Auf dem Kriegsplatz war es mit einem Male still. Niemand wagte es, das angespannte Schweigen zu durchbrechen. Alle Blicke hafteten auf Bischof Heahmund und Ivar Lothbrok.

Als der Heide genüsslich die Luft einsog, grinste er über beide Ohren. Heahmund erwiderte Ivars Blick mit Eis in den Augen und fletsche wie ein Wolf die Zähne.

Zorn machte sich in Heahmund breit. Er war ein Krieger Gottes, Wächter des christlichen Glaubens, unantastbar. Niemand hatte es bisher gewagt, ihn auf diese Weise zu beleidigen.

Heahmund war alles andere als töricht, er wusste, in welchen Bann der Geruch eines Omegas Geist und Körper zu ziehen vermochte. Er traf deshalb Vorkehrungen, trank lac surdus und rieb vor jedem Kampf seinen Nacken mit Nachtlaub ein.

Heahmund spürte nun, wie Wasser - Überbleibsel des Regens - seine Haare heruntertropfte. Gepaart mit der kriechenden Erschöpfung scheint es, alle Mauern fortgespült zu haben.

Er musste handeln und zwar sofort.

Mit aller Kraft hob er sein Schwert zum letzten Kampf, doch noch ehe er ausholen konnte, berührten drei Klingen seine Kehle.

„Lass das Schwert fallen Christ." sprach Ivar, das Gelächter aus seiner Stimme verflogen, ein seiner Stelle klang Ernst.

Heahmund wog zögernd das Schwert in seiner Hand. Der Druck an seiner Kehle verstärkte sich.

ooo

Ivars Kopf war leicht zur Seite geneigt. Er beobachtete mit Neugier den Kampf in Bischof Heahmunds Augen. Leben oder Tod? Wie würde sich sein Christ entscheiden?

Die Klinge fiel zu Boden und Ivar freute sich wie ein Kind am Julfest.

Er nahm seine Krücke und näherte sich gemächlich seinem Preis. Ivars Gesicht war vom Triumph erhellt, der kühle Ernst von vorhin gänzlich verschwunden.

Vier seiner Männer mussten den Bischof fixieren. Er war wie ein wildes Tier. Jeden Moment konnte er ausschlagen, bemerkte Ivar aufgeregt. Wer hätte gedacht, dass Odin ihm solch ein Geschenk machen würde?

Nun stand er dicht vor seinem Gefangen und musterte ihn mit Interesse. Heahmund verlagerte sein Gewicht nach hinten. Ihm schien die Nähe nicht zu gefallen, doch die Krieger hielten ihn eisern in Position. Sein Kinn war erhoben. Sein Blick störrisch. Dieser Mann war stolz. Keine Frage. Eisblaue Augen strahlten Verachtung aus. Ivar grinste und fasste einen Entschluss. Der Bischof würde sich an seine Nähe gewöhnen müssen. Er fixierte den Nacken Heahmunds. Die Haut war blass und wirkte weich. Sie stand im direkten Kontrast zu der restlichen Erscheinung des Bischofs, die etwas Hartes Unnachgiebiges hatte. Von Kopf bis Fuß war er von Schlamm und Blut bedeckt.

Ivar packte Heahmund mit einem Male an den Haaren und neigte seinen Kopf schroff zur Seite.

„Bischof Heahmund" In seiner Stimme klang ruhige Anerkennung.

„Heide" fluchte Heahmund und stemmte sich mit Gewalt gegen die Arme, die ihn festhielten.

Feuer im Blut.

Ivar lachte leise, drückte sein Gesicht in den Nacken des Bischofs und sog den süßen Duft ein.

Er spürte, wie er hart wurde.

Sanft flüsterte er in sein Ohr. Zärtlich, wie ein Liebhaber strich er dabei mit den Lippen über dessen Ohrläppchen.

„Omega"

Heahmund zuckte wie vom Blitz getroffen zusammen.

Ivars Zähne glitten derweil wie ein dunkles Versprechen über seinen Hals. Er fühlte dabei wie Heahmunds Ader im schnellen Schlag pulsierte. Tief unter dem Deckmantel aus Stolz und Hass verbarg sich etwas anderes. Er roch Angst.

„Bring es hinter dich und töte mich."

Ivar hatte es sich mittlerweile am Nacken des Bischofs bequem gemacht. Seine Haut war samtweich und sein Duft mehr als berauschend. Nur unwillig hob er seinen Blick und trennte sich von der Stelle, an der sein Gesicht begraben lag. Zurück in der Heimat würde es ausreichend Zeit für Erkundungen geben.

„Warum sollte ich?" fragte er neckisch, ließ dabei Heahmunds Haare los und drehte sich mit so viel schwingendem Elan, wie es seine Krücke zuließ, um. Siegreich riss er seinen Arm nach oben und wandte sich mit lauter Stimme an seine Männer.

„Wie wäre es, wenn ich Bischof Heahmund mit in die Heimat nehme?"

Ein Raunen ging durch die Menge.

„Unser guter Christ hier ist Omega! Habt ihr ihn kämpfen sehen?" Wie zum Beweis wies er mit der Spitze Heahmunds entwendeten Schwertes auf die Kadaver, die um den Christen verstreut lagen.

„Was glaubt ihr, welch starke Söhne er mir gebären wird?"

Taumelndes Gejohle dröhnte durch die Menge. Nur ein einziger stöhnte fassungslos auf und blickte hilfesuchend in den Himmel.

Vater unser….