Kapitel 4
Rick ertappte seine Frau dabei, wie sie auf einer Leiter stand, eine Vielzahl von Plastikfledermäusen, die an dünnen Nylonfäden hingen, in ihren Händen haltend.
„Kate, was machst du da?" Er versuchte, nicht panisch zu klingen, sich immer bewusst, dass verhätscheln und übervorsichtig sein bei seiner Frau nicht gewollt war oder nicht lange geduldet wurde.
Dem Blick, den sie ihm zuwarf und dem zusammengepressten Mund nach zu urteilen, gelang ihm das nicht. „Du solltest nicht klettern…", sagte Rick und hoffte, ihre Reaktion auf seine Panik mit einem Stückchen Wahrheit abzuschwächen.
„Castle, ich bin keine Invalidin", sagte sie beleidigt zu ihm und stieg noch eine Sprosse weiter hoch. Die ganze Zeit biss er sich auf die Lippe und betete, dass sie nicht herunterfiel.
„Ernsthaft, Beckett", begann er nach einem Moment des Zuschauens wieder, sein Herz in der Hose. Sicher, er kannte seine Frau und wusste, dass sie sich und ihr Kind niemals in Gefahr bringen würde, indem sie etwas tat, was sie sich nicht zutraute. Aber Rick wusste auch, dass eine Schwangerschaft voller Überraschungen steckte und seine normalerweise graziöse Frau, die früher oder später ungeschickt und tollpatschig werden würde, war eine davon. „Ich hänge die auf. Komm runter."
Es überraschte ihn, dass sie nach nur einer aufgehängten Fledermaus klein bei gab und vorsichtig und langsam die Leiter hinab stieg. Sobald ihre Füße zurück auf festem Boden waren, nahm Rick den ersten tiefen Atemzug seit er das Wohnzimmer betreten hatte. Er nahm ihr schnell die Dekorationen ab, als ob das alleine Kate daran hindern würde, die Arbeit zu erledigen.
Um dies unnötig zu machen, stieg er schnell die Sprossen hinauf, streckte seinen Arm über seinen Kopf um einen der Fäden, dessen Ende mit Klebeband versehen war, an der Decke anzubringen. Es freute ihn zu sehen, wie die Fledermaus sich drehte und dann hinunter hing. Die unterschiedlichen Längen der Fäden, die Rick abgeschnitten hatte, verliehen der Dekoration einen 3-D-Effekt.
„Castle", meinte Kate nach einem Moment der Stille. Es ließ ihn innehalten, als er den zweitletzten Faden anbringen wollte. Sofort war seine ganze Aufmerksamkeit bei seiner Frau. Ihr Gesichtsausdruck war eine Kombination aus Verlegenheit und Scham, die er nicht zuordnen konnte. „Es tut mir leid", fuhr sie fort, eine Hand an die Leiter legend. „Ich wäre nicht da oben gewesen, außer…"
Kate zögerte, ihren Gedanken zu beenden; ihre Wangen zunehmend rötlich gefärbt. „Außer was?", frage er, stieg eine Sprosse hinab um näher bei Beckett zu sein, die keine Schuhe trug.
„Manchmal vergesse ich es", gab sie mit einem kleinen Seufzer zu. „Nicht, dass ich schwanger bin, das könnte ich nie vergessen. Aber ich bin so daran gewöhnt, ohne Zögern das zu tun, was zu machen ist, dass ich vergesse, ich sollte es nicht tun, selbst wenn ich könnte."
Er konnte an der Behutsamkeit in ihren Augen erkennen, dass das Zugeben ihrer Vergesslichkeit nicht das Einzige war, was sie beschäftigte. Also lächelte Rick, lehnte sich zu Kate um seine Lippen über die ihren zu streichen.
„Du warst schon immer eine unabhängige Person, und das habe ich immer an dir geliebt", antwortete er, hob die Hand um seine Finger an ihrem Kiefer entlang gleiten zu lassen, bis Kate ihm ein kleines Lächeln zurückgab. „Aber du hast recht, nur, weil du ein paar Dinge machen kannst, heißt es nicht, dass du es solltest. Wie auf Leitern steigen, Kriminelle verfolgen…"
„Eine Waffe benutzen, meinen Schreibtisch verlassen", fügte Kate an, jetzt mit einem Lachen übers ganze Gesicht.
