Kapitel 03: Widergänger

„Sei gewarnt, du Wanderer finsterster Nacht.

Mit diesem Buch ist dir Unheil zugedacht.

Beschreitest du den Weg ein einz'ges Mal.

Erwarte wenig Freud, doch sehr viel Qual.

Die Toten du zu deinen Freunden machst.

Du, der du die Bande mit der Welt zerbrachst.

Sei gewarnt, du Wanderer, der du verflucht.

Wer Leben schafft, wird heimgesucht."

Schmerz durchstieß Harry und er schrie auf. Mit dem letzten Bisschen Verstand, das ihm geblieben war, hatte er sich den fallen gelassenen Basiliskenzahn geschnappt und bis zum Anschlag in den Bauch gerammt. Der Zahn gehörte zu einem toten Lebewesen und konnte somit seinen Fressinstinkt eines Widergängers zurückdrängen.

Wieder einmal war der junge Zauberer froh das Buch gelesen zu haben. Auch wenn es zum Teil auch an der Situation Schuld war. Aber es war in Ordnung. Ginny war am Leben und die Sache mit seiner Widergängernatur konnte er Regeln. Zwar war der Zahn nur ein Provisorium aber woher sollte er auf die schnelle auch Menschenknochen bekommen. Er wusste auch nicht, wie lange der Zahn halten würde.

Ein leises Stöhnen richtete Harrys Aufmerksamkeit auf Ginny und sein Blick fiel auf Riddles Tagebuch. Schnell schnappte er es sich und verstaute es in seinem Umhang. Fawkes landete neben ihm und sah ihn traurig an.

„Keine sorge, Fawkes. Ich werde den Fehler beheben.", versprach Harry. Er würde den Fehler wirklich beheben. Aber dafür würde er das Buch brauchen.

Fawkes hüpfte auf seinen ausgestreckten Arm und schmiegte seinen Kopf an Harrys Wange. Die Wärme des Tieres tat gut.

„Harry?" Ginny sah aus müden Augen auf.

„Hey, Ginny." Harry lächelte sie an als ob nichts geschehen wäre. „Wie geht es dir?"

„Gut…" Tränen stiegen ihr in den Augen auf. „Harry… Es… Es tut mir so Leid. Ich wollte das alles nicht… Riddle hat mich überredet… Er… Es tut mir so Leid!"

Der Nekromant lächelte verständnisvoll und nahm Ginny in den Arm. „Keine Sorge, Ginny. Alles wird Gut. Es ist niemand gestorben und die, die versteinert wurden, werden schon bald wieder aufwachen. Keine Angst."

„Harry…" Ginny schluchzte laut und Harry lies ihr etwas Zeit.

Fawkes ungeduldiges umher gehüpfte auf seiner Schulter nahm Harry zum Anlass endlich aufzubrechen. „Ginny… Wir sollten zurückgehen. Die Anderen machen sich sicher schon Sorgen."

Die Rothaarige schluchzte noch einmal und stand dann auf. Sie war etwas wacklig auf den Beinen aber sie erholte sich schnell. Sie wartete bis Harry den sprechenden Hut und das Schwert eingesammelt hatte und lief neben ihm zum Ausgang. Er war etwas mehr als einen Kopf größer als sie und ihr entging nicht, wie er seinen Umhang sorgsam über den Bauch zog.

„Bist du verletzt Harry?!" Sie wollte den Umhang beiseite ziehen aber er hielt sie auf.

„Alles in Ordnung Ginny. Glaub mir. Du musst dich nicht sorgen." Ein sanftes und dankbares Lächeln lag auf Harrys Lippen.

„Gut…" Ginny glaubte ihm nicht wirklich und schwieg bis sie die Eisenleiter überwunden hatten. „Wer ist eigentlich noch hier unten."

Harry konnte es nicht verhindern, dass die Frage seine Laune besserte. „Dein Bruder, ‚Professor' Lockhart und Professor Snape."

„Was?!", rief Ginny aus. „Ron versteh ich ja, aber warum die Pfeife Lockhart und ausgerechnet Snape."

„Es ist schön, dass es ihnen gut geht, Ms. Weasley." Snape stand direkt vor der Felswand und erwartete die beiden Schüler.

„Professor… Tut mir Leid."

