A/N: Und hier ist schon das nächste Kapitel. Ich wünsch euch viel Spaß damit. Und vielen Dank für den ersten Kommentar, ich hab mich riesig gefreut. Freu mich natürlich auch über weitere.
Kapitel 4
Als Skyla am nächsten Tag in die Schule kam, wartete sie gespannt auf ihre beiden Freunde. Heute wollten sie ihre Namenschildchen tauschen. Das Mädchen musste nicht lange warten. Fred und George stellten sich grinsend vor sie auf und sie sah erst auf den Namen und dann auf ihre Muttermale, mit denen man sie auseinander halten konnte.
„Ihr habt ja noch gar nicht getauscht.", sagte sie.
„Doch.", meinte Fred.
„Aber sieh doch, du trägst den Namen Fred." Fred starrt auf seine Brust.
„Sie hat Recht."
„Komisch.", murmelte Fred. „Dann eben noch mal." Er nahm seinen Anstecker ab und tauschte ihn mit George. Nachdem sich beide das Schildchen wieder angesteckt hatten, grinsten sie über beide Ohren.
„Seht doch!" Skyla zeigte auf die beiden Anstecker. „Sie verändern sich." Und tatsächlich, der Anstecker auf Freds Brust, auf dem eben noch „George" stand, fing an zu glühen und änderte den Namen auf „Fred". Bei dem anderen war es genauso.
„Sie sind verzaubert!"
„Eine Frechheit!"
„Uns so zu hintergehen!"
„Wie sollen wir denn so Verwirrung stiften und Spaß haben?"
„Da müsst ihr wohl noch die nächsten zwei Wochen mit warten.", meinte Skyla. „Dann brauchen wir die Dinger ja nicht mehr."
„Zwei Wochen..."
„... ist ne lange Zeit, wenn man keine Verwirrung stiften kann."
„Aber euch fällt doch bestimmt noch was anderes ein, außer eure Rollen zu tauschen.", meinte Skyla zu den beiden.
Es klingelte und die drei liefen schnell in ihren Klassenraum. Die ersten beiden Stunden hatten sie bei einer anderen Lehrerin. Mrs. Blythwith sollte ihnen Rechnen beibringen. In diesen beiden Stunden waren die Zwillinge auffallend ruhig, jedenfalls für jemanden, der sie schon länger kannte. Scheinbar grübelten sie über die Worte ihrer Freundin nach.
Als sie in der dritten Stunde bei ihrem Klassenlehrer hatten und die nächsten Buchstaben lernten, tuschelten Fred und George leise miteinander und diskutierten ihre Ideen.
„Fred! Ich bitte dich, komm doch mal nach vorne.", sagte Mr. Bankshot.
Fred schreckte auf und ging dann grinsend nach vorne. Auf gar keinen Fall Blöße zeigen. Das kam schon noch früh genug.
„Schreib doch bitte mal den Namen 'Joe' an die Tafel." Fred nahm die Kreide vom Lehrer entgegen, atmete tief durch und trat dann an die Tafel. Hätte er doch besser aufgepasst, dann wüsste er jetzt wie er das schreiben musste. Angestrengt nachdenkend stand er vor der Tafel. Langsam schrieb er das 'o', das hatten sie ja gestern schon gelernt. Er sah zum Lehrer. Mr. Bankshot stand vor der Tür und sah Fred ernst an. Schnell sah er wieder zur Tafel und dachte nach.
Skyla dachte auch nach. Wie konnte sie ihrem Freund am besten helfen und vor einer Strafe schützen? Er stand direkt vor ihr und wusste nicht, was er machen sollte. Dabei bräuchte er doch nur etwas nach rechts zur Seite gucken. Rechts! Das war es!
Sie räusperte sich leise. „Freeed.", dehnte sie seinen Namen so leise und lang wie möglich aus.
Fred verstand auf Anhieb ihren Hinweis und schaute nach rechts. Dort stand bereits der Name 'Joe' geschrieben und Fred wischte das 'o' weg und schrieb den Namen an die Tafel.
Grinsend drehte er sich zum Lehrer um. Da hatte er echt noch einmal Glück gehabt.
„Gut, du kannst dich wieder setzen."
Das ließ er sich nicht zweimal sagen und bedankte sich im vorbeigehen leise bei Skyla. George fing sofort an, auf Fred einzureden, als dieser sich wieder setzte.
„So, ich glaube, wir müssen hier mal die Sitzordnung ändern.", meinte Mr. Bankshot, als er sah, dass die Zwillinge schon wieder flüsterten. „Fred, kommst du bitte hier vorne hin und setzt dich neben Skyla."
