zog sie wieder auf die Beine und fort von dem ganzen Getümmel. Zumindest war das ihr Plan. Doch sie hatte nicht mit der heftigen Gegenwehr seitens Amita gerechnet. Diese riss sich wütend los und fauchte sie an: „Ich werde hier nicht weggehen, nicht solange Don nicht im Krankenwagen liegt." Megan hob beschwichtigend die Hände. „Dann werde ich mit dir warten."

Amita nickte nur. Und so warteten nun beide Frauen darauf das die Notärzte endlich das OK gaben Don in den Krankenwagen zu bringen. Kaum das sich die Sanitäter erhoben hatten sprang auch Amita auf und lief ihnen hinterher. Die Sanitäter wollten sie zwar daran hindern mit in den Krankenwagen zu steigen, doch Megan bedeutete ihnen sie gewähren zulassen. Dann schlossen sich die Türen des Krankenwagens und sie fuhren ins Krankenhaus. Zurück blieb Megan, die verwundert war über Amitas Reaktion. Das passte nicht zu einer Frau, die eigentlich nur freundschaftliche Gefühle für diesen Mann haben sollte, war sie doch mit dessen Bruder zusammen. Vielleicht war das gerade der springende Punkt. Megan konnte nicht anders als ihre Verhaltensanalyse auf Amita anzuwenden und dabei kam sie zu einem erstaunlichen Ergebnis. Mit gemischten Gefühlen ging sie wieder in das Gebäude. Das konnte noch eine ziemlich heikle Sache werden.

Im Krankenwagen erlangte Don kurzzeitig das Bewusstsein zurück und rief sofort nach Amita. Die zwei Sanitäter versuchten zwar ihn ruhig zu halten, doch erst als er Amita sah wurde er wieder ruhig. „Don, ich bin hier. Es ist alles in Ordnung." Sie ergriff seine Hand und hielt sie fest. „Amita, zum Glück ist dir nichts passiert. Das hätte ich mir nie verziehen." „Shht... kein Wort mehr davon." Don nickte noch schwach, bevor er wieder in die Bewusstlosigkeit abdriftete. Im Krankenhaus stand schon ein Team aus Schwestern und Ärzten bereit. Sofort wurde er in den OP geschoben und Amita in ein Wartezimmer verfrachtet. Dort wartete sie über vier Stunden bis ein Arzt in OP-Kleidung zu ihr kam.

„Guten Tag, Mam'. Sind sie die Frau von Agent Eppes?" Durch ihren Schock und die Sorgen um Don hatte sie nicht wirklich auf die Formulierung des Arztes geachtet, sondern nur auf Dons Namen reagiert. „Ja das bin ich. Mein Name ist ... ." „Amita, ich weiß schon." Der Arzt lächelte sie an. „Aber woher wissen sie das?" „Mr. Eppes fragt, seit er vor ein paar Minuten aus der Narkose aufgewacht ist, nach ihnen." Ein kurzes Lächeln huschte über Amitas Lippen. „Wie geht es ihm?" „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Die Kugel hat sein Herz um ein paar Zentimeter verfehlt und auch keine lebenswichtigen Gefäße getroffen. Aber er wird für mindestens vier Wochen nicht arbeiten dürfen." „Oh, das wird ihm nicht gefallen." „Ich weiß, aber es geht nicht anders." „Darf ich zu ihm?" „Natürlich, aber er darf sich nicht aufregen. Das müssen sie mir versprechen." „Ich gebe mir die größte Mühe, Doktor." „Nun wenn das so ist, folgen sie mir bitte." „Dankeschön." Dann folgte sie dem Arzt durch ein wahres Labyrinth von Gängen und Korridoren bis sie schließlich vor Zimmer 486 stehen blieben. „So da wären wir. Falls sie noch etwas brauchen oder irgendetwas sein sollte rufen sie einfach die Schwester." „Vielen Dank." „Keine Ursache, Mam'."

Ganz leise öffnete sie die Zimmertür und trat ein. Don lag in einem Bett, angeschlossen an Geräte die ihn überwachten. Es war ein erschreckendes Bild. Der sonst so starke Agent sah auf einmal so unglaublich verletzlich aus. Sie nahm sich einen Stuhl, stellte ihn an die linke Seite des Bettes und setzte sich. Vorsichtig nahm sie seine Hand, in der keine Infusionsnadel steckte und hielt sie sanft fest. Dann flatterten seine Augenlider und eine schwache Stimme fragte: „Amita, bist du das?" „Ja Don, ich bin hier." Sie drückte seine Hand ein wenig fester und spürte wie er den Druck leicht erwiderte. „Zum Glück ist dir nichts passiert. Ich hoffe du siehst jetzt ein das du doch Schutz brauchst." „Don, jetzt ist glaube ich nicht der richtige Zeitpunkt um das zu diskutieren."

„Doch das ist er. Ruf bitte Megan an sie wird bei dir bleiben und sag ihr sie soll dir eine Weste mitbringen." „Don bitte, du musst dich ausruhen." „Erst wenn ich mir sicher bin das dir nichts mehr passieren kann." Er versuchte sich aufzurichten doch Amita drückte ihn mit sanfter Gewalt wieder auf das Bett. „Du wirst schön liegen bleiben und dich ausruhen." „Mir geht's gut." „Don, du hast gerade eine Kugel abbekommen die eigentlich mich ... ." „Nein Amita, mach dir bitte keine Vorwürfe. Es ist nicht deine Schuld." „Aber du liegst wegen mir hier drin." „Besser ich als du." „Don." Vorwurfsvoll sah Amita ihn an. „Ich meine das ernst. Ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn dir etwas passiert wäre." „Ach Don... ." Sie legte ihren Kopf vorsichtig an seine unverletzte Schulter. Dort blieb sie liegen und musste irgendwann eingenickt sein.

