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Hier kommt, wie versprochen, Nummer vier.
Viel Spaß beim Lesen … !
Coming Home
Viertes Kapitel:
Thicker Than Water
"Was ist denn mit Piper los?", fragte Chris überrascht.
Seine Mum hatte ihn eben umarmt und war in die Küche geschwebt, von wo aus sein jetzt Unmengen an Speisen an den Tisch brachte.
Paige zuckte mit den Schultern. "Oh, nichts Besonderes. Sie ist nur wieder schwanger."
Chris riss die Augen auf. "Nichts Besonderes?", fragte er fassungslos. Dann wurde ihm allerdings klar, dass sie nicht wussten, wer er war.
'Aber', überlegte der junge Mann, und dieser Gedanke erfüllte ihn mit Freude, 'Sie ist glücklich. Sie hat mich eingeladen und sogar umarmt und das nur, weil Wy einen Bruder bekommt ... Sie freut sich über meine ... Zeugung!" Er lächelte leicht.
Paige sah ihn misstrauisch an. "Was weißt du?"
Sofort wurde seine Gesicht wieder ausdruckslos. "Wie meinst du das?"
"Na, du hast gerade eben so dümmlich gegrinst. Also, was passiert in der Zukunft mit Wyatts Geschwisterchen?"
"Nichts Besonderes." Er presste seine Kiefer hart aufeinander. "Verdammt, in diesem Haus kann man ja nicht mal mehr glücklich sein, ohne dass man sofort verdächtigt wird."
"Stimmt. Zumindest wenn man Christopher Perry heißt."
'Ich habe das ganz vergessen ... sie freut sich nicht über meine Zeugung - die würde sie wahrscheinlich am liebsten rückgängig machen - sondern über die von meinem vergangenen Ich - oder ist es mein zukünftiges?' Seine Augen wurden hart und kalt wie Stein. "Ich gehe wieder."
"Oh nein, mein Lieber, das tust du nicht." Piper stand hinter ihm. "Freust du dich denn gar nicht für mich?"
"Oh, natürlich freue ich mich, ich habe nur keine Lust, mich einen ganzen Abend lang von deinen Schwestern quälen zu lassen." Er warf Paige einen giftigen Blick zu. "Du bist dafür ja offensichtlich viel zu gut gelaunt."
"Sei nicht immer gleich eingeschnappt."
"Ich geh schnell mal auf die Toilette.", knurrte er und verschwand in den oberen Stock.
Dort angekommen sah er sich kurz um und trat dann in Wyatts leeres Zimmer. Eilig kniete er sich auf den Boden und löste mit wenigen geschickten Handgriffen ein Brett aus der Diele, nur um einen Zettel darunter zu legen und die Diele wieder zu schließen.
Wyatt und er hatten in der Woche, die der Ältere in der Vergangenheit verbracht hatte, über Gott und die Welt geredet. Unter anderem hatten sie ausgemacht, dass Chris mögliche Nachrichten unter die lose Diele legen sollte, mit einer Zahl darauf. Wenn Wyatt das beschriebene Alter erreicht hatte, würde er sich darum kümmern, denn dann würde er Bescheid wissen.
Chris zog einen Zettel aus der Gesäßtasche und las ihn noch einmal durch.
Wy,
Ich verwende deinen Spruch um zurück zu kehren
Grüße, Chris
Er lächelte. Sein Bruder würde verstehen.
Dann zog er einen Stift aus der Innentasche seiner Jeansjacke und fügte noch hinzu:
P.s.: Piper ist wieder schwanger
Zufrieden faltete er den Zettel und schrieb '22' auf die Vorderseite, darunter den Monat: Juli.
Eilig legte er die Nachricht zwischen die Bretter und die Diele wieder darüber, dann kehrte er zurück ins Erdgeschoss. Wyatt würde den Brief finden und verstehen.
Unten angekommen erwartete ihn Piper bereits. "Da bist du ja endlich wieder. Komm, wir wollen gleich essen." Sie führte ihn zum Tisch.
Chris setzte sich, er fühlte sich leicht unbehaglich. Zwar wollte er das Thema nicht anschneiden, aber er musste er wissen ... "Piper, es geht mich ja eigentlich nichts an, aber ... wie kommt es, dass du und Leo wieder ... na - ihr wisst schon!"
"Keine Ahnung." Piper lud einige Kartoffeln auf ihren Teller. "Es überkam uns einfach so."
"Aha ... und was wird jetzt aus euch?"
