3.

Auch in der Woche nach der Weltmeisterschaft war ich sehr in mich gekehrt. Ich gab vor, mich auf die Schule vorzubereiten, (Molly zu den Zwillingen: „Das würde euch auch nicht schaden!") was ich auch tat, doch meine Gedanken schweiften immer wieder ab.

Am Tag vor der Abreise nach Hogwarts packte ich meine Sachen. Darunter war auch mein Festumhang, den ich mit Molly ausgesucht hatte, als ich mit ihr einkaufen gewesen war.

Der Morgen der Abreise war sehr hektisch. Arthur konnte nicht mit uns nach London fahren und so musste Molly zwei Muggeltaxis bestellen, die uns nach Kings Cross brachten. Bill und Charlie begleiteten uns.

Als wir am Gleiß 9 ¾ ankamen, waren wir alle patschnass, denn es regnete in Strömen.

An unserem Gleiß verabschiedeten wir uns von Molly, Bill und Charlie und stiegen in den Hogwarts-Express.

Auf der Fahrt ging ich meinen Gedanken nach, während die Zwillinge mit Lee scherzten und über die Meisterschaft sprachen.

Die Fahrt ging schneller vorbei als ich gedacht hatte. Als wir in Hogwarts ankamen, regnete es immer noch. Der Himmel war mit dunklen Wolken bedeckt, die gelegentlich von einem grellen Blitz erhellt wurden. Ich schreckte auf, als George mich am Arm berührte:

„Hey, Mary! Wir sind da! Was ist eigentlich mit dir los? Seit der Meisterschaft bist du so komisch!"

„Nichts, nichts. Lasst uns gehen, ja?!", entgegnete ich hastig und ging hinaus auf den Bahnsteig.

In der großen Halle angekommen, fragte mich Fred:

„Wie viele ZAG's hast du eigentlich? Du hast gar nichts gesagt."

„Zwölf! Wieso?", erwiderte ich arglos.

„Zwölf?! Mensch, wir hätten mit dir lernen sollen!", stellte Fred entsetzt fest.

„Wieso habt ihr denn nicht gefragt? Ich hätte euch gern geholfen!", antwortete ich.

„Wir wollten dich nicht fragen. Du hattest ja schon genug Probleme, wegen deiner – Autsch! George was soll das?", fluchte Fred; George hatte ihn ans Bein getreten.

„Halt einfach die Schnauze, ja?! Wir hatten doch gesagt, wir reden nicht mehr darüber!", fauchte George Fred an.

„Ist schon ok, George!", seufzte ich und fuhr fort:

„Wegen deiner Eltern, wolltest du sagen, Fred, stimmt's?! Ich kann damit umgehen, wirklich!"

Wir wurden von Prof. McGonagall unterbrochen, welche die Erstklässler in die Häuser aufgeteilte.

Die Begrüßungsfeier verlief wie immer, aber nach dem Essen verkündete Professor Dumbledore, dass der Quidditch-Wettbewerb in diesem Jahr nicht statt fand. Stattdessen fand ein Trimagisches Turnier in Hogwarts statt.

Nach der ersten, allgemein aufkommenden Entrüstung beschlossen die Zwillinge natürlich sofort mitzumachen, allerdings waren sie zu jung. Deswegen schmiedeten sie prompt den Plan einen Alterungstrank zu brauen.

Insgeheim wollte wohl jeder bei dem Turnier mitmachen und gewinnen. Ich war anscheinend die Einzige, die keine Lust hatte ihr Leben aufs Spiel zu setzten.

Wir bekamen auch einen neuen Lehrer in der Verteidigung gegen dunkle Künste (Mad-Eye Moody), der erst einmal einen – für die Kleinen – furchterregenden Auftritt hinlegte. Unbeeindruckt von diesem Auftritt, war ich dennoch gespannt auf seinen Unterricht, denn ich wusste, dass er zu seiner Zeit ein berühmter und gefürchteter Auror gewesen war.

Meine Erwartungen an seinen Unterricht wurden nicht enttäuscht. Auch die Zwillinge waren begeistert. Sie sprach von nichts anderem mehr.

