Kapitel 4
Grissom hatte sein Gepäck ins Haus gebracht. Er wollte sich erstmal ausruhen und dann in Ruhe duschen.
Sara saß noch immer vor dem Haus mit Greg. Sie hatte sich inzwischen wieder beruhigt.
„Geht es wieder?", fragte Greg sie.
„Ja, entschuldige Greg, aber es kam einfach so über mich, ich denke es liegt daran, dass ich kaum etwas geschlafen habe heute Nacht.", erwiderte Sara.
„Sara, mach dir doch nichts vor. Deine Emotionen spielen sicher nicht verrückt, weil du nichts geschlafen hast. Warum gehst du nicht einfach ins Haus und sagst Grissom was du für ihn empfindest.", schlug Greg vor.
Sara aber schaute Greg nur entsetzt an und schüttelte mit dem Kopf.
„Nein Greg, damit er mich verletzen und wegstoßen kann. Aber weißt du eigentlich bin ich schon lange nicht mehr von unserem lieben Dr. Grissom enttäuscht und verletzt worden, es wird mal wieder Zeit.", der Sarkasmus von Sara war nicht zu überhören.
„Sunshine, so habe ich das nicht gemeint.", sagte Greg.
„Greggo ich weiß wie du es gemeint hast und meine Antwort ist NEIN.", Sara stand auf und ging Richtung Haus.
„Wir sehen uns beim Abendessen Greg, ich will jetzt erstmal duschen und mich ein wenig ausruhen.", Sara hatte sich vor dem Haus nochmal umgedreht und zu Greg gesprochen.
Im Haus schaute sich Sara erstmal um. Das Wohnzimmer war recht groß und hatte einen Kamin und eine Essecke. Die Küche war mit allem eingerichtet, was man brauchte. Es gab vier Schlafzimmer, in denen jeweils ein großes Doppelbett stand. Zwei Badezimmer und ein Gäste-WC. Die Einrichtung war im Landhausstil gehalten. Sara gefiel das Haus sehr gut.
Sara hatte sich ein wenig hingelegt, sie sah auf die Uhr, es war schon fast 8 Uhr, als sie aufwachte. Sie hörte draußen im Wohnzimmer Stimmen. Sie zog sie schnell ihre Jogginghose und einen Pulli über und ging ins Wohnzimmer. Wo sich schon Angela und Grissom bekannt gemacht hatten.
„Hey Angela", grinste Sara die junge Frau an.
„Sara, wie schön, dass du endlich da bist.", Angela stand auf und umarmte Sara herzlich.
Sara freute sich sehr, Angela zu sehen. Sie mochte Nicky's kleinste Schwester sehr.
„Ich habe schon von Greg die gute Neuigkeit gehört. Ich gratuliere euch.", sagte Sara und lächelte Angela an.
„Ist das wirklich für dich in Ordnung? Ich meine wegen dir und Greg?", fragte Angela ein wenig peinlich berührt.
„Ja, ist es. Greg und ich sind Freunde und waren es immer. Greg war zu keiner Zeit in mich verliebt, er hat sich in dich verliebt.", sagte Sara und lächelte ihre Freundin an.
Sara und Greg sind nicht mehr zusammen? Greg hat mit Sara Schluss gemacht, weil er sich in Angela verliebt hat? Aber warum hat Greg sie dann so in den Arm genommen?
Kann Grissom denn nicht mal verschwinden, merkt er denn nicht, dass er stört?
Sara und Angela sahen sich ziemlich ähnlich, der einzige Unterschied war, dass Angela blonde Haare und blaue Augen hatte. Sie waren beide gleich groß und waren beide schlank.
„Morgen gehen wir auf die Piste?", fragte Angela
„Na klar doch, ich freue mich schon darauf, Whiteface Mountain unsicher zu machen.", grinste Sara.
„Fährst du Snowboard oder Ski? Ich denke ich werde erstmal das Snowboard nehmen.", Angela sah Sara fragend an.