"Wir haben uns ausgesprochen. Ich habe gesagt, ich würde alles tun, um ihn zurück zu bekommen, auch wenn ich ihn dann mit den Ältesten teilen muss. Und er hat versprochen, er will dort oben ein bisschen kürzer treten." Sie lächelte selig.
Chris nickte nur.
Einige Zeit lauschte er den Gesprächen der Schwestern und Leo, welcher verspätet ebenfalls erschienen war (und Piper mit einem zärtlichen Kuss begrüßte hatte, ein Anblick, vor dem der kleine Chris immer geflohen war, doch jetzt erfüllte er ihn mit Freude), doch irgendwann legte er seine Serviette zur Seite.
"Leo, es tut mir Leid, aber du musst einen neuen Wächter des Lichts für die drei suchen."
Leo sah ihn überrascht an. "Wieso?"
"Sind wir dir nicht gut genug?", fragte Paige.
Chris ignorierte sie. "Nun, weil ich mich entschieden habe, in die Zukunft zurück zu kehren."
"Und du meinst das klappt?", fragte Leo misstrauisch.
Der Braunhaarige nickte fest. "Ja, ich bin mir sicher. Wyatt ist gut, mein Auftrag ist beendet und ich will hier, ehrlich gesagt, nicht länger bleiben."
"Weshalb bist du so fest davon überzeugt, dass mit Wyatt alles glatt gehen wird?"
Chris lächelte. "Mein blonder Besucher hat es mir erzählt. Von ihm habe ich auch den Zauberspruch bekommen ..."
"Na dann - wird das hier nicht nur eine Baby-Feier für Piper, sondern auch ein Abschiedsessen für Chris."
'Für euch ist das doch ein Grund zum Feiern.", dachte der Braunhaarige bitter.
"Mach's gut, Chris. Gute Reise.", grinste Piper.
"Tschüss."
Chris sah den Anwesenden noch einmal in die Augen und die Blicke vierer trieben ihm Tränen in die Augen.
Paige sah richtig glücklich aus, Phoebe und Leo wirkten irgendwie erleichtert und auch Piper schien nicht gerade traurig zu sein.
'Wahrscheinlich machen sie sobald ich weg bin eine Flasche Champagner auf.'
Einzig Wyatt sah betrübt drein.
'Vermutlich weil er noch keinen Alkohol trinken darf und deshalb auch nichts von dem Champagner hat.'
"Ich komme euch in der Zukunft besuchen.", versprach er.
'Ich nehme an, auf sie wirkt das mehr wie eine Drohung.'
Er begann den Spruch zu sprechen, als sie eine Träne aus Wyatts Augenwinkel löste. Mit wenigen Schritten war er bei seinem kleinen großen Bruder angelangt. "Sei nicht traurig.", wisperte er. "Du siehst mich bald wieder. Wir werden noch viel Spaß miteinander haben!" Er lächelte leicht.
Dann trat er zurück.
"Erhör mich, Macht der Ewigkeit
Bring zurück in meine Zeit"
Damit ging er wie eine Woche zuvor der alte Wyatt, ein leuchtendes Licht erhellte kurz den Raum und mit ihm verschwand auch Chris.
Leo und die Halliwells wandten sich ab.
Nur Wyatt, den sein Vater auf dem Arm trug, blickte mit großen traurigen Augen auf die Stelle, an der eben sein Bruder verschwunden war. Er war noch zu jung, um all das wirklich zu verstehen, doch am Ende hatte er eine tiefe Verbundenheit mit dem jungen Wächter des Lichts gefühlt.
Chris fühlte sich, als würde er in tausende kleine Einzelteile zerlegt werden. Starke Schmerzen pulsierten durch seinen Körper, doch er konnte nicht schreien. Nach knapp fünf Minuten war der Schmerz vorbei und er setzte sich wieder zusammen.
Der Braunhaarige landete auf der Golden Gate Bridge.
Unsicher sah er sich um.
Er zögerte kurz. "Na ja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt!" Damit holte er tief Luft und beamte sich auf den Dachboden des Halliwell-Manors.
Wyatt, der gerade im Buch der Schatten gelesen hatte, hob den Kopf.
"Chris!", jubelte er und rannte auf seinen Bruder zu.
"Wy!" Der Jüngere fiel ihm um den Hals.
"Ich hab dich so vermisst!"
"Ich dich auch!"
Die beiden blickten sich in die Augen und keiner von ihnen wollte den Kontakt unterbrechen. Ein warmes Gefühl machte sich in Chris breit und in seinem Magen flatterten mindestens tausend Schmetterlinge als hätten sie eine Überdosis Koffein erwischt.
