A/N: The road goes on and on and on...viel Spaß mit Kapitel 3.
Scar Tissue
3
Fährtenlese
Du fragst weswegen?
Das Chaos braucht keinen Grund
Um wild zu toben.
„Ich muss dir was zeigen, komm mit! Was trödelst du denn so?", treibt er sie an, doch Erin kann nicht so schnell laufen, weil sie ihr neues Kleid trägt. Das mit den weißen Rüschen und den gelben Schleifen an Ärmeln und Kragen. Mommy hat ihr gesagt, sie soll vorsichtig sein, dass es nicht schmutzig wird, weil es teuer war, und dort, wo sie jetzt lang läuft, liegen viele Baumstämme und heimtückische Baumstümpfe herum, über die sie nur allzu leicht fallen kann. „Erin! Wo bleibst du?", seine Stimme hallt an den massiven Baumstämmen wider und klingt ferner denn je. Sie will ihm zurufen, dass er warten soll, aber sie kann nicht, nein, sie kann nicht, konnte nie, wird nie können. Alles, was über ihre Lippen kommt, ist hastiger Atem und der Schweiß, der ihr beim Rennen von der Nasenspitze perlt. Erin bekommt Seitenstechen und stolpert, kann sich aber noch rechtzeitig mit der rechten Hand an einem Baumstamm abfangen, dessen raue Rinde ihre Handfläche aufschürft. Die schwüle Sommerluft erschwert jede Bewegung und lässt den Schweiß aus allen Poren ausbrechen. Mücken tanzen im Dämmerlicht des anbrechenden Abends und versuchen, von Erins süßem Blut zu kosten. Sie wimmelt sie geistesabwesend ab, wischt sie mit der linken Hand fort und kämpft sich durch das immer dichter werdende Unterholz. Ein Brombeerstrauch zerkratzt ihren Arm, hinterlässt blutige Striemen, auf die sich die nur für kurz verdrängten Insekten stürzen, angezogen vom intensiven Geruch ihres Blutes. Erin befürchtet, auch ihr Kleid an dem Brombeerstrauch zerrissen zu haben, doch sie irrt sich und ist froh. Ihr entgeht Mommys Zorn und Daddys Faust, doch im Moment kann sie sich nicht so recht darüber freuen. Im Moment fürchtet sie sich zu sehr, weil der Tag sich dem Ende neigt und sie nicht weiß, wo sie ist. Und Dannys Stimme erklingt von immer größerer Distanz, immer weiter weg von ihr. Es raschelt im Unterholz, Zweige brechen knackend und hier und da prescht ein Vogel aufgeregt aus dem undurchsichtigen Dickicht.
Erin lauscht angestrengt, aber sie kann Dannys Stimme nicht hören. Er ist fort, verschwunden. Sie kann ihn nicht sehen, so sehr sie sich auch anstrengt. Und die Sträucher und Bäume um sie herum scheinen mit einem Mal enger zu stehen, sich enger an sie zu drängen. Wie kalte Finger greifen ihre Äste und Zweige nach ihr, halten sie an ihren blonden Strähnen oder dem makellosen Saum ihres Kleides zurück, erschweren ihr jeden weiteren Schritt. Erin hat Angst. Ihr kleines Herz schlägt ihr bis zum Hals. Ohne Danny findet sie hier nicht mehr heraus, ohne Danny ist sie verloren und so allein, allein, allein. Ihr Fuß verfängt sich in einer Wurzel und sie droht zu stürzen, aber sie gewinnt rechtzeitig das Gleichgewicht zurück und läuft weiter, lauscht angestrengt, ob sie Dannys Stimme hört, doch alles, was ihr Ohr erreicht, sind die Rufe von wilden Vögeln, die sie nicht kennt und noch weniger versteht. Sie streift durch das dichte Geäst, das hohe Gras umspielt ihre vom Knie an abwärts nackten Beine. Nie hat sie sich so sehr eine Stimme gewünscht wie in diesem Moment, in dem sie so verloren scheint. Sie lauscht angestrengt, kann Danny aber immer noch nicht hören. Nur die Schleiereule, die ihr eintöniges Bu-Hu zum Besten gibt, spricht zu ihr. Wenn es Nacht wird, ist sie ganz allein, und wenn Danny nach ihr sucht, wird er sie nicht finden, denn sie kann sich nicht bemerkbar machen.
Das Blätterdach wirft im blutroten Licht der untergehenden Sonne gespenstische Schatten auf den nach feuchtem Moos und aromatischen Kräutern duftenden Waldboden, neckt Erin und ihre blühende Fantasie, und leitet ihre suchenden Blicke fehl. Sie widersteht mit aller Macht dem Drang, sich einfach auf den weichen, im mystischen Licht der Dämmerung terrakottafarben schimmernden Boden zu setzen, die Knie an die noch knabenhaft flache Brust zu ziehen und zu warten, bis entweder die Dunkelheit oder Danny sie holt. Sie weiß, dass es dumm wäre, an diesem Ort zu hocken und zu warten, die Sträucher und Bäume machen ihn zu einem ausgezeichneten Versteck, aber sie will sich schließlich nicht verstecken, sie will gefunden werden. Also sucht sie nach einer Lichtung, oder zumindest nach einer überschaubareren Stelle inmitten des Gehölzes.
Auch wenn das Waldgebiet am Nordende Grahamvilles nur etwa zwei oder drei Hektar Gesamtfläche misst, wird Erin ohne Dannys Hilfe nicht wieder hier heraus finden. Sie ist doch kaum acht Jahre alt und ist um diese Uhrzeit immer schon daheim gewesen. Aber Danny hat sie heute in der Schule überredet, hat ihr gesagt, ihr etwas Tolles zeigen zu wollen. Und Danny ist ihr neuer Freund, ihr einziger Freund. Er wird sie doch nicht hierher gelockt haben, um sie dann allein zu lassen? Ist er auch nur so gemein und hinterhältig wie die anderen Kinder an der Junior High? Nein, Erin kann das nicht glauben, will das nicht glauben. Danny ist der Einzige, der nett zu ihr ist. Der sie nicht schikaniert, weil sie anders als die anderen ist. Der sich nichts daraus macht, dass er sie nur auf umständlichem Weg versteht. Und Erin weiß auch, warum das so ist. Weil Danny auch niemanden hat. Weil er auf seine eigene Weise so ist wie sie – ein Außenseiter. Als Erin ganz fest an ihn denkt und daran glaubt, dass er sie nicht im Stich lassen wird, dass er sie nicht fallen und allein lassen wird, durchquert sie das Dickicht und gelangt auf eine Lichtung, die von unzähligen Löwenzahnblumen übersät ist. Teils haben sie ihre sonnengelben Blüten verloren und gegen ein Schneeflockenkostüm ausgetauscht. Hier ist es noch hell, hierhin hat die Dämmerung ihren langen Arm noch nicht ausgestreckt, der Himmel hoch über ihr ist fast noch hellblau. Und nur wenige Meter von ihr entfernt steht Danny auf der Lichtung. Er hat ihr den Rücken zugekehrt, aber Erin erkennt ihn, erkennt die dunkelblonden, krausen Haare, die eigenwillige Körperhaltung, die dunkle, ihm ein wenig zu große Jacke, in die er laut Mommy noch hineinwachsen wird. Obwohl Erin ein Stein vom Herzen fällt, verlässt sie das Gefühl der Beklommenheit nicht. Eine Nervosität, die unter ihrer Haut prickelt wie ein Juckreiz, der nicht verschwinden will, so oft und so stark sie sich auch kratzt. Dabei weiß sie nicht, warum sie Angst hat, sie weiß doch, dass es Danny ist, dass es ihr Freund ist, dass er ihr nichts tun wird, dass er sie wegen ihrer Orientierungslosigkeit aufziehen und lachen wird, laut lachen wird, sodass es über die Lichtung und in die düstersten Winkel des Waldes hallt. Dennoch nähert sie sich ihm mit Bedacht, spürt, dass sich ihr Herzschlag nicht beruhigt, obwohl sie froh ist, dass sie Danny gefunden hat. Oder dass Danny sie gefunden hat?
Es tut nichts zur Sache, er ist da, und so geht sie in langsamen und vorsichtigen Schritten auf ihn zu. Danny wirkt mit jedem Schritt, den sie macht, größer, kräftiger. Wenngleich ihre Schuhe im hohen Gras verräterisch rascheln, wendet er sich nicht zu ihr um.
