A/N: Heute wird es ein etwas längeres Stück und diejenigen, die mehr über Georgia wissen möchten, erfahren hier ein paar interessante Details. Ich hoffe, ihr seid weiter dabei. Danke an Sturmwarnung für die lieben Reviews, Kekse, Kuchen, Gummibärchen, etc. (wird alles gerne genommen :D). Hehe, ja, ihr Liebesleben sieht etwas 'verlottert' aus. Klar, Lucius weiß von nix, Draco auch nicht. Und Narcissa weiß definitiv nicht, dass Severus sowohl mit ihrem Mann als auch mit ihrem Cousin schläft. Ich schätze, sie würde sich ins nächste Messer stürzen, wenn sie es wüsste (aber hey, ihr Liebesleben ist noch um einige Erfahrungen reicher als Severus'). Sirius fragt Severus nicht, was er mit wem treibt, das ist ihm, na ja, nicht direkt egal, aber er ist ziemlich tolerant. Wie es zu dieser Dreieckskiste zwischen Sirius, Severus und Remus kam, darüber gibt es hier ein bisschen mehr zu lesen. Ausführlicheres ist noch in Arbeit ...
Warnings, Pairings und Disclaimer: Siehe vorangegangene Kapitel
Kapitel 4
Remus hob den Kopf und sah ihn aus geröteten Augen ungläubig an. „Das geht nicht, ich hab's dir doch gesagt. Man kann da nicht durch und wieder zurückkommen…"
„Kennst du dich in griechischer Mythologie aus?", fragte Severus gefasst. „Orpheus hat es getan, um seine Geliebte zurückzubekommen, und wenn sie nicht so dumm gewesen wäre, dann hätte er Erfolg gehabt. Sirius ist nicht so dumm!"
„Das sind doch nur Sagen. Und der konnte Steine zum Weinen bringen. Willst du reingehen und singen? Sev, es hat keinen Sinn. Dumbledore hätte doch bestimmt ..."
„Dumbledore weiß auch nicht alles. Ich muss es versuchen, Remus. Ich kann nicht mehr so weitermachen. Ich habe so lange darauf gewartet, und nun lasse ich es mir nicht einfach wieder wegnehmen, von einem … blöden Fluch und einem dummen Zufall. Es war … nicht fair, dieser Bogen … es war noch nicht seine Zeit! Er hat doch noch gar nicht richtig gelebt! Das - ist - nicht - fair!"
Er war immer lauter geworden … er fand einfach nicht die passenden Worte für das, was er ausdrücken wollte.
„Du darfst das nicht, Severus. Du weißt es!" Remus war aufgesprungen. Er hatte etwas Schwierigkeiten, sein Gegenüber zu fokussieren und musste sich am Tisch festhalten, doch er blieb ernst und intensiv. „Dumbledore hat dich doch gewarnt. Du bist der, auf den es in diesem Kampf ankommt. Nur du! Du darfst dein Leben nicht …"
„Sag mir nicht, was ich darf, Lupin. Ich habe genug davon. Ich habe ein Recht auf ein eigenes Leben. Und ich habe keine Lust mehr, auf alles zu verzichten. Ich war jahrelang die Marionette in diesem Spiel, aber jetzt ist Schluss. Ich muss ihn wiederhaben, verstehst du nicht? Du willst ihn doch auch zurückhaben. Mein Leben…" Er schluckte, denn er konnte sich vorstellen, wie übertrieben es sich in den Ohren eines anderen anhören musste, aber vielleicht hatte er in Lupin den einzigen Zuhörer gefunden, der es tatsächlich verstehen konnte. „Mein Leben ist sinnlos ohne ihn. Ich kann das nicht mehr alleine durchstehen. Ich brauche ihn."
Remus schüttelte den Kopf und legte eine zitternde Hand auf Severus'.
„Ich habe das auch gedacht … als er damals … weg war, aber glaub mir, es … es muss einfach gehen. Dumbledore hat dir doch immer gesagt, dass es … gefährlich ist, sich zu sehr an andere Menschen zu binden, das hat er doch … immer wieder … du wirst hier gebraucht. Er würde dir nie erlauben ... Sirius würde es nicht wollen. Er wusste, was er riskiert, als er vorhin … ich meine, du darfst nicht …"
„Lupin!" Severus' Stimme war kühl und hart geworden. „Ich habe es dir vorhin schon gesagt: Erzähl mir nicht, was ich darf und was nicht. Es ist mir egal! Wenn du meinst, mich aufhalten zu müssen, dann versuch es doch. Das Ergebnis wird sein, dass ich kostbare Zeit verliere." Seine schwarzen Augen bohrten sich in Remus' goldene, und die Entschlossenheit in seiner Stimme machte dem Werwolf klar, dass es hier keinen Spielraum für Verhandlungen gab.