Am Tag vor Halloween, dem 30. Oktober, trafen die Abordnungen aus Beuxbatons und Durmstrang in Hogwarts ein. Die Zwillinge waren etwas enttäuscht, weil die letzte halbe Stunde Verteidigung gegen dunkle Künste ausfiel, da wir zur Begrüßung der Gäste am Schultor strammstehen mussten.

Während meine Mitschüler eifrig rätselten, wie unsere Gäste anreisen würden, musste ich mir anhören, wie Lee und die Zwillinge über die verpasste halbe Stunde maulten.

Meine Erlösung war die riesige Kutsche, welche die Beuxbatons Schüler mit sich brachte. Die Drei hörten sofort auf zu plappern und sahen gebannt auf die monströse Tür der Kutsche. Madam Maximes erster Auftritt erklärten die Ausmaße der Kutsche.

Madame Maxime war, im wahrsten Sinne des Wortes, eine große Persönlichkeit. Im ersten Augenblick dachte ich sogar, sie wäre größer als Hagrid. Es stellte sich jedoch heraus, dass Hagrid immer noch der Größte in Hogwarts war. Und ich spreche hier nicht von der geistigen Größe!

Wenig später, als die Beuxbatons schon im Schloss verschwunden waren, kam die Abordnung von Durmstrang. Durmstrang erreichte Hogwarts mit einem Schiff, das plötzlich aus dem See auftauchte. Als Professor Karkaroff mit seinen Schülern an uns vorbei stolziert, ging ein Raunen durch die Schülermenge Hogwarts'. Zu Karkaroffs Schülern gehörte auch Viktor Krum, dem bekannten und bewunderten Sucher von Bulgarien, jener, der das Spiel gegen Irland entschieden hatte. Es war allgemein bekannt, dass er sehr jung war, aber nicht, dass er noch zur Schule ging. Selbst Fred und George, die in der Regel für Massenhysterie nicht sehr anfällig waren, schlossen sich der allgemeinen Frage nach einem Autogramm an.

Ich für meinen Teil ging kopfschüttelnd zum Gryffindortisch und wartete gelangweilt auf die Ansprache Dumbledores.

Die Beuxbatons' hatten sich an den Ravenclaw-Tisch gesetzt und die Durmstrangs hatten sich bei den Slytherins niedergelassen (was Ron tierisch aufregte). Die Ansprache viel sehr kurz aus und so erschien schon bald das Essen auf den Tischen.

Während des Essens kam eine Schülerin der Beuxbatons' hinüber und verzauberte mit ihrem engelsgleichem Aussehen fast die ganze männliche, Hogwarts-sche Schülerschaft. Wie Harry später herausfand war dieses Mädchen die Enkelin einer Veela.

Nachfolgend dem Essen erhob Dumbledore wieder die Stimme:

„Der Augenblick ist gekommen", sagte er und lächelte in das Meer der ihm zugewandten Gesichter. „Das Trimagische Turnier kann nun beginnen. Ich möchte ihnen einige erläuternde Worte sagen, bevor wir die Truhe hereinbringen, nur um unser diesjähriges Verfahren zu erklären."

Dann stellte er schnell Mr. Crouch und Mr. Bagman vor, die gerade erst in die Halle gekommen waren. Danach fuhr er fort:

„Mr. Bagman und Mr. Crouch haben in den vergangenen Monaten unermüdlich für die Vorbereitung des Trimagischen Turniers gearbeitet und sie werden neben mir, Professor Karkaroff und Madame Maxime die Jury bilden, die über die Leistung der Champions befindet."

Er ließ von Filch die Truhe herbeibringen.

„Mr. Crouch und Mr. Bagman haben die Aufgaben, welche die Champions dieses Jahr lösen müssen bereits geprüft", sagte Dumbledore, während Filch die Truhe vorsichtig auf den Tisch stellte, „und sie haben die notwendigen Vorbereitungen für diese Herausforderung getroffen. Wir haben drei Aufgaben über das ganze Schuljahr verteilt, die das Können der Champions auf unterschiedliche Weise auf die Probe stellen... ihr magisches Können – ihr Kühnheit – ihre Fähigkeiten zum logischen Denken – und natürlich ihr Gewandtheit im Umgang mit gefahren."