Es ist, als würde er sie nicht hören. Und er wächst, wächst, wächst mit jedem Meter, den sie sich ihm nähert, wächst so sehr, dass er in Erins Augen ein Riese ist, aber nicht der Danny, den sie kennt. Nein, das ist nicht der Danny, den sie kennt und den sie so sehr mag, den sie mehr mag als Mommy, den sie mehr mag als sonst irgendjemanden. Das ist jemand, der sich als Danny verkleidet, um sie anzulocken, das erkennt Erin in diesem Moment. Aber dann ist es schon zu spät. Sie weiß, dass er sie bereits bemerkt hat und dass sie zu nah an ihn herangetreten ist, um wegzulaufen. Der Schatten, den seine hoch gewachsene Gestalt wirft, hüllt sie gänzlich ein, und Erin wird kalt, so kalt, so unmenschlich kalt. So kalt, dass sie sich nicht von der Stelle rühren kann, dass sie wie zu Eis erstarrt dasteht und mit wachsendem Grauen mit ansehen muss, wie sich das Ding, das sich als Danny verkleidet hat, langsam zu ihr umdreht. Das, was Erin zuerst ins Auge sticht, ist dieses unglaublich verzerrte Grinsen, das unnatürlich rot über beide Wangen und fast bis zu seinen Ohren reicht. Erin sieht nicht Danny vor sich, sie sieht einen Clown, einen gefährlichen Clown, einen blutrünstigen Clown. Einen Clown, der sie nicht zum Lachen bringen würde, sondern nur zum Weinen, zum Weinen und zum Schreien. Und Erin schreit, schreit zum ersten und einzigen Mal in ihrem Leben, hört so etwas wie eine Stimme, die laut und heftig ihrer Kehle entweicht und über ihre Lippen kommt. So real das Gefühl, bei diesem Anblick zu schreien, die Angst und das Entsetzen hinauszuschreien, auch ist, so unwirklich ist der Klang ihres Schreis. Verzerrt, verschwommen, nicht zu ihr gehörend. Genau wie das Bild von Danny, dieses grässliche Grinsen, die dunklen Augen frei von jeglicher Emotion. Es ist nicht echt, nicht wahr, und doch fühlt sich die Furcht in ihr so lebendig, so intensiv an wie die Klinge des Messers, die er zückt und in sie stößt und schneidet, schneidet, schneidet...
***
Erin schrie, schrie aus Leibeskräften, aber im Gegensatz zu dem kleinen Mädchen im weißen Rüschenkleid, das auf der Lichtung stand und anstelle ihres besten Freundes eine Kreatur anblicken musste, die dem Schlund der Hölle entsprungen sein musste, entwich der erwachsenen jungen Frau kein einziger Laut. Sie brachte nur eines hervor und das war Stille, einzig begleitet von hektischen Atemzügen, die ihre Lunge an den Rand des Zusammenbruchs brachten. Zuerst sah Erin das Gesicht des Clowns, des Jokers über sich gebeugt, doch mit jedem panischen Blinzeln und Zusammenkrampfen ihrer Finger in eine ungewohnt weiche Unterlage, die Erin auf die Schnelle nicht zuordnen konnte, veränderte sich die Fratze, bis sie das ebenmäßige und alles andere als bedrohliche Gesicht einer jungen Frau über sich ausmachte. Sie trug einen dunkelgrünen, kurzärmeligen Overall, darunter einen weißen Rollkragenpullover, der fast bis zu ihrem spitzen Kinn hinaufreichte. Ihr dunkelbraunes Haar mit hellen Strähnen war zu einem Zopf zusammengebunden. Erin sah, wie sie ihre vollen Lippen bewegte, konnte aber nur Wortfetzen aufschnappen. „...mich hören? ...einschlafen...Sie bei mir!", Erin blinzelte mühsamer und die verschwommene Gestalt über ihr gewann an Konturen. „Können Sie mich hören?", wiederholte die Frau mit blauen Augen über Erin, worauf diese zögerlich nickte und den Kopf drehte. Erst jetzt erkannte sie das Sanitäterabzeichen, das auf den Overall der Frau aufgenäht war. Erin versuchte sich aufzurichten, aber ihre Schulter pochte rebellierend und ihr Kopf fühlte sich tonnenschwer an. Zudem hielt sie die Ärztin sanft aber bestimmend zurück. Erin realisierte, dass sie auf einer Trage, aber noch immer im Aufenthaltsraum von Le Gardien lag, dessen Halloweendekoration nun spottend auf die Szenerie des Grauens hinabblickte.
Über Erin schwebte noch der kleine orangefarbene Lampion in Kürbisform, einzelne Sandwiches mit Geisterkonturen lagen neben ihr auf dem Teppich verstreut, inmitten der durchsichtigen Glasscherben der zerbrochenen Schüssel. Etwa drei Meter links von ihr war der Teppich in einem mittelgroßen Kreis durchnässt und dunkel.
Das schwarze Loch, das kurzzeitig in Erins Gedächtnis geklafft hatte, füllte sich langsam mit Bildern. Rhonda hatte vor Angst auf den Teppich gemacht, als der Joker mit seinem grässlichen Folterinstrument auf sie zugekommen war. Dann hatte er sich Erin vorgeknöpft und sie hatte Angst gehabt, schreckliche Angst. Weil sie gesehen hatte, was er mit dem Hausmeister, mit Scott und Anna getan hatte. Und dann...bevor er ihr wehtun konnte, hatte sie zu ihrem eigenen Schutz die Hand gehoben. Erin riss die Augen auf, was ihr schmerzender Kopf mit einem lang anhaltenden Stechen kommentierte. „Ruhig, ganz ruhig...bitte regen Sie sich nicht auf", redete die Sanitäterin auf sie ein und machte sich daran, Erin eine Injektion zu verabreichen, was diese dadurch unterband, indem sie die linke Hand hob und der behandelnden Notärztin die Spritze aus der Hand schlug. „Was soll das? Es ist nur ein Schmerzmittel!", erklärte sie, aber Erin schüttelte den Kopf, biss die Zähne zusammen und erhob sich trotz heftiger Schmerzen in eine sitzende Position. „Sie müssen liegen bleiben, solange wir keine schwerwiegendere Kopfverletzung ausschließen können!", die Ärztin versuchte, Erin wieder auf die Liege zurückzudrängen, doch sie leistete vehementen Widerstand. „Seien Sie nicht albern...", begann die Frau, deren Namensschild nur ein S. Marshall verlesen ließ. Widerwillig schüttelte Erin den Kopf und rümpfte die Nase, ehe sie den Zeigefinger zweimal vor ihrer Nase hoch und runter bewegte. Damit sagte sie nichts anderes als dass ihr das Lachen und der Sinn zum Albernsein längst vergangen waren. Die Sanitäterin sah sie nur unverständlich an. Natürlich. Wer beherrschte schon Gebärdensprache? Das war schließlich kein Standardprogramm der medizinischen Ausbildung. Erin schob ihr Bein über die Kante der Liege und versuchte die Hände der Sanitäterin von sich zu schieben, als diese sie zurückzuhalten versuchte. „Seien Sie doch vernünftig...", forderte sie und ließ erst von Erin ab, als eine ihr vertraute Stimme sagte: „Lassen Sie sie, Miss...sie ist so vernünftig, wie sie gesprächig ist!" Erin drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und sah Matthew neben ihr stehen. Erfreut, ihn wohlauf zu sehen, überhaupt ein vertrautes Gesicht zu sehen, wollte Erin aufstehen, kam aber nicht weit, weil ihre Schulter streikte, als sie sich mit dem Arm abstützen wollte. „Nicht, bleib liegen, Erin!", Matthew war aschfahl, sodass das feuerrote Haar, das in seine Stirn fiel unecht wirkte. Er ging neben ihr in die Hocke und bedeutete der Sanitäterin, sie mit Erin kurz allein zu lassen.
Das gesamte Zimmer glich einem Schlachtfeld. Überall waren Tische umgeworfen und der Teppich war verschmiert mit den skurrilsten Flecken. Eine Lache aus dunklem Burgunderrot erstreckte sich von der Türschwelle fast bis zur Mitte des Raumes. Anna musste so stark geblutet haben, dass ihr Blut in Rinnsalen den halben Fußboden bedeckt hatten. An der Stelle, an der Scott zuletzt gesessen hatte, ehe die Welt um Erin herum schwarz geworden war, war ebenso eine Blutspur sichtbar. Jedoch verlief diese nicht in alle Richtungen, sondern beschränkte sich auf einen Radius von zwanzig Zentimetern. Erins Herz krampfte sich zusammen. Was war geschehen, nachdem sie ihr Bewusstsein verloren hatte? Hatten es Anna und Scott überstanden? Oder waren dem Joker noch mehr ihrer Freunde zum Opfer gefallen?
Im Zimmer waren Leute der Spurensicherung, die mit ihren Pinzetten und merkwürdigen Instrumenten Proben von den Teppichfasern kratzten, in der Hoffnung darauf, Hinweise auf den Täter zu finden. Hier und da fotografierte ein Mitarbeiter der Forensik Beweismittel und Tatortzustände, sodass das Blitzlicht wie grelles Wetterleuchten den Raum erfüllte und Erins Augen wehtat. Aber nirgends war eine Spur von Erins Kollegen oder den Kindern zu sehen, abgesehen von Matthew, der an ihrer Seite saß und selbst nicht mehr als ein Häufchen menschlichen Elends war. „Sie sollten sich im Gotham General Hospital untersuchen lassen, Miss...", redete Dr. Marshall, die zwar ihre Sachen nach und nach in ihrem Koffer verstaute, aber dennoch nicht von Erins Seite wich, während um sie herum die Spurensicherung unbeeindruckt ihrem Tagwerk nachging und Erin wie Luft behandelte. „Genau, ab mit ihr ins Gotham General genau wie mit allen anderen...damit er es wieder in die Luft sprengen kann!", Matt verdrehte die Augen und Erin legte die Hand auf seinen Unterarm. Dies war nicht der richtige Zeitpunkt für makabere Scherze. „Sir, ich verbitte mir derartige Andeutungen!", erwiderte die Sanitäterin grimmig, die sich mit etwas zu viel Schwung eine störendes Strähne hinter das Ohr streifte. „Ah, verstehe, Sie arbeiten wohl da", grinste Matthew. Erin war es ein Rätsel, wie er dazu fähig war, seine üblichen Scherze zu machen und so frech zu grinsen. Wahrscheinlich lag es daran, dass er nur einen Bruchteil des Grauens hatte mit ansehen müssen, oder es war nur seine Art, den Schock zu verkraften, der zumindest bei Erin tief saß. Die einen schwiegen und starrten apathisch vor sich hin, die anderen redeten am laufenden Band. Jeder reagierte anders auf Schmerz, und die Arten, mit ihm umzugehen, waren weitaus vielfältiger als man sich vorstellen konnte. Denn der Schmerz ist es, der uns das Leben würdigen lässt. Erin erschauderte bei der Erinnerung an die leisen, aber doch so bedeutungsschweren Worte, die der Joker gesprochen hatte, bevor er Annas Gesicht mit einer Seelenruhe entstellt hatte, die nur ein Psychopath an den Tag legen konnte. Mit seinem Kommentar schaffte es Matthew jedenfalls, die junge Ärztin zu vergraulen.
