Es ist Freitag, also Zeit für Kapitel 4, oder? ;-) Dieses ist das längste Kapitel der Story, den Rest kommentiere ich erst einmal nicht *g* An dieser Stelle noch mal ein Danke für das Review an Lilian Sparrow: Hoffe das Reply ist angekommen! :)

Genug geblubbert, viel Spaß!


im letzten Kapitel "Kapitel 3. Schwierigkeiten"

"Ich weiß, dass ich hier auf Hogwarts nicht viele Freunde habe, zufällig ist es mir aber egal", sagte Hermine dann kühl. "Ich habe die zwei - mit Ginny drei - besten Freunde, die ich mir nur wünschen könnte, da brauche ich niemanden, der um mich herumscharwenzelt und hinter meinem Rücken über mich lästert!"

"Da hast du ja Glück, dass sich einer davon sogar in dich verliebt hat."

"Was hat das- Moment mal! Du bist eifersüchtig?", sagte Hermine völlig perplex.

"Nein?"

"Und ob du das bist!" Hermine wurde plötzlich rot.

"Ich bin nicht-"

Doch Ed wurde von Ginny unterbrochen, die soeben in das Klo gepoltert kam.

"Hier steckt ihr, ich hab euch schon ewig lang gesucht", sagte sie munter, dann sah sie ihre Gesichter. "Alles in Ordnung bei euch? Es ist doch nichts schiefgelaufen, oder?"

"Unser Spielchen ist vorbei", sagte Ed und wandte sich an Hermine: "Das wolltest du doch sowieso gerade tun, sagt Bescheid, wenn ihr wieder nach Hogsmeade geht, ich zahl dann eure Rechnung."

Ohne einen Blick zurückzuwerfen, stürmte Ed zornig aus dem Klo.


Kapitel 4. Mode ist nicht mein Ding

... oder: Die Dinger, die in der Mode stecken, sind mein Ding

In Eds Ohren rauschte es. Doch Ed hatte nur zwei Schritte gemacht, da hörte er hinter sich schon die Tür vom Klo wieder aufgehen.

"Du kannst nicht einfach aussteigen", rief Ginny und holte ihn mit großen Schritten ein. "Bleibst du jetzt mal stehen?" Sie hielt ihn an der Schulter fest und Ed drehte sich um. "Ihr könnt jetzt nicht einfach aufhören", sagte sie erneut.

"Wer sagt das?", sagte Ed lustlos.

"Ich! Komm wieder zurück mit ins Klo."

"Das ist der Satz, den ich schon immer von einem Mädchen hören wollte", unterbrach Ed sie schiefgrinsend. Ginny streckte ihm kurz die Zunge raus.

"Ich erklärs euch drinnen, okay?"

Ed folgte Ginny zurück ins Klo der Maulenden Myrte, wo Hermine mit verschränkten Armen vor einem der Waschbecken wartete.

Nachdem die Klotür ins Schloss fiel und Ed und Hermine jeweils in verschiedene Richtungen blickten, fing Ginny hastig an zu erklären.

"Also, ich hab da was mit dem Zettel angestellt, auf dem wir die Regeln festgelegt haben, bitte erwürgt mich nicht! Ich fand, es sollte sichergegangen werden, dass keiner vorzeitig aussteigt und heimlich den Trank nicht mehr nimmt, deshalb habe ich das Blatt ein wenig verhext." Ginny duckte sich vorsorglich und kniff die Augen zusammen, als erwarte sie einen Schlag.

"DU HAST WAS?", kam es gleichzeitig von Hermine und Ed.

"Sobald ihr heute, ohne den Trank genommen zu haben, in den Unterricht geht, na ja, dann..."

"Was dann?", fragten sie erneut unisono.

"Kennt ihr den Flederwichtfluch?", fragte Ginny kleinlaut.

"Na klasse", sagte Ed kopfschüttelnd, Hermine sagte gar nichts.

Wenn man jemanden mit bösen Blicken in Basiliskenmanier umbringen könnte, dann hätte es nun wohl einen Mord im Klo an einer Rothaarigen gegeben.