„Wie wir ja am Telefon schon besprochen haben, habe ich sowohl Ski als auch das Snowboard mitgenommen. Aber ich denke ich werde auch Snowboarde, muss nur erst langsam anfangen, denn ich war zuletzt vor 2 Jahren mit Greg und Nick Snowboarden. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie gut ich noch fahren kann.", gab Sara zu bedenken.
„Ich denke wir werden das sicher schnellstens wieder lernen. Ich bin auch noch ein wenig auf dem Snowboard eingerostet. Bin die letzten Jahre immer Ski gefahren.", antwortete Angela.
„Kommst du morgen auch mit Gil?", fragte Angela.
„Ja, aber ich werde mich mit Ski begnügen, denn Snowboard fahren ist nicht mein Ding.", grinste er.
„Ich lasse euch jetzt mal alleine, damit ihr euch fürs Essen umziehen könnt. Wir sehen uns gleich drüben.", sagte Angela und ging wieder zurück ins andere Haus.
„Du bist nicht mehr mit Greg zusammen?", fragte Grissom, als Angela gegangen war.
„Nein, es hat einfach nicht geklappt zwischen Greg und mir.", erwiderte Sara.
„Das tut mir leid.", gab Grissom ehrlich zurück.
„Naja, man kann eben nicht alles haben. Spaß und Liebe zusammen, scheint wohl bei Sara Sidle nicht im Lebensprogramm zu stehen.", scherzte sie mit ihrem typischen Sarkasmus und ging in ihr Zimmer um sich fürs Dinner umzuziehen.
Das Dinner verlief freudig und ruhig. Sie freuten sich über den gemeinsamen Urlaub, der vor ihnen lag. Greg war glücklich, nach der Aussprache mit Sara. Sie freute sich für ihn. Sie hatte außer Freundschaft kein weiteres Interesse an Greg.
Sara ist so ganz anders als im Labor. Sie ist hier richtig losgelöst und hat Spaß. So habe ich sie seit San Francisco nicht mehr erlebt. Damals war sie genauso. Ausgelassen und Freude am Leben.
Der Urlaub tut mir jetzt schon gut, ich freue mich morgen mit Angela, Nick, und Greg zum Snowboarden zu gehen.
Sara und Grissom verabschiedeten sich früh von den Stokes und Greg. Sie waren beide noch erschöpft von der langen Reise.
Schweigend stapften sie nebeneinander her im Schnee. Bis Sara die Stille durchbrach.
„Gefällt es dir hier?"
Grissom versuchte zu erkennen, was Saras Gesichtsausdruck war, doch es war zu dunkel um etwas zu sehen.
„Ja, ich mag es, wenn Schnee liegt. Das bekommen wir in Vegas selten zu sehen.", antwortete Grissom.
„Ja, es ist unwahrscheinlich, dass wir in Vegas jemals Schnee zu sehen bekommen, zumindest nicht in den Massen.", antworte Sara lachend.
„Es ist schön, wenn du lachst. So bekomme ich dich selten zu sehen.", begann Grissom.
„Naja ich habe auch nicht viel zu lachen. Es kommt nicht gerade gut beim CSI lachend durch die Gegend zu laufen, während wir Mörder suchen.", gab Sara ein wenig gereizt zurück.
Grissom blieb stehen und fasste Sara an den Oberarmen, so dass sie gezwungen war, stehen zu bleiben.
„Was ist los mit dir Sara? Ich wüsste zu gerne, warum du immer so gereizt reagierst.", beschwerte sich Grissom.
„Das fragst ausgerechnet du mich? Seit Jahren schon bist du unmöglich mir gegenüber.", funkelte Sara Grissom wütend an.
„Sara, ich kann dir das nicht erklären, nicht jetzt.", gab er entschuldigend zurück.
„Ach vergiss es Grissom. Ich will weder jetzt noch sonst irgendwann hören, warum du so bist. Ich kann auf deine Erklärungen dankend verzichten.", erwiderte sie und rannte fast schon zum Haus.
In der Nacht schlief sie unruhig und hatte wieder Albträume. Grissom hörte sie von seinem Zimmer aus weinen. Aber er traute sich nicht zu ihr zu gehen. Irgendwann war es wieder still in Saras Zimmer, so dass Grissom vermutete, dass sie eingeschlafen war.