Die Augen des Professors verengten sich und er lenkte seinen Blick auf Harry. Dieser lächelte zwar nicht sah aber im Großen und Ganzen zufrieden aus. Dass er nicht lächelte machte den Lehrer allerdings stutzig. Es passte nicht zu seinem sonstigen Verhalten. Irgendwas war definitiv passiert. Etwas von dem nicht einmal Ginny Ahnung hatte.

„Gehen wir. Wir können den Rest mit den anderen Professoren und ihren Eltern besprechen. Und zwar im Krankenflügel." Damit deutete er auf die Passage in der Felswand. „Abmarsch."

Ohne ein Widerwort schob Harry Ginny durch den Durchgang. Desto früher sie aus der Höhle waren desto früher konnte er den Basiliskenzahn aus seinem Bauch entfernen und wo anders eng am Körper verstauen. Der Bauchstich war eigentlich nur dazu gedacht ihn wieder richtig zur Besinnung zu bringen und damit der Zahn überhaupt Wirkung auf ihn zeigte.

Auf der anderen Seite nahm Ron seine kleine Schwester herzlich und überglücklich in Empfang. Lockhart beäugte die Szene ahnungslos aber interessiert als wolle er auch ein Stück vom Kuchen haben. Ginny würdigte ihn aber keines Blickes als sie, noch immer an Ron gedrückt, zum Ausgang ging.

Harry folgte ihnen, wobei es Snape, der Lockhart am Kragen hinter sich her zog, nicht entging, dass er Mühe hatte so gerade wie möglich zu gehen. Er stolperte ab und an und drückte einen Arm auf seinen Bauch. Womöglich war er verletzt und hatte es der Weasley verschwiegen um sie nicht zu beunruhigen.

„Wie kommen wir wieder hoch?" Fragte Ron am Ausgang angekommen.

Fawkes trällerte zur Antwort und hob mit Harry ab. Er trug den Jugendlichen unter den erstaunten Blicken der drei Unwissenden nach oben und zum mittlerweile wiederverschlossenem Eingang. Harry wisperte die Losung und sie verließen das Rohr.

Kaum auf dem Boden abgesetzt öffnete Harry seinen Umhang und riss den Basiliskenzahn aus seinem Bauch. Ein gequältes Zischen entkam ihm. Fawkes war zufrieden und flog zurück um die Anderen zu hohlen währen Harry den Zahn seine Hosentasche schob. Jetzt waren seine Selbstbeherrschung und die Verbindung zwischen seinem Körper und dem Zahn gefragt.

Ginny und Ron kamen aneinander geklammert aus dem Rohr. Snape folgte von Fawkes getragen, während Lockhart sich an seine Hüfte klammerte. Der Anblick war für Götter und Harry schenkte dem genervten Tränkeprofessor ein mitleidiges Lächeln. Das Rohr schloss hinter den Beiden.

Snape schenkte dem am Boden knienden Harry noch einen aufmerksamen Blick ehe er die Gruppe in den Krankenflügel führte. Madam Pomfrey war überglücklich Ginny zu sehen und drückte sie vor Freude bevor sie das Mädchen einer Untersuchung unterzog. Ron war zu Professor McGonagall geschickt worden. Aber es dauerte trotz allem keine fünf Minuten bis eine große Gruppe von Professoren, angeführt von Dumbledore höchst selbst, und den Weasley-Eltern nach ihnen eintraf.

„Ginny!" Molly und Arthur vielen ihrer einzigen Tochter um den Hals und drückten sie fest. Es sah aus als wollten sie überprüfen ob sie wirklich da war und nicht ein flüchtiger Traum, der jeden Moment zerplatzen konnte. „Ginny…"

Harry belächelte die Szene bis Madam Pomfrey plötzlich vor ihm stand. „Hemd runter!", befahl sie und der Ton machte dem Nekromanten klar, dass er besser nicht wagen sollte zu widersprechen.

Ein paar Prellungen, die noch leicht blutende Wunde am rechten Arm und die vor allem stark blutende Stichwunde in seinem Bauch machten Harry zu keinem angenehmen Bild.

„Harry!" Sofort begann die Medi-Hexe sich an seinen Verletzungen zu schaffen zu machen. Jedoch konnte jeder die Verletzungen noch eingehend begutachten, bevor Doktor und Patient hinter einem Vorhang verschwanden.