Fred und George hatten sich entsetzt angesehen, als Mr. Bankshot ihnen seinen Pläne offenbart hatte. Doch jetzt entspannte sich zumindest Freds Gesicht.
„Ich möchte, dass Simon und Susi die Plätze tauschen. Mark, du setzt dich auf Cedrics Platz. Du, Cedric, gehst auf Amandas Platz. Amanda nimmt Emilys Platz und Emily kommt auf Marks Platz." Mr. Bankshot hatte die neue Sitzordnung so organisiert, dass immer ein Junge neben einem Mädchen saß.
„Zum Glück bin ich zu dir gekommen.", murmelte Fred in der ganzen Aufregung zu Skyla. „Und danke nochmal."
„Kein Problem. Und ich bin froh, dass ich nicht mehr alleine sitze. Armer George." Skyla drehte sich langsam zu ihm um. Sein Gesicht sprach Bände. Er saß nicht nur alleine an dem Tisch, sondern neben ihm am anderen Tisch saß Emily und redete auf ihn ein.
„So, dürfte ich jetzt bitte um Ruhe bitten. Die Stunde ist noch nicht rum." Mr. Bankshot fing wieder an, ihnen die Buchstaben beizubringen.
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Unwillkürlich musste sie grinsen. Das war das erste Mal gewesen, dass sie ihm aus der Patsche helfen musste, aber es war auch nicht das letzte Mal. Immer wieder gerieten die Zwillinge in Schwierigkeiten und immer wieder musste sie ihnen helfen, damit die beiden keinen Ärger bekamen.
Zwillinge... es gab doch nur noch einen... Sofort verschwand das Lächeln auf ihrem Gesicht und die Tränen kamen wieder. Nur verschwommen sah sie den Zweig in ihrer Hand.
„Hey, Fred, leider ist es die falsche Jahreszeit und der Zweig blüht nicht wirklich, aber ich hab ihn verzaubert. Ich weiß doch, wie schön du unseren Baum findest, wenn er blüht." Leise sprach Skyla zum offenen Grab. „Weißt du noch der Tag, an dem du ihn das erste Mal bei uns blühen sahst? Es war kurz vor eurem achten Geburtstag gewesen..."
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Es war Ende März und der letzte Tag vor den Osterferien. Skyla kam morgens in die Klasse und sah, dass die Zwillinge schon da waren. George saß neben Fred auf ihrem Platz und die beiden flüsterten miteinander. Emily trat zu den beiden, sagte etwas, das Skyla nicht hören konnte und ging dann wieder, als George ihr antwortete.
„Morgen! Was wollte denn unsere Ms. Reinheit?" Skyla stellte ihre Taschen ab und setzte sich auf den Tisch.
„Morgen.", sagten die Zwillinge im Chor.
„Ach, sie kanns einfach nicht lassen. Sie glaubt, nur weil ihre Familie seit Hunderten von Jahren nur Zauberer und Hexen hervorgebracht hat, dass sie was besseres sei und versteht nicht, dass wir, die wir doch eine ach so reinblütige Familie sind, uns mit solchem Abschaum wie dir abgeben." George klang ziemlich genervt.
Skyla lachte. „Wenn ihr nicht aufpasst, dann färbe ich auf euch ab. Dann ist euer guter Ruf dahin und ihr seid die schlimmsten Blutsverräter, die es gibt."
Auch die beiden lachten. „Das sind wir sowieso schon. Dad ist doch total vernarrt in alles, was mit Muggeln zu tun hat. Du hast ihn ja kennengelernt.", meinte Fred. Skyla nickte. Mr. Weasley befragte sie jedesmal über die Funktionen von allerlei Geräten.
„Naja, sie wird schon bald sehen, was sie davon hat.", meinte George und grinste seinen Bruder verschwörerisch an. Fred nickte.
„Was habt ihr vor?", fragte Skyla besorgt.
„Das wirst du sicher auch gleich sehen und hören.", erwiderte Fred.
Die Glocke läutete und George machte sich auf den Weg zu seinem Platz. Mr. Bankshot hatte die Sitzordnung seit ihrem zweiten Schultag nicht wieder geändert.
„Oh, entschuldige bitte, Emily. Ich hab deine Tasche nicht gesehen.", kam Georges Stimme von hinten. Skyla und Fred drehten sich um. Sie konnten gerade noch sehen, wie Emily George aufhalf. Scheinbar war er über ihre Schultasche gefallen
„Danke, Emily.", sagte George. Was war denn in den gefahren?, fragte sich Skyla. George entschuldigte und bedankte sich bei Emily McIvory. Das konnte sie nicht verstehen.