Sie packte ihre Tasche zusammen und verließ das Zimmer. Erin runzelte die Stirn und drehte beide zu Fäusten geballte Hände mit der Handfläche nach oben und dem ausgestrecktem Zeigefinger nach unten. „Was passiert ist, weiß ich nicht genau", bekannte Matthew mit nun sichtlicher Verlegenheit, „Ich bin mit Spencer in die Abstellkammer geflüchtet und hab von dort mit meinem Handy die Notrufnummer gewählt. Ich...ich...es tut mir leid, Erin. Ich hab mich feige versteckt, während du und die anderen...", er verstummte. Jede Form von Schalk war aus seinem Gesicht verschwunden. Auch wenn sein Gesicht noch immer Weiß wie ein Bettlaken war, blühten auf seinen Wangen zwei feuerrote Sonnen auf, die sich langsam ausbreiteten und mit der Farbe seiner Haare wetteiferten. Erin glaubte ihm, dass er sich schämte. Eine solche Schamesröte konnte man nicht spielen; zumindest traute Erin ihm das nicht zu. Sie schüttelte den Kopf und legte die Hand auf seinen Arm, wenngleich ihr diese kleine Geste Schmerzen bereitete, die in ihrem Schultergelenk entsprangen und sich bis zu ihrem Handgelenk erstreckten. Erin deutete zuerst auf ihren Kollegen, kreuzte dann beide Fäuste und zog sie anschließend in einer fließenden Bewegung auseinander, sodass die Handflächen auf Matthew deuteten. Zuletzt zeigte sie auf sich. Matthew schüttelte trübselig den Kopf: „Ich habe euch gerettet? Sag das nicht Scott...der würde mir eher eine verpassen, anstatt so etwas zu sagen." Erin schüttelte den Kopf. Hätte Matthew nicht die Polizei verständigt, hätte der Joker sein blutiges Werk mit Sicherheit gründlich vollendet und keinen von ihnen verschont. Bei der Nennung von Scotts Namen breitete sich ein mulmiges Gefühl in ihrem Magen aus. Ein unheilvolles, brennendes Prickeln. Sofort schoss die Erinnerung in ihr hoch, wie der Joker Scotts Arm zerschossen hatte ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Das Geräusch, das sein Schultergelenk von sich gab, als es wie eine Porzellanfigur zersprang, hallte in Erins Kopf wider und ließ Übelkeit in ihr hochsteigen.
„Erin, ist dir nicht gut? Du solltest dich doch untersuchen lassen...", sie schüttelte auf Matthews Einwand hin die Hand und deutete mit der linken Hand in den Raum, runzelte fragend die Stirn und schob den Zeigefinger hin und her, was fast den Eindruck erweckte, sie wolle Matthew tadeln. Der verstand es jedoch besser und kratzte sich langsam über die Wange, ehe er sich räusperte. „Anna und Scott sind...sind bereits im Krankenhaus. Sie mussten schleunigst behandelt werden. Anna hat schrecklich viel Blut verloren und Scott...", er schüttelte langsam den Kopf. Erins Herz zog sich schmerzhaft heftig zusammen. „Sein Arm...er...", Matthew schluckte, sodass sein Adamsapfel regelrecht auf und ab sprang. „Sie wissen nicht, ob sie seinen Arm retten können." Die stumme junge Frau sank in sich zusammen und legte die Hand über ihre Augen, atmete tief durch, um ihren rebellierenden Magen unter Kontrolle zu bekommen. Sie spürte Matthews Hand, die sich groß und warm um ihr Handgelenk legte, und hörte kurz darauf seine Stimme leise murmeln: „Erin, es tut mir leid! Für Turner kam jede Hilfe zu spät. Er war längst tot, als die Polizei eingetroffen ist." Sie zog langsam ihre Hand weg und deutete auf ihre feingliedrige Armbanduhr, die den Sturz nicht überstanden hatte. Die fragile Glasscheibe, die das Ziffernblatt schützte, war gesplittert, kein Zeiger regte sich darunter. „Es ist jetzt kurz vor Mitternacht. Du warst ziemlich lange weggetreten, aber die mussten erst noch einen zweiten Krankenwagen anfordern, und in der Zwischenzeit bist du wieder zu dir gekommen", erklärte Matthew und schaute überrascht auf, als Erin die wärmende Silberseite der Rettungsdecke von sich schob und sich auf ihre Füße zurückkämpfen wollte. „Hey...hey, du solltest nichts übereilen. Erin, wir sind in Sicherheit! Nell, Olivia und die Kinder werden psychologisch betreut. Pat gibt gerade ihre Aussage zu Protokoll..." Erin blieb sitzen und überlegte, was sie tun konnte und sollte. Sie war selbst zu verwirrt, um einen klaren Gedanken fassen zu können. Panik, Übelkeit und Tatendrang erfüllten sie abwechselnd.
Sie wollte etwas tun, wollte herausfinden, was Alex mit der Sache zu tun hatte. Und noch vielmehr wollte sie wissen, ob es wirklich Danny gewesen war, den sie in diesem grässlichen, vernarbten Gesicht zu sehen geglaubt hatte. Der Gedanke war schier unglaublich und wenn Erin ganz ehrlich zu sich selbst war, dann wusste sie, dass sie es lieber nicht glauben wollte. Ihr Danny konnte unmöglich dieses Monster sein, konnte nicht so viele Menschenleben auf dem Gewissen haben und so grausam sein. Nein, nicht ihr Danny. Und doch hatte er gestutzt, als er die Narbe entdeckt hatte, die sich nach über zwanzig Jahren recht deutlich ausgeprägt hatte und ihre Lebenslinie zu einem geschwungenen X kreuzte. Der Joker hatte davon abgesehen, Erin um ein Auge zu erleichtern. Nicht etwa aus Gnade oder einem plötzlichen Anfall von Mildtätigkeit, sondern weil er ganz einfach irritiert gewesen war. Für wenige Sekunden hatte unverhohlene Überraschung in seinen Zügen gelegen. Aber machte ihn das gleich zu Danny? Danny hatte schließlich keine so schrecklichen Narben im Gesicht gehabt, Danny...hatte eine ganz andere Mimik und Gestik an sich gehabt. Und doch...Erin entsann sich an jenen heißen Julitag, an dem sie von ihm Abschied genommen hatte.
An jenen Tag, an dem er ihr das Mal in die Handfläche geritzt hatte. Wie seine braunen Augen einen Tick dunkler zu werden schienen, als er mit der Klinge durch ihre empfindliche Haut schnitt, wie sie diesen abwesenden, beinahe faszinierten Ausdruck angenommen hatten. Erin erschauerte heftig bei der bloßen Erinnerung. Dennoch konnte sie nicht leugnen, dass sie in den Augen des Jokers fast denselben Ausdruck zu sehen geglaubt hatte, als er Anna zugerichtet hatte und letztlich auf sie mit dem Messer zugekommen war mit der festen Absicht, auch sie aufzuschneiden. „Erin, geht es dir gut?", hörte sie Matthews Stimme wie aus einer anderen, fernen Welt, und fühlte seine Hand auf der ihren. Als sie zu ihm aufschaute, fügte er erklärend hinzu: „Du zitterst." Die junge Frau, deren blondes Haar strähnig in das von Schock gezeichnete Gesicht fiel und nur noch lose von einem Zopf im Zaum gehalten wurde, befeuchtete ihre Lippen mit der Zunge und nickte, gab dann nur mit einer simplen Handbewegung vor, durstig zu sein. „Ich bringe dir ein Glas Wasser", versicherte ihr Matthew und erhob sich, ließ Erin für ein paar Minuten mit ihren wild in ihrem Kopf herumwirbelnden Gedanken allein. Nachdenklich drehte sie die rechte Hand und betrachtete die beängstigend gleichmäßige Narbe, die schräg über ihren Handballen verlief. Sacht ließ sie den Zeigefinger über das leicht erhabene und merkwürdig glatte Narbengewebe streichen und schüttelte langsam den Kopf. Wenn unter der verzerrten Fratze aus Schminke wirklich irgendwo Danny verborgen lag, dann war es nicht mehr der gleiche, den Erin als Kind gekannt hatte. Zwanzig Jahre waren eine lange Zeit, in der sowohl ihm als auch ihr viele Dinge widerfahren waren. Und manche Wunden heilte selbst die Zeit nicht. Er hatte sie nicht verschont, weil er sie erkannt hatte. Er hatte ihr nur einen Vorsprung gewährt, dessen Ausmaße er allein bestimmte. Erins Hand ballte sich langsam zur Faust, verbarg die millimeterbreite weiße Linie unter ihren Fingern, deren Kuppen weiß waren. Vielleicht tat sie gut daran, seinem Hinweis Folge zu leisten und eine weitere Begegnung mit ihm zu vermeiden. Das würde natürlich nur so lange gut gehen, bis ihm wieder in den Sinn kam, Le Gardien einen erneuten Besuch abzustatten. Erin hoffte inständig, dass er darauf verzichten würde. Aber die Chancen dafür standen erst dann günstiger, wenn Alex nicht mehr im Waisenhaus war, so viel war Erin jetzt schon klar geworden. Sie fasste einen Entschluss und hoffte, dass dieser Unterstützung finden würde.
