Disclaimer: Alle Figuren gehören J.K. Rowling. Ich verdiene mit der Fanfic kein Geld und beabsichtige nicht, irgendwelche Copyrights zu verletzen.
DON'T GO
4.
Draco vernahm Potters Frage durch dichten Nebel und doch beherrschte sie ihn. Das Veritaserum jagte fiebrig durch seinen Körper und ließ ihn zwingen zu antworten. Er wollte nicht, er wollte schweigen und er kämpfte gegen die Wirkung des Trankes an.
Doch je mehr er es tat, umso mehr Schmerzen wallten ihn ihm auf, wie innere Peitschenhiebe gleich, während der Trank seinen Willen mit aller Macht niederzudrücken versuchte und immer stärker wurde. Immer stärker und stärker...
Kalter Schweiß lag auf Dracos Stirn, er zitterte und er atmete viel zu schnell und unregelmäßig. Er saß auf den Boden, die Beine angewinkelt, mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Seine Hände hatte er zu Fäuste geballt, die stumpfen Fingernägel grub er in seine Handinnenflächen.
Obwohl er Todesser war, war er noch nie wirklich gefoltert worden. Zwar hatte auch er schon mal Erfahrungen mit dem Cruciatus gemacht, aber generell war er körperliche Schmerzen einfach nicht gewöhnt. Er war immerhin ein Malfoy... wer wagte es, ihm etwas zuleide zu tun? Überhaupt ließ er sich normalerweise entweder nicht fangen oder es schaffte, seine Gegner zu besiegen. Nur dieses Mal... dieses Mal war es anders. Und er hasste seine Situation. Er hasste Potter dafür.
Potter wiederholte seine Frage. Ob er Voldemort dienen würde. Malfoy kam nicht umhin, zu schaudern. Er verspürte ein unangenehmes Kribbeln am linken Unterarm.
Er durfte nicht nachgeben. Er biss sich auf die Zunge, bis er Blut schmeckte, sein Herz raste. Aber es war ein ungleicher Kampf. Er konnte förmlich spüren, wie sein Wille zerbrach, in tausend Scherben gleich, und der Wahrheitstrank den Sieg einfuhr.
„N-nein", presste er zittrig hervor.
Er sah Potter fiebrig an, bemerkte, wie dieser ihn anstarrte und erst einmal gar nichts sagte. Erst Augenblicke später kam die nächste Frage.
„Hast du Voldemort in der Vergangenheit gedient?"
Erneut wollte Draco nicht antworten, aber einmal eine Niederlage eingefahren, war es für den Zaubertrank nun einfacher, erneut zu gewinnen.
„J-ja", stieß er nach einer Weile mühsam hervor.
„Hast das Dunkle Mal freiwillig empfangen?"
Draco sah Potter unter schweren Lidern erschöpft an. Das war eine Frage, auf die sowohl ein Ja, als auch ein Nein richtig war. Aber eigentlich hatte er damals die Wahl gehabt: Entweder er nahm das Dunkle Mal und verhinderte den Tod seiner Eltern. Oder er lehnte ab und beschwor den Niedergang seiner Familie herauf. Also hatte er durchaus eine Wahl gehabt.
„Ja."
„Wie lange hast du Voldemort gedient?"
Ihm schwindelte. Er hasste es. Er hasste seine Hilflosigkeit in diesem Moment. Der Tatsache, Potter ausgeliefert zu sein. „Etwas... etwas weniger, als – als ein Jahr." Er hatte Mühe zu sprechen, aber der Wahrheitstrank ließ nicht zu, dass er etwas anderes tat.
Er sah Potter leicht verschwommen. Das Grün seiner Augen jedoch war noch immer deutlich auszumachen.
„Hast du... hast in seinem Auftrag jemanden ermordet?"
Draco wurde müde. Er war völlig erschöpft, doch er wurde gezwungen zu antworten. Er wollte nicht. Ein letzter Versuch, sich dagegen aufzulehnen; der Schmerz in seiner Brust wurde stärker. Er keuchte unterdrückt auf. „Nein..."
Betroffenes Schweigen folgte dem, aber das war Draco gleich. Er konnte nicht mehr klar denken.
„Hast du überhaupt jemanden mal getötet?"
„J-ja..."
„Wen?!"
„Amycus..."
„Aber-- aber das ist ja ein Todesser?!"
