no-name: Nichts zu danken, habe euch ja lange genug warten lassen. Ich werde mich jetzt mal in mein Schreibkämmerchen zurückziehen und hoffe, dass etwas annehmbares dabei herauskommt... *seufz*

cloudshape: Hatte ich gestern ganz vergessen - einige der Fragen die du dir gestellt hast, werden womöglich erst später beantwortet werden.


„Du hast sicherlich auch nicht angenommen, dass ich vor deine Haustür appariere oder auf einem Besen anreise… in diese… Muggelgegend.", entgegnete der blonde junge Mann und sein Gesicht erhielt einen verächtlichen Ausdruck, während er an der Kordel nestelte, die seinen smaragdgrünen Umhang am Hals zusammenhielt. „Nicht doch.", erwiderte Severus mit ironischer Miene.

„Cony wird die Kleider des jungen Herrn Malfoy zur Garderobe bringen.", mischte sich nun der Hauself ein, der sich tief vor Draco verbeugte. „Es wird ihm eine Ehre sein." Draco zog kurz die schmalen Augenbrauen hoch und ließ seinen Umhang kommentarlos aus den Händen gleiten; der Hauself fing ihn auf, nahm ihn an sich und faltete ihn sorgsam vor sich zusammen. „Und wenn es dem Herrn beliebt…", quiekte der Hauself dann mit einer Verbeugung an Severus. „…wird Cony den jungen Herrn Malfoy ebenfalls bewirten."

Snapes Augenbrauen zogen sich zusammen. „Cony wird sich mit dem Umhang des jungen Herrn Malfoy in den Flur begeben und still bei der Garderobe verweilen, bis man ihn anderweitig unterrichtet. Das…", sagte er nun aalglatt. „…ist es, was dem Herrn belieben wird." Der Haufelf verbeugte sich abermals tief in Snapes Richtung. „Ganz wie der Herr wünscht.", meinte Cony und ging zur Tür. „Muffilato", raunte Snape, nachdem jene hinter der kleinen Gestalt mit den spitzen Ohren ins Schloss fiel.

„Du enttäuschst ihn immer wieder.", grinste Malfoy höhnisch, als er auf Severus zuging. „Immerhin wäre es ihm eine Ehre, mich zu bewirten." Der ältere der beiden quittierte diese Aussage mit einem müden Lächeln. „So wie es ihm eine Ehre und deinem Vater womöglich eine Freude wäre, wenn er mir nach jedem Toilettengang den Hintern wischen dürfte.", schnarrte Snape schließlich und Draco lachte, als er sich zu ihm hinunterbeugte und beide sich kurz umarmten. Draco schien aufrichtig erfreut ihn zu sehen, doch Severus funkelte ihn weiterhin gespannt an, während er ihm wortlos deutete, Platz zu nehmen.

„Nun denn, was verschafft mir die Ehre deines Besuches?", ergriff der einstmalige Meister der Zaubertränke das Wort, während er mit dem Zauberstab eine Flasche Rotwein und ein Glas zum Tisch dirigierte. „Vater schickt mich.", begann Draco und nahm dankbar das Glas Wein an, das Snape ihm offeriert hatte. „Er lädt dich ein, uns am kommenden Wochenende zu besuchen. Wir haben dich lange nicht auf Malfoy Manor gesehen. Von Mutter und Astoria soll ich dir ebenfalls Grüße ausrichten."

Snape nickte anerkennend. „Wo du sie erwähnst... wie geht es Astoria?", entgegnete er mit unergründlicher Miene. „Gut.", antwortete der junge Malfoy, schien jedoch nicht allzu dankbar für diesen Umstand. „Den ganzen Tag jammert sie darüber, wie fett sie geworden ist. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, mich dafür verantwortlich zu machen.", fuhr Draco in säuerlichem Ton fort, während er die Weinflasche vom Tisch nahm und unkonzentriert das angejahrte Etikett daran begutachtete. „Ich kann es nicht abwarten, bis es endlich so weit ist... Und das nicht erst, seit Mutter in den Runen gesehen hat, dass es ein Junge wird." Snape entging nicht, dass sich in den abgeschmackten Gesichtsausdruck seines ehemaligen Schülers nunmehr unverkennbarer Stolz mischte. „Gratuliere.", bemerkte Severus und Draco erwiderte die Geste mit verstohlenem Lächeln.