***
Der Morgen des ersten November dämmerte grau und trüb heran. Zwar war all denen, die den Überfall des Jokers und seiner Meute mehr oder weniger wohl überstanden hatten, empfohlen worden, die Nacht außerhalb Le Gardiens zu verbringen, um wenigstens ein bisschen zur Ruhe zu kommen, aber da kein anderes Waisen- oder Krankenhaus genügend Plätze frei hatte, dass die Kinder sicher für die Nacht untergebracht werden konnten, beschlossen Nell, Patricia, Matthew und Erin einstimmig, mit den Kindern dazubleiben. Für eine Nacht konnte Commissioner Gordon genügend seiner Leute abkommandieren, die zum Schutz der Bewohner in und um Le Gardien postiert wurden. Olivia war die Einzige gewesen, die heftig widersprochen hatte. Nachdem sie von einem der Handlanger des Jokers niedergestreckt worden war und wegen des heftigen Aufpralls eine klaffende Wunde an der Stirn zurückbehalten hatte, die mit einem breiten Pflaster versiegelt worden war, wollte sie definitiv nicht mehr so schnell nach Le Gardien zurückkehren, geschweige denn dort übernachten.
Erin hatte Verständnis für diese Entscheidung, und wäre ihre Sorge um das Wohlbefinden der Kinder nicht größer gewesen als die um ihre eigene Sicherheit, hätte Erin wohl ähnlich gehandelt und sich wie Olivia ärztlich und psychologisch betreuen lassen. Aber diese Kinder hatten niemanden mehr, der sich um sie sorgte, weder Eltern noch anderweitige Verwandte, und wenn sie doch noch welche hatten, so hatten sie die Kinder verstoßen. Wenn jetzt auch noch Le Gardiens Kern in sich zusammenfiel, wären die Kinder schutzlos den Gezeiten ausgeliefert. Die Stimmung an diesem Morgen war verständlicherweise verhalten. Weder von Anna noch von Scott waren irgendwelche Berichte über deren Zustand nach Le Gardien durchgedrungen, der Großteil der Kinder, die alles mit eigenen Augen hatten mit ansehen müssen, war ein wandelndes Nervenbündel. Matthew und Erin hatten ihre liebe Mühe, immer wieder in Tränen ausbrechende Kinder wie Zachary oder Rhonda zu beruhigen und dahingehend zu versichern, dass sich der fleischgewordene Alptraum der letzten Nacht nicht noch einmal wiederholen würde. Erin hoffte, dass sie die Kinder damit nicht belog. Was Le Gardien nach der Halloweennacht brauchen würde, war ein hauseigener Psychologe. Kaum jemand bekam einen Bissen beim Frühstück herunter. Wenn gesprochen wurde, dann nur in sehr leisen Tönen, was mehr als ungewöhnlich war für einen relativ großen Raum voller Kinder. Die bedrückende Stille ließ Erins Herz schwer werden. Für sie war es schon schlimm genug, keine eigene Stimme zu besitzen, aber all jene verstummen zu sehen, die sonst so unerschütterlich durcheinander schnatterten, ganz gleich wie viele Steine ihnen schon so früh in den Weg gelegt worden waren, tat weh. Erin gab ohne viel Begeisterung ein wenig Milch in ihren Tee und sah dabei zu, wie die weiße Flüssigkeit träge in den Tee sank, um sich in kleinen quellenden Wölkchen mit diesem zu verbinden.
„Wir müssen uns wirklich gut überlegen, wie es mit Le Gardien weitergehen soll...seinem Namen macht es in letzter Zeit nicht gerade Ehre", begann Patricia zu sprechen. Sie saß mit Erin und Matthew an einem Tisch und rührte ihren Kaffee gedankenverloren um. Das Klirren des Löffels am Tassenrand dröhnte regelrecht in Erins schmerzendem Kopf. Nell versorgte gerade die Leute von Commissioner Gordon mit einem üppigen Frühstück und starkem Kaffee, ging von einem Tisch zum anderen und schien gar nicht erst den Wunsch zu verspüren, sich hinzusetzen und selbst etwas zu sich zu nehmen.
„Ich verstehe nicht, wie das passieren konnte. Was kann Le Gardien beherbergen, was von Interesse für einen Verbrecher wie den Joker sein könnte?", fragte Matthew und flüsterte fast nur noch den Deckmantel des kaltblütigen Monsters, das nichts als Verwüstung, Angst und Schmerz hinterlassen hatte. Erin verzog den Mund zu einer Grimasse, die an einem guten Tag vielleicht ein schiefes Lächeln hätte werden können. Hatte Matthew ihr am Montag vor Halloween nicht noch gut zugesprochen, dass Le Gardien einer der sichersten Orte ganz Gothams war und sie viel zu uninteressant für die wirklich großen Fische von Gothams Unterwelt wären? Der Nachgeschmack dieses Irrtums lag nun schal und bitter in Erins trockenem Mund. „Er hat darauf bestanden, Alex zu sehen...", begann Patricia leise und schaute besorgt in die Richtung des kleinen Jungen, der zwar mit vielen anderen Kindern an einem Tisch saß, aber dennoch nicht dazugehören wollte. Ausdruckslos starrte er auf seinen Teller, auf dem er lustlos mit der Gabel Reste seines Rühreis zusammen schob. Ihn schienen die vorherrschende Hysterie und die spürbaren Folgen des allgemein vorherrschenden Entsetzens nicht im Geringsten zu interessieren. „Alex?", wiederholte Matthew verwirrt und schaute ebenfalls auf den Jungen. Erin dachte an das Stück Papier in ihrer Hosentasche und erschauerte. Die Chance, dass es ein Zufall gewesen war, dass sie das Bild des Jokers bei Alex gefunden hatte und er gestern ausdrücklich nach ihm verlangt hatte, war zu klein, um wirklich ernsthaft in Betracht gezogen zu werden. Erin ahnte, dass Le Gardien nicht ganz unbeobachtet war und vielleicht der eine oder andere Hinweis auf Alex und dessen nicht unbeachtliches Erbe die Tore des Waisenhauses durchdrungen hatte.
„Ja...wenngleich ich nicht ganz verstehe, wie er auf ihn aufmerksam werden konnte. Das Einzige, das für ihn von Interesse sein könnte, wäre Alex' Milliardenerbe, aber davon wissen nur die Nachlassverwalter drüben in Chicago, Alex und die Mitarbeiter von Le Gardien. Es ist nicht allen bekannt, dass er der alleinige Erbe ist." Patricia sah grimmig drein und strich sich unruhig durch die dichten, leicht graumelierten Locken. „Du glaubst doch nicht, dass einer von uns...?", begann Matthew und verstummte, als Patricia ihn vielsagend anschaute.
„Ich glaube nur Eines – und zwar, dass die nicht korrupten Seelen in Gotham City rar gesät sind." Darauf wusste selbst Matthew nichts zu erwidern. Erin rieb sich massierend mit den Fingern über die Schläfen. Sie war müde, obgleich sie zu ihrer eigenen Überraschung einigermaßen geschlafen hatte. Dennoch war die Nachtruhe alles andere als erholsam gewesen. „Die Hauptsache ist jetzt allerdings, dass die Kinder in Sicherheit sind und das soll auch so bleiben. Das Wohl der Kinder hat absolute Priorität." Matthew knetete nervös seine Hände, die auf der blank polierten Tischplatte lagen. „Die Frage ist nur, ob wir sie in Le Gardien wirklich beschützen können...der Commissioner kann seine Einheit nicht ewig hier behalten...", warf Matthew nachdenklich ein. Patricia nickte, und Erin entging nicht, dass Pat ihn aus ihren Augenwinkeln einige Sekunden länger betrachtete. „Hilfst du Nell bitte kurz, Matt? Ich hab es nicht gern, wenn sie sich in ihrem Zustand übernimmt", bat Le Gardiens Direktorin ihren Mitarbeiter, der sich nach kurzem Zögern und einem Blick auf Erin erhob. Wahrscheinlich hatte er eher erwartet, dass Patricia Erin auffordern würde, Nell zur Hand zu gehen. Als er außer Hörweite war, nahm Pat einen Schluck von ihrem Kaffee und murmelte: „Erin?" Sie schaute zu ihrer Vorgesetzten und gleichzeitig Vertrauten auf und sah ihr an, dass sie den leisen Tonfall ihrer Stimme absichtlich gewählt hatte. Sie wollte vermeiden, dass Matthew sie hörte, auch wenn sie das nicht explizit äußerte. „Ich möchte, dass du weißt, dass ich dir vertraue. Mehr als sonst jemandem in Le Gardien und das soll etwas heißen, da du unser jüngster Zugang bist...", begann sie und Erin fühlte ein unangenehmes Ziehen in ihrem Magen. Hatte sie so viel Vertrauen verdient, wenn sie nur Nell von dem gefundenen Bild in Kenntnis gesetzt hatte aus Angst, von den anderen für einen albernen Angsthasen gehalten zu werden? Hätten sie es wohlmöglich doch als Warnung und nicht als üblen Streich empfunden und die Ereignisse der vergangenen Nacht verhindern können?