In den folgenden Minuten sprach keiner von ihnen ein Wort, Ginny teilte verlegen eine weitere Portion Vielsafttrank aus und Hermine und Ed steckten ihn kommentarlos in ihre Taschen, sie hatten schließlich festgestellt, dass sie keine andere Wahl hatten. Ebenso kommentarlos verließ Hermine als erste das Klo, ehe Ed und Ginny ihr folgten. Während Ed Hermine schweigend hinterher trottete, musste Ginny in die andere Richtung. Vor der Treppe holte Ed sie ein. Stumm stiegen sie die Treppenstufen nebeneinander hinab. In seinem Inneren rang Ed mit sich selbst. Sollte er etwas sagen? Doch Hermine nahm ihm die Entscheidung ab.

"Tut mir leid, dass ich dich einen Außenseiter genannt hab", sagte sie leise und blieb plötzlich stehen. Da Hermine im Moment nicht sie selbst war, sondern als Ed vor ihm stand, fiel es ihm nicht so leicht, einfach so ein "Macht nix" oder "Schwamm drüber" zu antworten. Stattdessen sagte er lieber gar nichts, für ihn eigentlich eine Großtat. Doch wenn Ed in Hermines Nähe war, dann hatte das eben immer einen besonderen Effekt.

"Schon in Ordnung."

Das hatte er nun nicht wirklich gesagt.

Hermine lächelte zaghaft.

"Gut", sagte sie erleichtert.

Er hatte es wirklich gesagt.

"Ich geh jetzt besser in den Unterricht, ist ja zum Glück nicht mehr viel."

"Wow, ein heiliger Moment", sagte Ed.

Hermine sah ihn fragend an.

"Zum Glück nicht mehr viel", wiederholte Ed langsam, "Unterricht, ausgerechnet von dir!"

"Haha", sagte Hermine trocken, doch Ed hatte im Gefühl, dass sie nicht böse war, das ihr Lächeln sogar ein klein wenig breiter wurde.

"Dann geh ich jetzt mal lieber pünktlich Streberinchen spielen."

Uäh! Hatte er gerade wirklich Streberinchen gesagt? 'Es geht bergab mit mir', ging es ihm durch den Kopf.

"Streberinchen klingt nett", sagte Hermine schmunzelnd. Über und unter ihnen erklang lautes Geschnatter und Fußgetrappel. Einen kurzen Moment lang sahen sie sich an. Bevor Ed aber etwas erwidern konnte, waren sie mitten in eine Traube Schüler geraten, die auf dem Weg zum Unterricht war. 'Wahrscheinlich ist die Mittagspause gleich vorüber', dachte sich Ed.

"Also, bis später dann", rief er Hermine zu, nicht sicher, ob sie es überhaupt hörte.

Mit einem unerklärlich glücklichen Gefühl folgte Ed der Gruppe den Rest der Treppe hinunter. Unten angekommen musste er kurz überlegen, welches Fach Hermine nun überhaupt hatte. Passenderweise liefen Parvati Patil und Lavender Brown in eben diesem Moment an ihm vorbei und so brauchte er ihnen einfach nur zu folgen. Sie führten ihn zum Zauberkunst Klassenzimmer, in dem bereits der kleine Professor Flitwick wartete. Die letzte Doppelstunde, dann hatte er den Unterricht hinter sich gebracht, vielleicht würde er dann endlich Spaß haben. Die Klasse tröpfelte langsam in das Klassenzimmer hinein und weil Ed den schmachtenden Blicken Rons endgültig entgehen wollte, setzte er sich neben Lavender Brown in eine der hinteren Reihen, wo sie mit Parvati leise und aufgeregt tuschelnd Platz nahm. Als Ed in seiner Tasche nach dem richtigen Buch kramte, sah er, wie Ron ihn kurz mit einem seltsam betroffenen Blick musterte. Doch Ed ignorierte ihn, das sollte Hermine selbst regeln, sobald sie ihren eigenen Körper wieder hatte.

Professor Flitwick begrüßte die Klasse freundlich und begann den Unterricht dann mit der Auswertung ihres letzten Hausaufgabenthemas. Aber Ed hörte nicht zu, er war vielmehr damit beschäftigt, noch einmal darüber nachzudenken, was Hermine im Klo der Maulenden Myrte über ihn gesagt hatte. "Die meisten sind doch von deinem Verhalten nur noch genervt", hatte sie gesagt. Hatte sie Recht? Oder sagte sie das nur, weil sie selbst davon genervt war, er zu sein? Klar, Ed wusste selbst, dass er manchmal dem einen oder anderen ziemlich lästig wurde, wenn er mal wieder seine Klappe nicht halten konnte und Professor McGonagall im gemeinsamen Unterricht mit den Slytherins fragte, ob er "eben mal seine Schlange würgen gehen dürfe" und es kaum einer wirklich lustig fand, dass er eigentlich nur mal auf's Klo gehen wollte. Ja, vielleicht war Ed ab und zu ein Außenseiter auf Hogwarts, doch im Großen und Ganzen hatte Ed hier viele Freunde.