Am nächsten Morgen war Sara früh wach. Sie hatten am Abend mit Mary besprochen, dass sie im Haus frühstückten. Es reichte, wenn sie zum Mittag- und Abendessen immer durch den Schnee stapfen mussten. Mary hatte mit ihnen vereinbart, dass sie ihnen alles nötige für das Frühstück vor die Tür stellte.
Sie zog sich an und ging vor die Tür um den Korb reinzuholen, der vor der Tür stand.
Mary hat wirklich an alles gedacht. Ist schon komisch mit Griss morgens in Ruhe und alleine zu frühstücken. Bei der Arbeit ist es nicht ungewöhnlich, da sind wir meistens alle zusammen frühstücken.
Sara stellte den Kaffee aus und deckte den Tisch. Als sie fast fertig war, kam Grissom ins Wohnzimmer.
„Morgen Sara, hast du gut geschlafen?", begrüßte er sie.
„Morgen Griss, wie hast du geschlafen?", stellte sie die Gegenfrage.
Grissom trat näher an sie ran und sah sie direkt an.
„Sara, ich frage nicht aus Höflichkeit, ob du gut geschlafen hast, ich mache mir Sorgen.", begann er, als er dicht vor ihr Stand.
Sara musste schlucken, als ihr bewusst war, wie nah Grissom vor ihr stand.
Oh Gott, was muss er so nah an mich rankommen. So gut kann ich meine Gefühle auch nicht unterdrücken. Ich muss aus seiner Nähe weg.
„Manchmal hat man eben mal Albträume, die hast du sicherlich auch manchmal.", sagte Sara und lächelte gezwungen.
Grissom aber nickte nur. Sara wusste nicht, wie Recht sie damit hatte. Grissom hatte ebenfalls häufig Albträume. Seit dem Fall mit Debbie Marlin damals. Die Sara so ähnlich sah, dass Grissom im ersten Moment, als er die Leiche sah, dachte es wäre Sara. Der Fall hatte ihn emotional sehr aufgewühlt.
„Lass uns Frühstücken, damit wir dann gestärkt auf die Piste kommen.", lenkte Grissom ab.
Sara war froh, dass er das Thema wechselte. Es war ihr unangenehm über ihre Albträume zu reden, weil sie mit ihrer Vergangenheit zu tun hatten, und darüber redete sie nicht gerne oder eher gar nicht.
„Kannst du eigentlich gut Skifahren?", fragte Sara Grissom und sah ihn lächelnd an.
Grissom grinste Sara nach der Frage an.
„Ich weiß nicht was du unter gut verstehst, aber ich denke, ich kann von mir behaupten, dass ich es ganz gut beherrsche.", sagte er lächelnd.
Gott wenn sie so lächelt, da wird es mir ganz anders.
„Und du, wie schätzt du dich ein?", fragte Grissom mit vollem Mund, er hatte gerade in sein Brötchen gebissen.
„Griss, ab 20g wird es undeutlich. Ich denke beim Skifahren und auch beim Snowboarden, kann ich beruhigt sagen, ich kann mich auf den Beinen halten.", grinste Sara.
„Entschuldige Sara, aber ich habe hunger.", Grissoms Augen funkelten belustigt.
„Oh entschuldige lieber Griss, ich wollte dich nicht vom Essen abhalten.", lachte Sara laut auf.
Es geht auch anders, man kann auch Spaß haben mit Grissom. Das ist echt schön und entspannend.
Die Beiden hatten ihren Spaß noch beim Frühstück, wobei beide weniger zum Essen kamen, als dass sie lachten. Für beide war es eine Erleichterung, dass es auch anders ging, als nur zu streiten.
Nach dem Frühstück zog sich jeder in sein Zimmer zurück um sich umzuziehen. Sara hatte sich vor dem Urlaub eine neue Snowboardjacke und Hose gekauft. Sara hatte Mut bewiesen, wie sie selber meinte. Die Jacke war in braun gehalten mit einem weißen Tattoo aufdruck. Die Hose hatte ein Camouflage Muster in Braun und wenige rosa Aspekte.