Erin war klar, dass Spekulationen dieser Art zu nichts führten, aber ihr nagendes schlechtes Gewissen war nichtsdestotrotz der Meinung, die Angemessenheit von Patricias Vertrauen in Frage stellen zu müssen. „Was ich dir damit sagen will, Erin, ist Folgendes: In unseren Reihen gibt es Lücken, durch die wichtige Informationen nach draußen sickern. Ich möchte dich daher bitten, Augen und Ohren offen zu halten, wenn du Wind davon bekommen solltest, dass hier jemand falsch spielt." Erin wusste nicht, ob es Pat mit Absicht tat, aber ihr Blick glitt kurzzeitig zu Matthew, der Nell dabei half, die Tische zu reinigen. „Ich bin die Letzte, die irgendetwas gegen gute Laune hat...", fuhr Pat leise fort und leerte die Kaffeetasse mit einem großen Zug, „...aber Matthews Frohsinn will mir nicht ganz geheuer sein", gestand sie und als hätte er ihre Worte gehört, lachte er auf eine Bemerkung eines Polizeibeamten hin laut auf. Die stumme junge Frau runzelte leicht die Stirn. Sicher, Matthew war eine Frohnatur, aber Erin war der Meinung, dass ihm sein Humor auch dabei half, schlimme und traumatische Ereignisse leichter zu verdauen, so herz- und taktlos es auf andere auch wirken mochte. Trotzdem versuchte Erin diesen Standpunkt Pat nicht zu erklären. Als Direktorin trug sie eine unglaubliche Verantwortung auf ihren schmalen Schultern und Erin fragte sich, ob sie alldem gewachsen war. Das Telefon klingelte seit zwei Stunden unermüdlich, weil sich die Presse und das Fernsehen darum rissen, ein Statement vonseiten der jüngsten Opfer des Jokers zu erhalten. Es war, als taten sie sich an dem gütlich, was den Kindern und ihren Erziehern widerfahren war. So sehr der Ausbruch des Jokers auch Panik und Entsetzen schürte, so sehr ließ er auch die Geldbeutel der Schmierblattredaktionen klingeln. Skandale, Angst und Grauen verkauften sich besser als Artikel über die neuen Kandidaten, die für das Amt des Bürgermeisters in den Wahlkampf eintraten. Es durfte im Interesse vieler sein, den Joker auf freiem Fuß zu sehen, auch wenn sich niemand derartiges eingestehen würde. Bisher hatte Patricia sämtliche Anrufer abblocken können, zuletzt hatte sie keinen der Anrufe mehr beantwortet. Ihre Anspannung war ihr deutlich anzusehen.
Erin zog ihren Schreibblock heran. Einerseits, weil es mühselig war, Pat gegenüber alles über Gebärdensprache zu erklären, andererseits, weil sie nicht wollte, dass sie jemand verstehen konnte, der imstande war, ihre Gebärden zu lesen. Zögerlich, doch mit von Sekunde zu Sekunde wachsender Sicherheit schrieb sie ihre Gedanken an Patricia nieder. „Ganz gleich, ob hier jemand falsch spielt oder nicht; die anderen Kinder sind hier nur sicher, wenn Alex nicht länger in Le Gardien ist", sie schob den Block zu Pat, die ihre Nachricht eindringlich studierte. „Was schlägst du vor?" Erin befeuchtete ihre raue Unterlippe mit der Zunge und erstarrte inmitten dieser Geste, weil sie sie an den Joker erinnerte, der immer wieder hektisch mit der Zunge über die geschminkten Lippen gefahren war wie ein Raubtier, das seine Beute im Visier hatte und diese sich schon gedanklich schmecken ließ. Sie strich sich eine blonde Strähne aus der Stirn, hinter der unablässig ein gleichmäßiger Kopfschmerz pochte. Wahrscheinlich hatte sie sich durch den Sturz eine Gehirnerschütterung zugezogen, doch Erin war stur und hasste Ärzte. Lieber ertrug sie Schmerzen als sich untersuchen zu lassen. Wie gut, dass sie im Vergleich zu Scott und Anna nahezu ungeschoren davongekommen war.
Sie drehte den Block wieder zu sich und schrieb mit dem Kugelschreiber darauf, dessen Mine dann und wann aussetzte und farblos über das Papier kratzte. „Wir sollten uns mit diesem Commissioner Gordon absprechen, ihn darauf aufmerksam machen, dass Der Joker etwas von Alex will. Vielleicht kann er in eine Art Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden, vielleicht weiß er mehr und kann der Polizei weiterhelfen.", Erin bezweifelte zwar, dass Alex mit der Sprache herausrücken würde, wenn er etwas wusste, aber Erin erschien dies die einzig vernünftige und sicherste Lösung für alle Beteiligten zu sein. Sie betrachtete ihre Nachricht, ihre kühlen Augen verharrten kurz auf dem großen D, das Erin fast gedankenlos als Danny niedergeschrieben hätte, ehe sie sich rechtzeitig besinnen und einen harmlosen Artikel daraus schreiben konnte. Sie wusste doch noch nicht einmal, ob es wirklich Danny war, der sich hinter Mord, Verwüstung und Chaos verbarg. Ihr Verstand leugnete es vehement, wohingegen ihr Herz mit intuitiver Überzeugung dagegenhielt und sich sicher war, dass es Dannys dunkle Augen gewesen waren, in die sie gestern in purer Todesangst geblickt hatte.
„Du meinst, wir können ihnen vertrauen?", flüsterte Pat und holte Erin mit ihren Worten aus ihrer tiefen Versunkenheit. Der Blondschopf legte verwundert den Kopf schief. Wusste Pat mehr von einem angeblichen Verräter in den eigenen Reihen als sie zuzugeben bereit war? Und war ihr Vertrauen derart tief erschüttert worden, dass sie sich nicht einmal auf die Polizei verlassen wollte? „Wem sonst?", schrieb Erin auf den Block und sah halb verwundert, halb amüsiert, wie Pats Wangen von einer leichten Röte ergriffen wurden. Als sie nicht sofort antwortete, legte Erin die Stirn in Falten, formte mit dem Mund ein O und rieb Zeigefinger und Daumen aneinander. „Ach, er wird sowieso wesentlich mehr zu tun haben als sich um Le Gardien zu kümmern...allerdings war er immer dort, wo der Joker sein Unwesen trieb", sinnierte Pat immer noch vor sich hin, ohne dass Erin wusste, von wem die Rede war. Sie wiederholte irritiert ihre Geste. Wer? Wen meinte Pat?
„Vergiss wieder, was ich sagte", winkte Pat ab, aber Erin ließ sich nicht so leicht abwimmeln. Ein fordernder Blick aus graublauen Augen ließ Patricia leise seufzen und dann leise murmeln: „Du wirst wahrscheinlich lachen...", begann sie und Erin hob die Braue und entrang sich ein schiefes Lächeln. Selbst wenn sie eine Stimme zum Lachen gehabt hätte, wäre es ihr nach den Ereignissen der letzten Nacht im Halse stecken geblieben. „Aber ich meine...ich meine diesen...diesen Batman." Darauf war Erin nun wirklich nicht vorbereitet gewesen. Ihr Gesicht schien genau das auszudrücken, denn Patricia räusperte sich verlegen und legte die Hand auf Erins, drückte sie sacht und fügte hinzu: „Aber da er polizeilich gesucht wird, ist er wohl nicht die beste Adresse, an die man sich wenden könnte", dachte sie laut nach. Erin tat das, was sie von Natur aus am besten beherrschte – sie schwieg. Patricia griff ganz offensichtlich nach einem Strohhalm in ihrer wachsenden Unsicherheit. Dabei war es gerade jetzt wichtig, dass sie die Nerven behielt und sich nicht auf jemanden verließ, von dem man nicht genau sagen konnte, auf welcher Seite er stand. Erin hatte der menschlichen Fledermaus noch nie gegenübergestanden, genauso wenig konnte sie einschätzen, ob die Ermittlungen, die gegen ihn liefen, berechtigt waren oder nicht.
„Es bestand einmal das Gerücht, dass Gordon mit Batman zusammengearbeitet hat, aber das war, bevor ihm Morde an fünf Menschen zur Last gelegt worden sind...", fuhr Pat in nachdenklichem Tonfall fort. Wie schön! Um einem verrückten Mörder das Handwerk zu legen, sollten sie sich an einen anderen möglichen Verbrecher wenden? Um Gotham City schien es noch schlechter bestellt zu sein als Erin vermutet hatte. Sie tastete nach dem Block und fügte eine weitere Notiz hinzu, die das Blatt füllte: „Fragen wir Gordon, ohne die Fledermaus zu erwähnen. So bringen wir uns nicht zusätzlich in Schwierigkeiten." Falls Gordon immer noch Kontakt zu Batman pflegte, würde er dies bestimmt nicht bei der nächstbesten Gelegenheit kundtun.
