Titel: Wo du schon glaubst, da denk ich noch

Fandom: Sherlock (BBC)

Autor: lorelei_lee1968 (Lorelei Lee)

Pairing: Johnlock (John/Sherlock)

Rating: ab 18

Inhalt: John Watson ist auch nur ein Mann. Ein Mann, dessen sexuelle Frustrationsgrenze fast überschritten ist. Das Objekt seiner Begierde? Sherlock. Sein Problem? Sherlock hält ihn für hetero und er hält Sherlock für nicht interessiert. Auch Sherlock ist nur ein Mann, doch er will ihre Freundschaft nicht aufs Spiel setzen. Die Lösung? Ein Prostituierter, der Sherlock verblüffend ähnlich sieht. Doch dies kann nicht von Dauer sein...

Kategorie: Slash, Graphic Sex, Drama, Hurt, Angst, Romantik, Prostitution, Drogen.

Anmerkung: Die Idee dazu war einfach da. Zumindest eine Szene aus einem der letzten Kapitel war plötzlich in meinem Kopf und daraus hat sich dann diese ganze Story entwickelt. Ja – die Grundidee ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen, aber lasst euch ruhig mal darauf ein... sogar dafür gibt es in einem der letzten Kapitel eine plausible Erklärung. In dieser Story dürfte es wesentlich mehr Drama geben, als bei „Never change a running system" und auch nicht ganz so viel Humor, aber ich hoffe, ihr habt dennoch euren Spass!

Disclaimer: Mir gehört gar nichts. Ich verdiene nichts daran und mache das nur zum Spaß. Sherlock Holmes gehört Sir Arthur Conan Doyle. Sherlock-BBC gehört der BBC und Moffat und Gatiss.


Wo du schon glaubst, da denk ich noch

Teil 04


When God did take my logic for a ride

(aus dem Song „Width of a circle" von David Bowie)

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Nach diesem Abend hörte John auf, sich selbst etwas vorzumachen. Da er Sherlock nicht haben konnte, nahm er eben das nächstbeste – und das war Pierre. John hatte eine leise Vorahnung, dass das alles nicht gut ausgehen konnte, aber in seiner derzeitigen Verfassung war er einfach machtlos gegen seinen Körper, gegen seine Gedanken, gegen sich selbst. Er brauchte das einfach. Er brauchte dieses Ventil, er brauchte dieses Gefühl des Losgelöstseins, auch wenn es immer für sehr, sehr kurze Zeit andauerte. Er wusste einfach, dass er andernfalls nicht bei gesundem Verstand bleiben würde.

Einerseits war es natürlich bedauerlich, dass die Zweitbesetzung seines idealen Gespielen ein Stricher war, andererseits war es vielleicht auch eine glückliche Fügung, denn John hatte so eine Ahnung, dass er unter anderen Umständen zumindest versucht hätte, eine Beziehung zu Pierre einzugehen. Das hätte aber in letzter Konsequenz bedeutet, er hätte sich zwischen Pierre und Sherlock entscheiden müssen. Und diese Entscheidung wäre ihm schlichtweg unmöglich gewesen.

Daher begnügte er sich damit, Pierre in halbwegs regelmäßigen Abständen aufzusuchen. Meist nach einem Vorfall mit Sherlock. Dabei spielte es bald keine Rolle mehr, ob er sich mit Sherlock gezankt hatte, oder ob dieser ihn unbeabsichtigt durch irgendetwas in Erregung versetzt hatte.

Es blieb nicht aus, dass er Pierre nicht immer antraf, so dass er einige Male unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren musste – gereizt, unausgeglichen, unbefriedigt. Auch war es schon vorgekommen, dass einer der anderen jungen Männer ihm ausgerichtet hatte, Pierre wäre gleich da und er möge sich bitte noch ein wenig gedulden.

Manchmal wartete er, manchmal nicht, denn eigentlich war ihm der Gedanke zuwider, Pierre zu berühren, während dieser quasi noch warm war von den Händen eines anderen Mannes.

Meist gelang es ihm aber, sich die Illusion zu erhalten, Pierre wäre exklusiv nur für ihn alleine auf dieser Welt, denn dass dies nicht der Fall war, war für John der verstörendste Gedanke von allen, denn John war im Grunde seines Herzens treu. Er liebte das Monogame, das Exklusive – er teilte nicht gern und erwartete diese Haltung eigentlich auch von seinen Partnern.