„Das ist meine Schuld…", murmelte Ginny.

„Tapferer Junge.", lobte Flittwick. „Sehr tapfer."

„Ja." Snape verengte seine Augen. „Er hat die ganze Zeit auf dem Weg hierher nicht einmal etwas ähnlich einem Schmerzlaut von sich gegeben. Ms. Weasley. Was ist passiert?"

„Ich weiß nicht. Als ich aufwachte war alles schon vorbei. Aber der Basilisk lag tot auf dem Boden." Ginny drückte sich näher an ihre Mutter.

„Er hat den Basilisken erschlagen?!", fragte McGonagall. „Womit?"

„Hiermit, Minerva." Dumbedore hob Godric Gryffindors Schwert von einem Bett auf dem Harry es zusammen mit dem sprechenden Hut abgelegt hatte. „Godric Gryffindors Schwert. Dass er in der Lage war es aus dem Hut zu ziehen. Wahrlich bewundernswert."

Die versammelte Lehrerschaft sah in Sorge und Anerkennung auf die verschlossenen Vorhänge. Die Weasley zusätzlich mit tiefer Verbundenheit und Dankbarkeit. Er hatte ihren größten Schatz gerettet und dafür sein Leben riskiert ohne ein Sekunde nachzudenken.

Harry öffnete langsam seine Augen. Er lag im Garten der Dursleys und hatte gerade eines seiner täglichen Nickerchen beendet. Trotzdem war er noch müde. Müde und ‚hungrig'. Der Basiliskenzahn verlor seine Wirkung.

Es hatte Harry sowieso überrascht, dass der Zahn durchhielt und ihn für nunmehr fast drei Monat abstinent leben lies. Aber vielleicht war es ja die Tatsache, dass er auch ein Nekromant war, die ihn weniger anfällig für den Fressinstinkt machte. Er hat außerdem die letzen Wochen, wann immer er Zeit hatte schlafend verbracht um Energie zu sparen und den Zahn nicht aufzuzehren.

Würde jemand Harry nach einer genaueren Erklärung fragen, wie das Ganze funktionierte käme ihm nur Eine in den Sinn.

Als er Ginny sein Leben schenkte gab er ihr etwas, was sie nie besitzen sollte. Seit er ein Nekromant geworden war, also sich all die Techniken einverleibte hatte sich sein eigener Organismus verändert und dadurch nicht mehr menschlich. Diese Differenz zwischen Menschsein und nicht Menschsein lies das Ritual fehl gehen und verstieß ihn aus dem ‚System von Leben und Tod'. Trotzdem hatte er auch weiter Zugriff auf das ‚System', da er nach wie vor Teil einer der Welten war. Das Problem war bloß, dass er wegen des Bruches ja zu untotem Leben verflucht wurde.

Widergänger fraßen ‚Leben'. Sie fraßen Wesen ihrer eigenen Spezies, die noch am Leben waren, um die Leere in ihrem eigen Inneren zu füllen. Sie wollten selbst auch Leben, teil des ‚Systems' sein. Problematisch war dabei, dass diese Fresssucht immer den Tod des Opfers zur folge hatte und das mit dem Leere füllen nicht funktionierte. Folglich hatten Widergänger immer ‚Hunger'.

Mit Menschenknochen, in Harrys Fall zumindest da er ja menschlich war, konnte man diesen Hunger permanent stoppen. Allerdings brauchte er Knochen von so vielen Menschen wie irgend möglich. Das setzte natürlich entweder Mord oder Grabräuberei voraus. Und Harry tendierte stark zu Letzterem.

Warum man einen Widergänger mit Knochen stoppen konnte war eigentlich eine simple Erklärung. Die Knochen, aus denen Leben gewichen war, induzierten Tod in den Fressinstinkt und machten dem Widergänger Glauben er habe bereits viel Leben konsumiert und seien Teil des ‚Systems' geworden. Folglich schaltete sich der Hunger ab und ein Widergänger konnte wie ein normaler Mensch leben solange er die Knochen bei sich trug.

Harry hatte sich den Basiliskenzahn damals in den Bauch gerammt um dem toten Gegenstand etwas seiner eigenen Natur einzuimpfen. Nur deswegen und wegen der schwachen Verbindung durch das Gift und Blut hatte es überhaupt funktioniert.