„Genau", lachte er vor sich hin, streckte sich Kate entgegen, damit er ihren Mund für einen langsamen Kuss erreichen konnte, der ihn fast von der Leiter fallen ließ, als sie in seine Unterlippe biss.
Um sich aufrecht zu halten, streckte er seinen Arm aus und hielt sich an der Leiter fest. Er erhaschte dabei einen Blick auf seine Mutter, die in der Ecke stand und dabei war, ein paar große schwarze Kerzenständer mit Kerzen zu versehen. Sie drehte sich schnell um und setzte diese auf dem Klavier ab.
Wenn er mitbekommen hätte, dass sie nicht alleine waren, wäre seine Zunge nicht in Kates Mund gelandet.
Naja, vielleicht nicht.
Er lachte wieder in sich hinein, während Kate sich zu einem weiteren Karton mit Dekoration bückte. Er sah, wie sich die Wohnungstüre öffnete, Alexis mit einem dicken Grinsen auf der anderen Seite. „Hey, Süße", rief er, als sie eintrat, die Türe hinter sich schloss und aus ihrer Jacke schlüpfte. Sie trug ein enges schwarzes Kleid und ein paar hohe Stöckelschuhe, die, da war er sich sicher, eigentlich in ein Regal im begehbaren Schrank, den er mit Kate teilte, gehörten. „Warum bist du so aufgedonnert?"
Die beabsichtigte Gleichgültigkeit seiner Frage konnte keine der Frauen im Raum täuschen, sie tauschten eindeutige Blicke aus, die schnell auf ihm landeten. „Was denn? Ich wollte es doch bloß wissen!"
Um genau zu sein, wollte er, dass seine Tochter preisgab, für wen sie sich so angezogen hatte, aber dies teilte er dem Rest der Familie nicht mit.
„Ach so? Ein Mädchen kann sich nicht schick anziehen, um ihrer Familie beim Dekorieren für Halloween zu helfen?", antwortete Alexis, der Blick in ihren Augen ein wenig zu unschuldig um glaubwürdig zu sein. Und als Rick dies mit dem neckenden Lächeln, das seine Tochter ihm zuwarf, kombinierte, rollte er seine Augen und kam von der Leiter herunter um sie zu umarmen.
„Manche Mädchen vielleicht", meinte er und küsste seine Tochter auf dem Kopf. „Aber nicht du. Hattest du Spaß auf deinem Date?"
Auf diese Frage hin wurde aus ihrem Lächeln ein Grinsen übers ganze Gesicht. Er beobachtete mit Faszination, als Alexis etwas machte, das er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Seine Tochter senkte ihren Kopf, versuchte sich hinter ihren Haaren zu verstecken, die viel zu kurz waren, um ihre roten Wangen zu verbergen.
Eine Erinnerung schoss ihm in den Kopf. Alexis mit fünfzehn, grinsend und tagträumend, als sie über ihr Date mit dem Jungen aus ihrer Klasse ‚Erweiterte Prosa' an der Marlowe Prep berichtete und er wollte nur die Zeit zurückdrehen. Seine Tochter war nicht mehr fünfzehn und schwärmte von ihrem ersten Kuss. Sie war 22, fast mit dem College fertig und alt genug, ihre eigenen lebensverändernden Entscheidungen zu fällen, was viele neue Probleme mit sich brachte.
„Den hatte ich", seufzte sie glücklich, ihre Augen auf Kate und ihre Großmutter gerichtet, die sie anschauten. „Den hatte ich wirklich."
Das Piepen seines Handys unterbrach die Unterhaltung. Der Alarm signalisierte, dass die Pizza, die er zusammengestellt und dann in den Ofen geschoben hatte, fertig war. Mit einem weiteren Lächeln für Alexis bewegte sich Rick in die Küche und ließ seine Tochter und Kate ein Skelett drapieren, das gegen die Wand neben der Wohnungstüre lehnen sollte.
„Wie fand er das Outfit?", wollte Kate wissen als sie ihre Hände wieder frei hatte. Sie lächelte Martha an, die gerade auf sie und Alexis zu kam.
„Es war der Hit", antwortete Alexis, die aufgrund des zustimmenden Summens ihrer Großmutter diese angrinste. „Ich war zu gut angezogen, für das, was er geplant hatte, aber du hattest Recht und es hat nichts ausgemacht. Er hat mir immer Komplimente gemacht, es hat ihm nicht mal etwas ausgemacht, dass ich nochmal nach oben musste um Tennisschuhe zu holen."