„Das war es also?", schickte Snape nur wenige Momente später hinterher. „Eigens um eine Einladung auszusprechen, fliegst du am späten Abend hierher? Eine Eule hätte es nicht getan?" Ein selbstzufriedener Ausdruck legte sich auf Snapes Gesicht, während Draco überrascht den Blick von der Weinflasche abwandte und zu ihm aufsah. Er war immer schon ein schlechter Schauspieler gewesen und es war Severus von jeher eine beinahe diebische Freude gewesen, ihn auflaufen zu lassen.

„Nun, Vater ist besorgt wegen des Ausbruches der Drachenpocken in Grimsby…", setzte Draco stockend an. „Es waren zwei Fälle.", entgegnete Severus lakonisch, während er sich daran machte, sein Roastbeef weiter zu essen. „Mag sein.", entgegnete Draco nun fester. „Dennoch ist Vater besorgt und möchte vorsorglich den Heiltrank für die Familie ordern. "

Ah, die alte Hypochondrie wieder, dachte Severus. In seinem Dunstkreis, zu dem auch Severus Snape sich zählen durfte, war es ein weithin offenes Geheimnis, dass Lucius Malfoy eine übermäßige Furcht vor Epidemien, streng genommen jeglicher Art von Krankheit, hegte. Ein Zug an ihm, den Severus immer schon etwas albern gefunden hatte. Wenngleich es in diesem Falle halbwegs nachvollziehbar sein mochte. Abraxas Malfoy, Lucius' Vater, war seinerzeit den Drachenpocken erlegen – im Alter von 93 Jahren. Und natürlich würde ein Malfoy nie völlig uneigennützig zu ihm reisen.

„Ich werde das Gegenmittel vorbereiten und eurer Familie fünf Phiolen zukommen lassen.", stimmte Snape schließlich müde zu. „Vorbereiten? Du hast das Gegenmittel nicht vorrätig?", erwiderte der junge Malfoy perplex und ebenso ungeduldig. „Wie ich bereits andeutete: ich erwarte keine Epidemie in naher Zukunft. Die Struktur des Drachenpocken-Erregers ist seit Jahrzehnten hinlänglich bekannt, der entsprechende Trank leicht zu brauen.", entgegnete der ehemalige Professor in ebenso genervtem wie belehrendem Tonfall. Er schätzte die zusätzliche Arbeit nicht, die er nun in seinem hauseigenen Labor vor sich haben würde, noch weniger jedoch schätzte er es gedrängt zu werden.

„Ich nehme an, die Familie Malfoy wird sich in Sicherheit wiegen können, wenn ich am Wochenende mit einem kleinen Vorrat des Gegenmittels bei ihr einkehre und anschließend deren unvergleichliche Gastfreundschaft genieße." Er musterte Draco mit herber Miene und jener schien sich zu genieren. „Danke.", sagte der junge Malfoy schließlich und erhob sich langsam von seinem Platz.

Draco hatte sich bereits zum Gehen gewandt, während Severus sich zurücklehnte und zur Weinflasche griff, um sich ein weiteres Glas einzuschenken, als der junge Mann unerwartet stehen blieb. „Bevor ich es vergesse...", setzte Draco in einem beinahe ebenso öligen Tonfall wie dem seines Vaters an, nachdem er sich erneut zu ihm umgedreht hatte. „Wie hat sich die Granger an Ihrem ersten Tag als deine Untergebene gemacht?" Woher zum Teufel...? Snape hatte die Frage in seinem Kopf noch nicht ganz ausformuliert, als die Überraschung bereits abgeklungen war. Natürlich wusste Draco Bescheid - ebenso wie bereits sein Vater vor ihm, pflegte er beste Beziehungen zum Ministerium.