Der junge Nekromant lächelte. Er war mit der derzeitigen Situation eigentlich zufrieden. Sah man von der Sache mit den Menschenknochen ab. Aber das würde er auch noch auf die Reihe kriegen.

Er rollte sich aus seiner Seitenlage auf den Rücken und sprang auf die Füße. Das junge Mädchen von vielleicht vierzehn Jahren, das sich im Nachbargarten sonnte, sah zu ihm herüber und wurde feuerrot im Gesicht. Wie auch nicht?

Harry hatte erneut an Größe und äußerlichem Alter zugelegt. Für einen nicht ganz Dreizehnjährigen sah er verdammt stark nach einem jungen Erwachsenen aus. Er schien um die neunzehn Jahre alt zu sein und hatte bereits eine stolze Größe von 1,83 m erreicht. Sein Gesicht war noch immer das seines Vaters auch wenn es weicher war und noch immer diese malerische Klarheit besaß.

Seine einst wilden, kurzen Haare waren in die Länge gewachsen, aber noch immer wild und bestimmten ihre Richtung selbst. Der Pony war die Stelle, an der die Haare am Kürzesten waren und reichten ihm bis zur Nasenspitze. Es folgten die beiden Strähnen links und recht seines Gesichts, die ihm bis unters Kinn fielen. Der Rest seiner Haare fiel über seine Schultern bis zu seinen Schulterblättern.

Wegen seines Wachstumsschubs hatten die Dursleys für ihn zum ersten Mal in seinem Leben Kleider kaufen müssen. Nun ja. Es war Petunia, die entschied er konnte nicht länger Dudleys alte Klamotten tragen. Sie hatte ihn eingepackt und war mit ihm per Bus nach London gefahren um ihn einzukleiden.

Viele Klamotten waren es nicht geworden, da Harry nach dem zweiten Laden sagte er habe keine Lust mehr. Petunia hatte regelrecht Spaß daran gehabt ihn von einem Qutfit ins Nächste zu stecken. Aber es hatte ihn auch gefreut, dass sich seine Tante um ihn kümmerte. Einen Moment hatte es gegeben, in dem Petunia ihn so fröhlich angelacht hatte dass sie ihrer kleinen Schwester auf einmal so ähnlich sah wie nie zuvor. So völlig ohne Zwang und vollkommen froh.

Seit Anfang der Ferien verstand er sich besser mit seiner Tante. Sie kümmerte sich auf einmal wirklich um ihn auch wenn sie ihn immer noch für Arbeit einspannte. Wie zum Beispiel das Mithelfen beim Kochen. Aber das war auch angenehmer geworden und machte ihm Spaß.

Harry lächelte dem Mädchen zu und winkte kurz ehe er ins Haus ging. Drinnen angekommen ging er in Richtung Küche und steckte seine Hände in seine Hosentaschen und erstarrte. Irritiert zog er seine Hände wieder heraus und begann seine Taschen abzutasten. Alle.

Der Basiliskenzahn war weg. Er sprintete in den Garten, zurück zu dem Fleck an dem er bis vor kurzem geschlafen hatte. Wenn er schlief, dann wortwörtlich wie ein Toter. Konnte er den Zahn verloren haben? Doch nirgends lag der zehn Zentimeter lange Zahn. Seine ‚Lebensversicherung' war weg!

Harry drehte sich unter dem verwirrten Blick der Nachbarin wieder um und raste ins Haus zurück und die Treppe hinauf. Hatte er ihn in seinem Zimmer vergessen? Er brauchte nicht lange zu suchen um zu einem Ergebnis zu kommen, schließlich war sein Zimmer aufgeräumt, was er aus genau dem Grund des möglichen Verlustes tat. Er verspürte ‚Hunger'. Der Zahn war weg!

Der Nekromant eilte ins Erdgeschoss zurück und wurde im Esszimmer von einer verwirrten Petunia empfangen. „Harry? Was ist los?"

„Ich hab den Zahn verloren!" Verzweifelt setzte sich Harry auf einen Stuhl und versteckte sein Gesicht in seinen Händen.