„Warum in aller Welt brauchst du Tennisschuhe für ein Date?", wunderte sich Martha, die Stirn runzelnd.
„Laser-Tag, Oma." Kate hielt es für unmöglich, aber Alexis grinste noch mehr, strahlte die beiden regelrecht an. „Er wollte mit mir etwas machen, das ihm gefällt. Ich konnte die Runden ja schlecht in Kates Stöckelschuhen spielen."
„Laser-Tag", wiederholte Martha, froh, dass ihre Enkelin so viel Spaß gehabt hatte, aber gleichzeitig fragte sie sich, ob solch eine Aktivität für ein Date angebracht war. „Nun ja, solange du Spaß hattest, Kind."
Sie lachte Martha an, welche in die Küche glitt und zog die Stöckelschuhe mit einem Seufzer aus, streckte ihre Zehen in Erleichterung. Sie bückte sich um das Paar Schuhe aufzuheben und gab sie an Kate mit einem gemurmelten ‚Danke' zurück.
„Jederzeit, Alexis", kam ihre Antwort. Sie stellte die Schuhe neben das Arbeitszimmer und umarmte die junge Frau kurz.
„Wenn ihr Damen damit fertig seid, euch zu beraten, wie ihr mich aus dem Dating-Leben von Alexis raushalten könnt", sagte Rick hinter ihnen, legte jeweils einen Arm um ihre Hüften um sie sanft an die Kücheninsel zu führen, wo der Duft von Käse und Tomatensauce wartete. „Unser Abendessen wäre dann fertig."
„Dad, wir beraten uns nicht", seufzte Alexis ihn an. „Ich hab nur… Kate um einen kleinen Rat gefragt."
„Und deiner Großmutter von Kyle erzählt."
Das Aufflackern von Schock im Gesicht von Alexis wandelte sich schnell in Verrat als sie in Richtung Kate schaute, die als Antwort eine Grimasse schnitt. „Ich habe es ihm nicht gesagt", versicherte sie schnell. „Aber wir haben euch beide zusammen auf der Buch-Party gesehen…"
„Das macht eh nichts mehr aus", sagte sie und setzte sich auf einen Stuhl. „Ich habe ihn gefragt, ob er zu der Party morgen kommen möchte, da wäre es dann rausgekommen."
„Was ich nicht verstehe ist, warum du es mir nicht sagen wolltest", meinte Rick, und obwohl er versuchte, in seiner Stimme seine Kränkung zu verbergen, war sie doch in seinen Augen zu sehen. „Hast du gedacht, dass ich es nicht gut heißen würde?"
„Oh, Richard", seufzte Martha und füllte ihr Weinglas von ihrem Platz auf der gegenüberliegenden Seite der Kücheninsel. „Damit hat es nichts zu tun."
„Mit was dann?", fragte er, während er sich zu allen drei Frauen umdrehte. „Alexis erzählt mir alles."
„Ich wollte es dir ja erzählen…"
„Sie wollte es dir ja erzählen…"
Alexis und Kate redeten gleichzeitig, teilten deshalb ein kurzes Lächeln und Kate gab Alexis mit einer Handgeste das Zeichen vor ihr zu sprechen. „Ich habe nichts gesagt, weil ich nicht sicher war, dass es etwas zu erzählen gab", erklärte sie. „Kyle – oder Officer Hernandez für dich – war verantwortlich die Zellen zu verschließen als ich im zwölften Revier war nach…"
Alexis zögerte einen Moment und ihre Augen füllten sich mit Tränen als die Erinnerung an den Tod von Paige in ihr hochkam und sie dort traf, wo es am meisten weh tat. „... nach Paige", flüsterte sie, räusperte sich hastig und gab ihrem Vater ein verweintes Lächeln.
„Er und ich kamen ins Gespräch und dann traf ich ihn zufällig eines nachmittags, als ich beim Revier vorbeischaute", fuhr Alexis fort, ignorierte die Frage ihres Vaters, wo und wann sie denn beim Revier vorbeigeschaut hatte. „Und dann haben wir einen Kaffee zusammen getrunken, das entwickelte sich zu einer Einladung zu deiner Buch-Party, nur als Freunde, und dann, heute Abend, ein richtiges Date. Ich habe mit Kate gesprochen, weil sie Kyle kennt und sie mir eine ehrliche Meinung geben würde."
