Hallo ihr Lieben,
Ein neues Kapitelchen für euch.
Würde mich über ein paar Reviews freuen :)
LG Lucia
Amicitia et fides
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Freundschaft und Treue
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Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J. K. Rowling.
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Kapitel 4
Ohne Ausweg
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Severus starrte auf den Brief in seiner Hand. Diesmal war es nicht Dreck, den Lucius über das Pergament verschmiert hatte, sondern Blut.
Nun, das war zu erwarten gewesen, oder? Die Wächter von Askaban waren nicht eben für ihren sanften Umgang mit den Gefangen berühmt. Außerdem hätte Lucius sich die Verletzung auch anders zuziehen können. Vielleicht war ja alles ganz harmlos, nur ein kleiner Kratzer, Ergebnis einer Unachtsamkeit, einer scharfen Kante am Bettgestell, einer ungeschickten Bewegung mit der spitzen Schreibfeder ...
Doch Severus gab sich keinen Illusionen hin. Selbst wenn Lucius noch nichts geschehen, selbst wenn er jetzt noch relativ unbeschädigt war – es würde nicht lange so bleiben. Askaban richtete seine Insassen zu Grunde, Stück für Stück, Tag um Tag, ihren Körper, ihren Geist, ihre Seele.
„Bleib!", befahl er der Posteule, die eben Anstalten machte, sich von seinem Schreibtisch zu erheben. Diesen Brief würde er sofort beantworten. Er warf dem Vogel einige Eulenkekse hin und begann zu schreiben.
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Sehr geehrter Mr. Malfoy,
Sie belästigen mich nicht. Sie sind der Vater eines meiner Schüler und haben daher ein Anrecht auf meine Zeit und meine Auskünfte.
Die letzten Noten Ihres Sohnes im Fach Zaubertränke waren überraschend gut. Derzeit bewegen sie sich eindeutig im Bereich „Erwartungen übertroffen". Auch von den anderen Lehrern habe ich keine Klagen gehört. Draco scheint sich seinen Studien mit neu erwachtem Eifer zu widmen.
Mr. Malfoy, wenn ich es nicht für klug hielte, dass Sie Ihre Nachrichten an Ihren Sohn durch mich übermitteln, hätte ich Ihnen diesen Vorschlag nicht gemacht. Es liegt selbstverständlich allein an Ihnen, ob Sie ihn annehmen oder nicht. Ich habe jedoch den Eindruck, dass Ihr Sohn eine gelegentliche Nachricht von Ihnen sehr zu schätzen wüsste, und da ich den Jungen täglich sehe und hier in Hogwarts sein erster Ansprechpartner auch für außerschulische Angelegenheiten bin, hielt ich mich für den geeigneten Boten in dieser Angelegenheit. Doch, wie gesagt, das ist Ihre Entscheidung.
Sie glauben, dass Ihr Name wieder aufsteigen wird? Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt ... Doch es wird Sie vielleicht freuen zu hören, dass Ihr Sohn Sie nach wie vor verehrt und fest entschlossen ist, die Ehre seiner – und Ihrer – Familie zu verteidigen.
Hochachtungsvoll
Prof. Severus Snape.
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Nachdem er den „offiziellen" Teil des Briefes beendet hatte, lehnte Severus sich auf seinem Stuhl zurück und atmete tief durch. Der persönliche Abschnitt würde weit schwieriger werden ...
Die Eule klackerte fordernd mit dem Schnabel und Severus warf ihr eine weitere Hand voll Eulenkekse hin. Dann trank er einen großen Schluck aus seinem Weinglas und machte sich an den geheimen Teil seiner Antwort an Lucius.
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Lieber Lucius,
verzeih mir bitte. Der Ton meiner bisherigen Briefe war unangemessen grob, ich weiß. Aber ich stehe derzeit unter enormem Druck – einem Druck, von dem du dir keine Vorstellung machen kannst, da ich –. Nun, ich will zuerst auf das antworten, was du mir geschrieben hast.
Zunächst zu deinem „offiziellen" Brief: Ich habe dir vorgeschlagen, über mich Nachrichten an deinen Sohn zu übermitteln, damit du einen Vorwand hast, mir zu schreiben. Und schreiben musst du, so oft sie dich lassen, Lucius! Wenn dir nichts Besseres einfällt, dann fang an, deine Memoiren zu verfassen und lasse sie Draco über mich zukommen. Du musst den Kontakt zur Außenwelt halten, sonst verlierst du über kurz oder lang den Verstand!