„Das Ding, das du aus der Schule mitgebracht hast? Normalerweise hast du es immer bei dir." Petunia setzte sich neben ihn.

„Genau den. Ich weis aber nicht, wo ich ihn verloren haben könnte. Ich war mir allerdings sicher, dass ich ihn mit in den Garten genommen habe. Bevor ich eingeschlafen bin hatte ich ihn doch noch in der Hand."

Petunia dachte nach. „Dudley war kurz draußen im Garten bevor er mit seinen Freunden weg ist. Er hatte allerdings nichts bei sich als er sich von mir verabschiedete. Das war vor fast einer Stunde."

„Garten!" Harry sprang auf und rannte in den Garten und dort zum Zaun. „Hey du!"

„Huh?" Das Mädchen im Nachbargarten schrak auf und starrte ihn an. „Ja?"

„Ich hab was für mich wertvolles verloren, vielleicht kannst du mir helfen." Der verzweifelte Ausdruck auf seinem Gesicht war genug um das Mädchen zu überreden. „Wie lange liegst du schon draußen?"

„Etwas über einer Stunde, warum?"

„Als ich geschlafen habe hast du da einen Kerl bemerkt, der in den Garten kam?"

„Einen?" Ein angeekelter Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht. „Aus dem Haus kam die fette Wurst, die sich dein Cousin schimpft und über den Zaun drei weitere Typen. Dein Cousin und ein andere Kerl haben versuch mit mir zu flirten und die anderen Beiden haben dich aus der Nähe angestarrt und sind dann mit etwas davon gerannt. Die Beiden anderen sind dann auch gleich verschwunden."

Harrys Gesicht verlor alle Verzweiflung und wurde von purem Entsetzen erfüllt. Sie hatten den Zahn gestohlen! Sie hatten ihn verdammt! Seine Hände gruben sich in das Holz des Zauns und er senkte seinen Blick ungläubig dessen, was er gerade erfahren hatte.

Eine Hand legte sich sanft auf seine. „Alles in Ordnung? Was frag ich da eigentlich? Dir wurde etwas Wichtiges gestohlen."

Harry sah dem jungen Mädchen ins Gesicht und schenkte ihr ein dankbares und trauriges Lächeln. „Danke für deine Hilfe."

„Mein Name ist Mary. Mary Rayson. Sag mir bescheid, wenn du deinen Glücksbringer wieder hast." Sie lächelte ihn sanft an und lies ihn los.

„Danke noch mal. Ich wünsch dir was." Harry eilte zurück ins Haus den leicht verletzten Blick von Mary ignorierend. Er bekam immer mehr ‚Hunger'.

Drinnen erwartete ihn Petunia. „Hast du den Zahn gefunden?"

„Nein. Mary meinte Dudleys Freunde hätten ihn gestohlen." Der Nekromant massierte seine Schläfe. „Was mach ich nur?"

„Ich werde Dudley sagen, er soll dir den Zahn zurückbringen soll. Du solltest ihn spätestens Morgen wieder haben." Seine Tante lächelte in aufmunternd an.

„Das ist vielleicht nicht früh genug.", mummelte Harry schwach.

Er starrte auf den Boden. Ihm blieb nicht viel Zeit! Wo war das nächste Leichenhaus oder der nächste Friedhof. Er brauchte eine Leiche! Und zwar schnell. Wann er die Selbstbeherrschung verlor konnte er nicht sagen. Aber es war wohl nicht mehr allzu lang bis dahin.

„Harry? Deine Haare werden grau!", stellte Petunia fest und Harrys Augen weiteten sich. Etwas tropfte auf den Boden. „Harry? Alles in Ordnung?"

Petunia trat näher und berührte Harry an beiden Schultern damit er aufsah. Dann erstarrte sie. Schmerz zuckte durch ihre Brust und sie sah verwirrt nach unten. Erstaunt stellte sie fest, dass Harrys rechte Hand in ihrer Brust steckte. Blut lief über seinen Arm und ihren Bauch. Sie sah wieder auf und begegnete diesmal den Augen ihres Neffen.

Seine Augen leuchteten in blutigem Rot. Wahnsinn und eine düstere Vorfreude stand ihm ins Gesicht geschrieben und es war ihr sofort klar, dass sie ihren Tod in die Augen starrte.