„Das würde ich auch."
Alexis neigte ihren Kopf leicht zur Seite und zog eine Augenbraue hoch und vermittelte somit die perfekte Mischung aus Skepsis und Belustigung. Der Ausdruck verdrängte ein wenig den Schmerz und die Trauer, die sie nach dem Tod ihrer Freundin aus Kindertagen noch mit sich herumtrug. „Klar, gleich nachdem du alle Gründe aufgelistet hast, warum ich mit keinem Jungen – irgendwelchem Jungen – ausgehen sollte."
Als er einen Teller mit zwei dicken Pizzastücken an Kate weiterreichte, dachte Rick über die Worte von Alexis nach und musste sich eingestehen, dass seine Tochter Recht hatte. Machte es ihm außerdem wirklich etwas aus, dass sie sich an Kate gewandt hatte? Dass Kate sein Kind nicht nur ermutigt hatte, es mit einem Jungen zu versuchen, mit dem sie schon auf dem Revier zusammengearbeitet hatte, sondern ihr auch geholfen hatte, was sie für ihr Date anziehen sollte?
Er könnte sich niemals darüber ärgern, dass Alexis etwas gefunden hatte, was sie grinsen und lachen ließ, wo diese zwei Sachen doch so rar für seine Tochter in den letzten zwei Wochen waren. „Du hast Recht", gab er zu, reichte Alexis einen Teller mit ihren eigenen Pizzastücken und kehrte zurück, um eines für seine Mutter anzurichten. „Aber ich sage dir nur, nicht mit Jungs auszugehen, weil sich niemand jemals an der Großartigkeit deines Vaters messen könnte."
Er klatschte in die Hände, als die anderen stöhnten und ihre Augen rollten. Rick schnappte sich selber ein dickes Pizzastück und nahm einen großen Bissen davon. Sekunden später begannen seine Augen zu Tränen, sein Mund verbrannt vom heißen Käse. Das dampfende Pizzastück hatte seine Mundhöhlendecke versengt. Er hüpfte in der Küche herum, wedelte seine Hand vor seinem Mund, selbst als er schon geschluckt hatte.
„Heiß", krächzte er seinen Mädels zu und jede versuchte ihr bestes, nicht zu lachen.
Der Schein des Computerbildschirms erhellte das ansonsten dunkle Büro. Ricks Finger tippten mit regelmäßigem Rhythmus über die Tasten, was seine schlafende Frau möglicherweise mit Schreiben verwechseln hätte können.
Das war zumindest, was er ihr gesagt hatte, als sie ins Bett gekrochen war nachdem Alexis und seine Mutter am Abend gegangen waren. Das Dekorieren für die Party war abgeschlossen und die Überreste des Kürbis-Schneide-Wettbewerbs beseitigt.
Kate würde ihm stundenlang einen Vortrag halten, wüsste sie, dass er heimlich Fotos von den Akten der Clown-Morde gemacht hatte, was auch der Grund war, warum er nicht mal auf die Idee kam, ihr was davon zu sagen, bis er nicht etwas Konkretes für den Fall hinzufügen konnte.
Als er eine Email von Hayley öffnete und dann las, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Die Britin hatte sich mal wieder reingehängt. Auf sein Bitten hin hatte sie den Organisator des Camps kontaktiert und ihn davon überzeugt, eine Liste der Camp-Teilnehmer von 1998 zur Verfügung zu stellen. Diese öffnete er mit einem Mausklick.
Er machte es sich mit einem Schluck aus seiner Lieblingstasse gemütlich und arbeitete sich von oben durch die Liste, tippte den ersten Namen auf der Liste in die Suchleiste seiner Suchmaschine.
„Beckett, wach auf."
Sie wurde aus dem Schlaf gerissen, da Castles Ton dringlich klang. Sie warf ihrem Mann einen bösen Blick zu, als sie ein Auge einen Schlitz weit öffnete. „Wir können morgen früh Sex haben, Castle", seufzte sie, wehrte seine Hand ab und schloss das Auge wieder.