Sie steckte ihre Mütze und ihre Geldbörse in die Jackentasche und ging nach draußen ins Wohnzimmer, wo Grissom schon auf sie wartete.
Als sich ihre Blicke begegneten, stockte Grissom der Atem. Er musterte Sara von oben bis unten und auch Sara war verblüfft über Grissoms aussehen.
Oh Gott, komme ich den nie von dem Mann los. Mein Herz schlägt bis zum Hals. Selbst in den Skiklamotten sieht er umwerfend aus.
Wow, ich glaube sie kann anziehen was sie will, sie sieht immer gut aus. So habe ich sie wirklich noch nie gesehen.
„Hey, toll siehst du aus.", Sara hielt dem Blick von Grissom stand, als sie ihm das Kompliment machte.
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie konnte einfach den Blick nicht von dem Mann wenden, den sie liebte.
Grissoms Skijacke war schwarz/hellgrau und hatte zwei olivfarbene Querstreifen, die sich quer über die Brust erstreckten. Seine Hose war ebenfalls schwarz und hatte nur ab den Waden runter, leichte olivfarbene Streifen.
„Hey Sara, du siehst umwerfend aus. Mal eine ganz andere Sara kennenzulernen, oder vielmehr die Sara aus San Francisco wieder zu haben, ist schön.", sagte Grissom und schaute Sara direkt an.
„Ich denke wir sollten mal vor gehen. Die Anderen warten sicher schon.", sagte Sara ausweichend um nicht auf das einzugehen, was Grissom gerade gesagt hatte.
Nick, Sara und Grissom fuhren zusammen mit einem Auto. Während Greg und Angela mit den Stokes fuhren.
Am Skigebiet angekommen, trennten sich Sara und Angela von den Männern. Sie hatten ausgemacht, dass sie sich in 2 Stunden auf dem Hang treffen wollten.
Sara und Angela waren beide schnell wieder in ihrem Element was das Snowboarden anging. Sie beschlossen nach einer halben Stunde auf die größere Piste zu gehen.
Als sie im Sessellift saßen, unterhielten sich beide Frauen über dies und jenes. Sara erzählte von ihrem Job beim CSI und Angela über ihren Job als Anwältin. Als sie dann auf Greg zu sprechen kamen strahlten Angela's Augen.
„Dich hat es ganz schön erwischt. Aber warum jetzt erst, du und Greg, ihr kennt euch doch schon seit Jahren.", fragte Sara.
„Ich weiß es nicht, es hat einfach gefunkt zwischen uns.", sagte Angela freudig.
„Das freut mich wirklich sehr für euch beide, ich beneide euch wirklich.", sagte Sara ehrlich.
„Du kannst es auch haben Sara, du liebst Gil wage den Schritt und sage es ihm.", Angela sah Sara schmunzelnd an.
„Nein Angela, du verstehst das nicht, es ist zu viel passiert. Ich kann es einfach nicht.", sagte Sara.
„Sara das ist ganz einfach, wenn du ihn wirklich liebst und er dich, findet ihr einen Weg, das Geschehene zu überwinden.", Angela sprach, als wäre es ganz natürlich.
„Ja, das hast du richtig interpretiert, wenn er mich auch lieben würde, aber da das nicht der Fall ist, geht es nicht und ich lasse mich ganz sicher nicht noch einmal verletzten. Die Zeiten sind vorbei.", erwiderte Sara.
„Angenommen, Gil würde ankommen und dir sagen was er für dich empfindet, was würdest du dann tun?", Angela wollte so viel wie möglich über Sara in Erfahrung bringen.
„So einfach ist das nicht, er hat mich Jahrelang verletzt und immer wieder weggestoßen. Ich denke nicht, dass ich das Risiko noch einmal eingehen würde und mich ihm öffne. Jedes Mal, wenn ich mich geöffnet habe, versucht habe aus mir rauszugehen, hat er mich zurückgestoßen. Irgendwann bin ich es leid Punchingball zu sein. ", gab Sara zurück.
Die letzten Meter im Sessellift legten die beiden Frauen schweigend zurück jeder hing seinen Gedanken hinterher.
… TBC