"Wie geht's dir?" fragte Wyatt schließlich und löste sich schweren Herzens von seinem Bruder.
"Gut dir?"
"Auch."
"Hast du den Zettel gefunden?"
Wyatt nickte nur.
"Es war schlimm.", stöhnte Chris.
"Was?"
"Als Pip- Mum erfahren hat, dass sie wieder schwanger ist hat sie mich eingeladen - ich schwör dir, du hast sie noch nie so aufgedreht gesehen!"
Der Blonde hob eine Augenbraue.
"Hallo, sie hat mich zur Begrüßung umarmt! Umarmt!"
Wyatt lächelte traurig. "Und das sollte normal sein, und nicht der Ausnahmezustand."
Chris nickte leicht. "Ja.", wisperte er. "Aber ich hab mich schon daran gewöhnt, es war nur ... überraschend."
"Wieso bist du dann traurig?", wollte der Ältere wissen.
"Ich- was?"
"Na, ich seh doch, dass es dir nicht gut geht. Chris, ich bin dein Bruder, ich kenne dich! Also, was ist los?"
"Na ja ... der Abschied. Er war ... schrecklich."
"Wieso?"
Chris sprang auf. "Verdammt, sie waren glücklich! Glücklich!!!"
"Darüber, dass du gegangen bist?"
Der Jüngere nickte. "Es hat wehgetan.", wisperte er. "Es hat richtig wehgetan, ihre Blicke zu sehen."
"Gibt es etwas, das ich tun kann, damit du dich besser fühlst?", wollte Wyatt mitfühlend wissen.
'Du könntest mich küssen!', schoss es dem Braunhaarigen durch den Kopf. Er ignorierte den unerwarteten Gedanken und verbannte ihn schnell in eine dunkle Ecke seiner Verstandes. "Gibt es hier irgendwelche Dämonen, denen ich den Rest geben könnte?", fragte er hoffnungsvoll.
"Meinst du, das hilft?", fragte der Blonde zweifelnd.
Chris zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Aber jetzt will ich mich vor allem ablenken."
"Na dann."
Damit packte Wyatt seinen Bruder und beamte sich mit ihm in die Unterwelt.
Piper 'kämpfte' auf dem Dachboden mit einem Zauber.
Sie saß in einer Ecke auf dem Boden, vor sich einen Block und in der Hand einen Stift, aber ihr wollte partout nichts einfallen. Vielleicht sollte sie ihren älteren Sohn fragen, der war doch so geschickt im Zauber-Schreiben.
Sie zuckte erschrocken zusammen, als zwei junge Männer in den Raum orbten.
"Leg dich hin!"
"Verdammt, Wy, mir geht's gut!"
"Hallo, dich hat ein Feuerball an der Brust getroffen!"
Der andere hob die Schultern.
"Tut das nicht weh?"
"Nicht so schlimm."
"Komm, zieh das T-Shirt aus, ich heile dich."
"Nein, nicht nötig."
"Willst du, dass eine Narbe zurück bleibt?"
"Wär doch auch egal."
Wyatt sah seinen Begleiter ungläubig an.
"Wy, du weißt nicht, wie viele Narben ich inzwischen habe. Denkst du, in der Vergangenheit hat mich irgendwer geheilt, wenn ich mich verletzt habe? Du hast doch gesehen, wie sie reagiert haben, als mich dieser Orkos getroffen hat."
Der Blonde seufzte. "Ja, ich habe es gesehen. Aber lass mich dir trotzdem helfen. Bitte!"
Der andere senkte den Kopf und seine braunen Haare versteckten den traurigen Ausdruck in seinen Augen. "Ich hab schon schlimmeres erlebt. Diese Narbe ist nichts gegen die, die ich von ihren Blicken und Worten davon getragen habe."
"Das glaube ich dir sogar. Aber jetzt lass mich die Wunde heilen. T-Shirt!" Damit beamte er das Oberteil des anderen einfach in seine Hand.
Jener zuckte zusammen. "Wy!", empörte er sich.
Wyatt starrte unterdessen geschockt auf den Oberkörper seines Bruders. "Was hast du gemacht, dass du so aussiehst? Verdammt, Chris, was hast du gemacht??!"
Als der Name ihres jüngeren Sohnes fiel sprang Piper auf. Und als sie ihren ehemaligen Wächter des Lichts sah, verstand sie endlich.
"Wy, das ist nicht so schlimm wie es aussieht. Ehrlich!"
Der Blonde sah den Jüngeren vielsagend an.