Er selbst wäre ja am liebsten durch diesen Bogen gegangen, wenn der Kampf nicht auf Messers Schneide gestanden und Harry dringend Hilfe gebraucht hätte. Auch er empfand sein Leben nun als unerträglich, da der einzige verbliebene Freund, den er noch gehabt hatte, auf der anderen Seite war. Der, der zu ihm gestanden hatte in seinen verzweifeltsten Stunden. Der, dessen Liebe und Loyalität er nie hätte anzweifeln dürfen. Er war immer für ihn da gewesen. Und nun musste er erneut lernen, ohne ihn zu leben. Etwas, von dem er nicht wusste, ob es ihm je wieder gelingen würde.
Sie hatten sich neu kennen lernen müssen im vergangenen Jahr. Vieles war anders geworden als früher. Sirius' Seele hatte in den Gefängnisjahren gelitten, er war nicht mehr derselbe. Seine heitere Ironie war manchmal bitterem Sarkasmus gewichen, seine depressiven Phasen waren intensiver und tiefer geworden als früher, und schwieriger zu vertreiben, aber wer wollte ihm daraus einen Vorwurf machen. Remus selbst war schließlich auch nicht mehr derselbe. Die Jahre der Trennung hatten ihn reifen und hart werden lassen, er hatte einen Weg gefunden, sein Leben zu akzeptieren, mit allen Schikanen, die es täglich für ihn bereithielt. Er hatte sich einen Panzer zugelegt, einen unsichtbaren, kaum zu durchdringenden Panzer um sein verletzbares Herz, er ließ einfach niemanden mehr so nahe an sich heran, dass er erneut einen solchen Verlust würde verschmerzen müssen wie damals.
Es hatte nichts genutzt. Er hatte versucht, mit diesem Panzer auch Sirius fernzuhalten, doch dieser hatte ihn geknackt, auf seine eigene, unnachahmliche Siriusweise. Und Remus hätte sich am liebsten selbst dafür geohrfeigt, dass er es überhaupt versucht hatte, denn für Sirius war dieser Zustand sehr schmerzhaft gewesen und hatte ihn schließlich in Severus' Arme getrieben. Remus wusste, dass es seine eigene Schuld war. Er war wieder nur die Nummer Zwei, wie schon in der Schulzeit. Damals war es James gewesen, jetzt war es Severus. Er war daran gewöhnt, Sirius zu teilen, aber es gefiel ihm nach wie vor nicht. Wenn ich es gewesen wäre, der durch diesen Bogen gefallen wäre … niemand hätte versucht, mir zu folgen, dachte er mit einem Anfall von Bitterkeit.
Hätte er es geschafft, die Mauer selbst einzureißen und Sirius das zu geben, das dieser so dringend gebraucht hatte, dann wäre er vielleicht in seinem Herzen einmal an erster Stelle gewesen – doch er hatte die Chance vertan. Gehofft, er könnte eine freundschaftliche Beziehung aufrechterhalten, die doch nie wirklich bestanden hatte. Tief in seinem Herzen hatte er es doch gewusst, dass die Liebe nie geendet hatte, die er für Sirius empfand, und dass sie an dem Tag enden würde, an dem man ihm das Herz mit einem silbernen Messer aus dem Leibe schnitt, aber keine Sekunde eher.
Eines hatte er in diesem Jahr begriffen, nämlich dass ein Mensch wie Sirius in seinem Leben durch nichts und niemanden zu ersetzen war. Dass er ein einzigartiger Glücksfall in seinem Leben gewesen war. Jemand, der ihn so annahm, wie er war, der sogar Gefallen daran fand, dass er nicht wie die anderen war. Einer, der die animalischen Aspekte in seinem Leben als eine schillernde Facette seiner Persönlichkeit betrachtete und nicht als eine abstoßende Widerwärtigkeit.
Dumbledore würde ihm die Hölle heißmachen, wenn er davon erführe, dass er Severus nicht aufgehalten hatte. Der freundliche alte Mann konnte sehr unangenehm sein, wenn es nicht nach seinem Plan lief. Und gerade lief nicht allzu viel nach seinem Plan. Wenn er auch nur den leisesten Hauch einer Ahnung gehabt hätte, in welcher Beziehung Severus zu Sirius gestanden hatte, dann wäre er jetzt hier und würde Severus mit einem Bindezauber aufhalten, oder ihm einen Vergessenszauber belegen, die Erinnerungen an Sirius extrahieren, irgendetwas unternehmen, um sicher zu gehen, dass Severus keine Dummheiten machte …
Aber Dumbledore wusste nichts davon. Sie hatten es wohlweislich geheim gehalten, und Remus war nur durch einen unglücklichen Zufall damit konfrontiert worden. Er hatte dicht gehalten, so wie früher auch schon. Hatte den beiden ihr privates Glück gelassen, mit blutendem Herzen, denn ihm war in diesem Augenblick klar geworden, worum er sich selbst gebracht hatte. Dass er es hätte sein können, dem Sirius' ganze Aufmerksamkeit galt. Aber es war Severus, dessen Gesicht nun mit einem strahlenden Lächeln Willkommen geheißen wurde, wenn sie unter sich waren, und nicht seins.