Er ging zu seinem Platz und setzte sich. Er schaute zu Fred und Skyla und zwinkerte ihnen zu. Sofort drehte sich Skyla zu Fred um und sah ihn fragend an. Doch der schüttelte nur den Kopf und flüsterte: „Gleich."
Mr. Bankshot war mittlerweile in die Klasse gekommen. In den letzten sieben Monaten hatte ihr Lehrer ihnen das ganze Alphabet beigebracht und sie waren dazu übergegangen etwas längere und schwierigere Texte zu lesen.
„Guten Morgen."
„Guten Morgen, Mr. Bankshot."
„Dann wollen wir doch mal sehen, ob ihr alle den Text gelesen habt. Emily fang doch bitte an."
„Okay." Sie legte sich das Buch zurecht, räusperte sich und fing an zu lesen: „'Peter und Sue gehen in den Park. Dort setzen sie sich auf eine Bank. Ein Hund kommt ange- arrgghh!" Emily fing an sich überall zu kratzen. Die ganze Klasse drehte sich zu ihr um.
„Was ist los?", fragte Mr. Bankshot.
„Ich weiß nicht, aber plötzlich juckt bei mir alles." Emily traten Tränen in die Augen. Mr. Bankshot ging zu ihr. Skyla drehte sich zu Fred um und sah ihn ernst an.
„Juckpulver. Kann man in dem einen Muggelgeschäft kaufen." Fred grinste.
„Sag mal, spinnt ihr?" fragte sie scharf und schüttelte den Kopf.
„Wieso? Sie hat eine Abreibung verdient."
In der Zwischenzeit liefen Emily nur so die Tränen hinunter und sie kratze sich überall.
„Mr. Bankshot, ich weiß, was dagegen hilft." Skyla stand auf und trat an Emilys Tisch.
„Okay, dann hilf ihr." Mr. Bankshot ging wieder nach vorne.
„Komm mit aufs Mädchenklo.", sagte Skyla zu Emily. Diese stand auf und folgte ihr kratzend.
„Wasch dir die Hände und ziehe dann deine Klamotten aus.", erklärte Skyla, als sie auf der Mädchentoilette angekommen waren. Emily sah sie entgeistert an.
„Nein, niemals. Das kommt überhaupt nicht in Frage!", wehrte sie sich vehement.
„Okay, dann musst du wohl den ganzen Tag mit diesem Juckreiz auskommen."
„Gibt es denn kein andere Möglichkeit?"
„Nein, du musst die Sachen ausziehen und dich dann waschen und dann neue Kleidung anziehen. Wir haben doch heute Sport. Hast du nix dabei?"
„Doch, aber nur kurze Sachen."
„Hmm... okay, dann hol ich dir deine Sachen und du kannst meine lange Sporthose haben, dann ist dir nicht ganz so kalt. Ich hab auch Seife und einen Waschlappen dabei. Ich bin sofort wieder da." Sie rannte zurück in die Klasse und holte Emilys und ihre Sporttasche. Die anderen sahen sie fragend an, aber sie schüttelte nur den Kopf. Wieder vor der Tür kam ihr eine Idee und sie suchte den Hausmeister auf. Nach einigem Überreden und kleinen Notlügen gab ihr der Hausmeister einen Eimer mit Handschuhen und Putzlappen. Vollbeladen lief sie zum Mädchenklo zurück.
„Emily, ich bin wieder da." Das andere Mädchen schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein.
„Ich bin in der dritten Kabine. Da kam jemand und ich hab mich schnell hier eingeschlossen." Emily drehte den Schlüssel um und öffnete die Kabinentür. Sie hatte sich ausgezogen. „Es ist verdammt kalt."
„Das ist gut. Dann juckt es nicht mehr so schlimm, hab ich recht?" Emily nickte. „Okay. Hier sind deine Klamotten." Sie stellte die Taschen ab. „Und jetzt wollen wir dich erst mal von diesem ekeligen Juckpulver befreien." Sie füllte den Eimer an einem der Waschbecken mit warmen Wasser auf. Dann zog sie sich die Handschuhe über und begann Emily zu waschen. Zusammen schafften es die beiden Mädchen relativ schnell, Emily von dem Juckpulver zu befreien. Schnell zog sie ihre Sportkleidung und Skylas Jogginghose an, damit ihr wieder warm wurde. Emily sah sich im Spiegel an. Sie musste lachen. „Hilfe, seh ich schrecklich aus!"