„Es mag womöglich das Beste sein, du fragst deine ehemalige Schulkameradin selbst.", antwortete Snape ungerührt und nahm einen Schluck von seinem Glas Wein. Einen großen Schluck, wie Draco nicht entging. „Mir ist sie nicht weiter aufgefallen.", fügte er in lapidarem Tonfall hinzu, als er sein Glas wieder auf dem Esstisch abstellte. Draco grinste. „Ist das so?", erwiderte er scheinbar amüsiert. „Nun, ich glaube, mir würde sie auffallen." Severus' Augen verengten sich zu Schlitzen. „Würde Sie das? Eine neuerlich entdeckte Passion für muggelstämmige Gryffindors etwa? Lucius wird das gar nicht gerne hören...", antwortete er gehässig. Gehässiger als er beabsichtigt hatte. Das zweite Glas Wein musste ihm bereits im Blut liegen – der Tonfall und die Richtung, in die sich die Unterhaltung bewegte, gefielen ihm nicht, aber er wollte den Jungen nicht ernstlich treffen.

Bereits seit langem vermutete Snape, dass Draco Astoria Greengrass mehr aus Vernunft denn aus Liebe geheiratet hatte. Vermutlich war es mehr eine Entsprechung der Wünsche seines Vaters gewesen, dass er sie zur Frau genommen hatte. Standesdünkel. Verpflichtung der Ahnengalerie gegenüber. Traditionen der Reinblüter. Wie man es auch immer nennen mochte, im Stillen hatte Severus das ein oder andere mal darüber nachgedacht, wenn er sich vergegenwärtige, wie sein ehemaliger Schüler dann und wann von seiner Frau sprach. Bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen er das junge Paar miteinander erlebt hatte, waren sie ihm zweifellos etwas angespannt und steif im Umgang miteinander erschienen. Leidenschaft und aufrichtige Verliebtheit jedenfalls konnte Severus nicht notieren. Immerhin jedoch schien Draco seine Frau zu mögen und zu respektieren. Das war besser als nichts.

Augenscheinlich hatte er den gegenwärtig jüngsten Malfoy keineswegs getroffen, denn Draco grinste immer noch unverhohlen. „Vater muss sich keine Sorgen machen.", entgegnete der blasse junge Zauberer. „Dennoch, ich muss zugeben... Nun, Granger ist nicht wirklich blöde, wenn auch etwas aufdringlich und angeberisch. Hässlich ist sie auch nicht - seit sie diese enormen Beißer los ist... und ihre Haare kriegt sie mittlerweile auch auf die Reihe." Mit immer noch verengten Augen betrachtete Snape ihn, wie er an den Stuhl lehnte und sich selbstgefällig eine blonde Strähne aus dem Gesicht wischte, während er sprach. „Alles in allem... Sie ist gar nicht so schlecht für eine Muggelgeborene.", befand Draco weiter.

Muggelgeborene, dachte der ehemalige Tränkemeister. Der Ausdruck klang nach wie vor fremd für ihn, wenn er aus dem Munde eines Malfoy kam. „Ist mir nur ein Rätsel, warum sie immer noch mit dem dämlichen Wiesel zusammen ist...", sinnierte Draco ungefragt weiter und an dieser Stelle wurden Snapes Gedanken unterbrochen. „Immer noch?", hakte er sich ein. „Es war mir nicht bewusst, dass beide überhaupt jemals ein... Paar gewesen sind."