„Ja."
„Wieso?"
„Er... ich bin ihm zufällig begegnet. Er... wollte mich – zum Dunklen Lord bringen."
„Wieso dienst du ihm nicht mehr?"
„Weil ich..." Draco schluckte, seine Kehle war so trocken. Ihm war abwechselnd heiß und kalt und er zitterte nur noch mehr. „Weil ich seinen Auftrag nicht erfüllt hab."
„Den, Dumbledore zu töten?"
Wenn Draco hätte klar denken können, wäre er überrascht gewesen, woher Potter das wusste. So aber antwortete er nur mühsam. „Ja."
„Bist du seitdem auf der Flucht?"
„Ja."
„Wo versteckst du dich denn immer?"
„Unterschiedlich. Mit Geld ist so gut wie alles käuflich."
„Wieso hast du nie versucht, Schutz beim Orden zu bekommen?"
„Ich bin... ich stehe nicht auf der Seite des Ordens."
„Aber wenn du Voldemort nicht dienst, stehst du auch nicht auf seiner Seite. Auf welcher Seite stehst du dann?"
„Auf... auf meiner. ... Und der der Schwarzen Magie."
„Sind Voldemort und Schwarze Magie nicht ein- und dieselbe Seite?"
„Nein. Für mich nicht."
Wieder Schweigen. Eine irgendwie sehr seltsame Stille, so dass sie nahezu greifbar war. Draco bemerkte erst jetzt, dass Blut in seinen Ohren rauschte.
Dann: „Hast du Unschuldige gefoltert? Hast du jemanden gefoltert, der dich nicht angegriffen hat? Oder jemanden des Ordens oder der für das Zaubereiministerium arbeitet?"
„N-nein."
„Würdest du?"
„Ich- ich würde alles tun, um mich zu verteidigen."
„Hat dich jemand innerhalb der letzten vier Jahren gefangen nehmen können? Außer mir?"
„Nein..." Der Schwindel verstärkte sich.
„Wie hast du dich über Wasser halten können? Von wessen Geld hast du gelebt?"
„Von... mein Vater hat mir Zugang zu geheimen Konten verschafft."
„Also leben deine Eltern noch?"
„Ja."
„Dienen sie Voldemort?"
„Ich weiß nicht. Ich habe keinen Kontakt zu ihnen."
„Wieso nicht?"
„Es ist... es ist zu gefährlich."
„Glaubst du, sie verstecken sich? So wie du? Vor Voldemort? Vor dem Zaubereiministerium?"
„Gut möglich..."
Er spürte, wie das Brennen in seinem Körper allmählich nachließ. Wieder Stille, die in seinen Ohren dröhnte.
„Trink das", befahl Potter dann. Malfoy wollte sich hastig zurück lehnen, aber er hatte die Wand im Rücken. Er presste die Lippen zusammen, schüttelte den Kopf, wusste aber nicht, wie lange er es verweigern konnte, fühlte er sich einfach nur noch fertig.
„Das ist kein Wahrheitstrank. Trink, dann wird es dir schneller wieder besser gehen." Potter setzte ihm etwas Kühles an die Lippen.
Draco wollte nicht, aber irgendwie hatte sein Wille sowieso kein Mitspracherecht mehr. Sein Körper handelte. Als ob es nichts mehr zu verlieren galt. Er öffnete seinen Mund. Er schmeckte etwas Bitteres, als er es herunter schluckte, verschwand das Brennen in seinem Körper endgültig und Dunkelheit driftete auf ihn zu. Unaufhaltsam.
Scheiße, Potter... ich hasse dich.
Reviews? Mochtet ihr das Kapitel? Ich weiß schon, dass es jetzt keine Überraschungen gab, aber, wichtig ist, dass hiermit Draco behauptet, auf der Seite der Schwarzen Magie zu stehen, die er nicht exakt mit Voldemort gleichzieht. Darauf wird später noch eingegangen. Im nächsten Kapitel wird auch deutlich, dass das Wichtigste bzw. sehr wichtige Fragen und Antworten im Verhör gar nicht aufgekommen sind – bzw. ansatzweise, die vorläufig ausreichen, aber langfristig gesehen sie die völlige Wahrheit niemals ins Licht zu rücken vermögen.
DANKE übrigens für eure vielen, tollen Reviews, ihr seid klasse:)