Dieser seufzte. "Na gut. Es hat ziemlich wehgetan, aber ich bin schon so an sie gewöhnt ..."
"Verdammt, Bro, ein paar von diesen Wunden sind noch nicht einmal verheilt!"
"Was erwartest du?"
"Wie meinst du das? Und wo hast du dich eigentlich so verletzt?"
"Auf der Suche nach Hinweisen! Das war auch erst vor zweieinhalb Wochen."
"Welche Hinweise?", fragte Wyatt verwirrt.
"Na, ich hab doch Tag und Nacht mit den Orkos fangen gespielt um heraus zu finden, wer dich entführt hatte!"
"Und da hast du dich so verletzt?"
Der Braunhaarige seufzte. "Wy, mir war es ziemlich egal was mit mir ist, ich wollte nur dich finden! Und einige Dämonen haben mich natürlich erwischt, bevor ich sie vernichten konnte. Außerdem musste ich ein paar von ihnen direkt erstechen, da sie gegen Zauberei immun waren. Meinst du, die Explosionen sind spurlos an mir vorüber gegangen? Und was hätte ich dann tun sollen? Zu Leo laufen und mich von ihm heilen lassen?"
Der Blonde senkte den Kopf. "Du hast ja Recht. Aber jetzt lass mich deine Wunden trotzdem so gut wie möglich heilen, ja?" Er sah den Jüngeren bittend an.
Dieser nickte ergeben.
Wenige Minuten später stand Chris auf. Er war im Begriff den Dachboden zu verlassen und sich ein neues - nicht vollgeblutetes und teilweise versengtes - T-Shirt zu holen als er sich plötzlich vor Piper wiederfand.
Seine Mutter blickte ihn geschockt an. "Chris?", fragte sie fassungslos. "Chris! Oh mein Gott!"
Chris schnappte nach Luft.
Pipers Hände zuckten, sie war sich nicht sicher, ob sie ihn in den Arm nehmen konnte - nehmen durfte. "Es- es tut mir so Leid! Ich ... hatte keine Ahnung!" Sie schluckte. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass du mein Sohn sein könntest! Nicht einmal, als du gegangen bist, als ich sagte, ich wäre wieder schwanger. Es hat mich irritiert, dass du so für Wyatt gekämpft hast und dass du uns immer wieder zu Hilfe gekommen bist, obwohl wir dich immer wieder hinausgeworfen haben. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen ... Oh Chris, es tut mir so Leid! Bitte verzeih mir ..." Und endlich fiel sie ihm um den Hals.
Chris umarmte sie ein wenig unbeholfen. "Wenigstens umarmst du mich diesmal nicht nur, weil du gerade erfahren hast, dass du wieder schwanger bist.", murmelte er.
Wyatt kicherte leise.
Piper unterdessen löste sich wieder von ihrem Sohn.
"Kann ich das jemals wieder gut machen? Wenn ja, sag mir bitte wie! Ich tu, was ich kann! Ich weiß, es war unverzeihlich, wie wir dich behandelt haben - wie ich dich behandelt habe, aber-"
"Mir würde es vor allem helfen, wenn du aufhörst in einem durch zu reden und mich auch wieder zu Wort kommen lässt.", bemerkte Chris.
"Oh-"
Der Braunhaarige lächelte leicht und diesmal war es ernst gemeint. "Du hast dich entschuldigt, du kannst nichts dafür. Und ich verzeihe dir. Ob ich das bei den anderen auch kann bin ich mir nicht so sicher ..."
"Wieso?", fragte Piper verwirrt. Bei den Worten ihres Sohnes, dass er ihr verzeihen würde, hatte sich ein Strahlen auf ihrem Gesicht breit gemacht, das dort wohl nicht so schnell wieder weggehen würde.
"Nun, du hast dich, im Gegenteil zu den anderen, wenigstens bemüht, mich zu verstehen - glaub ich jedenfalls." Den letzten Teil hatte er nur geflüstert.
"Aber ich war sehr unfair zu dir! Warum hast du uns nie gesagt, wer du wirklich bist?"
Chris senkte den Kopf. "Aber das hast du nicht so gemeint. Du bist meine Mutter, ich kenne dich, auch wenn-" Er unterbrach sich selbst.
"Wenn was?", fragte die Braunhaarige, als der Jüngste im Raum nach einigen Minuten noch immer schwieg.
Jener wechselte einen Blick mit seinem Bruder, welcher nur nickte.