Aber leiden tat er deswegen nicht weniger, denn sein Panzer war in sich zusammengefallen, als er begriffen hatte, dass Sirius noch immer in ihm war und es immer sein würde. Sie hatten wieder zueinander gefunden und Remus hatte sich damit zufrieden gegeben, die Nummer Zwei zu sein, es war immer noch besser, als gar nicht geliebt zu werden. Sirius' Aufmerksamkeit und Liebe war ihm denn auch gewiss, solange Severus nicht da war, und er war selten da. So dachte er doch, war sein Los nicht das schlechtere von beiden.
Auch er hatte Opfer zu bringen, auch er begab sich fast täglich in Gefahr. Dumbledore hatte ihn mit der Aufgabe betraut, sich in die Werwolf-Gemeinschaft einzuschleichen, ein überaus gefährlicher und zum Teil widerwärtiger Job. Aber wenn er nach Hause kam, war Sirius für ihn da, um ihn wieder aufzurichten. Jedenfalls bis heute.
Severus hatte sich mit wenigen, intensiven Stunden an einigen rar bemessenen Wochenenden begnügen müssen. In dieser Zeit hatte er sie in Ruhe gelassen, sich einen anderen Ort gesucht, oder die Stellung gehütet, während die beiden draußen unterwegs waren. Wohin sie gingen, wusste Remus nicht, sie hatten es nie gesagt und er war keiner, der sich durch Neugier aufdrängte. Wenn sie ihn nicht einweihen wollten, dann war das ihre Sache. Es zwickte ein wenig, aber damit konnte er leben.
An einem unglaublich schönen Abend hatten sie ihn in ihr Liebesspiel einbezogen. Er war ziemlich angesäuselt gewesen und nicht im Stande, sich dagegen zu wehren, selbst wenn er es gewollt hätte. Er hatte keine Chance gehabt, seinen üblichen Hemmungen nachzugeben und sich zurückzuziehen. Sie hatten ihn nach allen Regeln der Kunst verführt und zu dritt Dinge getan, von denen er heute noch träumte. Er hatte sich nie getraut, darum zu bitten, das zu wiederholen … warum nur war er so ein Idiot?
„Was ist nun? Hilfst du mir, oder willst du mir im Wege stehen? So oder so wirst du mich nicht aufhalten, aber ich könnte Hilfe gebrauchen. Ich brauche Deckung. Du kannst Dumbledore sagen, dass ich … einen Ruf erhalten habe, dass ich fort musste. Das ist glaubhaft und wird ihn daran hindern, nach mir zu suchen." Er machte eine Pause und sah Remus durchdringend an. Dieser nickte langsam. Er würde ihm den Rücken freihalten. Es war ohnehin müßig, zu versuchen, ihn mit irgendeinem Fesselungszauber zu überrumpeln. Remus war nicht mehr in der Lage zu irgendwelchen spontanen Attacken.
„Ich muss jetzt erst mal zu Georgia. Wenn jemand was über diesen Bogen weiß, dann ist sie das. Sie kennt sich aus in griechischer Mythologie und beherrscht die alten Rituale. Vielleicht kann sie mir helfen, den Rückweg zu finden. Du kennst sie doch auch, hattest du nicht auch das Gefühl, dass sehr viel mehr hinter ihrer äußeren Fassade steckt, als sie zugeben will."
In Remus stiegen die Bilder einer Erinnerung auf, als Georgia an seiner Seite den Großen Saal betrat, zum ersten Mal gekleidet in ihren ägyptischen Umhang. Es war ein unglaublich erhebender Augenblick, er hatte das Gefühl, wahrhaftig an der Seite einer Königin zu schreiten und es erfüllte ihn mit großem Stolz, weil er nicht unerheblichen Anteil an ihrer Berufung zur Nachhilfelehrerin gehabt hatte.
Dann erschien ein anderes Bild, von dem einen Halloween-Fest, an dem er als Lehrer teilnehmen durfte. Als sich dieser schrecklich schöne Körper die Stufen zum Lehrertisch elegant hinaufschlängelte.
„Georgia? ... und Mythologie, is' ja kein Wunder, sie is' ein Teil davon", nuschelte er und wusste eigentlich selbst nicht, warum er das sagte.
Severus' Augen weiteten sich und er lehnte sich fast über Remus' verschränkte Arme: „Weißt du etwas, was ich nicht weiß?"
Lupin schüttelte träge den Kopf: „Du warst doch dabei ... zu perfekt für eine Verkleidung!"
Doch die Antwort ging unter, denn in diesem Moment fuhr ein brennender Schmerz in Severus' linken Unterarm und er hielt ihn mit zusammengebissenen Zähnen mir der rechten Hand zu.
tbc