Nun zum zweiten Teil deines Briefes. Es war nicht meine Absicht, auf dir oder deinen Gefühlen herumzutrampeln. Ich war – und bin es noch – wütend auf dich, weil ich überzeugt bin, dass das Desaster im Ministerium hätte vermieden werden können. Sicher, es war nicht allein deine Schuld. Doch versuch nun bitte nicht, mir die Verantwortung für dein Scheitern in die Schuhe zu schieben. Als ich die betreffenden Schüler das letzte Mal gesehen habe, waren sie allesamt in Dolores Umbridges Büro, unter der Aufsicht besagter Dame und ihres lächerlichen Inquisitions-Komitees – zu dem übrigens auch dein Sohn gehörte. Konnte ich ahnen, dass die alte Kröte sich von einer Hand voll Kinder würde überwältigen lassen? Und Potter sollte schließlich zu euch ins Ministerium kommen ...
Du müsstest eigentlich wissen, dass ich deine Abneigung gegen Bellatrix teile. Aber in diesem Fall konnte sie nicht lügen – der Dunkle Lord hat sie vor dem versammelten Orden zwangs-legilimentisiert. Für die Fehler, die sie bei der Ministeriums-Mission begangen hat, hat sie SEINEN Zorn ausgiebig zu spüren bekommen. Dass deine Schwägerin geisteskrank ist, brauchst du mir nicht zu sagen, das sieht jeder, der seine fünf Sinne halbwegs beisammen hat. Doch was immer ihre Fehler im Ministerium waren – du hattest die Leitung dieser Aktion, und ER macht dich allein für ihr Scheitern verantwortlich.
Bellatrix mag auf Narcissa einreden, so viel sie will, deine Frau steht fest zu dir. Das Gleiche gilt für deinen Sohn. Draco verehrt dich. Er verehrt dich so sehr, dass es nicht mehr gut für ihn ist. Du bist sein einziges Vorbild. Er will werden wie du – in jeder Hinsicht.
Lucius, ich kann nicht in Worte fassen, wie Leid es mir tut, aber für irgendwelche Überzeugungsarbeit von deiner Seite ist es längst zu spät. Draco hat das Mal angenommen – keine vier Wochen, nachdem dein Urteil feststand. Er will dich ersetzen – und er muss dich ersetzen, der Dunkle Lord hat ihm keine andere Wahl gelassen.
Du weißt so gut wie ich, dass unser Herr keinen Argumenten zugänglich ist. Dein Sohn soll das Werkzeug SEINER Rache sein – SEINER Rache an dir. ER hat den Jungen mit einer Aufgabe betraut, die Draco nicht wird erfüllen können: Draco soll Dumbledore töten. Wenn er versagt, bedeutet das euren Tod – seinen, deinen, Narcissas.
Die guten Zeiten für euch sind vorbei, Lucius, so lange der Dunkle Lord existiert. Und du weißt, dass ER unsterblich ist.
Ich war noch nie gut darin, anderen Trost zu spenden. Doch ich will alles tun, um deinen Jungen zu schützen. Alles, Lucius. ER hat mich an deine Stelle gesetzt – ich bin jetzt SEINE Rechte Hand. Ich werde meinen Einfluss nutzen, so gut ich kann.
Deine Frau war bei mir, begleitet von Bellatrix. Narcissa hat mich angefleht, euren Sohn zu beschützen. Ich habe ihr den Unauflösbaren Eid geleistet.
Severus Snape.
P.S.: Mach nicht so viele Ausrufezeichen – ich habe immer das Gefühl, du würdest mich aus deinen Briefen heraus anbrüllen.
S. S.
P.P.S.: Ich habe die Befürchtung, dass du verletzt sein könntest, auch wenn du nichts dergleichen geschrieben hast. Daher habe ich der Eule eine Notiz an die Gefängnisleitung mitgegeben, eine Bitte, dich heilkundlich zu versorgen. Ich hoffe, mein Gesuch bringt dir Hilfe und keine zusätzlichen Schwierigkeiten.
S. S.
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Fortsetzung folgt.