Trotz der unheimlichen Stille, die nach Dumbledores letzten Worten in der Halle herrschte, fuhr er gelassen fort:

„Wie ihr wisst, kämpfen im Turnier drei Champions gegeneinander, von jeder teilnehmender Schule einer. Wir werden benoten, wie gut sie die einzelnen Aufgaben lösen, und der Champion mit der höchsten Punktzahl nach drei Aufgaben gewinnt den Trimagischen Pokal. Ein unparteiischer Richter wird die Champions auswählen... der Feuerkelch."

Mit diesen Worten öffnete er, mit seinem Zauberstab, die Truhe und hob einen groben Holzkelch heraus. Er war mit blauen-weißen Flammen gefüllt, welche geheimnisvoll umhertänzelten.

„Jeder, der sich als Champion bewerben will, muss seinen Namen und seine Schule in klarer Schrift auf einen Pergamentzettel schreiben und ihn in den Kelch werfen!", sagte Dumbledore. „Wer mitmachen will, hat vierundzwanzig Stunden Zeit, um seinen Namen einzuwerfen. Morgen Nacht, an Halloween, wird der Kelch die Namen jener drei preisgeben, die nach seinem Urteil die würdigsten Vertreter ihrer Schulen sind. Der Kelch wird noch heute Abend in der Einganshalle aufgestellt, wo er für alle, die teilnehmen wollen, frei zugänglich ist.

Um sicher zu stellen, dass keine minderjährigen Schüler der Versuchung erliegen,", ergänzte Dumbledore, „werde ich eine Alterslinie um den Feuerkelch ziehen, sobald er in der Einganshalle aufgestellt ist. Niemand unter siebzehn wird diese Linie überschreiten können.

Schließlich möchte ich allen, die teilnehmen wollen, eindringlich nahe legen, mit ihrer Entscheidung nicht leichtfertig umzugehen. Sobald der Feuerkelch einen Champion bestimmt hat, wird er oder sie das Turnier bis zum Ende durchstehen müssen. Wenn ihr euren Namen in den Kelch werft, schließt ihr einen bindenden magischen Vertrag. Wenn ihr einmal Champion seid, könnt ihr euch nicht plötzlich anders besinnen. Überlegt daher genau, ob ihr von ganzen Herzen zum Spiel bereit seid, bevor ihr euren Zettel in den Kelch werft. Nun, denke ich, ist es Zeit schlafen zu gehen. Gute Nacht euch allen."

Damit endete Dumbledores Rede und auch das Abendessen.

„Eine Alterslinie!", sagte Fred mit glänzenden Augen, als wir die Treppe zum Gryffindorturm hinauf gingen. „Das wird kein Problem! Mit dem Alterungstrank schaffen wir das locker!"

Fred, George und Lee planten eifrig und ich trotte hinter ihnen her; überzeugt, dass es nicht klappen konnte.

„Hey Mary, machst du mit? Für dich wäre es kein Problem zu gewinnen!", fragte mich George kurz vor dem Bildnis der fetten Dame.

„Nein, ich such mir eine andere Möglichkeit mitzumachen. Außerdem wird es sowieso nicht klappen, mit eurem Trank!", erwiderte ich trocken.

Die Jungs blieben verdutzt stehen und ich ging laut gähnend an ihnen vorbei.

„Wieso sollte es nicht klappen?", fragte Lee.

Ich ging mit ihnen in den Gemeinschaftsraum und erklärte ihnen:

„Ganz einfach, der Alterungstrank lässt nur den Körper altern und nicht den Geist oder deine Seele. Die Alterslinie erkennt nicht den Körper sondern das Alter deiner Seele im jetzigen Körper. Hat Snape uns erst letzte Woche erst erklärt. Habt ihr wieder nicht aufgepasst?!"

„Echt? Und wie hast du vor über die Linie zu kommen?", fragte Fred.

„Gar nicht!", entgegnete ich gelassen.

„Und wie willst du dann mitmachen?", forschte George weiter nach.

„Ich will doch gar nicht ernsthaft mitmachen!", erwiderte ich genervt. „Aber ihr könnt ja mal versuchen den Zettel, von außerhalb der Linie, reinzuwerfen. Dazu müsst ihr natürlich zielen können. Oder ihr fragt einfach einen Schüler, der alt genug ist. Schon mal daran gedacht?"

Ich ließ die verdutzen Jungs stehen und ging in meinen Schlafsaal.


lalala... review?