Patricia nickte zögerlich und rieb sich müde über den Nasenrücken. Es war ihr anzusehen, dass sie genauso wenig geschlafen hatte wie Erin. Vielleicht lag es an ihrer Übermüdung und dem tief sitzenden Schock, dass sie allen Ernstes in Betracht gezogen hatte, sich hilfesuchend an den Rächer der Stadt zu wenden. Erin hielt diesen Schachzug für äußerst unvorsichtig. Wenn Pat schon ihren eigenen Leuten misstraute, wieso hielt sie dann so große Stücke auf ein Phantom? „Ich werde mit dem Commissioner heute telefonieren. Aber er hat ohnehin angekündigt, heute noch einmal vorbeizukommen. Er würde gern noch einige Fragen stellen. Vielleicht stehst du ihm dann auch zur Verfügung?" Es war vielmehr eine Feststellung als eine Frage, sodass Erin nicht wirklich die Option hatte, sich gegen eine Zeugenaussage zu entscheiden. Obschon sie sich nicht sicher war, ob es richtig war, Gordon und seinen Leuten die wahre Identität des Jokers nicht anzuvertrauen, entschied sie sich dafür. Solange sie selbst nicht zu einhundert Prozent sicher sein konnte, dass es wirklich Danny war, dem sie gestern auf eine so ungewöhnliche wie ungeheuerliche Weise begegnet war, wagte sie es nicht, irgendjemanden von dem Umstand in Kenntnis zu setzen, dass sie möglicherweise in Verbindung mit diesem Monster stand, dass nach Lust und Laune ein Blutbad nach dem anderen anrichtete. „Erin?" Die blonde Frau schaute bei der Nennung ihres Namens auf und blickte in ein besorgtes Augenpaar, das Patricia gehörte. „Du siehst nicht gut aus. Vielleicht solltest du dich wirklich besser im Krankenhaus durchchecken lassen." Erin wusste, dass Patricias Vorschlag vernünftig war, aber wenn auch sie wegen ein paar Kopfschmerzen schwächelte, standen Pat, Nell und Matthew alleine da. Ihres Wissens nach hatten die Polizeibeamten von Gotham City noch keine Zusatzqualifikation als Babysitter vorzuweisen.
„Darf ich ehrlich zu dir sein?", fragte sie leise und Erin legte den Kopf schief, ehe sie nickte. „Ich hab geglaubt, er würde dir...na ja...das gleiche antun wie Anna", murmelte Pat und strich sich dann mit ihren Händen über ihr Gesicht, „Entschuldige. Oh Gott, ich weiß schon gar nicht mehr, was ich hier sage...es tut mir leid...", sie griff nach Erins Hand und drückte sie fest, und um ihr zu zeigen, dass ihre Bemerkung nur halb so schlimm war, erwiderte Erin den Druck und entrang sich ein schmales Lächeln. Dass die Nerven bei Patricia blank lagen, war offensichtlich und wenn Erin ehrlich zu sich selbst war, war sie auch der Überzeugung gewesen, die vergangene Nacht nicht zu überleben, oder zumindest nicht heil zu überstehen. Nicht, als er auf sie zugekommen und sie gepackt hatte. Dieser starke Griff. Erin war so als fühlte sie noch immer diese bohrenden Finger um ihr Kinn, das kalte Leder seiner Handschuhe auf ihrer Wange. Sie hatte es dem glücklichen Umstand des Eintreffens der Polizei zu verdanken gehabt, dass der Joker von ihr abgelassen hatte. So gern sie sich auch einreden wollte, dass er sie aufgrund dessen, sie erkannt zu haben, verschont hatte – so wenig glaubte sie daran. Sie ahnte, dass es nicht nur leichtfertig, sondern auch sehr gefährlich sein konnte, wenn sie sich dieser Illusion hingab. Auch wenn es wirklich Danny war, so war er es gleichzeitig nicht. Zumindest nicht der Danny, den Erin gekannt hatte und der ihr so vertraut gewesen war. Erin war völlig verunsichert und verwirrt.
Es war schlimm genug, einer so schrecklichen Tat beiwohnen und beinahe selbst zum Opfer fallen zu müssen, aber der Gedanke, dass es sich dabei um jemanden handelte, der einmal der eigene beste Freund gewesen war, war nicht nur entsetzlich, sondern zutiefst verletzend. Erin blieb noch die Option, sich möglicherweise geirrt zu haben, aber ihr Herz flüsterte ihr zu, dass dem nicht so war. „Ich setze mich gleich mit Commissioner Gordon in Verbindung. Behalte bitte für dich, was wir abgesprochen haben. Sag nicht einmal Nell Bescheid, hörst du? Selbst wenn es dir schwerfällt, aber ich möchte nicht riskieren, dass den Kindern noch einmal etwas zustößt." Erin war froh, dass sie so schnell nichts unüberlegt äußern konnte, sonst wäre ihr womöglich noch die Bemerkung über die Lippen gekommen, dass den Kindern noch gar nichts weiter geschehen war. Selbst wenn Alex irgendwo unterkommen könnte, war Le Gardien längst nicht aus der Schusslinie. Erin schwante, dass die Nacht der Geister nur den ersten Akt eines langen Theaterstücks markierte, dessen Rollen noch nicht gänzlich vergeben worden waren. Was sie mit Sicherheit wusste, war, dass es keine Komödie werden würde.
***
Commissioner Gordon nahm seinen mittlerweile sechsten Kaffeebecher aus dem Kunststoffgetränkehalter seines Fords, fluchte leise in seinen dünnen Bart, als sich der weiße Plastikdeckel löste und das noch dampfend heiße Getränk über den Rand und auf seine Hand schwappte, und richtete anschließend seine Hornbrille. Er seufzte, öffnete die Autotür und strich sich durch das leicht ergraute Haar. In den letzten sechzehn Stunden hatten sich einige neue graue Strähnen dazugesellt. Mit einem dumpfen Knall fiel die Autotür zu, und ließ einige Stare, die es noch nicht in wärmere Gefilde verschlagen hatte, verschreckt aus einer nahestehenden, beinahe kahlen Esche auffliegen. Ihr dunkles, vereinzelt weiß geflecktes Gefieder, das im Kehlbereich in ein schimmerndes Violett überging, warf hektische Schatten an die Außenfassade Le Gardiens, während sie sich in den grauen Herbsthimmel erhoben. Laub lag in knöchelhohen Schichten feucht und modrig-süßlich duftend auf dem Vorplatz. Verständlich, dass das Personal des Waisenhauses vorläufig andere Sorgen hatte, als die gefallenen Blätter zusammenzuharken. Insbesondere deswegen, weil die dafür verantwortliche Person in der Leichenhalle des Gotham City General lag. Jim Gordon nahm einen Schluck von dem eher fade schmeckenden Kaffee und stellte einmal mehr an diesem Tag fest, dass ‚Kerby's Donuts and Coffee' auf der 230ten Straße schon einmal hochwertigere Produkte verkauft hatte. Nicht einmal Gothams Kaffee war noch das, was er mal war. Gordon sah sich sorgfältig um, während er die schmalen Stufen, die zum Haupteingang hinaufführten, erklomm. Ein verschnörkeltes, aber glanzloses schwarzes Geländer umrahmte die Treppe aus altem Sandstein, der schon zu großen Teilen der Witterung zum Opfer gefallen war. Die Kollegen aus der Forensik hatten angefangen beim Treppenaufgang bis hin zu den betroffenen Räumlichkeiten im Waisenhaus alles akribisch auf Spuren und DNA-Rückstände untersucht. Fehlanzeige. Bis auf vereinzelte Haare, die einem aktenkundigen Kleinkriminellen zuzuweisen waren, den der Joker als Komplizen angeheuert hatte, war nichts gefunden worden, was bei den Ermittlungen hätte weiterhelfen können oder eine verfolgbare Spur des Jokers aufgezeigt hätte. Und Jim Gordon wusste genauso gut wie der Rest seiner Abteilung, dass der Joker seine Handlanger wechselte wie andere Leute ihre Unterwäsche. Wie er sich ihrer Unterstützung entledigte, war nicht hinlänglich bekannt, jedoch lag die Vermutung nahe, dass einige jener Leichen, die aus dem Sprang River im nördlichen Teil der Stadt gefischt worden waren, ehemalige Gefolgsleute des Jokers gewesen waren, deren Anwesenheit er offensichtlich überdrüssig geworden war.
Seufzend steckte er die Hände in die Hosentaschen, nachdem er den Klingelknopf zweimal kurz hintereinander betätigt hatte. Sein graublauer Anzug hätte eine Wäsche gut vertragen können, aber er war seit den Nachrichten aus Le Gardien nicht mehr zu Hause gewesen. Wenn der Joker eines gut verstand, dann war es, Menschen in Panik zu versetzen. Auf dem Revier hatte das Telefon überhaupt nicht mehr stillgestanden und der Bürgermeister hing ihm permanent im Nacken, weil er forderte, auf dem neuesten Stand der Untersuchungen zu bleiben. Gordon wusste es beinahe mit Gelassenheit zu nehmen, dass er dem Oberhaupt der Stadt kaum wirklich verwertbare Neuigkeiten reichen konnte. Zeugenaussagen waren auch nicht so reich gesät, als dass er Hinweise auf den Joker hätte sammeln können.
