Betrug

„Wo ist Sirius? Er lässt sich doch sonst kein Essen entgehen!" Lily saß mit James, Remus, Peter und Alex beim Essen.

„Cwan svchen!" antwortete James mit vollem Mund.

„Was?"

„Cam suchen. Er wollte mit ihr reden!"

„Na, das kann ja was geben!"

„Hey! Ich hab ihm den Tipp gegeben!"

„Wer sonst!"Lily blickt genervt zu Alex, doch die war grade in ein Gespräch mit Remus verwickelt.

„Na, schon ne Idee von wem ich geträumt habe?"fragte Alex grade.

„Mehrere sogar. Die erste war... Snape!"

Alex begann lauthals zu lachen, schüttelte dann den Kopf und sagte „Nein, fast daneben ist auch vorbei!"

„Dann dachte ich noch an Professor Gamblin?"

Wieder schüttelte Alex den Kopf. „Ich hätte mehr von dir erwartet!"

„Wie wär's mit nem kleinen Tipp?"fragte Remus hoffnungsvoll.

„Nein, da musst du schon von alleine draufkommen."


Geschockt löste Cameron sich aus Sirius Griff und starrte ihn an. Er stand einfach nur da und grinste sie an.

„Nein, du hast gar nichts gemerkt, und erst recht nichts verstanden."

„Was hab ich denn jetzt falsch gemacht?"

„Denkst du, du kannst mich küssen und ich liege dir zu Füßen? Das kannst du vielleicht mit deinen andern tausend Mädels machen, die du jeden Tag rumkriegst. Aber nicht mit mir!"

„Cam, denk jetzt bitte nicht dass du mir egal bist. So ist es nämlich wirklich nicht. Du bist mir wichtig und ich will dich nicht verletzten."

„Das hast du schon. Und jetzt lass mich in Ruhe!"

Sirius bewegte sich jedoch keinen Zentimeter.

Wütend stürmte Cameron an ihm vorbei und verlies das Klassenzimmer.

„Jetzt warte doch mal!"versuchte er sie noch zurückzuhalten, aber von Cam war nichts mehr zu hören.


Cameron war direkt zum Gryffindorturm gelaufen und stieß im Gemeinschaftsraum mit Alex zusammen.

„Hey Cam, immer mit der Ruhe!"

„Ich hasse ihn!"presste diese zwischen ihren Zähnen hervor.

„Sirius? Habt ihr geredet?"

„Nicht nur das! Er denkt er könnte mich küssen und damit alles regeln. Als ob ich eine von diesen bescheuerten Tussen wär die ihm dann direkt zu Füßen liegen!"

„Er weiß wohl, dass du niemand von der Sorte bist. Immerhin wart ihr jahrelang gut befreundet."

„Trotzdem regt es mich auf, dass er es nicht auf eine andere Weise regeln kann!"

„Denkst du er meint es nicht ernst?"

Cameron nickte stumm. „Ja,"sagte sie nach einem Moment des Schweigens leise, „ja, das glaube ich. Ich hab mir nichts sehnlicher gewünscht, aber jetzt habe ich Angst von ihm wie alle anderen behandelt zu werden."

„Mein Tipp: Rede in Ruhe mit ihm und klärt das wenigstens mit eurer Freundschaft. Ich merk doch, dass dir das nicht egal ist."

„Mal sehn. Ich denk drüber nach."


„Ach ne, das Schlammblut!"

Lily drehte sich ruckartig um. Hinter ihr stand Lucius Malfoy, ein Slytherin aus ihrem Jahrgang.

„Was willst du?"

„Meinen Spaß mit einem Schlammblut!"Er grinste höhnisch und trat näher an sie ran. „Hübsch bist du ja allemal und für einen Kuss würde ich mich erkenntlich zeigen und dir nichts tun!"

„Du spinnst ja wohl! Als ob ich so ETWAS wie DICH küssen würde!"

„Frech bist du also auch noch!"Mit einem Schritt stand er vor ihr und packte sie am Kinn.

„Du passt wirklich gut zu Potter, ihr seid beide nicht mehr als Dreck!"

„Das nimmst du zurück!"Hinter Malfoy war nun James aufgetaucht und blickte ihn mit böse funkelnden Augen an.

„Na, wenn man vom Teufel spricht! Bist du hier um dein Schlammblut zu retten?"

Schon hatte James ausgeholt und seine Faust auf Malfoys Wange platziert.

„Nenn Lily nie wieder Schlammblut!"

„EXPELLIARMUS" schrie Lily und Malfoy wurde nach hinten geschleudert.

James nahm Lily an der Hand, führte sie durch den nächsten Gang und bog dann in einen Weg ein, den Lily noch nie gesehen hatte.

„Wo sind wir?"

„Kürzester Weg zum Gryffindorturm! Was wollte das Schwein von dir? Hat er dir wehgetan? Hast du Schmerzen?"