Was allerdings verblüffend war, war die Tatsache, dass die anderen Prostituierten ihm keinerlei Avancen machten, selbst dann nicht, wenn Pierre nicht verfügbar war. Es war eher das Gegenteil der Fall. Mehr als einmal hatten ihm die jungen Männer angeboten, Pierre eine SMS zu schicken, mit der Nachricht, dass John da wäre. Bislang hatte John diese Freundschaftsdienste jedoch immer abgelehnt.

Er konnte sich diese ungewöhnliche Solidarität und Hilfsbereitschaft nur damit erklären, dass die anderen eine Romanze witterten, der sie unbedingt auf die Sprünge helfen wollten. John wollte sie in dem Glauben lassen, auch wenn es nicht der Wahrheit entsprach.

Dennoch konnte John nicht verhehlen, dass er an Pierre auch als Mensch interessiert war und über die Wochen hinweg immer mehr über ihn in Erfahrung gebracht hatte.

Seine Mutter war Französin, sein Vater Engländer – aus Wales, um genau zu sein – aufgewachsen in Frankreich, da die Eltern getrennt lebten, als Student nach London gekommen... und hier geblieben. Wie es dazu gekommen war, dass er auf den Strich ging und ob das seine einzige Einnahmequelle darstellte, oder was er studiert hatte, verschwieg er jedoch hartnäckig.

All diese Informationen hatte Pierre ihm nur nach und nach serviert, da es nicht ausblieb, dass sie sich zu Beginn oder am Ende ihrer Treffen ein wenig unterhielten. Es waren nie wirklich lange Gespräche, denn Pierre drängte immer ein wenig zum Aufbruch, mit dem sanften Hinweis, er hätte noch zu tun, aber es genügte doch, um in John nicht nur so etwas wie Interesse, sondern sogar ein wenig wärmere Gefühle für Pierre entstehen zu lassen.

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„Was soll ich mit einem Obstkorb? Soll ich mit einem Obstkorb die Miete bezahlen?", fragte Sherlock mit beißender Höflichkeit.

Es half nicht wirklich, dass er nur mit T-Shirt, Pyjama-Hose und Morgenmantel bekleidet war. Von Rechts wegen hätte er lächerlich wirken müssen, seltsamerweise unterstrich seine legere Kleidung eher noch die Anklage, welche in seiner Äußerung mitgeschwungen hatte – als wäre er ein mittelloser Künstler... kurz vor dem Verhungern und in peinlichster Geldverlegenheit.

„Sherlock, den Scheck habe ich doch schon längst", zischte John ihm hastig zu und wandte sich dann wieder an das ältere Ehepaar, welches auf ihrem Sofa saß und ihn entsetzt und brüskiert anstarrte. „Er meint: Das wäre doch nicht nötig gewesen", übersetzte John mit einem breiten und etwas hilflosen Lächeln.

Dabei war es so eine schöner Fall gewesen! John hatte auch schon einen Titel für seinen nächsten Blogeintrag. Die Braumeister von Norwood." Sherlock würde darüber sicher wieder etwas zu meckern haben, aber immerhin hatte es sich um ein verschwundenes Familienrezept für ein besonderes, hausgebrautes Bier gehandelt, um einen internationalen Getränkekonzern, um Marktanteile und Konkurrenz und um eben dieses reizende Braumeister-Ehepaar, welches nun völlig perplex auf ihrem Sofa saß.

Es war auch sehr ungewöhnlich, dass Sherlock seiner Bezahlung soviel Beachtung schenkte. Normalerweise kümmerte er sich nicht darum, stellte oftmals auch gar keine Rechnung. Doch bei Sherlocks Sprunghaftigkeit wunderte sich John über derlei Unstimmigkeiten schon lange nicht mehr.

Der Braumeister starrte ihn verwirrt an und kratzte sich verlegen am Kopf.

„Meine Frau meinte ja nur, weil uns Mister Holmes so sehr geholfen hat..."

„Ich dachte, sie freuen sich", warf die Frau vorwurfsvoll ein.

„Das tut er auch... also, wir. Wir freuen uns wirklich über die nette Geste", beeilte sich John zu versichern und verpasste Sherlock dabei einen ziemlich groben Rippenstoß.