"Erinnerungen aufzudecken
Ein and'rer soll sie sehen still
Helft mir, sichtbar zu erwecken
Die Bilder, die ich zeigen will", wiederholte Chris den Erinnerungs-Spruch und zeigte seiner Mutter die Erinnerung an seinen vierzehnten Geburtstag.
"Verstehst du jetzt, warum ich nichts gesagt habe? Es hätte zu sehr geschmerzt, falls es mir nicht gelungen wäre, die Zukunft zu retten. Dich zurück zu bekommen und dann wieder zu verlieren ... das hätte ich nicht ertragen können. Du warst immer als einzige für mich da."
"Und Leo?"
"Das hast du doch gesehen - er hat nicht einmal auf mein Rufen reagiert, als ich sagte, du würdest sterben - und nachher war natürlich ich Schuld.", fügte er bitter hinzu.
"Er hat dir tatsächlich die Schuld für meinen Tod gegeben?", fragte Piper ungläubig.
Ihr jüngster Sohn nickte nur.
"Ich fass es nicht! Wieso hast du dich nicht gewehrt?"
"Ich de- dachte doch selbst genau so!", wisperte er.
"Du hast mir versprochen, das nicht zu tun!"
"Ich war vierzehn, Pi- Mum! Vierzehen! Und du bist in meinen Armen gestorben! Denkst du, ich würde dir nicht etwas versprechen, wenn das dein letzter Wunsch war? Dafür, dass ich insgeheim nicht an deine Worte dachte, kann ich nichts. Niemand kann seine Gedanken vollkommen beherrschen. Und Leo und Wyatt haben ihr Übriges getan, indem sie mich jeden Tag so komisch ansahen, mit Blicken, die mir klar machten, was sie dachten! Wie hätte ich diese Schuldgefühle denn bitte ablegen sollen?! Ich wurde sie Jahrelang nicht los!"
Piper sah ihn traurig an. "Du denkst noch immer so.", murmelte sie. "Du glaubst noch immer, dass es deine Schuld bist, dass ich in einer anderen Zeitlinie von Dämonen erstochen wurde.", wisperte sie.
Chris senkte nur den Kopf.
"Aber das ist es nicht!", sagte sie jetzt heftiger. "Es ist nicht deine Schuld! Du kannst nichts dafür, Chris, hörst du? Du kannst nichts dafür!"
Der Braunhaarige hob den Kopf. In seinen Augen standen Tränen.
Piper zog sich bei diesem Anblick das Herz zusammen. Sie umarmte ihn wieder und jetzt liefen ihr Tränen die Wangen hinab. "Bitte, Kleiner, gib dir nicht die Schuld dafür! Bitte! Ich könnte es nicht ertragen, schließlich habe ich dich ein halbes Jahr lang einfach nur schrecklich behandelt und du hast mir einfach so verziehen! Bitte, Chris!"
Als seine Mutter ihn 'Kleiner' genannt hatte hatten sich bei dem Jüngsten sämtliche Schleusentore geöffnet und er schluchzte leise. "I-ich werde es versuchen!", versprach er schniefend.
Die beiden Braunhaarigen beruhigten sich langsam wieder und setzten sich auf den Boden, Wyatt ließ sich neben ihnen auf die alten Dielen fallen.
Er sah seinen Bruder neugierig an. "Erzähl mal!", forderte er diesen auf. "Woran erinnerst du dich?"
Chris schloss die Augen. "An mein altes Leben.", antwortete er sofort. "An die Zeit in der Vergangenheit." Für einige Minuten schwieg er und die anderen beiden wagten es nicht, diese Stille zu durchbrechen. "Und an eine glückliche Kindheit.", wisperte er schließlich. "An eine Kindheit, in der Dad für mich da war, an eine Kindheit, in der Wyatt nie böse wurde." Ein glückliches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. "Es ist noch verschwommen, aber es wird immer klarer."
Er öffnete seine Lider wieder ... und fand sich dem intensiven Blick seines Bruders ausgesetzt.
Wyatts Knie wurden weich als er in die leuchtenden Augen seines Bruders blickte und er war froh, dass er saß. Er konnte und wollte den Blickkontakt nicht abbrechen.
Piper erhob sich kopfschüttelnd, ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht. Sachte den Kopf schüttelnd verließ sie den Raum.
Zwischen ihren Söhnen hatte es schon die ganzen letzten Jahre heftig geknistert. Den einzigen, denen das nicht aufgefallen war, waren die beiden selbst.
Sie machte sich auf die Suche nach ihren Schwestern, um diese über die Rückkehr ihres Neffen aufzuklären.