Der Joker. Der verdammte, gottlose Joker. Hatte Jim wirklich gehofft, dass er in Arkham endgültig hinter Schloss und Riegel bleiben würde? Gerissen wie er war, war es im Grunde nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Joker ein Schlupfloch nach draußen gefunden hatte. Trotzdem hätte Gordon nicht damit gerechnet, dass es so schnell geschehen würde. Und auf so brutale Art und Weise. Als sich die Tür vor ihm öffnete, wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Es war Jack Treather, einer seiner Leute, der ihm zaghaft die Tür öffnete. Hinter ihm standen Burbank und Withers, die ihm Rückendeckung bei einem möglichen Überfall boten. Gordon hielt es zwar für nicht sehr verführerisch für einen Verbrecher vom Kaliber des Jokers, am helllichten Tag an den Ort des erst gestern verübten Verbrechens zurückzukehren – erstrecht nicht, wenn er von zwei Streifenwagen umstellt war – aber Vorsicht war bekanntlich die Mutter der Porzellankiste. „Ah, Commissioner...", begrüßte ihn Treather mit unverhohlener Erleichterung. Seine Leute mochten alle eine komplexe Ausbildung an der Waffe und mehrere Dienstjahre absolviert haben, aber Gordon verübelte es keinem dieser Jungspunde, wenn ihnen beim bloßen Gedanken an den Joker die Knie schlotterten. Schließlich waren sie ihm allesamt noch nicht begegnet. Treather und Burbank waren noch auf der Polizeiakademie gewesen, als der Joker vor knapp einem Jahr dingfest gemacht werden konnte, und Withers hatte sich erst vor drei Monaten nach Gotham City versetzen lassen.
Der Ehrgeiz und der Drang nach Gerechtigkeit trieben den 25-jährigen an, seinen Dienst in Gotham abzuleisten. Gordon hoffte, dass ihn sein Übermut nicht zu Fall bringen würde wie es vielen guten Cops passiert war. „Alles in Ordnung, Officer?", fragte er als er sich an seinen jungen Kollegen vorbei schob, Treather die Türklinke aus der Hand nahm und sie scheppernd hinter sich ins Schloss fallen ließ. „Keine weiteren Vorkommnisse", dokumentierte der junge Mann, der Gordon um fast einen ganzen Kopf überragte. Seine dunkelbraunen kurzen Haare kräuselten sich zu kleinen Locken, die grün-grauen Augen drückten Entschlossenheit aus, die sich auf seine übrigen, recht harten Gesichtszüge übertrug. Gordon klopfte ihm auf die Schulter und ermutigte die Beamten, die Stellung zu halten, während er durch das Foyer schritt, das noch vor wenigen Stunden mit kleinen gelben Nummernschildchen der Forensiker übersät gewesen war. Eine Frau mittleren Alters war gerade damit beschäftigt, die Polizeimarkierungen der Position von Turners Leiche zu entfernen. Gordon grüßte sie mit einem leichten Nicken und erklomm die breite Treppe. Obgleich die Vorhalle voll beleuchtet und es erst Nachmittag war, hing eine nicht greifbare Düsternis über den alten Möbeln, die durch die bedrückende Stille genährt wurde, die das Foyer des Waisenhauses geisterhaft erscheinen ließ. Gordon sah auf dem Weg zum Büro der Direktorin mehr Polizeibeamte als Kinder. Viele hatten sich in ihre Unterkünfte zurückgezogen oder befanden sich noch in psychologischer Betreuung. Kaum hatte der Commissioner die erste Etage erreicht, begegnete ihm eine recht große schlanke Frau, deren graumelierte Locken über ihre schmalen Schultern fielen. Sie war adrett in ein schwarzes Kostüm gekleidet. Darunter trug sie eine dunkelblaue Bluse. Trotz ihrer souveränen Erscheinung wirkte sie abgespannt und erschöpft, wie eine Frau, der eine Aufgabe erteilt worden war, die mehrere Nummern zu groß für sie war. „Direktorin Bennet", begrüßte er sie freundlich, worauf sie stehen blieb und lächelte. Es war ein Höflichkeitslächeln, das nur ihre Lippen, nicht aber ihre Augen ausfüllte. „Commissioner! Schön, dass Sie da sind", sie schüttelte seine Hand und er war überrascht von ihrem festen Händedruck. „Ich wünschte, es gäbe einen anderen Anlass für meinen Besuch, Direktorin", äußerte er sein aufrichtiges Bedauern. Es war schon schlimm genug, was Polizisten tagein tagaus alles erblicken mussten, für Zivilisten jedoch, noch dazu für Betreuer von Waisenkindern, war etwas so Schreckliches wie der Auftritt des Jokers in der letzten Nacht schlicht und ergreifend unzumutbar. Wieder entrang sie sich ein vorsichtiges Lächeln, ehe sie leise vorschlug: „Bitte folgen Sie mir in mein Büro."
Gordon nickte und folgte ihr, kam sich dabei reichlich ungelenk vor mit dem Kaffeebecher in seiner Hand. Das Büro war geschmackvoll eingerichtet. Eine in blassem Lindgrün gehaltene Wand wölbte sich zu einem großen Erkerfenster, vor dem blattgrüne Vorhänge hingen. Regale flankierten das Fenster zu beiden Seiten und schienen keinen Platz mehr für weitere Bücher zu beherbergen. Jedenfalls stapelten sich einige Bücherrücken auf den im Regal platzierten Wälzern. Gordons erstaunter Blick wurde abgelenkt, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Links von ihm stand ein etwas durchgesessenes Sofa, auf dem penibel geordnete Kissen lagen. Eine junge Frau hatte sich eben davon erhoben. Sie trug schlichte Jeans und eine rote Bluse, das blonde lange Haar wurde mit einer schwarzen Spange zusammengehalten. Über ihren Nasenrücken klebte ein schmales weißes Pflaster, die Stelle darunter war leicht violett unterlaufen. „Oh...hallo...", begann er und drehte sich zu der Direktorin um, die die Tür hinter ihm schloss. „Ich dachte, es handle sich um ein Gespräch unter vier Augen?", fragte er und stemmte die Hände in die Seiten, streckte dann die linke Hand aus und spreizte die Finger ab, ehe er an die andere Frau gewandt versicherte: „Ist nicht persönlich gemeint." Er wandte sich wieder an die Direktorin, die warm lächelte und ihm versicherte: „Das ist meine Mitarbeiterin Erin Porter. Ich vertraue ihr in dieser Sache." Gordon wandte sich wieder zu der jüngeren Frau um und schüttelte ihre Hand. „Sehr erfreut", fügte er hinzu und zog zögerlich die Hand zurück, als sie die Zeigefinger beider Hände auf ihn richtete und die Hände in einer fließenden Bewegung zusammenführte. Irritiert drehte sich der Commissioner zu Mrs. Bennet um, die indes ihren Schreibtisch umkreist und sich mit dem Rücken zum Fenster hingesetzt hatte.
„Erin ist ohne Stimmbänder geboren worden. Sie kann nicht sprechen, aber das schränkt sie in keiner Weise ein." Gordons Blick verharrte etwas zu lang auf der blonden Frau, ehe er nickte: „Gut, wenn Sie sie dabei haben möchten..." Gordon setzte sich auf den einzelnen Stuhl gegenüber dem Schreibtisch und schlug die Beine übereinander. Die Frau, die die Direktorin als Erin vorgestellt hatte, setzte sich wieder auf das Sofa und strich sich nervös über die Arme so als würde sie frieren. „Erin und ich haben bereits vertraut darüber gesprochen, aber wir wollten uns an Sie wenden, weil wir sonst nicht wissen, wer uns helfen könnte." Gordon linste zu Erin, die leicht nickte. „Wobei glauben Sie denn, dass ich Ihnen helfen könnte? Noch mehr Leute kann ich beileibe nicht entbehren, vor allen Dingen nicht, seit der Joker auf freiem Fuß ist." Bei der Nennung des Jokers war den beiden Frauen eine deutliche Beunruhigung anzusehen. „Darum geht es nicht. Das heißt...nicht direkt...", sagte die Direktorin und nickte Erin zu, die daraufhin einen großen Zettel auseinanderfaltete, sich erhob, und ihn dem Commissioner reichte. Er nahm den Zettel entgegen und las die darauf handschriftlich verfasste Nachricht. Ab und an entwich ihm ein leises Räuspern und zweimal richtete er die Hornbrille. „Weiß Alex Randall davon, dass der Joker nach ihm gesucht hat?" Gordon beobachtete aufmerksam, wie Erin und die Direktorin einen unsicheren Blick wechselten. „Das können wir nicht genau sagen. Alex ist ein sehr...sonderbarer Junge. Nicht gerade redselig. Aber wir wüssten auch nicht, was er mit dem Joker zu tun haben sollte. Er ist ein kleiner Junge, der sehr daran zu nagen hat, dass seine Eltern ums Leben gekommen sind." So viel Mitgefühl er in Mrs. Bennets Stimme heraushören konnte, so wenig sah er in Erins Zügen. Aber vielleicht täuschte er sich auch. Wenn man eine so schreckliche Nacht hatte durchstehen müssen, war man nur sehr selten man selbst. Dennoch bemerkte Jim Gordon den skeptischen Ausdruck in den hellen blauen Augen der jungen Frau und rieb sich über die bärtige Oberlippe. Er hatte vor einiger Zeit in den Zeitungen gelesen, dass die betuchte Familie Randall ums Leben gekommen war. Dass sich niemand Alex' angenommen hatte, war ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Wahrscheinlich wussten die wenigsten, dass er als alleiniger Erbe eingesetzt war. Die Randalls waren noch junge Menschen gewesen; gut möglich also, dass sie noch kein Testament aufgestellt hatten, wenngleich das in Gotham ein recht unvorsichtiges Handeln darstellte.