Lily grinste. „Nein, er hat mir nichts getan. Aber zum Glück warst du da."Sie blickte in James haselnussbraune Augen und errötete. James, dem klar wurde, dass er immer noch Lilys Hand hielt wollte loslassen, aber Lily hatte seine Hand so feste gepackt, dass er ihre festhielt. Sie zitterte unmerklich und James wurde warm ums Herz.

„Ist dir kalt?" fragte er zärtlich.

„Was? Ach, nein. Bin nur etwas durcheinander."

Grinsend zog James sie weiter den Gang entlang und erst vor dem Portrait der Fetten Dame lies Lily seine Hand los.

„Glaubst du Sirius und Cameron haben sich vertragen?"fragte sie jetzt.

James zuckte mit den Schultern. „Ich glaube nicht, dass Sirius es ernst meint. Ich hoffe für ihn, dass er Cam nicht verarscht, sonst kriegt er Stress mit mir."

Lächelnd nannte Lily das Passwort, verabschiedete sich von James und verschwand in ihrem Schlafsaal.


Sirius war direkt nach dem Gespräch mit Cameron in seinem Schlafsaal verschwunden und starrte Löcher in die Luft.

Mein ich es eigentlich ernst mit Cam? Oder wär das innerhalb von einer Woche wieder vorbei. Normalerweise wär mir das ja egal, aber Cam ist immerhin ne gute Freundin.

Er erschrak sichtlich, als er neben seinem Bett plötzlich das bekannte Gesicht von Cameron sah.

„Können wir noch mal miteinander reden?"fragte sie vorsichtig.

„Klar. Hab doch immer ein offenes Ohr für dich."Grinste er und deutete ihr aufs Bett zu kommen. Schnell kletterte sie auf das riesige Bett und setzte sich im Schneidersitz neben ihn.

„Es tut mir leid wenn ich vorhin überreagiert hab. Ich war einfach so sauer, dass du nicht verstanden hast was ich meine und -."

„Dann erklärs mir bitte. Ich will dass wir wieder Freunde sind."

„Ich kann's einfach nicht haben wenn du andere Mädels küsst und in den Drei Besen sind mir die Nerven durchgegangen. Und dann küsst du Lily und um dich bei mir zu entschuldigen küsst mich dann einfach. Ich wette danach hast du wieder direkt die nächste geküsst. Ich will einfach nicht, dass du so von mir denkst. Das du mit mir deinen Spaß haben kannst und dann war's das. Dafür bist du mir zu wichtig und unsere Freundschaft auch."

„Cam, ich hab nie so über dich gedacht. Aber vorhin da konnte ich nicht anders, ich musste dich küssen!"Er grinste.

„Na ja, sollen wir die ganze Sache einfach vergessen. Du hast mir echt gefehlt, Camy!"

„Nenn mich nicht Camy! Aber du hast mir auch gefehlt!"

Sirius beugte sich zu ihr rüber und nahm sie in ihre Arme. Er war versucht sie zu küssen, wusste aber, dass das im Moment nicht angebracht war.

„Ist meine CAMY eigentlich noch so kitzelig wie früher?"fragte er schelmisch.

„Wag es nicht, Sirilein, ich warne dich!"

Doch Sirius ließ sich davon nicht abbringen und hatte Cameron schon um die Taille gefasst und sie näher zu sich gezogen. Jetzt fing er an sie gnadenlos zu kitzeln. Sie schrie und japste so lange bis Sirius aufhörte. Jedoch hielt er sie immer noch im Arm.

„Ich bin so froh, dass es wieder so wie früher ist!"murmelte er.

Arm in Arm lagen sie noch lange auf Sirius' Bett und redeten.

„Hast du eigentlich schon bemerkt was zwischen Remus und Alex läuft?" fragte Cam unvermittelt.

„Ach, Alex hat doch n Freund. Aber stimmt wohl, Remus hat schon länger ein Auge auf sie geworfen!"

„Ausserdem ist Alex schon lange nicht mehr glücklich mit David!"

Sie drehte sich auf den Bauch und stütze ihre Arme auf Sirius' Waschbrettbauch.

„Dein Quidditschtraining scheint sich ja bezahlt zumachen."kicherte Cam.

„Ja, ich hab extra Training für dich eingelegt!"Sirius grinste breit.

„Das wär doch nicht nötig gewesen. Ich mag dich natürlich auch so!"setzte sie in einem überheblich Ton hinzu. Danach brachen beide in schallendes Lachen aus.

In dem Moment kamen Peter und James ins Zimmer und starrten die beiden ungläubig an.

„Na, wieder vertragen? Wie hast du das bloß angestellt, Padfoot?"

„Ach Prongs, du kennst doch meinen Charme, da konnte Cam natürlich nicht wiederstehen!"

Lachend schlug Cameron ihm dafür ein Kissen auf den Kopf. „Hey, das tat weh, kleines!"

Immer noch lachend riss sie sich aus seinen Armen los und sprang vom Bett.

„Ich geh nach Alex und Lily gucken!"

„Bei Alex wirst du kein Glück haben!"James grinste. „Sie ist mit Remus in der Bibliothek verschwunden. Vor drei Stunden!"