Zwar würde er von keinem behaupten, er wäre sein bester Freund - sein bester Freund war immerhin ein Muggel, der mit Hogwarts leider recht wenig anfangen konnte - doch ansonsten hatte sich Ed in dieser Hinsicht wahrlich wenig vorzuwerfen. Und unbeliebt waren ganz sicher andere, ihm würden auf der Stelle mindestens zehn Slytherins einfallen, die, außer ihnen selbst, niemand leiden konnte. Ja, eigentlich war Ed ganz und gar kein Außenseiter, vielmehr ein zu oft missverstandener Witzereißer, dessen Humor erst noch etwas reifen müsse, ehe er von allen verstanden wurde. Okay, manche müssten vielleicht auch einfach ein klein wenig mehr überzeugt werden und das ging nur, in dem Ed immer und immer weiter machte.

Er wusste nun überhaupt nicht mehr, woher die schlechte Stimmung vorhin nach Hermines Vorwürfen gekommen war, die waren schließlich einfach vollkommen haltlos. Und im nächsten Moment wusste er auch nicht, wieso er diese so genial günstige Gelegenheit, Hermine zu sein, einfach wegwerfen wollte.

"...unbedingt meinen neuen BH zeigen", hörte Ed Parvatis Stimme, fast so leise wie ein seichter Windhauch, zu ihm herüberwehen. "In Hogsmeade gibt es ja diesen Laden, wo sie eigentlich keine Schüler reinlassen. Aber ich musste da unbedingt rein und dann haben Padma und ich die Besitzerin so lang um den Finger gewickelt, bis sie uns reinließ. Du hast ja keine Ahnung, was für wahnsinns Teile die da verkauft. Nicht nur Kleider und langweilige Unterwäsche, richtige Spitze und auch", Parvati kicherte leise, "Dessous! Toll war auch die Spitze aus echter indischer Seide!" Ihre Stimme wurde träumerisch.

"Och menno", flüsterte Lavender, "wieso habt ihr mich nicht mitgenommen?"

"Weil du an diesem Tag mit Seamus Finnigan bei Madam Puddifoot den Nachmittag komplett verknutschen musstest", antwortete ihr Parvati und nun kicherten beide.

'Alberne Blondschleichen', schoss es Ed durch den Kopf. Doch das Thema interessierte ihn viel zu sehr, als dass er nicht weiter unauffällig lauschen würde.

"Wann ist das nächste Hogsmeadwochenende?", fragte Lavender.

"Erst in einem Monat wieder", antwortete Parvati und Lavender seufzte enttäuscht. "Den Laden muss ich unbedingt sehen! Was hast du sonst noch gekauft?"

'Genau, wen schert schon, wann ihr da wieder hinwollt, was habt ihr bereits?'

"Ach nicht so viel, ist ganz schön teuer da, nur noch zwei, drei andere BHs und einen wirklich wunderschönen und echt süßen Slip."

'Um Himmels Willen? Wo bin ich hier gelandet, in einem Teenie-Film?'

Doch scheinbar waren derartige Gespräche zwischen Parvati und Lavender ebenso normal, wie die anschließend geplante Vorführung. Ed rutschte unruhig auf seinem Platz hin und her.

"Den will ich unbedingt sehen!", flüsterte Lavender nach einer kleinen Pause, die notwendig wurde, da Professor Flitwick zu ihrem Tisch gekommen war, um sich den stumm ausgeführten Tanzauber für die Porzellantasse vorführen zu lassen. Als Professor Flitwick erfreut über den gelungenen Zauber wieder nach vorn zu seinem Pult wackelte, nutzte Ed die Gelegenheit.

"Meint ihr, es wäre okay, wenn ich mir den auch ansehe?", fragte er an Lavender und Parvati gewandt leise flüsternd und bewegte nicht einmal die Lippen dabei.

"DU?", sagte Parvati etwas zu laut, woraufhin sich einige in der Klasse zu ihnen umdrehten.

Wenn Ed jemals den Wunsch gehabt hatte, sich Mister Tomato zu nennen, dann hätte er nun die passende Gesichtsfarbe.

"Pssst, nicht so laut!", zischte er.

