Kapitel
I've got a lot going on inside
Don't know if I can work things out this time
Need a little space to clear my mind
But I'll be fine
(Thousand Foot Krutch – Everyone like me)
Hermine erwachte, als die Sonne schon hoch am Himmel stand. Der Lärm der Schule vibrierte wie ein Summen in ihr und sie konnte es kaum erwarten den Krankenflügel zu verlassen. Vielleicht lag es daran, dass sie wieder in Hogwarts war, vielleicht an der Tatsache, dass sie endlich einmal hatte schlafen können, ohne von Bildern gequält zu werden, aber sie fühlte sich leicht und glücklich. Auch Madam Pomfrey hatte nach einer hektischen Untersuchung nichts an ihrem gesundheitlichen Zustand auszusetzen und so schaffte Hermine es noch rechtzeitig zum Mittagessen in die Große Halle. Dort herrschte geschäftiges Treiben. Für einen kurzen Augenblick verlor Hermine sich im bunten Strudel aus Gefühlen und Farben, der sie umgab, dann ließ sie ihre Blicke durch die Reihen gleiten, um Harry und Ron zu finden.
Ganz vorne am Gryffindor Tisch konnte sie einen flammend roten Haarschopf ausmachen, neben dem etwas schwarzes, strubbeliges aus dem Gewusel ragte. Freudig lief sie zu ihren Freunden. ,,Mensch, Mine, wir haben uns schon Sorgen um dich gemacht!", begrüßte Harry sie. Ron gab ein undeutliches Grunzen von sich, während er versuchte, sich ein ganzes Croissant in den Mund zu schieben. ,,Ehrlisch, Mine", mampfte er, ,,Wir ham unsch Schorgen um disch gemacht!" Hermine lächelte. Das hier war ihr zu Hause und Harry und Ron waren ihre Familie. Nie würde es anders sein können. Das einzige, was zu ihrem vollkommenen Glück fehlte, war das Vergessen. Noch immer bereiteten ihr die Bilder aus dem Ministerium Schmerzen, noch immer wurde sie von Albträumen heimgesucht. ,,Ich brauche Zerstreuung, Ablenkung, etwas, in dem ich mich verlieren kann", dachte sie.
Wer hätte gedacht, wie schnell dieser Wunsch in Erfüllung gehen würde? Am Nachmittag hatten sie zum letzten Mal frei, danach würde der Unterricht beginnen und alle Schüler aus dem Krankenflügel entlassen werden. Hermine saß mit Harry und Ron im Gemeinschaftsraum. Die beiden spielten zum ersten Mal wieder Schach.
Harry weihte das neue Schuljahr mit einer haarsträubenden Niederlage gegen Ron ein und Hermine las, völlig vertieft, in ihrem Zaubertränkebuch.
Gegen Abend sah sie, wie Harry immer öfter auf die Ländereien starrte. Nach einer halben Stunde (oder fünf Kapiteln), schlug er schließlich vor, Hagrid zu besuchen. Da Hermine und Ron einverstanden waren, zogen sie sich ihre Umhänge über und liefen hinunter zu Hagrid's Hütte. Gerade als sie die Eingangshalle durchquerten, kam ihnen aber Professor McGonagall dazwischen. Zielstrebig steuerte sie auf das Trio zu und wandte sich sofort Hermine zu. ,,Miss Granger, würden Sie mir bitte in mein Büro folgen?" Die Jungs warfen ihr einen unsicheren Blick zu, doch Hermine rang sich ein Lächeln ab. ,,Grüßt Hagrid lieb von mir. Vielleicht komme ich später nach."
Professor McGonagall nickte den beiden zu, dann kehrte sie um und lief mit energischen Schritten auf die Wasserspeier zu, die Dumbledore's Büro bewachten. ,,Zuckerfederkiel!", sagte sie mit lauter Stimme, woraufhin die beiden steinernen Wasserspeier bereitwillig den Weg zu Dumbledores's Büro freigaben. ,,Der Schulleiter erwartet Sie.", verabschiedete sie sich. Hermine schluckte, dann ging sie zaghaft die Wendeltreppe hinauf.
,,Ahh, Miss Granger", begrüßte Dumbledore sie strahlend, ,,Wie schön, dass Sie gekommen sind. Setzen Sie sich doch." Er wies auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Immer noch zögerlich setzte Hermine sich auf die äußerste Kante des Stuhls. ,,Der Abteilung für Internationale magische Zusammenarbeit ist es im Sommer gelungen, einen kleinen Wettbewerb zwischen allen europäischen Zauberschulen zu organisieren." Hermines Augen weiteten sich. Unruhig rutschte sie auf ihrem Stuhl herum. Die Erinnerungen an den letzten Wettbewerb solcher Art, das Trimagische Tunier vor zwei Jahren, ließ sie noch immer erschauern. Dumbledore sah sie über den Rand seiner Halbmondbrille hinweg an, als wüsste er, was in ihr vorgeht. Hermine hatte das unangenehme Gefühl geröngt zu werden.
,,Es ist nicht so, wie das Triamgische Tunier, Miss Granger. Diesmal findet ein Wettbewerb statt, bei dem es lediglich darum geht, die Leistungen der einzelnen Schüler einer Schule zu bemessen. Dieses Jahr in Zaubertränke. Jede Schule schickt seine beste Schülerin oder seinen besten Schüler ins Rennen. Für die Dauer des Tuniers wird er oder sie von einem Tutor betreut, meist ein Lehrer der eigenen Schule.", Dumbledore studierte aufmerksam einen Zettel auf seinem Schreibtisch.
Miss Granger, Ihre Noten sprechen für sich. Sie haben längst das Niveau einer voll ausgebildeten Hexe erreicht. Hätten Sie eventuell Interesse daran, Hogwarts in diesem Wettbewerb zu vertreten?"
Hermine schlug die Augen nieder. ,,Ich hätte keine Chance!", dachte sie.
Dumbledore beobachtete sie.
,,Miss Granger", sagte er, ,,Sie haben selbstverständlich eine Nacht Zeit, um sich alles durch den Kopf gehen zu lassen." Er zwinkerte ihr zu und erhob sich.
Erleichtert sprang Hermine auf und verließ nach einem höflichen Abschied aufgewühlt das Büro.
Dumbledore hatte ihr viel Stoff zum Grübeln mitgegeben und so kehrte Hermine direkt in den Gemeinschaftsraum zurück – sie musste erst einmal nachdenken.
