RON.

So. Ich verstand, wo das Interesse an Harry herrührte. Ja, er sah sehr gut aus. Aber die ganze Welt ging komplett zu weit in der Sache. Sie wollten Harry einfach nicht in Frieden lassen. Ich war immer eifersüchtig auf Harry gewesen. Jetzt war ich nur dankbar, dass ich NICHT er war. Es war jetzt zehn Mal schlimmer, als es während des Trimagischen Turniers gewesen war.

Ich war nur froh, dass Hermione ihn nicht restlos unwiderstehlich fand. Nach ungefähr hundert Streits und zwei Ohrfeigen im fünften Jahr hatte sie mich endlich überzeugt, dass sie Harry nur als Freund sah. Ich musste zugeben, dass ich leicht besorgt- okay, sehr besorgt war, als er zu Beginn des sechsten Jahres auftauchte und 'Mione anfing, ihn anzuquietschen. Aber zu meiner großen Erleichterung ging sie, nachdem sie sich an ihn gewöhnt hatte, in ihren Normalzustand zurück und behandelte ihn wie ihren Ersatzbruder.

Aber der Rest der Schule war nicht so. Ich denke, von ihnen allen war die verdammte Kicherkolonne, als die sie bekannt sind, die allerschlimmste. Ihr wisst schon, von wem ich rede- Lavender, die Patilzwillinge und ihre kleinen Freunde. Sie waren bereits in unserem Schlafsaal und hatten versucht, Harrys Unterwäsche zu klauen. Glücklicherweise konnten Dean und Neville den Plan vereiteln und wir überzeugten Harry, einen komplizierten Verschlusszauber über seinen Koffer zu sprechen.

Aber sie gingen absolut zu weit in ihrem nächsten kleinen Plan.

Das Gryffindorteam hatte Quidditchtraining und eine Dreiviertelstunde nach dem es vorbei war, war Harry der einzige, der noch nicht zum Abendessen aufgetaucht war. Ich wollte gerade jemanden dazu befragen, als da ein Geräusch bei dem Eingangstor der großen Halle war. Ein Flügel öffnete sich leicht und Harry schob sein Gesicht in den Spalt. Alle Gryffindors fingen an, ihn anzustarren. Er sah sehr rot aus.

„Ron", zischte er, „RON! Bitte komm her! JETZT!"

Von hinter mir am Gryffindortisch konnte ich das deutliche Geräusch von Mädchen, die wie verrückt kichern, vernehmen.

Na ja, wie konnte ich wissen, dass es ein Notfall war? Ich war gerade bei der Hälfte meines Schokopuddings!

„Harry", sagte ich zurück, „kannst du nicht einfach in die Halle kommen?"

„NEIN!", schrie er und sah sehr wütend aus, „Glaub mir, wenn ich dir sage, dass ich das wirklich nicht kann."

In dem Moment hatte der Lehrertisch die Störung bemerkt und McGonagall kam von ihrem Sitz heruntergestakst und sah sehr angefressen aus.

„Potter!", sagte sie, als sie näher kam. „Was machen Sie? Kommen Sie sofort rein!"

Harrys Augen wurden groß und sein Rotton vertiefte sich. „Ich kann nicht!", quietschte er.

McGonagall seufzte verärgert und ging zur Tür. Harry keuchte und knallte ihr die Tür in das Gesicht. Mittlerweile sah die ganze Schule höchst interessiert zu. McGonagall versuchte, die Tür wieder zu öffnen, aber Harry hielt offensichtlich die Klinke fest, sodass sie keiner bewegen konnte.

„HARRY POTTER!", kreischte McGonagall. „Was geht hier vor sich?"

„Bitte, Professor, schicken sie einfach Ron nach draußen!", fuhr Harry mit panischer Stimme von hinter der Tür fort. „Oder sagen sie mir wenigstens das Gryffindorpasswort!"

„Nicht, bevor Sie mir nicht sagen, was hier vor sich geht!"

„Ich kann nicht!"

McGonagall rollte mit den Augen, zog ihren Zauberstab, murmelte etwas und die Tür schwang auf.

Die ganze Schule keuchte.

Da war Harry, völlig nackt, mit nichts um seine. ähm, privateren Teile abzudecken als dem Helm einer Ritterrüstung.

McGonagall war beinahe sprachlos.

„Potter. was in Merlins Namen."

„Es ist nicht meine Schuld, Professor!", erklärte Harry. Ich fragte mich, ob es ihm möglich war, noch roter zu werden. „Ich habe nur nach dem Quidditch geduscht und als ich wieder raus kam hatte jemand meine Kleidung weggenommen UND die ganzen Handtücher! Meinen Zauberstab hatte ich auch nicht mit! Ich musste zur Schule laufen ohne IRGENDETWAS an! Und das Gryffindorpasswort wurde geändert- ich konnte nicht REIN gehen!"

Die Mädchen hinter mir fingen an, noch hysterischer zu kichern und mehrere andere aus verschiedenen Häusern stimmten mit ein. Seamus fing an, ein Striptease-Lied zu singen.

„Ähm. Professor?", fragte Harry zaghaft, „würde es Ihnen etwas ausmachen? Mir ist ein bisschen kalt."

„Oh!", sagte McGonagall und wurde ziemlich rosa, „natürlich, Potter."

Sie murmelte etwas und sofort steckte Harry in einer schwarzen Robe. Es gab mehrere enttäuschte „Oooohs!" im Raum.

„Sie essen am besten zu Abend, Potter", fuhr McGonagall fort und sah sehr streng aus.

„Ähm", sagte Harry, „Ich denke, ich gehe lieber zurück nach Gryffindor", man konnte sehen, dass er sich mehr schämte als jemals in seinem Leben zuvor.

„Setzen Sie sich, Potter! Danach werden wir diesen. abscheulichen Scherz genauer besprechen und die Verantwortlichen bestrafen."

„Ähm", sagte Harry wieder. Er sprach jetzt mit seinen Füßen. „Um ehrlich zu sein, würde ich lieber vergessen, dass dieser Albtraum je passiert ist."

„Unsinn, Potter. Jetzt setzen Sie sich."

Harry setzte sich leise neben mich und vermied es dabei, jemandem in die Augen zu sehen. Ich fragte mich, ob sein Gesicht wohl je wieder seine normale Farbe annehmen würde.

„Und Finnigan, hören Sie auf, dieses lächerliche Lied zu singen!", schnappte McGonagall bevor sie sich wieder auf den Weg Richtung Lehrertisch machte, wo Dumbledore saß, der aussah, als würde er gleich in Gelächter ausbrechen.

Ich meine, die waren absolut zu weit gegangen. Ich wusste, dass diese Mädchen Harry vielleicht gerne ohne Kleider sehen wollten, aber interressierte es sie gar nicht, dass sie ihn gerade vor der ganzen Schule gedemütigt hatten?

Harry schämte sich noch einen Monat später. Besonders, weil Seamus immer wieder sein Lied sang, wann immer er Harry sah. Auch als ich versuchte, ihm in einer subtilen bester-Freund-Weise zu erklären, dass er nicht verlegen zu sein brauchte. Da gab es nichts, worüber er beschämt sein konnte. Niemand lachte über ihn; nicht wirklich. Stattdessen hatten sie ihn alle verdammt noch mal angestarrt und sich gewünscht, dass der Helm verschwinden würde.

Aber Harry, in seinem Dasein als Harry, glaubt das alles einfach nicht.