"Wie lange belauschst du uns eigentlich schon?", fagte Lavender, schien aber nicht sehr böse, viel mehr milde überrascht.

"Meine Damen, wenn ich bitten dürfte!", rief Professor Flitwick von vorn.

"Verzeihung", sagte Parvati und setzte sich aufrecht hin, ganz so, als würde sie es brennend interessieren, was Flitwick als nächstes sagen würde.

"Ja, Verzeihung", meinte Ed, der im Moment sicher als eine der Damen galt...

Nachdem sich Ed sicher war, dass Flitwick seinen Vortrag über irgendwelche komplizierten Zaubersprüche fortsetzte, wandte er sich wieder den zwei Mädchen zu.

"Ich hab doch keine Ahnung, was zur Zeit so angesagt ist", log Ed. "Ich dachte, ihr könnt mich vielleicht, na ja, beraten und mir bisschen was zeigen, was-", Ed schüttelte es innerlich, "die Typen so he- heiß macht."

Er hatte noch nie zwei Mädchen so dermaßen sprachlos gemacht! Und Ed hatte es wirklich oft versucht. Als hätte jemand den Pauseknopf auf einer Fernbedienung gedrückt, starrten ihn Parvati und Lavender vollkommen verblüfft an, ohne auch nur einen Zentimeter ihres Körpers zu bewegen.

"Ich wusste ja gar nicht, dass dich sowas interessiert", sagte Lavender verdattert.

"Dass du überhaupt an Jungs interessiert bist", fügte Parvati schonungslos hinzu.

"Doch, doch", sagte Ed hastig und setzte ein, wie er hoffte, verschmitztes Lächeln auf.

"Oho!", machten Parvati und Lavender laut und fingen an, albern zu kichern. Glücklicherweise hatte Neville Longbottom gerade irgendetwas zum Explodieren gebracht und so gingen ihre Stimmen in dem Krach unter.

"Wer soll denn der Glückliche sein?", fragte Lavender mit einem, wie Ed fand, abstoßend wissbegierigen Grinsen.

"Ni- Niemand", stotterte Ed wenig geistreich.

"Kriegen wir schon noch raus", lächelte Lavender.

"Kein Problem, wir bringen deinen Geschmack, was Unterwäsche betrifft, auf die richtige Spur, keine Sorge. Sagen wir einfach nach dem Unterricht im Schlafsaal."

"Danke, das ist echt, ähm, super nett von euch."

Nur weil Neville eine weitere Explosion verursacht hatte, bekamen Parvati und Lavender das sich langsam entfaltende teuflische Grinsen von Ed nicht mit.

'Das war das Ticket zur Hölle! Wann geht mein Zug?'

Die Doppelstunde Zauberkunst zog an Ed wie ein Schleier vorbei. In Gedanken sah er bereits Bilder, die er sonst eindeutig nur in einem Teenie-Film sehen würde. Das wiederum machte es ihm nicht ganz einfach, überhaupt weiter so zu tun, als sei er Hermine. Wahrscheinlich hatte sie sich noch nie so selten bei Professor Flitwick gemeldet, wie in dieser Stunde und wahrscheinlich auch noch nie weniger als null Punkte für Gryffindor verdient.

'Reiß dich zusammen', tadelte Ed sich selbst, 'du hast schon mehr als einmal ein nacktes Mädchen gesehen, von Mädchen in Seidenunterwäsche ganz zu schweigen...'

Als die Schulglocke die letzte Stunde des Tages mit einem beherzten Gong beendete, atmete Ed erleichtert tief durch, packte sich seine Tasche und verließ gemeinsam mit Parvati und Lavender das Klassenzimmer in Richtung Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Er hörte, wie Ron "Hermine, warte!", rief, doch er drehte sich nicht um. Harrys Stimme antwortete "Lass sie".

'Genau, hör auf den Jungen der lebt.'

Als die drei durch das Porträtloch der Fetten Dame stiegen und Ed die Treppe zu den Schlafsälen der Mädchen sah, erbleichte er und das Herz rutschte ihm irgendwo zwischen kleinen und großen Zeh. Wie konnte er das nur vergessen? Der Zauber, der auf der Treppe lag, würde ihn sofort enttarnen, sobald er auch nur einen Schritt darauf gemacht hatte. Er sah zwar aus wie ein Mädchen, doch zweifellos würde der Zauber trotzdem bemerken, dass diese Hermine eigentlich Ed war. Schlagartig blieb er stehen. Parvati und Lavender bemerkten es erst, als sie schon ein paar Schritte weiter gegangen waren.