„Mrs. Bennet, ich weiß nicht, ob ich Personenschutz garantieren kann. Es sind turbulente Zeiten, wie Sie wissen." Die Direktorin seufzte leise und nickte dann: „Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Aber wir haben Grund zur Annahme, dass Alex in Gefahr schwebt. Und wir haben hier in Le Gardien keinerlei Möglichkeit, uns irgendwie zur Wehr zu setzen, zumal wir in unserem Personal äußerst geschwächt sind." Gordon nahm aus den Augenwinkeln wahr, wie Erin bei der Anmerkung der Personalienfrage leicht zusammenzuckte. „Ich weiß...", begann der Commissioner und verschränkte seine auf dem Knie ruhenden Hände ineinander, „Aber wenn ich ehrlich bin, zählt Le Gardien immer noch zu den sicheren Orten im Stadtbereich Gothams." Der Direktorin war die Anspannung deutlich anzusehen. Sie hatte mit einer hoffnungsvolleren Antwort auf ihren Wunsch gerechnet. Erin zog einen kleinen Notizblock aus ihrer Hosentasche und schrieb in beachtlichem Tempo darauf, ehe sie dem Commissioner den Block reichte. „Solange Alex hier ist, sind auch alle anderen Kinder in Lebensgefahr. Das können wir doch nicht verantworten!" Gordon richtete den Blick auf die junge Frau, die ihn durchdringend anschaute. Das Oberhaupt der Polizei von Gotham City seufzte leise und räumte ein: „Ich weiß um die Gefahr, der auch alle anderen ausgesetzt sind, Miss Porter, aber...", er verstummte, als er in ihre Augen sah. Eine stumme, aber aufrichtige Bitte um Hilfe ruhte in diesem hellen Graublau. „Mrs. Bennet?", die Direktorin schaute ihn fragend an, worauf er sich räusperte, „Würden Sie so freundlich sein und mich einen Moment mit Miss Porter allein lassen?"
Sichtlich irritiert blinzelte ihn die in dunkle Töne gekleidete Frau an, sodass er erklärend hinzufügte: „Wenn wir eine Operation wie Personenschutz in Betracht ziehen wollen, ist es das Beste, wenn nur sehr wenige Personen eingeweiht sind." Zunächst wirkte die Direktorin betroffen, weil sie nicht diejenige war, die eingeweiht werden sollte, doch dann schien sie sich zu entsinnen, dass es um mehr ging als persönlichen Stolz. Sie erhob sich elegant und nickte. „Gut. Ich habe noch andere dringliche Sachen zu erledigen." Gordon nickte und sah dabei zu, wie Mrs. Bennet ihr eigenes Büro verließ. Er hatte nicht beabsichtigt, unhöflich zu sein, aber er hatte im Gefühl, dass die junge Dame, die ihm gegenüber saß, ein sehr großes Bedürfnis hatte, Alex aus dem Waisenhaus zu schleusen. Sie schaute ihn lange an, ehe sie auf den Block deutete. Gordon gab ihn ihr zurück, woraufhin sie eilig eine weitere Zeile schrieb. „Wieso haben Sie Patricia nach draußen geschickt?", las er kurz darauf und der Commissioner hob die Hände: „Wie ich eben sagte: es ist sicherer für alle Beteiligten, wenn weniger Leute davon wissen, wie wir in Sachen Personenschutz vorgehen werden. Ich werde auch Ihnen nicht sagen, wie wir mit Alex vorgehen werden, aber ich möchte Ihnen noch ein paar Fragen stellen." Daraufhin nickte sie zögerlich und strich sich wieder in einer nervösen Art und Weise über die Arme. „Mrs. Bennet hat mir gesagt, dass Sie direkt vom Joker bedroht worden sind." Gordon beobachtete genau die kleinsten Regungen, die sich in ihrem hübschen Gesicht abzeichneten. Sie presste die schmalen Lippen aufeinander und wich kurz seinem Blick aus, ehe sie angestrengt Luft holte. Dann nickte sie knapp, kaum merklich. „Hat er Ihnen gegenüber den konkreten Wunsch geäußert, dem Jungen in irgendeiner Weise etwas antun zu wollen?" Erin verzog daraufhin den Mund und schrieb in ihrer flinken Art auf den Zettel: „Er hat nicht gesagt, was er mit dem Jungen vorhat, er hat nur danach verlangt, zu wissen, wo er ist", sie zögerte kurz, ehe sie hinzusetzte, „Ich glaube zudem nicht, dass es seine Art ist, anzukündigen, was er wem zufügt. Er tut es einfach."
Ihre Hand zitterte leicht, als sie Gordon den Block gab, der ihre Zeilen daraufhin sorgfältig las. Er nickte grimmig. „Ich fürchte, da haben Sie leider Recht." Er seufzte, schaute sie durch die starken Gläser seiner Brille an und beugte sich leicht vor, stützte seine Arme auf seinen Knien ab: „Es kommt nicht oft vor, dass er jemanden, dem er begegnet und der nicht mit ihm zusammenarbeitet, verschont. Sie scheinen ja relativ unbeschadet davongekommen zu sein." Erin atmete tief durch und seufzte leise, ehe sie nach dem Block griff und etwas darauf notierte. Wenig später las Gordon: „Ich habe Glück gehabt. Kurz bevor er mir Schlimmeres antun konnte, traf die Polizei ein. Er hatte nicht genug Zeit." Sein Blick haftete einige Sekunden auf der Notiz. Es kostete nicht viel Zeit, zu töten, erstrecht nicht, wenn es sich um den Joker handelte. Aber andererseits wusste Gordon, dass dieser Bastard nicht viel Gefallen daran fand, schnell zu töten. Er bevorzugte es, seine Opfer – zumindest die, die ihm interessant genug erschienen – zuvor buchstäblich in Todesangst zu versetzen. „Darüber sollten wir froh sein", merkte Gordon schließlich an und legte den Block wieder in ihre Hände. „Gibt es irgendeinen anderen Hinweis darauf, dass Alex in Gefahr schwebt? Ich kann ihn nicht nur aufgrund einer bloßen Aussage des Jokers in Personenschutz nehmen. Er vermag, Menschen zu täuschen, ihre Gedanken zu manipulieren. Hinzukommt, dass unsere polizeilichen Mittel und Möglichkeiten begrenzt sind. Wenn er auf etwas anderes aus ist und Le Gardien nur als Ablenkungsmanöver benutzt...", begann Gordon zu suggerieren, doch Erin hörte ihm nicht weiter zu, sondern fischte in ihrer Hosentasche nach einem weiteren Zettel.
Als sie ihn zu fassen bekam, hielt sie ihn dem Commissioner hin. Dieser faltete das Papier langsam und bedächtig auseinander. Es gab raschelnde, knisternde Geräusche von sich. Gordon schluckte, betrachtete das Bild, das auf dem Papier sichtbar war, und sah Erin scharf an: „Wo haben Sie das her?" Die junge Frau wirkte blass und Gordon sah ihr an, dass es ihr schwergefallen war, ihm das Bild zu zeigen. Es zeigte den Zeitungsausschnitt, der den Ausbruch des Jokers gemeldet hatte. Jemand hatte mit Farbstiften die Schminke des Jokers nachgemalt. Erin griff nach dem Block und schrieb schneller denn je: „Ich habe mit den Kindern gebastelt und dieses Bild unter Alex' Sachen gefunden. Ich weiß nicht, wer es da hingelegt hat, aber ich bin mir sicher, dass Alex es nicht gebastelt hat." Gordon studierte ihre Worte und sah sie eindringlich an. „Sie meinen, jemand hat es ihm untergeschoben? Als eine Art Drohung?" Erin zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf. Sie wusste es nicht. Sie hielt die Hände ausgestreckt und Gordon legte den Block hinein. „Ich habe es nicht ernst genommen. Ich hab es für einen dummen Streich gehalten. Aber dann...", sie hielt beim Schreiben inne und schüttelte den Kopf. Gordon erhob sich und sah über ihre Schulter, um zu lesen, was sie geschrieben hatte. Er legte die Hand auf die schmale Schulter der jungen Frau und übte sanften Druck darauf aus. „Machen Sie sich keine Vorwürfe." Erin sah hilfesuchend zu ihm auf und Gordon begann zu verstehen: „Sie haben mit ansehen müssen, was er mit Ihren Kollegen gemacht hat, nicht wahr?" Sie schluckte und nickte leicht. Sie umfasste erneut den Stift und schrieb damit: „Ich habe Angst um die Kinder. Er wird vor ihnen nicht zurückschrecken." Gordon stellte Erins letzte Aussage nicht infrage. „Geben Sie mir 48 Stunden. Bis dahin habe ich einen Ort gefunden, an dem Alex sicher ist. Ich weiß nicht, ob er sich mir anvertrauen wird, aber vielleicht erkennt er ja die Notwendigkeit dessen."
Erin ließ die Schultern in Erleichterung sinken und schenkte dem Commissioner ein vorsichtiges Lächeln, das dieser erwiderte, obwohl ihm nicht wohl bei dem Gedanken war, sich erneut auf ein Spiel gegen den Joker einlassen zu müssen. Doch wenn er, der es sich zur Pflicht gemacht hatte, die Bürger Gothams vor dem Abschaum der Zivilisation zu beschützen, zurückschreckte, wer verhindert dann noch, dass das Chaos grassierte wie eine tödliche Epidemie? Batman? Nein, auch er nicht, so stark und hilfreich er auch im Kampf gegen die Mafia in den letzten Jahren gewesen war. Jetzt hatte er fast ganz Gotham gegen sich. Ein Mann allein konnte den Joker nicht aufhalten. Gordon fragte sich, ob es überhaupt jemand konnte. Er hoffte es. Denn die Hoffnung war eine gute Sache – vielleicht sogar die beste, die es gab. Und sie starb bekanntlich zuletzt.
