"Okay, Sam, raus mit der Sprache...,", forderte Danny mit einem leichten Grinsen auf den Lippen, während er den Wagen die Straße entlang steuerte. "...was willst du?"

Samantha schreckte aus ihren Gedanken als sie Danny's Stimme vernahm.

"Was?"

"Hey, wenn du dich so bemühst mit mir zuarbeiten, dann willst du sicher was?!", Danny's Grinsen wurde immer breiter. "Oder wolltest du mit mir alleine sein?"

Samantha bedachte Danny mit einem warnenden Seitenblick und schmunzelte.

"Oh Danny, bin ich so leicht zu durchschauen?"

Danny schien einen Moment zu überlegen, dann blickte er sie kurz von der Seite an und lachte laut auf.

"Darauf willst du jetzt keine Antwort.", antwortete er vielsagend. "Aber im Ernst, was ist los?"

Samantha schien kurz nachzudenken, was sie ihm entgegnen sollte, schließlich meinte sie:

"Ich war nicht scharf darauf mich nochmal mit Jack auseinandersetzen zu müssen."

"Was hat er schon wieder ausgefressen?", wollte Danny mit einem Seufzen wissen.

Samantha wollte eigentlich nicht darüber sprechen. Sie war nur froh darüber, daß sie jetzt mit Danny unterwegs war und so wenigstens ein bißchen Abstand von Jack bekam. Noch so eine Unterhaltung mit ihm und Sam würde für nichts mehr garantieren können.

"Du meinst, außer das er sich heute benommen hat wie ein...ein...", ihr fehlten die Worte.

"Idiot?", schlug Danny vor und stoppte den Wagen an einer roten Ampel.

Samantha nickte. Das traf es ganz gut. Okay, sie konnte Jack nicht vorwerfen, daß er sich für eine andere Frau interessierte, jedoch hätte er es ein weniger diskreter tun können... und nicht genau vor ihr. Und dann ihr auch noch alles zu erzählen. Hatte er denn überhaut kein Taktgefühl?

Die Agentin wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Danny den Wagen vor dem Haus der Feldman's parkte.

"Du solltest mit ihm reden.", schlug Danny vor bevor er aus dem Auto stieg. "Jack hat manchmal ne ziemlich lange Leitung - vorallem wenn es um zwischenmenschliche Dinge geht."

Samantha stimmte ihm zu.

"Vielleicht hast du recht. Ganz bestimmt hast du recht."

"Aber sicher, hab ich recht.", lächelte Danny ihr aufmunternd zu und klopfte an die Haustür der Feldman's. "Was ist Special Agent Supervisior Lydia Glennwood schon gegen Special Agent Samantha Spade, mh?"

Vivian und Martin arbeiteten konzentriert an weiteren Informationen über Jethro Feldman, aber der Erfolg war bisher ausgeblieben.

"Nichts, absolut gar nicht.", murrte Martin. "Weder von seinem Mobiltelefon noch von seinem Haus aus hat er eine ungewöhnliche Nummer angerufen...nur seine Frau und einmal seinen Boss."

"Ich habe gerad bei dem Hotel, in dem er abgestiegen ist, nachgefragt... sie faxen gleich alle Unterlagen rüber, einschließlich der Telefonlisten.", meinte Vivian und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. "Wie war dein Date gestern?"

"Welches Date? Ich hatte kein Date. Ich war bei meinem Steuerberater.", erklärte er beharrlich und wich unsicher ihrem Blick aus.

Vivian blickte ihn wissend an. "Ah, okay...dann ist alles okay bei deinen Finanzen?"

"Sicher. Alles bestens.", entgegnete Martin während er sich ein Schmunzeln nur schwer verkneifen konnte. "Ich glaub, dein Fax kommt gerad."

"Mrs. Feldman, wußten sie, daß ihr Mann befördert worden ist?", fragte Danny vorsichtig nachdem Samantha und er im Wohnzimmer Platz genommen hatten.

"Bitte?", fragte sein Gegenüber ungläubig nach. "Jethro befördert?"

"Ja, vor fünf Wochen.", bestätigte Samantha.

Bestürzt schaute Mrs.Feldman zwischen den beiden Agents hin und her und schüttelte den Kopf.

"Aber...warum hat er mir nichts davon gesagt?", fragte sie hilflos.

"Das versuchen wir herauszufinden.", versuchte Danny sie zu beruhigen. "Wußten sie, daß ihr Mann ein zweites Konto eröffnet hat?"

"Was?", rief Mrs. Feldman raus. Tränen schossen ihr in die Augen. "Wofür denn?"

Samantha stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben die in Tränen aufgelöste Frau.

"Das Geld, welches ihr Mann seit der Beförderung mehr verdiente, hat er auf dieses Konto überwiesen.", erläuterte Samantha ihre bisherigen Erkenntnisse.

Mrs.Feldman seufzte und tupfte ihre Tränen mit einem Taschentuch ab.

"Ich hatte keine Ahnung.", sagte sie schließlich und warf einen hilflosen Blick in Danny's Richtung. "Wissen sie, was er mit dem Geld gemacht hat?"