"Was ist, kommst du?"

In Eds Kopf arbeitete es fieberhaft, er fragte sich, ob die anderen im Gemeinschaftsraum die vielen kleinen Rädchen rattern hören konnten. Hatte man den Vielsafttrank schon zur Zeit der Hogwartsgründer erfunden? Bemerkte der Zauber, dass man in Wirklichkeit jemand anderes war? Natürlich würde er es, immerhin hatten die - neben einigen anderen - wohl größten britischen Magier aller Zeiten ihn auf die Schlafsaaltreppen gelegt. Auch wenn sich Ed sicher war, dass diese Idee eher von Ravenclaw oder Hufflepuff gekommen sein musste. Sollte er es wagen? Konnte er es riskieren, am Ende doch mit peinlich rudernden Armen die zu einer Rutschbahn gewordene Treppe hinunter zu gleiten und dass Hermines und sein Rollentausch aufflog?

'Eher nicht, oder was meinst du, Hirn? Kein Plan, ich bin schon heut morgen ausgestiegen.'

Was hatte Fred einmal zu ihm und Lee Jordan gesagt? "Ich denke, der Zauber auf den Treppen zu den Schlafsälen der Mädels wirkt nur in eine Richtung, wenn du als Junge heimlich oder unerlaubt da rauf willst, rutschst du, hast du allerdings die Erlaubnis von einem Mädchen mit hochzukommen, dann passiert dir nichts. Müsste man wirklich demnächst mal ausprobieren..." Doch Ed war sich sicher, dass seit dieser Überlegung noch nicht viel passiert war in Sachen ausprobieren und demnächst lag weiterhin in der Zukunft.

'Versuch macht Kluch!'

"Ja, komme schon", sagte Ed eilig. Parvati und Lavender gingen schnurstracks auf die Treppe zu den Mädchenschlafsälen zu und Ed folgte ihnen. Bevor er den Fuß auf die erste Treppenstufe setzte, kniff er die Augen fest zusammen, ehe er den zweiten folgen ließ. Nichts passierte. Beruhigt bließ Ed laut Luft durch seinen Mund aus, er hatte sie beim Betreten der Treppe vor lauter Anspannung angehalten. Parvati war schon verschwunden und auch Lavender war längst oben. Im Sprint schoss Ed die Treppenstufe hinauf, ohne auf dem Bauch wieder hinunter zu gleiten, ehe es sich der Zauber anders überlegte.

'Fred, du bist ein Gott!', bewunderte er den Weasley-Zwilling im Stillen. Eilig suchte er nach der Tür mit der Aufschrift Sechstklässler, fand sie dann ein paar Stufen weiter oben.

'Sollte es nicht Sechstklässlerinnen heißen?', fragte er sich kurz. Da war sie wohl wieder, die Unterdrückung der Hexen und Frauen im Allgemeinen. Ed grinste kurz.

Mit etwas schneller schlagendem Herzen betrat er den Schlafsaal. Das erste, was ihm auffiel war, wie aufgeräumt es hier wirkte. Da lag nirgends auch nur ein Kleidungsstück am Boden, kein Buch neben einem der Koffer, nicht mal die Betten waren unordentlich, auch wenn das wohl eher der Verdienst der Hauselfen war. Wie sich Vorurteile doch immer wieder zu bestätigen wussten, dachte Ed. Beinah ängstlich setzte er sich auf das leere Bett, welches Hermine gehören musste. Parvati hatte bereits begonnen, zwei Tüten auf ihrem Bett auszupacken und verteilte fein säuberlich ihre neu gekaufte Unterwäsche auf der glattgestrichenen Bettdecke. Lavender hatte ihre Schultasche achtlos in die Ecke gepfeffert und blickte erwartungsvoll zu Parvati.

Ehe Ed begriffen hatte, was da als nächstes passieren würde, hatte sie schon ihre Schuluniform aufgeknöpft und sich die erste ihrer Neuerwerbungen gegriffen. Nachdem sie sich die Bluse ausgezogen hatte, stierte Ed mit gebanntem Blick zu ihr. Parvatis natürlich dunkler Hautton glänzte ein wenig golden im durch das Fenster hereinschimmernden Sonnenschein. Er konnte gar nicht so schnell gucken, wie sie in den neuen BH geschlüpft war. Das knallige, seidenglänzende Rot hob sich wunderbar kontrastreich von ihrer dunklen Haut ab. Auch wenn Ed fand, dass Parvati ihm trotz guter Figur ein wenig zu schlank war, konnte er sich nur mühsam beherrschen, annerkennend zu pfeifen.