„Mach einfach, dass sie wieder gehen", wies Sherlock John an, ohne sich die Mühe zu geben, seine Stimme zu senken. „Ich habe da ein Experiment, das keinen weiteren Aufschub duldet, sonst war die ganze Mühe umsonst." Mit diesen Worten ging er mit wehendem Morgenmantel in die Küche, setzte sich dort an den Küchentisch und widmete seine ungeteilte Aufmerksamkeit seinem Mikroskop.

John seufzte, dann setzte er ein falsches, breites Lächeln auf und komplimentierte das Ehepaar unter wortreichen Entschuldigungen und Dankesbezeugungen aus der Wohnung.

„War das notwendig?", rief er anschließend in Richtung Küche.

„Ja", war die trockene Antwort. „Die wären sonst nie gegangen."

„Und was ist das nun für ein wichtiges Experiment?", fragte John, nahm sich ein Buch vom Regal und setzte sich in seinen Sessel.

„Das würdest du sowieso nicht verstehen", gab Sherlock schroff zurück.

„Vielen Dank auch", meinte John sarkastisch und seufzte genervt.

Für eine Weile kehrte Ruhe in der Wohnung ein. John gelang es tatsächlich ein ganzes Kapitel zu lesen, bevor Sherlock die Küche verließ und das Wohnzimmer betrat. Seine Haare waren in völliger Unordnung, als ob er mit beiden Händen verzweifelt darin herum gewühlt hätte... oder wie nach einer wilden Nacht... variierte John den Gedanken und rief sich gleich darauf zur Ordnung.

Wie lange hatte er sich schon nicht mehr mit Pierre getroffen?

Ohne von seiner Außenwelt Notiz zu nehmen, starrte Sherlock mit gerunzelter Stirn auf ein Blatt Papier, das er in seiner rechten Hand hielt. John sah lediglich, dass das Blatt über und über mit Sherlocks Handschrift bedeckt war. Das meiste davon schienen Formeln und hingekritzelte Diagramme zu sein.

John konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er bemerkte, wie Sherlocks linke Hand geistesabwesend in dem geschmähten Obstkorb herumsuchte und schließlich nach einer Banane griff. Den Blick immer noch starr auf das Papier gerichtet, legte er es kurz auf dem Obstkorb ab um mit beiden Händen die Banane ein Stück weit zu schälen. Dann nahm er das Papier wieder auf, blieb jedoch mit der Banane in der linken und dem Papier in der rechten Hand mitten im Wohnzimmer stehen.

Mit einem gespannten Lächeln beobachtete John über den Rand seines Buches hinweg die weiteren Vorgänge und schloss insgeheim mit sich selbst einige Wetten ab. Würde Sherlock die Banane tatsächlich essen oder würde er sie wieder zurücklegen? Wenn er die Absicht hatte sie zu essen, würde er dann überhaupt seinen Mund treffen – abgelenkt wie er war? Oder würde die Banane woanders landen? Im Auge? In der Nase? In seinen Haaren? John unterdrückte ein Kichern. Jetzt war es wichtig, keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, sonst würde die Heisenbergsche Unschärferelation voll zuschlagen und es wäre vorbei mit der reinen, unverfälschten Beobachtung.

Da!

Sherlock führte seine Hand mit der Banane Richtung Mund.

Näher... näher... noch ein kleines Stückchen... sein Mund öffnete sich...

Dann ließ er die Hand wieder sinken.

John grinste. Das war sogar noch amüsanter und spannender, als er geglaubt hatte.

Oh! Ein zweiter Versuch!

So rasch nach dem ersten? Sherlock musste tatsächlich hungrig sein.

Die Banane näherte sich dem Mund... der Mund öffnete sich erneut...

Ein Stirnrunzeln, ein verärgertes Schnauben... die Hand senkte sich.

Sherlock führte noch weitere drei Mal die Banane relativ ergebnislos in Richtung seines Mundes und John fand es plötzlich gar nicht mehr so amüsant, sondern eher ungewollt erregend. In seinem Kopf entstanden plötzlich Bilder in denen sich die Banane aus unerfindlichen Gründen in ein sehr, sehr männliches Körperteil verwandelt hatte.

John schluckte krampfhaft und musste nun kein Kichern mehr unterdrücken sondern ein höchst unmännliches Wimmern.