Samantha schüttelte den Kopf. "Wir arbeiten daran. Wenn wir näheres wissen, dann melden wir uns."

"Irgendwas interessantes aus Las Vegas?", wollte Martin ungeduldig wissen während er an einer Tasse Kaffee nippte.

"Mh...also aus dem Hotel hat er gestern morgen - wie geplant - ausgecheckt.", berichtete Vivian, blickte aber weiterhin suchend auf das Fax. "Von seinem Zimmertelefon hat er letzte Nacht viermal ein und dieselbe Nummer gewählt. Aber nur einmal ist eine Verbindung zustande gekommen...das Gespräch selbst hat auch nur drei Minuten gedauert."

Martin stürmte zu seinem Schreibtisch. "Okay, wie ist die Nummer? Schauen wir doch mal wem der Anschluss gehört."

Vivian diktierte ihrem Kollegen die Nummer und schaute gespannt über seine Schulter auf den Monitor.

"Victor Todd.", las Martin vom Bildschirm ab. "Mehrere Vorstrafen wegen illegalen Glückspiel und Erpressung."

"Das verheißt nichts Gutes.", murmelte Vivian. "Ich sag's Jack."

Martin las sich derweil den Rest des Profils durch und druckte das Foto von Victor Todd aus.

Vivian holte nocheinmal tief Luft, bevor sie an Jack's Bürotür klopfte. Er schien heute nicht in bester Laune zu sein und Vivian wollte ihn nicht noch mehr reizen. Als auf ihr Klopfen jedoch keine Reaktion kam, öffnete sie die Tür einen Spalt und blinzelte in das Zimmer. Nachdem sie Jack in Gedanken versunken mit seinem Stift spielend hinter seinem Schreibtisch sitzen sah, trat sie ein.

"Jack, wir haben da was, was du dir ansehen solltest.", versuchte Vivian seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

"Jack!", probierte sie es lauter als er nicht reagierte.

"Viv...ja...,", fuhr er erschrocken hoch. "...habt ihr was?"

Vivian blickte ihren Vorgesetzten verdutzt an. "Bist du sicher, daß alles okay ist?"

Jack nickte und versuchte überzeugend auszusehen. Doch Vivian ließ sich davon nicht täuschen. Kurzer Hand schloß sie die Bürotür hinter sich, setzte sich auf den Stuhl vor Jack's Schreibtisch und sah ihn auffordernd an.

"Dir kann ich wohl nichts verheimlichen, was?", versuchte er zu scherzen.
Vivian entgegnete nichts, sondern sah ihn weiter wartend an.

"Ich fürchte, ich hab einen Fehler gemacht.", begann er und spielte weiter mit seinem Kugelschreiber.

"Jack.", seufzte Vivian ahnend um was, besser um wem, es ging.

"Samantha.", entgegnete er nur.

"Wer sonst?", murmelte Vivian leise, so das Jack es nicht mitbekam. An ihn gewandt meinte sie: "Aber..ich dachte, du und diese Lydia Glennwood...?"

"Das hat sich ja schnell rumgesprochen.", spottete Jack.

Vivian zuckte nur mit den Schultern.

"Wir waren ein paar Mal zusammen aus.", begann Jack schließlich stockend zu berichten.

"Und du magst sie?", mutmaßte Vivian und beobachtete Jack's Gesicht genau.

Einige Augenblicke starrte er nur vor sich ihn, dann nickte er.

"Ich denke schon."

Viv seufzte erneut, diesmal lauter.

"Und jetzt weißt du nicht, wie du dich Samantha gegenüber verhalten sollst?"

Als Antwort erhielt sie jedoch nur einen hilfesuchenden Blick.

"Samantha ist erwachsen, Jack. Ich denke, sie kann damit umgehen, wenn du eine andere Frau triffst.", stellte Vivian klar. "Sie wird dir schon zeigen, falls du dich unpassend verhälst..., wenn sie das nicht sogar schon getan hat."

"So einfach ist das nicht.", widersprach Jack leise. Vivian sah ihn fragend an. "Sam ist mir... ."

Frustriert stand Jack hinter seinem Tisch auf. "Vergiß es einfach.", wiegelte er schlußendlich ab und straffte die Schultern. "Was habt ihr über den Vermissten?"

Samantha's und Jack's Blicke begegneten sich für einige Augenblicke, als sie zusammen mit Danny das Büro betrat. Die Agents versammelten sich um den großen Tisch in der Mitte des Büros und berichteten von ihren Hinweisen und Erkenntnissen.

"Wie es scheint, hat Jethro Feldman Gefallen am Glücksspiel gefunden. Die Beförderung kam ihm da ganz gelegen, so konnte er Geld auf das zweite Konto schaffen ohne das seine Frau Verdacht schöpfte.", setzte Jack alle bisherigen Fakten zu einem Bild zusammen. "Seinen Boss bat er alle Las Vegas Termin abwickeln zu können. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was in Las Vegas passiert ist."

"Vielleicht hatte Mr.Feldman Spielschulden bei diesem Victor Todd.", mutmaßte Martin.