"Der ist ja der Oberhammer!", sagte Lavender schrill und stand auf um hier und da dran herum zu zupfen. "Und diese Spitze an den Rändern, wow!"

"Ja, echt, ähm, süß", sagte Ed mit hoher Stimme und stand unsicher auf. 'Süß? SÜß? Mein Gott, das Ding ist nicht süß, heiß ist das!'

"Hat mich fast die Hälfte meines Taschengelds für diesen Monat gekostet", sagte Parvati strahlend.

"Hat sich aber gelohnt", sagte Lavender entzückt.

"Jo", kam es von Ed.

"Rot ist aber eigentlich zur Zeit gar nicht In", erklärte Parvati mit Blick auf Ed. "DIE Trendfarbe schlechthin im Moment ist ganz klar Lila." Um ihre Aussage zu unterstreichen, hob sie ihre zweite Neuerrungenschaft in die Höhe und Ed durfte ein weiteres Mal Parvatis Vorbau bewundern.

'Meinetwegen dürft ihr buntkariert tragen, wenn der Inhalt so dermaßen passt', dachte sich Ed im Stillen.

"Der ist auch schick", meinte Lavender, "aber die Farbe, also ich weiß nicht."

"Lila passt eher zu blond, nicht so zu schwarz", gab Ed fachmännisch zum Besten. "Zieh du ihn mal an, Lavender."

Ein kleines Teufelchen schien sich wieder auf Eds Schulter niedergelassen zu haben, voller Inbrunst rief es: "Hölle, Hölle, Hölle!"

Parvatis Gesicht erhellte sich schlagartig wieder, nachdem sie im ersten Moment beleidigt schien, dass Hermine (eigentlich ja Ed) nicht begeistert über den Lila Stoff war.

"Ich dachte, wir sollten dich beraten", sagte sie, schmunzelte aber.

"Kam mir nur so in den Sinn", antwortete Ed mit Unschuldsmiene.

"Los Lav, zeig mal, ob er dir wirklich besser stehen würde, als mir, dann tauschen wir."

Die tauschen wirklich Unterwäsche? Ed konnte es nicht glauben, er fragte sich, wohin ihn Fred oder George schlagen würden, wenn er ihnen anbieten würde, seine neu gekauften weißen Unterhosen, gegen eine ihrer marineblauen zu tauschen. Doch der Gedanke an Fred und George passte nicht wirklich zur Stimmung, denn Ed sah nun genüsslich dabei zu, wie Lavender den oberen Teil ihrer Schuluniform ablegte. Er konnte es nicht fassen, dass sein erbärmlicher kleiner Trick auch noch funktionierte. Lavender trug einen weißen BH mit lilafarbenem Blütenmuster drauf. Aber das erkannte Ed nur am Rande. Parvatis Figur war gut, keine Frage, aber er fand sie einfach, um es auf den Punkt zu bringen, ein wenig zu knochig. Lavender dagegen ließ Eds Augen leuchten. Nur mit Mühe konnte er seine Hände stillhalten, beim Anblick dieses ordentlich gefüllten Dekolletés.

'Schade, dass du zu viel Stroh im Hirn hast', dachte Ed, wahrscheinlich hätte er Hermine sonst schon längst wieder aufgegeben und sich stattdessen auf Lav gestürzt. Aber Aussehen war nicht alles, nicht mehr jedenfalls.

Bevor Lavender sich von ihm wegdrehte, um ihren BH besser öffnen zu können, konnte Ed noch ein paar hübsche Sommersprossen zählen. Die Idee, sich mit dem Rücken Ed zuzuwenden, war nur bedingt klug. Konnte er seine Finger so eben gerade noch still halten, war es nun um ihn geschehen. Mit einem leisen "Klick" hatte Ed durch einen geübten Griff den BH geöffnet. Gelernt ist gelernt...

"Huch!", sagte Lavender erschrocken und Ed kicherte.

'Hilfe! Ich hab gerade gekichert!'

"Oh jaaa", sagte Parvati anerkennend. "Der macht wirklich was her!"

Ed lugte Lavender über die Schulter, wobei sein Blick eher dem Inhalt der Verpackung galt.

"Wusste nicht, dass du so einen guten Geschmack hast", lächelte Lavender und drehte sich wieder Ed zu.