„Ich… naja, ok", antwortete er. Für einen kurzen Moment war er abgelenkt von der Vorstellung einer nassen und eingeseifte Kate, die gerade duschte, gegen die Duschkabine gelehnt, während er… Er schüttelte kräftig seinen Kopf und stupste seine Frau wieder an. „Freu mich schon darauf", meinte Rick. „Aber das ist nicht, was ich dir sagen muss."
Mit einem Stöhnen öffnete Kate ihre Augen, setzte sich langsam auf und schaute ihn mit ihrem berühmten eindringlichen Starren an, das über die Jahre schon viele Kriminelle eingeschüchtert hatte. „Was dann?"
„Tessa Hannon."
Sich die Haare aus dem Gesicht wischend runzelte sie die Stirn und versuchte sich den Namen in Erinnerung zu rufen, während ihr Gehirn langsam auf Touren kam. „Die Zeugin vom ersten Mord?", fragte sie, klang dabei sehr viel unsicherer, als ihr lieb war.
„Ein und dieselbe", sagte er, schob ein Stück Papier in ihre Hand und klopfte mit dem Finger mitten auf das Blatt. „Dieser Name ist auf einer Liste von Yocona Falls Teilnehmern von 1998. Ich weiß, dass das keine eindeutige Bestätigung von etwas ist…"
„Aber es wäre ein sehr großer Zufall", fügte Kate an, die plötzlich hellwach war und Castles Gedankengang aufnahm. „Woher hast du das?"
„Hayley."
Sie fragte nicht nach der ganzen Geschichte – die konnte sie auch später herausfinden – und griff nach ihrem Handy, um in ihren gespeicherten Kontakten die Nummer suchen, die sie brauchte um den diensthabenden Detective auf dem 12. Revier zu erreichen. „Saunders, ich möchte, dass Sie einen Namen durch die Datenbank schicken. Tessa Hannon. Im Jahr 1998 wäre sie zwischen elf und achtzehn, sie lebt vermutlich in der Stadt oder einem der Bezirke."
Eine Minute später war sie aufgestanden und eilte in den Schrank um sich eine Hose und Pulli, sowie die erstbesten Schuhe zu holen, die sie in die Finger bekam: Ein Paar Ballerinas, die sie ohne Zögern überzog.
Als sie zurück ins Schlafzimmer trat, war Castle schon angezogen, sein Handy in der Hand. „Ich weiß, dass wir wegen der Körpergröße annahmen, der Täter sei ein Mann, aber ich habe sie am Tatort gesehen, Beckett. Sie ist definitiv groß genug um als Täter in Frage zu kommen. An die 1,82; wenn nicht sogar genau so groß, wenn sie Tennisschuhe trägt."
Sie nickte, während sie den Trenchcoat anzog, den sie aus dem Schrank mitgebracht hatte. Sie lief in das Büro um den Safe zu öffnen und ihre Waffe herauszuholen. Mit einem Blick erstickte sie Castles Protest im Keim. „Wenn sie die Täterin ist, gehen wir auf keinen Fall unbewaffnet", sagte sie zu ihm. „Verstärkung kommt noch und das ist unsere letzte Hoffnung, aber wir nehmen sie mit, ebenso die Ersatzwaffe."
Kaum gesprochen, griff sie schon nach der kleineren Waffe und gab sie an Castle weiter. Dann klingelte ihr Handy.
Sie fischte es aus ihrer Tasche und hielt es an ihr Ohr. „Beckett." Minuten verstrichen, in denen die beiden in dem Büro standen. Kate hörte genau zu, während Castle immer in der Nähe blieb und versuchte von den Informationen, die Kate mitgeteilt wurden, etwas aufzuschnappen. „Schicken Sie mir die Adresse per SMS. Es sollen sofort Polizisten dorthin fahren. Nur beobachten, bis sie andere Anweisungen erhalten."
Sie ließ ihr Handy wieder in ihre Tasche fallen und sammelte ihre Marke und die Schlüssel von ihrem Schreibtisch ein. „Eine interessante Sache über Tessa Hannon", erwähnte sie. „Wie sich herausstellte, waren Anthony Deveneys Eltern die Erziehungsberechtigten. Sie wuchsen zusammen auf nachdem ihre Eltern gestorben sind."
Rick fiel die Kinnlade herunter, während er nach Luft schnappte. „Das ist eine Wendung, die ich nicht erwartet habe."