Ein gurgelndes Geräusch entkam ihrer Kehle als Harry seine Hand wieder aus ihrer Brust zog und sie stolperte zurück. Sie stieß gegen die Wand und rutschte zu Boden. Sie spürte kaum Schmerz. Alles wurde in ihrer Verwirrung ertränkt. Schwer atmend und unter großer Anstrengung hob sie ihre rechte Hand zu ihrer Brust. Etwas fehlte. Ihr wurde schwindlig.

Mühsam hob sie den Kopf und sah in Harrys Augen. Gerade noch sah sie wie etwas Blutiges, das wahrscheinlich einmal ihr Herz gewesen war, vollends in seinem Mund verschwand. Er schluckte es ohne zu kauen und leckte sich die Lippen. Dann kam er auf sie zu. Was dann passierte bekam sie nicht mehr mit. Tot sackte sie endgültig zu Boden.

Harry oder besser was von ihm übrig war blieb stehen. Seine Beute war weg. Erinnerungen und Gefühle zogen an seinem inneren Auge vorbei. Das Leben seiner Tante spuckte durch seinen Kopf, doch er beachtete es nicht. Er hatte noch immer ‚Hunger'. Nur seine nächste Beute zählte.

Und eben jene Beute kam aus freien Stücken zu ihm. Zwei Auroren, die beauftragt wurden die Störung bei Harry Potters Spur zu überprüfen, erschienen im Esszimmer. Die Spur hatte auf einen kritischen Lebenszustand hingewiesen, da die Magie versuchte ihren Besitzer zu retten.

Einer der Auroren wusste gar nicht wie ihm Geschah. Er war direkt neben Harry appariert und bekam sofort dessen blutige Hand in die Brust gerammt. Mit einem Tritt gegen die Kehle wurde er zurückgeschleudert und sein Herz aus der Brust gerissen, welches sofort in Harrys Mund verschwand.

In dem Moment, in dem der Auror auf dem Boden aufkam war er bereits tot und sein Leben zog vor Harrys innerem Auge vorbei. Wieder schenkte dieser den Erinnerungen keine Beachtung.

Der zweite Auror griff an. Er hatte viel erwartet als er hierher kam. Aber keinen Widergänger. Inferi waren wahrscheinlicher anzutreffen als ein Widergänger. Obwohl… Man konnte einen Widergänger kaum von Menschen unterscheiden. Sie waren perfekte untote Menschen, die nur durch ihre Fresssucht erkennbar waren. Und die war angeblich abschaltbar.

Dennoch war nur ein Nekromant in der Lage einen Widergänger zu schaffen und deren Volk war vor mehreren hundert Jahren ausgerottet worden. Heute lernten Auroren nur noch in der Theorie über Nekromanten und Widergänger. Beide waren gefährliche Spezies. Nekromanten konnten dank eines natürlichen Schutzschilds sogar die Unverzeihlichen blocken, wenn sie sich konzentrierten. Widergänger hingegen bestachen durch übermenschliche Kraft und Schnelligkeit.

Ein Fluch traf Harry in den Rücken und er bis auf des Herz in seinem Mund. Während eine Hälfte in seinem Magen landete, fiel die andere zu Boden und der Widergänger-Nekromant verlor sofort sein Interesse. Wütend drehte er sich zu seiner ungeduldigen Beute, die die Frechheit besaß sich zu wehren.

Mit entsetzen stellte der Auror fest, dass sein explosiver Feuerfluch zwar die Kleidung des Widergängers zerrissen hatte die Haut darunter aber unverletzt war. Das war kein gewöhnlicher Widergänger. Er wollte einen weiteren Fluch feuern doch da erstarrte er als sich eine Hand in seinen Bauch rammte und wieder entfernt wurde.

Der Auror viel zu Boden und übergab sich. Ungläubig sah er auf und begriff in Entsetzen, dass der Widergänger sich für den Fluch offenbar rächen wollte indem er ihn langsam aß. Fliehen war nicht mehr möglich da Apparieren Kraft kostete, die er nichtmehr hatte. Er grinste. Wenn er jetzt sterben würde, dann nicht als Futter für ein untotes Wesen. Er richtete seinen Zauberstab auf sich selbst. „Avada Kedavra."