„Ich dachte, du magst ausgefallene Kleidung?", meinte Skyla. Emily sah sie an und fing dann noch lauter an zu lachen. Skyla verstand die Welt nicht mehr. Was war nur mit der fiesen Emily passiert? Hier vor ihr stand ein lustiges Mädchen, dass sie sogar sympathisch finden konnte.
„Sag mal, woher wusstest du, wie du mir helfen konntest und was beim Barte Merlins ist Juckpulver?"
„Naja, das ganze hast du den Zwillingen zu verdanken. Juckpulver ist ein Scherzartikel der Muggel. Mein Bruder hat das vor einiger Zeit auch mal bei mir gemacht und meine Mutter hat mir so geholfen, wie ich dir."
„Die Zwillinge? Aber warum?"
„Ich glaub, sie mögen es nicht, wie du über Muggelstämmige sprichst und somit auch über mich." Vielleicht kam sie ja jetzt hinter des Rätsels Lösung.
„Ich mag das genauso wenig. Ich hasse mich auch dafür." Sie ließ sich auf den Klodeckel fallen.
„Aber warum machst du das dann?" Skyla war total erstaunt.
„Weil mein Vater diese Ansicht hat und da Amanda unsere Nachbarin ist, erfährt er halt immer, wie ich mich den Leuten gegenüber verhalte." Emily seufzte.
„Was ist mit deiner Mutter?"
„Sie starb, da war ich zwei Jahre. Sie war in einem Muggelladen einkaufen und wurde dabei von einem Muggel, der den Laden überfallen wollte, erschossen. Damals haben wir noch in London gelebt."
„Das ist ja schrecklich. Dann hast du deine Mutter nie kennengelernt?"
„Nein, ich kenne sie nur von Fotos."
„Das ist echt traurig."
„Danke. Auch für deine Hilfe. Es tut mir leid, dass ich so fies und gemein zu dir war, aber das wollte ich eigentlich gar nicht."
„Ist schon in Ordnung."
„Freunde?" Emily hielt ihr eine Hand hin und lächelte unsicher.
„Freunde!" Skyla nahm ihre Hand und lächelte zurück. Emilys Gesicht entspannte sich sofort.
„Lass uns zurück gehen. Die anderen warten bestimmt schon.", meinte Emily.
„Aber was machen wir denn jetzt? Kriegst du keinen Ärger, wenn dein Vater erfährt, dass du dich mit einer Muggelstämmigen angefreundet hast?"
„Ja, wahrscheinlich, aber das werd ich ihm sicher nicht freiwillig erzählen und wenn ich Glück hab, dann tut es Amanda auch nicht, obwohl sie wirklich so drauf ist. Es wird gemunkelt, dass ihre Eltern Todesser waren, als Du-weißt-schon-wer an der Macht war. Du brauchst dir keine Sorgen machen!" Emily hatte Skylas besorgtes Gesicht gesehen. „Mein Vater wird mir nichts schlimmes antun. Hausarrest, Rumschreien und das ein oder andere Verbot, aber das war es dann auch schon. Mein Vater hat mich viel zu lieb. Er hat ja nur noch mich."
Skyla war immer noch nicht so ganz überzeugt. „Okay, aber wenn du Hilfe brauchst, dann sag Bescheid."
„Mach ich, versprochen! Aber jetzt lass uns zurück in die Klasse gehen."
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zurück in die Klasse mit einem Abstecher zum Hausmeister, um ihm den Eimer mit den Handschuhen und den Putzlappen wieder zu bringen. Wieder in der Klasse fragte Mr. Bankshot, was genau denn passiert sei. Skyla schilderte ihm die Geschichte, nur sagte sie ihm nichts von den Übeltätern.
„Und wer ist dafür verantwortlich?"
Skyla schluckte und sah zu Fred, der hinter ihrem Lehrer saß. Der wollte gerade die Hand heben, aber Skyla ging dazwischen. „Ich." Sie sah betreten zu Boden.
„Du?" Mr. Bankshot war sehr erstaunt.
„Ja, Emily war immer so gemein zu mir und da dachte ich mir, sie hat eine Abreibung verdient."
„Und du hattest auch keine Hilfe?"
„Hilfe? Nein, von wem denn?", fragte Skyla überrascht.
„Na gut, dass will ich dir mal glauben. Aber um eine Strafe kommst du nicht herum. Du entschuldigst dich bei Emily und wirst nach der Schule den Schulhof fegen."
„Ja, Mr. Bankshot." Skyla sah betrübt zu Boden.
„Sie hat sich schon bei mir entschuldigt.", meinte Emily.
„Gut. Dann setzt euch wieder auf eure Plätze." Das ließen sich die beiden nicht zweimal sagen und Mr. Bankshot machte mit dem Unterricht weiter.