Sie fuhr erschrocken auf als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. „Mam', ihr Schwiegervater und Schwager sind hier." „Was?" Amita war verwirrt. Schwiegervater, Schwager, was sollte das? Doch der Arzt sprach so schnell weiter das sie nicht nachfragen konnte. „Alan und Charles Eppes." „Oh ja, tut mir leid, ich bin immer noch ein bisschen durcheinander." „Das kann ich verstehen. Ich lasse sie dann wieder allein. Aber keine Aufregung, wie schon gesagt." „Natürlich Doktor." Als er wieder gegangen war kamen Alan und Charlie ins Zimmer. „Amita, wie geht es dir?" Alan kam zu ihr und legte einen Arm um ihre Schulter. „Mir geht's gut. Bin nur mit den Nerven etwas fertig. Aber Don hat es erwischt."

Wütend fuhr Charlie sie daraufhin an. „Ja, weil er die Kugel abgefangen hat die für dich bestimmt war. Ich habe dir von Anfang an gesagt das du dich aus den Ermittlungen raushalten sollst. Hättest du das getan, läge mein Bruder jetzt nicht hier." Charlie stand am Fußende des Bettes und seine Hände umfassten krampfhaft die Metallstange. Er mochte es gar nicht, wenn die beiden zusammen waren. Irgendetwas war zwischen den Beiden, doch er wusste nicht was und das machte ihn wahnsinnig. Er sah Amita weiterhin wütend an. „Charlie, Amita kann doch nichts dafür." Alan versuchte seinen jüngsten Sohn zu beruhigen. So hatte er ihn selten erlebt. Auch seinen Vater bedachte er jetzt mit einem wütenden Blick und fuhr ihn an. „Ach, kann sie das wirklich nicht?"

„Nein!" Leise aber autoritär durchschnitt Dons Stimme den Raum und alle wandten sich zu ihm. „Don, wie schön, dass du wach bist." „Danke Dad." Sein Blick streife kurz Amita und blieb dann bei seinem Bruder hängen. „Hallo Charlie." „Hallo Don. Schön zu sehen das es dir wieder besser geht. Ich muss dann wieder zur Uni. Man sieht sich." Und damit war er auch schon wieder aus dem Zimmer verschwunden. „Charlie." Alan versuchte seinen jüngsten Sohn noch aufzuhalten aber Don hielt ihn zurück. „Lass ihn Dad. Der beruhigt sich schon wieder. Ich glaube es ruft Erinnerungen an Mum wach." „Ja, du hast wahrscheinlich recht." „Dad, kannst du bitte Megan anrufen und ihr sagen das sie herkommen soll. Und eine Weste soll sie auch mitbringen. Sie weiß was gemeint ist." „Klar mach ich." „Danke." Don deutete auf das Telefon, das auf einem Schrank lag und Alan ging damit in eine Handyzone.

„Du willst das ich gehe?" Es klag traurig. „Ja, du musst dich ausruhen Amita." Sanft lächelte er sie an. „Die Ermittlungen sind noch nicht ganz abgeschlossen. Vielleicht brauchen wir dich noch mal." Sanft drückte er ihre Hand und grinste leicht. „Und übrigens, lass den Arzt ruhig in dem Glauben du seist meine Frau, sonst kommst du hier nicht mehr rein und ich kann nicht mehr vor den anderen Jungs angeben." Er lachte leise als er sah wie Amita dunkelrot anlief. „Wie... wie kommt er auf die Idee ich wäre deine Frau?" Stotterte diese. „Nun ja, du bist mit einem FBI-Agenten ins Krankenhaus gekommen. Das dürfen eigentlich nur Angehörige. Und da du eindeutig nicht meine Mutter oder Schwester bist, blieb nur diese Möglichkeit. Wer hat das eigentlich gestattet."

„Megan, glaube ich." „Ach so." Für einige Zeit blieb es still, dann betrat eine Schwester das Zimmer und sagte das Agent Reeves hier ist. „Ja, Danke. Sie soll reinkommen." Die Schwester nickte und kurz darauf kam Megan ins Zimmer. „Hey Don, wie geht's dir?" „Ging schon mal besser." witzelte er. „Ha, ha sehr lustig. Nein im Ernst." „Na ja, hab grad nochmal Glück gehabt. Die Kugel hat mein Herz um ein paar Zentimeter verfehlt. Habt ihr den Kerl geschnappt?" „Klar, unsere Jungs vom Wachpersonal hatten ihn da war er kein drei Straßen weit." „Hat er schon gestanden?" „Geheult wie ein Baby. Ich habe ihn selbst verhört." „Uhh... da möchte ich nicht mit ihm tauschen." „Witzbold. Aber genug der Plänkeleien. Was soll ich hier?"

„Ich möchte das du Amita nach Hause begleitest und bei ihr bleibst solange bis die Sache geklärt ist. Ist das Ok für dich?" „Klar, kein Problem." „Gut. Dann macht euch mal einen richtig schönen Mädelsabend oder so." Die Beiden sahen sich verschwörerisch an. „Das ist eine gute Idee Don." „Ja, so richtig mit Maniküre, Pediküre, Schaumbad, Gesichtsmasken." „Ja und Haarentfernung." „Schon gut, schon gut, so genau wollte ich das dann doch nicht wissen." Die Beiden grinsten ihn an und machten sich dann auf den Weg nach Hause.