"Zufall", murmelte er mit immer trockener werdendem Mund. Eigentlich müsste es ja umgekehrt sein, dachte Ed, doch die Anatomie des Menschens in Sachen Speichel war längst nicht so interessant, wie der bestimmter Körperteile. "Hattest du nicht noch einen neuen Slip gekauft?" 'Und willst du ihn mir jetzt nicht zeigen?', fügte er in Gedanken hinzu.

"Ja schon, aber der ist in der Wäsche."

'Na so ein Mist aber auch, dann krieg ich Potter wieder nicht rum', dachte er sarkastisch. Allerdings wäre es des Guten auch zu viel gewesen, wäre ihm sein Trick ein zweites Mal geglückt.

"Aber damit", Parvati Griff in ihren Koffer, "bringst du wirklich jeden um den Verstand", sie grinste vielsagend und hielt einen pechschwarzen BH in der Hand. " Regel Nummer eins: Schwarz geht immer, damit liegst du wirklich immer im Trend! Der steht dir bestimmt super, los, probier ihn mal an!" Sie hielt ihm den BH entgegen.

"Wa- ich, anprobieren?", Ed schluckte. Seit wann musste man in einer Piepshow selber blankziehen?

"Ja klar, wenn er dir passt, schenk ich ihn dir, ist mir leider zu groß", ihr Blick trübte sich ein wenig, "und Lavender passt er auch nicht ganz."

'Alle guten Dinge sind drei, aber gilt das auch für Brüste?', überlegte Ed.

"Der ist dir wirklich zu groß?", fragte er Lavender und nutzte die Gelegenheit für einen weiteren ausgiebigen Ausblick.

"Ja, leider", seufzte sie.

"Glaub ich nicht, was hast du, C?" Eds Blick wurde fachmännischer.

"Nicht ganz, achtzig B", antwortete ihm Lavender wie aus der Pistole geschossen.

"Kommt mir aber größer vor."

"Gib her, ich zeig's dir", sagte sie und nahm Ed den schwarzen BH ab, der im Licht seidenmatt schimmerte.

"Warum kaufst du dir so einen?", fragte Ed Parvati.

"Hab mich vergriffen, der war aber im Sonderangebot in der Winkelgasse. Mit ein paar Zaubertricks kann man ihn sich aber passend hexen, auch wenn der Stoff dann drunter leidet."

'Gehirn an Hände, Stillhaltebefehl aufrechterhalten! Aber, Sir, wir kämpfen mit letzter Kraft, unsere Waffen sind schon ganz wund - Pardon - stumpf natürlich... Keine Widerrede!'

In Ed tobte ein innerer Willenskampf. Wenn Mädchen schon ihre Unterwäsche tauschten, dann würden sie sicher gegenseitig auch mal die Griffigkeit testen, oder? Einmal ist kein Mal...
Doch Ed beherrschte sich. Und er stellte fest, dass Lavender nicht gelogen hatte, denn der BH passte nicht so perfekt, wie der lilafarbene zuvor.

"Gut, leg den mal beiseite, den schenk ich dir, Hermine, du kannst ihn ja später in Ruhe mal anprobieren und uns dann zeigen, okay?"

"Wow, ähm... danke, Parvati." Das Grinsen kam wie von selbst über sein Gesicht. Er würde es schon irgendwie hinbekommen, Hermine zu erklären, wieso Parvati ihr einen ihrer BHs geschenkt hatte und ihn bei Gelegenheit mal an ihr sehen wollte. Vielleicht konnte Ed bei dieser Gelegenheit gleich mal mit dabei sein und seine Meinung abgeben.

"Okay, also Schwarz haben wir", sagte Parvati, immer noch ohne Oberteil vor Ed stehend.

'Wenn du jetzt noch mit dem Oberkörper rumkreist, hypnosieren mich die Dinger sicher.'

"Es gibt eigentlich nur drei wichtige Faustregeln: Willst du ihn nur ein wenig scharf machen, dann greif zu allem, was hell ist, Weiß ist hier die Königsfarbe", fing Parvati an zu erklären.

"Genau", stimmte ihr Lavender zu und erklärte weiter: "Weißt du nicht, wie dein Date enden wird, auf keinen Fall übertreiben, nimm den Schwarzen, die Farbe ist immer hip genug und im Zweifelsfall führt sie sowieso zum Ziel." Lavender grinste ihn schelmisch an.