Zorn wallte in Harry auf als sein Futter sich doch tatsächlich selber tötete. Ein weiteres Leben zog vor seinen Augen vorbei, doch er interessierte sich mehr für den panischen Aufschrei von draußen. Dann stürmte eine weitere Person ins Esszimmer.

„Was zum…?!" Zwei Worte schafften es aus der Kehle des Fremden bevor Harry auf dessen Brust landete und sie Gemeinsam auf einem Beistelltisch landeten.

Diesmal würde ihm seine Beute nicht entkommen. In keiner Weise. Das Herz war zuerst dran. Und so verschwand das Organ in sekundenschnell erneut im Rachen des Widergängers.

Gerade als er sich an die restlichen Organe machen wollte hauchte der Fremde auch schon sein Leben aus. „Ha…rry…"

Wieder zog ein Leben vor Harrys innerem Auge vorbei. Doch diesmal waren die Gefühle stark. Immer und immer wieder tauchten zwei Wörter auf. ‚Verräter' und ‚Harry'. Wer der Verräter war wusste er nicht, aber er wusste wer Harry war. Er war Harry. Harry!

Harrys Augen weiteten sich als er wieder zu Besinnung kam. Unter ihm lag ein Mann, den er aus dem Fernsehen kannte. Sirius Black, ein angeblicher Massenmörder. Aber Harry wusste es besser. Er hatte Sirius Leben gesehen und die Tränen, die aus seinen toten Augen rannten.

Tränen stiegen auch in Harry auf. Was hatte er getan? Was nur? Petunia, die beiden Auroren… sein Pate. Was hatte er nur getan? Unaufhaltsam liefen seine Tränen und er legte seine Stirn auf der Brust seines Patenonkels ab. Er weinte was nur ging.

***********************************RIP**********************************

Es war Nacht und Peter Pettigrew war nervös. Sirius Black war aus Askaban ausgebrochen. Er war wahrscheinlich schon auf dem Weg hierher. Diese Reise nach Ägypten, die den Weasleys ein Foto im Tagespropheten eingebracht hatte, brachte ihm nun Unheil. Wie war Black nur an eine Zeitung gekommen? Wie hatte er ihn erkannt? Warum zum Teufel hatte er sich selbst abbilden lassen? Er musste weg

Peter wuselte in Rattenform durch den Fuchsbau. Bevor er das Haus verließ verwandelte er sich wieder in seine menschliche Gestallt und sah sich drinnen wie draußen um. Dann öffnete er die Tür, trat nach draußen und schloss die Tür wieder.

Dann war er wieder eine Ratte und hoppelte durch das hohe Gras davon. Er musste sich ein neues Versteck suchen ohne entdeckt zu werden. Am Besten eine andere Familie mit finanziellen Problemen. Die würden ein magisches Haustier umsonst sicher zu schätzen wissen.

Plötzlich tauchte ein Fuß direkt vor der Ratte auf. Erschrocken sah Peter auf. Er folgte dem Anblick der schwarzen Lederstiefel nach oben. Darin steckte eine schwarze Stoffhose und darüber ein langes, lockeres Sweatshirt mit weitem Halsausschnitt. Die weiße Farbe stand im Kontrast zu seinen Schuhen und der Hose, während es perfekt zu den schneeweißen Haaren passte. Es war nicht Sirius Black dennoch war ihm das Gesicht seltsam bekannt.

Rote Augen sahen gefährlich leuchtend auf ihn hinab und das Lächeln war unheimlich mordlustig freundlich. „Bist du Peter Pettigrew?"

Peter schrak zurück. Woher wusste der Kerl das? Wer war das?

„Hallo Peter. Es mich dich kennen zu lernen. Ich bin… dein Tod.", flüsterte der Kerl und bückte sich nach der Ratte.

Ich hatte gesagt, dass es Blutig wird. Ob es nun Eklig war überlass ich euch. Außerdem hab ich mich davon abgehalten genauer auf die Verletzungen oder die Verunreinigung des Zimmers einzugehen. Ich hab die Geschichte ja für P-16 angegeben.

Kapitel 4 heißt „Knochenkönig". Dumbledor, Snape und Madam Pomfrey suchen nach Harry und ich kläre ein paar Punkte über Nekromanten und „das Buch" auf.

Viel Spaß beim Lesen

Lg Tayel