"Aber die hätte er doch mit dem Geld von seinem zweiten Konto begleichen können.", entgegnete Danny nachdenklich.
Vivian nickte. "Ja, das Geld hat er doch erst gestern mittag abgehoben."

"Wahrscheinlich waren seine Schulden größer und er wollte versuchen Geld zu gewinnen, um sie zu begleichen.", vermutete Jack. "Aber von hieraus kommen wir nicht weiter."

Jack besann sich einen Moment. "Viv, buche zwei Flüge nach Las Vegas und Hotelzimmer."

"Martin, Danny, ihr setzt euch mit dem dortigem FBI-Büro in Verbindung. Versucht noch mehr über diesen Victor Todd herauszubekommen.", legte er schließlich fest.

Samantha wurde unruhig, sie ahnte, was jetzt kommen würde und blickte Jack an. Hoffend, daß er ihren flehenden Blick deuten würde.

"Samantha, wir fahren zum Flughafen.", erklang auch schon Jack's Stimme. Innerlich sackte Sam zusammen. Was war nur los? Wollte Jack sie provozieren? Ignorierte er, daß sie nicht mit ihm zusammenarbeiten wollte oder bemerkte er es einfach nicht.

"Es bleibt mir auch nichts erspart.", murmelte sie und sah Jack herausfordernd an. "Ich hoffe, du hast deine Spendierhosen an... vielleicht hab ich wenigstens Glück im Spiel."

Damit wandt sie sich zu den Anderen. "Viva Las Vegas.", lächelte sie und machte kehrt um zum Fahrstuhl zu gelangen.

"Sag Elvis einen schönen Gruß.", grinste Danny und sah Samantha nach bis sie im Lift verschwunden war.

Die unerklärliche Spannung war verschwunden nachdem auch Jack, kurz nach Sam, das Büro verlassen hatte. Vivian hatte gerade das Gespräch mit einem Hotel in Las Vegas beendet und lehnte sich zufrieden lächelnd in ihrem Stuhl zurück.

"Was ist los, Viv?", wollte Danny wissen, der ihren Blick bemerkt hatte.

Vivian lachte kurz auf. "Nichts.", entgegnete sie gespielt unschuldig. "Ich glaube nur, daß ich nicht hier sein sollte, wenn Samantha und Jack aus Vegas wiederkommen."

Danny verstand nicht ganz, beließ es aber vorerst dabei. Er würde schon rausbekommen, was Vivian so amüsant fand.

Jack musste unwillkürlich lächeln als er aus dem Fahrstuhl stieg und Samantha wartend im Auto erblickte - auf dem Fahrersitz. Sie blätterte gerade die Informationen über Victor Todd durch und erschrak ein wenig als Jack die Beifahrertür öffnete.

"Ich bin's.", erklärte er überflüssig und sank in den Sitz. "Ich weiß nicht, wie lange wir in Vegas bleiben... aber wir sollten ein paar Sachen packen."

"Wie du meinst.", entgegnete Sam gleichgültig und ließ den Motor an.

"Ich... .", begann Jack, wurde jedoch vom Klingeln seines Mobiltelefons unterbrochen. "Malone."

Er lauschte aufmerksam dem Anrufer, bedankte sich kurz und legte wieder auf.

"Viv.", beantwortete er Sam's ungestellte Frage. "Unser Flug geht in knapp zwei Stunden."

"Wir fahren erst zu mir. Du wohnst näher am Flughafen.", entschied Samantha und lenkte den Wagen aus der Tiefgarage.

Jack nickte zustimmend. Schweigend brachten sie den kurzen Weg zu Samantha's Apartment hinter sich.

Samantha hoffte, daß sie den Fall schnell aufgeklären würden und sie nicht länger als unbedingt notwendig Zeit mit Jack in einer fremden Stadt verbringen musste. Sie fühlte sich unwohl in seiner Gegenwart, war angespannt und spürte, wie die Luft zwischen ihnen brannte. Ein falsches Wort und ein völlig unsinniger Streit würde entfachen. Sam war nach den heutigen Ereignissen gereizt genug und konnte der Versuchung nur schwer widerstehen Jack anzuschreien und ihrem Ärger Luft zu machen. Doch sie kannte sich gut genug, um zu wissen, daß sie nur unüberlegte Dinge sagen würde, die ihr nur noch mehr Schwierigkeiten einbringen würden.

Schließlich parkte sie das Auto vor ihrem Apartment und stieg aus. Jack verließ ebenfalls den Wagen, folgte ihr jedoch nicht zur Eingangstür.
"Was?", fragte Samantha als sie die Eingangstür erreicht hatte.

Jack blickte befangen zu Boden.
"Ich warte lieber hier."

Samantha atmete tief durch und schluckte ihren Ärger herunter.

"Jetzt komm schon.", forderte sie ihn mit lauter Stimme auf, senkte sie jedoch gleich wieder. "Es ist ja nicht so, daß du noch nie in meinem Apartment warst."

Jack schien überzeugt und folgte ihr ins Innere des Gebäudes.