"Das Wichtigste im Einmaleins der Verführungen, je knapper und verspielter, umso schneller raucht ihm der Kopf", sagte Parvati abschließend und Ed fragte sich, wer zum Teufel ihm war. "Für Regel Nummer eins empfehl ich dir so etwas", sagte sie und hob Lavenders vorhin ausgezogenes Modell hoch. "Es geht aber auch Gelb oder etwas Hellblaues." Parvati wühlte in ihrem Koffer und zeigte Ed je ein passendes Beispiel.

Es dauerte nicht lang, da saß Ed in einem Berg verschiedenster BHs in allen möglichen Farben und den attraktivsten und verschnörkeltsten Mustern. Mit Sicherheit hatten Parvati und Lavender einen Koffer im Koffer, denn ohne hätten all diese Teile doch nie und nimmer Platz. Die Beratung für Ed wurde mehr und mehr zu einer Modenschau für Dessous. Er wusste nicht, wie er es schaffte, aber bisher hatte er immer wieder erfolgreich davon ablenken können, diesen und jenen BH einmal anzuprobieren. Nach einer halben Stunde schwirrte Ed so dermaßen der Kopf, dass es für ihn immer schwieriger wurde, nicht wild loszugrapschen. Bevor Ed endgültig die Fassung verlor, waren Parvati und Lavender zu dem Schluss gekommen, dass sie Hermine noch vier weitere BHs (einer in einem blassen Babyblau, ein anderer in blutrotem Bordeaux, einer in schlichtem Weiß und ein BH in Lila, allerdings ein Vorjahresmodell) schenken mussten. Und außerdem wäre es viel sinnvoller, wenn Hermine sie bei ihrer nächsten Shopping-Tour einfach begleiten würde, den Termin hatten sie auch schon festgelegt, das nächste Hogsmeadewochenende schien perfekt, schließlich wollte Lavender Parvatis neuen Lieblingsladen ebenfalls kennenlernen.

"Mädels, danke echt für die top Beratung! Ich freu mich schon auf auf unsere Shopping-Tour", das, so war sich Ed sicher, klang überhaupt nicht nach Hermine. Vielleicht traf es in etwa einen homosexuellen Friseur Namens Julio, dessen liebstes Hobby es war, sich die Augenbrauen zu zupfen und in nichtsverhüllende G-Strings achtzehnjähriger Mädchen zu schlüpfen. Und so fügte er noch hinzu: "Ich muss leider nochmal runter in den Gemeinschaftsraum, ähm, Hausaufgaben für Flitwick."

'Jetzt aber raus hier!'

"Kein Problem, wir wussten ja nicht, dass du dich auch für sowas interessierst", sagte Parvati und war schon dabei, erneut den BH zu wechseln. Ed hatte sie sicher so richtig in Stimmung gebracht.

Den sonnenblumgelben BH, welcher ihm am rechten Armgelenk baumelte, hastig abschüttelnd, ging Ed zur Schlafsaaltür. Kurz erhaschte er einen Blick auf sein Spiegelbild. Seine Wangen waren gerötet und seine Ohren schienen zu glühen. Es wurde wirklich Zeit, dass er sich etwas abkühlte. Seine Uhr sagte ihm, dass er noch etwa fünfzehn Minuten hatte, bis er erneut den Vielsafttrank zu sich nehmen musste, also hielt er auf der Treppe hinunter zum Gemeinschaftsraum Ausschau nach Ginny oder Hermine.

Dass es geschickter gewesen wäre, möglichst unauffällig die Treppe hinunterzugehen - am besten ohne dass Hermine oder Ginny ihn dabei sahen, wenn sie im Raum waren - fiel Ed erst ein, als es auch schon zu spät war. Hermine, immer noch in der Gestalt seines eigentliches Ichs, folgte ihm mit empörtem Blick die Stufen hinab. Nachdem er die letzte Stufe hinter sich gelassen hatte, stand sie auch schon vor ihm.


Ich übernehme absolut keine Verantwortung für die Tipps von Parvati und Lavender, sie sind sicher mit Vorsicht zu genießen! ;-) An dieser Stelle noch einen Gruß an den besten ehemaligen Banknachbarn der Welt, der die Frage des "Schlangewürgens" damals mitten in einem Test tatsächlich einem Lehrer stellte.

Dann bis nächste Woche, vielleicht ist das Kapitel dem ein oder anderen ja ein Review wert, ich würde mich jedenfalls freuen!