Und wieder führte Sherlock die Banane zu seinem Mund.

Oh Gott! Sein Mund öffnete sich... die Banane berührte seine Lippen, die sich ein ganz klein wenig darum schlossen... für den Bruchteil einer Sekunde daran saugten... und... Nichts! Wieder nichts! Wieder zurück auf Anfang.

John versuchte, möglichst unauffällig seine Beine übereinander zu schlagen um gewisse Veränderungen die gerade mit seinem Körper vor sich gingen vor allzu durchdringenden Blicken zu verbergen. Ja – er hätte den Raum verlassen können... er hätte sich räuspern können, um Sherlock komplett von der Banane abzubringen, doch weder zu dem einen, noch zu dem anderen konnte er sich durchringen.

Es ging wieder los.

Banane... Mund... Lippen öffnen sich... berühren die Banane... John spürte, wie ihm ein Schweißtropfen an der linken Schläfe hinab lief und wie sich sein Herzschlag beschleunigte.

Sherlocks Hand senkte sich ein wenig... bewegte sich dann aber wieder zurück in Richtung Mund... wieder stupste die Banane gegen die vollen Lippen... wieder öffneten sich diese... eine rosige, spitze Zunge zeigte sich und... JESUSMARIA! leckte über die Spitze der Banane. Einmal, zweimal, drei...

„ISS ENDLICH DIE VERDAMMTE BANANE!", brüllte John – plötzlich am Ende seiner Kräfte angekommen.

Sherlock schrak bei dem unverhofften Aufschrei derart zusammen, dass die Banane quer durch das Wohnzimmer flog und auf dem Sofa landete. Weit aufgerissene grünlich-blaue Augen starrten John entsetzt an.

„Ist doch wahr!", startete John einen Rechtfertigungsversuch und verdeckte mit seinem Buch mehr oder weniger geschickt die gewaltige Beule in seiner Hose. „Iss endlich oder lass es. Mit Essen spielt man nicht!"

Es schien, als ob Sherlock für die Dauer eines Herzschlages mit seiner Antwort zögerte, doch dann fauchte er zurück: „Geht's noch?! Was ist denn in dich gefahren? Ich arbeite hier! Jetzt kann ich wieder von vorne anfangen. Vielen Dank auch!"

„Oh, bitte, gern geschehen", gab John mit beißender Ironie zurück.

„Hier kann ich nicht in Ruhe arbeiten!", rief Sherlock aus – ganz gekränktes und missverstandenes Genie. „Ich gehe ins Labor."

„Grüß Molly schön und zieh dir vorher noch was richtiges an", meckerte John. „Wenn sie dich wegen unzüchtigem Verhalten verhaften – ich werde keine Kaution stellen."

„Du bist ein echter Freund!", erwiderte Sherlock sarkastisch und ging mit langen Schritten und dramatisch wogendem Morgenmantel in sein Schlafzimmer. „Warte nicht auf mich!"

„Als ob", giftete John ihm noch hinterher, dann sank er in seinen Sessel zurück und versuchte, seinen fast schon schmerzhaften Ständer mit einem vorsichtigen Griff etwas bequemer in seiner eng gewordenen Hose zu platzieren. Gott, warum machte ihn dieser Mann nur so verrückt?

Es war wirklich höchste Zeit. Gleich heute Abend würde er wieder einen Spaziergang machen.

Hoffentlich war Pierre nicht gerade anderweitig beschäftigt.

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Heiße Haut. Volle Lippen. Unerträgliche Erregung. Leises Stöhnen. Schweißperlen auf nackten Körpern. Das kaum wahrnehmbare Geräusch einer Kondompackung, die geöffnet wird. Überraschend sanfte Hände. Endlich...

Zunge, Lippen, Mund... heiß, feucht, erregend.

Ein Hauch von Zähnen.

Perfekt.

Nervenkitzel und Lust in vollkommener Balance.

Zunge, Hände, Lippen.

Ein Blick. Fragende Augen. Eine zweite Härte, die sich gegen Johns Oberschenkel drückte.

Innehalten.

Die erste Reaktion: Ja! Ja!

Dann... Wiedereinsetzen des Verstandes.

Kopfschütteln.

Nicht jetzt. Nicht heute.

Heute nur...

Er verstand. Er verstand immer.

Nur Zunge, Lippen und Mund.