Draco lachte verächtlich auf. „Natürlich waren sie das. Sind irgendwann im Krieg zusammen gekommen. Vermutlich während ihrer Heldentour auf der Flucht...", erklärte er, nicht ohne Hohn. „Aber das war schon früher abzusehen gewesen... Wie das Wiesel sich schon in der Schule zum Deppen gemacht hat, wenn man sich nur mal mit der Granger angelegt hat. Hat immer den großen Beschützer gespielt, dieser Holzkopf... Ist dir das nie aufgefallen?" Der blonde Mann musterte den Älteren für einen Moment fast verblüfft. Dann schließlich setzte Draco sich wieder auf den Stuhl beim Tisch zurück.

„Natürlich ist es dir nicht aufgefallen. Immer mit dem Kopf bei irgendeinem Zaubertrank, nicht?", Draco verschränkte die Arme vor sich auf dem Tisch und beugte sich angriffslustig zu seinem ehemaligen Professor vor. „Sag mir, Severus, wann war das letzte Mal, dass du... du weißt schon... Das letzte Mal, dass du mit einer Frau zusammen warst? Abgesehen von den Wochenenden bei uns zu Hause, als meine Mutter für dich kochte. Oder soll ich etwa deine kurze Affäre mit Blaise Zabinis Mutter..."

Draco wurde von einem Würgen und Husten unterbrochen. „Bist du... v-verrückt geworden?", krächzte er, immer noch spuckend und mit blassem Gesicht. Schon als er Platz genommen hatte, hatte Snape zu seinem Zauberstab gegriffen und nur darauf gewartet. „Ich dachte mir, eine kleine Erinnerung, wen du vor dir hast, könnte nicht schaden.", entgegnete Snape nun kalt. „Ich sag's ja... Du musst unter die Leute.", entgegnete Draco heißer und ärgerlich, nachdem sich der Zunge-Fessel-Fluch endgültig gelöst hatte, griff zu dem Glas Wein, schüttete einen Schluck hinunter und erhob sich erneut. „Ich meine es ernst.", beharrte der junge Malfoy, während Snapes Miene nicht weniger finster blieb. „Du verkriechst dich entweder in deinem Büro im Ministerium oder in diesem Loch hier. Was ist das für ein Leben?"

Severus erhob den Zauberstab erneut. Diesmal jedoch nicht, um seinen Gast zu verhexen, was er im übrigen nur allzu gern getan hätte, sondern, um die Tür zum Flur zu öffnen, nachdem er den Muffilato aufgehoben hatte. „Cony!", bellte er kalt. „Bring den Mantel des jungen Herrn." Draco seufzte laut und verdrehte die Augen, während der Hauself hereinmarschiert kam, ihm seinen grünen Reisemantel überreichte und sich wortlos verbeugte. „Wir sehen uns am Wochenende.", sagte er dann und blickte noch einmal zu Snape hin, bevor er in den Kamin stieg. Seine Züge waren noch immer verhärtet und Draco erkannte, wie seine Kiefermuskeln angespannt blieben, während sich die schwarzen Augen in seine eigenen bohrten.

„Womöglich.", murrte Snape schließlich. Draco nickte ihm zu und griff in den Behälter, der im Innern des Kamines angebracht war. Ein weiteres Wort wäre unklug gewesen und so ließ er das Pulver in die Flammen fallen und verschwand, sich um sich selbst drehend, im Feuer.

„Siehst du nicht, dass du im Weg bist?", der Hauself, der noch immer an der Tür zur Küche verweilte, zuckte zusammen, als Snape sich plötzlich unmittelbar vor ihm befand. „Scher dich in deine Schlafkammer!", blaffte er weiter. „Jawohl, Herr.", stotterte Cony und sprang zur Seite. „Aber... aber der Herr hat noch nicht zu Ende gegessen!" Snape richtete den Zauberstaub auf die Tür zum Flur. „Dem Herrn ist der Appetit vergangen.", zischte er, während er sich durch den Türrahmen schaffte und die Tür anschließend äußerst unsanft in ihre Angeln fallen ließ.

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