Kapitel 4: Der Angriff
Die Planung von Harrys Rettung ging zu Dumbledores Unzufriedenheit nur langsam voran. Zwar sollte Snape Recht behalten, dass Voldemort in der Tat keine unüberwindbaren Schutzzauber und Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte, jedoch waren diese immer noch so mächtig, dass sie erst 4 Tage später endgültig in der Lage waren, alle Schutzzauber zu brechen und in das Haus einzudringen. Zudem hatten sie mit Snapes Hilfe einen Angriffszeitpunkt gefunden, in der Voldemort weit genug vom Haus der Malfoys entfernt war, um ihnen möglichst viel Zeit zu verschaffen, und sich die wenigsten Todesser im Quartier befinden würden.
Alle Ordensmitglieder, die kämpfen konnten, hatten sich dazu bereit erklärt, der Mission beizutreten – alle, außer Snape, der sich heraushalten musste, damit seine Tarnung nicht aufflog.
xxx Haus der Malfoys xxx
„Bisher hat alles funktioniert", dachte Dumbledore, als er vorsichtig mit Remus und Moody an seiner Seite durch das Haus schlich, nachdem sie die Schutzzauber gebrochen hatten. Nun rann also ihre Zeit langsam ab, da Voldemort es sicher sofort alarmiert werden würde, sollten die Bänne brechen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie den nächsten Todessern begegnen würden. Die drei Todesser am Seiteneingang hatten sie ohne viel Aufsehen zu erregen aus dem Hinterhalt schocken können. Zu Dumbledores grimmiger Genugtuung war der Werwolf Fenir Greyback unter ihnen gewesen – eine Sorge weniger. Danach hatte sich der Orden in Gruppen aufgeteilt, die nun nach Harry suchten. Der palastähnliche Bau der Malfoys beherbergte unzählige Tunnelgänge und Sackgassen im Untergrund, sodass ihnen keine andere Wahl blieb.
Nach einigen Minuten in dem Kellergewölbe wurde Dumbledore plötzlich unruhig: Außer den 3 Wachen am Eingang war Ihnen niemand begegnet und es blieb vollkommen still. Zu still. Irgendetwas stimmte hier nicht. Es war zu einfach.
Nach weiteren 10 Minuten des Umherirrens wurde es endlich unnatürlich kalt. Dumbledore wusste nun, dass sie richtig waren: Diese Kälte kam von den Dementoren die zweifelsohne Harrys Verließ bewachten. Die Augen zu Schlitzen verengt, ging Dumbledore langsam voraus. Er versuchte, die Schreie seiner Schwester und seines Bruders in seinem Kopf zu ignorieren, die durch die Anwesenheit der Dementoren ausgelöst wurden. „Vorsichtig jetzt. Wir sind ganz nah.", flüsterte er seinen Begleitern zu.
Moody grummelte nur etwas wie „Immer wachsam" und ließ sein magisches Auge wild umherkreisen um alles im Blick zu haben.
Und da war es: Als die drei um die nächste Ecke bogen, bot sich ihnen ein grausamer Anblick: 5 Dementoren patrouillierten vor einem Verlies, das viel mehr einem Käfig für Tiere ähnelte; es war klein, schwere Gitterstangen versperrten den Weg, der Boden war bedeckt mit Blut und Staub und inmitten dieses Gefängnisses lag eine kleine leblose Gestalt bäuchlings auf dem Boden.
Dumbledore hielt den Atem an. Harry. Einen schrecklichen Moment lang war er sicher, sie wären zu spät gekommen. Er spürte, wie Remus neben ihm nach Luft rang und einen Schrei zurückhielt.
Dann geschahen mehrere Dinge gleichzeitig: Die Dementoren bemerkten die Eindringlinge und schwebten geradewegs auf sie zu. Im selben Augenblick hörten sie rasche Schritte von dort, wo sie herkamen, auf sie zukommen und drehten sich gerade rechtzeitig um, um ca. ein Dutzend Todesser zu sehen, die angeführt von Bellatrix Lestrange schnell näher kamen.
Bellatrix schrie ihnen entgegen: „Na, wen haben wir denn hier? Dumbledore in der Falle! Hahahaha!" Ihr Lachen hallte an den hohlen Wänden wider und ließ die drei Umzingelten schaudern. Dumbledore trat einen Schritt auf Bellatrix zu und stellte sich instinktiv genau zwischen Bellatrix und Harrys Verließ, während Remus die Dementoren mit seinem Patronus in Schach hielt.
„Ich werde es nicht zulassen, dass ihr ihn auch nur noch einmal anrührt.", sagte Dumbledore sehr klar und bestimmt. Die einzige Reaktion war ein weiteres hämisches Lachen von Bellatrix, die siegessicher verkündete: „Ohh. Wir wussten, dass du früher oder später kommen würdest, Dumbledore. ER weiß es. Der Dunkle Lord ist bereits auf dem Weg hierher. Ihr kommt hier nicht mehr raus. Es ist zu spät."
Damit eröffneten die Todesser das Feuer – Flüche flogen gleichzeitig von Moody, Dumbledore, Bellatrix und den Todessern kreuz und quer durch das Gewölbe und einige prallten an den Wänden ab. Dumbledore und Moody gelang es gerade so die vielen Flüche abzuwehren.