„Und wo ist Lily?"

„Die ist im Schlafsaal. Hatte ne unangenehme Begegnung mit Malfoy!"

„Mit Malfoy? Warum sagst du das nicht eher? Wie geht's ihr denn jetzt?"

„Naja, ich glaub ich konnte sie beruhigen!"Er grinste.

„Kann ich mir kaum vorstellen. Und grins nicht so überheblich. Wahrscheinlich kann ich mir gleich wieder tausend Beschwerden über dich anhören!"

Schon war sie aus der Tür geschlüpft.

„Na, haben wir euch irgendwo bei gestört?"wandte James sich jetzt Sirius zu.

„Prongs, wir sind nur Freunde, nichts weiter!"

„Na, dann kann ich sie ja noch mal küssen, ohne dass du meine Lily anrührst!"

„Untersteh dich! Ausserdem ist es nicht DEINE Lily!"


„Lil? Alles klar bei dir?"

Cameron war sehr erstaunt, dass sich eine lächelnde Lily zu ihr umdrehte.

„Klar, warum nicht? Ist was passiert?"

„James hat mir das mit Malfoy erzählt. Aber das scheint dir ja nichts auszumachen."

„Wieso? Ist doch nichts neues. Ausserdem war James ja da!"Sie grinste und auch Cameron grinste nun.

„Das sind ja mal ganz neue Töne!"kicherte sie.

„Na ja, so schlimm ist er ja wirklich nicht. Und er war nun mal da und hat mir geholfen!"

Lachend lies sich Cameron zu Lily aufs Bett sinken.

„Und mit Sirius? Alles geklärt?"

„Logo. Er kann halt nicht ohne mich!" verkündete Cam lachend.


„Alex, wir sitzen jetzt seit mehr als drei Stunden hier. Sollen wir nicht mal ne Pause machen?"

Remus klappte sein Buch zu und blickte Alex an.

„Kein Problem, kommst du mit nach draussen? Bald muss das schöne Wetter wieder Schnee und Regen weichen!"

„Schön gesagt!"erwiderte er sarkastisch und die beiden machten sich auf den Weg zum See.

„Wie spät ist es denn überhaupt?"fragte Alex unterwegs.

„Kurz nach Acht. Abendessen haben wir sowieso verpasst!"

Draussen angekommen setzten sie sich an den See und Alex legte sich ins weiche Gras. Zunächst starrten sie nur schweigend aufs Gras, dann unterhielten sie sich eine Weile über Gott und die Welt.

Plötzlich richtete Alex sich auf. Es war inzwischen Dunkel geworden und sie konnte nur noch Remus Umrisse erkennen. „Es ist spät, das wird ganz schön Ärger geben!"

„Lass das mal meine Sorge sein!"antwortete Remus lässig, stand auf und zog Alex nach oben. Einen kurzen Moment standen sie sich gegenüber und starrten sich nur an, dann löste sich Alex aus ihrer Trance und machte sich auf den Weg zur Schule.

„Wie sollen wir jetzt unbemerkt zum Gryffindorturm kommen?"fragte sie, als die beiden die Eingangshalle betraten. Remus nahm sie an der Hand und zog sie in Richtung der Kerker. Kurz vorher bog er rechts ab und tippte vorsichtig gegen einen Stein. Er zog sie in einen Geheimgang, stieg Treppen hinauf und hastete Korridore entlang. Alex hatte schon längst die Orientierung verloren, als sie plötzlich Stimmen hörte. Geistesgegenwärtig schob Remus ein Portrait zur Seite und zog sie in einen kleinen Raum. Sekunden später hörten sie die Stimmen von Filch und McGonagall. Alex Herz raste. Zum einen hatte sie höllische Angst entdeckt zu werden, zum anderen machte Remus' bloße Gegenwart sie nervös. Er hielt immer noch ihre Hand und sie versuchte verzweifelt an David zu denken, aber es gelang ihr nicht.

„Sie sind weg!"hauchte Remus nun, direkt vor ihr. Sein kühler Atem an ihrem Hals, hatte eine Gänsehaut zur Folge und Alex wollte dass dieser Moment nie endete.

„Verrätst du mir jetzt von wem du geträumt hast?"fragte er scheinheilig und strich mit einer raschen Bewegung ihr Haar zur Seite. Statt einer antwort, packte sie seine Hand und zog sie zu sich. Er trat näher an sie heran und legte den andren Arm um ihre Taille.

Er begann ihren Hals zu küssen und als Alex sich nicht wehrte, wanderten seine Lippen höher zu ihren. Zuerst küssten sie sich sanft, dann immer leidenschaftlicher.
Nach endlosen Minuten löste sich Alex aus Remus' Umarmung und murmelte: „Ich glaub wir sollten zurückgehen. Lily sorgt sich bestimmt schon!"

Schweigend liefen sie den restlichen Weg zum Gryffindorturm und Alex war froh, dass ihnen unterwegs kein Lehrer entgegen kam.