Kapitel 4- Gold schimmerndes Rot

Wenige Tage vergingen, die Faramir hauptsächlich mit Boromir verbrachte.

Dieser versuchte ihn unentwegt aufzuheitern. "Endlich eine Frau für dich." "Die schönste Frau von Harad, eine Perle des Südens." Und schließlich- klassische Boromir-"Ich habe gehört die Haradrim Frauen machen Dinge im Schlafgemach, an die unsereins nicht einmal zu denken wagt."

Faramir wusste um die gut gemeinte Gesten seines Bruders, jedoch war sein Gemütszustand unentwegt trübsinnig. Zu schnell verging die Zeit. Er versuchte sie zu genießen und Schritt jeden Weg den er in der weißen Stadt kannte ab. Er berührte die Mauern und das massive Tor und versuchte sich die Geräusche und den Duft der Stadt einzuprägen.

Die Hörner Gondors ertönten und trugen mit ihrem tiefen basslastigen Dröhnen die Kunde, dass sich jemand der Stadt näherte. Wie so oft in den vergangenen Tagen saß Faramir mit Boromir in einer der Gärten und schmunzelte über die Witze seines Bruders. Das Dröhnen des Horns ließ beide inne halten. Boromir sah ihn mitleidig an. „So endet es für mich, mein Bruder" sagte Faramir und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Boromir legte einen schweren Arm um ihn und sagte „Nein Bruder, so beginnt es." Er stand auf und zog Faramir in eine feste und herzliche Umarmung. Nach wenigen Sekunden löste sich Boromir und schlug Faramir kräftig auf den Rücken „Und jetzt schau nicht so trübsinnig, wir wollen doch deine Zukünftige nicht vergraulen!" Faramir entgegnete trocken „Besser wäre es."

Denethor eilte zur Aussichtsplattform. Im Schlepptau trottete Malas stand bereits bei der Brüstung und schützte seine Augen vor der Sonne. Nur Faramir blieb abseits.

„Komm Bruder, sieh dir diese Riesen an!" Boromir war ganz und gar einer kindlichen Neugier verfallen und versuchte aufgeregt einen besseren Blick auf die Fremden zu erhaschen. Faramir ging zögernd zu seinem Bruder und wagte einen Blick. Etwa 50 Reiter, zu Pferd, sehr zu Boromirs Enttäuschung, hatte er sich doch schon auf die sagenumwobenen gigantischen Ungeheuer gefreut. Einige von ihnen trugen Fahnen, welche zwar alle offensichtlich verschieden waren- jedoch alle mehr oder minder die Farbe rot trugen. Als sich das Gefolge näherte konnte man die bronzenen Rüstungen erkennen, die in der Sonne goldrot schimmerten.

Die Tore wurden geöffnet und einige Reiter strömten hinein. Denethor, seine Söhne und eine handvoll Mitglieder des Rates sowie viele Soldaten in ihren schönsten Rüstungen stellten sich auf dem obersten Ring auf um die Ankömmlinge zu empfangen.

Das galoppieren der Tiere hallte durch die weiße Stadt aus Stein und wurde immer lauter. Mit dem Näherkommen der Reiter wurde das Übelkeitsgefühl in Faramirs Magengegend immer stärker. Boromir nahm keine Notiz vom Unwohlsein seines Bruders sondern fieberte den Fremden regelrecht entgegen.