Angelockt von dem Lärm kamen nun die einzelnen Gruppen des Ordens, die in der Nähe gesucht hatten, und brachten sich in den Kampf ein. Der unerwartete Angriff des Ordens von hinten verbreitete noch mehr Chaos und verschaffte Dumbledore Zeit und Gelegenheit, nach Harry zu sehen – zumal McGonagall sogleich Bellatrix duellierte und diese somit abgelenkt war. Er warf Minerva einen dankbaren Blick zu, die ihn sogar kurz anlächelte, bevor sie sich voll und ganz dem Kampf widmete.
Daraufhin machte er auf dem Absatz kehrt und rauschte an Remus vorbei, der immer noch mit den Dementoren beschäftigt war und ständig seinen Schutz erneuern musste, da die Dementoren ihn relativ schnell aufsogen. Er sprengte das Schloss des Verlieses, eilte an Harrys Seite und kniete sich neben ihm nieder. Er packte ihn sanft an der Schulter und drehte ihn auf den Rücken: Seine Kleidung war zerfetzt und blutgetränkt, während sein Gesicht unnatürlich weiß schimmerte, die Augen fest geschlossen.
„Harry… Harry! Wach auf, bitte wach auf!", flehte Dumbledore, während er die rabenschwarzen Haare aus seiner Stirn strich, und schüttelte ihn leicht. Aber Harrys Kopf rollte nur schlaff von einer Seite auf die andere, ohne irgendein Lebenszeichen erkennen zu lassen. Noch mehr Panik ergriff Dumbledores Herz und schien es wie eine Faust zu erdrücken. Er hob Harry behutsam in seine Arme und fühlte an seinem Handgelenk nach einem Puls. Unendliche Wellen der Erleichterung durchfluteten ihn, als er das schwache Pochen gegen seine Finger spürte. Nur flüchtig nahm er die kämpfenden Zauberer um ihn herum wahr - inzwischen hatte sich eine Art Schutzmauer aus Ordensleuten vor ihm und Harry aufgestellt, die jegliche Flüche abwehrten.
Harry lebte. Nun mussten sie diesen schrecklichen Ort so schnell wie nur möglich verlassen, bevor Voldemort ankam, was sicherlich nicht mehr lange dauern konnte, und vor allem bevor sich Harrys Zustand weiter verschlechterte.
Beschützend drückte er ihn an sich, flüsterte ihm ein „Alles wird gut, Harry. Ich bin bei dir." ins Ohr und stand vorsichtig auf. Er konnte nicht umhin zu bemerken, wie dünn und leicht Harry geworden war, aber dafür war später noch Zeit.
Direkt apparieren war leider nach wie vor nicht möglich und so würden sie den ganzen Weg bis zur Grenze des Hauses so schaffen müssen. Er schaute sich um und sah, dass Bellatrix gerade in einen Kampf mit Kingsley verwickelt war, so wie auch die anderen Todesser momentan vollauf beschäftigt waren mit ihren Einzelkämpfen. Er bermerkte erleichtert, dass viele Todesser bereits zu Boden gegangen waren und hoffte inständig, dass seine Leute es rechtzeitig hinaus schaffen würden.
Er gab den Ordensleuten vor ihm ein Zeichen, die sich sogleich daran machten, den Weg für Dumbledore freizukämpfen, während Dumbledore selbst schnell Remus und den anderen deutete, sich schnellstmöglich auch zurückzuziehen. Er spurtete nun so leichtfüßig wie möglich mit Harry im Arm und seinen Zauberstab fest in seiner Hand nach vorn gerichtet in Richtung Ausgang. Auf seinem Weg feuerte er noch ein paar gezielte Flüche auf Todesser, die sich ihm doch noch in den Weg gestellt hatten.
Als er die Eingangshalle durchquerte, hörte er plötzlich eine leise Stimme. Er sah zu Harry hinunter, der die Augen halb geöffnet hatte und schwach etwas zu sagen versuchte: „Pro-Profess-or…"
„Sssch. Nicht reden.", flüsterte Dumbledore beruhigend, während in seinen Augen Tränen glitzerten, gerade als Harrys Augen auch schon wieder zufielen und sein Körper erschlaffte.
Endlich draußen angelangt, konnte er gerade noch Voldemort apparieren sehen, der ihm für den Bruchteil einer Sekunde hasserfüllt in die Augen blickte und dann aus seinem Gesichtsfeld verschwand, als er sich auf der Stelle drehte und disapparierte. Er musste darauf vertrauen, dass seine Gefährten aus dem Orden rechtzeitig fliehen konnten.
Wie geplant erwartete Madam Pomfrey die Ankömmlinge bereits ungeduldig im Krankenflügel von Hogwarts, wo Dumbledore sofort hinappariert war. „Albus! Na endlich. Was-?" Sie stoppte mit dem Blick entsetzt auf Harry gerichtet.
„Poppy. Bitte hilf ihm. Er lebt noch, allerdings…", flehte er. „Bitte." Er legte Harry behutsam in das nächste Bett ohne die Augen von ihm abzuwenden, während Madam Pomfrey bereits im Nebenraum verschwunden war, nur um einige Sekunden später mit einer großen Auswahl an Heiltränken, Medikamenten und Instrumenten zurückzukommen.
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Als Erstes: Sorry für die lange Pause, aber krankheits- und arbeitsbedingt (Ausbildung :)), war meine Freizeit besonders in den letzten Wochen ziemlich begrenzt. Außerdem war ich sehr unzufrieden mit diesem Kapitel und habe es sehr oft wieder abgeändert, bis es mir nun eigenlich ganz gut gefallen hat.
Ich hoffe auf ein paar Kommentare, wie ihr das Kapitel fandet... ich hoffe, das Warten hat sich gelohnt ;)
Danke für's Lesen,
LG MagicalWitch92