Über Johns Körper glitt nur noch eine Hand in streichelnden Kreisen.

Die Matratze schwingt mit dem Rhythmus einer zweiten Bewegung mit.

Ein zweites Stöhnen mischt sich gedämpft unter Johns eigenes Keuchen.

Zittern, Beben, Vibrieren.

Zunge, Lippen und Mund.

Ja.

Ja!

JA!

Erlösung, Entladung, Erleichterung.

Nur langsam drang John wieder seine Umgebung ins Bewusstsein.

Das schäbige Hotelzimmer mit seiner nackten, nur schwach leuchtenden Glühbirne an der Decke, die verblichenen Tapeten an der Wand. Das Bett mit der überraschend sauberen Bettwäsche und der durchgelegenen Matratze.

Das von Pierres Speichel immer noch feuchte Kondom, das sich langsam aber sicher unangenehm klamm an seinem erschlaffenden Penis anfühlte.

Neben seinen Beinen Pierre selbst.

Zwischen seinen Beinen ein feuchter Fleck auf dem Bettlaken von Pierres Sperma.

„Das war ziemlich unprofessionell von mir", flüsterte Pierre an seinem Oberschenkel. „Ich hoffe, es stört dich nicht."

„Es hat mich überrascht", erwiderte John. Er fühlte sich matt und angenehm schläfrig. Gedankenverloren glitten seine Finger in einer liebkosenden Bewegung durch Pierres Haar.

Ein Schulterzucken.

„Ich mag dich, John. Du bist nett. Und du warst heute so..." Wieder ein Schulterzucken. „Es hat mich einfach mitgerissen."

„Mmhh", machte John. Die Augen fielen ihm zu.

„Du hast das Zimmer für eine Stunde bezahlt... davon ist erst die Hälfte um. Willst du nochmal?"

John lachte leise.

„Ich wünschte, ich könnte."

„Gut, dann..." Pierre stand auf und suchte auf dem Fußboden seine Jeans und sein Hemd zusammen.

„Musst du wirklich schon wieder weg?", hörte John sich fragen. Was tat er hier? Flirtete er jetzt schon mit einem Stricher? „Bleib doch noch."

„Wozu?", fragte Pierre ohne ihn anzusehen. Er knöpfte gerade sein Hemd zu.

„Wir könnten reden... uns ein bisschen unterhalten."

Pierre seufzte leise.

„Das ist keine gute Idee." Er schlüpfte in seine Schuhe und ging zur Tür. „Sei nicht böse. Aber du weißt selbst, dass das keine gute Idee ist. Ich hoffe..." Er biss sich kurz auf die Unterlippe. „Wir sehen uns trotzdem wieder?"

John nickte. So lange er sich eine Wohnung mit Sherlock teilte, würde er unter Garantie in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Pierres Dienste in Anspruch nehmen müssen. Entweder das, oder er würde überschnappen. Da war sich John sehr sicher.

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Als Ramon im Morgengrauen seine Wohnung betrat, saß der Mann, der sich nun schon seit Wochen als Pierre ausgab, wie ein Häufchen Elend mit angezogenen Knien auf seinem Sofa.

„Was machst du denn noch hier?", fragte Ramon. „Ich dachte, du wärst schon längst wieder weg. Ist was passiert?"

„Er fängt an, mich zu mögen", erwiderte der andere Mann dumpf.

Ramon rollte mit den Augen.

„Ich habe dir gleich gesagt, lass die Finger davon!", rief er aufgebracht. „Freier und Stricher... da haben Gefühle nichts verloren. Aber du... du hast gesagt: Das hab ich voll im Griff, keine Angst. Und? Was ist jetzt? Hatte ich Recht oder hatte ich Recht?!"

„Ja, du hattest Recht! Bist du jetzt zufrieden?"

„Scheiße, nein!"

Für einen Moment herrschte Schweigen.

Dann sagte Ramon: „Wirst du ihn wiedersehen?"

Der andere Mann nickte.

„Der Herr steh uns bei", fluchte Ramon.

„Lass Gott aus dem Spiel", sagte Pierre mit deutlicher Missbilligung.

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Fortsetzung folgt...

Hier spiele ich – allerdings nur mit dem Titel – auf „der Baumeister aus Norwood" auch unter dem Titel „die gefährliche Erbschaft" veröffentlicht („the Norwood Builder") an.